Alles ist gut - Helmut Krausser - E-Book

Alles ist gut E-Book

Helmut Krausser

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Beschreibung

Marius Brandt versucht im Musikbetrieb Fuß zu fassen, doch kein Intendant eines Opernhauses zeigt Interesse an seinen neotonalen Werken, die der Gattung neue gesellschaftliche Relevanz verleihen sollen. Zunehmend frustriert, von Mordphantasien geplagt, gerät Brandt an Jahrhunderte alte, verschlüsselte Musikaufzeichnungen, die er nach und nach enträtselt. Teile davon baut er in eine Auftragskomposition ein, die er »Alles ist gut« nennt. Bei der Uraufführung kommt es zu rätselhaften Schwächeanfällen im Publikum. Einer der Zuhörer stirbt sogar. Er bleibt nicht der einzige Tote. Doch niemand kommt auf den Gedanken, Brandts Musik könnte dafür verantwortlich sein. Der Komponist selbst begreift zwar, dass etwas Absonderliches in seine Welt gefunden hat, das er für seine Zwecke nutzen möchte. Die Konsequenzen aber überblickt er nicht. Er wird zum Spielball dubioser Figuren, deren Absichten im Dunkel liegen. Mit »Alles ist gut« spinnt Helmut Krausser ein Grundmotiv seines Erfolgsroman »Melodien« weiter - zu einem ebenso faszinierenden wie überraschenden Ende.

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www.berlinverlag.de

Vollständige E-Book-Ausgabe der im Berlin Verlag erschienenen Buchausgabe

1. Auflage 2015

ISBN 978-3-8270-7839-1

© Berlin Verlag in der Piper Verlag GmbH, Berlin 2015 Alle Rechte vorbehalten Umschlaggestaltung: ZERO Werbeagentur, München

Datenkonvertierung: CPI books GmbH, Leck

für Marius

 Es gibt Steine wie Seelen, die sind hingeworfen auf den Straßen. Aber wenn einst die neuen Häuser gebaut werden, dann fügt man ihnen die heiligen Steine ein. 

 (Nachman von Bratslav) 

1. TEIL

I

DER POLNISCHE HAUSMEISTER

Jerzy, der polnische Hausmeister in unsrem Block, ist einundachtzig Jahre alt.

Ein Hutzelhomunkel, nicht eben zwangsjackenhacke, doch eigenstartig bis skurrilst. Jedes Weibswesen, welchen Alters einerlei, spricht er mit »Gneidiges Froilein, wie scheen Sie sein!« an und bezirzt/beschleimt es, als stünde sein Mittelleib noch in vollem Saft und Wuchs. Manchmal holt er aus der Hose etwas hervor, das, denn Jerzy weiß um präzise Grenzen, in seiner Faust versteckt bleibt. Es ist mehr als Witz gemeint denn als Bedrohung oder Angebot. Wenn er über den Hof schlurft und seine fleckigen Hände zittern, könnte man Mitleid bekommen – oder in Verstimmtheit geraten über die hier deplazierte Lethargie des Todes, die einen wie ihn nicht erlösen will. Indes – der Flinkflug seiner Zunge erstaunt, er zäumt sie auf ihren verwegenen Ausritten mit Komplimenten und erotischen Avancen, die an sich peinlich wirken mögen. Von einem reiferen, gnädigeren Standpunkt aus betrachtet, der die Welt und ihre Insassen gründlicher kennengelernt hat und um die Vergänglichkeit allen eitlen Treibens weiß, kann man ihm etwas Drolliges abgewinnen. Und wie als überraschende Pointe, die einen schlechten Witz in eine formidable Anekdote verwandelt, führte er dem Block eines Tages seine Freundin vor. Sie sah ungefähr zwanzig Jahre jünger aus als er, war blond, leicht fettig, in einem preußischblauen Jogginganzug, doch insgesamt – für seine Verhältnisse – durchaus vorzeigbar. Sie küßten einander im Hinterhof, sie schmusten unter der Kastanie. Daß Jerzy dabei jodelte und seltsam eselshafte Brunftlaute ausstieß, solch maskulines Overstatement verwässerte ein wenig seinen Triumph, der still genossen um einiges mehr beeindruckt hätte. Vorgestern dann wurde Jerzy angezeigt, von einer jungen neuseeländischen Touristin, die im Hinterhaus, erster Aufgang zweiter Stock, eine Wohnung (eine heimlich betriebene, nicht als solche deklarierte Ferienwohnung) gemietet hat. Sie fühlte sich »sexually offended« vom Inhalt seiner Faust, den sie als »not completely erected penis« beschrieb, welchen sie jedoch deutlich auf sich gerichtet empfand. Jerzy wurde keine Stunde später abgeholt und in die Psychiatrie verfrachtet. Er war damit zuerst nicht einverstanden, seine Schreie hallten über den Hof, aber die Polizisten setzten eine provisorische Unterschrift auf eine Einverständniserklärung, drohten mit der Alternative des Untersuchungsgefängnisses, warben mit einer kostenlosen ärztlichen Untersuchung und priesen das warme Essen, das er dort zweimal täglich erhalten würde. Die optische Problematik der Festnahme eines Überachtzigjährigen schien selbst den Staatsbeamten recht wohl bewußt, auf der anderen Hand lagen mögliche Schicksale von Frauen, denen von Jerzys Gemächtle Traumata drohten. Die Situation erforderte Fein-, ja Fingerspitzengefühl, zumal Jerzy den ihm gemachten Vorwurf strikt bestritt. Seine Faust sei weder offensiv gemeint noch genital gefüllt gewesen. Ein leeres Versprechen also. Wie auch immer. Die Vollzugskräfte der Staatsgewalt nahmen ihn in Gewahrsam, und im Karree, ganz ehrlich gesagt, begrenzte sich der Proteststurm auf ein paar höfliche Widerworte. Zu oft waren in jüngster Vergangenheit aus dem Hinterhof Fahrräder verschwunden, sogar teure und schwer angekettete – und irgendwer mußte ja nächtens dem Diebsgesindel die Pforte geöffnet haben. Jerzy war durch seine Herkunft in der Pole-position der üblichen Verdächtigen. Entschuldigen Sie das Wortspiel, aber ich bin etwas betrunken, und so schlecht ist es gar nicht. Ich bemühe auch kein Klischee, ich habe mich erkundigt. Es polnische Diebe. Viele im Block atmeten insgeheim durch, nachdem Jerzy unsrer Mitte entrissen war.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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