Aku-Taping -  - E-Book

Aku-Taping E-Book

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Beschreibung

Lesen, sehen, tapen! Synergien nutzen - mit einem überzeugenden Therapieansatz, der Akupunktur, Triggerpunkte und Taping miteinander verbindet. Dieses Werk stellt Ihnen die Praxis des Aku-Tapings gut nachvollziehbar und ausführlich illustriert dar. Basis sind die Grundsätze der Chinesischen Medizin: beim Tapen werden die Akupunkturpunkte zusätzlich zu den gestörten Muskel- und Gelenkfunktionen berücksichtigt. Auch die Triggerpunkte der schmerzhaften Muskulatur sind bebildert und beschrieben. Übersichtlich gestaltete Doppelseiten zeigen im Hauptteil zu jedem Muskel - das Tape, - die Triggerpunkte und - wichtige Akupunkturpunkte. Eine leicht umsetzbare Regulationstherapie!

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Seitenzahl: 299

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Hans-Ulrich Hecker, Kay Liebchen

Aku-Taping

Akupunkturpunkte, viszerale und myofasziale Triggerpunkte

194 Abbildungen

Unter Mitarbeit von

H. Michael Koch Ansgar Römer

Autor

Dr. med. Hans-Ulrich Hecker

Facharzt für Allgemeinmedizin

Zusatzbezeichnungen Akupunktur, Naturheilverfahren, Homöopathie, Ärztliches Qualitätsmanagement

Lehrbeauftragter für Naturheilverfahren und Akupunktur am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein – Campus Kiel

Wissenschaftlicher Leiter der Ausbildung für Naturheilverfahren und Akupunktur an der Akademie für ärztliche Fortbildung der Landesärztekammer Schleswig-Holstein

niedergelassen in Gemeinschaftspraxis für Akupunktur und Naturheilverfahren in Kiel

Dr. med. Kay Liebchen

niedergelassener Orthopäde/Rheumatologe mit den Schwerpunkten Spezielle Schmerztherapie, Akupunktur, Osteopathie und Aku-Taping

davor langjährige Tätigkeit als Oberarzt der Schmerzklinik Damp und einer orthopädischen Abteilung der Reha-Klinik Damp

Medizinischer Gutachter für Gerichte, Berufsgenossenschaften und Versicherungen

Mitgründer und Fachlehrer der Akademie für Osteopathie und Naturheilverfahren

Dozent für Akupunktur bei der Fortbildungsakademie der Landesärztekammer Schleswig-Holstein mit dem besonderen Schwerpunkt: Verknüpfung von Akupunktur mit Manueller Therapie und Osteopathie, Triggerpunkttherapie und Aku-Taping

Herausgeber/Autor/Mitautor mehrerer Fachbücher und Fachartikel

Vorwort

2003 haben die Herausgeber diese eigenständige Behandlungsmethode vorgestellt; seither hat das Aku-Taping eine weite Verbreitung und auch internationale Beachtung gefunden. Das erfolgreiche als Patienten-Ratgeber herausgegebene Buch Aku-Taping – sanft gegen den Schmerz (Hecker u. Liebchen 2010) wurde ins Englische übersetzt und wird in englischsprachigen Ländern mit Erfolg vertrieben. Das Aku-Taping hat auch erfolglich Einzug in die tägliche ärztliche Behandlungswelt gefunden. Weiterbildungskurse in Aku-Taping werden von verschiedenen Ärztekammern, Universitäten und Fachgesellschaften angeboten und tragen so zur weiteren Verbreitung dieser sanften Behandlungsmethode bei.

Nach vielen Weiterbildungskursen und wichtigen Anregungen durch Kursteilnehmer wurde der Ruf nach einem Therapeutenbuch immer lauter: Die Herausgeber hoffen, dass das nun vorliegende Werk als Summe des bislang angehäuften Wissens dazu beitragen wird, den Informationshunger der an Aku-Taping interessierten Leser zu stillen. Anregungen und Ergänzungen werden gern entgegengenommen, da wir an der Weiterentwicklung dieser jungen Behandlungsmethode weiterhin sehr interessiert sind. Eines sei bereits an dieser Stelle gesagt: Aku-Taping stellt nicht den Anspruch, alles und jeden mit dieser Methode behandeln zu können; es handelt sich – wie die im Buch des Weiteren angeführten Behandlungsmethoden, Akupunktur, TCM, Triggerpunkttherapie und Osteopathie/Manuelle Therapie – grundsätzlich um eine Regulationstherapie bei funktionell bedingten Gesundheitsstörungen! Gerade die Synergien das Tapings mit den genannten Verfahren sind die Basis und bedingen den Erfolg der Methode.

Ein neues Buch ist auch Anlass dafür, unseren Dank all denen auszusprechen, die direkt oder indirekt an diesem Buch mitgewirkt haben: Wir danken unseren Mitautoren Dr. Koch und Dr. Römer für ihre Bereitschaft und ihren Einsatz beim Erarbeiten von Fallbeispielen, die ein solches Buch mit zusätzlicher Praxisnähe bereichern. Frau Monika Grübener vom Haug-Verlag und der Redakteurin Frau Dr. Jennifer Nehls sei ebenfalls für die professionelle Umsetzung gedankt. Last but not least danke ich, Hans-Ulrich Hecker, meiner langjährigen „Sekretärin“ Frau Gilleberg für ihren stets zuverlässigen Einsatz, nicht nur beim Schreiben dieses Buches und ich, Kay Liebchen, meiner langjährigen Sekretärin Frau Monika Lebiocki für das unermüdliche Schreiben von nicht alltäglichem medizinischen Fachvokabular.

