Alles dreht sich um Eier - Marc Weiherhof - E-Book

Alles dreht sich um Eier E-Book

Marc Weiherhof

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Beschreibung

Eier gehen immer! Nicht nur zu Ostern. Luis entführt dich in dieser Gay Romance in die bunte Welt des Bodypainting. Busfahrer Luis weiß, wie man selbst mit einer schrottreifen Rumpelkarre pünktlich ans Ziel kommt, auch wenn sich seine Passagiere mitunter krampfhaft festhalten müssen, um nicht aus der Kurve zu fliegen. Weniger rasant ist es um sein momentanes Liebesleben bestellt, da steckt er ziemlich frustriert im Stau. Dieser Umstand ändert sich allerdings schlagartig, als er bei einem Bodypainting-Wettbewerb auf den attraktiven Andy trifft, von dessen Adonis-Körper Luis kaum die Finger lassen kann. Wer will nicht seinen wahrgewordenen, feuchten Traum ungeniert bepinseln dürfen und ihn gleichzeitig in ein atemberaubendes Kunstwerk verwandeln? Alles dreht sich um Eier! erzählt von altersschwachen Blechbüchsen, Freundschaften fürs Leben, ungehemmter Raserei, farbintensiven Kreationen und einer Liebe, die Konventionen sprengt. Tauche jetzt in diese bunte Welt ein!

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Veröffentlichungsjahr: 2026

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Marc Weiherhof

Alles dreht sich um Eier!

Eine bodypainted Gay Romance

© 2018 Marc Weiherhof

Behind Weiherhof | Parkallee 46 | 8952 Schlieren | SCHWEIZ

Web: http://www.marc-weiherhof.ch

E-Mail: [email protected]

Coverdesign: Marc Weiherhof

Coverfotos: http://de.123rf.com

Das Werk, einschließlich aller Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und oder des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliches zugänglich machen. Alle Figuren und Ereignisse im Buch sind freie Erfindung des Autors. Übereinstimmungen mit realen Personen oder Ereignissen wären rein zufällig.

Inhaltsangabe

Busfahrer Luis weiß, wie man selbst mit einer schrottreifen Rumpelkarre pünktlich ans Ziel kommt, auch wenn sich seine Passagiere mitunter krampfhaft festhalten müssen, um nicht aus der Kurve zu fliegen. Weniger rasant ist es um sein momentanes Liebesleben bestellt, da steckt er ziemlich frustriert im Stau. Dieser Umstand ändert sich allerdings schlagartig, als er bei einem Bodypainting-Wettbewerb auf den attraktiven Andy trifft, von dessen Adonis-Körper Luis kaum die Finger lassen kann. Wer will nicht seinen wahrgewordenen, feuchten Traum ungeniert bepinseln dürfen und ihn gleichzeitig in ein atemberaubendes Kunstwerk verwandeln?

‚Alles dreht sich um Eier!’ erzählt von altersschwachen Blechbüchsen, Freundschaften fürs Leben, ungehemmter Raserei, farbintensiven Kreationen und einer Liebe, die Konventionen sprengt.

Danksagung

Liebe Freundinnen haben mich bei der Veröffentlichung dieses Romans begleitet und mich tatkräftig unterstützt. Sie haben mir ihre kostbare Zeit geschenkt, große Geduld bewiesen und ganz viel Herzblut in das Projekt investiert – dieses Engagement macht mich stolz und verdient einen großen Applaus. Ein herzliches Dankeschön an Astrid, Mana, Mimi und Silvia.

Was hat es mit den Eiern auf sich?

Selbstredend bin ich als schwuler Mann ab und an etwas fixiert auf Eier und dergleichen, aber das hier hat nichts damit zu tun. Fakt ist, dass Ostern in der Geschichte eine zentrale Rolle spielt und da dieses Buch pünktlich zum Osterfest erscheint, sind eiweißhaltige Kapitelüberschriften sehr passend.

Inhaltsverzeichnis

Eins. Auf die Eier, fertig, los

Zwei. Eier färben leicht gemacht

Drei. Kein Ei gleicht dem anderen

Vier. Ach du dickes Ei

Fünf. Das Gelbe vom Ei

Sechs. Ein Ei kommt selten allein

Sieben. Ei plus Ei macht zwei

Acht. Eier im Sack

Neun. Alles neu macht das Ei

Zehn. Möge das beste Ei gewinnen

Elf. Wer hat die dicksten Eier?

