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Kannst DU mit dem Herzen LESEN? Diese Geschichten zeigen Dir, wie es sich anfühlt. Leichtigkeit versprühen sie und gleichzeitig eine wohlige Tiefe. Sie erzählen vom Außergewöhnlichen im Alltäglichen und immer wieder vom Unsichtbaren in Allem. Es geht um Hamburg, der "großen Stadt am großen Fluss", dem "Inselchen" (La Gomera) und immer wieder spürst Du auch die Hawai'ianische Seelenheimat der Autorin. Und diese bunte Vielfalt an Orten, Menschen und Wesen, Gefühle und Gedanken: das ist das Leben! Aus dem Herzen sind sie geschrieben und mit dem Herzen möchten sie gelesen werden, denn dann können sie auf die Reise gehen, die ihnen bestimmt ist: mitten in DEIN Herz.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 115
Veröffentlichungsjahr: 2021
"Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar."
Antoine de Saint-Exupéry
…denn Deine Augen schauen die Realität, aber nur Dein Herz erkennt die Wirklichkeit.
Ayna
Woher die Worte kommen
Als ich einmal in Malaga fast meinen Flug verpasst hätte…
Alsterliebe
Das erste Mal
Das Gezeiten-Buch
Der Zauberwald
Die Drachin
Die kleinen Leute
Die Überfahrt
Der besondere Garten
Ein alter Mann
Die weisse Frau und die Unendlichkeit des Ozeans
Freiheit und Vertrauen
Es ging ein Herz die Straße entlang
Gerhard und Rita
Im Zug
KurtT
Magisch
Nachts
Ob es heute endlich schneit?
Regenfrau
Feuerwerk
Sterntaler…oder so
Unsichtbar
Der Wald
Zeit für Engel
Die Straße
Vor vielen, vielen Jahren hatte ich ein ganz besonderes Erlebnis.
Ich saß während eines Familienurlaubs im geliebten Schweden einen kostbaren Moment lang alleine in der Abendstimmung eines stillen Sees und sah sie vor mir: Meine kleine Familie, meine drei Kinder und alles, was sie in den letzten zehn bis zwölf Jahren in mein Leben gebracht hatten. Alles fühlte sich so ganz und gar richtig und rund an. Und ich konnte plötzlich sehen, dass ich viele Jahre schon angestrengt und sehr konzentriert dafür gesorgt hatte, dass – nicht lachen! – alle überlebt hatten und einen guten Weg in ihr ganz eigenes Leben finden würden. Ich erinnerte mich, wie ich in der Zeit, als mein Jüngster gerade geboren war, Ängste hatte, denn im Falle, dass ich vor einer Gefahr hätte wegrennen müssen, könnte ich wohl drei Kinder nicht gleichzeitig tragen.
In diesem Moment am stillen See, erkannte ich, dass sie nun in einem Moment der Gefahr schon längst alleine – auch im übertragenden Sinne - laufen könnten. Könnten, nicht mussten, denn ich war ja gerne da, um sie auch weiter zu begleiten. Ich musste sie aber nicht mehr tragen. Konnte meine Arme entspannen und sie ab jetzt nur noch zärtlich umarmen, ein bisschen beschützen und in die Richtung zeigen, in die sie aus meiner Sicht gehen könnten.
Sie waren jetzt stark und kräftig genug. Bis hierher.
Ich fühlte eine große Erleichterung, tiefe Zufriedenheit und eine Stimme in mir, die ganz ruhig und sanft sagte: „Gut gemacht.“
Einfach so. Gut gemacht.
Ich wusste in diesem Moment: auch wenn ich sie jetzt alleine lassen müsste – würde, wie auch immer: es wäre okay. Sie würden überleben.
Ein Gefühl von unendlicher Freiheit und absolutem Einverstandensein mit meinem Leben und Allem breitete sich in mir aus und verband sich mit der Stille des Sees, als die Sonne das Wasser berührte.
Es war, als ob der Himmel in diesem Moment offen stünde und mir die freie Wahl schenkte, ob ich jetzt gehen oder noch bleiben wolle auf dieser Welt und in diesem Leben.
Ein unbeschreibliches, stilles, erfülltes und tiefes Glücksgefühl.
Wirklich, wahrhaftig und in tiefstem Kontakt mit meinem Sein, habe ich in aller Ruhe die Möglichkeiten abgewogen. Entschieden, welchen Weg ich gehen wollte.
