Alpengold 303 - Christl Brunner - E-Book

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Christl Brunner

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Beschreibung

Die sündige Liebe des Madreiter-Bauern
Argwöhnisch beobachtet man im Dorf das heimliche Treiben
Von Christl Brunner

Der alte Madreiter-Bauer kann Katinka, das schöne Zirkusmädchen, in das er sich als junger Bursche verliebt hat, nicht vergessen. Geheiratet hat er eine andere, weil sein Vater es so bestimmt hat.
Glücklich ist er mit seiner Frau nie geworden. Seit einigen Jahren nun verfällt der Bauer zusehends dem Alkohol, weil ihn die Erinnerungen an das verlorene Glück immer stärker bestürmen. Und während es mit dem Hof und dem Bauern stetig bergab geht, steht eines Tages ein bildhübsches junges Madl vor ihm, das Katinka zum Verwechseln ähnlich sieht ...

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Seitenzahl: 131

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Inhalt

Cover

Impressum

Die sündige Liebe des Madreiter-Bauern

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2019 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Bastei Verlag / Michael Wolf

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar

ISBN 9-783-7325-8359-1

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Die sündige Liebe des Madreiter-Bauern

Argwöhnisch beobachtet man im Dorf das heimliche Treiben

Von Christl Brunner

Der alte Madreiter-Bauer kann Katinka, das schöne Zirkusmädchen, in das er sich als junger Bursche verliebt hat, nicht vergessen. Geheiratet hat er allerdings eine andere, weil sein Vater es so bestimmt hat.

Glücklich ist er mit seiner Frau nie geworden. Seit einigen Jahren nun verfällt der Bauer zusehends dem Alkohol, weil ihn die Erinnerungen an das verlorene Glück immer stärker bestürmen. Und während es mit dem Hof und dem Bauern stetig bergab geht, steht eines Tages ein bildhübsches junges Madl vor ihm, das Katinka zum Verwechseln ähnlich sieht …

„Gib das Geld her, oder ich vergess mich!“ Der Mann, der diese Worte in rasendem Zorn schrie, war groß und kräftig. Drohend traten die dunklen Augen aus den Höhlen hervor, und sein unrasiertes Gesicht war verzerrt. Doch weder das Schreien noch die drohende Haltung, die der Vater eingenommen hatte, schienen Jörg Madreiter aus der Ruhe zu bringen.

Ebenso groß wie der Vater, mit dunklen Augen und Haaren, konnte man in ihm auf den ersten Blick den Sohn erkennen. Er stand an die Stubentür gelehnt und hatte sie rasch geschlossen, damit der Streit nicht hinaus zur Mutter und dem Gesinde drang.

Fest hielt der junge Bursche eine schweinslederne Brieftasche an seine Brust gepresst und ließ sie auch nicht los, als der Vater sich auf ihn stürzte und sie ihm entreißen wollte.

„Lass es gut sein, Vater! Das Geld muss noch für den Lohn reichen. Schon am letzten Monatsende haben wir das Gesinde vertrösten müssen“, sagte er mit ruhiger Stimme. Schon hatte der Vater die Hand erhoben, um dem Sohn ins Gesicht zu schlagen, doch ein Ausdruck in Jörgs braunen Augen hinderte ihn daran. Die Zornesröte wich aus seinem schwammigen, feisten Gesicht, und er ließ sich auf die Bank am Kachelofen fallen.

„Hundert Euro, Bub, gib sie mir“, bettelte er. „Ich kann das Kalb gut verkaufen, dann bekommst du jeden Cent zurück.“

„Nein, Vater.“ Jörg schüttelte den Kopf. „So geht es net weiter. Das Geld für das Kalb brauchen wir für die neue Saat. Ich hab sie schon bestellt. Und mir wäre viel lieber, ich müsste das Tier net hergeben.“

„Wir haben Vieh genug“, brummte der alte Bauer böse, „und du vergisst manchmal, dass der Madreiterhof der schönste und größte weit und breit ist.“

Jörg steckte die Brieftasche in seine Westentasche und schüttelte mit einem schmerzlichen Lächeln den Kopf.