Epilog. Ei zu Ei gesellt sich gern

Eins. Auf die Eier, fertig, los

„Luis, was überlegst du noch? Da musst du unbedingt mitmachen! Das ist genau dein Ding“, platzt es aus Wendela, meiner besten Freundin und zugleich Mitbewohnerin, heraus, während wir vergnügt am Küchentisch sitzen und unseren Morgenkaffee schlürfen. Wendelas Wesen gleicht einem Wirbelsturm der höchsten Gefahrenstufe. Ihre blonden Rastas stellen einen krassen Kontrast zu ihrem zierlichen Gesicht und ihren zartrosa Lippen dar, trotzdem finde ich, dass ihr diese maskulin wirkende Frisur hervorragend steht. In ihrer Hand hält sie ein Zeitungsinserat, das sie aufgeregt in der Luft schwenkt. „Schau dir das mal an. Ein Bodypainting-Wettbewerb! Davon hast du immer geträumt und jetzt bietet sich dir die einzigartige Gelegenheit, anstatt meiner nicht vorhandenen Titten, endlich einmal ein richtiges Model zu bemalen.“

„Ach, ich weiß doch auch nicht“, druckse ich herum. Sie hat Recht, diese Kunstform ist meine Bestimmung, damit erfolgreich zu sein, ein Wunsch, den ich mir nicht erst seit gestern zu erfüllen versuche. Nichts wäre mir lieber, als die Welt mit meinen Schöpfungen zu begeistern, dessen ungeachtet ist ein solcher Wettkampf ein Riesenschritt, der eine große Portion Mut erfordert.

Finster und ein wenig desillusioniert, betrachtet sie mich, bevor sie mir ihren spitzen Ellenbogen in die Rippen drückt.

„Aua!“ Ich räuspere mich. „Ich meine, äh, du hast ganz wundervolle Brüste, die sind perfekt geformt und so …“, antworte ich, als ich – meine Leitung kann so lang, wie das Telefonkabel durch den Atlantik sein – realisiere, was der tiefere Sinn ihrer Aussage gewesen ist. Frauen. Wenigstens liefern sie mir verlässlich Gründe, warum ich froh bin, schwul zu sein. Fakt ist, ich bin mit dieser weiblichen Zweideutigkeit und mit ihren lebensfernen Ansprüchen, dass Männer zwischen den Zeilen lesen sollten, heillos überfordert. „Nicht, dass ich eine Ahnung von Titten hätte, aber deine sind wohl die einzigen, die ich auch nur im Entferntesten berührt habe, wenn auch nur mit Pinseln. Obwohl, da gab es natürlich die Dinger meiner Mutter, aber daran möchte ich als schwuler Mann nun wirklich nicht denken.“ Plötzlich läuft mir ein Schaudern über den Rücken.

„Wie immer, charmant bis zum Abwinken“, kontert Wendela zynisch und verdreht theatralisch die Augen. „Wenn ich dich nicht so gern hätte, würde ich dich jetzt übers Knie legen.“

Mir entweicht ein gackerndes Lachen. „Trau dich doch! Das würde ich zu gern sehen“, entgegne ich mit einem Zwinkern. Dann geht alles blitzschnell: Bevor ich weiß, wie mir geschieht, packt sie mich am Arm, verdreht ihn hinter meinem Rücken und zwingt mich auf ihre Oberschenkel. „Aua, hey, nein, lass das, was fällt dir ein? Das kannst du nicht tun.“

„Warum denn nicht? Dir kleines Würstchen zeige ich, wie sich eine Frau heutzutage verteidigen kann.“ Kurz darauf holt sie aus und klatscht mir ihre flache Hand auf den Hintern.

Unkontrolliert kichernd versuche mich aus ihrem schraubstockähnlichen Griff zu befreien. Ohne Erfolg. „Hör auf, das ist ja bekloppt. Ich ergebe mich!“ Lachtränen bahnen sich den Weg über mein Gesicht, während ich mich wie ein Wurm am Haken winde.

Nach zwei weiteren Hieben lässt sie mich los.

Es dauert ein Weilchen, bis ich mich beruhigt habe, doch dann schaue ich sie eindringlich an und spotte: „Ich will gar nicht wissen, was du mit diesen armen Kerlen in deinem Zimmer so alles treibst. Aber nach dieser Vorstellung eben habe ich eine dunkle Ahnung, in welche Richtung es geht.“

Wendela reißt entgeistert ihre Augen auf. „Was? Bist du irre? Ich bin doch keine Domina!“

„Das hätte ich Klaus gar nicht zugetraut, dass er sich einer Frau wie dir einfach so mir nichts dir nichts unterwirft. Für mich sieht er nicht aus, als bräuchte er eine starke Hand, die ihn bestraft“, kontere ich, nachdem ich ein paar Schritte zwischen mich und meine beste Freundin gebracht habe – ich will nicht riskieren, dass sie mich erneut zu fassen bekommt. „Jetzt sehe ich ihn mit ganz anderen Augen.“

„Du bist sowas von fällig!“, kreischt sie, bevor sie um den Tisch herum geflitzt kommt und die Verfolgung aufnimmt.

Grölend renne ich aus der Küche, versuche mich verzweifelt zu verstecken. Schlafzimmer? Badezimmer? Nein, das bietet alles zu wenig Schutz vor diesem Rastamonster. Hilfeeee. Langsam kommt sie näher. Ihr Gebrüll liegt mir in den Ohren, dennoch lachen wir. Als sie ihre dürren Arme um mich schlingt und wir zusammen auf die Couch plumpsen, ist es um uns beide geschehen. Wir kitzeln uns gegenseitig, bis wir keine Luft mehr bekommen.

