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Zentrale kirchengeschichtliche Themen im Religionsunterricht lassen sich neu entdecken, wenn sie aus alltagsgeschichtlicher Perspektive angegangen werden. Diesen Zugang, der einem Trend der neueren Geschichtswissenschaft folgt, verbinden die Beiträge des vorliegenden Bandes mit geeigneten didaktischen Ansätzen. Die fachwissenschaftliche Erarbeitung erfolgt im Sinn der elementaren Strukturen, die Quellen werden so präsentiert, dass sie im Unterricht einsetzbar sind, und die fachdidaktischen Beiträge erhellen exemplarisch den ihnen zu Grunde liegenden didaktischen Ansatz. Der Band verbindet so die thematische Einführung in die Kirchengeschichte und die religionsdidaktische Aufbereitung für den Unterricht.
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Seitenzahl: 462
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Zentrale kirchengeschichtliche Themen im Religionsunterricht lassen sich neu entdecken, wenn sie aus alltagsgeschichtlicher Perspektive angegangen werden. Diesen Zugang, der einem Trend der neueren Geschichtswissenschaft folgt, verbinden die Beiträge des vorliegenden Bandes mit geeigneten didaktischen Ansätzen. Die fachwissenschaftliche Erarbeitung erfolgt im Sinn der elementaren Strukturen, die Quellen werden so präsentiert, dass sie im Unterricht einsetzbar sind, und die fachdidaktischen Beiträge erhellen exemplarisch den ihnen zu Grunde liegenden didaktischen Ansatz. Der Band verbindet so die thematische Einführung in die Kirchengeschichte und die religionsdidaktische Aufbereitung für den Unterricht.
Prof. Dr. Konstantin Lindner lehrt Religionspädagogik und Didaktik des Religionsunterrichts an der Universität Bamberg; Prof. Dr. Ulrich Riegel lehrt Praktische Theologie und Religionspädagogik an der Universität Siegen; Prof. Dr. Andreas Hoffmann lehrt Historische Theologie an der Universität Siegen.
Konstantin Lindner Ulrich Riegel Andreas Hoffmann (Hrsg.)
Alltagsgeschichte im Religionsunterricht
Kirchengeschichtliche Studien und religionsdidaktische Perspektiven
Verlag W. Kohlhammer
Unter www.kohlhammer.de steht ein PDF-Reader mit den Quellenzitaten des Bandes und zusätzlichen Texten zum Download zur Verfügung. Alle Rechte vorbehalten © 2013 W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Umschlag: Gestaltungskonzept Peter Horlacher Gesamtherstellung: W. Kohlhammer Druckerei GmbH + Co. KG, Stuttgart Printed in Germany
Print: 978-3-17-022238-0
E-Book-Formate
pdf:
978-3-17-026430-4
epub:
978-3-17-027104-3
mobi:
978-3-17-027105-0
Fachdidaktische Eckpunkte
Konstantin LindnerReligiöses Lernen mit Kirchengeschichte Didaktische Verortungen und Perspektiven
Ulrich RiegelKinder und Jugendliche als Subjekte des Religionsunterrichts zu kirchengeschichtlichen Inhalten
Kirchengeschichtliche Studien
Hubertus LutterbachKinder und Christentum Spätantike Einblicke, mittelalterliche Ausblicke
Andreas HoffmannDer junge Augustinus – Sinnsuche zwischen Philosophie, Religion und Karriere in der Spätantike
Lutz E. von PadbergDie Christianisierung der Germanen durch Bonifatius
Alexander BernerFrauen und Arme auf Kreuzzügen Zwischen Normen und sozialer Wirklichkeit
Rita VoltmerHexenverfolgung als Schuld der Kirche(n)? Die Handlungsoption „Hexenjagd“
Susanne SchusterDas Ringen um den wahren Glauben Ein Wirtshausgespräch
Andreas HolzemEinander leiden können Konfessionalisierung der Familie?
