Amboreg - Iris Hennemann - E-Book

Amboreg E-Book

Iris Hennemann

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Beschreibung

Unaktal wurde gestohlen! Alarmiert von dieser Nachricht, entsendet der Kampforden der Dunak tor Krieger in alle sieben Landesteile des Kontinents Abladur, um das magische Schwert zu suchen und zurückzubringen. Der Kampfmeister Godered und seine Mitstreiter werden als Händler getarnt ausgerechnet ins Reich der anmaßenden Gotonen gesandt, die sich für die wahren Herrscher des Kontinents halten und gefährliche Intrigen schmieden. Während sich die allzu unterschiedlichen Krieger bei jeder Gelegenheit streiten, sind ihnen Kämpfer eines finsteren Ordens auf den Fersen. Sollte es diesen gelingen, das Schwert in ihren Besitz zu bringen, könnte das den Untergang für ganz Abladur bedeuten. Band 1 der Fantasyreihe rund um die magische Rüstung Amboreg.

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Für meine Mutter

Inhalt

Prolog

Kapitel 1: Der Tempel des Lichts

Kapitel 2: Dunak tor Amboreg

Kapitel 3: Dunak tor Arusch

Kapitel 4: Laruell und Muriaten

Kapitel 5: Gotonien

Kapitel 6: Loguhn

Kapitel 7: Theuhelds Hegemonie

Kapitel 8: Liuwechs Hegemonie

Kapitel 9: Reccwech

Kapitel 10: Erwech

Kapitel 11: Frage des Gewissens

Wichtige Personen der Geschichte

Übersicht über die Völker und Organisationen

Übersicht: Die Ränge der Dunak tor und Priester

Karte Gotonien

Glossar

Das Jahr 252 n. A. A. (nach Ankunft der Ahloren)

Immer schwächer wurden die letzten Atemzüge. Warmes Blut rann über die Unebenheiten des Höhlenbodens und bildete einen Strom der Wehklage. Die Welt hätte erschaudern müssen, doch ihr war verborgen, was hier geschah.

Die bernsteinfarbenen Augen verschleierten sich, verloren den Glanz des Lebens. Ein letztes Zucken, dann war es vollbracht. Malanante, die mächtige Wächterin, war tot.

Ihr Bezwinger trat mit seinem schweren Stiefel verächtlich gegen die Riesenschlange, deren hellblaue Schuppen im Fackelschein metallisch glänzten. Tapfer hatte Malanante den Schatz verteidigt, und es war ihr sogar gelungen, einige Widersacher zu töten. Doch letztendlich war sie von Pfeilen durchbohrt und mit Schwertern und Äxten zerhackt worden.

Der Schlangenmörder kniete sich schwer atmend vor die goldene Truhe, legte das blutige Schwert zur Seite und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals, und er streckte die bebenden Hände nach der Beute aus. Ein banges Zögern befiel den Dieb, doch dann öffnete er die Truhe mit einem entschlossenen Ruck. Nun offenbarte sich ihm der Inhalt, der Blutpreis, das gut gehütete Geheimnis, das ihm des Nachts von einer betörenden Stimme ins Ohr geflüstert worden war: das Schwert Unaktal – der Todbringer.

Verlockend schimmerte der kostbare goldene Griff, und bunte Juwelen glitzerten verführerisch. Die Parierstange zeigte zwei einschüchternde, zähnefletschende Fratzen. Fast zärtlich fuhr der Schurke mit seinen Fingern über die Verzierungen.

»Ist das Schwert in der Truhe?«, fragte eine tiefe Stimme ungeduldig.

Der Dieb horchte auf, hatte für einen Moment die zwielichtigen Schergen vergessen, die ihm geholfen hatten, Malanante zu töten.

»Hat man uns die Wahrheit gesagt?«, wollte ein anderer Krieger wissen und hinkte auf ihn zu.

Ehrfurchtsvoll nahm der Dieb das Schwert an sich, und zog es aus der juwelenbesetzten Scheide. Unaktal fügte sich in seine kräftige Hand, als wäre die Waffe für ihn erschaffen worden. Dann zuckte er zusammen, als ein zorniges rotes Feuer in der Klinge erwachte. Der Dieb hörte in seinem Kopf ein gebieterisches Flüstern, das ihn zum Kampf drängte und Blut forderte. Das Flüstern wurde immer lauter, und fast war es so, als wäre eine nach Tod und Zerstörung lechzende Bestie in der Klinge eingeschlossen.

»Das wird sich zeigen!«, sagte der Schlangenmörder, ergriffen von Mordlust und dem Gefühl ungeheurer Macht, das ihn heiß durchflutete. Mit flinken Schritten war er bei den Männern und schwang das Schwert. Mit Leichtigkeit konnte er die gegnerischen Waffen hinwegfegen, schnitt Fleisch und Knochen. Schreie erfüllten das hohe Gewölbe, und fünf Körper stürzten zu Boden. Menschenblut mischte sich mit dem der Riesenschlange.

»Wie man sieht, hat man die Wahrheit gesagt!«, höhnte der Dieb. Seine Stimme war frostig wie ein Wintermorgen. Hämisch lächelnd stieg er über die Toten hinweg und verließ die Höhle.

So wurde Unaktal in die Welt hinausgetragen, um weiteres Blut zu trinken …

Lanna

»Hör bitte mit dem Gezappel auf!« Verärgert schaute die hochgewachsene, hübsche Lanna zur wesentlich kleineren Ri hinab.

»Es tut mir leid, aber ich bin doch schon so gespannt, wie die Halle des Lichts aussieht. Und ich wette, du bist es auch. Schließlich dürfen wir beide gleich das größte Mysterium des Kontinents Abladur sehen«, entgegnete Ri der Rogarländerin mit leuchtenden Augen.

Die fünfzehnjährigen Priesterschülerinnen befanden sich in einem unterirdischen, von weißen Kristalllampen erhellten Gang und warteten darauf, dass das kunstvolle Portal geöffnet wurde.

»Natürlich bin ich nervös …«

»Ha, wusste ich es doch!« Ri kicherte. »Es ist eine große Ehre, geradezu eine Auszeichnung. Hast du gesehen, wie die anderen Mädchen vor Neid erblasst sind, als unsere Namen genannt wurden? Es war so herrlich, die dummen Gesichter der eingebildeten Gänse zu sehen!« Die Hautfarbe der Ostiedin schimmerte wie ein goldbraun gebackener Keks, und ihr seidiges schwarzes Haar fiel ihr lang über die schmalen Schultern. Voller Vorfreude funkelten ihre winzigen dunklen Augen. Ris lange Nase stach wie ein Krummsäbel hervor, und ihr Gebiss glich dem eines Erdnagers. »Wer hätte je gedacht, dass ich das erleben darf! Ich bin wirklich dankbar, dass mein Vater dafür gesorgt hat, dass ich im Tempel des Lichts aufgenommen wurde. In Ostiedien wäre ich nach Sal-run verbannt worden. Habe ich dir schon von dieser furchtbaren Insel erzählt? Dorthin werden alle Mädchen und Frauen gebracht, die als hässlich gelten … geradeso, als ob wir Aussätzige wären.« Sie verzog den Mund. »Aber auch die schönsten Frauen haben es nicht wirklich gut. Sie werden zur Insel Ti-kadur verschleppt, und dort versteigert man sie an die alten Geldsäcke. Das ist einfach schrecklich, ich …«

»Ri! Bitte!«, unterbrach Lanna und ordnete flüchtig ihre vier geflochtenen hellblonden Zöpfe. »Das hast du mir schon oft erzählt. Ich würde jetzt gern andächtig schweigen.« Sie fühlte, dass ihr ansonsten bleiches Gesicht vor Aufregung glühte.

»Du weißt doch: Wenn ich nervös bin, plappere ich immer. Ich kann nichts dafür und habe eben nicht so ein kühles Temperament wie ihr Rogarländer. Den Namen deiner Heimatinsel finde ich übrigens sehr lustig: Karg! Wie sich das anhört: Karrrrrg …«

»Ri!« Lanna verdrehte ihre kobaltblauen Augen. Sie mochte Ri wirklich gern, aber manchmal war die Ostiedin ziemlich anstrengend.

»Entschuldigung!« Ri presste die Lippen aufeinander. Ständig zerrte sie an ihrer Kleidung herum, die sie für den heutigen Dienst bekommen hatte: eine eng anliegende Hose, hohe Stiefel und ein langärmeliges Oberteil. Der silberne Stoff schillerte in allen Farben des Regenbogens und konnte angeblich sogar Feuer standhalten. »Endlich!« Ri machte einen kleinen Hüpfer.

Ein Flügel des Portals wurde geöffnet, und ein Ahlore trat heraus. Er war wie sie gekleidet. Sein Priesterrang war lediglich an seinem auffälligen goldenen Kettenanhänger zu erkennen, in dem ein Rubin und in einem weiteren Element ein Saphir gefasst waren. Demnach war dieser Ahlore ein Rotblau, besaß den fünften von sieben möglichen Weihegraden.