„Also, Luis, meldest du dich nun für diesen Wettbewerb an? Schließlich geht es um einen Hauptpreis von zwanzigtausend Franken sowie Farben und Materialien für ein ganzes Jahr.“

„Das klingt echt verlockend. Vermutlich sollte ich es probieren“, antworte ich ihr zögerlich. „Denkst du denn, dass ich gut genug dafür bin?“

„Auf jeden Fall!“ Wendela erhebt sich, nimmt meine Hand und zieht mich auf die Beine. „Komm, ich möchte dir etwas zeigen.“ Zusammen stellen wir uns vor die Wand im Wohnzimmer, an der in farbenfrohen Rahmen die Fotografien der Bilder hängen, die ich auf ihrem Körper gemalt habe. „Sieh dir nur mal diese detailgetreuen Kunstwerke an. Die sind zum Niederknien schön, farbenfroh und schlicht einzigartig. Warum zweifelst du also noch an dir?“

„Natürlich sind sie toll, aber …“

„Nichts aber! Was du auf meinem Körper alles zum Leben erweckst, schafft sonst niemand.“

„Also gut, du hast mich überzeugt. Ich werde mich für den Wettbewerb anmelden.“

„Super, das ist fantastisch.“

Nachdem wir unser Frühstück beendet haben, verziehe ich mich in mein Zimmer, um mir das Ganze genauer anzuschauen. Erwartungsvoll setze ich mich an den Computer, rufe die Webseite mit den Informationen auf und vertiefe mich darin. Eine Jury, bestehend aus bekannten Bodypaintern, wird die Werke der Teilnehmenden bewerten sowie entscheiden, wer eine Runde weiterkommt und in jedem Durchgang gilt es neue Herausforderungen zu bewältigen. Wahrscheinlich werde ich nicht mal eine Woche überleben. Aber was soll’s? Der olympische Gedanke zählt.

„Du wirst die erste Challenge garantiert schaffen, davon bin ich überzeugt“, höre ich Wendelas Stimme im Flur.

Habe ich das laut gesagt? Nein, oder? Habe ich bereits erwähnt, dass mir meine Mitbewohnerin zeitweise Angst macht? Sie scheint Gedanken lesen zu können. Ich verdrehe die Augen, stehe auf und öffne ihr die Tür. „Willst du zusehen, wie ich mich anmelde?“, entfährt es mir trocken wie ein Zwieback.

„Wie kommst du auf einen solchen Schwachsinn?“, entgegnet sie gespielt lustlos, bevor sie sich jubelnd an mir vorbeidrängt und sich auf mein Bett setzt. „Aber, wenn du schon so nett fragst, hier bin ich.“

Kopfschüttelnd setze ich mich an meinen Schreibtisch. „Was, wenn die mich nicht nehmen?“, will ich gedankenverloren wissen.

„Warum sollten sie dich ablehnen? Das kann ich mir nicht vorstellen. Ganz ehrlich, wenn sie dich abweisen, sind das keine Bodypainter, sondern Idioten.“

Das entlockt mir ein Lachen. „Du bist unmöglich.“

„Warum?“

„Ach komm, das weißt du genau. Du bist unruhig, launisch, übertrieben laut, anhänglich und leicht geistesgestört.“

„Und darum hast du mich ja so lieb“, flötet sie, was mich nickend lächeln lässt.

Auf der Internetseite des Wettbewerbs finde ich die Anmeldemaske. „Meine Güte, was die alles wissen wollen, das ist ja nicht zu fassen“, grummle ich, als ich beginne meine Daten einzugeben. „Es erstaunt mich, dass Sie nicht noch meine Größe, Kreditkartennummer und Geheimzahl wollen.“

„Übertreib nicht, Luis. Du hast die Fotografien deiner Kunstobjekte doch noch, oder?“

„Selbstverständlich! Warte, hier sind sie“, antworte ich und rufe einen Ordner mit unzähligen Bildern auf. „Welche sind die Besten?“ Zusammen betrachten wir die Fotos, wählen die stärksten aus, die ich dann hochlade, bevor ich die Bewerbung abschicke. „Jetzt heißt es warten.“

„Du wirst genommen, vertrau mir.“ Wendela umarmt mich, bevor sie mein kleines Reich verlässt und die Tür hinter sich zuzieht. „Hör bloß auf zu zweifeln“, höre ich sie grummeln, bevor es im Flur still wird.

Da sitze ich, in meinem Zimmer in unserer gemeinsamen Wohnung und starre auf meine Farben, die ich fein säuberlich in einem Regal aufgestellt habe – ich liebe Ordnung. Die Farbdöschen und -fläschchen fürs Bodypainting kosten ein kleines Vermögen, da käme mir eine zwanzigtausend-Franken-starke Finanzspritze gerade recht.

Zwei Wochen sind vergangen, seit ich meine Bewerbung für den Wettbewerb abgeschickt habe. Eine lange Zeit, wenn man so dringend auf eine Antwort wartet, dass man verrückt werden könnte. Gedankenversunken drücke ich den Schalter auf der Instrumententafel, um die Türen des Doppelgelenkbusses der Zürcher Verkehrsbetriebe zu schließen, damit ich weiterfahren und meinen Fahrplan einhalten kann.

