Als ich einmal aus versehen in Mexiko war - Ayna Ina Eberhardt - E-Book

Als ich einmal aus versehen in Mexiko war E-Book

Ayna Ina Eberhardt

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Beschreibung

ALS ICH EINMAL AUS VERSEHEN IN MEXIKO WAR Wie kann ein Mensch "aus Versehen" in ein anderes Land reisen? Das ist schnell erzählt. Dazu finden sich in diesem Buch, das bunt wie dieses großartige Land ist, viele persönliche und exotische Geschichten, Erlebnisse, Erfahrungen. Von den "Cocodrillos", vom ganz normalen Leben und besonderen Situationen, die die Autorin immer mehr noch Vertrauen in ihr Leben gelehrt haben.

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Seitenzahl: 135

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Inhalt

Als ich einmal aus Versehen in Mexiko war…

San Christobal/ Chiapas

San Christobal!

Busfahren in Mexiko

La Laguna

Zipolite und „Los Cocodrillos“

Die Welt ist voller Freunde

Mexiko mit allen Sinnen

Mi Casa Maya

Das einfache Leben

Zeitreisen

La Cuna – die Wiege

La Piñata

Kawoq

Vertrauen ins Leben

Mexiko ist lecker!

Spurensuche

El Pacifico

Alleine reisen?

Warum ich eigentlich niemals nach Mexiko City wollte…

Wo Götter geboren werden

Frida

Als ich einmal fast eine Mezcal-Tour gemacht hätte…

Heiter bis wolkig

Zu guter Letzt…

ALS ICH EINMAL AUS VERSEHEN IN MEXIKO WAR…

Mein Leben liebt mich.

Weil ich das weiß und sehr wertschätze, passieren in meinem Leben manchmal die unglaublichsten Dinge, habe ich oft sehr ungewöhnliche Begegnungen und sehe manches, an dem andere Menschen achtlos vorbeilaufen.

Und immer wieder greift „mein Leben“ auch zu ungewöhnlichen Methoden, um mich an bestimmte Orte und zu wichtigen Begegnungen zu bringen.

HAWAI’I!

Ich will nach diesen drei Jahren, die die Welt so mächtig gerüttelt haben, endlich wieder „On the Islands“ sein und „We do it Islandstyle“ singen und leben!

Von MEXIKO wusste ich noch im Sommer 2021 nicht einmal, ob man es mit „c“ oder „k“ schreibt (geht irgendwie beides, oder?!).

Reisen von Europa in die USA waren in 2021, im Jahr zwei dieser seltsamen Zeiten, noch immer nicht möglich. Da erzählte mir eine Freundin, dass jedoch nach 10 Tagen Aufenthalt in MEXIKO einer Weiterreise in die USA nichts mehr im Wege stünde.

Was für eine schöne Vorstellung: 10 Tage am Strand relaxen, ausruhen und „runterkommen“. Dann weiterreisen und endlich einmal über Weihnachten und Neujahr auf HAWAI’I sein.

Ein Traum…und mein Herz freut sich sooo!

Seit 2016 habe ich bereits dreimal herrlich lange auf HAWAI’I gelebt und viele freundschaftliche Kontakte dort geknüpft.

EIGENTLICH wäre für den Winter 2020/2021 eine nächste Reise geplant gewesen, auf die ich einige interessierte Mitreisende hätte mitnehmen wollen. Eine ganz persönliche Reise, um mit Einheimischen, hawai’ianischer Kultur, Kunst, Spiritualität, Hula usw., aber auch mit sich selbst (noch besser) in Kontakt zu kommen. Organisiert von mir, zusammen mit den Freunden und ihren Netzwerken vor Ort.

Nun gut. Es kam ganz anders.

Den Winter 2020/2021 habe ich brav zu Hause in Hamburg verbracht, weil ich dachte „es ist ja nicht möglich zu reisen…“. Um dann im darauffolgenden Winter festzustellen, dass ich offenbar die Einzige auf der ganzen, weiten Welt war, die das geglaubt hat…:-).

Und wieder habe ich etwas gelernt:

„Wenn es nicht möglich zu sein scheint, gib‘ bloß nicht auf! Überprüfe genau, WAS alles möglich IST. Und dann lebe genau DAS, was eben dann geht.“

Immer wieder bin ich erstaunt, wieviel „weiter“, als ich ursprünglich dachte, ich tatsächlich dann gelange…

Also beschäftige ich mich ab August 2021 erstmals mit MEXIKO.