Heikendorf, Borgwedel, im November 2011

Dr. med. Hans-Ulrich Hecker, Dr. med. Kay Liebchen

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Teil 1 Grundlagen

1 Aku-TapingHans-Ulrich Hecker, Kay Liebchen

1.1 Was ist Aku-Taping?

1.1.1 Wirkrichtungen des Aku-Tapings

1.2 Einsatz des Aku-Tapings

1.2.1 Indikationen

1.2.2 Kontraindikationen

1.3 Praxis des Aku-Tapings

1.3.1 Material und Materialeigenschaften

1.3.2 Taping-Formen

1.3.3 Anlegen des Tapes

1.4 Leitbahn-Tapes

1.4.1 Hauptindikationen für die Leitbahn-Tapes

2 Muskel-Tapes und myofasziale TriggerpunkteHans-Ulrich Hecker, Kay Liebchen

2.1 Grundlagen

2.1.1 Epidemiologie

2.1.2 Muskelphysiologie

2.1.3 Pathophysiologie myofaszialer Schmerzen

2.1.4 Chronifizierungsmodell bei myofaszialem Schmerzsyndrom

2.1.5 Grundlegende therapeutische Überlegungen

2.1.6 Spezielle Triggerpunktuntersuchung

2.2 Vorbemerkungen zu Muskel-Tapes

2.3 Muskel-Tapes und Triggerpunkte

2.3.1 M. temporalis

2.3.2 M. masseter

2.3.3 M. pterygoideus lateralis

2.3.4 M. rectus capitis, M. obliquus capitis

2.3.5 M. splenius capitis

2.3.6 Mm. scaleni anterior, medius et posterior

2.3.7 M. trapezius

2.3.8 M. levator scapulae

2.3.9 M. sternocleidomastoideus

2.3.10 M. subclavius

2.3.11 M. pectoralis major

2.3.12 M. pectoralis minor

2.3.13 M. rhomboideus minor et major

2.3.14 M. supraspinatus

2.3.15 M. infraspinatus

2.3.16 M. subscapularis

2.3.17 M. biceps brachii

2.3.18 M. triceps brachii

2.3.19 M. supinator

2.3.20 M. extensor carpi radialis longus

2.3.21 M. extensor digitorum communis

2.3.22 M. flexor digitorum superficialis

2.3.23 M. pronator teres

2.3.24 M. extensor pollicis brevis

2.3.25 M. rectus abdominis

2.3.26 M. obliquus externus abdominis

2.3.27 M. iliacus/M. psoas major

2.3.28 M. quadratus lumborum

2.3.29 M. glutaeus maximus

2.3.30 M. glutaeus medius

2.3.31 M. glutaeus minimus

2.3.32 M. piriformis

2.3.33 M. quadriceps femoris

2.3.34 Hamstrings (M. biceps femoris, M. semimembranosus, M. semitendinosus)

2.3.35 M. gracilis

2.3.36 M. tensor fasciae latae

2.3.37 M. gastrocnemius

2.3.38 M. tibialis anterior

3 Übersetzung westlicher Diagnosen in chinesische SyndromeHans-Ulrich Hecker, Kay Liebchen

3.1 Allgemeines Erschöpfungssyndrom

3.2 Atemwegserkrankungen

3.2.1 Asthma bronchiale

3.2.2 Infektanfälligkeit

3.2.3 Sinusitis

3.3 Chronische Schmerzsyndrome

3.3.1 Kopfschmerzen

3.3.2 HWS-Syndrom

3.3.3 LWS-Syndrom

3.3.4 Rheumatische Gelenkbeschwerden

3.4 Geistige und emotionale Störungen

3.4.1 Schlafstörungen

3.4.2 Depression

3.5 HNO-Erkrankungen

3.5.1 Schwindel

3.5.2 Tinnitus

3.6 Herz-Kreislauf-Erkrankungen

3.6.1 Hypertonie

3.6.2 Hypotonie

3.6.3 Palpitationen/Herzrhythmusstörungen

3.7 Magen-Darm-Erkrankungen

3.7.1 Colon irritabile

3.7.2 Gastritis

3.7.3 Obstipation

3.7.4 Lebensmittelunverträglichkeiten

3.8 Urogenitale Erkrankungen

3.8.1 Harnwegsinfekt/Reizblase

3.8.2 Impotenz

3.8.3 Prostatitis

3.9 Gynäkologische Erkrankungen

3.9.1 Amenorrhö

3.9.2 Dysmenorrhö

3.9.3 Prämenstruelles Syndrom

3.9.4 Infertilität – unerfüllter Kinderwunsch

3.9.5 Klimakterische Beschwerden

3.10 Hauterkrankungen

3.11 Neurologische und psychosomatische Erkrankungen

3.11.1 Psychosomatisches Syndrom

3.11.2 Polyneuropathie

3.11.3 Morbus Parkinson

4 Fallbeispiele

4.1 Baker-ZysteH. Michael Koch

4.2 Zervikothorakales und iliosakrales SchmerzsyndromH. Michael Koch

4.3 Rhizarthrose und TendinovaginitisH. Michael Koch

4.4 ISG-Blockade mit Affektion der Mm. piriformis und vastus lateralisH. Michael Koch

4.5 Sinusitis und Otitis mediaH. Michael Koch

4.6 Pseudoradikuläre LumboischialgieHans-Ulrich Hecker, Kay Liebchen

4.7 Frontaler KopfschmerzHans-Ulrich Hecker, Kay Liebchen

4.8 Chronische Epicondylopathia humeri radialisHans-Ulrich Hecker, Kay Liebchen

4.9 SchultergelenksbeschwerdenHans-Ulrich Hecker, Kay Liebchen

4.10 Shin-Splint-SyndromHans-Ulrich Hecker, Kay Liebchen

5 Schwangerschaft – Geburtshilfe – NachsorgeAnsgar Römer

5.1 Kontraindikationen, Komplikationen und Anwendungsvoraussetzungen.

5.2 Indikationen

5.2.1 Schwangerschaftsübelkeit (Hyperemesis gravidarum)

5.2.2 Sodbrennen

5.2.3 Erbrechen

5.2.4 Karpaltunnelsyndrom

5.2.5 Schwangerschaftsbedingte Kopfschmerzen

5.2.6 Schwangerschaftsbedingte Ödeme

5.2.7 Schwangerschaftsbedingte Wadenkrämpfe

5.2.8 Schwangerschaftsbedingte Schlafstörungen

5.2.9 Psychisch ausgleichende Gesamtregulation

5.2.10 Schwangerschaftsbedingte Rückenschmerzen, Ischialgie

5.2.11 Obstipation in Schwangerschaft und Wochenbett

5.2.12 Blasenentleerungsstörung

5.2.13 Beckenendlage

5.2.14 Geburtsvorbereitung

5.2.15 Protrahierter Geburtsverlauf (funktionelle Ursache)

5.2.16 Funktionsstörungen der Brust (Milchstau, Schmerz, Mastitis)

5.2.17 Nachgeburtliche Behandlungen

5.2.18 Postpartale Rückbildungsstörung und verstärkte Nachwehen

5.2.19 Symphysenlockerungsschmerz

5.2.20 Striae gravidarum

5.3 Anwendungstipps des Aku-Taping für Hebammen beim Neugeborenen

5.4 Fallbeispiele aus der Geburtshilfe

5.4.1 Karpaltunnelsyndrom

5.4.2 Hyperemesis gravidarum

5.4.3 Symphysenschmerz

5.4.4 Schwangerschaftsbedingte Rückenschmerzen, Ischialgie

5.4.5 Schwangerschaftsbedingte Rückenschmerzen, Ischialgie

5.4.6 Schwangerschaftsbedingte Hypertonie und Gestose

5.4.7 Fazit aus den Verlaufsbeschreibungen der Aku-Taping-Anwendung bei pathologischen Zuständen

Anhang

6 Literaturverzeichnis

7 Abbildungsnachweis

8 Bezugsquellen/Fortbildungsmöglichkeiten

9 Autoren

10 Sachverzeichnis

Teil 1 Grundlagen

1 Aku-Taping

2 Muskel-Tapes und myofasziale Triggerpunkte

3 Übersetzung westlicher Diagnosen in chinesische Syndrome

4 Fallbeispiele

5 Schwangerschaft – Geburtshilfe – Nachsorge

1 Aku-Taping

Hans-Ulrich Hecker, Kay Liebchen

Aku-Taping ist eine Therapiemethode, die Akupunktur und Taping miteinander verbindet. Das Anwendungsgebiet reicht dabei über das Tapen des Bewegungsapparats hinaus und schließt unter Berücksichtigung der diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten der Chinesischen Medizin das Tapen von Akupunkturpunkten und Leitbahnen mit ein. Zusätzlich zu den Eigenschaften und Wirkmechanismen des Tapings werden die Indikationen und Kontraindikation der Therapie besprochen. Es wird ein umfassender Überblick über das Material, die Taping-Formen sowie den Verlauf der verschiedenen Leitbahn-Tapes dargestellt.

