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Kathrin und der Dorflehrer
Ihr langer, steiniger Weg ins Glück
Von Christl Brunner
Ganz nass ist Kathrins Kissen von den vielen heißen Tränen, die sie in dieser Nacht geweint hat. Eingesperrt hat der Vater sie in ihrem Zimmer, nachdem er erfahren hat, dass sie sich mit dem neuen Dorflehrer eingelassen hat.
Nicht ihr Glück ist ihm wichtig, sondern dass sie - wie beschlossen - baldmöglichst den reichen Truller-Ferdl heiratet, um auf diese Weise den Hof vor dem Ruin zu retten.
Als endlich der Morgen heraufdämmert, hat das Madl keine Tränen mehr. Dafür hat es einen folgenschweren Entschluss gefasst ...
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Seitenzahl: 141
Veröffentlichungsjahr: 2019
Cover
Impressum
Kathrin und der Dorflehrer
Vorschau
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2019 by Bastei Lübbe AG, Köln
Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: Bastei Verlag / Michael Wolf
eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar (www.3wplusp.de)
ISBN 9-783-7325-8448-2
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
www.bastei.de
Kathrin und der Dorflehrer
Ihr langer, steiniger Weg ins Glück
Von Christl Brunner
Ganz nass ist Kathrins Kissen von den vielen heißen Tränen, die sie in dieser Nacht geweint hat. Eingesperrt hat der Vater sie in ihrem Zimmer, nachdem er erfahren hat, dass sie sich mit dem neuen Dorflehrer eingelassen hat.
Nicht ihr Glück ist ihm wichtig, sondern dass sie – wie beschlossen – baldmöglichst den reichen Truller-Ferdl heiratet, um auf diese Weise den Hof vor dem Ruin zu retten.
Als endlich der Morgen heraufdämmert, hat das Madl keine Tränen mehr. Dafür hat es einen folgenschweren Entschluss gefasst …
In der Küche vom Rohrmoserhof brannte trotz der späten Abendstunde noch das Licht. Der untersetzte grauhaarige Bauer hatte seine Brille ganz vorn auf der Nase sitzen und schaute mit betrübter Miene in seine Bücher. Die Bäuerin saß mit ihrem Strickzeug neben ihm.
Schließlich zog Lenz die Brille von der Nase und wischte sie mit seinem großen karierten Taschentuch sauber.
„Es geht mit dem Hof immer mehr bergab“, sagte er und stöhnte laut auf. „Der Verkauf des Stiers und der Kälber hat net das eingebracht, was wir dafür hätten haben müssen. Und die neue Saat muss bestellt werden. Wo ich das Geld hernehmen soll, ist mir schleierhaft!“
Die Frau mit dem verhärmten, schmalen Gesicht und den noch immer schönen dunklen Augen legte ihre Arbeit beiseite. Scheu strich sie dem Mann über den Janker.
„Ich hab noch die Kette von der Mutter, Lenz. Du weißt schon, die mit dem Kreuz aus Rubinen. Ich möchte sie in die Stadt bringen.“
Er starrte sie einen Moment aus seinen wasserhellen Augen an, dann schüttelte er den Kopf.
„Du hast schon so viel hergeben müssen, Anna. Und ich weiß, wie du an der Kette hängst. Sie ist die letzte Erinnerung an deine Mutter. Nein, dass du sie hergibst, das dulde ich auf keinen Fall. Es muss auch so weitergehen. Wenn nur Kathrin vernünftig wäre! Sie könnte uns mit einem Schlag aus unserer Misere heraushelfen.“
Die Bäuerin schwieg und nahm ihr Strickzeug wieder zur Hand. Sie wusste, was der Bauer meinte, und sie wusste auch, dass er recht hatte. Wenn Kathrin, ihre einzige Tochter, bereit wäre, Ferdinand, den Sohn vom Trullerbauern, zu heiraten, dann hätte endlich die Armut ein Ende. Ferdinand liebte sie schon seit Jahren, und er hatte viel Geduld mit dem Mädchen. Dabei hatte sie ihm noch nie Hoffnung gemacht, dass sie seine Frau werden wollte.
