An den Alpha gebunden: Band 1 von 9 - Bella Lore - kostenlos E-Book

An den Alpha gebunden: Band 1 von 9 E-Book

Bella Lore

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Beschreibung

Von der Autorin paranormaler Liebesromane, Bella Lore, kommt eine Sammlung von neun epischen Novellen, die garantiert dein Herz höherschlagen und deinen Mund offenstehen lassen werden. Im ersten Band ist Keira unsterblich in Troy verliebt, den umwerfenden Alpha ihres Rudels. Das einzige Problem: Keira ist nur eine einfache Omega, und er schenkt ihr keinerlei Beachtung. Tatsächlich schikaniert er sie – wie auch alle anderen. Doch eines Tages ändert sich alles, und Keira könnte nach einer geheimnisvollen Begegnung im Wald ihr Schicksal wenden. Kann eine einfache Omega auf Größe hoffen? Wird Keira ihren wahren Gefährten finden?

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Seitenzahl: 177

Veröffentlichungsjahr: 2025

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AN DEN ALPHA GEBUNDEN

(BAND 1 VON 9 BELLA-LORE-NOVELLEN)

BELLA LORE

Bella Lore

Bella Lore ist die Autorin der vierbändigen MY TRUE MATE-Reihe, der vierbändigen THE ALPHA'S MATE-Reihe, der vierbändigen REJECTED BY THE BETA-Reihe und der neunbändigen 9 NOVELLAS BY BELLA LORE-Sammlung.

Bella freut sich über jede Kontaktaufnahme. Besuchen Sie bellaloreauthor.com, um mehr zu erfahren und in Verbindung zu bleiben.

Copyright © 2022 Bella Lore. Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieser Veröffentlichung darf ohne vorherige schriftliche Genehmigung der Autorin in irgendeiner Form oder mit irgendwelchen Mitteln reproduziert, verbreitet oder übertragen oder in einem Datenbanksystem gespeichert werden, es sei denn, dies ist gemäß dem US-amerikanischen Urheberrechtsgesetz von 1976 zulässig. Dieses E-Book ist ausschließlich für den persönlichen Gebrauch lizenziert und darf weder weiterverkauft noch an Dritte weitergegeben werden. Wenn Sie dieses Buch mit jemandem teilen möchten, erwerben Sie bitte für jeden Empfänger ein zusätzliches Exemplar. Falls Sie dieses Buch lesen, ohne es gekauft zu haben, oder es nicht für Ihren eigenen Gebrauch erworben wurde, geben Sie es bitte zurück und kaufen Sie Ihr eigenes Exemplar. Vielen Dank, dass Sie die harte Arbeit der Autorin respektieren.

Dies ist ein fiktionales Werk. Namen, Charaktere, Unternehmen, Organisationen, Orte, Ereignisse und Vorfälle sind entweder der Fantasie der Autorin entsprungen oder werden fiktiv verwendet. Jegliche Ähnlichkeit mit tatsächlichen Personen, lebend oder tot, Ereignissen oder Schauplätzen ist rein zufällig.

KAPITEL EINS

KAPITEL ZWEI

KAPITEL DREI

KAPITEL VIER

KAPITEL FÜNF

KAPITEL SECHS

KAPITEL SIEBEN

KAPITEL ACHT

KAPITEL NEUN

KAPITEL ZEHN

KAPITEL ELF

KAPITEL ZWÖLF

KAPITEL DREIZEHN

KAPITEL VIERZEHN

KAPITEL FÜNFZEHN

KAPITEL SECHZEHN

KAPITEL SIEBZEHN

KAPITEL ACHTZEHN

KAPITEL NEUNZEHN

KAPITEL ZWANZIG

KAPITEL EINUNDZWANZIG

KAPITEL ZWEIUNDZWANZIG

KAPITEL DREIUNDZWANZIG

KAPITEL VIERUNDZWANZIG

KAPITEL FÜNFUNDZWANZIG

KAPITEL SECHSUNDZWANZIG

KAPITEL SIEBENUNDZWANZIG

KAPITEL ACHTUNDZWANZIG

KAPITEL NEUNUNDZWANZIG

KAPITEL DREIßIG

KAPITEL EINS

Ich bin gerade dabei, nach dem Frühstück im Gemeinschaftshaus aufzuräumen, als ich ihn sehe.

Troy.

Den Sohn des Alphas.

Wie angewurzelt bleibe ich stehen und beobachte, wie er in der Tür steht und sich umschaut.

