Alpengold 448 - Traudl Anrainer - E-Book

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Traudl Anrainer

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Beschreibung

Im idyllischen Bergdorf Königswang prägen alte Traditionen und unausgesprochene Regeln das Leben der Bewohner. Toni Burger, ein charismatischer junger Tischler, hat sein Herz an Anni Wallheimer verloren, die Tochter des einflussreichen Bürgermeisters und wohlhabendsten Bauern der Gegend. Doch ihre Liebe steht von Beginn an unter einem schlechten Stern - Sepp Wallheimer, Annis Vater, verfolgt ehrgeizige Pläne für seine Tochter, die Toni nicht einschließen. Als eines Tages die Fremde Tanja Petersen aus Norddeutschland im Dorf sesshaft wird, bringt sie die verschworene Dorfgemeinschaft mächtig durcheinander. Vorurteile und Ablehnung schlagen ihr entgegen, und niemand ist so entschlossen, sie aus Königswang zu vertreiben, wie Bürgermeister Wallheimer. Doch er hat die Rechnung ohne Toni gemacht. Der junge Tischler, der selbst schon viele Enttäuschungen verkraften musste, zeigt Mut und stellt sich entschlossen an Tanjas Seite ...


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Seitenzahl: 137

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhalt

Cover

Der Herrgottsschnitzer von Königswang

Vorschau

Impressum

Der Herrgottsschnitzervon Königswang

Warum er im Dorf nicht geachtet wurde

Von Traudl Anrainer

Im idyllischen Bergdorf Königswang prägen alte Traditionen und unausgesprochene Regeln das Leben der Bewohner. Toni Burger, ein charismatischer junger Tischler, hat sein Herz an ausgerechnet Anni Wallheimer verloren, die Tochter des einflussreichen Bürgermeisters und wohlhabendsten Bauern der Gegend. Doch seine Liebe steht von Beginn an unter einem schlechten Stern – denn Sepp Wallheimer, Annis Vater, verfolgt ehrgeizige Pläne für seine Tochter, die Toni nicht einschließen.

Als eines Tages die Fremde Tanja Petersen aus Norddeutschland im Dorf sesshaft wird, bringt sie die verschworene Dorfgemeinschaft mächtig durcheinander. Vorurteile und Ablehnung schlagen ihr entgegen, und niemand ist so entschlossen, sie aus Königswang zu vertreiben, wie Bürgermeister Wallheimer. Doch er hat die Rechnung ohne Toni gemacht. Der junge Tischler, der selbst schon viele Enttäuschungen verkraften musste, zeigt Mut und stellt sich entschlossen an Tanjas Seite ...

Es war schon ein Graus, wie arg das Schicksal den Burger-Toni zeit seines Lebens gebeutelt hatte. Damit hatte es schon begonnen, als er noch ein Bub gewesen und zur Schule gegangen war.

Damals gab es in Königswang, diesem idyllischen kleinen Dörfchen, das in einem abgelegenen Bergtal lag, noch eine eigene Schule. Der Lehrer unterrichtete alle Klassen auf einmal, und jeden Tag schaute der Pfarrer vorbei, um sich davon zu überzeugen, dass der Nachwuchs auch in rechter Gottesfurcht erzogen wurde.

Einer dieser Kinder war der Burger-Toni gewesen. Acht Jahre war er damals gewesen. Vom Lernen hielt er nicht viel, er zog lieber an den Zöpfen der Madln und setzte dem Lehrer Käfer auf den Rücken, wenn dieser gerade mal nicht aufpasste.

»Der Bub ist zwar faul wie die Sünd'«, sagte Tonis Vater einmal, »aber er ist net auf den Kopf gefallen. Der geht später einmal aufs Gymnasium, und wenn er das Abitur gepackt hat, schick' ich ihn nach München auf die Universität. Ein Studierter soll er werden, damit er sich später einmal net so abrackern muss wie ich.«

Das mit dem Abrackern, das durfte man beim Burger-Sepp aber nicht ganz wörtlich nehmen. Er tat seine Arbeit nämlich in aller Beschaulichkeit, dafür aber mit umso größerem Erfolg. Längst war er einer der bekanntesten Madonnenschnitzer weit und breit.