„Ich möchte wissen, auf wen Kathrin wartet. Was ihr der Ferdl bieten kann, das kann sie von keinem anderen erwarten. Der Pangratz hat nix dagegen, wenn sie seine Schwiegertochter wird, obwohl ich mir denken kann, dass ihm eine reiche Bauerntochter lieber wäre.“ Der Rohrmoser zündete sich eine Zigarre an.
„Wir können das Madl net zwingen, Lenz. Sie ist unser einziges Kind, und wenn sie den Ferdl nun einmal net gernhaben kann …“
„So ein Unsinn!“ Der Bauer stand auf und ging mit großen Schritten in der Küche umher. „Gernhaben, wenn ich das schön höre! Man heiratet doch net immer nur wegen der großen Liebe, sondern auch aus Vernunft. Und Kathrin weiß ganz gut, was mir an dieser Verbindung liegt. Manchmal möchte ich meinen, ihr ist es gleichgültig, was aus uns und dem Hof wird.“
„Das kannst du net sagen, Vater.“ Die Bäuerin nahm ihre Tochter in Schutz. „Kathrin ist ein liebes, fleißiges Ding und hat net wie alle anderen nur Vergnügen und teure Kleider im Kopf. Sie steht von morgens bis abends im Laden und gibt uns ihr schwer verdientes Geld.“
Der Bauer setzte sich wieder hin.
„Du weißt, wie ich an dem Madl hänge, Mutter. Weiß Gott, ich möchte ihr alle ihre kleinen Wünsche erfüllen. Und ich schätze auch, dass sie für uns und den Hof arbeiten geht. Aber mehr tät sie uns halt noch helfen, wenn sie den Ferdl nehmen würde.“
„Lass ihr noch ein bisserl Zeit, Vater. Sie ist noch sehr jung und hat net viel gehabt von ihrer Jugend. Vielleicht kommt sie eines Tages zur Einsicht und nimmt den Ferdl.“
„Hoffentlich ist es dann net zu spät“, murmelte Lenz und beugte sich wieder über seine Bücher.
***
Kathrin, von der sie gesprochen hatten, lag oben in ihrem Zimmer und schaute gegen die Decke, an der das Mondlicht durch das Fenster Kreise zeichnete.
Sie konnte keinen Schlaf finden, denn immer wieder sah sie ein Männergesicht vor sich, braun gebrannt und mit zwei hellen blauen Augen. Diese Augen hatten sie gemustert, ganz kurz nur und das jetzt beinahe jeden Tag.
Fast immer um die Mittagszeit war es gewesen, da war er in den Laden gekommen und hatte sich von ihr bedienen lassen.
Sie kannte jeden im Dorf, denn sie war hier aufgewachsen. Aber diesen hochgewachsenen jungen Mann mit den braunen Haaren hatte sie noch nie gesehen.
Die Kugler-Betty jedoch, ihre Arbeitskollegin, die wusste Bescheid. Auch sie konnte nicht verleugnen, dass ihr der Fremde gefiel.
„Das ist der Pranzer-Robert, der neue Lehrer“, hatte sie hinter der vorgehaltenen Hand gewispert, als er heute Mittag wieder den Laden betreten hatte.
Er wollte wieder von Kathrin bedient werden, und Betty hatte das mit einem spöttischen Lächeln registriert.
„Ich glaube fast, der hat Feuer gefangen“, hatte sie lachend gesagt, als er wieder gegangen war. Kathrin hatte sich auf der Ladentheke aufgestützt.
„Red keinen Unsinn, Betty. Er kauft halt bei uns, weil es keinen anderen Laden gibt“, hatte sie erwidert.
„Dann könnte ich ihn ja morgen bedienen. Und außerdem hast du ja auch den Ferdl.“ Betty hatte schwärmerisch die Augen verdreht. „Du musst etwas an dir haben, das die Männer anzieht. Ich für meinen Teil würde den Trullersohn vorziehen.“
„Ich heirate den Mann, den ich liebe, und wenn er arm ist wie eine Kirchenmaus“, hatte Kathrin darauf noch gesagt.
Daran dachte sie, als sie jetzt im Bett lag und unentwegt an ihn denken musste. An den Lehrer, der neu im Dorf war und der Robert Pranzer hieß.
Seit sie ihn zum ersten Mal gesehen hatte, wusste sie, dass sie den Ferdl niemals heiraten konnte. Auch dann nicht, wenn es die letzte Rettung für den Rohrmoserhof war. Sie hatte ihn gern, den Freund aus Kindertagen, aber mehr als Freundschaft konnte sie ihm niemals geben.