An der letzten Haltestelle hat mich eine Platinblondine mit künstlichem Vorbau gefühlte zwanzig Minuten aufgehalten, als sie mir in gebrochenem Deutsch mit russischem Einschlag erklären wollte, was für ein Ticket sie benötigt. Am liebsten hätte ich ihr einfach irgendeine Fahrkarte, egal welche, in die Hand gedrückt, aber sie blieb hartnäckig.

Toll.

Das habe ich nun davon: Eine fünfminütige Verspätung. Wie die Pest hasse ich es, wenn meine Fahrzeiten durcheinander geraten, schließlich zieht mein Arbeitgeber im Hintergrund Berichte, die mir irgendwann anlässlich des Jahresendgespräches oder sonst einem Vorwand unter die Nase gerieben werden. Als die Türen verriegeln, erlischt die Anzeige für die automatische Haltestellenbremse und ich kann das Fahrzeug beschleunigen. Normalerweise achte ich peinlich genau darauf, dass ich sanft anfahre – die Fahrgäste sollen ja eine angenehme Beförderung mit hohem Komfort erleben – wenn es etwas gibt, dass ich noch mehr verabscheue, als jähes Anfahren, ist das Verspätung. Dementsprechend drücke ich das Pedal durch und verfolge im Rückspiegel, wie ein Passagier beinahe umgeworfen wird.

Entrüstet sieht er mich an und zeigt mir seinen Mittelfinger.

Sorry, Kumpel, mit gewissen Verlusten muss gerechnet werden. Der Doppelgelenkbus mit vierundzwanzig Metern Länge schießt wie ein blauer Pfeil über die Straße, während ich beruhigt beobachte, wie sich die Verspätung verringert.

Perfekt.

Als die nächste Haltestelle in Sicht kommt, gehe ich vom Gaspedal, was den Bus langsam an Fahrt verlieren lässt. Mit einem kurzen Druck aufs Bremspedal, hält mein Fahrzeug an der Markierung. Lächelnd beobachte ich in den Spiegeln, wie Passagiere aus- und einsteigen, sich setzen und auf ihre Handys starren. Es ist erstaunlich, wie sich die Gesellschaft seit der Einführung dieser smarten Geräte verändert hat – jeder scheint in seiner eigenen kleinen Welt gefangen zu sein.

Interaktionen mit anderen? Fehlanzeige.

Kaum sitzen alle, schließe ich die Türen und beschleunige mein Gefährt. Allmählich nähert sich meine aktuelle Zeit der des Fahrplans an. Das beklemmende Gefühl in meinem Innern lässt langsam nach und ich kann mich wieder voll auf meinen Job konzentrieren. Auf dem Farbdisplay sehe ich keine Anzeichen für Probleme und auf der Instrumententafel sieht alles gut aus. Über das interne Lautsprechersystem kündige ich die nächste Haltestelle, ein zentraler Umsteigepunkt, an und betätige die Bremse. Als mein Blick auf die Menschentraube vor meinem Haltepunkt fällt, kann ich nicht anders, als laut zu stöhnen – natürlich ist das Mikrofon noch an.

Eine Schulklasse auf Exkursion.

Kopfschüttelnd setze ich ein Lächeln auf, betätige die Luftfederung, was den Bus zum Bordstein absenkt, und löste die Türverriegelung. Alle Schüler strömen zum vordersten Eingang – es ist ja nicht so, dass es drei weitere Zugänge gibt – und stellen sich an. Jeder einzelne pickelgesichtige, zahnspangentragende Teenager benötigt einen Fahrschein und bezahlt diesen mit den kleinstmöglichen Münzen – dabei gäbe es Gruppentickets.

„Das ging auch schon schneller“, entgegnet die blutjunge Lehrerin anklagend und in einem Ton, der mich rasend macht, als sie nach einer gefühlten Ewigkeit meinen Bus betritt, aber so steht, dass sich die Türen nicht schließen können – Infrarotschranke sei Dank. Sie trägt zu ihrer dicken Winterjacke, dem wuchtigen Schal und den mit Wolle gefütterten Stiefeln eine übergroße Sonnenbrille, die mich an die Augen einer Schmeißfliege erinnert. Sie macht einen Schritt ins Businnere.

„Ach wissen Sie“, seufze ich, „seit es Gruppenfahrkarten gibt, ist der Einzelfahrkartenverkauf zu Stoßzeiten eigentlich untersagt. Aber für Ihr Dankeschön und dieses Schmeißfliegen-Lächeln habe ich das doch gern getan.“ Ich lasse die Tür dicht hinter ihr zuschnappen.

Sie keucht erschrocken und sieht mich böse an.

„Na, hören Sie mal …“, beginnt sie, doch ich ignoriere sie gekonnt.

„Festhalten“, lasse ich über die Lautsprecher verlauten, bevor ich das Gaspedal bis zum Anschlag durchdrücke, was den Bus einer Kanonenkugel gleich beschleunigt. Ich vermeide den Blick auf meinen interaktiven Fahrplan, denn ich weiß, dass ich zu spät bin und diese Verspätung nicht mehr aufholen kann.

Na, wunderbar.

