Gnepfleswäschreiâ - Herbert Demel - E-Book

Gnepfleswäschreiâ E-Book

Herbert Demel

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Beschreibung

2017 begann Herbert Demel in Waldenbuch all die Aufschriebe zu sichten, die er einmal lose in einer alten Kladde aus dem Werkunterricht der Westschule gesammelt hatte. Sie waren 2010 anlässlich der Landesliteraturtage in Heidenheim teilweise als Beiträge eingereicht worden. Diese fasste er jetzt zusammen. Mit Geschichten vom jungen Johannes Wünsch, einem großen Sohn der Stadt Heidenheim, und Gedichten des Heidenheimer Schullehrers und Heimatdichters Willi Pfisterer und den heiteren Hintergründen der Gnepfleswäschr aus der Necknamensammlung von Dr. Wolfgang Wulz und natürlich seinem Vater Hans.

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Seitenzahl: 93

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Zum Geleit (Dr. Wolfgang Wulz)

Oser Schloß (Willi Pfisterer)

Von der „Formica sensu stricto“

Vom alda Wünsch

Dr gottlaos Flüegel (Willi Pfisterer)

Heidenheimer Sonntagsspaziergang vom gottlosen Flügel zum Schwanen nach Mergelstetten

Dr alt Rieß macht Schprüch (Willi Pfisterer)

Vom „Männergesang und Bratbirnenmost“

Von der „Pietät“ auf dem Totenberg

‘S Wedelbüeble (Willi Pfisterer)

Schloss Hellenstein

D‘r Wedel kommt

Glompabreißer

Em Wendr am Schnoidamr Bâhof

Au e Antwort (Willi Pfisterer)

Albwanderungen

Der Brenztopf

Frühkirch

(1956)

En d’r Bergschuel

Das Zauberpferd

Nach d‘r Kirch‘ an d‘ Mordplatt

Vo Zang (Willi Pfisterer)

Auf em Falkaschdoi

Wia dr Johann Wünsch Soldat worda isch

Am Karfreitich (Willi Pfisterer)

Der Rekrut

Soldat Wünsch

Die Heidenheimer Knöpfleswäscher

Anhang

Zu den Texten

Mund.art

Schwäbischer Dialekt

Auszüge Literatur

Quellennachweis Grablege

Nachwort zu Johann Jakob von Wunsch

Schlussbemerkung

Bücher vom Verfasser

Über den Autor

Vorwort

En dene Däg, als z‘ Hoirna no dr Gartazaun am alda Dollinger gschdanda isch, hann ‚e in einer alten Kladde all die Aufschriebe gesammelt, die mich an „mei Hoirna nach de Sechzgr“ erinnern sollten. Ond als sie dann au no ‚s „scharfe Eck“ agrisse hend, ‚s „Wunsch Haus“, ‚s „Hotel Ochsa“- da „scheene Garta“ am alta Karolinaschdift zuebauet hend für’s nuie Róthaus:- „um ein neues und urbanes Stadtbild zom bejubla ond als se au no das Werk als nuie städtebauliche Akzente belobigt hend“, isch des Gedicht ieber Glompabreißer entstanda.

2010, zo de Landesliteraturtage „erzählweise“, hann ‚e aus em ferna Waldábuách ‚a paar Episoda aus dere Kladde eigreicht. Ond schlag mes Blechle, se hend tatsächlich ois agnomma ond en ra öffentliche Lesong em Voith seim Papiermaschinazentrum an dr Bronnamiehl vortrage.

Aus all dem Engagement der beteiligten Autoren isch allerdings dann en de schpätere Monat ond Johr koi Heftle odr Büchle rauskomma.

So hann e Ehne a paar von meine Gschichtla en des Büchle gschriebe ond‘ s däd me freie, wenn Se Ihr Freid dra häddet.

Ond weil zo ma kloina Büchle au‘ a Widmung ghört, widme es all dene wonderbare Leit em gottlosa Flüegl, von dene i en a paar Kapitel vrzehl. Des send dr Knoblauchs Fritz ond Hans, ihre Fraua, d‘ Marie ond Helene, dr Durawirts Trudl ihrem Willi- em Schulmoischdr- ond ganz bsondrs em Flaschnr Rieß ond seir‘ Gattin, ond nadierlich ed zletschd, sei‘m Vaddr!