Ob sie in den jungen Lehrer verliebt war, darüber machte sie sich keine Gedanken. Es war jedenfalls schön, wenn er kam und sie so eigenartig ansah. Ob es Liebe war, wusste sie nicht. Sie war ihr bis jetzt noch nicht begegnet.
***
Am nächsten Morgen, als es auf den Mittag zuging, geriet Kathrin sichtlich in Aufregung.
Betty hatte sich heute einen Pferdeschwanz gebunden und sah frech und niedlich zugleich aus. Kathrin wusste, warum sie diese neue Frisur trug. Auch Betty ließ die Ladentür kaum aus den Augen.
Gegen zwölf kam der Ladenbesitzer. Er schaute sich unter den Mädchen um und nahm dann Kathrin am Arm.
„Komm mit hinauf ins Büro, wir müssen die neuen Bestellungen durchgehen.“
Kathrin biss sich verärgert auf die Lippen, während sie ein frohlockender Blick aus Bettys Augen traf. Sie würde ihn heute nicht sehen, denn aus dem Büro des Chefs würde sie vor einer Stunde nicht herauskommen.
Betty ordnete zum wiederholten Male unauffällig die Locken vor ihrem Taschenspiegel, da wurde plötzlich die Ladentür geöffnet. Als sie aufsah, stand er schon vor ihr. Schnell steckte sie den Spiegel weg.
„Womit kann ich dienen?“, fragte sie freundlich.
Robert Pranzer sah sich im Laden um, als suche er jemanden. Und Betty war es, als wäre er enttäuscht.
Ärger stieg in ihr hoch. Dass Kathrin mehr Glück in der Liebe haben sollte als sie, das wollte sie nicht glauben.
„Kathrin ist nicht hier“, sagte sie schnippisch. Er zuckte zusammen und lachte.
„Das macht nichts. Ich brauche Taschentücher, und die kann ich doch auch von Ihnen bekommen?“
„Aber ja!“ Diensteifrig holte sie eine Schublade hervor. Er begann auszuwählen, und wieder war es ihr, als ließe er sich besonders viel Zeit. Immer wieder wanderte sein Blick zur Tür. Sie schien er gar nicht zu sehen.
„Ich bin heute allein“, begann sie zu plaudern. „Kathrin, meine Kollegin, ist heute bei ihrem Verlobten. Sie hat einen freien Tag und noch allerlei für die Hochzeit vorzubereiten. Ferdl ist der Sohn vom reichsten Bauern hier im Dorf. Kathrin hat unwahrscheinliches Glück.“
Robert Pranzer schien sich plötzlich für die Taschentücher nicht mehr zu interessieren. Achtlos legte er einige vor Betty hin.
„Die nehme ich“, sagte er zerstreut.
„Bitte sehr.“ Sie packte sie ein und kassierte. Als er schon an der Tür war, kam er noch einmal zurück.
„Sagen Sie bitte, die Kollegin von der Sie sprachen, ist es das Mädchen mit den dunklen Haaren?“
Bettys Augen blitzten.
„Ja, richtig, das ist Kathrin. Wir sind nur zu zweit hier.“
„Danke“, sagte er, und diesmal fiel die Tür lauter hinter ihm zu als sonst. Im gleichen Augenblick kam Kathrin aus dem Bürozimmer.
„War er heute da?“, fragte sie atemlos.
Betty schüttelte den Kopf.
„Nein, aber du kannst ja während der Tischzeit auf ihn warten. Ich jedenfalls hab Hunger.“
***
Doch der Nachmittag verging, und Robert Pranzer kam nicht. Missmutig gelaunt ging Kathrin an diesem Abend zurück zum Hof. Sie sah Ferdls großen protzigen Wagen schon von Weitem. Die Mutter kam ihr entgegengelaufen.
„Ferdl ist da, Kathrin. Sei so gut und mach ein anderes Gesicht.“
„Ich bin müde. Ich hab den ganzen Tag im Laden gestanden“, gab Kathrin unwillig zur Antwort. Doch da hatte sie Ferdl, der drinnen mit dem Vater geplaudert hatte, schon gesehen.