Unbewusst trat Lanna einen Schritt zurück, denn die Ahloren waren keine Menschen und ihr unheimlich. Sie waren bei Weitem das auffälligste Volk auf dem Kontinent Abladur. Sie hatten ein ovales, vornehmes Gesicht, hohe Wangenknochen und ein spitzes Kinn. Die schmalen Lippen verliehen diesen Wesen eine gewisse Arroganz. Ihre leicht schräg gestellten violetten Augen wirkten befremdlich, zumal sie oft misstrauisch dreinblickten. Das Haar war schwärzer als eine mondlose Nacht, und die Ahloren schnitten es in drei Stufen, an deren Enden jeweils kleine goldene Perlen hingen. Die Ahloren waren durchweg rank und graziös, und ihre Haut schimmerte violett. Überragende körperliche Kräfte besaßen sie zwar nicht, aber ihre enorme Behändigkeit und ihr überlegenes Wissen schüchterten die anderen sechs Völker Abladurs ein. Man liebte die Ahloren nicht – und Lanna tat es auch nicht.

Ihr Vater Itric hatte seine Kinder bei jeder Gelegenheit vor den Ahloren gewarnt. Oft hatte er über dieses Volk geschimpft, während er im Haus um das wärmende Feuer herum gehumpelt war. Sie erinnerte sich noch ziemlich gut an eine seiner Reden: »Das sind doch alles Scharlatane! Woher sind die Schiefaugen überhaupt gekommen? Unsere Seefahrer haben jedenfalls noch kein Land jenseits der Meere entdeckt. Diese Algenfresser kamen aus dem Nichts und haben sich einfach im ehemaligen Armugadenreich angesiedelt und die dort vorherrschenden Gotonen vertrieben oder unterjocht. Nun ja, die machtgierigen Gotonen, die bisherigen Besatzer dieses Landes, haben solch eine Behandlung zweifellos verdient, aber ich bin mir sicher, dass die Ahloren gefährlich sind! Zum Schein spielen sie sich als edle Wohltäter auf. Ein perfider Trug, ganz bestimmt! Manche Menschen haben die alten Geschichten bereits vergessen, in denen erzählt wird, dass sich die Schiefaugen bei ihrer Ankunft wie Despoten aufführten. Sie haben unsere Währungen ersetzt, uns ihre Zeitrechnung, ihre Maße und sogar die Sprache aufgezwungen! Angeblich haben sie es getan, um uns zu einen, aber ich behaupte, dass sie es getan haben, um uns besser kontrollieren zu können. Und ist es nicht seltsam, dass sie alle Schriften, die weiter als das Jahr 525 v. A. A. zurückreichen, vernichtet haben? Ich würde mein bei der Robbenjagd verletztes Bein verwetten, dass sie ein finsteres Geheimnis hüten!«

Lanna wischte diese Erinnerungen fort, damit sie den jung wirkenden Priester namens Efranell nicht argwöhnisch musterte. Sein Alter war schwer zu schätzen, da sich die Ahloren ab dem fünfundzwanzigsten Lebensjahr kaum merklich veränderten. Doch waren sie fünfzig Jahre alt, runzelten sie wie ein Apfel in der Sommersonne und starben bald.

»Ri, Lanna, seid ihr bereit, die Halle des Lichts zu betreten?«

Beide Mädchen nickten.

»Kommt und schaut! In der Halle wird euch die Liebe des Weltenschöpfers und zugleich unsere eigene Endlichkeit vor Augen geführt«, verkündete der Ahlore feierlich und trat beiseite.

Ri huschte am Priester vorbei, und augenblicklich entfleuchte ihr ein staunendes »Ooooh!«

Zögernd folgte Lanna der Ostiedin und zuckte leicht zusammen, als der Priester das Portal hinter ihnen schloss. Das dröhnende Geräusch war einschüchternd.

»Hier seht ihr das größte Heiligtum Abladurs!«, ließ Efranell ehrfurchtsvoll verlauten.

Lanna war zutiefst beeindruckt. Die Höhle hatte enorme Ausmaße, bohrte sich tunnelartig in die Erde, und ein Ende war nicht zu erkennen. Die bizarren Felsformationen schimmerten an einigen Stellen durchsichtig wie Glas. Hohe Ziersäulen aus goldglitzerndem Gestein waren stumme Bewacher, einer Ehrengarde gleich. Auf dem Höhlenboden waren brennende Kerzen aufgereiht. Millionen von Kerzen.

Ris Blick schwirrte begeistert umher. »Das ist alles so unglaublich schön! Darf ich fragen, ob es stimmt, was man sich so erzählt?«, wollte sie vom Priester wissen.

»Und was erzählt man sich?« Der Ahlore winkte sie voran.

Ri zögerte, doch dann platzte sie heraus: »Ich hörte, dass hier für jeden Bewohner des Kontinents Abladur eine Kerze brennt.«

»Ja, das ist wahr. Ein Licht für jedes Leben«, bestätigte der Priester und führte sie einen breiten Gang am Rande der Kerzenfelder entlang.

»Wo ist denn meine Kerze?« Neugierig reckte Ri den Hals.

»Diese Frage kann ich dir leider nicht beantworten.« Väterlich lächelte Efranell. »Diese Kenntnis hat allein der Weltenschöpfer.«

»Noch nicht einmal die Rotrot-Priester wissen das?« Staunend kratzte Ri sich die Stirn.

»Nein, und es ist auch gut so, denn solch ein Wissen würde zu viel Macht und Gefahren in sich bergen.«

Sie gingen näher an die Kerzen heran, und Lanna zog ihre Augenbrauen fragend zusammen. »Wie kann es sein, dass einige Flammen vollkommen ruhig brennen, während andere direkt daneben friedlos züngeln? Hier weht doch gar kein Wind.«

Efranell hob sein Kinn ein wenig an. »Die Flammen werden nicht durch einen Luftzug bewegt, sondern durch den göttlichen Hauch. Ein stilles Licht bedeutet, dass der Mensch oder Ahlore gesund und wohlauf ist, während ein flackerndes besagt, dass er sich in Gefahr befindet oder mit dem Tode ringt. Manche Lichter beruhigen sich wieder, andere verlöschen für immer.«

»Wenn eine Flamme erlischt, ist dann jemand gestorben?« Ri fasste sich voller Unbehagen an den Hals.

»So ist es«, bestätigte der Ahlore mit gedämpfter Stimme.

Lanna erschauderte, als sich eine soeben entzündete Kerze verdunkelte. »Ist da gerade ein Neugeborenes gestorben?«

»Leider. Das Leben erscheint uns oft grausam und ungerecht, doch es unterliegt alles einem göttlichen Plan. Diese Halle ist ein Geschenk an uns, hier erkennen wir unsere eigene Hilflosigkeit und Endlichkeit. Wir sind nicht mehr als das Licht einer Kerze. Wir leuchten nur für einen kurzen Augenblick – nicht mehr als ein Wimpernschlag – in der Unendlichkeit des Seins. Es liegt an uns, die uns gegebene Zeit sinnvoll zu nutzen und nicht mit unwichtigen, eigennützigen oder gar widrigen Dingen zu verschwenden.« Der Ahlore führte sie zu einem Stapel goldener Körbe und überreichte ihnen jeweils einen. »Eure Aufgabe wird es sein, erloschene Kerzen einzusammeln. Priester werden anschließend neue Kerzen aufstellen, damit stets ein neues Licht entbrennen kann …«

»Wenn eine Kerze nicht rechtzeitig aufgestellt wird, kann dann ein Kind nicht geboren werden?«, unterbrach Ri den Ahloren. Sie spielte nervös mit dem Griff des kunstvoll geflochtenen Korbes.

Der Priester geleitete sie zur ersten Reihe. Obwohl von den Flammen Hitze aufstieg, war die Kälte der Höhle deutlich spürbar. »Der Weltenschöpfer wird sich nicht davon aufhalten lassen, denn die Kerzen symbolisieren lediglich unser aller Leben. Behandelt sie respektvoll und werdet nicht hektisch, wenn sich mehrere gleichzeitig verdunkeln. Gebt zudem acht, dass ihr euch nicht an den Flammen verbrennt.«

»Zum Glück haben wir ja diese schöne Kleidung. – Aber was ist, wenn wir versehentlich Flammen löschen?« Ri wirkte verunsichert.

Milde lächelte der Ahlore. »Es ist ein magisches Feuer, dem ihr nichts anhaben könnt. Ist der Korb voll, bringt ihr ihn durch diesen Gang in die Tiegelhalle. Die Priester, die sich dort befinden, werden die Reste einschmelzen. So, und nun beginnt. Ich werde nach einiger Zeit wieder zu euch kommen und schauen, wie ihr euch bewährt.« Er wies den Mädchen ihre Reihen zu und entfernte sich danach mit würdevollen Schritten.

Eingeschüchtert blickte sich Lanna in der Halle um. Hunderte von Priestern – Angehörige aller sieben Völkerschaften Abladurs – ernteten Kerzen oder stellten neue auf.

»Nun dann …«, sprach sich Lanna Mut zu und umschloss vorsichtig mit der Hand eine erloschene Kerze. Sie war noch fest mit dem Felsen verbunden, doch plötzlich wurde sie wie von Geisterhand freigegeben, und die Rogarländerin konnte sie in den Korb legen. In ein goldenes Grab. Ein Frösteln überkam Lanna. Die Kerze war erst zur Hälfte heruntergebrannt. Vielleicht war ein Krieger in einem Kampf gefallen oder ein Fischer ertrunken.

»Lanna.« Ihr Name wurde geflüstert, doch bald darauf erklang es ein wenig lauter: »Lannaaa!«

Die Angesprochene drehte sich zu Ri um, die sich um die Reihen hinter ihr kümmerte.