Als ich drei Stunden später erschöpft nach Hause komme, empfängt mich Wendela mit einem breiten Grinsen im Gesicht. „Was ist los?“, will ich von ihr wissen.

„Schau, was angekommen ist“, frohlockt sie und hält mir einen Briefumschlag unter die Nase.

„Ist das die Antwort von der Wettbewerbskommission?“

„Woher soll ich das wissen, ich habe ihn ja nicht gelesen!“, verteidigt sie sich mit unschuldigem Gesichtsausdruck.

„Weshalb sieht der Brief dann aus, als hätte jemand an der Klebelasche herumgespielt?“

Sie verdreht die Augen und hält ihn mir hin. „Also gut, ich konnte nicht widerstehen, aber du solltest selbst lesen, was sie schreiben.“

„Wendela!“, zische ich. Mit einer flinken Bewegung entreiße ich ihr den Umschlag, fische das Schreiben heraus und falte es auf. Auf geschmackvoll gestaltetem Briefpapier stehen die Worte, auf die ich so lang gewartet habe. „Ich bin dabei! Wow, es hat geklappt, ich bin dabei. Juhu.“

„Ich weiß, ist das nicht toll? Ich freu mich für dich.“ Sie umarmt mich und zerdrückt mich dabei fast – woher nimmt dieses Drahtgestell diese Kraft? „Ich wusste es. Du hast es drauf, Luis. Und du wirst sie alle umhauen.“

Seufzend entscheide ich mich dafür, ihr das Öffnen meines Briefes durchgehen zu lassen – was habe ich schon zu melden? „Der Wettbewerb beginnt diesen Samstag und zieht sich über acht Samstage hin“, stelle ich fest, als ich das Schreiben erneut überfliege.

„Konntest du auf der Arbeit freibekommen?“, möchte Wendela wissen.

„Ich habe meine Chefin ja gleich am Tag nach der Anmeldung darauf angesprochen. Es war nicht einfach.“ Ich seufze theatralisch.

„Weshalb?“

„Ach, du kennst doch meine Chefin, diese Schabracke, sie wollte mir zuerst nicht freigeben, hat dann eingelenkt.“

„Was musstest du ihr versprechen?“, hakt meine Mitbewohnerin mit zusammengekniffenen Augen nach – woher weiß sie immer, wenn ich ihr etwas verschweige?

„Ich musste einwilligen, fünf Wochenenden am Stück zu arbeiten und mehr Nachtschichten als üblich zu übernehmen.“

„Autsch. Das tut weh.“

„Das kannst du laut sagen. Diese Hexe weiß, wie sie bekommt, was sie will … aber ganz ehrlich, das ist es mir auf jeden Fall wert.“

„Musst du deine eigenen Farben und Materialien zum Wettbewerb mitbringen?“

„Nein, das ist ja das Gute: Die Organisatoren stellen alles zur Verfügung. Das bedeutet, dass ich meiner Leidenschaft frönen kann, ohne einen einzigen Rappen dafür auszugeben.“

„Wow, das ist genial.“

„Nicht wahr? Ich hoffe, dass ich ein attraktives Model bekomme. Weißt du, groß, jung und schlank wäre perfekt für mich. Ich wüsste nicht, ob ich riesige Hängebrüste überhaupt bemalen könnte.“

„Meine Güte, Luis, hat dir schon mal jemand gesagt, dass du schrecklich bist?“, stöhnt sie und sieht mich dabei kopfschüttelnd an.

„Warum?“

„Na hör mal, wie kannst du dermaßen auf Äußerlichkeiten gehen, das ist doch sonst nicht deine Art. Außerdem hat so ein Hängebusen durchaus Vorteile, mein Lieber: Du hast mehr Fläche für deine Kreationen.“

„Und was bitte soll ich darauf zeichnen, etwa Elefantenrüssel?“ Das entlockt Wendela einen spitzen Schrei, bevor sie zu lachen beginnt.

„Igitt, Luis, hör auf! Soll ich dir erneut den Hintern versohlen?“

„Nein, nicht nötig“, gebe ich grinsend zurück. „Apropos Domina, wie geht es Klaus?“

„Du bist sowas von bescheuert.“

„Darum hast du mich ja auch so lieb“, zwitschere ich lächelnd.

„Sag, ich habe ihn schon eine Weile nicht mehr hier gesehen.“

„Wir haben uns gestern getrennt“, gibt sie nach längerem Schweigen zu.

„Was? Das tut mir leid, Süße.“ Die paar Schritte zwischen uns, überwinde ich rasch, um sie zu umarmen und an mich zu drücken. „Ich wollte nicht gefühllos und kalt sein.“

„Schon in Ordnung, du konntest es ja nicht wissen. Es lief bereits eine Weile nicht mehr so gut und nachdem wir uns zwei Wochen nicht mehr gesehen hatten, haben wir gestern entschieden, dass es aus ist.“

Einen Moment lang stehen wir einfach so im Wohnzimmer.

„Wollte er sich nicht mehr den Popo verhauen lassen?“, frage ich sie flüsternd, um die Stimmung aufzuheitern.