Als Zwischenstopp. Nur Strand und so. Si klaro! :-)

Uijh! Da gibt es ja die Maya Kultur…ach, und Pyramiden …die Azteken, wie interessant…und WAS? Das Wasser ist tatsächlich türkisgrün an der karibischen Küste???

Was mein Leben so sorgfältig vorbereitet hat für mich, fängt nun endlich an, auch den Verstand zu interessieren. Mein Herz klopft fröhlich.

WARUM jetzt eigentlich? :-)

Bald werde ich es wissen und verstehen.

Im September buche ich also einen Hinflug für Anfang November nach CANCÚN und bin schon ganz bereit mich auf dieses für mich so fremde und ganz und gar exotische Land einzulassen. Ein bisschen mehr als „nur Zwischenstopp“. Offen für alles, was sich ergibt. Weihnachten auf Big Island/ HAWAI‘I ist aber nach wie vor „gesetzt“.

Ich liege am türkisgrünen Wasser im weißen Sand, blinzele in die Sonne und denke an die umfangreiche „Test-Zeremonie“, die von einem Besucher der USA und auf jeder einzelnen hawai’ianischen Insel erneut, erwartet wird. Allein das verursacht zusätzliche Kosten von mindestens 600 USD.

Ich bin im engen Austausch mit einer Freundin auf Big Island. Als sie von diesen zusätzlichen Kosten für Tests und zusätzliche Übernachtungen hört, schreibt sie mir spontan: „Bleib, wo du bist. Zusätzlich haben wir hier viele Beschränkungen im Alltag und die Menschen sind teilweise noch sehr angespannt. Du wirst deine Lieblingsinseln nicht so vorfinden, wie du sie kennst…“.

Die endgültige Entscheidung nimmt mir dann der amerikanische Präsident, Joe Biden ab, als er verkündet: „Ab 08.11.2021 dürfen Europäer auch als Touristen wieder in die USA einreisen, wenn sie denn geimpft sind.“

Ich brauche leider nur eine Hand, um abzuzählen, dass ich am 07.11.2021 noch keine 10 Tage in MEXIKO verbracht habe.

Im Angesicht der Schwierigkeiten, die es mit sich gebracht hätte, wie geplant den Winter auf HAWAI’I zu verbringen, bin ich tatsächlich erleichtert. Und jetzt auch ganz und gar offen und frei für neue Erfahrungen.

In und mit MEXIKO.

So antworte ich dann in diesem Winter 2021/2022, wann immer mich jemand fragt was mich denn nach MEXIKO geführt hätte, scherzhaft: „Ach, ich bin nur aus Versehen hier…“.

Der Verstand sagt: „Ja, das stimmt doch auch!“.

Mein Herz aber weiß es besser.

Und mein Leben liebt mich.

Immer.

Und ganz besonders in CHIAPAS …

SAN CHRISTOBAL/ CHIAPAS

Doch bevor ich von dieser wunderschönen Stadt in den grünen Bergen CHIAPAS, meinen Erlebnissen und Begegnungen dort erzähle, muss ich ja erst einmal dorthin fahren. Und das ging so:

HEUTE...

... blicke ich auf ein Abenteuer zurück.

GESTERN ... ging mir der A... ganz schön „auf Grundeis“.

Die Busfahrt von SAN PEDRO DE POCHUTLA nach SAN CHRISTOBAL DE LAS CASAS dauert 11,5 Stunden.

Die Fahrt führt eine Weile am Meer entlang und dann hinauf in die Berge.

Ich freue mich drauf!

Die Sonne scheint bei um die 30 Grad und alles ist fein.

Abgesehen davon, dass es in POCHUTLA irgendwie nicht möglich war ein Eis zu bekommen.

Zwar war der Fahrkartenverkäufer super nett und hat für 1,5 Stunden meinen Koffer gehütet, aber … wie gesagt:

„No helados! Nada!“

Aber es sollte noch schlimmer kommen und ich war dann doch froh, eher nicht viel im Bauch zu haben.

Wir fahren in Küstennähe gen Süden und der Wind frischt immer mehr auf. Steigert sich weiter.

Unser Busfahrer ist ein ganz freundlicher und egal welches Fahrzeug uns entgegenkommt, er winkt allen fröhlich zu.