»Schau dir mal diesen grässlichen Barkländer an.« Mit einer Kopfbewegung wies die Ostiedin auf einen Priester mit feuerrotem Haar und rötlich getönter Haut. Der Barkländer gehörte der Horde der Bastiden an, das erkannte Lanna sofort an der blauen Tätowierung auf seiner rechten Gesichtshälfte. Die Angehörigen der rivalisierenden Horde – die Karstiden – verzierten sich hingegen die linke Gesichtshälfte. Im Gegensatz zu Ri fand Lanna die stattlichen Barkländer, die sogar noch die Rogarländer an Körpergröße übertrafen, überaus attraktiv. Allerdings hatte dieses Volk den Ruf, unerträglich eitel, streitsüchtig und prahlerisch zu sein.

Abermals erlosch eine Kerze, und daneben entflammte eine andere. Geburt und Tod lagen dicht beieinander. Ein Leben war so zart, schützenswert und flüchtig. Und dennoch hatten die Menschen nichts Besseres zu tun, als sich gegenseitig willentlich Leid zuzufügen. Lanna gruselte es bei dem Gedanken, dass sich nach einer Schlacht vielleicht Tausende von Kerzen verdunkelten. Warum nur konnten Menschen keinen Frieden halten?

Als sie Getuschel hörte, wandte sie sich zu Ri um. Die Ostiedin hatte damit begonnen, mit den Lichtern zu reden, spendete unruhigen Flammen Trost und freute sich wie ein kleines Kind, wenn sich eine Kerze entzündete.

Recht bald war Lannas Korb voll. Sie verließ die Reihe und schritt durch den schmalen Gang, der ihr gezeigt worden war. Dort war das Gestein stellenweise klar wie Eis und brach in herrlichem Farbenspiel das Licht der Kristalllampen. Lanna erreichte eine tiefer gelegene Höhle, die weit geringere Ausmaße als die Halle des Lichts aufwies. Hier stand der Seelentiegel, ein riesiger Kessel, der fast vollständig in die Erde eingegraben war.

Ein rogarländischer Rotorange-Priester namens Ricwic, mit dem sich Lanna in den weitläufigen Gärten der Tempelanlage oft unterhielt, wenn sie unter Heimweh litt, wandte sich ihr zu. Er trug die Haare, wie es einem Mann ihres Volkes gebührte, zu drei langen Zöpfen geflochten, und ein kurz gestutzter Bart zierte sein Gesicht.

Mit einem freundlichen Nicken begrüßte er sie. »Willkommen, Lanna! Ich freue mich, dass du Zugang zu den Höhlen der Wunder erhalten hast.« Er nahm ihren Korb entgegen und ließ die Stummel in den Tiegel gleiten. Das flüssige Wachs darin war durchsichtig und ließ den goldenen Grund des Kessels erkennen. »Wenn die Kerzen schmelzen, bezeugt dies die friedvolle Einheit des Seins.«

Lanna zog den Kopf ein wenig zwischen die Schultern. »Ist es vermessen oder gar blasphemisch, wenn ich frage, wie der Kessel erhitzt wird?«

Ein wenig amüsiert lächelte Ricwic. »Nein, natürlich nicht. Unter dem Kessel befindet sich eine heiße Quelle.«

Neugierig umrundete Lanna den tiefen Tiegel, der bis zur Höhe ihrer Hüften aus der Erde herausragte.

»Möchtest du noch etwas wissen?«, fragte Ricwic.

»Ja, allerdings. Ich vernahm das Gerücht, dass sich zum Andenken an jeden Verstorbenen eine Perle löst und in eine weitere Höhle fällt. Gibt es eine solche Perlenhalle?«

Vielsagend lächelte Ricwic und entblößte dabei einen schiefen Schneidezahn. »Es wird viel geredet.«

Diese Antwort enttäuschte Lanna. Ihr drängte sich aber noch eine weitere Frage auf: »Wie kann es sein, dass das Wachs niemals zur Neige geht? Teilweise werden doch nur kleine Reste hineingeworfen. Wie können daraus immer wieder neue Kerzen entstehen?«

»Das ist ein Teil des großen Mysteriums«, ließ sich Ricwic vernehmen. »Dieses Wunder wird wohl niemand jemals ergründen können, auch wir Priester nicht. Wenn du möchtest, Lanna, kannst du mich morgen in meinem Quartier besuchen. Ich habe Moosplätzchen aus der Heimat bekommen, und ich weiß, wie gern du die isst. Vielleicht trösten sie dich ein wenig. Mir ist nicht entgangen, dass du manchmal immer noch sehr traurig bist. Ich hoffe, du bist deinem Vater nicht böse, weil er bestimmt hat, dass du dein Leben im Tempel verbringen sollst.«

Energisch, vielleicht zu energisch winkte Lanna ab. »Nein, natürlich nicht. Er wollte seiner Dankbarkeit Ausdruck verleihen, dass ihm nach sechs Töchtern endlich der ersehnte Sohn geboren wurde. Und es ist schließlich eine große Ehre, dem Gründer zu dienen.« Das versuchte sie sich jedenfalls einzureden, um nicht zu verzweifeln. In Wahrheit vermisste sie schmerzlich ihre Familie, die karge, raue Landschaft ihrer Heimat und das tosende Meer. Oftmals fühlte sie sich im Tempel geradezu eingesperrt. »Gern werde ich kommen und von den Moosplätzchen kosten.«

Er lächelte ihr aufmunternd zu. »Du solltest jetzt lieber wieder gehen, ehe du noch Ärger bekommst.«

Lanna ergriff ihren leeren Korb und eilte davon. Als sie die Haupthöhle wieder betrat, bemerkte sie in einer kleinen Nische blankes Metall. Neugierig blieb Lanna stehen. An der Felswand hing ein mannshohes goldenes Symbol. Es ähnelte einer edlen Blüte und war mit leuchtenden Edelsteinen – teilweise groß wie Kohlköpfe – verziert. Lanna sah Nyrite, Citrine, Smaragde, Saphire, Amethyste und Rubine. Die Mitte bildete ein facettierter Diamant. Bis auf den Diamanten waren diese Steine in der Hierachieebene der Priester und der Dunak tor zu finden.

Oh, die Dunak tor … Allein bei diesem Namen geriet Lanna ins Schwärmen. Ab und zu konnte sie einige dieser Krieger sehen, wenn sie zum Tempel kamen, um zu beten oder mit den Priestern zu reden. Jedoch ritten zumeist die Geistlichen zur Kampfschule. Man wollte möglichst keine Dunak tor im Heiligtum haben, vielleicht um zu verhindern, dass sich die Priesterschülerinnen in die Kämpfer verliebten … Denn stattlich waren sie allemal, die Krieger des Lichts. Sie trugen einheitliche Kleidung, die allerdings je nach Einsatzgebiet farblich variieren konnte. Ihr Rang war lediglich am Ohrring zu erkennen: Ein einziger Edelstein deutete auf einen Schülerrang hin, pendelte darunter noch ein weiterer Edelstein, handelte es sich um einen Meister. Jede Hierarchiestufe hatte eine eigene Farbe, angefangen bei weiß ganz unten, dann folgten orange, gelb, grün, blau, violett und schließlich rot. So wie Lanna gehört hatte, übten sich die Dunak tor täglich in den Waffen und sollten gefürchtete, aber dennoch ehrbare Kämpfer sein.

Lanna stockte der Atem. Der übergroße Diamant verfärbte sich plötzlich vor ihren Augen, und eine rote Flüssigkeit quoll aus ihm hervor. War das Blut? Wie war das nur möglich? Von Angst ergriffen, schaute sie sich hilfesuchend um, ihr Herz hämmerte gegen ihre Rippen. Das Blut bahnte sich einen Weg über das Metall und tropfte hinab.

Unweit von Lanna entfernt stand ein alter Priester. Sie wollte ihn rufen, doch ihre Kehle war wie zugeschnürt, und sie brachte keinen Ton heraus. Schließlich schlug sie sich auf die Brust, räusperte sich und rief: »Hiiiilfe!«

Der Alte wandte sich überrascht zu ihr um. Unfähig zu sprechen, wies Lanna mit ausgestrecktem Arm auf das Zeichen an der Felswand.

Verärgert zog der Priester die Brauen zusammen, fühlte sich wohl von ihr genarrt. Aber als er zu ihr kam, weiteten sich seine Augen. »Welch ein Unglück!«, stieß er entsetzt hervor und lief davon, so schnell es ihm seine morschen Knochen erlaubten.

Lannas Hände zitterten. Ganz gewiss hatte das Bluten etwas Schlimmes zu bedeuten. Aber was nur?

Brinok

»Schau dir nur diese erbärmlichen Versager an! Sie sind nicht einmal in der Lage, das Ziel zu treffen. Aber was will man schon von Karstiden erwarten?«, lästerte der vierundzwanzigjährige, hünenhafte Brinok und wischte sich eine hellblonde Haarsträhne aus seiner Stirn. Seine wasserhellen Augen leuchteten angriffslustig, während er einen jungen Karstiden beobachtete.

Verunsichert warf der Verspottete abermals einen Speer auf die Zielscheibe, die auf einem der zahlreichen Übungsplätze der Dunak tor-Hauptkampfschule, der Nurr Schiandell, stand.

»Uuuh, noch weiter daneben! Das kann selbst unsere Urma besser, nicht wahr, Braduhn?«, höhnte Brinok und stieß übermütig seinen Bruder mit dem Ellenbogen an.