So war es denn kein Wunder, dass er gut verdiente und es sich leisten konnte, mit dem Gedanken zu spielen, seinen Buben aufs Gymnasium in der Kreisstadt und später sogar auf die Universität zu schicken.

Doch als sein Sohn, der Toni, gerade acht Jahre alt gewesen war, brach dieser Traum jäh entzwei.

An einem Tag im Januar war es, als im Dorf ein Suchkommando zusammengestellt wurde, das in die Berge aufsteigen und zwei Freunde suchen sollte, die trotz aller Warnungen zu einer Skitour aufgebrochen waren. Über Nacht waren sie nicht heimgekommen, und als sie auch am nächsten Tag nicht auftauchten, gingen die Männer los, um nach ihnen zu fahnden.

Sie fanden die beiden auch. In einer Berghöhle hatten sie sich in Sicherheit gebracht. Einer von ihnen hatte sich einen Haxen gebrochen, und der andere hat nicht ins Tal absteigen und Hilfe holen können, weil Nebel und Schneefall ihn daran gehindert hatten.

Die Vermissten, unter denen sich auch der Burger-Sepp befand, wurden ins Tal gebracht, doch dabei passierte es.

An einer eigentlich harmlosen Stelle rutschte der Burger-Sepp aus, stürzte und schlug so unglücklich mit dem Kopf gegen einen Felsbrocken, dass er tot liegen blieb.

Von einem Augenblick zum anderen hatte der Toni also keinen Vater mehr. Die Mutter wurde krank vor lauter Kummer, und wenn ihr Mann nicht ein kleines Vermögen hinterlassen hätte, dann hätte sie nicht gewusst, wie sie sich und den Buben über die Runden bringen sollte.

So war es denn also aus mit dem Studieren, und das war für den Toni ein harter Schlag, denn er war ein intelligenter Bub und hätte es bestimmt zu etwas bringen können. Er absolvierte die Volksschule, und weil daheim in der Werkstatt die Schnitzgeräte seines Vaters noch herumlagen, versuchte er sich bald an ihnen. Dabei stellte sich heraus, dass er das Talent seines Vaters geerbt hatte.

Ja, und so wurde aus dem Burger-Toni im Laufe der Zeit ein Herrgottsschnitzer. Freilich hatte er bei Weitem nicht so viel Erfolg wie sein Vater, denn erstens hatte er keine richtige Ausbildung, und zweitens besaß er nicht mehr die Verbindungen, die sein Vater hatte.

So musste Toni also zusehen, wie er sich durchschlug. Er verkaufte seine Schnitzereien an die Bauern des Dorfes und auch in den umliegenden Gemeinden. Es reichte gerade eben für seine kranke Mutter und für ihn selbst, denn vom Vermögen des Vaters war nicht mehr viel übrig geblieben.

Als der Burger-Toni achtzehn Jahre alt geworden war, fand er an einem Aprilmorgen die Mutter tot im Bett. In aller Stille hatte der liebe Herrgott sie zu sich geholt.

Ein neuer harter Schlag für den jungen Burschen. Nun musste er zusehen, wie er allein weiterkam.

Zunächst einmal schloss Toni das Haus ab und ging zu einem Schnitzer in die Lehre, genauso, wie sein Vater es getan hatte. Toni lernte viel dazu, und als er wieder in sein Heimatdorf zurückkehrte, waren die Figuren, die er schnitzte, viel besser und viel künstlerischer geworden.

Jetzt freilich musste er bloß schauen, wie er sie an den Mann brachte, denn die Bauern konnten sich ja nicht ihre guten Stuben mit seinen Figuren vollkommen zustellen. Da hatte der Burger-Toni einen sehr guten Einfall.

Drüben in Gaigenberg arbeitete nämlich ein früherer Schulfreund von ihm in einem Hotel.

Gaigenberg, das muss man wissen, war in den letzten zwanzig Jahren zu einem gut besuchten und beliebten Urlaubsort geworden. Jetzt tummelten sich dort die Fremden, stiegen in den Bergen herum und machten die Kühe auf den Almen narrisch, tranken das gute bayerische Bier und merkten vor lauter Ferienseligkeit nicht, dass sie von den Einheimischen nach Strich und Faden ausgenommen wurden.