Martin H. JungChristen und Juden im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit
Dagmar Pöpping„Allen alles sein“ Deutsche Kriegspfarrer an der Ostfront 1941-1945
Josef PilvousekKatholische Kirche in der DDR
Religionsdidaktische Perspektiven
Klaus KönigDie Vielfalt christlicher Praxis Kulturhermeneutische Perspektiven für die Fachbeiträge dieses Bandes
Heidrun DierkKirchengeschichte erzählend verorten
Konstantin LindnerKirchengeschichte biographisch erschließen
Ulrich RiegelKirchengeschichte durch die Dilemma-Methode erarbeiten
Harald SchwillusKirchengeschichte im persönlichen Umfeld erforschen – Oral History
Verzeichnis der Autorinnen und Autoren
Alltagsgeschichtliche Zugänge gehören mittlerweile in Geschichtswissenschaft und Kirchengeschichtsschreibung zu den etablierten Perspektiven. Sie nehmen neben herausgehobenen Personen, die mit ihren Entscheidungen und Handlungen zur Prägung des alltäglichen Lebens und damit von Geschichte beigetragen haben, auch die Menschen in den Blick, die durch ihre Alltagsgestaltung Geschichte gelebt haben. Oft ist es gerade der Blick auf die so genannten „kleinen Leute“, der die soziale und religiöse Dimension historischer Aspekte sichtbar macht.
Im Religionsunterricht ist eine alltagsgeschichtliche Perspektive bislang kaum rezipiert. Das Gros kirchengeschichtsdidaktisch aufbereiteter Materialien orientiert sich an (kirchen-)historischen Brennpunkten, Ereignisfolgen oder Längsschnitten und elementarisiert sie über scheinbar entscheidende Handlungsträger. Hierzu will der vorliegende Band eine Alternative anbieten, indem er seinen Leserinnen und Lesern alltagsgeschichtliche Zugänge zu geschichtlichen Themen eröffnet, die für religiöses Lernen bedeutsam sind. Er versucht dies auf doppelte Weise. Zum einen werden in zehn fachwissenschaftlichen Kapiteln kirchenhistorische Themen aus einer Alltagsperspektive heraus vorgestellt, um das nötige Fachwissen für einen alltagsgeschichtlich orientierten Religionsunterricht zu bieten. Zum anderen werden in fünf Kapiteln fachdidaktisch-methodische Zugänge vorgestellt, mit denen die Erarbeitung kirchengeschichtlicher Inhalte aus alltagsgeschichtlicher Perspektive im Religionsunterricht geschehen kann. Zwei vorausgehende Kapitel zur kirchengeschichtsdidaktischen Verortung und zum historischen Bewusstsein der Schüler/innen wollen eine grobe Landkarte über historisches Lernen im Religionsunterricht zeichnen, in die die folgenden 15 Kapitel eingeordnet werden können.
Dieser Band wäre nicht möglich gewesen, hätten ihn die angefragten Kolleginnen und Kollegen aus Fachwissenschaft und Fachdidaktik nicht bereitwillig angenommen. Für ihre Bereitschaft zur Mitarbeit bedanken wir uns herzlich. Bei der Erstellung des Manuskripts haben Sarah Delling, Margarete Will-Frank und Elisabeth Gernert unschätzbare Arbeit geleistet. Auch ihnen ein herzliches Dankeschön. Schließlich gilt unser Dank Florian Specker, Lektor bei Kohlhammer, der sich schnell für das Projekt begeistert und mit vielen guten Ratschlägen zu seinem Gelingen beigetragen hat.
Der vorliegende Band muss sich auf wenige Themen und methodische Perspektiven beschränken, steckt also nicht die gesamte Breite eines alltagsgeschichtlichen Zugangs zur Kirchengeschichte im Religionsunterricht ab. Er will einen Impuls geben, der zu eigenen alltagsgeschichtlichen Gehversuchen auffordert, sei es in Fachwissenschaft und -didaktik, sei es im Religionsunterricht. In diesem Sinn wünschen wir der Leserin und dem Leser eine anregende Lektüre.
Die Herausgeber
Konstantin Lindner
Seit knapp 2000 Jahren prägt das Christentum Lebenswelten. Aus einer binnenjüdischen Splitterbewegung ist eine Weltreligion erwachsen, deren Anhänger sich unter dem Namen Kirche vergemeinschaften. Dass mittlerweile verschiedenste Denominationen die Botschaft Jesu Christi repräsentieren und Kirchen in sich wandelnder Intensität Gesellschaft und Biographien bis in die Gegenwart prägen, lässt sich als wechselvolle Kirchengeschichte nachzeichnen. Diesbezügliche Erkenntnisse werden nicht zuletzt im Religionsunterricht thematisiert. In dieser Hinsicht nimmt vorliegender Beitrag Kontexte eines Lernens mit Kirchengeschichte in den Blick (1) und legt Begründungslinien vor, gemäß denen Religionsunterricht mittels der Thematisierung kirchengeschichtlicher Inhalte einen wichtigen Beitrag zur Bildung der Schüler/innen leistet (2). Die Ausführungen münden in die Formulierung kirchengeschichtsdidaktischer Prämissen für den Religionsunterricht (3) und eine Bilanz des kirchengeschichtsdidaktischen Mehrwerts eines alltagsgeschichtlichen Zugangs (4).