»Gewiss, viel besser. Ich denke, es wird genügen, wenn wir Bastiden zukünftig unsere Urmas gegen die Karstiden kämpfen lassen. Die Kerle werden sich vor Angst in die Hose scheißen, die Flucht ergreifen und sich bei ihren Weibern ausheulen«, witzelte Braduhn. Er ähnelte Brinok, war vier Jahre jünger, ein wenig kleiner und nicht ganz so hübsch.

Als Brinok die erzürnten Gesichter der Karstiden sah, grinste er überheblich. Selbstbewusst stemmte er die Hände in die Hüften, dabei sprengten seine Muskeln fast sein Hemd. In seinem goldenen Ohrring war ein Saphir gefasst, der den Schülergrad Blau bezeugte, obwohl er von seinen Kampfleistungen her einem Meister ebenbürtig war. »Das war ja auch wieder grauenhaft!«, kommentierte er einen weiteren Wurf. Er liebte es, die Männer der gegnerischen Horde zu demütigen, und hoffte stets auf eine Prügelei.

Die vier Karstiden, in deren Ohrschmuck grüne Edelsteine blinkten, walzten auf die beiden Bastiden zu.

Der Größte von ihnen baute sich vor Brinok auf. »Was willst du von uns, du verdammter Bastide? Streit? Du weißt ganz genau, dass wir in der Kampfschule den Frieden wahren sollen!« Er stellte ein spöttisches Grinsen zur Schau. »Aber du hältst dich ohnehin an keine Regeln, nicht wahr? Ich habe von deinen Heldentaten gehört, o ja!« Der Karstide wandte sich seinen Freunden zu. »Dieser aufgeblasene Felsschreier hier wurde schon mehrmals verwarnt. Er kann keinen einzigen Auftrag vernünftig zu Ende bringen, macht überall nur Ärger. Er kann nämlich nur überhebliche Reden schwingen, sonst kann er nichts, rein gar nichts!«

Brinoks spöttisches Lächeln war Zorn gewichen. Am liebsten hätte er sich augenblicklich auf den Karstiden gestürzt und ihm seine Faust ins Gesicht geschmettert. Stattdessen entriss er ihm die Waffe und schleuderte diese kraftvoll auf die Zielscheibe. Donnernd schlug der Speer in der Mitte ein, und von der Wucht wurde der Ständer umgerissen.

Die Karstiden erblassten.

Selbstzufrieden lachte Brinok. »So, ihr kraftlosen Säcke, jetzt wisst ihr auch, warum Addair der Edle euren Eneirin den Schändlichen gefangen nehmen konnte: Ihr seid uns nämlich schon immer unterlegen gewesen.«

Einer der Karstiden trat näher an ihn heran. »Es ist mir unverständlich, wie ihr Addair verehren könnt! Er hat Eneirin in eine Falle gelockt! Aber das passt zu euch: Ihr Bastiden besitzt allesamt keine Ehre!«

Ein empörter Laut entwich Brinok. »Addair schwang sein Schwert Rachtan wie kein anderer! Doch Eneirin hat ihn hinterrücks ermordet. Ich spucke auf euren verfluchten Eneirin.« Kaum hatte Brinok die Worte ausgesprochen, da spie er bereits auf den Boden und lauerte auf die Reaktionen der anderen.

Die leicht kupferfarbene Haut der Karstiden tönte sich zinnoberrot vor Wut.

Brinok gefiel ihr glühender Zorn. Er schwellte seine Brust und reckte das Kinn empor, wirkte somit noch viel größer, als er ohnehin schon war. »Und als Addairs Nachfolger Bawen Vergeltung forderte, wurde er von gedungenen, ehrlosen Karstiden umgebracht.«

»Das ist eine Unverschämtheit! Ihr dämlichen Bastiden verdreht die geschichtlichen Ereignisse, wie es euch gefällt, weil ihr keine wirklichen Heroen habt! Ich wünschte, wir hätten zu Zeiten Kierihns gelebt, dann hätte ich dich, Brinok, höchstpersönlich wie einen Berghasen gejagt und dir das Fell über die Ohren gezogen.«

»Kierihn – ein Held? Er ist dem Wahnsinn verfallen und elendig zugrunde gegangen. In Wahrheit seid ihr Karstiden diejenigen, die keinen einzigen Helden, sondern lediglich ruhmlose Gestalten aufweisen können. Wir Bastiden waren euch schon immer überlegen. Eure Horde besteht ausnahmslos aus jämmerlichen Witzfiguren. Schaut euch doch selbst an!« Brinok lachte höhnisch, noch immer auf eine Schlägerei hoffend.

Gleich darauf warfen sie sich gegenseitig derbe Beleidigungen an den Kopf und begannen, sich anzurempeln und zu stoßen.

»Das ist wieder typisch für die Barkländer: Sie zanken sich wegen irgendwelcher Maulhelden längst vergangener Tage. Es ist kein Wunder, dass sie es zu nichts bringen. Sie vergeuden ihre Tatkraft damit, sich gegenseitig zu zerfleischen«, lästerte ein Motavier mit kurzen hellbraunen Haaren namens Teraal. Sein bartloses Gesicht hatte eine kleine spitze Nase und volle Lippen. Wie so oft waren seine Augen abschätzig zu schmalen Schlitzen zusammengezogen.

Erzürnt wandte sich Brinok den sechs Motaviern zu, die durch den Streit wie Aasvögel angelockt worden waren. Zwar trugen sie alle die schwarze Lederkleidung der Dunak tor – ein langärmeliges Hemd, Stiefel und eine Hose mit violett schimmernden Einsätzen – doch die Gräben zwischen den Völkern waren so tief, dass die Tracht allein nicht genügte, um die Kämpfer zusammenzuschweißen. Manche Krieger benötigten Jahre, um ihre Abneigung und ihre Vorurteile zu überwinden, andere schafften es nie. Allerdings sorgten die gemeinsamen Kampfeinsätze dafür, sie enger aneinander zu binden. Selbst Brinok hatte das bereits erfahren. »Hat sich da gerade eine Felslaus zu Wort gemeldet?«, zischte er und richtete seinen Zorn nun gegen die Motavier.

Teraal, der wesentlich kleiner als der Bastide war, zeigte sich keineswegs eingeschüchtert. »Es ist doch allgemein bekannt, dass die Barkländer barbarisch und grobschlächtig sind.«

»Du wagst es, die Barkländer zu beleidigen?« Ein Karstide trat einen Schritt vor.

Unbeeindruckt zuckte Teraal mit den Achseln und stellte eine überhebliche Miene zur Schau. »Hier, meine motavischen Freunde, könnt ihr das archaische, halsstarrige Verhalten der Barkländer gut studieren. Sie gebaren sich wie in grauer Vorzeit, als sie wegen Gold oder irgendwelcher schwarzer Schweine Krieg geführt haben. Die Motive für ihre gewalttätigen Auseinandersetzungen sind dabei stets der niedersten Art: Eitelkeit, Gier, Neid und brutale Kampfeslust. Die trinkfreudigen Barkländer beleidigen und bekämpfen sich gegenseitig, aber sobald sie eine Beute oder gemeinsame Feinde wittern, rotten sie sich wie Wölfe zusammen, um diese zu erlegen.«

Unbändige Wut stieg in Brinok empor, und er bleckte die weißen Zähne. »Ihr dämlichen Motavier! Auf was bildet ihr euch eigentlich etwas ein? Kein anderes Volk in Abladur hat später mit der Geschichtsschreibung begonnen als ihr. Teraal, tu nicht so, als ob sich eure fünf Stämme lieben würden. Ihr Motavier seid ein seltsames Pack! Lediglich eure Soldaten dürfen Waffen tragen. Ihr habt eure Grenzen verrammelt und sie mit seltsamen Waffen bestückt, die angeblich halb Abladur auslöschen können. Kein Schwein weiß, was ihr in eurem Land so treibt. Angeblich soll eure Musik nur noch aus misstönenden Lauten bestehen, und eure Gedichte sollen sinnlos aneinandergereihte Wörter sein. Ihr seid derart absonderlich, dass ihr einen Rülpser nicht von eurer Musik unterscheiden könnt!«

Beipflichtend johlten die anderen Barkländer.

Braduhn trat einen Schritt vor. »Vom Kämpfen habt ihr auch keine Ahnung. Du bist ja das beste Beispiel, Teraal! Du bist fünf Jahre älter als ich und wesentlich länger hier – ganze neun Jahre! Ich hörte, dass du bei deiner Ankunft über keinerlei Waffenkenntnisse verfügt hast. Und zu was hast du es in all den Jahren gebracht? Grün – der vierte Schülergrad! So wie ich! Das ist in dieser langen Zeit ja wohl ein Witz! Zu mehr wirst du schmächtiges Bürschlein es ohnehin nicht bringen!«, spottete er und spannte seinen Körper, als ob er einen Schlag erwartete.

Doch Teraal verzog nur abfällig, fast gelangweilt, den Mund. »Barkländer! Sie versuchen, ihre fehlende Bildung und Intelligenz mit primitiver Angriffslust zu überspielen. Sie sind in der Tat einem Rudel Wölfe nicht unähnlich. Allerdings frage ich mich, ob sie die Zähne nur fletschen oder auch beißen.«

»Sie beißen!«, schnappte Brinok. Wütend sprang er auf Teraal zu, riss ihn zu Boden und schlug auf ihn ein.