1.1 Was ist Aku-Taping?

Aku-Taping ist eine Weiterentwicklung des sogenannten kinesiologischen Tapings, das 1973 vom japanischen Arzt und Chirotherapeuten Kenzo Kase zur Schmerzlinderung und Verletzungsprophylaxe im Leistungssport entwickelt wurde. Abweichend von herkömmlichen, starren Tapemethoden klebte Kase ein elastisches Tape über die Muskulatur. Die Dehnbarkeit der Tapes war dabei die wesentliche Neuerung. Sie bewirkt, dass die physiologische Bewegung auch angrenzender Gelenke gefördert anstatt gehemmt wird. Das kinesiologische Taping wird im Wesentlichen bei Störungen im Bereich des Bewegungsapparats angewandt. Die Tapes werden direkt im Bereich schmerzender Muskeln, Bänder und Gelenke aufgeklebt.

Aku-Taping hingegen erweitert das Anwendungsspektrum des Tapings weit über den Bewegungsapparat hinaus. Grundlegend hierfür ist eine vorausgehende Untersuchung nach den Regeln der Chinesischen Medizin und Akupunktur sowie den Erkenntnissen der Manuellen Medizin und Osteopathie. Ausgehend von dieser Diagnostik werden z. T. auch Tapes auf Körperareale geklebt, die vom Patienten selbst nicht als gestört empfunden werden, jedoch in ihrer Funktion beeinträchtigt sind. Somit kann von einer eigenständigen Methode gesprochen werden. Therapeutisch kann das Aku-Taping bei allen Indikationen eingesetzt werden, bei denen auch eine Akupunkturbehandlung aussichtsreich erscheint.

Am Beispiel der Behandlung von Kopfschmerzen kann man die unterschiedliche Herangehensweise der verschiedenen Taping-Ansätze gut erkennen. Das kinesiologische Taping sucht bei Kopfschmerzen nach gestörten Muskel- und Gelenkfunktionen und trägt die Tapes über den verspannten oder blockierten Arealen auf. Das Aku-Taping schließt zusätzlich noch die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten der Chinesischen Medizin mit ein. Nach chinesischen Überlegungen können Kopfschmerzen durch verschiedene Syndrome bedingt sein, z. B. durch aufsteigendes Leber-Yang, eine Leber-Qi-Stagnation oder den Kopf blockierenden Schleim. Nach diesen diagnostischen Kriterien werden zusätzlich Tapes über entsprechende Akupunkturpunkte oder über ganze Leitbahnen geklebt. Aku-Taping ist mittlerweile weit verbreitet und wird im Rahmen der naturheilkundlichen Ausbildung im Medizinstudium an verschiedenen Universitäten gelehrt.

1.1.1 Wirkrichtungen des Aku-Tapings

Die Basis des Aku-Tapings bilden die Überlegungen der Chinesischen Medizin, insbesondere der Akupunktur. Ausgehend von diesen Überlegungen kann sowohl das Überkleben von Leitbahnen als auch das Überkleben einzelner Akupunkturpunkte ähnliche Effekte auslösen wie die Akupunktur selbst. Im Unterschied zur Akupunktur kommt es beim Aku-Taping nicht zu einer Verletzung der Haut. Die Beeinflussung tieferer Schichten kommt nicht durch den direkten Nadeleinstich, sondern über die Verschiebung der darunterliegenden Hautareale zustande.

Analog zur Akupunktur wird auch bei der Indikationsstellung des Aku-Tapings nicht mehr von Indikationen, sondern von Wirkrichtungen gesprochen. Folgende Wirkrichtungen liegen dem Aku-Taping zugrunde:

Linderung von Schmerzen

Regulation des Muskeltonus

Regulation psychovegetativer Störungen

Immunmodulation

Abschwellung

Durchblutungsförderung

Das Behandlungsspektrum umfasst also den gesamten Bereich der mit Akupunktur zu behandelnden Krankheitsbilder und Beschwerden, einschließlich psychosomatischen Störungen und internistischen Erkrankungen. Vornehmliches Ziel ist die Regulation gestörter Funktionen. Zerstörte Strukturen können dagegen nicht durch diese Behandlungsmethode geheilt werden. Eine positive Beeinflussung von Schmerzzuständen, die als Folge degenerativer struktureller Veränderungen (z. B. Arthrose) auftreten, ist durchaus möglich. Sehr gute Behandlungsergebnisse sind insbesondere an verspannter Muskulatur zu erzielen. Als Therapeut sollte man sich dennoch der Beschränktheit der Methode bei strukturellen Erkrankungen bewusst sein und überzogene Erwartungen des Patienten nötigenfalls relativieren.

Modell der Wirksamkeit

Ein exakter Wirkmechanismus wurde wissenschaftlich noch nicht nachgewiesen. Es gibt Erklärungsmodelle, die sich aus den Kenntnissen von Anatomie und Physiologie als Basis der Osteopathie sowie den Erkenntnissen der Akupunkturforschung ableiten lassen:

Wirkung über Muskelfaszien:

Tapes im Bereich der Muskulatur werden in der Regel im Verlauf der Faszienstrukturen geklebt. Da das fasziale System des Körpers auch die Spannungsregulation der Muskulatur mitbeeinflusst, ist es nach den Erkenntnissen der Osteopathie von entscheidender Bedeutung. Der leichte, aber permanente Zug des auf die Muskulatur aufgebrachten Tapes entspannt das fasziale System und wirkt damit regulierend auf die Muskulatur.

Wirkung über das orthosympathische System:

90 % der Masse des orthosympathischen Systems befindet sich im Niveau der Haut. Der Grundtonus der Muskulatur wird wesentlich beeinflusst vom sympathischen Nervengeflecht, das die Arterien begleitet. Durch das Reiben des Tapes ist eine Tonusabsenkung durch Auslösen eines Axonreflexes denkbar. Für diese Theorie spricht, dass sich unter dem Tape häufig Hautrötungen bilden und Patienten über ein leichtes Jucken berichten, evtl. ausgelöst durch eine Histaminfreisetzung.

Wirkung über das Bindegewebe:

Aus der Akupunkturforschung ist bekannt, dass die Reizung von Akupunkturpunkten offensichtlich über Reizungen des bindegewebigen Systems erfolgt und hier (insbesondere im Grundsystem nach Pischinger) eine Änderung der Organisation des Kollagensystems vornimmt. So werden Reize auf die peripheren Nervenenden übertragen, die wiederum zentrale Auswirkungen haben. Da das aufgelegte elastische Tape zu einer ständigen Verschiebung der Haut gegen die Unterhautschichten führt, kommt es durch die permanente sanfte Reizung des Gewebes möglicherweise zu akupunkturähnlichen Wirkungen. Diese werden in der Praxis auch tatsächlich beobachtet.

Wirkung über den dermato-viszeralen Reflexbogen:

Bei natürlichen Bewegungen kommt es durch das angelegte Tape zu einer verstärkten Verschiebung der Haut gegen das Unterhautgewebe. Dies führt einerseits zu Bindegewebsmassage-ähnlichen Effekten und einer Aktivierung des Stoffwechsels in diesem beklebten Hautareal. Hierdurch wird reflektorisch im Sinne eines dermato-viszeralen Reflexbogens auch die Stoffwechselfunktion im darunterliegenden Muskelareal aktiviert. Die erhöhte Stoffwechselaktivität bedingt zusammen mit der Verschiebung der Haut einen permanenten mechanischen Reiz mit einer entstauenden Wirkung. Hierdurch lässt sich der Lymphdrainage-Effekt des Aku-Tapings erklären.