Waldenbuch, 1. Dezember 2018

Herbert Demel

Zum Geleit

Zu den beglückenden Erfahrungen meiner ehrenamtlichen Arbeit als Vorsitzender des Vereins „schwäbische mund.art e.V.“ gehört das Kennen- und Schätzenlernen vieler, mir bisher unbekannter Künstlerinnen und Künstler, die sich unserem 1997 gegründeten Netzwerk für die Pflege des schwäbischen Dialekts neu angeschlossen haben.

Einer von ihnen ist Herbert Demel, mit dem mich die gemeinsame Herkunft als Heidenheimer „Knöpfleswäscher“, die Liebe zur Heimat und zum mundartlichen Dichten und Fabulieren verbindet. Ohne unseren Verein und unsere Mund. art-Stammtische in der Region Stuttgart hätten wir beiden schwäbischen Landsleute mit ostälblerischem Migrationshintergrund uns niemals persönlich getroffen, obwohl wir altersmäßig nur wenige Jahre auseinander sind und in den von Herbert Demel in seinen schwäbischen Miniaturen so trefflich geschilderten Straßen, Plätzen, Wirtshäusern, Ausflugszielen und Wäldern wohl schon des Öfteren unerkannter Weise „anander vorbeigloffe send“.

So war es für mich eine Selbstverständlichkeit, seinem Wunsch zu entsprechen, die bisher noch nicht veröffentlichten Texte kritisch durchzulesen sowie ein Geleitwort zu verfassen. Und das war „koi Gschäft“, sondern ein „hoimeliges“ Eintauchen in die eigene Kindheit und Jugend, ein berührendes Erinnern an die ganz „oigene“, „kähle“ ond „raue“ Mentalität etlicher Originale von „Hoirne“. Dass dabei sogar noch der verstorbene Vater, der Schulmeister, Heimatforscher und Autor Hans Wulz (1913-2004), als handelnde Person eines mir bis dato unbekannten Geschehens aufgetaucht ist, verleiht allem natürlich eine ganz besondere Note.

Bewundert habe ich dabei Herbert Demels Gabe, seine fotografisch genauen Erinnerungen und Beobachtungen in anschauliche und authentische mundartliche Geschichten und Gedichte zu fassen.

Er schafft damit ähnliche kleine Denkmäler seiner Heidenheimer Heimat, wie er es auch schon sehr erfolgreich in seinem Büchle über die Waldenbucher Wahlheimat getan hat.

Gültstein, Dezember 2018

Dr. Wolfgang Wulz

Oser Schloß

Wie aus em Felse gwachse

Schtoht oser Schloß, dr Helleschtoi.

Dia alte Häusle ond dia Gäßle dronter

Send wenkelich ond wackelich ond kloi.

Gwaltich, trutzich, weit ens Blao

Recket Türm sich nuf ond Maure.

Aber Menschewerk, sei’s no so mächtich

Ka et end d Ewichkoit nei daure.

De alt Burg schdoht en Trümmer,

‚s Fürschteschloß hot’s niederbrennt.

Durch Feaschterhöhle schdreichet Dohle,

jagt dr Reage ond dr Wend.

Von der „Formica sensu stricto“

(dees isch Ladeinisch ond dees send

Glemmerling oder echte Waldamoise)

Mein Großvater war der Eßlingers Christian von der Felsenstraße. Im Laufe seines Lebens erwanderte er die Gegend um seine Heimatstadt weit hinaus und er kannte Weg und Steg. Einer seiner Lieblingswege war das Ugental. Vorbei am Fürsorgeheim, dem Opel Zanzinger und an seinem Beginn der Talhof. Nach dem Bauernhof ist auf der rechten Seite der Hühnerstall mit seinem großen Freilauf. Und dort, bei der kleinen Brücke, auf der linken Seite, entdeckte er eines Tages einen kleinen Ameisenhaufen. Nur einzelne, wenige Waldameisen sah er. Und er erkannte sofort die Schwierigkeiten der kleinen Kolonie - kein Tannenbaum weit und breit in dieser Diaspora.