Augenblicklich griffen die restlichen Motavier ihn an, doch die Barkländer warfen sich ihnen entgegen, und es kam zu einem handfesten Gerangel.

Rasch zog die Prügelei die Aufmerksamkeit der Kampfmeister auf sich, und alsbald ertönte ein gestrenges »Aufhören!«

Als die Schüler nicht gehorchten, ergriffen die Meister ihre Ruten und prügelten auf die Unfolgsamen ein, um sie voneinander zu trennen. Endlich ließen die Streithähne voneinander ab. Sie klopften sich den Staub von der Kleidung und wischten sich das Blut aus dem Gesicht. Brinoks Rücken schmerzte an den Stellen, wo die Ruten ihn getroffen hatten. Er schenkte einem Motavier ein schadenfrohes Grinsen, der sich einen ausgeschlagenen Schneidezahn aus dem Mund fischte.

Ein älterer Rotviolett mit dünnen grauen Zöpfen, kurzem Bart und faltigem Gesicht baute sich vor Brinok auf und schüttelte verständnislos den Kopf. »Du schon wieder! Sieh dich vor! Bedenke, warum du hier bist!« Dann wandte sich der Rogarländer den anderen Raufbolden zu und ließ seinen enttäuschten, brennenden Blick über sie wandern. »Ihr solltet euch schämen! Ihr alle! Ihr führt euch auf wie kleine Jungs, die sich um eine Murmel streiten. Schande, Schande, Schande! Ihr seid Dunak tor, die Beschützer des Tempels des Lichts! Wie viele Jahre benötigt ihr denn noch, um zu begreifen, dass die Differenzen zwischen den Völkern in den Kampfschulen belanglos sind? Wir sind Krieger des Lichts – mutig, unerschrocken, gehorsam und vor allen Dingen demütig! In euren Unterlagen wird ein satter Tadel vermerkt! Bessert euch und überdenkt euer Verhalten, sonst rückt euer Ziel, ein Dunak tor-Meister zu werden, in unerreichbare Ferne …«

Ein Horn erschallte, und der Rogarländer wandte sich irritiert um.

Ein Reiter preschte durch das weit geöffnete gewaltige Metalltor. Vor dem Haupthaus der Nurr Schiandell zügelte er sein Pferd so heftig, dass es sich aufbäumte. Der Mann sprang aus dem Sattel und stürmte ins mehrstöckige Gebäude, das den Mittelpunkt der Kampfschule bildete.

Der Rotviolett-Meister ließ die Kontrahenten ohne weitere Beachtung stehen und eilte dem Reiter hinterher.

»Was ist denn jetzt passiert?«, Braduhn massierte sich seine lädierten Handknöchel.

»Es ist in der Tat merkwürdig«, meinte Teraal und wischte sich immerzu Blut von seiner aufgeplatzten Unterlippe.

Der Streit war momentan vergessen. Von der Neugier getrieben, zog es sie zum weitläufigen Haupthaus. Auch viele andere Krieger beendeten ihre Übungen. Brinok ahnte, dass etwas Bedeutendes vorgefallen war.

Scholell

Scholell saß auf einer breiten, hölzernen Fensterbank in seinem Zimmer, das sich im dritten Stock des Haupthauses der Dunak tor-Kampfschule befand. Unruhig spielte er mit den goldenen Metallperlen in seinem Haar. Wie Amethyste leuchteten seine Augen, die auf die bewaldeten Hügel am Horizont gerichtet waren. Friedlich zogen weiße Wolken über die Erhebungen hinweg und täuschten Gelassenheit und immerwährenden Frieden vor.

Scholell nahm seinen Dunak tor-Ohrring heraus und betrachtete ihn. Der obere Teil des Schmuckes, in dem ein großer Rubin eingelassen war, erinnerte an den Kopf einer Axt. Darunter pendelte ein weiteres Element, das ausschließlich die Meister besaßen. Es ähnelte dem oberen, jedoch zeigte eine geschwungene Spitze nach unten. In diesem Teilstück war ein orangefarbener Nyrit gefasst, der bekundete, dass Scholell bisher den zweiten Meistergrad erreicht hatte. Bisher. Er war noch jung, erst zwanzig Jahre alt. Noch weitere fünf Jahre würde er altern und sich dann in den folgenden fünfundzwanzig Jahren kaum verändern, weder Falten bekommen noch an körperlicher Stärke oder Behändigkeit einbüßen. In dieser Zeit würde er es sicherlich schaffen, ein Rotrot zu werden. Vorgenommen hatte er es sich jedenfalls. Scholell betrachtete das feurige Leuchten der Juwelen im Sonnenlicht und verlor sich ein wenig darin. Nach einiger Zeit legte er den Schmuck wieder an und berührte flüchtig sein rechtes Ohrläppchen. Dort hing ein kleiner diamantbesetzter Ring. Alle männlichen Ahloren erhielten im Alter von zehn Tagen solch einen Ohrring, als Zeichen der Verbundenheit zu ihrem Volk.

Scholell ließ seinen Blick über die für ihn einsehbaren Bereiche der achteckigen Kampfschule schweifen. Die Anlage war mit einer wehrhaften violett schimmernden Metallwand umgeben. Auf sieben Seiten befanden sich lang gestreckte Gebäude, in denen die Kampfschüler getrennt nach Völkern wohnten. Man hatte es damit begründet, dass die Erfahrung gezeigt hätte, dass es nicht gut war, Dunak tor gemischt wohnen zu lassen. In der Tat gelang es einigen Kriegern erst nach längerer Zeit, ihre tief verwurzelten Vorurteile und Feindschaften zu überwinden. Doch Scholell wusste, dass die Trennung eigentlich auf Drängen der Ahloren vorgenommen worden war. Sein Volk blieb gern unter sich und hasste es, von Menschen umgeben zu sein.

Zwischen den Unterkünften der Dunak tor befanden sich zahlreiche Ställe, Schmieden, Werkstätten, Magazine, Wirtschafts- und Lagerhäuser. Es gab zusätzlich noch einen gesonderten Bereich für Eltern, Waisen oder Alleinerziehende und auch Schulen und Spielplätze für Kinder. Die Mitte der Anlage bildete jedoch das imposante siebenstöckige Haupthaus. Hier waren die Küchen, die Verwaltung, die Besprechungs- und Unterrichtsräume und Wohnquartiere von Meistern, Priester und Gästen untergebracht. Auch Scholell hatte hier sein bescheidenes Quartier. Um dieses Bauwerk herum erstreckten sich die Kampfübungsplätze. Dort wurden die Dunak tor an einer Vielzahl von Waffen ausgebildet – sowohl zu Fuß als auch beritten. Zudem wurden die waffenlose Verteidigung gelehrt und die verschiedensten körperlichen Fähigkeiten gefördert. Zu diesem Zweck hatte man Gerüste, Kletterwände und Hindernisse aufgebaut. Die Dunak tor waren gefürchtete Kämpfer, da sie so überaus vielseitig waren. Nur die Besten von ihnen konnten einen Meister-Ohrring erlangen, und je höher die Graduierung war, desto weniger Kämpfer waren in der Lage, die Anforderungen dafür zu erfüllen.

Der Ahlore konnte direkt zum wehrhaften Tor hinüberblicken, das sich auf der achten Seite der Kampfschule befand. Scholells Blick streifte die Käfige der Zwicker in der Nähe des Haupthauses. Vor einiger Zeit hatten Priester fünf Zwicker aus unterschiedlichen Käfigen hervorgeholt, damit die kleinen Fledermäuse ihren Herren in Windeseile Botschaften überbrachten. Dass so viele von ihnen gleichzeitig ausgesandt worden waren, konnte nur bedeuten, dass etwas Bedeutendes vorgefallen war.

In der Kampfschule herrschte Unruhe. Krieger tummelten sich vor dem Verwaltungsgebäude, gewiss in der Hoffnung, eine Erklärung zu erhalten. Auch Scholell war neugierig, doch er war ein Ahlore – von ihm wurde Zurückhaltung erwartet. Daher blieb er in seiner spartanisch eingerichteten Kammer. Wenn auch ungern.

Auf dem Flur hörte er eilige Schritte. Bald darauf wurde seine Tür schwungvoll geöffnet, und sein Vater kam herein.

Der Rotviolett Laiell war einundvierzig Jahre alt, wirkte jedoch kaum älter als sein Sohn. Dieser Umstand verwirrte die anderen Völker. »Ich muss mit dir reden«, stieß sein Vater hervor.

Derart ruhelos hatte Scholell seinen Vater noch nie gesehen. Selbst als Scholell vor drei Jahren seinen ersten Einsatz als Dunak tor-Spion im Ahlorenreich gehabt hatte, war Laiell recht gelassen gewesen.

Für einen kurzen Augenblick schloss Laiell seine Augen, zwang sich sichtlich zur Ruhe. »Mein Sohn, wir Ahloren sind wissender als die anderen Völker. Die meisten Menschen sind wie Gestalten in dichtem Nebel, die weder den Weg kennen, noch den Abgrund sehen können. Wir jedoch besitzen Wissen. Es ist etwas Furchtbares geschehen, etwas, das der Geheimhaltung unterliegt. Als Berater von Manalodell, des Hauptgroßmeisters unserer Kampfschule, wurde ich bereits eingeweiht. Da es auch dich betrifft, übertrete ich ein Verbot und offenbare dir Folgendes …« Er atmete tief ein. »Malanante wurde erschlagen!«

»Malanante?« Scholell war entsetzt. »Was ist mit Unaktal?«

»Gestohlen.« Laiells Stimme klang so finster, als müsste er das Ende der Welt verkünden.

