Am Wege Oins oms andr' - Herbert Demel - E-Book

Am Wege Oins oms andr' E-Book

Herbert Demel

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Beschreibung

Der Autor Herbert Demel hat mit dem Büchlein "Am Wege Oins oms andr'" sein drittes Werk veröffentlicht. Wie in den gern gelesenen Vorgängern "Hoimet Waldenbuch" und "Gnepfleswäschereiâ" bietet der Waldenbucher mit Heidenheimer Migrationshintergrund einen verschlungenen Spaziergang durch ein sich zwischen Aufmüpfigkeit und Bodenständigkeit bewegendes 75jähriges Leben. Als "Wanderführer" durch die Kindheitslandschaften im Brenztal und sein berufliches und nachberufliches Biotop Waldenbuch fungieren neben dem erzählenden ICH und ER auch ein alter Ego namens Theophil Knoll. Sie führen bisweilen kontroverse Diskussionen, die sich in Demels essayistischen Gedankenströmen widerspiegeln. Quelle mancher noch unveröffentlichter Erzählungen, Anekdoten und Gedichte sind tagebuchartige Notizen aus der Kladde des Verfassers, die interessante Einblicke in "Erlebtes", "Erfahrenes" und "Verborgenes" erlauben. Insbesondere die in kraftvoller schwäbischer Mundart dargebotenen Passagen gehören zu den stärksten des Buches und werden die bisherige Leserschaft Demels, aber auch neues, an Dialekt, heimatlichen Rezepten und bisweilen skurriler, schwäbischer Originalität interessiertes Publikum erfreuen.

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Seitenzahl: 187

Veröffentlichungsjahr: 2022

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„Am Wege“ nennt der Verfasser Essays und Geschichten die im Laufe der Jahrzehnte entstanden sind. Die auf- und z.T. mitgeschrieben wurden. Die Titelseite, ein Aquarell mit dem Titel „Türen“, versinnbildlicht Einblicke in erlebtes und erfahrenes, dahinter verborgenes. Diese Geschichten bilden einen wesentlichen Teil früherer Niederschriften wie sie an Geburtstagen, oder Familienfeiern immer wieder erzählt wurden. Und in einer alten Kladde Jahre lang unbesehen blieben. Zum Teil fünfzig Jahre.

hic habitat felicitas

trotz vieler Unbillen aber auch durch Fröhlichkeit und Freude die ein fünfundsiebzigjähriges Leben so mit sich bringt mein Dank an meine Stadt

hier wohnt das Glück.

Inhalt

Prolog

Danksagung

Die Vorgeschichte I

Die Vorgeschichte II

Zukunft braucht Herkunft oder Bewegung ist Leben

Oins nach em andera

Mund.art Stammtische

„Vor em Lamanik“

Schönbuch

Königliche Jagdhütte im Schönbuch

Württembergs Hymne

La Palma Briefe

Fragment

Altweibersommerlicht

Unwetter im Killertal

Waldenbuch Aufschriebe

Am Karle seim Geburtstag

en d’r Eil’

Wia sei Waldbuãchr Heiland glached had

obstbaumblüte

Silvester 2012 Altjahrabend

scheana aussicht

Wenn da svtr. Klassáschbrechr wirschd

nur eine Haltestelle

Briefe an Canadafreunde

Herbis Kolumnen

Rituale

Wie ’r å echdr Waldãbuãchr worda isch

Obends em Flecká

Der Besuch

Vorred’ Literarische Soiréé in Timo Böckles Reussenstein, vor einem trefflichen 7-Gänge Menue

Stammtischrede vo oim

Auszug bei einem Traugott Armbrüstle Fest im Dinkelacker Braukeller en Heslich

Anhang 1 Gedichte

Nachtrag zur Kolumne „Besuch“

Epilog

Anhang 2 Rezepte

Bisher sind vom Verfasser erschienen

Schlussrede

Veröffentlichung Künstler zu Corona

Und eine Karl Heinz Haaf Karikatur von’em

Prolog

Trotzdem zwinge ich mich, optimistisch zu sein. Sonst würde ich gar nichts mehr machen.