Das erste Mal Schweiß auf der Stirn hat er auf einem langen Viadukt, das in eine Brücke über ein breites Flussbett übergeht, als eine besonders starke Windböe uns volle Kanne erwischt. Zum Glück hatten wir keinen Gegenverkehr, denn er brauchte tatsächlich beide Fahrstreifen, um den Bus abzufangen und auf der Straße zu halten.

Ehrlich: „Ich hatte schon kurz ein Gefühl von freiem Fall und habe uns unten im Flussbett gesehen.“

Danach winkt er nicht mehr.

Er hat im wörtlichen Sinne "alle Hände voll zu tun" und das Busfahren wird zu einer wilden Bootstour.

Ich bin wirklich kein ängstlicher Mensch und die Busfahrer, die ich bisher erlebt habe, waren alles ausnahmslos wirklich ausgezeichnete Fahrer. So, wie auch dieser!

Ich habe dann angefangen die Stunden zu zählen, bis wir - hoffentlich heil - ankommen werden.

An den großen PEMEX Tank- und Raststätten stehen die LKW‘s dicht an dicht. Auch unter Brücken und an windschattigen Plätzen suchen die LKW‘s Schutz.

Unser Busfahrer jedoch arbeitet den Bus weiter durch den Sturm. Rechts und links der Straße liegen immer mal wieder umgestürzte Bäume und Äste.

Auch auf der Straße liegen immer wieder Äste.

Einem LKW vor uns fliegen sechs große Paletten einfach so davon.

Sie landen zum Glück auf der Gegenfahrbahn und wir waren noch weit genug entfernt, als dass sie uns hätten treffen können.

Unser Busfahrer, voll konzentriert, ist nicht zu stoppen.

Ein Straßenschild bewegt sich elastisch wie ein junger Ast und ist im nächsten Moment im Wald verschwunden. Entsetzt starre ich in die Bäume am Straßenrand.

Wir kommen in die nächste, größere Stadt und die bietet ein wenig Sturmpause.

Als wir die Stadt hinter uns lassen, führt uns der Weg weiter ins Landesinnere und auch endlich in die Berge hinein.

Der Wind lässt etwas nach. Wann immer die Straße genug einsehbar ist, fährt der Fahrer mitten auf der Straße, um die immer noch starken Windböen abfangen zu können. Die Kurven nimmt er extrem langsam.

Ich bin mir jetzt auch wieder sicher, dass ich doch noch ein bisschen leben werde, sehne mich aber sehr nach dem Ende DIESER Fahrt.

Tut sie dann auch. Spätnachts und mit reichlich zwei Stunden Verspätung.

Was für ein Abenteuer!

Denke ich HEUTE... :-)

Und wie BUNT doch das Leben ist...DAS erlebe ich auch jetzt wieder in

SAN CHRISTOBAL!

Die indigene Bevölkerung im Bundesstaat CHIAPAS ist vielfältig und hat viele ihrer Traditionen mit großem Selbstbewusstsein bis heute bewahrt. Neben einigen ganz besonders interessanten Details geht es überall ausgesprochen farbenfroh zu.

Auf keinem der überall hier in MEXIKO so lebensfrohen Märkte bin ich bisher so ernsten und auch – zumindest auf den ersten Blick – stolzen Menschen begegnet.

Die Frauen aus SAN JUAN CHAMULA tragen wadenlange, schwarze, dicke Wollröcke, die ein bisschen wie zottelige Schaffelle aussehen. Dazu einfarbige Satinblusen in leuchtenden Farben. Die Blusen sind kompliziert mit Biesen verziert und jede Ortschaft, jede Großfamilie hat ihre eigenen Muster und auch Farben.

Sie sind viel mehr an ihrer Unabhängigkeit interessiert, als an den Errungenschaften der sogenannten „modernen Zivilisation“. So haben sie sich, nicht unbedingt rechtlich verbrieft, aber doch faktisch ein großes Maß an Autonomie auch gegenüber dem mexikanischen Staat bewahren können.

Kriminelle Vergehen werden innerhalb der Gemeinschaft „geregelt“. In SAN JUAN CHAMULA existiert dazu eigens eine Gefängniszelle im örtlichen Rathaus. Uns wurde jedoch erzählt, dass diese fast nur zum Ausnüchtern für z.B. Männer, die im Suff ihre Frauen oder Kinder geschlagen haben, benutzt wird. Dazu muss man wissen: Die Zelle ist zum Dorfplatz hin einsehbar, d.h. jeder sieht beim Vorbeigehen, wer in der Zelle sitzt…

Andere Verfehlungen werden eher direkt „geregelt“.