Das entlockt ihr ein Prusten. „Doofer Kerl, du bist manchmal echt unmöglich.“

„Naja, wenigstens bringe ich dich zum Lachen.“

„Das stimmt.“

„Nein, Süße, wirklich, das tut mir echt leid.“

„Schon gut, das muss es nicht. Andere Mütter haben schließlich auch schöne Söhne.“

„Auf jeden Fall.“

Zwei. Eier färben leicht gemacht

Die Tage bis Samstag vergehen wie im Flug. Dementsprechend kann ich nicht fassen, dass es heute bereits so weit ist und ich sowohl die anderen Künstler, als auch die Models das erste Mal treffen werde.

Aus meinem Kleiderschrank fische ich Klamotten, die neben meiner künstlerischen Seite, zugleich meinen schmächtigen Körperbau unterstreichen. Als ich mich im Spiegel betrachte, muss ich grinsen: Sieht nicht mal schlecht aus. Natürlich lasse ich es mir nicht nehmen, meinen Lieblingspinsel einzupacken – mit dem arbeite ich seit Jahren und weiß, wie die Naturborsten mit Farben reagieren. Im mehrseitigen Reglement habe ich keinerlei Hinweise zur Benutzung eigener Pinsel gefunden, dafür ist sonst alles bis ins Detail geregelt. Es dürfen nur die vom Veranstalter gestellten Farbstoffe, Glitzerelemente, Dekorationsmaterialien, Airbrushpistolen, Perücken und sonstige Utensilien verwendet werden, damit alle Teilnehmer die gleichen Voraussetzungen haben.

Eine faire Lösung.

Die ganze Woche habe ich mir das Hirn darüber zermartert, wie meine erste Studie ein absoluter Volltreffer werden kann. Ideen habe ich viele, die Frage ist, ob ich sie alle zeigen kann, bevor ich von der Jury rausgeworfen werde. Als ich in den Bus steige, begegne ich einem lieben Kollegen, der heute Dienst hat. „Hey, Thomas, wie geht es dir?“

„Gut, danke. Und dir?“

„Mir geht’s auch gut, danke der Nachfrage. Nein, mir geht’s sogar sehr gut. Wünsch mir Glück, ich bin Teilnehmer an einem Bodypainting-Wettbewerb.“

„An einem was?“, hakt mein Kollege leicht irritiert nach, bevor er den Bus in Bewegung setzt.

„An einem Wettbewerb, bei dem wir Kunstwerke auf Körpern entstehen lassen. Es geht um Illusionen, Dreidimensionalität und darum, Menschen zu begeistern.“

„Wow, ich wusste nicht, dass du ein Künstler bist. Bodypainting heißt das, sagtest du?“

Ich nicke.

„Davon habe ich bisher noch nie etwas gehört. Das ist sicher total schwer und wahrscheinlich auch nicht weit verbreitet, oder?“

„Nein, bisher trauen sich nur wenige Leute an diese Art von Kunst heran und kämpfen um Anerkennung in der breiten Masse. Wie weit mich mein Talent bringt, sehen wir ja dann.“

„Dann wünsche ich dir auf jeden Fall Glück und ganz viel Spaß.“

„Danke dir“, antworte ich, bevor ich mich auf einen freien Platz setze und gedankenversunken aus dem Fenster starre. Ich nehme die Häuser, Autos und Menschen nicht wahr, die draußen an mir vorbeirauschen, so konzentriert bin ich auf das, was mich erwartet. Zum einen bin ich ultra nervös, zum anderen hoch motiviert. Je näher ich meiner Zielhaltestelle komme, desto hibbeliger werde ich. „Tschüss, Thomas“, rufe ich meinem Kollegen zu, bevor ich an der Zürcher Kunsthochschule aussteige und das imposante Gebäude im ehemaligen Industriequartier und heutigen Partyviertel Zürichs betrachte. Ein fünfzehnstöckiges Haus aus Glas und gewelltem Metall.

Eine perfekte Verpackung für eine Kunstakademie.

Unzählige Studenten strömen mir entgegen, um den Bus zu erwischen, aus dem ich gestiegen bin. Sie alle sind auf Skateboards oder sonst auf irgendeine Weise mobil unterwegs. Langsam steigt meine Anspannung ins Unermessliche. Als ich das Gebäude betrete, beginnt mein Herz regelrecht zu hämmern. Während meiner Schul- und Ausbildungszeit habe ich es nie auf eine Universität oder Fachhochschule geschafft, ich war stets mit dem zufrieden, was ich auf nichtakademischem Weg erreichen konnte. Nervös und mit schwitzigen Handflächen folge ich den Schildern für den Bodypainting-Wettbewerb durch die luftigen Hallen und Flure des Gebäudes. An den hohen Wänden sind die Meisterstücke früherer Absolventen aufgehängt und in einem mehrstöckigen Atrium stehen atemberaubend schöne Plastiken und Skulpturen.

Faszinierend.