Ich glaube dass man in dieser barbarischen Zeit sich selber treu sein muss und Zeuge sein dieser Dekadenz da sein und versuchen, das zu sagen, was man sagen kann in den Grenzen seiner Erziehung und Generation.

Entnommen

Gedanken von Federico Fellini

Danksagung

Es ist ihm ein tief empfundenes Bedürfnis Personen und Institutionen einen herzlichen Dank auszusprechen, die mittelbar oder auch unmittelbar, zum Entstehen dieses Büchleins beigetragen haben.

Der erste Dank geht an seine Mutter *11.3.1922 † 23.7.2013 (en Hoirna als d’ Eßlengrs Lies vo dr Felsastroß bekannt). Sie hat buchstäblich unentwegt dafür gesorgt, dass wegen eines oft rüpelhaften Verhaltens in seiner Jugend (und teilweise auch später), folglich verhängte Strafen (ohne Prügel) meist als Strafarbeiten themengebundener Aufsätze zu absolvieren waren. Diese wurden in eine Kladde gelegt, wo sie dann rund fünfzig Jahre dem Vergessen an heim fielen.

Auch seiner lieben, lieben Oma der Eßlingers Marrie, die in jungen Jahren schon taub geworden, aber ein photographisches Gedächtnis hatte und das ganze damalige evangelische Kirchengesangbuch mit allen Versen auswendig aufsagen konnte. Daraus viel gesungen hat. Auch mit ihm.

Seinem Opa, dem Christian. Dessen steter Begleiter er auf seinen Albwanderungen war. Meist quer Feld ein. Und der ihn angenommen hat. Mit all den Eigenheiten, Ausbrüchen und Gedankenstürmen und der bald mit seinem Freund, dem Dr. Jehn anthroposophisch ergründete, das sich als Grund für manches wohl ein ausgeprägtes „rechts/ links“ Denken abzeichne.

„Das dem Kerle in seinem Leben noch sehr viel Kümmernisse bereiten söllete“...

Seinem lieben Vater, dem Erich, der mit seinen nimmermüden, aber folgerichtigen Ermahnungen und Beispielen aus dem Leben letztendlich doch einen in der Gesellschaft relativ brauchbaren Menschen mit entwickelt hat. (Und sie beide, weil die halbe Verwandtschaft inzwischen verstorben, mit seinem einzig noch lebenden Bruder Albert, fast alleine dastehen, en Hoirna.)

Seinen Lehrern, die mit nie endender Geduld sich dieses Schulkinds angenommen und gefördert haben. D’r Herr Bezner 1953 ihm in der Bergschule das A,B,C beigebracht. Willi Pfisterer der Freund der Familie (d’r Ma vo d’r Durawirts Trudl), Satzgestaltungen und farblich künstlerische Ambitionen geweckt und gefördert hat. In der Olgaschule d’r Schulmeister Wulz, d’r Vaddr vom Dr. Wolfgang (mund.art) und Herr Markgraf mit seinen redlichen Bemühungen, Mathematik und Brüche in den Riebeleskopf zu brennen. Lebensprägend dann die Westschule, Fritz Schneider der Heimatbuchschreiber in den Dreißigern d.v.Jh. und sein Rektor. Ganz besonders aber Edmund Hohl, der den vierzehnjährigen in den Beruf und ins Leben geschickt hat. Der dem verklemmten Büble mit Lobsang Rampa und dem dritten Auge, Ansichten und das Leben des Dalai Lama mitgegeben hat. Aus Worten Bilder zu sehen. Die später in mancher Theater Inszenierung plastisch erlebt wurden.

Seinen Buben, die in den Jahren den stets schwäbisch schwätzenden Ollen gesehen haben und nun (kopfschüttelnd) bemerken, dass er jetzt auch noch so schreibt. Und zu Lesungen geht.

Natürlich Theophil Knoll, der selbst in bösartigster Diskussion und Widerstreit die Sache abgetan hat und nur noch meinte: „So send se halt, die Gnöpfleswäschr“.