»Gestohlen?«, wiederholte Scholell ebenso düster. »Weiß man schon, wer es getan hat?«

»Man fand in der Höhle außer Malanante zwölf Männerleichen, die unterschiedlichen Völkern angehörten. Sieben von ihnen wiesen Bisse von Malanante auf, die anderen fünf Krieger wurden mit einem Schwert erschlagen.«

Scholell stockte der Atem. »Waren das etwa Gobarem?«

»Nein, keine Gobarem! Nicht ein Einziger der Toten hatte eine Tätowierung im Nacken.«

Erleichtert atmete Scholell auf. »Dem Weltenschöpfer sei Dank!«

»Nun, wir wissen allerdings nicht, wer stattdessen daran beteiligt war und wer letzten Endes das Schwert an sich genommen hat.« Laiell ordnete beiläufig Scholells Bücher, die auf dem Tisch standen. »Unaktal muss so schnell wie möglich gefunden und in ein neues Versteck gebracht werden! Ein Schiff ist bereits von den Menschen unbemerkt ausgelaufen, um einen neuen Wächter nach Abladur zu holen. Wir Dunak tor müssen äußerst behutsam vorgehen. Wir dürfen niemanden aufscheuchen oder durch offenkundiges Suchen die Völker verärgern oder gar verschrecken. Daher wird es einen Dunak tor-Arusch geben: die Entsendung jeweils einer Dunak tor-Gruppe in die sieben Länder Abladurs. Ihr geheimer Auftrag wird es sein, das Schwert Unaktal zurückzubringen.«

»Ein Dunak tor-Arusch? Die Krieger werden großer Gefahr ausgesetzt sein.«

»Ja, in der Tat. Früher oder später werden die Gobarem davon erfahren und die Verfolgung aufnehmen, sei es, um das Schwert zu schützen – falls sie es besitzen sollten – oder um an Unaktal zu gelangen – falls sie es nicht haben – oder – und auch das wäre furchtbar – um Dunak tor einfach aus purer Mordlust zu erlegen. Sollten die Herrscher und Regierungen der anderen Völker herausfinden, dass Dunak tor ohne offizielle Erlaubnis in deren Gebieten Nachforschungen anstellen, ist auch ihrerseits mit Anfeindungen zu rechnen. Das würden die Völker zweifellos als Verletzung ihrer Souveränität ansehen. Wir müssen also äußerst besonnen vorgehen, da unsere Kampfschulen in den Nachbarländern lediglich geduldet werden. Ja, es wird durchaus gefährlich.« Laiell ging zu seinem Sohn und fuhr ihm mit der Hand sanft über das glänzende, glatte Haar. »Es wurde gelost.«

Scholell hatte bereits eine Ahnung, wollte es aber aus dem Mund seines Vaters hören. »Und?«

»Eines der Lose trug deinen Namen. Du bist auch dabei.«

Erschüttert war Scholell keineswegs. Er war für solch eine Situation ausgebildet worden und mehr als bereit. »Mit wem werde ich gehen?«

Anerkennend nickte sein Vater. »Du nimmst es mit großer Gelassenheit auf. Das ehrt mich. – Allerdings werde ich dir die Namen deiner Begleiter nicht nennen, damit deine Überraschung später echt ist. Doch ich ermahne dich: Vergiss niemals, dass du ein Ahlore bist! Gerade in gefährlichen Situationen kann es vorkommen, dass sich die Gruppe spaltet, es könnten sich aber auch Freundschaften anbahnen. Hüte dich davor, allzu vertraulich zu werden! Das könnte dazu führen, dass du Dinge aussprichst, die du besser für dich behalten hättest. Du musst dir stets bewusst sein: Unsere Geheimnisse müssen unbedingt gewahrt werden! Rede noch nicht einmal andeutungsweise darüber – und verliere auch kein Wort über Amboreg. Die Gruppe darf nur das Nötigste erfahren.«

Scholell sprang von der Fensterbank. »Ich werde dir keine Schande bereiten und mich mutig jedweder Gefahr stellen.«

Liebevoll umarmte Laiell seinen Sohn. »Ich weiß. Du wirst mich mit Stolz erfüllen.«

»Habe ich noch Zeit, um mich von Mutter und meinen Geschwistern zu verabschieden?«

»Bedauerlicherweise nicht. Du wirst nicht mehr nach Nia Smaragdsee reiten können.«

Obwohl Scholell keine andere Antwort erwartet hatte, betrübte ihn diese Tatsache, aber dann verdrängte er seine wehmütigen Gefühle. »Kannst du mir wenigstens sagen, wer der Anführer meiner Gruppe sein wird? Bei einem Dunak tor-Arusch muss dieser zumindest ein Rotviolett sein.«

Laiells Mimik war bewegt wie ein Kornfeld, über das eine Böe streifte. Sein Mund öffnete sich, als ob er sprechen wollte, aber schließlich schüttelte er entschieden den Kopf. »Du wirst es früh genug erfahren, da man bald die Namen der Kämpfer verkünden wird.« Nochmals umarmte er seinen Sohn und eilte hinaus.

Scholell sortierte die Bücher um, die sein Vater fein säuberlich der Größe nach geordnet hatte. Doch Scholell hatte sein eigenes System, in dem die Bücher entsprechend ihrer Bedeutung für ihn aufgestellt waren. Er setzte sich wieder auf die Fensterbank und versuchte, sich darüber klar zu werden, was auf ihn zukam. Er war ein Ahlore, und jeder würde von ihm erwarten, dass er stets entschlossen und richtig handelte. Hoffentlich versagte er nicht.

Atno

Für einen Ostieden war der siebzehnjährige Atno hochgewachsen, obwohl er insbesondere auf die Barkländer fast zerbrechlich wirkte. Sein schmales Gesicht wurde von schulterlangen rabenschwarzen Haaren umrahmt, die er sich morgens sorgfältig mithilfe einer Paste nach hinten kämmte, damit sein braun getöntes Gesicht mit den lustigen Grübchen in den Wangen besser zur Geltung kam. Sein Mund mit den schön geschwungenen Lippen schien stets zu lächeln und lenkte von der etwas zu langen Nase ab.

Vor einem Jahr war er zu den Dunak tor gekommen und hatte im vergangenen Monat den zweiten Schülergrad erreicht. Er war stolz auf seinen Ohrring mit dem Nyrit und zuversichtlich, dass er bereits in wenigen Jahren den ersten Meistergrad erlangte.

In einer dicht gedrängten Menge stillzustehen – so wie jetzt – kostete ihn enorme Selbstbeherrschung, da er ein quirliger Geselle war.

»Schaut! Eine ganze Priesterschar! Die kommt vom Tempel des Lichts«, platzte ein Barkländer heraus, der Atno mit seinen breiten Schultern die Sicht versperrte. »Wann hat man denn das letzte Mal so viele Priester hier gesehen? Es muss doch irgendetwas Außergewöhnliches geschehen sein.«

Atno versuchte, an ihm vorbeizuschauen. Vergebens. Der Barkländer war ein unüberwindlicher Berg. Also drängelte sich der Ostiede frech an ihm vorbei – ganz nach vorn. Nun hatte er endlich einen freien Blick.

Geschwind zählte der Ostiede die Priester, die auf weißen Rössern in die Kampfschule geritten kamen. Unter den weiten rotbraunen Mänteln der zwanzig Männer schauten safrangelbe Gewänder hervor, die mit Goldfäden durchwoben waren und im Sonnenlicht glitzerten.

Atno konnte die Ehrfurcht der Krieger, die in demütigem Schweigen verharrten, nicht verstehen. Er selbst hielt die Priester nicht für sonderlich edler oder weiser als sich selbst.

»Eine Priesterschülerin ist auch dabei«, stellte ein blonder Gotone fest und zeigte auf die berittene Gruppe.

Atnos Blick folgte dem ausgestreckten Finger, und der Ostiede entdeckte eine junge Rogarländerin, deren blasses Haar zu vier langen Zöpfen geflochten war. Aufgrund der hellen Haut wirkte das Mädchen fast kränklich, dennoch fand Atno sie bezaubernd. Er schätzte sie auf fünfzehn, höchstens sechzehn Jahre – für ihn ein attraktives Alter. Dem Mädchen waren die neugierigen Blicke der Krieger sichtlich unangenehm, und ihre Wangen nahmen allmählich die Farbe von reifen Himbeeren an.

Die Reiter lenkten ihre Pferde zum Haupthaus und stiegen ab. Das Mädchen wirkte erleichtert, als es den Priestern ins Gebäude folgen durfte.

Wie niedlich, so schüchtern, dachte Atno und musste lächeln.

Wenig später ritt ein Ahlore auf einem stolzen Ross in die Kampfschule ein. Die Haare waren über dem linken Ohr fortgebunden, somit war der Ohrring mit den beiden Rubinen gut zu sehen. Der Ahlore war ein Kampfmeister, wie man ihn sich vorstellte: die Waffen poliert, die Kleidung tadellos, das Auftreten erhaben. Atno hörte, wie ehrfurchtsvoll geflüstert wurde, dass das Illadell, ein begnadeter Krieger, sei.