„Ich hab auf dich gewartet, Madl“, sagte er und drückte ihr die Hand. „Der Abend ist so schön, und ich möchte dich zu einer Spazierfahrt einladen.“
Schon wollte sie Nein sagen, weil sie wirklich müde war. Dann aber sah sie den Vater durch das Fenster und hörte schon die Vorwürfe, die er ihr machen würde, wenn sie ablehnte.
„Also gut, wenn es net so spät wird, gehe ich mich umziehen.“
Ferdl strahlte über das ganze Gesicht. Also war er nicht umsonst gekommen. Er hatte schon an eine Abfuhr geglaubt. Kathrin war seit einiger Zeit so anders, so fremd.
Sie zog ein leichtes Kleid an und band sich die langen dunklen Haare mit einem Band zusammen. Es war ein wunderschöner Frühlingsabend, und sie hätte viel darum gegeben, wenn jetzt ein anderer an Ferdls Stelle unten auf sie gewartet hätte.
Ob er wohl morgen wiederkam oder vielleicht gar nicht mehr? Darauf, dass Betty sie absichtlich angelogen haben könnte, kam Kathrin nicht. Ferdls Augen strahlten, als er sie vor sich sah.
„Du wirst jeden Tag schöner“, sagte er bewundernd.
Sie passte eigentlich gar nicht zu ihm, das zarte dunkelhaarige Mädchen mit den großen braunen Augen. Ferdl war untersetzt und breitschultrig, und er hatte Bärenkräfte. Und er liebte Kathrin von ganzem Herzen. Noch nie war es ihm in den Sinn gekommen, nach einem anderen Mädchen Ausschau zu halten.
Kathrin sah die mahnenden Blicke der Eltern und trat schnell aus dem Haus. Jedes Mal, wenn sie mit Ferdl ausging, warteten die beiden darauf, dass sie ihnen endlich das sagen konnte, worauf sie schon so lange warteten.
„Hast du Kummer, Kathrin?“, fragte Ferdl sie während der Fahrt. „Du bist so anders als sonst.“
„Um den Hof mach ich mir halt Sorgen. Er bedeutet dem Vater so viel. Und gerade jetzt scheint er net zu wissen, wie es weitergehen soll. Der Hof ist hoch verschuldet.“
Ferdl stoppte den Wagen am Wegrand. Sie waren von der Hauptstraße abgebogen.
Hinter ihnen lag das Dorf, und sie hörten die Glocke der Kirche zur Abendandacht rufen. Der Weg am silberhellen Bach entlang war schmal, und sie mussten dicht nebeneinandergehen. Trotzdem scheute sich der junge Bursche davor, die Hand des Mädchens zu ergreifen.
Ihr Gesicht war ernst und verschlossen. Und mit ein wenig Wehmut dachte er an ihre Kindheit zurück. Da war er stets der Beschützer der zarten kleinen Kathrin gewesen, und wehe, einer hätte es gewagt, ihr zu nahe zu treten.
Mit den Jahren hatte Ferdl dann gemerkt, dass es doch Dinge gab, die sie trennten, und ihre Kinderfreundschaft war nicht so beständig geblieben, wie er es sich erhofft hatte. Seitdem Kathrin erwachsen und ein bildhübsches junges Ding geworden war, fühlte er, wie sie ihm immer mehr entglitt und dass es immer weniger gab, das sie verband.
Dabei wäre er auch heute noch liebend gern ihr Beschützer gewesen, denn seine Liebe zu ihr war tief und aufrichtig.
Von seinem Vater wusste Ferdl, dass es nicht zum Besten stand mit dem Rohrmoserhof, aber das es so schlimm war, erschreckte ihn doch.
„Mein Vater könnte euch vielleicht helfen. Ich könnte mit ihm reden.“
Kathrin blieb stehen. Ihre dunklen Augen blitzten ihn an.
„Nein, das darfst du net, Ferdl, so gut es auch gemeint ist. Mein Vater hat seinen Stolz, und keiner soll erfahren, wie schlecht es ihm geht. Niemals würde er von einem Nachbarn auch nur einen Cent annehmen.“
Ferdl nickte und warf einen Stein in den munter dahinsprudelnden Bach.
„Ich kenne deinen Vater, Kathrin, und weiß, dass du recht hast. Einen Ausweg wüsste ich noch“, sagte er zögernd.