Seinem väterlichen Freund Erwin Ruck, für seine jahrzehntelangen gemeinsamen Besuche bei den Stuttgarter Kickers und der ihn zur SPD in Waldenbuch geführt hat.

Dr. Gerhard Raff, für die Gespräche en dr Degerlocher Scheuer und seine Anregungen. Ihre Begegnungen und seine Vorträge, seine Bücher, weil: „hie gut Wirtenberg allerwege“. Und weil sie die Familiengräber uff em alda Friedhof en Degerloch neabánándr hend, dort beim Gieaßá ond Ókrautzupfe in manch philosophische Betrachtung verfallá send.

Dr.Wolfgang Wulz, seinem Heidenheimer Landsmann und Freund. Der als Vorsitzender des Vereines mund.art ihm ein späteresVorbild geworden ist. Walter Jens, in dessen Vorlesungen er als Gasthörer vielmals ein ganz neues Weltbild für sich erfahren hat und bei dem er manchen späteren Bekannten in Tübingen getroffen hat, wie z.B einen damaligen Theologieprofessor Josef Ratzinger, und im Disput mit Hans Küng hatte beiwohnen können. Und das als Evangelischer. In Erinnerung geblieben, seine sanfte Stimme, die in bei allem Diskurs nie laut und aufbrausend war. Zwingend aber in der Argumentation, was auch der Antipode zugegeben hatte.

Dann seiner Gefährtin, die mit großem Verständnis die Wandlung des verschrobenen 68ziger (und Mutlanger Demonstranze), zum klassischen Spießbürger erlebt und mitgetragen hat.

Seinem besten und einzigen Freund, dem Joggi von der Felsenstraße, mit dem er noch heute fest und treu in dieser Freundschaft verbunden ist.

Die Ausgabe hat ihren Sinn erfüllt, wenn Sie verehrte Leserin, verehrter Leser tapfer das Büchlein kaufen und mit einem leisen Lächeln ihr „Freid“ drá hend.

Waldenbuch, im Dezember 2021.

Die Vorgeschichte I

Er will ganz bewusst an den Anfang dieses Büchleins eine kleine Fantasie stellen. Diese ist sozusagen die Prosa Fortschreibung des Gedichtbändleins „Hoimet Waldãbuãch.

Jeder der nach Waldenbuch kommt, also auf der alten Schweizer Straße, muss zuerst von einem Schönbuchrücken hinunter in die Stadt. Und logischerweise an der anderen Seite wieder hoch, will er nicht nach Nürtingen, oder Böblingen. Und sie werden völlig überrascht sein, wenn er jetzt auch noch behauptet, dass diese wunderschöne Landschaft bei Nacht völlig anders aussieht, als bei Tag. Manchmal auch recht dunkel ...

Viele der Geschichten erzählt „er“. Er ist nicht immer ich. Also der Verfasser. „Er“ hat sich eingebracht in die Erzählungen. So ist der Prodagnist auf einmal der Erzähler, oder der Leser, oder sein Zuhörer. Machen sie mit. Lassen Sie sich darauf ein. In Ihren Gedanken und in ihrer Fantasie. Und genau so gibt er die Geschichten weiter an Sie.

Und fast immer hat es bei den Erzählungen mit Heimat zu tun. In der „er“ sich bewegt. Mancher Vorabkritiker vermisst vielleicht einen spontaneren Realismus. Ein heutig sein. Weil aber oft zehn, gar zwanzig, oder mehr Jahre zwischen den Episoden liegen, sind auch schwarz weiß Bilder darunter. Sind sie typisch für unsere Zeit? Oder gestrig? So wie erinnern spontan die Sekunde ist, vielleicht eben geschehen, oder aber Jahre davor. Entscheiden sie selber.