Zwei weitere Männer auf herrlichen Pferden trafen ein. Ersterer hatte kurz geschnittene dunkelbraune Haare und eine bräunlich getönte Haut. Jemand erwähnte, dass dies der Rotviolett Furonn, ein Motavier, sei. Der andere Reiter hatte einen leuchtend roten Schopf und einen gleichfarbigen langen Schnurrbart. Seine Oberarme waren dick wie Baumstämme, und seine kräftigen Schenkel drohten, sein armes Pferd zu zerquetschen. Er war ein Bastide – was an seiner tätowierten rechten Gesichtshälfte zu erkennen war. »Oh, der Rotviolett Keswelohn ist auch hier«, sagte ein anderer Bastide erfreut. »Hoffentlich hat er später noch Zeit für ein Schwätzchen.«

Atno hatte den hünenhaften Keswelohn schon mehrmals in der Nurr Schiandell gesehen. Der Barkländer genoss den Ruf eines beherzten, wuchtigen Kämpfers. Auch diese beiden Dunak tor-Meister begaben sich ins Haupthaus.

Ein weiterer Reiter erschien.

Ein abfälliges und zugleich banges »Was macht der denn hier?« lenkte Atnos Aufmerksamkeit auf den Neuankömmling.

Der Mann ritt einen ahlorischen Istabrall. Diese hässliche Pferderasse mit dem zottigen grauen Fell zeichnete sich durch Ausdauer und enorme Schnelligkeit aus. Istraballs wurden oft eingesetzt, wenn große Distanzen rasch zurückgelegt werden mussten. Trotz deren unvergleichlicher Fähigkeiten würde sich niemand, der Eindruck schinden wollte, freiwillig auf solch ein Pferd setzen. Es wirkte weder stolz noch edel und passte eigentlich überhaupt nicht zu den eleganten Ahloren.

Noch zerzauster als dieses Tier wirkte allerdings der Reiter. Er trug zwar die Kleidung der Dunak tor, doch hatte diese je glanzloser und heruntergekommener ausgesehen? Das schwarze Leder war abgewetzt, das Metall an den Stiefeln und am breiten Ziergürtel zerkratzt und blind. Langes blondes Haar wallte dem Mann über den Rücken, und einzelne Strähnen hingen ihm ins Gesicht, verdeckten seine Augen. Der Fremde hatte ungewöhnlich viele Waffen bei sich. Normalerweise beschränkten sich Dunak tor auf zwei Hauptwaffen und trugen zusätzlich verborgene Messer bei sich, doch dieser Kämpfer führte fast alle Todbringer bei sich, die bei den Dunak tor eingesetzt wurden.

»Der hat uns ja gerade noch gefehlt!«, stieß ein Rogarländer missbilligend hervor.

Von der Neugierde getrieben, ging Atno zum großen Nordländer und tippte ihm auf die Schulter. »Wer ist denn das?«

Der geheimnisvolle Dunak tor ritt gerade an ihnen vorbei. Er hielt den Kopf ein wenig gesenkt, wirkte verschlagen und gefährlich. Auf ein tadelloses Auftreten schien er jedenfalls keinen Wert zu legen, denn sein kantiges Kinn und die Wangen waren mit hellen Bartstoppeln übersät. Seine Lippen waren argwöhnisch zusammengepresst. Als ein Windstoß ihm die Haare für einen Moment aus dem Gesicht wehte, konnte Atno eine gerade Nase und Furcht einflößende Augen sehen. Obwohl er gefährlich und gefühlskalt wirkte, war er dennoch ein schöner Mann. Er machte den Eindruck, als ob er schon viel erlebt hätte und mit ihm nicht im Geringsten zu spaßen sei.

Der Rogarländer schaute zu Atno herunter. »Weißt du Grünschnabel das nicht? Das ist Godered. Ein Rotrot.«

Vor Verblüffung fiel Atno die Kinnlade herunter. »Ein Rotrot?« Sollte ein Meister des höchsten Ranges nicht ein wenig stolzer und gepflegter einherreiten? Wie konnte solch ein Mann, der wie ein Gesetzloser anmutete, ein Rotrot sein?

Atno tippte den Krieger, der sich wieder abgewandt hatte, abermals auf die Schulter. »Woher kennst du ihn? Und woher kommt er? Godered – hört sich gotonisch an.«

»Ja, er ist ein Gotone. Kurzzeitig war er Ausbilder in dieser Kampfschule«, antwortete der Gefragte, ohne den Blick vom Rotrot zu nehmen.

»Warum nur kurzzeitig?«

»Nun, er war zu gnadenlos, hat uns ständig bei den Übungen hin und her gehetzt, als ob unser Leben davon abhinge. Zu viele Schüler haben sich seinerzeit über ihn beschwert, waren vollkommen eingeschüchtert, und vieles misslang ihnen aus Angst.«

»Ich glaube, ich würde ihn auch nicht als Lehrmeister haben wollen. Er wirkt auf mich, als ob er keinen Humor hat.«

»Humor?« Der Rogarländer schaute nun doch zu Atno herunter. »Ich glaube, es gibt nicht einen einzigen Menschen, der ihn jemals lächeln geschweige denn lachen sehen hat. Wenn man dem eisigen Nordwind im tiefsten Winter in meiner Heimat einen Namen geben sollte, dann würde dieser sicherlich Godered lauten.«

Atno blies kurz die Wangen auf und kratzte sich am Kopf. Hoffentlich blieb der Rotrot nicht in dieser Kampfschule, sondern ritt schleunigst wieder von dannen.

Der Gotone lenkte sein Pferd fast bis zur Eingangstür, sprang mit einer geschmeidigen Bewegung aus dem Sattel und verschwand im Haupthaus. Das Gemunkel schwoll an. Trotz allem wurde sein Name ehrfurchtsvoll ausgesprochen. Das verwirrte Atno.

Es dauerte eine ganze Weile, bis abermals ein Reiter eintraf. Oh, das war Savia Aktanur! Schon oft hatte Atno ihn hier gesehen. Dieser Ostiede bereitete den Dunak tor keine Schande. Im Gegenteil: Sein Anblick war geradezu eine Augenweide. Savia hatte seine schwarzen Haare mit einer Paste streng nach hinten gestrichen, um ein Verwirbeln zu verhindern und um noch mehr Glanz hineinzuzaubern. Der rotviolette Ohrring kam prunkvoll zur Geltung, und die Ausrüstung war sorgfältig poliert. Savia saß auf einem herrlichen Schimmel, der stolz den Kopf hob und die Nüstern blähte.

Wir Ostieden sind einfach die Erhabensten, dachte Atno und beobachtete Savia dabei, wie auch dieser zum Haupthaus ritt.

Bisher waren fünf Dunak tor-Meister eingetroffen, und es waren auch fünf Zwicker ausgesandt worden. Ob noch jemand käme? Atno wartete und wartete, doch es tat sich nichts. Die anderen Männer und Frauen wurden ebenfalls unruhig. Sie wollten endlich erfahren, was hier vor sich ging.

Schließlich trat der Leiter der Kampfschule vor die Krieger. Atno bekam den alten, verwelkten Ahloren namens Manalodell nur äußerst selten zu Gesicht. Dieser Rotrot stand in besonders hohem Ansehen, denn in der Vergangenheit soll er allen anderen Dunak tor an Schnelligkeit und Geschicklichkeit überlegen gewesen sein. Damals. Jetzt empfand Atno ihn lediglich als bemitleidenswertes, dürres Männchen. Im schütteren weißen Haar hielt kaum noch eine Goldperle, und sein Gesicht war einem ausgetrockneten Flussbett nicht unähnlich. Bald würde er sterben, das war allen klar, und dann würde der Machtkampf um seine Nachfolge entbrennen.

Atno stutzte. Waren vielleicht die Meister und Priester deshalb hierher gerufen worden? Witterte der Hauptgroßmeister Manalodell sein baldiges Ende?

Der Alte stützte sich auf sein Machtzeichen – einen goldenen Stab, in dessen kunstvoller Spitze Edelsteine in den Farben der Dunak tor-Ränge eingelassen waren. Geheimnisvoll glühten die Juwelen im Licht der Sonne. Manalodell war der Leiter der bedeutendsten Kampfschule und somit der oberste Würdenträger der Dunak tor. Die Großmeister sämtlicher Kampfschulen, die im Ahlorenreich und in den anderen Ländern verstreut waren, ersuchten ihn um Rat. Für Atno änderte das nichts. Für ihn war Manalodell nur ein tatteriger Greis, der äußerst deplatziert in der Kleidung der wehrhaften Dunak tor wirkte und einem Jüngeren endlich Platz machen sollte.

Der Ahlore hob den Stab zum Gruß.

Atno grinste. Hoffentlich kippte der Alte, seines Halts beraubt, nicht um.

»Ich grüße euch, meine Gefährten! Ihr seid Dunak tor, die Krieger des Tempels des Lichts! Wir kämpfen gegen das Böse in der Welt. Manchmal geschehen bedeutende Dinge, die so außerordentlich brisant sind, dass sie nur einem auserwählten Personenkreis kundgetan werden dürfen. So ist auch diesmal. Ihr müsst daher eure Neugier zügeln und dürft keinerlei Fragen stellen. Wenige von euch werden jedoch eingeweiht und erhalten einen Auftrag. – Ich weiß, eure Ergebenheit ist ein Fluss, dessen Quelle niemals versiegt. Wir sind die Dunak tor Amboreg, die Behüter des Lichts! Wir kämpfen und sterben für das Licht!« Er war sichtlich bemüht, laut zu sprechen, und verlangte seiner greisen Stimme dabei viel ab.