Alles an diesem Ort schreit förmlich Kunst. Auf Anhieb fühle ich mich wohl, willkommen und zu Hause. Hier kann ich mich beweisen. Dennoch wird meine Nervosität mit jeder Minute und jedem Schritt, den ich dem Kursraum näherkomme, größer. Als ich vor der Tür stehe, verlässt mich mein ganzer Mut. Tief atmend, lehne ich mich mit dem Rücken an die Wand und versuche zwanghaft mich zu beruhigen. Was mache ich hier? Das ist nichts für mich! Ich habe weder die Erfahrung noch das Talent für einen solchen Contest. Was habe ich mir nur dabei gedacht?

„Hey, bist du auch wegen dem Wettbewerb hier?“ Eine junge, bildhübsche Frau mit feuerroten Haaren steht vor mir und mustert mich interessiert mit ihren strahlenden Augen.

„Ja, also, ich denke schon, irgendwie“, stammle ich, total überrumpelt von ihrer Frage.

„Diese elende Nervosität“, entgegnet sie lächelnd, „kenne ich auch sehr gut. Aber hey, da wir jetzt schon mal hier sind, können wir das auch zusammen rocken, was hältst du davon?“

Ihre Stimme beruhigt mich ungemein, also beginne ich, zustimmend zu nicken und setze ein zaghaftes Lächeln auf.

„Mein Name ist übrigens Jacky.“

„Sehr erfreut, Jacky, ich bin Luis“, antworte ich ihr, während wir uns die Hände geben.

„Freut mich, Luis. Also auf geht‘s, wagen wir uns in die Höhle der Löwen.“

Ich nicke und folge ihr durch die Tür ins Innere des großen Raums, in dem mich beinahe der Schlag trifft. Für jeden Teilnehmer wurde ein topmoderner Arbeitsbereich mit einer beinahe unüberschaubaren Auswahl an Farben, Pinseln, Schwämmen, Accessoires, Airbrushpistolen und Abdeckbändern bereitgestellt. Zudem gibt es neben dem Künstlertisch einen Stehplatz für die Models. Sprachlos und fasziniert gleitet mein Blick über die vorhandenen Materialien. Die Organisatoren haben an alles gedacht, um unserer Fantasie und Kreativität Flügel wachsen zu lassen. In einer Nische, ein paar Schritte nach dem Eingang, stehen Regale mit zusätzlichem Material. Als mein Blick auf die Glitzersprays, die Strasssteine, den Hautkleber und die Farbpigmente fällt, entweicht mir ein spitzer Freudenschrei.

„So geht es jedem beim ersten Mal“, erklingt eine tiefe, männliche Stimme. Ich sehe auf und blicke in das Gesicht eines attraktiven Mittfünfzigers, den ich sofort erkenne. Es handelt sich um niemand geringeren als Jeffrey Wilson, Bodypainting-Ikone.

„Herr Wilson, wow, äh, ich hätte nicht gedacht, …“, beginne ich zu stottern, was meinem Gegenüber ein stolzes Lächeln aufs Gesicht zaubert.

„Wenn ich mich richtig an Ihr Bewerbungsfoto erinnern kann, müssen Sie Luis sein, herzlich willkommen.“

„Genau, der bin ich. Es ist mir eine Ehre, Sie persönlich kennenzulernen, Herr Wilson. Ich habe all Ihre Kunstwerke gesehen und sie bereits einige Male live erlebt. Sie sind einfach fantastisch.“

„Vielen Dank, Luis, aber nennen Sie mich doch Jeffrey.“

„Das ist mir ein Vergnügen, Jeffrey.“ Hinter mir betreten weitere Kandidaten den Raum, also mache ich Platz und stelle mich neben Jacky in den Halbkreis, der sich gebildet hat. „Jeffrey ist der Wahnsinn, findest du nicht?“, will ich von ihr wissen.

„Auf jeden Fall. Der Mann ist eine Koryphäe und absolut mein Geschmack, ich meine, sieh dir seine Grübchen an.“

„Brauchst du ein Lätzchen?“, frage ich sie belustigt, bevor mein Blick in die Runde schweift. Die Menschen, die sich versammelt haben, sind unverkennbar Künstler und dennoch grundverschieden. Da wäre eine junge Frau mit Aknenarben im Gesicht, ein älterer Kerl, dessen Klamotten mich an einen Lehrer im Ruhestand erinnern, eine kleine, pummelige Dame in einem zu engen Kostüm, aber am ehesten sticht Jacky mit ihren funkig roten Haaren heraus – ein absoluter Blickfang.

„Herzlich Willkommen, liebe Teilnehmer“, eröffnet Jeffrey Wilson den Wettbewerb. „Ihr seid alle hier, weil ihr die Besten unter den Besten seid. Eure Werke haben die Jury angesprochen, begeistert und teils sprachlos zurückgelassen. Einige von euch sind relative Neulinge, andere wiederum haben jahrelange Erfahrung. Dennoch denken wir, dass ihr alle eine Chance auf den Sieg habt, weil ihr Ausnahmetalente der Branche seid.“

Euphorischer Applaus erfüllt den Raum.

„Dieser Wettbewerb wird hart, das kann ich euch verraten. Die Samstage, an denen ihr hier seid, werden die anstrengendsten und gleichzeitig schönsten werden, die ihr je erleben werdet. Wir verlangen das absolute Maximum von euch, stellen euch immer wieder vor neue Herausforderungen und ihr werdet uns von eurem Können überzeugen müssen. Jede Woche verlässt uns ein Kandidat, bis nur noch drei von euch übrig sind, um ins Finale einzuziehen.“

Erneutes Klatschen.