Kathrin wusste, was jetzt kommen würde, und es war nicht der erste Heiratsantrag, den sie von ihm bekommen sollte. Wie immer, wenn er vom Heiraten sprach, bekam er auch heute einen roten Kopf und setzte ein verlegenes Lächeln auf.
„Von seinem Schwiegersohn würde er schon Geld annehmen, dein Vater. Es müsste nur der richtige sein. Einer, der etwas hat. Kathrin, du weißt, dass ich dich lieber heute als morgen zu meiner Frau machen möchte. Wenn du Ja sagst, dann hat alle Not auf eurem Hof ein Ende. Und du darfst mir glauben, dass ich alles tun werde, um dich glücklich zu machen.“
Er scharrte mit seinen Schuhen in der feuchten Erde und wartete mit gesenktem Kopf auf eine Antwort.
„Du warst mir immer ein guter Freund, Ferdl. Der beste, den ich je hatte. Aber mehr ist nie daraus geworden. Ich weiß, dass du mich sehr gernhast und dass ich dir mit meinen Worten wehtun muss. Aber ich kann nicht deine Frau werden, niemals.“
Jetzt schaute er auf, und sie sah seine Augen feucht schimmern. Sie hatte immer Angst gehabt, ihm dies sagen zu müssen, aber nun war es heraus. Ferdl schluckte und forschte in ihrem schönen, schmalen Gesicht.
„Es gibt einen anderen, Kathrin. Sag mir die Wahrheit.“
Sie wandte sich ab und schüttelte den Kopf.
„Nein, Ferdl, heute noch nicht. Aber einmal wird einer kommen und mich fragen. Und ich werde nur Ja sagen, wenn ich es ehrlichen Herzens tun kann. Glaube mir, du würdest nicht glücklich mit mir sein.“
„Ohne dich bin ich es auch nicht“, murmelte er. „Komm, wir wollen zurückgehen. Es wird kalt.“
Schweigend gingen sie nebeneinanderher, jeder in seine Gedanken vertieft. Und beim Abschied hielt er ihre Hand nicht so lange in der seinen wie sonst.
„Ich werde nicht mehr kommen, Kathrin. Es sei denn, du rufst mich. Das, was du mir gesagt hast, muss ich erst überwinden, und es wird für mich nicht einfach sein.“
Sie hatte Mitleid mit ihm, weil er so unglücklich und verzweifelt aussah.
„Du wirst ein Madl finden, Ferdl, eines, das dich liebt und das es wert ist, deine Bäuerin zu werden. Das wünsche ich dir von ganzem Herzen.“
Ferdl nickte nur noch einmal und stieg dann wieder in den Wagen. Kathrin lief an der Küche vorbei, aus der die Stimmen der Eltern kamen, hinauf in ihre Kammer, weil sie nicht in ihre fragenden Augen sehen wollte.
***
Der Metzgerwirt-Hof war so ziemlich das einzige Gasthaus in dem engen Gebirgstal. Deshalb konnte sich der Wirt auch jeden Abend vor Freude die Hände reiben. Kein Tag verging, an dem es nicht eine volle Kasse gab, und wenn gar der Dorfstammtisch tagte, so wie heute, dann musste er mehrmals das Geld aus der Kasse nehmen, damit für neues wieder Platz war.
Neun Bauern waren es, zwei fehlten. Sie waren krank und lagen zu Hause in ihren Betten. Dazu kamen noch der Doktor und der Pfarrer und ein hochgewachsener junger Mann, der sich als der neue Lehrer vorstellte.
Dem Metzgerwirt war er sogleich sympathisch, und er ließ es sich nicht nehmen, ihm seinen Maßkrug das erste Mal umsonst zu füllen.
„Auf einen guten Einstand, Herr Lehrer“, sagte er und prostete ihm zu. „Meine Jüngste, die Hannerl, kommt morgen zur Schule, und ich hoffe, sie wird Ihnen Freude machen.“
„Mit den kleinen Mädchen hab ich immer Glück gehabt. Nur die Burschen, die haben es meistens faustdick hinter den Ohren.“
Der Wirt beugte sich über seine Theke.
„Meinen Sie, dass wir anders waren?“, fragte er schmunzelnd.
„Bestimmt nicht, da bin ich ziemlich sicher“, meinte der Lehrer lachend und nahm seinen Krug mit zum Tisch, an dem die Bauern warteten.