Und keiner der beiden Wege fühlte sich dabei besser oder schlechter im Sinne unserer alltäglichen Vorstellungen an. Alles war gleich gut, und ich hatte jede Freiheit, mich zu entscheiden.
Ich sah und fühlte das physische, körperliche Leben auf der Erde, spürte meinen in diesem Sinne schweren Körper am See sitzen und die Anstrengung und Energie, die aufzuwenden waren, um mich auch nur einigermaßen gefühlt leichtfüßig von A nach B zu bewegen. Ich erkannte den Nebel und das Vergessen, in dem irdisch-menschliches Leben stattfindet. Ich erinnerte mich an ganz andere Orte und Seinszustände und daran, wie leicht und licht es sein könnte. Wieviel einfacher und leichter das Sein dort ist, von woher ich gekommen war in dieses Leben.
Und ich erfühlte auch die Einzigartigkeit dieser Erdenmutter, die mich trägt. Einzigartig im Kosmos und in den Erfahrungsmöglichkeiten, die sie bietet und die ich wohl nur hier vorfinden werde:
In einem materiellen, physischen Körper ganz handfeste Emotionen zu genießen, Sinneserfahrungen und das alles zugleich in dem Gefühl, -wie drücke ich das aus?-, das alles auch weiterzuentwickeln. Durch Leben und Erleben zu verändern und immer wieder neu zu schöpfen. So wuchs in mir im gleichen Moment eine Lust auf Leben – irdisches Leben! –, wie ich sie noch nie zuvor gespürt hatte.
Als die Sonne im See verschwunden war, hatte ich mich also aus ganzem Herzen entschieden: Ich bleibe noch ein bisschen.
Alles gehört dazu zu diesem menschlichen Leben. Alles, was unsere Sinne uns vermitteln können und alles, was wir fühlen und auch das Bewusstsein drüber, was wir alle wirklich sind. Wir sind unendliche Bewusstseinsfelder, die aus freier Entscheidung und wirklicher Freude am Sein menschliche Erfahrung gewählt haben. Auch wenn die wenigsten von uns das wirklich erinnern und auch ich dies in meinem Alltag immer wieder so wunderbar vergessen kann.
Doch auch wenn ich mich immer mal wieder in irgendwelchen, mir unbewussten Abgründen des Menschseins verlaufe, so lebt in mir dieses innere Bild vom See und diese Erinnerung an absolutes Einverstandensein. Einssein mit mir und mit meinem Leben.
Ein Schatz in mir.
Und irgendwo in der Nähe dieses Schatzes sitze ich meist, wenn ich davon erzähle, was ich sehe, fühle und erlebe. Auf dieser wunderschönen und großartigen Erde. Auf meinen kleinen und großen Reisen.
Ich habe seither einen anderen Blick auf unser aller Menschsein gewonnen, sehe die Welt und alles, was ich erfahre und erlebe und auch manches, was „kommt“, mit diesen Augen. Mit anderen Augen als zuvor.
Jeder Tag ein neues Leben.
Ich beobachte Menschen und ihr Leben mit dem Herzen und ich hoffe und glaube mittlerweile daran, dass manche Menschen mit Hilfe meiner Geschichten diesem Blick folgen können und nicht nur sehen was ich sehe, sondern alles auch ein bisschen mit und durch ihr eigenes, wundervolles Herz schauen können.
Ja, ich wünsche mir, dass meine Geschichten berühren und mit dem Herzen gelesen werden mögen.
Mein großer Traum ist es, dazu beizutragen, dass immer mehr und mehr Menschen diesen Raum und diese Ebene in sich entdecken und sich auf den Weg machen, von hieraus zu leben.
Darum begegnen wir uns jetzt hier.
Ist das nicht wundervoll?
Viel Freude beim Lesen, Schauen und Leben.
Ayna
Früher habe ich mich gelangweilt. Weil ich es doof finden wollte. Diese Wartezeiten auf Flughäfen und beim Reisen generell sind nichts für ungeduldige Gemüter.
Heute aber bin ich total entspannt. Und neugierig: Ich habe doch meine Geschichten…
Verträumt rühre ich in einem Cappuccino und lasse die Erlebnisse der letzten Woche wie Nebelfetzen vorbei treiben. Da ist noch so Vieles, was sich in mir bewegt und das ich noch gar nicht bewusst fassen kann. Das habe ich schon auf Hawai’i gelernt: den Verstand ins Bett schicken und es dann einfach „laufen lassen“.