Er ist groß und breitschultrig, mit schwarzem Haar und blauen Augen wie sein Vater. Die lange Narbe, die sich quer über seine Wange zieht und aussieht, als wäre sie von einer Messerklinge verursacht worden, verstärkt nur noch sein raues Erscheinungsbild.

Ich wei nicht, wie ich mich verhalten soll.

Ich fühle mich zu ihm hingezogen, aber er wird mich nie wahrnehmen. Und das ist wahrscheinlich auch besser so.

Er gehört zu einer Motorradgang in der Stadt und wurde schon einmal verhaftet, weil er im Suff einen Polizisten verprügelt hat. Er ist ein umwerfender Bad Boy, und das ist die gefährlichste Sorte.

Er fängt meinen Blick auf und mein Herz beginnt zu rasen. Könnte er mich jemals bemerken, mich, ein Omega?

Nein. Schließlich wird er eines Tages der Alpha sein. Er hat keine Zeit für Leute wie mich.

„Hey”, sagt er. Er lächelt, als er auf mich zukommt.

„Hey”, erwidere ich und lächle zurück.

Alle anderen Worte bleiben mir im Hals stecken, als er vor mir stehen bleibt und mich mit diesen dunklen Augen ansieht.

„Ich bin mir nicht sicher, ob wir überhaupt schon die Gelegenheit hatten, uns kennenzulernen”, sagt er. „Aber du gehörst sicher zum Rudel. Was hast du heute Nachmittag vor?”

„Ich räume nur auf”, antworte ich.

Ich wünschte, ich hätte etwas Beeindruckenderes zu sagen, aber so sehen die meisten meiner Tage aus. Das ist meine Aufgabe im Rudel.

„Das musst du nicht tun.”

„Ich kann dir helfen, wenn du möchtest”, sagt er mit einer verführerischen, tiefen und sanften Stimme.

Ich kann es kaum glauben. Ist das ein Traum? Es muss einer sein.

„Wirklich?”, frage ich. „Musst du dich nicht für die Party morgen Abend vorbereiten?”

„Ach was”, sagt er. „Dafür habe ich später noch Zeit. Ich möchte dich erstmal besser kennenlernen. Lass mich dir helfen.”

Ich bin sprachlos, als er durch den Raum geht, eine Schublade öffnet und eine Tüte Chips herausholt. Dann kommt er zu mir zurück und lächelt.

Er öffnet die Tüte und wirft sie auf den Boden.

„Ups”, sagt er mit einem fiesen Grinsen. „Mein Fehler.”

Ich erstarre und versuche zu begreifen, was gerade passiert ist.

„Räum auf”, sagt er, und sein Tonfall ändert sich völlig. „Das ist es, was Omegas tun. Ihr räumt unseren Dreck weg, weil ihr zu nichts anderem taugt.”

Mein Herz sinkt.

Ich höre Gelächter und möchte nicht hinsehen, aber ich kann nicht anders.

Ich drehe mich um und sehe drei andere Jungen, die mich alle auslachen.

„Genau, Troy”, sagen sie. „Zeig's dem Omega.”

Am liebsten würde ich im Boden versinken.

„Oh nein”, sagt Paul. „Ich glaube, sie ist in dich verknallt, Troy.”

„Verknallt?”, stichelt Ryan. „Das Omega? Du spinnst wohl. Sie ist ein Freak.”

„Sie ist ein totaler Freak”, stimmt Mitch zu. „Alle Omegas sind Freaks. Sie ist eine Versagerin.”

„Sie ist eine absolute Niete”, pflichtet Paul bei. „Ich weiß nicht, warum unser Alpha sie hier wohnen lässt.”

„Um hinter uns aufzuräumen, natürlich”, sagt Mitch.

Ich sehe Troy an und hoffe, dass er eingreift, um sie aufzuhalten, weiß aber, dass er es nicht tun wird.

Am liebsten würde ich ihn anschreien. Ich möchte etwas tun, irgendetwas.

Aber das tue ich nicht. So ist das Leben als Omega. Nur ein weiterer beschissener Tag.

„Hört auf”, sage ich. „Lasst mich in Ruhe, damit ich meine Arbeit machen kann.”

„Sag uns nicht, was wir tun sollen”, knurrt Troy.

Ich fange trotzdem an, das Chaos aufzuräumen und versuche, ihn zu ignorieren. Es ist ja nicht das erste Mal, dass er gemein zu mir ist. Ich dachte nur, dieses Mal wäre es anders.

Die Art, wie er mich dieses Mal ansah, gab mir das Gefühl, dass er mich wirklich wahrnahm.