„Dieser Wettbewerb wird nicht im Fernsehen übertragen und dennoch mangelt es uns nicht an Publikum: Jeden Samstag werden die Studenten der Kunsthochschule eure Werke bestaunen, darüber diskutieren und Fotos machen, die wiederum die Flure dieses Instituts verschönern werden.“

Ich kann mein Glück kaum fassen: Meine Kreationen als Fotografien in der Kunstfachhochschule? Ein Traum wird wahr.

„Das große Finale findet in acht Wochen auf dem Zürcher Messegelände im Rahmen der Swiss Bodypainting Fair statt, einem der größten Events in Sachen Körpermalkunst.“

Gemurmel, Zustimmung und Freudenschreie sind zu hören.

„Der Gewinner bekommt neben der Anerkennung einen atemberaubenden Vorrat an wasserbasierten Farben, ein komplett ausgestattetes Paintbrush-Set, inklusive Kompressor sowie zwanzigtausend Franken. Das sollte Ansporn genug sein, damit ihr euch anstrengt. Na, wie hört sich das an?“

„Fantastisch“, echoen wir alle im Chor.

„Gut, dann werde ich euch die anderen Juroren vorstellen, damit ihr wisst, wer euch bewerten wird“, führt Jeffrey Wilson weiter aus, bevor er sich zur Seite dreht, die Arme erhebt und seine beiden Jurykollegen begrüßt, die zur Tür hereinkommen. „Schweizer Meisterin im Bodypainting, Emilia Senn, und Europameister Bodypainting Art, Sasha Vernel. Ein herzliches Hallo euch beiden.“

„Es freut mich riesig, hier zu sein“, lässt Emilia verlauten, während sie in die Runde schaut.

„Das wird ein Hammererlebnis“, posaunt Sasha in den Raum und erntet Beifall.

„Da ihr uns nun kennt, wird es Zeit, dass ihr euch untereinander kennenlernt. Die erste Challenge wird sein, eure Models von der Hüfte aufwärts so zu bemalen, dass wir euch darin wieder sehen. Egal, ob das Hobbys oder Charakterzüge sind. Seid kreativ und vermittelt mit diesem ersten Bild, wer ihr seid. Für diese Aufgabe habt ihr drei Stunden Zeit. Viel Erfolg.“

Eine Tür im hinteren Bereich des Raumes öffnet sich und herein strömen die jungen Männer und Frauen, die sich als lebendige Leinwände für unsere Kunst zur Verfügung stellen. Mein Blick schweift über die wunderschönen Menschen und bleibt an einem besonderen Mann hängen. Er ist groß, muskulös und sein Gesicht zieht mich magisch an. Seine Ausdruckskraft und sein Aussehen sind einzigartig. Mein Herz beginnt schneller zu schlagen und als seine grünen Augen meinen begegnen, droht es für ein paar Augenblicke auszusetzen.

„Wir haben nach dem Zufallsprinzip ein Model für jeden von euch ausgelost, diese werden sich an euren Arbeitsplatz stellen, damit ihr beginnen könnt“, führt Jeffrey aus, bevor er auf die Uhr schaut. „Die Zeit beginnt!“

Wie aufgeschreckte Hühner, die vor einem Wolf flüchten, verteilen sich die Teilnehmer im Raum. Wie ein Verrückter hechte ich zum Farblager, nehme mir alles, was ich für dieses erste Kunstwerk benötige und eile damit zu der Arbeitsstation mit meinem Namen. Als ich sehe, wer danebensteht und auf mich wartet, muss ich trocken schlucken.

Er ist es.

Der Mann mit dem gottähnlichen Körperbau, den funkelnd grünen Augen und der Ausstrahlung, die mich beinahe zum Erliegen bringt. Ich schließe kurz meine Lider, atme tief durch und lege dann meine Utensilien auf den Tisch. „Hey, ich bin Luis“, spreche ich ihn an und begrüße ihn. Als sich unsere Hände berühren, geht eine Art elektrischer Impuls durch meinen Körper.

„Mein Name ist Andy“, antwortet er mit einer geschmeidig tiefen Stimme, die meine Knie zum Schlottern bringt.

„Freut mich, Andy.“

„Gleichfalls.“

„Hast du das schon einmal gemacht?“, will ich von ihm wissen, als ich die Farbpaletten öffne und das restliche Material auf der Arbeitsfläche ausbreite. Ich bin fasziniert von dem, was man uns für unsere Kunstobjekte zur Verfügung stellt. Die Airbrushpistole ist der Hammer, damit werde ich sicher mehr als einmal arbeiten.

„Nein, das ist mein erstes Mal. Ich bin Student und verdiene mir etwas dazu.“

„Verstehe. Wichtig ist, dass du lange Zeit ruhig bleiben und eine Pose halten kannst.“

„Das dürfte kein Problem sein. Ich denke, das bekomme ich hin.“

---ENDE DER LESEPROBE---