Ich beobachte, dass mein Blick immer wieder hin zu dem Mann am Tisch ganz vorne links wandert. Mmh. Was zieht mich da?
Meine Aufmerksamkeit fokussiert sich und ich schaue genauer.
Ein Mann mittleren Alters in Hemd und Anzughose. Über dem Kabinenkoffer hängt die Anzugjacke dazu. Laptop, Papiere. Er arbeitet intensiv und ist völlig abgekapselt von der Umgebung. Offenbar ganz nach Innen konzentriert. Zu 100 Prozent.
Das gibt mir die Möglichkeit, ganz unverhohlen und entspannt weitere „Ermittlungen“ anzustellen.
Er schreibt. Schnell und voller Energie. Mit seinem ganzen Wesen… Er schreibt nicht in seinen Laptop, sondern mit der Hand. Ich drehe mich ein bisschen mehr mit meinem Stuhl in seine Richtung und sehe es ganz deutlich: er schreibt von Hand einen Brief! Das wird unbewusst meine Aufmerksamkeit angezogen haben, denn wo sieht mensch das denn heutzutage noch?
Sein Schreiben ist kein Gespräch mit dem Blatt Papier. Auch kein Gespräch mit dem Adressaten.
Sein Schreiben ist vielmehr ein kontinuierlicher Fluss seiner Gedanken, seines Seins auf – nein!: IN das Papier.
Und sein Schreiben ist ein Schreien.
Er stützt - für ein paar Sekunden nur - beide Ellbogen auf den Tisch und verbirgt sein Gesicht in den Händen.
Schon schreibt er weiter.
Und sein gefühltes Schreien wird lauter in meinen Ohren. Achtsam lausche ich und bin ganz hingegeben an diesen Moment. Und etwas ehrfürchtig auch - hier Zeugin zu sein, wie ein Mensch derart intensiv sein Leben, seinen Schöpfer, oder sonst wen anschreit.
Wut und Verzweiflung halten sich gefühlt die Waage.
Ich sitze einfach da und fühle mich verbunden mit allem, was mich umgibt. Einer dieser stillen Momente des bloßen Seins.
„Signora?“ Der Kellner steht vor mir. Ob ich noch etwas möchte? Ich schaue zur Uhr: Noch eine Stunde Zeit bis zum Boarding. Ich will mich noch ein bisschen bewegen vor dem Flug und bezahle.
Aus irgendeinem Grund studiere ich die Rechnung, mein Blick fällt auf die aufgedruckte Uhrzeit und Adrenalin schießt mir ins Blut.
Ich habe vergessen meine Uhr umzustellen!
Mein Flugzeug ist eigentlich schon fast in der Luft!
Hektisch kommt direkt vor ungeschickt und so stoße ich im Aufbruch gegen den Tisch vorne links, so dass der Kaffee überschwappt. Ich will mich wortreich-gehetzt entschuldigen, als unsere Blicke sich treffen: Diese Kraft und dieses Wissen in seinem Blick berühren mich und lassen mich erstarren.
„Danke…“, sagt der Mann ruhig auf Deutsch, „alles Gute für Sie!“
Der nächste Adrenalinstoß schubst mich sprachlos weiter….
Es ist auch mal schön, so ein Flugzeug als Letzte zu betreten. Alle sitzen schon da, du kannst ganz ungestört direkt bis in die vorletzte Reihe durchgehen. Und froh sind sie alle auch noch! Dass es jetzt endlich losgehen kann.
Dabei wäre ich gerne noch geblieben.
Wer wissen will, wo bloß dieses ganze Alsterwasser herkommt, das es (zumindest hier im Norden) in jeder Kneipe und Gaststätte zu kaufen gibt, der muss dann schon einmal nach Hamburg kommen.
Das Alsterwasser entspringt nämlich ziemlich unspektakulär einer Quelle, etwas nördlich der Stadt. Ein Rinnsal wächst zum Bächlein und vielleicht noch zum Flüsschen. Das war’s auch schon fast. Wenn da nicht die Hamburger wären und sich in gewisser Weise dem Flüsschen in den Weg gestellt hätten. Oder so ähnlich.