Wirkung über Mechanorezeptoren:

Die durch das Tape dauerhaft gereizten Mechanorezeptoren der Haut führen im Sinne eines negativen Feedbacks zu einer Reduktion von nozizeptiven Afferenzen aus der Peripherie am Hinterhorn des Rückenmarks. So ist die nicht selten zu beobachtende, sofortige Reduktion der Schmerzintensität im behandelten Areal zu erklären.

Alle hier vorgestellten Überlegungen zur Wirkungsweise sind hypothetischer Natur und bislang nicht wissenschaftlich evaluiert.

1.2 Einsatz des Aku-Tapings

Therapeutisch kann das Aku-Taping bei allen Indikationen eingesetzt werden, bei denen auch eine Akupunkturbehandlung aussichtsreich erscheint. Es gilt der Leitsatz: Akupunktur und Aku-Taping können heilen, was gestört ist, reparieren jedoch keine zerstörten Strukturen. Aku-Taping findet außerdem im Rahmen der Präventivmedizin, der rehabilitativen und der Sportmedizin und darüber hinaus während der Schwangerschaft eine breite Anwendung.

Sportmedizin:

Hier setzt sich der präventive Ansatz weiter durch. Das präventive Tapen speziell belasteter Gelenke bzw. das prophylaktische Tapen von natürlichen Schwachstellen ist ein fester Bestandteil der sportmedizinischen Prophylaxe geworden. Überall dort, wo das Bindegewebe und die Muskulatur einer erhöhten Beanspruchung ausgesetzt sind, kann das Aku-Taping unterstützend eingesetzt werden. Im Ausdauersport kann das Aku-Taping ebenfalls günstige Einflüsse ausüben. Die dauernde Lymphdrainage durch das Tape während einer körperlichen Betätigung kann einer Übersäuerung und ihren negativen Aspekten entgegenwirken.

Rehabilitative Medizin:

Auch hier finden sich breite Einsatzmöglichkeiten sowohl im Bereich der orthopädisch-chirurgischen Rehabilitation als auch bei verschiedensten internistischen Erkrankungen. Dazu gehören z. B. auch Kopfschmerzen oder Magen-Darm-Erkrankungen. Die Rehabilitation im Rahmen von Lympherkrankungen, z. B. bei Zustand nach Mammaamputationen, bei Mamma-CA oder bei idiopathischen Lymphödemen, stellt ein weiteres Indikationsgebiet für das Aku-Taping dar.

Schwangerschaft und Geburtsvorbereitung:

Während der Schwangerschaft (

S. 231

) kann Aku-Taping ebenfalls günstige Auswirkungen haben. Lymphtapes können Beinschwellungen entgegenwirken; Tapes im Bereich des Abdomens können helfen, Schmerzen zu lindern und einer Striaeentwicklung entgegenzuwirken.

Insgesamt wäre es wünschenswert, wenn das Aku-Taping und die Akupunktur bei vielen Erkrankungen früher eingesetzt werden würde. Durch eine frühzeitige Behandlung lassen sich oft große Fortschritte zum Wohle der Patienten erzielen.

1.2.1 Indikationen

Erkrankungen des Stütz- und Bewegungssystems:

HWS-Syndrom

BWS-Syndrom

LWS-Syndrom

Bandscheibenvorfall

Gelenkschmerzen, Arthrose

Weichteilrheuma, chronischer Muskelschmerz

Schulter-Arm-Syndrom, „frozen shoulder“

Karpaltunnelsyndrom

Sehnenentzündung

Morbus Sudeck

Neurologische Erkrankungen:

Spannungskopfschmerz

Trigeminusneuralgie

Zosterneuralgie

Phantomschmerz

Polyneuropathie

Lähmungen

zerebrale Anfallsleiden

Entwicklungsstörungen im Kindesalter

vegetative Dysfunktion

Psychische und psychosomatische Störungen und Suchterkrankungen:

depressive Verstimmung, Depression

Schlafstörungen

Erschöpfungszustand

psychovegetatives Syndrom

Entgiftungsbehandlung und Therapiebegleitung bei Suchterkrankungen (z. B. Alkohol, Nikotin, Arzneimittel, illegale Drogen)

Bulimie

Adipositas

Erkrankungen der Atemwege:

Bronchitis

Pseudokrupp

hyperreagibles Bronchialsystem

Asthma bronchiale

Herz-Kreislauf-Erkrankungen:

funktionelle Herzerkrankung

Herzrhythmusstörung

Angina pectoris

koronare Herzerkrankung

Hypertonie, Hypotonie

Durchblutungsstörungen

Gastrointestinale Erkrankungen:

Magengeschwür, Zwölffingerdarmgeschwür

Entzündung der Gallengänge oder der Gallenblase

Hepatitis

Verstopfung, Durchfall

Reizdarm

Morbus Crohn

Colitis ulcerosa

Blasenentzündung

Harninkontinenz

Impotenz

Gynäkologische Erkrankungen:

Dysmenorrhö

Prämenstruelles Syndrom

klimakterisches Syndrom

Adnexitis, Salpingitis

Schmerzen und Schwellung der Brust

Fertilitätsstörung, Frigidität

Störung des Milchflusses

Geburtsvorbereitung, Geburtseinleitung

Geburtserleichterung

Schwangerschaftsübelkeit

Hals-Nasen-Ohren-Erkrankungen:

allergischer Schnupfen

Nebenhöhlenentzündung

Mandelentzündung

Mittel- und Innenohrentzündung

Geruchsstörung, Geschmacksstörung

Hörsturz, Tinnitus

Morbus Menière

Schwindel

rezidivierende Stomatitis

Augenerkrankungen:

Bindehaut-, Augenhaut-, Lidrandentzündung

abnehmende Sehkraft

Glaukom

Retinitis pigmentosa, Makuladegeneration

Hauterkrankungen:

Neurodermitis

atopisches Ekzem

entzündliche Hauterkrankungen

Akne vulgaris

Furunkulose

Ulcus cruris

Herpes-Infektionen

Psoriasis

Nesselsucht

Sonstiges:

Tumorschmerz

postoperativer Schmerz

Zahnschmerz

posttraumatischer Schmerz

Kollaps, Schockzustand

Immunstörung

1.2.2 Kontraindikationen

Komplikationen bei dieser Behandlungsmethode sind bislang nicht bekannt geworden. Trotzdem sollte bei folgenden Erkrankungen von einer Behandlung abgesehen werden: Schwerwiegende Gerinnungsstörungen, akute psychiatrische Erkrankungen, nicht bzw. unzureichend abgeklärte Erkrankungen, akute schwerwiegende Erkrankungen, die eine sofortige schulmedizinische Intervention erforderlich machen.