Tonis Freund, der Wastl, hatte als Hausdiener angefangen und war, weil er sich anstellig zeigte, allmählich aufgestiegen. Jetzt arbeitete er als Oberkellner im Speisesaal, und es konnte einen beinahe zerreißen, wenn man ihn in seiner langen schwarzen Hose, dem weißen Jackett und mit der schwarzen Fliege um den Hals daherkommen sah.

In seinem Herzen aber war der Wastl ein echter Königswanger geblieben. Und außerdem wusste er, wo die Glocken hingen, denn es war ja klar, dass die jungen, knusprigen Urlauberinnen nicht allein nach Gaigenberg kamen, um dort in den Bergen herumzusteigen, sondern sie wollten auch mal tanzen und sich amüsieren. Dazu brauchten sie bevorzugt einen feschen Burschen, der in diesem herrlichen Bergland geboren worden war und wusste, wie man mit den Madln umzugehen hatte.

So einer war Wastl also, und als der Burger-Toni zu ihm mit seinem Anliegen gekommen war, da hatte er ihm sofort seine volle Unterstützung versprochen.

Es passierte nämlich immer wieder, dass irgendwelche Gäste nach einem Ortskundigen fragten, der sie durch die Berge führen konnte. Wenn der Wastl von nun an nach einem solchen Burschen gefragt wurde, nannte er stets den Toni und vermittelte ihm die Touren, die von den Leuten gewünscht wurden. Zwar ließ sich der Wastl einen kleinen Anteil geben, denn ganz so selbstlos war er nun auch wieder nicht, aber der Toni behielt den Großteil des Honorars für sich, stieg mit den Fremden durch die Berge und versuchte vor allem, ihnen seine Schnitzereien zu verkaufen.

Stets hatte er ein paar davon in seinem Rucksack, und wenn er mit seinen Schäfchen droben in den Bergen war und die Leute vor lauter Bergseligkeit nicht mehr wussten, was sie anstellen sollten, dann brachte er wie durch einen Zufall seine Schnitzereien hervor und ließ sie bewundern. Er tat das so geschickt, dass es nur äußerst selten passierte, dass er dieses oder jenes Stück wieder nach Hause brachte.

Der Absatz, den der Burger-Toni auf diese Weise erzielte, stieg rapide an. Doch das hatte natürlich auch seine Grenzen, denn er konnte nur verkaufen, was er hergestellt hatte, und da er mit den Fremden in den Bergen herumsteigen musste, blieb ihm nur eine begrenzte Zeit zum Schnitzen, und außerdem waren die Fremden nur zu den Saisonzeiten im Sommer und im Winter in Gaigenberg.

Toni war also gezwungen, in diesen Zeiten so viel zu verdienen, dass er den Rest des Jahres von seinen Ersparnissen leben konnte.

So hatte er also ein schweres Stück Arbeit, um an das Geld anderer Leute zu kommen und sich Tag für Tag durchzuschlagen. Aber er biss die Zähne zusammen, stieg tagsüber in den Bergen herum, auch wenn sich ihm beim Zusammensein mit den Fremden oft die Nackenhaare sträubten, und am Abend hockte er in seiner Werkstatt und schnitzte, bis ihm die Augen zufielen.

Aber zu dieser Mühsal kam noch etwas anderes hinzu, das ihm sehr zu schaffen machte, und das war die Wallheimer-Anni.

***

Ihr Vater, der Wallheimer-Sepp, war der Bürgermeister von Königswang, ein massiger, selbstbewusster Mann, dem man auf den ersten Blick ansah, dass er im Dorf das Sagen hatte und sich als dessen unumschränkter Herrscher fühlte.

Man konnte das fast verstehen, denn er war nicht nur Bürgermeister, sondern auch der reichste Bauer und besaß draußen im Vorland noch zwei Sägewerke, die ihm guten Gewinn einbrachten.

Kein Wunder, dass ein solcher Wohlstand ihn herrisch gemacht hatte, und kein Wunder auch, dass er, wie bei den Reichen meistens üblich, ein Geizkragen erster Güte war. Überdies war es für ihn selbstverständlich, dass seine Tochter, die Anni, mal einen Mann heiraten würde, der ordentlich etwas im Kreuz hatte.