Die Setterhündin Aischa hat Gewohnheiten. Öfters schon hatte sie ihre kalte Schnauze in seine Handfläche geschoben, die er noch tief schlafend aus dem Bett hängen lies. Ein leises Wimmern und er ist ganz wach. „Ja, ja, ich komme ja“. Der Blick auf den Radiowecker zeigt ihm, dass es gerade vier Uhr in der Früh ist und stockdunkel. Er hört das leise Atmen der Gefährtin und das lässt ihn noch vorsichtiger aufstehen. In der Diele liegt ein Jogging Anzug auf einem Stuhl. Und die Jogging Schuhe darunter. Er zieht es an und leise klappt die Türe hinter ihm zu. An der Halsung des Hundes hängen Hundemarke und ein Glücksbringer, die jetzt fast überlaut auf der stillen Treppe nach unten klappern. Er verlässt das Haus und der kurze Weg zum Ritter-Sport-Stadion und zum Feldweg Richtung Steinenbronn bewältigt er schnellen Schrittes. Der Hund trabt fröhlich nebenher und goutiert die Frühtour ab und zu mit einem leisen Grunzen. Was so ihre Art ist. Er überlegt, ob das Setter typisch sei. Lässt den Gedanken aber fallen. Vor den Feldern am Stadionzaun erledigt sie ihr kleines Geschäft und sie traben dann auf dem leicht ansteigenden Weg der ersten Kuppe am Waagrein zu. Wo der Weg nach unten und zur alten B 27 abzweigt, bleibt er stehen und japst. Also er und nicht der Hund. Sein Blick geht über die Lichter der noch schlafenden Stadt. Stadtkirche und Schloss zeichnen sich schemenhaft nach Süden vor den Schönbuchhöhen. Und da macht er eine Entdeckung, bislang nie gesehen:

starlight express

audoliachdr liachdrbah nach em deddaheisr amblschdob losglassã am deiflsbruch vrbei waldvrlassãd blizza zwischã de beim liachdr hentrãnãndr ois nach am andrã zeha odr zwanzg bogãziehend aus em wald naus en d’r schloif am grohnahof na bis se beim neff neidauched ens schdädle donkl hendrlassãd da roina nuff

ond schbädr d’ rickliachdr nach schdoinabronn naufziagad ond nau au’s rauscha heerschd

Die Vorgeschichte II

Es war eigentlich eine anfänglich wenig beachtete Begegnung mit einem Menschen bei einer Vernissage. Später bei Gesprächen und Erzählungen, in Diskussionen und durch Hinweise auf eine regionale Literatur und Veranstaltungen. Auf Lesungen focussiert, seine Betrachtungsweisen die letztlich für den Verfasser beeindruckend wurden.

Theophil Knoll, der Bekannte, ist 69 Jahre alt und seit er aus diesem Grund ein Pensionär ist und weil er fast zwanghaft eine Tätigkeit gesucht und letztlich gefunden hat, sei er ein selbsternannter Aufschreiber. Er wohnt in der Nähe von ihm am Rande des Schönbuchs. Seine bisherigen literarischen Anflüge waren nun in der Tat nicht etwa weltbewegend. Seit seiner frühesten Schulzeit hatte man ihn angehalten alle besonderen Ereignisse, oder selbst erlebtes, oder bemerkenswertes genauestens zu dokumentieren. In Schulhefte, Kladden. Oder in losen Blattsammlungen nieder zu schreiben. Diese Exzerpte quasi wie Schulaufsätze zu formulieren. Dabei war er kein, wie man heute sagen würde Legastheniker. Obwohl, seine Fehlerquote erfuhr durchaus der Korrektur und folglich der nachgeübten Verbesserung. Diese frühen Werke legte er in Kladden, die im Werkunterricht sorgfältig hergestellt worden waren. Dickere Kartonagen sind mit dünneren Papieren DIN A1 umleimt. Die sie mit so genannten Leimfarben bestrichen und mit Ornamenten verziert hatten. In kleinere Kartonstücklein wurden mit der Schere unregelmäßige Ausschnitte geschnitten. Um dann eben nach dem bestreichen der Leimfarben allerlei Ornamente darauf zu ziehen, oder Kringel zu drehen. Nach dem Trocknen auf einer Leine im Werkraum in den verschiedenen Farben, wurden diese auch als Hüllen zum einbinden der Schulbücher verwandt und auf der vorderen Seite mit einem vierfach umrahmten Klebeschild versehen auf dem nun stand, Rechnen Klasse 7b.