Ich denke, das hat er auch.

Es gibt etwas an mir, das ihm einfach nicht passt. Dabei habe ich ihm nichts getan. Seit ich hier bin, werde ich nur von ihm und allen anderen im Rudel schikaniert.

In meinem früheren Rudel war ich eine Luna. Dann wurden sie bei einem Angriff von Schurken getötet, und ich stand ganz allein da.

Bis Kirk, der Alpha, mich als Omega in sein Rudel aufnahm. Auch wenn ich dieses Rudel hasse, verdanke ich Kirk mein Leben. Ich wünschte nur, sein Sohn hätte etwas von Kirks Güte geerbt.

In gewisser Weise bin ich immer noch einsam. Keine Familie. Keine Freunde. Nur ein Omega, und manchmal habe ich das Gefühl, dass das alles ist, was ich je sein werde.

Ich stehe auf und blicke zu Trey hinüber. Meine Gedanken wandern zu meinem alten Rudel, meiner Mutter, meinem Vater, meinen Schwestern, meinen Brüdern, dem Alpha.

Vertraute Tränen drohen mich noch schwächer erscheinen zu lassen, während mein Herz hämmert.

Bevor ich vor ihnen zusammenbrechen kann, schnappe ich mir meinen Wischmopp und verlasse fluchtartig den Raum.

*

In der Sicherheit meines Zimmers beginne ich darüber nachzudenken, was ich mit meinem Leben anfangen soll. Mir ist klar, dass ich diesen Ort irgendwann verlassen muss. Aber was kommt dann?

Ein Geräusch reißt mich aus meinen Gedanken.

Ich drehe mich um, als sich die Tür öffnet.

Zu meinem Entsetzen ist es meine Erzfeindin, Heather. Heather ist Troys Freundin und die schlimmste Tyrannin von allen.

„Na, wenn das nicht unser kleines Omega ist”, sagt sie spöttisch. „Sieh dich an, so erbärmlich und hilflos.”

Heathers Schönheit ist ihr wahrlich kein Nachteil. Ihr langes blondes Haar und ihre strahlend blauen Augen passen perfekt zu ihrer großen, schlanken Figur, die an ein Model erinnert.

Sie könnte alles haben, was sie will, aber sie verschwendet ihre Zeit damit, mich zu quälen.

Sie betritt mein Zimmer und schließt die Tür hinter sich.

„Heather, was willst du?”

„Ich dachte, ich statte dir einen Besuch ab”, sagt sie achselzuckend. „Nur ganz kurz. Nur um Hallo zu sagen.”

„Hallo”, sage ich. „Auf Wiedersehen.”

„Ziemlich unhöflich von dir, findest du nicht?” fragt Heather. „Solltest du mich nicht wenigstens fragen, wie es mir geht?”

„Wie geht's?” frage ich mit einem Seufzer. Ich tue alles, um sie loszuwerden.

„Fantastisch”, erwidert sie. „Ich gehe morgen Abend zu der Party im Club. Das wird der Hammer. Troy nimmt mich mit. Und du bist natürlich nicht eingeladen.”

Ich sehe sie an. Ich möchte etwas erwidern, aber die Worte bleiben mir im Hals stecken. Wahrscheinlich ist das auch besser so, denn alles, was ich sagen könnte, würde die Situation vermutlich nur noch verschlimmern.

KAPITEL ZWEI

„Suchst du jemanden?”, fragt ein Mädchen.

Ich erstarre, aus Angst, wieder jemand könnte sich über mich lustig machen wollen, wo ich doch nur in der Cafeteria etwas zu essen holen möchte.

Als ich mich jedoch umdrehe, sieht die Schülerin vor mir nicht so aus, als wolle sie mich ärgern.

„Ja”, gebe ich zu. „Ich suche die Essensausgabe.”

„Die ist da drüben”, sagt sie und zeigt auf den hinteren Teil des Raumes.

„Danke”, sage ich und will gehen.

„Übrigens, ich bin Jillian”, ruft sie mir nach.

Ich bin verblüfft. Ich drehe mich um. Versucht sie tatsächlich, ein Gespräch mit mir anzufangen? Oder will sie mich nur zum Narren halten, wie alle anderen auch?

„Ich bin Keira”, sage ich und beschließe, es zu wagen.

„Ich weiß”, sagt sie.

„Wirklich?”

„Wir sind in derselben Klasse”, erklärt sie. „Mir ist aufgefallen, dass es für dich vielleicht schwer ist ... Leute zum Reden zu finden.”

