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Joan Jukes short story ON THE FLOOR erschien erstmals 1935 in der Zeitschrift New Stories, dann in der Anthologie Best Short Stories des selben Jahres. Drei Jahre später schließlich wurde sie noch einmal abgedruckt in Penguins zweitem Band der Selected Modern Short Stories. Die hier ins Deutsche übertragene short story dürfte ein frühes, wenn nicht das erste bekannte Zeugnis einer körperbehinderten Erzählerin der Literaturgeschichte ablegen.
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Seitenzahl: 32
Veröffentlichungsjahr: 2021
Joan Jukes‘short storyOn the Floor erschien erstmals 1935 in der Zeitschrift New Stories, dann in der Anthologie Best Short Stories des selben Jahres. Drei Jahre später schließlich wurde sie noch einmal abgedruckt in Penguins zweitem Band der Selected Modern Short Stories.
Über die Autorin, ihren Namen und biografische Daten gibt es keine gesicherten Auskünfte. Der Betreiber derNeglected Books Page, Brad Bigelow, hat dem Text einen Artikel gewidmet mit dem Titel "On the Floor" and the Mystery of Joan Jukes. Ein interessierter Leser namens Bill Lloyd hat Mutmaßungen bezüglich der Identität der Autorin angestellt. Danach habe sie in den dreißiger Jahren Kurzgeschichten in verschiedenen Anthologien publiziert und stamme aus Dorset, vermutlich 1876 als Joan Godwin, geborene Nightingale, zur Welt gekommen. Jukes sei der Geburtsname ihrer Mutter gewesen.
Ungeachtet dieser Rätselhaftigkeit dürfte dieshort story, die ich hier ins Deutsche übertragen habe, ein frühes, wenn nicht das erste bekannte Zeugnis einer körperbehinderten Erzählerin der Literaturgeschichte ablegen.
Doch beim Öffnen der Tür stelle ich fest, dass jemand meinen Stuhl verstellt hat. Blitzartig trifft mich unbändige Wut, dann bin ich wieder ruhig. Ich drücke fest die Klinke, mal mit der einen, mal der anderen Hand, drehe meinen linken Fuß herum, halte die Tür mit meiner linken Hand und versuche so, hinein zu schleichen. Ich gerate ins Rutschen, und die Tür schürft mir den Rücken auf. Wie ermüdend, wenn ich hier so tatenlos eingesperrt werde! Ja, ich gehe, nach unten, komme herunter (denn Liebe ist des Tales, du mögest herunter kommen und sie finden), lass dich gehen, langsam fallen, sanft wie eine Schneeflocke -- . So! Hat mich jemand gehört? Lausche einen Moment lang. Nein. Ich habe wieder Glück gehabt. Die Tür kratzt an meinem Rücken, drück' sie weg! Ich sitze auf meinem rechten Fuß, und es schmerzt. Ich muss Abhilfe schaffen, sie von mir drücken, fest drücken! So! Jetzt fühle ich mich wohl. Kann ich die Tür schließen und mich mit dem Rücken zur Wand setzen? Ja. Jemand könnte in fünf Minuten vorbeikommen (oder vielleicht in anderthalb Stunden). Was kann ich machen? Nichts. Wie kann ich mich unterhalten? Ich muss über die Veränderlichkeit menschlicher Angelegenheiten nachdenken.
Vor fünf Minuten ging ich aus dem Arbeitszimmer, um einen Brief aus dem Esszimmer zu holen (nicht mit einem Hauch von Stolz oder Arroganz, denn das ist nicht meine Gangart, aber doch in der Hoffnung auf das Beste. Ein Brief ist so leicht zu tragen. Ich kann ihn unter meine Schulterriemen oder meinen Kragen stecken). Doch jemand hatte den Stuhl verstellt, den ich nun rechts auf drei Beinen stabilisiere, und so war alles vergebens. Die Zeit, die zu kurz war für mein Vorhaben, wird langsam vergehen, während ich unbequem und ungeduldig auf dem Boden sitze. (Aber wenigstens ist es Sommer geworden. Ich werde nicht frieren).
Es ist unmöglich, auf dem Boden herum zu kriechen und mir das lesenswerteste Buch von der am besten zugänglichen Reihe des nächsten Bücherregals zu greifen, denn ich bin ja im Esszimmer. Da gibt es keine Bücherregale, keine Reihen und keine Bücher. Also gibt es nichts für mich zu tun. Ich kann dann nach Belieben jedem Gedanken nachhängen, so lange ich hier bleiben muss.