Dann hatte man in die Buchdeckel wie bei einer Lochung mit der Schere Einschnitte gemacht, mit farblich angepassten Bändern durchzogen, so dass sie mit einer Masche gebunden und zusammengezogen werden konnten. Diese Technik ermöglichte auch die Aufnahme größerer Sammlungen von Papieren.

In eine solche Kladde also wanderten all die geschriebenen Werke mit samt den, wie gesagt, notwendigen Verbesserungen. Dies alles wurde mit großer Sorgfalt fortgeführt, auch in späteren Jahren, den Jahren seiner Lehrzeit. Wobei er sachlich feststellte dass die späteren Werke keine größeren Verbesserungen mehr enthielten. Es kamen auch Reime hinzu, in denen tiefster Seelenschmerz der ersten und spätere unerfüllte Lieben zum Ausdruck kamen. Weltschmerzattitüden der 68zer und Gedanken zur Welterettung. Diese würden heute sicherlich größte öffentliche Anerkennung erfahren. Episoden wie die Sitzblockaden wider die Pershings in Mutlangen, wo er drei Reihen hinter Walter und Inge Jens saß. Wie er an seinem Munde hing, dem großen Tübinger lauschend und alles in sich aufsaugend. Seine Besuche dort, Reden und Vorträge hörend, die sein Weltbild nachhaltig nun bestimmten. Aber, und wie er selbstkritisch feststellte, seine Werke von einem Denis Scheck sicherlich süffisant und sarkastisch in die Tonne gefleigert würden.

Diese Mappen es waren wohl vier oder fünf an der Zahl, ruheten im Elternhause in seinem alten Schreibtisch dreißig, vierzig Jahre. Neueres wurde achtlos darauf gelegt und nicht mehr hinein. Was eine große Unübersichtlichkeit oder Unordnung, oder Sauhaufen genannt werden konnte. Seit seinem zwanzigsten Lebensjahr war er, was ein außenstehender Betrachter bemerken würde, eigentlich korpulent. Dick wäre übertrieben. Er fühlte sich recht wohl. Und den Genüssen des Lebens nicht abhold.

Theophil Knoll war im Laufe der Jahre immer wieder hervorgetreten Geburtstagen, Beerdigungen, Kindstaufen, Konfirmationen und dergleichen mehr Familienangelegenheiten, in Wort und Schrift Beiträge zu diesen Anlässen zu verfassen. Gefragt und auch ungefragt. Bei seinen Freunden hatte er den Spitznamen „Fäustle“, seit er einmal während einer Party mit einer halben Flasche Jim Beam im Ranzen, den halben Faust deklamiert hatte. Ohne sich unterbrechen zu lassen.

Rülps.

Seine Trauerrede zum Tode Che Guevaras war legendär, wie viele damals Gleichgesinnte meinten, und konnte nur mit Mühe und Not gerade noch rechtzeitig von seinem Großvater vor der Veröffentlichung in der örtlichen Presse verhindert werden. Was ihn mindestens zweieinhalb Tage tief bekümmerte. Aber in einer CDU Familie täte man so etwas nicht- man denke so etwas nicht einmal!

Dann ein literarischer Wendepunkt, weg von Sturm und Drang und den Klassikern. Von Böll und Grass.

In den StN las er Jahrzehnte später eine Glosse anlässlich des 70zigsten Geburtstags von Margarete Hannsmann. Der bekannten Stuttgarter Lyrikerin und zeitweise Gefährtin von HAP Grieshaber, dem Reutlinger Holzschneider. (Pfauenschrei) In der Buchhandlung Wittwer auf dem Schlossplatz in Stuttgart besorgte er sich alles aus den Regalen.

Sie sei eine Jugendfreundin seiner Mutter, erfuhr er. Mit dem „Rabenflug“ setzte er sich auf eine Parkbank vor dem Königsbau- und vergaß sogleich die Gefährtin in der Markthalle und im Kaufhaus Breuninger. Und damals gab es noch keine Handys.