„Ich verstehe schon. Es ist auch mein erstes Jahr hier.” Sie deutet auf den Tisch, an dem sie saß. „Komm, setz dich zu uns.”

Ich zögere, stimme aber zu. Obwohl ich immer noch misstrauisch bin, folge ich Jillian zu ihrem Tisch.

Sie stellt mich ihren Freunden vor. Dann lege ich meine Sachen ab und hole mir etwas zu essen.

Ich mache mir Sorgen, dass sie es sich anders überlegt haben könnten, wenn ich zurückkomme, weil sie mich doch nicht mehr dabeihaben wollen. Aber alle sind so nett und gastfreundlich, wie ich es schon lange nicht mehr erlebt habe.

Ich fange gerade an, mich zu entspannen, als Heather mit einigen ihrer Freundinnen an unseren Tisch kommt. Ihr falsches Lächeln verheißt nichts Gutes.

„Du weißt, dass heute Abend im Club eine Riesenparty steigt”, sagt Heather.

„Ja, ich weiß”, seufze ich. „Du hast es mir gesagt.”

„Ich habe vergessen, dir zu sagen, dass ich möchte, dass du kommst”, fährt Heather fort.

Ich sehe sie fassungslos an.

„Was?!”, frage ich und zweifle an meinem Verstand.

„Ich sagte, ich möchte, dass du kommst”, wiederholt Heather. „Als Wiedergutmachung dafür, dass ich vorher gemein war.”

„Warum willst du, dass ich mitkomme?”, frage ich skeptisch.

„Will ich gar nicht”, lacht Heather zusammen mit ihren Freundinnen.

„Im Ernst?”, sagt Heather. „Glaubst du wirklich, ich würde dich einladen?”

Heather beugt sich zu mir.

„Hör zu, wenn du versuchst, mir den Kerl auszuspannen ...”, droht Heather.

„Tu ich nicht”, entgegne ich. Ich versuche, nicht auf ihre Spielchen einzugehen, aber das ist absurd. „Ich weiß nicht einmal, wovon du redest.”

„Oh doch, das weißt du”, sagt sie. „Du versuchst, mir meinen Freund wegzuschnappen.”

„Du bist eine Lügnerin”, sage ich und verdrehe die Augen.

Plötzlich packt mich Heather an den Haaren und reißt mich vom Tisch, sodass ich vor Schreck erstarrt bin.

„Prügelei! Prügelei!”

Eine Menschenmenge versammelt sich.

Die Wölfin in mir erwacht, als ich mich losreiße und zurückstoße.

Die Mädchen um uns herum brechen in einen Tumult der Erregung aus, als Heather und ich mit geballten Fäusten aufeinander losgehen.

Ich schlage zu und treffe Heathers Gesicht. Heathers Nase beginnt zu bluten, als sie mir einen Schlag verpasst und meine Wange so hart trifft, dass es sich anfühlt, als hätte sie sie gebrochen.

Der Kampf geht jedoch weiter.

Die anderen fangen an zu jubeln und zu skandieren: “Hau sie! Hau sie! Hau sie!”

Ich höre sie aber kaum. Ich sehe nichts anderes als Heather und mich, wie wir wie wilde Tiere kämpfen.

Wir ziehen uns gegenseitig an den Haaren und kratzen uns ins Gesicht, während die anderen uns anfeuern.

Als uns jemand auseinanderreißt, laufe ich weg, weil mich die Energie immer noch antreibt.

Ich habe genug von dieser Schule. Ich habe genug von diesem Rudel.

Ich renne in den Wald, bis ich zusammenbreche.

*

Ich stehe auf und schnuppere die Luft, auf der Suche nach dem Geruch des riesigen grauen Wolfs, der mich verfolgt hat.

Dann laufe ich weiter durch einen Kiefernwald, dessen Äste mir ins Gesicht peitschen und sich in meinem Fell verfangen.

Ich will unbedingt entkommen.

Bis ich erwache.

Ich befinde mich noch immer im Wald, aber niemand verfolgt mich. Ich bin ganz allein. Ich fliehe nur vor meinem eigenen Schmerz.

Erneut lege ich mich nieder. Der kalte, feuchte Boden fühlt sich erfrischend an meinem Fell an. In meiner Wolfsgestalt bin ich wild, ein Wesen aus purem Instinkt und Gefühl. Ich fühle mich lebendiger als je zuvor.