Weitere relative Kontraindikationen sind Pflasterempfindlichkeit oder eine bekannte Pflasterallergie. Ehe man sich zur therapeutischen Anwendung das Aku-Tapings entschließt, sollte der Arzt dem Patienten zur Sicherheit ein Pflaster probeweise applizieren und die Verträglichkeit über mehrere Tage beobachten. Da der Acrylkleber in der Regel gut vertragen wird, ist die Allergierate sehr gering. Selbst bei Neurodermitikern und Psoriatikern treten selten größere Probleme auf. Das Überkleben von Ulzerationen oder anderweitig infizierten Hautarealen verbietet sich von selbst. Das Umkleben solcher Hautareale kann allerdings unterstützend eingesetzt werden im Sinne einer Lymphdrainage, Akupunktur und Bindegewebsmassage.

1.3 Praxis des Aku-Tapings

1.3.1 Material und Materialeigenschaften

Eigenschaften des Tapes. Die Eigenelastizität der Tapes liegt bei 10 %; ihre Dehnbarkeit bei ca. 130–140 %. In Längsrichtung sind die Tapes dehnbarer als in Querrichtung. Sie sind luft- und feuchtigkeitsdurchlässig und sehr strapazierfähig. Duschen, Baden und Saunabesuche sind möglich. Bei Salzwasserkontakt lösen sich die Tapes allerdings ab. Tape-Material ist in verschiedenen Breiten erhältlich. Die gängigsten Breiten sind 5 cm und 2,5 cm. Die Rollenlänge ist unterschiedlich, am gebräuchlichsten sind 5 m.

Die Tapes sind auch in verschiedenen Farben lieferbar. Ursprünglich wurden die Tapes in den Farben rot, blau und hautfarben hergestellt. Mittlerweile ist eine Vielzahl weiterer Farben wie gelb, schwarz, grün etc. erhältlich. Die Farbwahl des Aku-Tapes kann die Wirkung unterstützen. Die Tonisierung kann durch ein pinkfarbendes Aku-Tape und die Sedierung durch ein blaues Aku-Tape unterstützt werden. Dem hautfarbenen Aku-Tape wird eine neutrale Wirkung zugeschrieben

Kleber. Die Klebefläche besteht zu 100 % aus Acryl. Das Tape ist aufgrund des netzgitterartigen Aufbringens des Klebers atmungsaktiv und flüssigkeitspermeabel. Die Acrylverbindungen selbst sind thermoplastisch und wasserundurchlässig. Der durch die Körpertemperatur aktivierte Kleber haftet sofort auf der Haut und erreicht seine volle Klebfähigkeit nach 30 Minuten. Der Kleber ist besonders hautfreundlich; bislang haben sich auch bei Patienten mit empfindlicher Haut nur selten allergische Reaktionen gezeigt. Ein zusätzlicher Wirkstoff ist in den Aku-Tapes nicht enthalten.

Gitter-Tape. Zusätzlich zu dem herkömmlichen Tape-Material gibt es zur punktuellen Beeinflussung von Akupunktur-Triggerpunkten sogenannte Gitter-Tapes (Cross-Tapes, ▶Abb. 1.1), die eine gitterförmige Struktur haben und rückseitig mit einer Acrylkleberschicht versehen sind. Auch sie sind in unterschiedlichen Größen erhältlich. Die kleinste erhältliche Größe ist zur fachgerechten Therapie ausreichend. Die Gitter-Tapes können punktgenau über den entsprechenden Akupunkturpunkten platziert werden. Die Auswahl der Punkte ergibt sich entsprechend der Syndromdifferenzierung in der Chinesischen Medizin (▶S. 184) bzw. dem Achsenschema.

▶Abb. 1.1 Cross-Tapes zur gezielten Therapie von Triggerpunkten.

1.3.2 Taping-Formen

Tapes können grundsätzlich Muskeln, Leitbahnen, Akupunktur- und Triggerpunkte oder das Lymphsystem beeinflussen. Hierfür stehen unterschiedliche Taping-Formen bereit:

I-Tapes

– Sie stellen die einfachste Variante dar und werden z. B. zur Tonusregulierung der Muskulatur eingesetzt. Die I-Form wird als einzelnes Tape im Muskelverlauf aufgeklebt (

Abb. 1.2

).

Y-Tapes

– Sie sind z. B. für Muskeln mit divergierendem Ansatz oder Ursprung gut geeignet. Die Y-Form wird über ein einzelnes Tape erreicht, das zu einem Teil gespalten und aufgeklebt wird (

Abb. 1.3

).

Fächerförmige Tapes

– Bei der X-Form werden 2 Tapes über Kreuz geklebt. Sie helfen vor allem bei der Regulation des Lymphabflusses, z. B. bei Ödemen (

Abb. 1.4

).

In der Regel werden Kombinationen aus verschiedenen Tapestreifen und -techniken verwendet.

▶Abb. 1.2 I-Tapes.

▶Abb. 1.3 Y-Tapes.

▶Abb. 1.4 Fächerförmige Tapes.

1.3.3 Anlegen des Tapes

Für eine gute Haftung des Tapes soll die Haut trocken und fettfrei sein. Bei starkem Haarwuchs sollte die Behaarung im Behandlungsbereich mit der Schere gekürzt werden. Vorgehen:

Das Tape wird in der Länge und Form auf den Behandlungsbereich zurechtgeschnitten, die Enden zur besseren Haltbarkeit des Tapes abgerundet.

Die Schutzfolie wird ca. 3 cm vom zuerst zu klebenden Ende durchgerissen und abgezogen. Dieses ca. 3 cm lange, freie Stück wird auf die Haut als „Anker“ aufgeklebt.

Das Gewebe des zu tapenden Areals wird möglichst submaximal vorgedehnt; dann wird das Tape unter gleichmäßigem Abziehen der Schutzfolie in die gewünschte Richtung auf die Haut ausgestrichen, ohne weiteren Zug auf das Tape auszuüben. Beim Wiedereinnehmen der Neutralstellung entsteht typischerweise ein Faltenrelief, das sich bei den Alltagsbewegungen ständig verändert und so zu einer mechanischen Reizung des behandelten Körperareals führt.

In Bereichen, in denen eine Gewebevordehnung nicht möglich ist, wird das Tape leicht gestretcht und dann auf das zu behandelnde Areal aufgebracht.

Leichter Druck mit der warmen Hand erleichtert das Anlegen und verbessert die Haftung des Tapes. Nach einer ½ Stunde ist durch die Körperwärme die höchste Haftung erreicht. Stark belastete Stellen, z. B. Handgelenk, sollten durch ergänzende Tapes vorsorglich verstärkt werden. Das Entfernen der Tapes gelingt in der Regel problemlos; bei besonders empfindlichen Patienten hilft es, das Tape vorher anzufeuchten.

1.4 Leitbahn-Tapes

In der Akupunktur werden 361 Akupunkturpunkte beschrieben, die sich auf 14 Hauptleitbahnen verteilen. Diese Leitbahnen sind unterschiedlichen Organsystemen zugeordnet, aus deren Ordnung sich unterschiedliche therapeutische Überlegungen ableiten lassen. Auf eine weitere Darlegung der Grundlagen der Chinesischen Medizin soll hier nicht eingegangen werden, da die gängige Fachliteratur sehr gute Informationsquellen bereitstellt.