Die Anni war recht hübsch, das musste man ihr lassen, nur trug sie die Nase ein bisschen hoch. Sie war das einzige Kind vom Wallheimer, ihre Mutter lebte nicht mehr. Anni führte dem Vater den großen Haushalt und kommandierte die Knechte und Mägde herum, als hätte sie das in der Schule gelernt.

Unglücklicherweise hatte der Burger-Toni sich ausgerechnet in die Wallheimer-Anni verliebt – unglücklich natürlich, aber das wollte er nicht wahrhaben.

So kam es denn, dass seine Augen immer wieder aufleuchteten, wenn er die Anni zu Gesicht bekam. Das geschah auch an jenem regnerischen Tag Ende Mai, als er gerade die kleine Poststelle des Ortes betreten wollte und im selben Augenblick die Anni herauskam. Um ein Haar wären die beiden zusammengestoßen.

»Schau an, die Anni«, sagte der Toni und blickte in ihre dunklen Augen. »Hast du es denn gar so eilig?«

»Bei mir pressiert's halt immer«, antwortete Anni. »Was willst denn du hier auf der Post?«

Toni zeigte das Paket vor, das er unter dem Arm hielt.

»Da drinnen ist ein Kruzifix, das ich wegschicken will«, erklärte er.

»Wegschicken? An wen denn?«

»An eine Studienrätin in Hannover.«

Anni verzog das Gesicht. »An eine Preußische also«, stellte sie fest. »Wie bist du denn an die gekommen?«

»Ich hab sie auf einer Bergtour kennengelernt. Damals hat sie mir einen geschnitzten Hirsch abgekauft, und jetzt hat sie sich das Kruzifix bestellt.«

»Tut's dir net leid, das Zeug an eine Preußische zu verkaufen?«, fragte Anni.

»Wieso?«, feixte der Toni. »Von irgendwas muss ich ja leben.«

»Da kann man mal sehen, wie sehr der Umgang mit den Fremden dich schon verdorben hat«, stellte Anni tadelnd fest. »Ich tät' mir lieber die Hand abhacken, als für eine Preußische ein Paket zur Post zu bringen.«

»Die Preußischen sind auch Menschen«, warf der Burger-Toni ein.

Anni rümpfte die Nase. »Aber was für welche«, gab sie zurück. »Die wissen ja noch net mal, was ein Gugelhupf ist.«

»Dafür wissen sie aber, wie man Labskaus kocht«, entgegnete Toni amüsiert.

»Was ist denn das? Was für die Rindviecher?«, fragte die Wallheimer-Anni misstrauisch.

»Das ist ein Eintopfgericht, das in Norddeutschland gegessen wird«, stellte Toni richtig.

»Vermutlich dreht's einem den Magen um, wenn man's bloß riecht«, urteilte das Mädchen. »Jetzt muss ich aber schauen, dass ich weiterkomme, Toni.«

»Was hältst du denn davon, Anni, wenn wir zwei am Sonntag in die Kreisstadt fahren?«, fragte er rasch.

»In die Kreisstadt? Was soll ich denn da?«

»Sie haben Burgfest. Da kann man auch tanzen, Anni.«

»Und wie willst du dahin kommen?«

,,Na, mit meinem Auto natürlich.«

Anni lächelte nachsichtig. »Geh, Toni«, antwortete sie, »das glaubst du doch selbst net, dass ich mich in deinen alten Klapperkasten setze.«

»Er hat mich bisher noch niemals im Stich gelassen«, verteidigte Toni sein für wenig Geld erworbenes gebrauchtes Gefährt.

Anni schüttelte den Kopf. »In so einem Auto kann ich mich net sehen lassen, Toni«, setzte sie dagegen. »Da denkt ja gleich ein jeder, der Vater hätte keinen Euro mehr auf der Bank.«

»So deppert sind die Leut' auch wieder net, Anni, denn ein jeder weiß, was mit dem Wallheimer ist.«

»Und gerade deswegen kann seine Tochter es sich net leisten, in einem alten Auto spazieren zu fahren. Nein, Toni, daraus wird nix.«

Toni schaute sie unglücklich an. »Ich würd' mich so freuen, wenn wir beide mal zusammen sein könnten«, sagte er.