„Das war er einmal, Vater. Aber seitdem du das ganze Geld ins Wirtshaus trägst, muss ich schauen, wie ich den Hof erhalten kann. Unser Ansehen ist auch nimmer das Beste.“

Wieder stieg Zornesröte in das Gesicht des Alten.

„Muss ich mir von dir Vorschriften machen lassen, Jörg? Noch bin ich der Bauer vom Madreiterhof, hast du verstanden?“

„Ja, der bist du, Vater, das habe ich nicht vergessen. Aber ich dulde es net, dass mein Erbe von dir zugrunde gerichtet wird. Wie oft hat die Mutter dich gebeten, dass du zur Kur fährst und wieder der wirst, der du einmal gewesen bist. Dann kann doch alles wieder gut werden. Glaub mir, ich werde für zwei arbeiten, und du wirst stolz auf mich sein.“

„Das tät euch passen, der Mutter und dir. Dass ihr mich los seid für eine lange Zeit. Aber daraus wird nix. Mich bringt keiner von meinem Hof fort. Und jetzt gehe ich und hole mir Geld. Bestimmt findet sich jemand, der dem Madreiter ein paar Euro borgt.“

Jörg sah durch das Fenster, dass der Vater sich wieder auf den Weg ins Wirtshaus machte. Der junge Bursche ballte seine Hände zu Fäusten. Wie lange musste er noch ohnmächtig mit ansehen, wie der Vater alles vertrank, was sie noch besaßen? Gab es denn gar nichts, was ihn zur Besinnung bringen konnte?

Vor drei Jahren hatte es angefangen. Immer häufiger war der Vater ins Wirtshaus gegangen und immer häufiger total betrunken zurückgekommen. Aus dem arbeitsfreudigen Bauern war ein phlegmatischer Mann geworden, dessen einziger Lebensinhalt der Alkohol war. Und niemand konnte sich erklären, wie es dazu gekommen war. Von einem Tag auf den anderen war er ein völlig anderer Mensch geworden.

Jörg musste ständig die Schulden bezahlen, die der Alte bei seinen Freunden und Nachbarn machte. Und nun kam das Unheil immer näher auf sie zu. Schon hatten sie eine Magd entlassen müssen, weil das Geld für ihren Lohn nicht mehr ausreichte. Nun stand der Frühling vor der Tür. Reparaturen und Neuanschaffungen waren nötig, und Jörg wusste nicht, woher er das Geld dafür nehmen sollte.

Schon gönnte er sich keinen freien Sonntag mehr, sondern arbeitete für andere Bauern im Holz. Die Arbeit wurde gut bezahlt, und dadurch gelang es ihm immer wieder, größeres Unheil zu verhindern. Er tat es nicht für sich allein, sondern in erster Linie wegen der Mutter.

Die fleißige stille Frau litt unter ihrem herrschsüchtigen Mann, solange Jörg zurückdenken konnte. Es war keine gute Ehe, die die beiden führten. Schon als Kind hatte er das zu spüren bekommen. Ihre Heirat war von ihren Eltern bestimmt worden. Der alte Madreiterbauer hatte seinem Sohn Philipp gedroht, ihn zu enterben, wenn er nicht die reiche Teresa zur Frau nahm. Philipp hatte sich gefügt und Teresa geheiratet, aber er hatte sie nie geliebt.

Dass sie ihm einen Sohn geschenkt hatte, hatte ihn ein wenig mit ihr versöhnt, aber trotzdem war es nie zu einer inneren Bindung zwischen ihnen gekommen. Und jetzt, wo der Alte dem Alkohol verfallen war, waren sie sich noch fremder geworden.

Jörg hatte die Mutter nicht kommen hören. Plötzlich stand sie neben ihm, klein und schmal und im Laufe der Jahrzehnte neben einem ungeliebten Mann alt geworden. Sie war einmal hübsch gewesen, das hatte er auf alten Fotos gesehen. Jetzt war sie ergraut, und ihre großen grauen Augen schauten ein wenig weltfremd in die Gegend.