Nachfolgend sollen die einzelnen Leitbahnen in ihrem Verlauf dargestellt werden. Durch das fachgerechte Kleben eines Tapes kann eine gezielte Leitbahnmassage erreicht werden. Beim Tapen einer Leitbahn ist zu berücksichtigen, dass der Patient eine Position einnehmen sollte, mit der eine Dehnung des gesamten zu tapenden Areals (also der Leitbahn) erreicht wird. In der Regel ist es ausreichend, die Leitbahn-Tapes über einen Teil der Leitbahn zu kleben. Meist werden nur die distalen Anteile einer Leitbahn (von den Zehen bis zum Kniegelenk bzw. von den Fingern bis zum Ellenbogen) geklebt. Über weitere wichtige Punkte der Leitbahn werden zusätzlich punktuell Gitter-Tapes geklebt. Beispiel:

Milz-Tape

von Punkt 3 Basis des Grundgelenks 1. Zeh bis über das Kniegelenk zum Punkt Mi 10. Zusätzlich evtl. ein Gittertape über die Punkte Bl 20 (Rücken-Shu Punkt der Milz-Leitbahn).

Leber-Tape

von Punkt Le 2 zwischen der Schwimmhaut der 2. und 3. Zehe bis zum Punkt Le 9 im Kniebereich.

Für den in der Akupunktur erfahrenen Therapeuten stellt das Leitbahn-Tapen eine gute Möglichkeit dar, auf die Funktionen der Leitbahnen Einfluss auszuüben. Der erfahrene Akupunkteur wird die grundlegenden Überlegungen der Syndromdifferenzierungen bei der Wahl seines Aku-Tapes berücksichtigen. Es besteht neben dem Tapen ganzer Areale auch die Möglichkeit, die Akupunkturpunkte mit kleinen Gitter-Tapes zielgenau zu beeinflussen (▶S. 6).

Prinzipiell können alle Leitbahnen getaped werden. Schwierigkeiten bereitet dies im Bereich sehr behaarter Areale. Hier müsste vor dem Tapen das entsprechende Areal rasiert werden. Das Leitbahntape wird so aufgebracht, dass das entsprechende Areal, wenn möglich vorgedehnt wird. Ist dies nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich, wird das Tape vorgedehnt.

1.4.1 Hauptindikationen für die Leitbahn-Tapes

Die Leitbahn-Tapes werden entsprechend der Syndromdiagnostik in der Chinesischen Medizin (▶S. 184) oder entsprechend dem Achsenschema bei Außenerkrankungen eingesetzt. Beispiele: Bei Verdauungsbeschwerden entsprechend einem Milz-Qi-Mangel erfolgt das Tapen der Milz-Leitbahn. Bei Regelbeschwerden im Sinne einer Leber-Qi-Stagnation erfolgt das Tapen der Leber-Leitbahn. Bei einem dorsalen Schulter-Arm-Syndrom ist nach dem Achsenschema die Achse Dünndarm-Blase betroffen. Hier erfolgt das Tapen der Dünndarm-Leitbahn. Wichtige Schmerzpunkte der Blasen-Leitbahn werden mit einem Gitter-Tape versorgt. Bei einem frontalen Kopfschmerz ist nach dem Achsenschema die Achse Dickdarm-Magen betroffen. Entsprechend erfolgt das Tapen der Dickdarm-Leitbahn und das zusätzliche Tapen wichtiger Punkte auf der Magen-Leitbahn mit Gitter-Tapes.

Lungen-Tape

Indikation: Erkrankungen des Respirationstrakts (▶S. 185), Schmerzen und Lähmungen im Bereich der oberen Extremität (▶S. 189)

Hier ist der Bereich zwischen Lu 1 und Lu 5 entscheidend. Es müssen unterschiedliche Abschnitte gedehnt werden. Grundsätzlich gemeint ist, dass eine Extension im Schultergelenk mit mäßiger Abduktion, Streckung im Ellenbogengelenk und Dorsalflexion im Handgelenk zur Vordehnung erfolgt. Dann kann im Prinzip zwischen Lu 5 und Lu 1 das Leitbahn-Tape appliziert werden.

▶Abb. 1.5 Lungen-Leitbahn.

▶Abb. 1.6 Lungen-Tape.

Dickdarm-Tape

Indikation: Schmerzen und Lähmungen im Bereich der oberen Extremität (▶S. 189), Schmerzen und Affektionen im frontalen Kopfbereich, alle Schmerzzustände (▶S. 188) (Di 4 Gitter-Tape)

Der Verlauf zwischen Di 4 und Di 15 ist für das Aku-Taping von besonderer Bedeutung. Der Bereich wird durch eine Ulnarduktion im Handgelenk und eine Streckung im Ellenbogengelenk vorgedehnt, während der Bereich zwischen Di 11 und Di 15 durch eine Eigenvordehnung des Tapes auf die nötige Spannung gebracht wird.

▶Abb. 1.7 Dickdarm-Leitbahn.

▶Abb. 1.8 Dickdarm-Tape.

Milz-Tape

Indikation: Verdauungsbeschwerden (▶S. 199), chronischer Erschöpfungszustand (▶S. 184), Schmerzen und Lähmungserscheinungen der unteren Extremität (▶S. 190), Funktionsstörungen im Urogenitalbereich (▶S. 202)

Die Vordehnung erfolgt im Unterschenkelbereich, ebenfalls durch Streckung des Kniegelenks und Dorsalflexion im Sprunggelenk. Das Tape muss jedoch noch im Bereich der inneren Fußwurzel vorgedehnt werden. Appliziert wird meist in Höhe Mi 3 am Metatarsale-I-Schaft über den Innenknöchel, dann zum dorsomedialen Abschnitt des Kniegelenks bis in Höhe des Vastus medialis, wo sich der Punkt Mi 10 findet.

Weitere Tapestreifen werden im Verlauf zwischen Mi 12 (Zentrum der Leiste) bis zum vorderen Rippenbogenrand bei Mi 17 geklebt. Der Verlauf liegt lateraler als die Magen-Leitbahn (s. u.). Die Dehnung erfolgt durch Streckung des Oberkörpers. Die Anlage erfolgt zumeist im Sitzen. Wenn bis Mi 12 getapet wird, ist in der Regel die Rückkehr in die Rückenlage und die Überstreckung des Hüftgelenks erforderlich.

▶Abb. 1.9 Milz-Leitbahn.

▶Abb. 1.10 Milz-Tape.

Magen-Tape

Indikation: Magenbeschwerden (▶S. 200), Schmerzen und Lähmungserscheinungen im Bereich der unteren Extremität (▶S. 190)

Wichtig sind hier die Verläufe am Unterschenkel bis zum Kniegelenk. Zwischen Ma 44 und Ma 34 wird eine Dehnung durch Beugung des Unterschenkels im Kniegelenk sowie Extension durchgeführt, dann wird das Tape von Ma 44 über Ma 43, 42, 41 in Höhe des Sprunggelenks, weiter zu Ma 38 bis in den Bereich des lateralen oberen Recessus Ma 34 appliziert. Ma 25 ist ebenfalls von Bedeutung. Ein Stretching erfolgt hier durch Extension der Wirbelsäule.

Ma 2–7 sind von Bedeutung, jedoch in der Regel für Tapebehandlungen wenig zugänglich, da sie vom Patienten meist nicht gewünscht sind. Hier kann man gut mit hautfarbenen Gitter-Tapes arbeiten. Der Patient kann diese nach Anweisung selbst, z. B. nachts, auftragen und tagsüber wieder entfernen.