Die Postmoderne ist davon gekennzeichnet, dass vieles im Plural zugänglich ist, was zur Folge hat, dass sich das Individuum zwischen verschiedenen Optionen entscheiden muss, wie es sein Leben gestaltet. Im Interesse einer bestmöglichen Wahl wird infolge dessen alles hinsichtlich möglicher Chancen und Risiken abgewägt und von daher Überliefertes nicht mehr unhinterfragt übernommen, wenn es um die eigene Lebensgestaltung geht. Dieser „Enttraditionalisierungsprozess der Gesellschaft“1 lässt sich unter anderem daran ablesen, dass es institutionalisierte Systeme wie Parteien oder die Kirchen, die davon leben, dass Menschen sich selbstverständlich und dauerhaft in ihrem Horizont verorten, gegenwärtig schwer haben. Schüler/innen sind posttraditional sozialisiert: Es gibt für die meisten unter ihnen keine unhinterfragbaren Gründe mehr, heute so zu handeln, wie es aus der Vergangenheit überliefert ist, oder gar das Gleiche zu tun wie gestern. Heranwachsende schreiben Überliefertem in der Regel keine selbstverständliche persönliche Relevanz zu und gehen an Geschichtliches mit Eigeninteressen heran. Das Vergangene wird aber nicht komplett ignoriert, sondern selektiv herangezogen, sofern es sich für den individuell gewählten Lebensstil als unterstützend erweist und angesichts sich stellender Herausforderungen Lösungsoptionen bereithält. Geschichtlich Überkommenes ist also für Heranwachsende nicht von vornherein persönlich unrelevant, sondern kann als bereichernd wahrgenommen werden – nicht zuletzt um mit dem Zwang zur Entscheidung im Angesicht der Pluralität umgehen zu können: Es präsentiert hinsichtlich der Suche nach Orientierungsgrößen Handlungsoptionen und eröffnet individuelle Verortungsmöglichkeiten.
Dieses Aufwachsen der Lernenden in einem posttraditionalen Kontext markiert den Horizont und zugleich eine Herausforderung kirchengeschichtsdidaktischer Überlegungen. Es gilt zu reflektieren, wie kirchengeschichtliche Lernprozesse im Religionsunterricht angelegt werden können, so dass sie die potentielle Skepsis auffangen, welche Schüler/innen dem Tradierten entgegen bringen, und Anknüpfungspunkte bieten, die es ihnen ermöglichen, mit dem aus der Vergangenheit Überlieferten in einen Dialog zu treten.2
Was als Kirchengeschichte im Raum steht, ist Ergebnis historiographischer Forschungsprozesse und der dabei eingenommenen Perspektiven auf die Vergangenheit. Im Rahmen von Kirchengeschichtsschreibung werden mit spezifischen Interessen am Überlieferten bestimmte, bereits perspektivisch entstandene Quellen herausgegriffen, erforscht und interpretierend als Geschichte erzählt. Jede Darstellung von Kirchengeschichte ist daher im Grunde relativ und als perspektivische „Rekonstruktion dessen, was in der Vergangenheit … geschehen ist“3, ernst zu nehmen. In Folge dieser Einsicht gilt es als ausgemacht, dass nicht objektivierbar dargelegt werden kann, wie die Vergangenheit tatsächlich gewesen ist.4
Diese Erkenntnis gilt es hinsichtlich der Thematisierung von Kirchengeschichte im Religionsunterricht zu berücksichtigen: Die eine Kirchengeschichte gibt es nicht, schon gar nicht als ledigliche Aneinanderreihung von Jahreszahlen und Ereignissen. Vielmehr repräsentiert Kirchengeschichte eine Auswahl aus der Summe überlieferter Erfahrungen und Lebensäußerungen von Menschen, die in der Vergangenheit Christliches in Anspruch genommen5 und somit in das Beziehungsgeschehen Kirche eingebunden waren. Kirchengeschichtsschreibung jedoch hat bis in die jüngere Vergangenheit vornehmlich große – meist männliche – Gestalten und epochemachende Strukturen erforscht, welche infolge dessen auch im Religionsunterricht thematisiert wurden. Viele Aspekte blieben unerforscht, ja bisweilen systematisch von der (Kirchen-)Geschichtsschreibung ausgeschlossen. In den letzten Jahren hat sich dies gewandelt: frauen-, mentalitäts- und alltagsgeschichtliche Perspektiven rückten in das Blickfeld.
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
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