Den Weg vom Norden in die große Schwester Elbe hat das Alsterflüsschen vor vielen zigtausend Jahren natürlich ganz selbstständig gefunden. Die Elbe aber ist bis hinter Hamburg ein Gezeitenstrom mit einem mittleren Tidenhub von circa vier Metern vor den Hamburger Landungsbrücken. Daher drückt das Wasser der Elbe bei auflaufendem Wasser auch die Alster hinauf. Weil es die Hamburger doof fanden, dass dieses Flüsschen im Zwölf-Stundentakt ihre schöne Innenstadt überfluten wollte, haben sie also ein paar Schleusen gebaut. So fließt nun die Alster ganz reguliert und brav einfach nur in die Elbe und es entstand vor den Toren der Stadt - heute zur Freude aller Hamburger mitten in der Stadt - ein See mit konstantem Wasserspiegel, die sogenannte Außenalster und niemand bekommt beim Einkaufen in den Hamburger Nobelpassagen nasse Füße.
Du kannst also in Hamburg mitten in der Innenstadt unter alten, schattenspendenden Bäumen sitzen, ein Glas Alsterwasser in der Hand halten und gleichzeitig auf das Alsterwasser vor Dir schauen.
Versuche das mal mit einem Radler!
Wobei ich ohnehin an diesem Edel-Kiosk an der Außenalster das Eis bevorzuge. Ich sitze dann auf der Bank und schaue den Segelbötchen, den Wasservögeln und auch manchen ganz anders-bunten Vögeln zu und schlecke mein Eis.
Schräg hinter mir teilt sich ein verliebtes junges Pärchen einen großen Eisbecher. Sie füttern sich gegenseitig, schauen sich dabei tief in die Augen und irgendwie knistert es vor Verliebtheit. Die meisten Umsitzenden – ich ja auch – beobachten heimlich und schmunzelnd, wie sie sich zwischen dem Löffeln immer wieder küssen und an der Hand halten.
Neben mir auf der nächsten Bank sitzt ein altes Pärchen. Er im hellen, leichten Leinenanzug, Halstuch und in gerader Haltung. Sie im leichtgeblümten Sommerkleid, in flachen pastellfarbenen Sandalen, ein feines Täschchen auf dem Schoß und ein kleines Hütchen auf dem Kopf. Sie sind sicher über achtzig die beiden. Wie aus einer anderen Welt scheinen sie zu kommen. Vielleicht sind es Zeitreisende?
Ich blinzele… und sie sind immer noch da. Jetzt sehe ich genauer hin: Sie trägt ganz vornehm sogar feine, seidene Handschuhe. Ich staune. Er hält sie an der Hand und sie reicht ihm ihre Hand. Erlaubt ihm ihre Hand zu halten.
Jetzt schmelze ich hin und weg.
Ich drehe den Kopf und werfe einen verstohlenen Blick zum eisschlemmenden jungen Pärchen. Die halten sich auch beide an der Hand. Anders. Von ihnen geht eine Aura von prickelnder Sinnlichkeit aus.
Fasziniert aber bin ich von meinen Banknachbarn. Eine intensive und lichthelle Innigkeit verbindet die beiden. Auf diese Weise gemeinsam alt werden…
Sie verständigen sich schweigend mit einem kurzen Blick, woraufhin er aufsteht und ihr galant erst die Hand zum Aufstehen und dann den Arm anbietet.
Mit einer fast unmerklichen Bewegung des Kopfes, eigentlich nur mit den amüsiert blitzenden Augen, nickt er nun mir zu. Ich werde mal wieder knallrot und grinse fröhlich über beide Backen.
Mist, mein Eis hat getropft.
Als ich das erste Mal auf Hawai‘i lande, ist es dunkel. Eine unglaubliche, samtweiche und duftende Dunkelheit nimmt mich in Empfang. Hüllt mich ein. ALOHA. Alles ist gut. Ich bin angekommen. Mehr als 30 Stunden musste ich mich dem bloßen Warten und Sitzen ergeben. Ich habe mein Handy verloren und auch sonst vieles hinter mir gelassen.
Drehe mal einen Globus, bis die Hawai’ianischen Inseln genau in der Mitte vor Dir sind. Was siehst Du? Nichts. Oder doch, Du siehst das größte und tiefste aller Weltmeere, den Pazifik. Mehr als 8.000 km Wasser zwischen Kalifornien und Japan. Nur eine Handvoll kleiner Pünktchen mittendrin.
Das ist Hawai’i: Über 130 Atolle und Inselchen, von denen nur 8 bewohnt sind. Und Ziel so vieler Träume und paradiesischer Vorstellungen.
Ich stehe im offenen Flughafengebäude von Kahului/ Mau’i und warte, von dieser unglaublich duftenden, samtweichen Luft völlig benebelt, darauf, dass mein Koffer ausgeladen wird.