▶Abb. 1.11 Magen-Leitbahn.

▶Abb. 1.12 Magen-Tape.

Herz-Tape

Indikation: Funktionelle Beschwerden, psychosomatische Beschwerden (▶S. 211), Schlafstörungen (▶S. 192), Schmerzen und Lähmungserscheinungen der oberen Extremität (▶S. 189)

Interessant ist der Bereich zwischen He 7 und He 3. Er wird durch eine Dehnung wie für die Fingerflexoren vorgedehnt und im Bereich zwischen He 7 am ventralen medialen Handgelenk hin zum Epicondylus humeri medialis geklebt.

▶Abb. 1.13 Herz-Leitbahn.

▶Abb. 1.14 Herz-Tape.

Dünndarm-Tape

Indikation: Schmerzen und Lähmungen im Bereich der oberen Extremität, Schmerzen im Bereich der Schulter (▶S. 189)

Interessant ist der Bereich Dü 3–6. Hierbei handelt es sich um den Verlauf im Bereich der Hand. Eine Dehnung kann durch eine maximale Radialduktion in Neutralstellung der Hand erzielt werden, ergänzt durch eine Adduktionsbewegung des Kleinfingers im MCP-V-Gelenk. Das Tape wird im gedehnten Zustand abgemessen und im Bereich der gesamten ulnaren Handkante bis zum Handgelenk geklebt.

Ein weiterer interessanter Abschnitt findet sich im Schultergürtelbereich zwischen Dü 9 und 11. Es handelt sich im Prinzip um den Verlauf des M. infraspinatus. Die Dehnung dieses Bereichs wird im ▶Kapitel 2 beschrieben (▶S. 88). Gleiches gilt für Dü 13–14. Hierbei handelt es sich um das Tape des M. levator scapulae (▶S. 58). Auf entsprechende Dehnung wird in dem Kapitel verwiesen. Unterstützend kann auch ein Tape des M. triceps brachii (▶S. 96) aufgebracht werden.

▶Abb. 1.15 Dünndarm-Leitbahn.

▶Abb. 1.16 Dünndarm-Tape.

Nieren-Tape

Indikation: chronische Rückenschmerzen (▶S. 188), Urogenitalerkrankungen (▶S. 202)

Eine Tapeapplikation ist hauptsächlich im Unterschenkelbereich wichtig. Es wird von Ni 1–10 in der Kniekehle geklebt. Die Vordehnung erfolgt durch eine maximale Dorsalflexion im Sprunggelenk, während das Tape am Unterschenkel selbst wieder gestretcht werden muss.

▶Abb. 1.17 Nieren-Leitbahn.

▶Abb. 1.18 Nieren-Tape.

Blasen-Tape

Indikation: Rückenschmerzen, Schmerzen und Lähmungserscheinungen der unteren Extremität, Schmerzen und Affektionen im Bereich des okzipitalen Kopfbereichs (▶S. 188)

Das Blasen-Tape im Bereich der BWS und LWS deckt alle Rücken-Shu-Punkte ab. Im Rahmen der Behandlung internistischer Erkrankungen ist es ein Grundlagentape und kann unterstützend bei allen internistischen Erkrankungen eingesetzt werden.

Es sind unterschiedliche Abschnitte der Blasen-Leitbahn von Interesse: Insbesondere an der unteren Extremität ist dies bis Bl 36 anzuführen. Eine Dehnung des Tapes erfolgt in Rückenlage mit maximaler Streckung des Kniegelenks und maximaler Dorsalflexion des oberen Sprunggelenks bei etwa 90 ° Flexion des Hüftgelenks. Hierbei kann man das Tape von Bl 67 am kleinen Zeh über den Außenknöchel an der Rückseite der Wade, Kniekehle, bis zum Tuber ossis ischii anbringen.

Der weitere Themenkomplex umfasst die Wirbelsäule. Hier ragt das Tape von Bl28 bis etwa Bl 10, letztlich ist der gesamte paravertebrale Bereich vom Sakrum bis zum Okziput beteiligt. Eine Vordehnung erreicht man durch eine maximale Rumpfbeugung und eine Flexion der Halswirbelsäule. Das Kleben erfolgt am besten im Sitzen.

▶Abb. 1.19 Blasen-Leitbahn.

▶Abb. 1.20 Blasen-Tape.

Perikard-Tape

Indikation: Schmerzen und Lähmungserscheinungen der oberen Extremität (▶S. 189), Thorakodynien (▶S. 185), psychosomatische Beschwerden (▶S. 211), Schwangerschaftserbrechen (▶S. 233)

Akupunkturpunkte der Perikard-Leitbahn sind interessant bei der Behandlung von Schwangerschaftserbrechen, thorakalen Schmerzen und psychischen Erkrankungen. Eingesetzt wird in der Regel nur ein kurzstreckiger Verlauf zwischen Pe 6 und Pe 7 am Handgelenk (evtl. bis Pe 3 in der Ellenbeuge). Das Vordehnen erfolgt hier durch maximale Dorsalflexion im Handgelenk.

▶Abb. 1.21 Perikard-Leitbahn.

▶Abb. 1.22 Perikard-Tape.

3-Erwärmer-Tape

Indikation: Schmerzen und Lähmungen im Bereich der oberen Extremität (▶S. 189), Schmerzen und Affektionen des temporalen Kopfbereichs (▶S. 188), (Schwindel, Tinnitus)

Eine besondere Bedeutung haben nur 3E 3–10. Sie werden durch eine Flexion im Handgelenk entsprechend vorgedehnt, müssen aber im Unterarmbereich durch ein Dehnen des Tapes selbst entsprechend in der Spannung eingestellt werden.

Von Bedeutung sind die distal gelegenen Punkte bis zum Ellenbogen, dann wieder im Schulterbereich bis zum Ohr. Eine Dehnung im Unterarmbereich erfolgt durch Flexion des Handgelenks mit gleichzeitiger Ulnarduktion. Das Tape wird vom 3E3 im Verlauf des IV. Strahls zur Mitte des Handgelenks geführt und von dort zum dorsolateralen Ellenbogenbereich. Ein 2. Tapestreifen kann von der Rückseite des Akromioklavikulargelenks zur Gb 5 an der Rückseite des M. trapezius in Höhe der Pars ascendenz geführt werden und dann über diesen Bereich zum 3E 16 zur Rückseite bis zum 3E 17. Dieser Punkt entspricht dem lateralen Atlasbogen. Eine Dehnung erfolgt durch Lateralflexion zur Gegenseite im Bereich der Halswirbelsäule.

▶Abb. 1.23 3-Erwärmer-Leitbahn.

▶Abb. 1.24 3-Erwärmer-Tape.