Anni wich seinem Blick aus. »Wozu soll das gut sein, Toni? Du bist ein lieber Bursche, und fleißig bist du auch, aber du und ich – wir passen doch gar net zusammen.«

»Wieso denn net?«

Anni seufzte. »Weil ich vom Wallheimerhof bin, und du bist bloß ein armer Schnitzer«, antwortete sie gequält. »Wann wirst du das endlich begreifen, Toni?«

»Ich hab dich aber narrisch gern, Anni«, beharrte Toni, obwohl ihre Worte ihn tief getroffen hatten.

»Das ändert nix an den Tatsachen.« Sie lächelte. »Vergiss mich, Toni, und such dir lieber eine andere, die hübscher ist als ich und besser zu dir passt.«

»Eine Hübschere als dich kann man weit und breit net finden«, versicherte Toni.

»Unsinn«, wehrte Anni ab. »Mach nur die Augen auf, und wenn du wirklich keine findest, dann halt dich eben an die Preußischen. Mit denen verstehst du dich ja eh sehr gut.« Sie zog das Kopftuch enger, schob sich an Toni vorbei und nahm ihr Fahrrad von der Wand.

»Hoffentlich kommst du mit deinem Hochmut net mal arg zu Fall«, brummte Toni. Seine Augenbrauen hatten sich zusammengezogen.

,,Da pass ich schon auf, darauf kannst du dich verlassen«, setzte die Anni dagegen und schwang sich aufs Rad. »Sieh du lieber zu, dass du net andauernd nach Kirschen greifst, die für dich viel zu hoch hängen.«

Sie radelte los. Toni blieb unter dem Vordach der Poststelle stehen und schaute ihr nach, bis sie aus seinem Blickfeld verschwunden war.

Er war traurig, und das konnte man ihm nicht verdenken. Er liebte die Anni nun mal, schon oft hatte er versucht, ihr näherzukommen, aber immer wieder hatte sie ihn abblitzen lassen, genau wie heute.

Vielleicht ist's wirklich am besten, wenn ich sie mir aus dem Kopf schlage, dachte Toni betrübt und betrat die Poststube. Aber dazu müsste ich erst mal eine finden, die mir besser gefällt als sie, und das dürfte nicht leicht sein.

Als er später wieder zu Hause ankam, ging er erst einmal in die große Wohnküche. Er öffnete den Wandschrank und nahm die Flasche mit dem Obstler heraus. Dann setzte er sich auf die Bank unter dem Herrgottswinkel Auf die Enttäuschung, die er eben mit der Anni erlebt hatte, musste er sich erst einmal einen Schnaps genehmigen.

Warum, so überlegte er, sind die Gaben Gottes auf dieser Erde so ungleich verteilt? Und warum gibt es Menschen, die auf einen anderen, der weniger hat als sie, verächtlich hinabblicken? War nicht ein jeder Mensch genauso viel wert wie der andere, gleichgültig, ob er viel besaß oder nicht?

Nachdem Toni seinen Obstler getrunken hatte, ging er in die Werkstatt. Nach Holz roch es da, und der Boden war mit Spänen bedeckt. In die Werkbank war ein halbfertiger Christophorus eingespannt, aber Toni hatte keine Lust, jetzt an ihm zu arbeiten.

Er holte vielmehr ein neues Stück Holz hervor und machte sich daran, einen Wildschweineber zu schnitzen. Und weil der Toni einen solchen Groll im Herzen hatte, wurde am Ende ein besonders wild schnaubendes Ungeheuer daraus.

***

Mit dem Wallheimer-Sepp, das wusste ein jeder, musste man sich nach Möglichkeit gut stellen, denn er konnte, wenn er gegen jemanden einen Zorn hatte, sehr rachsüchtig werden.

So kam es denn, dass der Bürgermeister von Königswang kaum einen Feind hatte – jedenfalls keinen, der dies offen zu erkennen gab. Nur einen Einzigen gab es, mit dem er offen in der Fehde lag, und das war der Grundinger-Franzl.