So wurde einmal ein Bürgermeister, der schwerer Korruption überführt wurde, kurzerhand von der Dorfgemeinschaft totgeprügelt. Manche Geschichten mag man ja kaum glauben…

Die Geschichte, dass man dem letzten, ständig nörgelnden Priester, eindeutig nahegelegt hätte, sich doch lieber ein anderes „Wirkungsgebiet“ zu suchen, glaube ich allerdings sofort. Denn tatsächlich kommt der Priester jetzt nur noch aus SAN CRISTOBAL herauf, wenn er ausdrücklich gerufen wird und wie es in dieser Kirche zugeht, dass muss man GESEHEN haben!!!

Und zwar persönlich, denn Fotoaufnahmen sind nicht erlaubt.

Ehrlich gesagt, wenn du das dann persönlich gesehen hast, wie der Schamane ein Huhn schlachtet und das Blut spritzt, hast du auch nicht mehr für 5 Cent Lust dieses Verbot zu übertreten…

Auch hier wieder, wie die Begegnungen auf den Märkten in SAN CHRISTOBAL, die Menschen sind sehr stolz und eher kühl. Sie „verkaufen“ sich zwar, lassen sich besuchen, fotografieren und dann ist aber auch gut.

ZAHLEN SIND ZAHLEN

Seit 2020 wurde versucht die Welt mit Hilfe von Zahlen zu regieren. Sie begründeten Maßnahmen, Meinungen. Verbreiteten Ängste, Hoffnungen und schienen mitunter das Zentrum jeder Rechtfertigung für einfach ALLES zu sein. Diesen ganz besonderen Menschen in SAN JUAN CHAMULA bin ich Anfang 2022 begegnet. Ganz ohne irgendwelche Zahlen.

Ich habe gesehen, gehört, gefühlt, was ich zuvor schon vereinzelt gelesen hatte.

Die hier in CHIAPAS lebenden indigenen Gemeinschaften der Chamulas, haben auch in diesen Zeiten ihren eigenen Weg gefunden.

Ja, da kam im Jahr 2020 so ein "Virus" geflogen. Jedenfalls sagten das die ZAHLEN, die panisch in aller Welt verbreitet wurden.

So ein Weltgeschehen macht eben auch vor abgelegenen Berggemeinden in CHIAPAS nicht halt.

Und das Virus konnte ja auch nicht ahnen, wie unbeugsam und selbstbewusst im besten Sinne dieses Volk ist.

Jedenfalls schwappten die staatlich verordneten Rettungsmaßnahmen wie Abstandsregeln, Quarantänevorschriften, Kartons voller Tests und medizinischer Masken irgendwann auch in diese Täler hier.

Und...

UND.

Die Gemeinschaften schickten alles postwendend zurück.

Also ALLES.

Keine einzige Veranstaltung, keine einzige Schulstunde wurde bis heute abgesagt.

Keine Umarmung wurde nicht gegeben, niemand alleine gelassen in Krankheit und Sterben.

Sie haben einfach den Zahlen nicht zugehört.

Kranke wurden behandelt, wie Kranke immer behandelt wurden: mit traditioneller Medizin.

Natürlich erkrankten auch Menschen an dieser gar nicht so neuen, nun aber..."ihr- wisst-schon" genannten Krankheit und wurden erfolgreich behandelt.

Manche sehr alte Menschen starben auch an dieser Krankheit. Insgesamt jedoch lag und liegt die Sterberate nachweislich nicht außerhalb einer ganz gewöhnlichen Schwankung.

Menschen leben und Menschen sterben, denn Menschen sind eben Menschen und das Rad des Lebens ist tatsächlich mehrdimensional.

Die Menschen in diesen Gemeinschaften hier (insgesamt 450.000!) haben einfach weitergeLEBT, wie immer. Und sie sind weiter gestorben, wenn es soweit war. WIE IMMER. Und Zahlen sind einfach nur Zahlen. Manchmal sagen sie uns die Vitalwerte eines Frühgeborenen. Manchmal benutzen wir sie, um etwas gegeneinander aufzurechnen und einen Wert zu ermitteln. Und IMMER sind es MENSCHEN, die Zahlen BENUTZEN. Mit ganz unterschiedlichen Absichten. In MEINER Welt steht über allem IMMER das LEBEN mit all seinen Wesen und eben den Menschen.