»Wir kämpfen und sterben für das Licht!«, schmetterten die Krieger im Chor.

Das war alles? War diese kümmerliche Gestalt nur herausgekommen, um zu sagen, dass nur wenige erfahren würden, was hier vor sich ging? Da hätte er sich die Mühe auch sparen können! Atno war verärgert und verkniff sich den Wunsch, lauthals zu protestieren.

Der Alte hüstelte heiser, dann erhob er erneut seine Stimme: »Es werden nun einundvierzig Namen verlesen. Die aufgerufenen Dunak tor begeben sich unverzüglich in die Kleine Lichterhalle! Ich danke euch vielmals für eure Treue und euren Gehorsam! Wir sind die Dunak tor Amboreg, die Behüter des Lichts! Wir kämpfen und sterben für das Licht!«

Unverzüglich wiederholten die Krieger: »Wir kämpfen und sterben für das Licht!«

Atno war gespannt, wen es träfe.

Ein Rotroter Dunak tor-Meister namens Bafido Eladi, der dem Rat des Hauptgroßmeisters angehörte, strich sich über seinen gestutzten schwarzen Bart. Er wirkte ernst und bekümmert. Dann entrollte der Ostiede eine Liste und ließ in schneller Folge mehrere Namen verlauten. Die aufgerufenen Kriegerinnen und Krieger lösten sich aus der Menge und begaben sich ins Haupthaus. Die Auswahl erfolgte quer durch alle Völker, keines wurde ausgelassen.

Was würde diese Kämpfer erwarten? Gern hätte Atno Mäuschen gespielt, um es in Erfahrung zu bringen.

»Atno Gesadi.«

Verwundert horchte der junge Ostiede auf. Das musste ein Versehen sein. Er hatte bisher noch an keinem Einsatz teilgenommen und besaß erst seit Kurzem den zweiten Schülergrad. Offensichtlich war etwas Wichtiges vorgefallen, und da sollte er gleich mitmischen?

»Atno Gesadi!«, wiederholte Bafido Eladi energisch.

Atno rückte seinen Gürtel zurecht. Anscheinend war man von seinen Fähigkeiten mehr überzeugt, als er gedacht hatte. Ohne ihn wollte man die geheime Mission also nicht durchführen.

»Hier bin ich!«, meldete sich Atno übertrieben laut und trat mit geschwellter Brust vor. Er blieb vor dem Kampfmeister Bafido stehen und erwartete von seinem Landsmann irgendeine besondere Anerkennung, doch dieser winkte ihn nur ungeduldig weiter.

Aufgeregt betrat Atno das Haupthaus und anschließend die Kleine Lichterhalle. Der Eingangstür gegenüber, am anderen Ende des Raumes, waren Tische zu einer langen Reihe zusammengeschoben worden. Dort saßen bereits die Priester und der vierzehnköpfige Rat des Hauptgroßmeisters. Die junge Rogarländerin stand hinter einem der Priester und hatte den Blick schüchtern auf den Boden gerichtet.

Atno stellte sich in der Reihe der Kämpfer ganz nach vorn, da er nichts verpassen wollte.

Weitere Auserwählte kamen herein, und schließlich schloss Bafido Eladi die schwere Holztür und nahm an einem der Tische Platz. Atno zählte still die Kämpfer. Jawohl, einundvierzig Dunak tor-Kämpfer waren versammelt.

Eine Tür hinter der Tischreihe wurde geöffnet, und Manalodell schlurfte herein. Atno konnte sich ein spöttisches Grinsen nur knapp verkneifen. Sicherlich hatte der Alte zuvor noch seine Knochen richten müssen. Dem Hauptgroßmeister folgten zwei rotviolette Ausbilder der Kampfschule: der Rogarländer Siwig und der Evidanier Baderguhn Evidad. Dann traten auch die Kampfmeister ein, die vor Kurzem in der Kampfschule eingetroffen waren. Sie wirkten stolz und erhaben und waren tadellos gekleidet. Aber einer fehlte noch … der Gotone. Da war er ja, dieser heruntergekommene Kerl. Er betrat als Letzter den Raum und stellte sich in eine düstere Ecke. Die Haare fielen ihm ins Gesicht, und sein Mund war missmutig verzogen. Nein, von diesem komischen Kauz wollte sich Atno seine Laune nicht verderben lassen, da lenkte er seinen Blick lieber auf die Rogarländerin. Nervös spielte sie mit einem ihrer blonden Zöpfe.

Bafido Eladi, der schon die Namensliste verlesen hatte, trat vor die Tischreihe und schritt diese ab. Wie konnte dieser zierliche Mann nur solch gewichtige Schritte haben, als wäre er ein großer, schwerfälliger Barkländer? Endlich blieb er stehen und schaute die auserwählten Kriegerinnen und Krieger beschwörend an.

Atno war aufgeregt und fühlte sich, als würde eine ganze Armee von Wüstenspinnen über ihn hinwegkrabbeln. Konnten die Krieger nicht endlich eingeweiht werden?

Dem jungen Ostieden entwich ein verstimmtes Schnaufen, und prompt erntete er einen strafenden Blick von Bafido, der aber endlich zu reden begann: »Ich verlange, dass ihr den Eid der Verschwiegenheit, den ihr bei eurem Eintritt in die Kampfschule geleistet habt, wiederholt und somit bekräftigt. Wenn ihr euch dazu nicht in der Lage seht, so verlasst unverzüglich die Halle.«

Atno schaute sich um. Niemand ging hinaus.

Zufrieden nickte Bafido. »Gut, sehr gut. Alles andere hätte mich auch gewundert, denn es war göttliche Fügung, dass euer Los gezogen wurde.«

Atno staunte. Es war göttliche Bestimmung, dass er ein Auserwählter war? Er konnte sein Glück kaum fassen. Also schätzte selbst der Erzvater ihn und seine Fähigkeiten. Donnerwetter!

»Bevor ich mehr erzähle, bitte ich euch nun um den Eid, der auch für das, was die Laruells euch während der Reise offenbaren werden, bindend ist.«

Die Dunak tor fassten sich mit der linken Hand an den Ohrring und legten die rechte Faust auf ihre Brust. »Hiermit legen wir, um jene zu ehren, die vor uns waren, diejenigen zu schützen, die sind, und denjenigen Vorbild zu sein, die nach uns kommen, den Eid der Verschwiegenheit ab. Möge der Weltenschöpfer unseren Verstand schärfen und uns dabei helfen, unsere Geheimnisse zu wahren und diese nicht Unbeteiligten oder Feinden gegenüber in leichtfertiger Art und Weise oder unter großen Qualen oder angesichts des Todes verlauten zu lassen.«

Alle Anwesenden ohne Ausnahme hatten diesen Schwur unisono geleistet, die Geistlichen hatten jedoch dabei mit der linken Hand ihren Kettenanhänger umschlossen.

Jetzt war Atno aber gespannt.

Bafido Eladi räusperte sich. »Es ist etwas Furchtbares geschehen, und es obliegt euch, großen Schaden abzuwenden. Euch wird eine große Verantwortung auferlegt, und ihr müsst mit ganzem Herzen bei eurem Auftrag sein. Von euch hängt das Wohl der Bewohner Abladurs ab. Es wird durchaus gefährlich, denn es ist damit zu rechnen, dass Gobarem euch verfolgen und versuchen werden, euch zu töten. Doch ihr seid gut ausgebildet worden und könnt diese Aufgabe meistern …«

Jemand hüstelte ungeduldig. Keiner wollte eine lange Ansprache hören.

Einsichtig nickte Bafido. »Etwas Wertvolles wurde entwendet. Wenn dieser Gegenstand in die falschen Hände gelangt, ist er äußerst gefährlich. Deshalb gibt es einen Dunak tor-Arusch. Ihr werdet in sieben Gruppen eingeteilt. Jeweils ein Angehöriger eines jeden Volkes wird darin vertreten sein. Die Gruppen werden jeweils in ein anderes Land entsandt, um dort nach dem Gegenstand zu suchen. Die Laruells sind mit der Lage bereits vertraut und werden euch auf eurem Weg eingehender informieren. Ihr dürft euch auf keinen Fall als Dunak tor zu erkennen geben. Daher werdet ihr eure Kluft ablegen und euch in der Tracht eurer jeweiligen Heimatvölker kleiden. Euer Laruell hat die uneingeschränkte Befehlsgewalt. Dennoch wird er – bis auf den hier anwesenden Ahloren Illadell – nicht vor Uneingeweihten als Anführer in Erscheinung treten. Ihr werdet offiziell die Leibwache des jeweiligen Ahloren eurer Gruppe sein, der angeblich im Auftrage des Erzhändlers Wipantell unterwegs ist. Wipantell lebt in der Nähe der Kampfschule, und wir haben ihn hierher eingeladen, damit er für euch kein Unbekannter mehr ist.«

Bafido ging in den angrenzenden Raum, und es dauerte gar nicht lange, da kehrte er mit dem Ahloren Wipantell zurück.

Das Alter des Händlers war nicht zu schätzen, da er jung aussah und somit die fünfzig noch nicht erreicht hatte. Die Haare trug er wie alle Ahloren in perlenumsäumten Stufen, die Kleidung war ungewöhnlich protzig, mit Gold verbrämt und mit Edelsteinen bestückt. Und … er war dick!