In späteren Jahren der Romancier Hanns Josef Ortheil. Und sein Werk. Die stummen Jugendjahre, seine Entwicklung vom Pianisten zum Schriftsteller, die ihn nachhaltig beeindruckten und er sog TV Beiträge, oder später Internet Publikationen buchstäblich in sich auf. Oder Lesungen.

Es wurde seine Angewohnheit, immer wenn er alleine war Lyrik, Essays, oder phasenweise Romanteile laut zu lesen. Vielfach zu wiederholen. Weil er auch manches einfach nicht begriffen hatte. Um sich so Sinn und Inhalt zu erarbeiten. Von Sport hält er nicht viel. Wenn man von den rund vierzigjährigen regelmäßigen Besuchen bei den Stuttgarter Kickers auf der Waldau einmal absieht. Sein Idealgewicht pendelt so schon auch mal Richtung Einhundertzehn Kilo. Er fühlt sich aber trotzdem wohl und seine langen, oft tagelangen Spaziergänge, auch mit dem Hund werden nicht eingeschränkt. Ist wenig Krank und hält sich für fit und gesund, was er so als gesund nennt.

Mit etwa vierzig Jahren wendet er sich hauptsächlich der Lyrik zu. Besucht Lesungen im Literaturhaus in Stuttgart, oder auch an anderen Orten. Dann beginnt er unvermutet alle möglichen Episoden in seinem Umfeld schriftlich festzuhalten . Ebenso Geschichten oder Ereignisse, die ihm von Freunden, oder Bekannten zugetragen werden. Richtet sich eine Mappe, und pappt einen Papper mit dem Hinweis „sellenes“ darauf.

Der Verfasser nun seinerseits angeregt, hätte sich in den Anfangsjahren in seinem Wohnort nie darauf eingelassen, die Gegend, oder das Landstädtlein literarisch oder erzählerisch zu bearbeiten. Es ist durchaus zu bemerken, dass man sich an alten, eingesessenen Menschen orientiert. Dass man buchstäblich darauf wartet, dass ebendiese all die alten Geschichten und lustigen Episoden zu Papier bringen. Oder traurige. Aber doch nicht die Zugezogenen sollten es sein das auszuführen. So wie ein Zugezogener Bilderfolgen vom alten Waldenbuch aufbereitet und digitalisiert hat. Und sogar einen Bildband herausgebracht hat. Nach mancher Recherche.

Zukunft braucht Herkunft oder Bewegung ist Leben

Waldenbucher Künstler oder solche, die das Stadtbild festgehalten haben.

Kleine Betrachtungen, die aber keinesfalls den Anspruch auf Vollständigkeit erheben.

Er hatte sich in vielen Gesprächen mit Theophil Knoll mit den früher hier ansässigen Schriftstellern, Bildhauern und Künstlern der Stadt beschäftigt. Und sich aus der Stadtbibliothek allerlei Werke beschafft und gelesen. Oder auch mit denen, die Waldenbuch in verschiedensten Facetten abgebildet haben. Auf Leinwand in Öl, Aquarelle, oder aber ganz wunderbare Holzschnitte verfertigten. Diese in einzelnen Drucken herausbrachten, oder aber mit ganzen Serien in Büchern.

Den nach ihrer Meinung wichtigsten und bedeutendsten Johann Heinrich von Dannecker (*16. Oktober 1758 in Stuttgart † 8. Dezember 1841, Stuttgart), dem Bildhauer und seinem Werk.

Nachdem er sich mit wachsendem Interesse eingelesen hatte, machte er sich schnurstracks auf den Weg und besuchte voller Freude und Interesse die Staatgalerie und Staatsbibliothek in Stuttgart. Suchte und fand Hinweise auf Skulpturen und Zeichnungen und die Schillerbüste, die aus irgendeinem Anlass gezeigt wurde. Oder verharrte draußen auf dem Schillerplatz zu Stuttgart vor dem Denkmal. Besah die allegorische Skulpturengruppe der Jahreszeiten im Schloss Hohenheim. Die Kollosal Statuen der vier Evangelisten in der Grabkapelle auf dem Rotenberg . Suchte lange und fand das Grabmal auf dem Hoppenlau Friedhof , mit dem verwitterten Grabstein. In einem erbärmlichen Zustand. So wie auch das Haus der Großeltern in Waldenbuch in der heutigen Zeit. Das in der Häuserzeile nur einen unauffälligen Teil darstellt. Dem die Stadtführer Waldenbuchs gerade noch eloquenter weise ein paar positive Worte widmen.