Dies beschäftigte ihn nun nachhaltig. Ein Schwabe braucht immer etwas zum Schaffen, zumindest zum Gruschteln. Also auch Klemmerling.

Etwas verständnislos reagierte die Großmutter, als er eines Tages nach einer „Guck“ verlangte.

„Was für a‘ Guck?“

„A Papierguck - mit Henkel“

„So ebbes“.

Seine Wege führten ihn künftig in weite Tannenwälder, wo er eifrig Nadeln sammelte und in seiner Tüte barg. Dann streute er den Inhalt weitflächig um seinen Klemmerlingshaufen. Nicht einfach hinauf, nein, zwanzig, fünfzig Meter entfernt. „Die Kerle sollet au‘ was schaffa.“

Und er beobachtete mit sichtlichem Stolz das stete Wachstum von seinem „Haufen“.

Einmal sagte er zu mir: „Jongr, lass dir au‘ so a Guck geba, du musst‘ mir heut helfe.“

Dann gingen wir los - den Weg kennt ihr ja bereits. Am Hühnerstall fragte er mich:

„Siehsch‘ se?“

„Wen?“

„Do vorne, guck halt“

„Was, wen?“

„Ha do, die Glemmerleng!“

Himself! Was ist denn das wieder, hab ich bei mir gedacht, aber nichts gesagt.

„Ja ond?“

„Mir müsset heut‘ Tannennadeln fassen, dass die Kerle ebbes zum Schaffa hend‘“.

Grundgütiger! Ich glaube es ja nicht!

Wir sind dann weiter gegangen und mein Großvater hat erzählt, von diesem und jenem. So wie ich.

Dann auf verschwiegenem Steig wieder dem Hochberg zu.

„Jetzt halt, da hat‘s Tannennadeln, jetzt kannst du einfassen“.

„Aber lauter saubere, keine Stöckchen, pass auf.“

Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen und ich brummte in meinen Bart: „Was man da wieder tut, so ein Blödsinn.“

„Was isch?“

„Nex isch.“

„No isch‘ ja gut.“

Wieder zurück am Klemmerlingshaufen erhalte ich eine exakte Streuanweisung:

„Da hinten streue auch noch a‘ paar Hände voll“

„Weist, du hast mir helfen müssen, weil ich die nächsten zwei Tage keine Zeit habe.“

Ja glaubt man denn so etwas! Und seine Klemmerling schaffet prächtig. Fernab von einer Waldkante.

Der Großvater freut sich die nächsten Monate über das stete Wachstum des Ameisenhaufens, der dann mit der Zeit die stattliche Höhe von über einem halben Meter erreicht hat. Und der nun merklich Aufmerksamkeit auf sich zieht. Auch von Lausbuben, die ihn mit Stecken anbohren und verschmeißen

Mittlerweile wird es Herbst und Winter und wieder Frühjahr.

Bei allen Telefongesprächen gilt immer ein Teil dem Ameisenhaufen vom Opa. Und so auch die Frage an ihn: „Wie geht dir’s, was machen deine Amoisa?“

Bis er sich eines Tages meldet: „Se send älle do.“

Was interessieren da noch die Schicksale der Welt.

Aber es kann nicht ausbleiben, dass das Werk Irritationen schafft. Eines Tages sah er vier oder fünf Herren vor seinem Haufen stehen. Unter ihnen erkennt er den Schulmeister Wulz und erzählt:

„Die Herren reden, und gestikulieren über mein‘ Amoisahaufa nei. Dann schütteln sie die Köpf, ond sind mir entgegen gekommen. I han freundlich gegrüßt. Die Herren hend‘ den Hut glupfd ond sind weitergegangen. Dr Herr Wulz isch‘ no do g‘standa. Wie ich bei ihm war, winkt er mich her ond sagt: ‚Herr Eßlinger, jetzt gucket se‘ dees a!‘

‚Ja waas?‘, hab‘ ich gesagt.

‚Was ist das?“ Du, der hot mi g’frogt, wie en dr Schul.