„Ist er wieder fort?“, fragte sie.

„Ja, Mutter, ich habe ihn net halten können.“ Jörg legte den Arm um ihre mageren Schultern und drückte sie an sich.

„Das Geld hat er net bekommen. Lange wird er heute net fortbleiben.“

Das hilflose Lächeln der alten Frau schnitt ihm ins Herz.

„Es findet sich immer jemand, der ihm Geld borgt, Bub“, sagte sie leise, „und der es dann mit Zinsen von dir zurückverlangt.“

Die Mutter hatte recht. Obwohl er selber von Hof zu Hof gegangen war und gebeten hatte, dem Vater nichts zu geben, hielten sich die meisten Nachbarn nicht daran. Manchen unter ihnen schien es Freude zu bereiten, es mit dem Madreiterhof bergab gehen zu sehen.

„Wenn wir ihn nur zu einer Entziehungskur überreden könnten, Mutter! Noch ist es nicht zu spät für ihn, um mit dem Trinken aufzuhören.“

„Der Vater ist ein unglücklicher Mensch seit unserer Hochzeit, Jörg. Als junger Mann hat er es leichter ertragen können, und jetzt im Alter sucht er Zuflucht im Alkohol.“

„Du nimmst den Vater auch noch in Schutz?“ Jörg konnte die Mutter nicht verstehen.

„Wir haben damals beide auf die Eltern gehört“, sagte sie leise, „und Philipp hat es sein Leben lang bereut. Er hat eine andere gerngehabt. Ein Zirkusmädchen. Einmal haben sie hier gastiert, und da hat er sich in das Mädchen verliebt.“

Davon hatte Jörg nichts gewusst. Manches Mal kam der Zirkus auch heute noch in ihren Ort. Als Kind hatte er mehrmals die Vorstellungen besucht.

„Du meinst, er hat einem Zirkusmädchen sein Herz geschenkt?“

Die Mutter nickte traurig.

„Man hat es im Dorf gemunkelt, Bub. Gewusst hat keiner was Genaues, und dein Vater hat nie darüber gesprochen. Katinka hat sie geheißen, das ist alles, was ich darüber weiß.“

Jörg setzte sich und stützte den Kopf in die Hände. War der Vater deswegen zum Trinker geworden, weil es in seinem Leben eine unerfüllte Liebe gegeben hatte? Hatte er das Mädchen Katinka nicht vergessen können und war deswegen mit der Mutter nicht glücklich geworden?

„Der Vater und ein Zirkusmädchen! Ich kann es mit gar net vorstellen“, sagte er kopfschüttelnd.

Die Mutter setzte sich neben ihn und schaute zum Fenster hinaus. Die großen grauen Augen waren mit Tränen gefüllt.

„Er hat sie geliebt, ich weiß es. Darum sind wir uns fremd geblieben in all den Jahren. Sein Vater hätte ihn davongejagt, wenn er mit diesem Zirkusmädchen angekommen wär. Er hat einen unbändigen Stolz gehabt, der alte Madreiter-Felix. Und ich glaub, dein Vater hat es hinterher bereut, dass er sich nicht dem Zirkus angeschlossen hat. Aber da war es schon zu spät. Die Truppe war weitergezogen, und als der Zirkus im nächsten Sommer wiederkam, war Katinka nicht mehr bei ihnen. Damals bist du dann geboren worden, und das hat deinen Vater vielleicht von seinem Kummer abgelenkt.“

„Wenn es so ist, Mutter, dann ist der Vater ein armer Teufel, mit dem man Mitleid haben muss.“

„Es ist Vesperzeit, Jörg, ich muss in die Küche. Vergib dem Vater, wenn du kannst, denn er ist kein schlechter Mensch.“

Jörg musterte seine Mutter. Die kleine Frau mit den grauen Haaren liebte ihren Mann, auch wenn sie es sich selber nicht eingestehen mochte. Warum nur hatte der Vater das niemals bemerkt und neben ihr dahingelebt wie ein Fremder?