Seine künstlerische Ausbildung erhielt Dannecker in der Hohen Karlsschule von den Bildhauern Johann Valentin Sonnenschein, Pierre François Lejeune. Nach Abschluss der Akademieausbildung wurde er und Philipp Jakob Scheffauer vom Herzog Carl Eugen (*1737 †1793) zu Hofbildhauern mit lebenslanger Dienstverpflichtung ernannt. Es folgten Studienjahre in Rom und er kehrte 1790 nach Stuttgart zurück. Erste Anerkennungen erfolgte nach Fertigstellung der allegorischen Skulpturengruppe mit den Ehrenmitgliedschaften der Akademien in Bologna und Mantua. Durch Heirat mit der Kaufmannstochter Heinrike Rapp war er zunächst materieller Sorgen enthoben. 1808 entstand sein Haus am Schlossplatz mit Wohnung, Atelier und Kunstschule und so wurde die „Danneckerei“ bald zu einem kulturellen Mittelpunkt in Stuttgart. Er schuf zahlreiche Bildnisse und Terracotta Arbeiten. Der Chronist bemerkt dass um 1835 seine geistige Umnachtung begann. Nennt man das heute wohl Demenz, oder früher fortschreitende Schwermut?

Seine Hauptwerke waren die Schillerbüsten 1793 und 1805, das Selbstbildnis 1797 und Ariadne auf dem Panther. 1808 erhielt Dannecker das Ritterkreuz des Zivilverdienst-Ordens, mit dem der persönliche Adel verliehen war.

Dannecker verstarb umnachtet am 8. Dezember 1841 und wurde auf dem Hoppenlau Friedhof unter Anteilnahme beigesetzt.

In einem Artikel der Filderzeitung vom 30. Oktober 2008 war zu lesen: Aus Angaben in der Personalakte der Hohen Karlsschule und im Taufbuch der Stuttgarter Stiftskirche lässt sich schließen, dass Dannecker nicht wie bisher oft angenommen am 15. Oktober 1758 in Waldenbuch, sondern einen Tag darauf in Stuttgart zur Welt kam).

Völlig kontrovers waren sie und in heftigster Diskussion, wenn es um den Schriftsteller Hans Heinrich Ehrler (*7. Juli 1872 in Bad Mergentheim † 14. Juni 1951 in Waldenbuch) ging.

Und natürlich geriet er bei diesen Studien sofort in einen aus heutiger Sicht absehbaren Zwiespalt. Bis er sich aber klarmachte, dass die Sicht und keineswegs die Akzeptanz der Texte aus dem Kontext der Zeitabläufe zu betrachten waren. Nicht quasi verklärend in die heutige Zeit zu übertragen sind. Wie die anfängliche Nähe des Dichters zu den Nationalsozialisten. Wahrscheinlich ist aus diesen Gründen auch das Gesamtwerk in der örtlichen Bibliothek nicht vorhanden.

Abstammend kommt Ehrler aus einer alten württembergisch-fränkischen Handwerkerfamilie. Sein Vater ein begnadeter Wachszieher und Lebzelter in Wien war mit Johann Strauss befreundet. Theophil Knoll befasste sich mit dem Lebenslauf von Ehrler und letztlich seinem Umzug nach Waldenbuch im Jahre 1926. Wo er 1951 mehr oder weniger beachtet verstarb..

Sie recherchierten anfängliche Tätigkeiten als Zeitungsredakteur. Köln, Stuttgart, Heilbronn und Karlsruhe. Und er war in Friedrichshafen Mitarbeiter der Frankfurter Zeitung.