Für mich sind diese Menschen, denen ich heute begegnet bin, ein Vorbild und auch die Hoffnung auf eine Welt, in der Menschen Menschen sind und...

Zahlen einfach nur Zahlen.

Am nächsten Morgen sitze ich an einem Brunnen und beobachte das bunte Treiben. Es gibt ein französisches Bistro, vor dem die Menschen Schlange stehen. Ein französisches Croissant mit Café Latte? Ich kaufe beim fliegenden Händler heute lieber eine „torta“: ein meist aufwändig belegtes Sandwich und bleibe einfach sitzen.

„Du bist aus DEUTSCHLAND, oder?“ spricht mich ein älterer Mann an, der ein Stückchen entfernt, auf der gleichen Bank sitzt wie ich. „Sieht man mir das an?“ frage ich zurück und drehe mich zu meinem Gesprächspartner um.

„Und Sie???“

„Nein, ich habe gehört, wie du spanisch mit dem Händler gesprochen hast…“.

Er denkt, ich könnte spanisch sprechen…Ich glaube ich mag ihn!

„Also, wie ICH hierhergekommen bin weiß ich ja. Aber du?“ frage ich nun mutig zurück.

Er erzählt, dass er aus der Nähe von Nürnberg stammt und irgendwann Ende der 1980er Jahre einen Lehrauftrag an einer kalifornischen Universität angenommen hat. Weil es ihm so gut gefiel, hat er gleich auch noch eine Amerikanerin geheiratet.

Nach der Scheidung der kinderlosen Ehe, trifft er seine zweite Frau, eine Mexikanerin mit drei Kindern.

Irgendwann übersiedeln sie nach MEXIKO und als auch diese Ehe vor einigen Jahren in tiefer Freundschaft endete, hat er jedoch in MEXIKO seine Seelenheimat gefunden und zieht nach SAN CHRISTOBAL.

„Aber je älter ich werde…“ erzählt er weiter: „Einmal im Jahr zieht es mich doch zurück nach Deutschland!“

Er sagt nicht: „Heimat“ und ich traue mich danach zu fragen. „Wo ist deine Heimat?“

Er mustert mich, als würde er überlegen, welche Antwort diese blonde Frau aus DEUTSCHLAND da vor ihm wohl verdient hat?

„Heimat…“ sagt er dann gedehnt „Heimat ist DEUTSCHLAND, KALIFORNIEN, MEXIKO. Eigentlich lebe ich aus allen Welten das Beste. Und – wie gesagt – ich reise hin und her. Versuche sie manchmal sogar „einzufangen“, die Heimat.“

Ich muss an meine russische Freundin denken und sage: „Vielleicht ist Heimat auch kein Ort, sondern Menschen, die dich gut kennen und verstehen.“

„Ja, und die gibt es eben in mehreren Ländern. Aber rate mal…, wenn ich nach DEUTSCHLAND reise, sind auf einer Strecke meine Koffer komplett leer. Was glaubst du, in welche Richtung?“

„Na, ich glaube du bringst bestimmt sehr viele Geschenke nach DEUTSCHLAND. Kaffee, Gewürze…Früchte, bunte Stoffe…“

„Du bist noch nicht lange genug hier!“ lacht er.

Ich verstehe nicht, was er meint.

„Na, ich bringe Würstchen, Schinken, G‘selchtes, Senf, Käse und BROT und natürlich Brez’n! von DEUTSCHLAND nach MEXIKO mit!“

Da hätte ich auch draufkommen können…

„Heute Abend trifft sich in meinem Haus eine kleine internationale Gemeinschaft von Menschen, die hier in SAN CHRISTOBAL leben. Willst du kommen!“ fragt er mich. „Die „Weißwürschtl“ san schon aus, aber ich habe noch ein paar Leckerbissen, die ich anbiete…“

Ich bin sehr berührt über die spontane und herzliche Einladung. Denke aber auch: „Er hat die meiste Zeit seines Lebens in den USA gelebt…mal sehen, wie ernst und konkret diese Einladung wirklich gemeint ist.“

Und so kam es dann auch. Als ich mich wenig später verabschiede, habe ich keine Adresse und keine Verabredung zum Essen für heute Abend, freue mich aber doch sehr diesen interessanten Menschen und seine Geschichte kennengelernt zu haben.

BUSFAHREN IN MEXIKO

Wie immer in MEXIKO, gibt es ALLES.