„Ich will wieder, dass er der Alte wird, Mutter. Wir zwei müssen ihm helfen, denn sonst hat er niemanden.“

Die Mutter schüttelte den Kopf.

„Du musst ihm helfen, Jörg, du allein. Mich hasst er, denn ich habe den Platz an seiner Seite, der eigentlich einer anderen gehören sollte.“

***

Barbara, die hübsche blonde Wirtstochter, schaute den Madreiterbauern mit ihren blauen Augen vorwurfsvoll an. Und als er ihr den Krug hinstellte, der schon wieder leer war, schüttelte sie energisch den Kopf.

„Es wird Zeit, dass du heimgehst. Bauer. Vesperzeit ist längst vorüber, und auf dem Hof wird man auf dich warten.“

Der Madreiter, dessen Schläfenadern blau hervortraten, warf dem Mädchen ein paar Münzen hin.

„Stell dich net so an, Madl“, sagte er halb belustigt, halb ärgerlich. „Wenn du einmal meine Schwiegertochter werden willst, musst du dich gut mit mir stellen. Denn ich such für meinen Buben die Bäuerin aus.“

Barbara warf die Münzen zurück. Sie fielen zu Boden und blieben liegen.

„Behalt dein Geld“, sagte das Mädchen und ging, um den Krug neu zu füllen. Sie musste es tun, wenn sie nicht wieder Streit mit ihrem Vater bekommen wollte.

„Jeder Gast kriegt, was er will, solange er bezahlt“, war seine Devise, und dass sie den Madreiterbauern in der letzten Zeit immer häufiger vollkommen betrunken hinauswerfen mussten, störte ihn nicht. Solange er ihm Geld brachte, war er ihm ebenso recht wie jeder andere Gast.

Als das Mädchen mit dem gefüllten Krug zurückkam, nickte der Bauer wohlgefällig.

„Bist ein gescheites Madl! Mit dem Madreiter muss man sich gut stellen“, lallte er und nahm einen tiefen Schluck.

Barbara wandte sich angeekelt ab. Die Aussicht, gerade ihn als Schwiegervater zu bekommen, war nicht verlockend. Aber wenn sie Jörgs Frau werden wollte, musste sie den Alten mit in Kauf nehmen. Und ihr Herz gehörte dem dunkelhaarigen Madreitersohn, solange sie zurückdenken konnte. Schon als Kinder waren sie unzertrennlich gewesen, die blonde Wirtstochter und der Erbe vom Madreiterhof. Und ohne dass sie darüber sprachen, wussten beide, dass sie einmal für immer zusammenbleiben würden.

Noch war nichts gewesen zwischen ihnen außer ein paar harmlosen Küssen und etlichen verliebten Worten.

Barbara wusste, dass Jörg große Sorgen mit seinem Vater hatte. Sie schob es darauf, dass er noch nicht mit ihr über ihre Zukunft gesprochen hatte. Für sie stand es fest, dass es eine gemeinsame werden würde.

Deshalb passte es ihr auch gar nicht, dass der alte Bauer sein Geld hier vertrank und dass es mit dem Hof immer mehr bergab ging.

Vor ein paar Jahren hatte sich noch so mancher Bauer in Hinterthal den Jörg als Schwiegersohn gewünscht. Heute sah man das anders, denn der Hof steckte schon tief in Schulden, und im Stall standen bei Weitem nicht mehr so prächtige Tiere wie früher.

Mit bedrücktem Gesicht ging Barbara in die Küche, wo die Mutter mit den Mädchen den Salat für das Abendessen zubereitete. Die Wirtin wusste, was das traurige Gesicht der Tochter zu bedeuten hatte.