‚Dees isch‘ ein Anmoisenhaufen‘, habe ich geantwortet.

‚Das sehe ich auch, schauen Sie sich den Haufen einmal genau an, was erkennen sie?‘ En mir had’s bombert“, sagt der Großvater und fängt an zu lachen...

‚Ich erkenne einen Anmoisenhaufen mit lauter Hoidamer Ameisen und einen Haufen mit Tannennaudla‘, habe ich ihm dann geantwortet.

‚Eben, eben, eben!‘ schnaubt der Herr Wulz: ‚Und wo, Eßlinger, wo ist eine Tanne?‘ ‚Ha da driebe am Wald‘, und habe auf den Hochberg hinübergedeutet.

‚Sehen sie! Und das ist eine absolute Absonderheit!‘, sagt er mit hochrotem Kopf.

‚Niemand hat je nachgewiesen, dass die ‚Formica sensu stricto‘, die gemeine Waldameise, ihr Baumaterial in solcher Fülle über dreihundert Meter hertransportiert! Und über eine Straße hinweg! Sie bauen nachweislich ihre Haufen, wo die Nadeln fallen.‘

Ha no’, hab’ ich g’sagt’ und ‘s Lachen verbissen.

‚Eßlinger, verstehen Sie?‘, sagt er immer noch ganz aufgeregt.

‚Ja, do ben e aber ganz aweg!‘

Ganz andächtig haben wir nun miteinander dieses anscheinende Weltwunder betrachtet.“

Der Herr Schullehrer Wulz wollte gleich heute in der Fachliteratur nachschlagen, bevor er einen Aufsatz verfasse.

Dann hat mir mein Großvater erzählt, dass ihn das nicht in Ruhe gelassen habe. Eines Tages habe er seine beste Flasche Trollinger aus dem Keller geholt und den Herrn Wulz besucht.

Da hat er dem Lehrer alles gestanden und erzählt, wie es beim Talhof genau zu dieser Entwicklung gekommen sei.

„Zuerst war der Herr Wulz ganz ruhig, wie versteinert sein Gesicht. ‚Eßlinger‘, hat er gesagt, ‚Eßlinger, das kostet was.‘

Ich habe ihm geantwortet, dass das kein Problem sei und die Flasche aus der Tasche hervorgeholt. Da ist der Herr Wulz in schallendes Gelächter ausgebrochen: ‚Eßlinger, so etwas, das kann nur ihnen einfallen. Und mein Aufsatz, der liegt Gott sei Dank noch auf meinem Schreibtisch‘.“

Vom alda Wünsch

Des Schloß von Hoirna ragt hoch auf iebr dr Schdad. Hellaschdoi hoist’s, auftürmt auf dem hella Kalkfelsa seit tausad Johr. Scho von weidem siehschd die mächtige Ecktürm ond dui Mauer. Wennd herkommschd. Vo älle Hemmlsrichtonga. Ond wers Glück ghed hat, do dromrom aufzwachsed, der sieht naus auf die Berg ond Dälr vo dr Alb, ond driebrnaus- ens Läba. Er sieht Wolka zieha ond Turmfalka schweba, die sich leicht vom Wend traga lassed, ond em Nordturm zo ihrem Horschd eischwinged. Ond ihre Jonge aufziagad, seit Menschagedenka.

Zo älle Zeita ond Johrhondrt hat’s ‚z Hoirna Leit gä, die ebbes gwä send, oder gar iebr sich nausgwachse send.

Am zwoiazwanzigschda Dezembr 1717 isch bei oos ‚a Buale gebora, von dem se schbätr gschrieba hend, dass es ehm beschieda gwä sei, en groaßa Keenig, ‚d Schdad Berlin, ond’s Land Preußen iebr a groaß Oglück nomm’zbrenga. ‚s isch a Schwob gwä, vo dr hoha Alb mit Attribut vrseha, die’d heitzutag bloß no beim VFB fendschd:

„Furchtlos ond Treu“.

Der Bua hat Johann Jakob Wünsch ghoissa ond war dr Sohn vom Hoidamr Kürschnr. Des Haus