Leber-Tape

Indikation: funktionale Störungen, Beschwerden mit wechselhaftem Verlauf (▶S. 211), Winderkrankungen (▶S. 199), emotionale Dysbalance (▶S. 192)

Eine Vordehnung erfolgt für den Unterschenkel durch Dorsalflexion im Sprunggelenksbereich. Geklebt wird in der Regel zwischen Le 2 und Le 8, ausgehend von Le 2 zwischen den Köpfchen von Metatarsale I und II bis zum medialen Kniegelenksabschnitt. Die weiteren Leber-Leitbahnpunkte sind in der Regel Lokalpunkte. Sie liegen im Hüftgelenksbereich im Bereich Le 10–12. Es sind lokal wirksame Punkte, während wichtige Bereiche nochmals zwischen Le 13 und 14 liegen. Diese müssen gesondert gestretcht werden. Le 13 findet sich am Ende der 11. Rippe, Le 14 im 6. Interkostalraum in der Mamillarlinie. Dieses Tape muss vorgestretcht werden.

▶Abb. 1.25 Leber-Leitbahn.

▶Abb. 1.26 Leber-Tape.

Gallenblasen-Tape

Indikation: Schmerzen und Lähmungen der unteren Extremität (▶S. 190), Schmerzen und Affektionen im temporalen Kopfbereich (▶S. 188)

Von Bedeutung sind der Leitbahnverlauf von Gb 43–34 an der unteren Extremität sowie von Gb 21–20 im Verlauf des M. trapezius Pars descendens. Die Vordehnung am Unterschenkel erfolgt durch Dorsalflexion im oberen Sprunggelenk kombiniert mit einer Inversion im unteren Sprunggelenk. Das Tape zwischen Gb 21 und 20 ist identisch mit dem Tape des M. trapezius (▶S. 50).

▶Abb. 1.27 Gallenblasen-Leitbahn.

▶Abb. 1.28 Gallenblasen-Tape.

Konzeptionsgefäß-Tape

Indikation In der Praxis hat das Tape überwiegend bei internistischen Erkrankungen eine Bedeutung. Zur allgemeinen Yin-Stärkung empfiehlt es sich, das Tape vom KG 3 nach kranial bis zum KG 17 aufzutragen. Punktuell bietet sich auch das Aufbringen der Gitter-Tapes über wichtigen Akupunkturpunkten des Konzeptionsgefäßes an. Als Beispiel seien KG 22 in der Asthmabehandlung (▶S. 185), KG 17 bei Erkrankungen des Respirationstrakts (▶S. 185), KG 12 bei Magenerkrankungen (▶S. 199), KG3 und KG4 bei Erkrankungen im Urogenitalbereich (▶S. 202) sowie KG 6 bei Qi-Mangelzuständen (▶S. 184) genannt.

▶Abb. 1.29 Konzeptionsgefäß-Leitbahn.

▶Abb. 1.30 Konzeptionsgefäß-Tape.

Lenkergefäß-Tape

Indikation In der Praxis spielt das Tape eine untergeordnete Bedeutung. Es kann unterstützend bei Rückenbeschwerden (▶S. 188) geklebt werden.

▶Abb. 1.31 Lenkergefäß-Leitbahn.

▶Abb. 1.32 Lenkergefäß-Tape.

2 Muskel-Tapes und myofasziale Triggerpunkte

Hans-Ulrich Hecker, Kay Liebchen

Aku-Taping setzt hohe Anforderungen an die anatomischen Kenntnisse des Therapeuten. Im Folgenden werden deshalb der Verlauf, die nervale Innervation und die Funktion der für das Aku-Taping wichtigsten Muskeln dargestellt. Unter Berücksichtigung des individuellen Beschwerdebilds wird das Aku-Taping anhand zahlreicher Abbildungen und der Darstellung von Akupunktur- und Triggerpunkten sowie ihren Schmerzprojektionsarealen für den Therapeuten praktisch umsetzbar.

2.1 Grundlagen

Triggerpunkte sind nach Simons und Travell benannt, die in den 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts diesen Begriff erstmals prägten. Gemeint sind damit lokale, umschriebene Verhärtungen in der Muskulatur, die druckschmerzempfindlich sind und zu Schmerzsensationen fernab vom lokalen Geschehen führen. Sie zeichnen sich zudem durch eine lokale Zuckungsantwort des Muskels bei Nadelung oder Infiltration dieses Triggerpunktbereichs aus. Häufiger lässt sich ein derartiges Phänomen auch bereits bei Druckpalpation dieses Bereichs auslösen. Da der Triggerpunkt auf einer Verkürzung von Sarkomeren einer Muskelfaser beruht und sich durch Kontraktionsknoten verschiedener Muskelfasern bzw. Kontraktionsscheiben auszeichnet, ist dieser manuell recht gut zu erfassen (▶Abb. 2.1). Die übrige Muskelfaser wird gedehnt und ist als verhärtetes Muskelband (taut band) zu palpieren. Bei chronischen Triggerpunkten sind histologische Veränderungen der Z-Scheiben festzustellen. Im EMG finden sich erhöhte Aktivitäten dieses Bereichs ohne Nachweis von α-Motoneuronen-Aktivitäten.

2.1.1 Epidemiologie

Nach Untersuchungen von Raspe beträgt die Lebenszeitprävalenz von Rückenschmerzen mehr als 80 % (Raspe u. Kohlmann 1993), hiernach ist auch mit einer Punktprävalenz, d. h. mit aktuell bestehenden Rückenschmerzen bei Befragung, in Deutschland mit etwa 35 % zu rechnen (Raspe u. Kohlmann 1998).

▶Abb. 2.1 Schematische Darstellung eines Triggerpunktkomplexes.

Mehr als die Hälfte aller Behandlungen durch Orthopäden und 25 % der Behandlungen beim Allgemeinmediziner erfolgen wegen Rückenschmerzen (Raspe u. Kohlmann 1998). Die Untersuchungen zeigen auch, dass 25 % der Kreuzschmerzpatienten etwa 95 % der Kosten durch Erkrankungen des Bewegungsapparats verursachen (Webster u. Snook 1994). In den USA rechnet man mittlerweile damit, dass sich die Gesamtausgaben für Erkrankungen des Bewegungsapparats auf 1 % des Bruttosozialprodukts belaufen (Yelin u. Felts 1990).

In Deutschland betrugen 1998 die Gesamtkosten für Arbeitsunfähigkeiten infolge von Rückenschmerzen 17 Milliarden Euro (Bolten et al. 1998). Hier darf man nicht davon ausgehen, dass schwere strukturelle Probleme die mannigfaltigen Beschwerden der Patienten hervorrufen. Oft sind es banale muskuläre Verspannungen in Kombination mit Fehlhaltungen und sekundären Störungen des Gelenkspiels, die hartnäckige Beschwerden bei den Patienten hervorrufen und die konventionelle Behandlung mit Medikamenten und Physiotherapie frustran für Patient und Therapeut enden lassen. Zwar unterliegen akut auftretende myofasziale Schmerzsyndrome einer hohen Spontanheilungsrate von über 90 %, allerdings ist auch die Rezidivquote enorm hoch, sodass sich nicht selten aus rezidivierenden Störungen letztlich chronische myofasziale Schmerzsyndrome entwickeln.

2.1.2 Muskelphysiologie

Die Grundspannung des Muskelsystems ist direkt mit der Sympathikusaktivität gekoppelt. So zieht eine erhöhte Sympathikusaktivität eine grundsätzliche Tonuserhöhung der Muskulatur nach sich (Maurer-Groeli 1978). Der entspannte Muskel weist hierbei keine elektrische Aktivität im EMG auf (Basmajian 1957). Beim Tonus muss zwischen viskoelastischem und kontraktiertem Tonus