1911 erschien sein erster Erzählband Briefe vom Land, ehe er nach Freiburg im Breisgau und später nach Littensweiler umzog.

Wichtig wurde dem Verfasser im Kontext der Hinweis in *Wikipedia Literatur* von und über Heinrich Ehrler“ der Bezug zum Katalog der Deutschen Nationalbibliothek. Und befassten sich mit dem umfangreichen Gesamtwerk, das dort gelistet ist. Hinweise auch, dass seine Gedichte z.T. damals sogar für Deutsche Männerchöre vertont wurden. Der nationale Ton sei zeitgeschuldet. Er sieht aber anfänglich dafür kein Verständnis oder Toleranz für den Dichter. Und vermutlich, dass deshalb auch bis heute auch keine verlautbarte Akzeptanz in der Stadt zu Tage tritt. Also nur eine untergeordnete historische Bedeutung?

Bis dann, es ist fast segensreich zu nennen, eine Publikation eines Bekannten, fast ist zu sagen eines Freundes, von Pfarrer Siegfried Schulz vom damaligen Bürgermeister Horst Störrle gefördert, der Ihnen Ehrler in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt!

Was aber sagen die Hinweise heute und Beschreibungen von Schulz über die Jahre von 1933 bis 1945 der nachgeborenen Generation? Dem Verfasser wenigstens- und Knoll- ist so gut wie nichts darüber bekannt. Das folgende Gedicht, das er eigentlich mehr durch Zufall in einem alten Heidenheimer Heimatbuch als Vorwort über Sagen und Märchen der Ostalb entdeckte, war erschien in diesem Kontext nun in einem ganz anderen Lichte:

Heimat

o Heimat, wir sind alle dein, so weit und fremd wir gehen. Du hast uns schon im Kinderschlaf ins Blut hineingesehen.Kein Weg ist, den wir heimlich nicht nach einem Heimweg fragen. Wer ganz verlaufen wird im Traum zu dir zurückgetragen.

Hans Heinrich Ehrler

Und natürlich die Waldenbucher Geschichten, nachzulesen im Heftlein „Einblicke“ und die Lebensdetails des Schriftstellers von eben Siegfried Schulz! Dessen akribische Detailkenntnisse seinen Respekt abnötigen.

Und er ist ihm unendlich dankbar für seine akribischen Recherchen, bis hin zu den Mergentheimer Besuchen und seiner Grablege. Diese Recherchen haben seine Einstellung zu diesem wichtigen Literaten somit grundlegend verändert, positiv.

Weit erfreulicher und mit vielen Bonmots versehen verliefen ihre Gespräche über den Maler und Bildhauer Willi Hahn, geboren *30.03.1928 in Neuhaus, Kreis Rathenow, †09.12.2005.

Trotz persönlicher Bekanntschaft beider merkten sie jedoch bald, dass eine reale Aufarbeitung des zweifellos in manchen Kreisen anerkannten Künstlers durchaus kontroverse Seiten hatte ... Die Enthüllung des Steines „Leben“ auf dem Kalkofen beim Kalkofenkindergarten, war so eine Episode. Eine traurige, für alle Beteiligten. Der Freund und Weggefährte des Künstlers, Erwin Hosch, der Würdigung und den Einweihungstext verlesen sollte, erlebte in ihrem Beisein den Festakt selber nur kurz und die folgende notärztliche Behandlung. Die kein glückliches Ende für ihn nahm. Umgeben von Bekannten, Freunden vor allem Neugierigen. Die aus dem Anlass auf den Kalkofen gekommen waren, die Enthüllung eines Steines Leben beizuwohnen. Er verstarb im Notarztwagen, neben dem Stein.

Bemerkenswert dann später der Kommentar zu dem Kunstgebilde durch *Barbara Lipps-Kant. Nachzulesen im Internetportal der Stadt Waldenbuch: Willi Hahn, Sandsteinskulptur Leben, die er Ende 1987 vollendet hat und die heute in der Anlage der Oskar-Schwenk-Schule steht.