„Sitzt er wieder drinnen, der Philipp, und vertrinkt sein letztes Geld? Es wird dich keiner beneiden, wenn du einmal auf dem Madreiterhof Bäuerin werden willst.“

„Es geht mir net um den Hof, sondern um Jörg“, erwiderte Barbara leise. „Ich hätt ihn auch gern, wenn er nur ein Knecht wäre.“

Diesen letzten Satz hatte auch der Vater gehört, der jetzt in die Küche kam. Breitbeinig stellte er sich vor seine Tochter hin, die dicken Arme in die Hüften gestemmt. Ein Bild der Wohlhabenheit, das war der Wirt vom „Goldenen Stern“ schon immer gewesen. Und gar nichts konnte den gutmütigen rundlichen Mann eigentlich aus der Ruhe bringen. Aber bei den Worten seiner Tochter stieg Zorn in ihm auf.

„Du vergisst, wer du bist, Barbara“, sagte er böse. „Meinst du, ich gebe dich einem zur Frau, der nichts hat? Dafür ist mir mein einziges Kind zu schade.“ Barbaras blaue Augen schauten den Vater erschrocken an.

„Aber es war dir doch immer recht, wenn ich mit Jörg zusammen war. Und für dich und seinen Vater hat es doch immer festgestanden, dass wir einmal heiraten werden.“

Der Wirt schüttelte den Kopf.

„Wenn es mit dem Madreiterhof so weiter bergab geht, will ich nichts davon wissen. Du tätest dich ja im ganzen Dorf mit dieser Heirat zum Gespött machen. Entweder der Alte kommt wieder zur Vernunft, oder wir vergessen unsere Pläne. Es gibt noch genügend andere wohlhabende Burschen, die sich um dich bemühen.“

Barbara erblasste.

„Ich werde nicht vom Jörg lassen, Vater“, stieß sie mit harter Stimme hervor, „und wenn es mit seinem Vater immer schlimmer wird, dann bist auch du daran schuld. Gib ihm nichts mehr zu trinken, dann hilfst du ihm und uns.“

Der Vater hielt sie, als sie an ihm vorbeigehen wollte, am Arm fest. Seine hellen Augen blitzten.

„Du wirst tun, was ich bestimme“, sagte er.

„Nein, das werde ich nicht“, gab Barbara leise, aber bestimmt zurück.

Die Mutter warf ihrem Mann einen vernichtenden Blick zu. Sie hasste es, wenn sich Privates vor den Augen der Angestellten abspielte. Und die Küchenmädchen spitzten natürlich die Ohren. Der Vater gab Barbaras Arm frei, und sie verließ die Küche grußlos. Da war seine Frau neben ihm.

„Lass das Madl in Ruhe, Georg“, schimpfte sie. „Noch hat der Jörg doch gar net um sie angehalten.“

„Das soll er auch net tun, bevor es net wieder aufwärtsgeht mit seinem Hof.“

Barbara hatte in der Gaststube ihre Schürze abgebunden und dem Madreiter, der immer noch mit stierem Blick auf seinem Stuhl saß, einen wütenden Blick zugeworfen. Vor dem Spiegel fuhr sie sich nun über das blonde Haar.

Sie wollte hinüber zum Madreiterhof und nach Jörg sehen. Für gewöhnlich kam er abends meist, um sie abzuholen. Heute wollte sie das vermeiden, weil sein Vater noch immer in der Wirtsstube saß und trank.

Der alte Hof lag nahe dem Wirtshaus, und von außen sah man ihm noch nicht an, dass es mit ihm nicht zum Besten stand. Schneeweiß waren die Gardinen hinter den Fenstern, und auf dem Balkon hing weiße Wäsche in der Abendsonne. Wie schön hätte alles sein können, wenn Jörg nicht so viele Sorgen gehabt hätte.

„Ich glaube, die Barbara kommt“, sagte drinnen in der Küche die alte Bäuerin zu ihrem Sohn. Sie waren gerade mit dem Essen fertig.

„Ich gehe ihr entgegen, die Zeit reicht noch für einen Spaziergang.“