Lange Zeit liege ich einfach da, denke an nichts und spüre nur die Feuchtigkeit des Bodens an meinem Fell und die sanfte Brise, die den Duft der Kiefern mit sich trägt. Irgendwo in der Nähe zwitschern Vögel, und Eichhörnchen schnattern, während sie von Baum zu Baum huschen.

Nach einer Weile stehe ich wieder auf und schüttle mich. Ich strecke mich, gähne herzhaft und lecke meine Wunden. Dann hebe ich die Schnauze und wittere.

Einer starken, vertrauten Fährte folgend, gelange ich zu einer Stelle unter einer Eiche, wo ein Reh sich zum Wiederkäuen niedergelassen hat.

Plötzlich taucht wie aus dem Nichts ein Wolf aus dem dunklen Wald auf.

Ich erstarre, als ich dem dunkelgrauen Wolf aus meinen Albträumen gegenüberstehe. Unschlüssig, ob ich fliehen oder mich behaupten soll, verharre ich regungslos.

Er bleibt einige Meter von mir entfernt stehen.

Dann senkt er den Kopf und stößt ein klägliches Heulen aus.

Trotz meiner Angst bleibe ich standhaft.

Dann wird mir klar: Es ist nicht derselbe Wolf. Er ist viel kleiner als der Wolf, der mich in meinen Albträumen verfolgt – ein Jährling, genau wie ich.

Er berührt mich sanft mit seiner Schnauze, und ich erwidere die Geste, indem ich seine Nase lecke.

Er war der Einzige, der hier draußen in der Kälte stand, genau wie ich.

Ich glaube, er ist einsam, genau wie ich.

Wir schmiegen uns aneinander und kuscheln.

Doch plötzlich spüre ich die Gefahr, die von diesem streunenden Wolf ausgeht.

In diesem Moment verwandeln wir uns beide zurück in unsere menschliche Gestalt.

Der Mann packt mich von hinten, umklammert mich mit beiden Armen und wirbelt mich herum, als ich versuche, mich zu befreien.

Ich trete um mich, aber er ist zu stark.

„Jetzt gehörst du mir”, lacht er hämisch.

„Bitte”, flehe ich.

Knack.

Ich drehe mich um und da sehe ich ihn.

Meinen Gefährten.

Denjenigen, der immer für mich da sein wird, der mich bedingungslos liebt und mich nie im Stich lassen wird.

Troy rennt auf uns zu, außer sich vor Wut, aber nicht auf mich gerichtet.

Er stürzt sich auf meinen Entführer, der mich loslässt, um sich Troy entgegenzustellen.

Ich falle zu Boden, während Troy dem Mann einen Schlag ins Gesicht versetzt.

Er drischt auf ihn ein, bis der Mann sich nicht mehr rührt.

„Geht es dir gut?”, fragt Troy besorgt.

Ich nicke, aber in Wirklichkeit geht es mir überhaupt nicht gut.

Troy.

KAPITEL DREI

„Ich muss dich endlich aus meinem Kopf kriegen!”, brülle ich gegen den Lärm meines Motorrads an.

Zwar kann mich niemand hören, aber es verschafft mir ein wenig Erleichterung.

Ich weiß selbst nicht, was ich fühle. Ich bin völlig durcheinander.

Immer wieder versuche ich zu ergründen, warum sie mich so fasziniert. Tief in meinem Inneren spüre ich, dass ich wirklich an ihr interessiert bin. Aber warum ausgerechnet eine Omega, wo ich doch mit jemandem wie Heather zusammen bin?

Ich kann einfach nicht aufhren, darüber nachzudenken, warum ich so von ihr eingenommen bin. Ich bin fest entschlossen, sie aus meinem System zu verbannen, aber sie schleicht sich immer wieder in meine Gedanken.

Sie ist nur eine Ablenkung. Nur ein Hindernis, das ich überwinden muss.

Sie ist niemand, an den ich denken sollte.

Sie ist niemand, von dem ich träumen sollte.

„Sie ist niemand, an den ich denken sollte!”, rufe ich mir selbst zu.

Ich gebe mehr Gas und beschleunige.

Ich muss sie aus meinem Kopf bekommen!

Aber sie ist so verdammt sexy, und süß, und fleißig, und ...

Frustriert fahre ich mir mit den Fingern durchs Haar. Die Stunde auf dem Motorrad hat nicht gerade dazu beigetragen, diese Gedanken zu beruhigen.

Es besteht kein Zweifel, dass sie wunderschön ist. Ihr dunkelbraunes Haar und ihre braunen Augen erinnern mich auf eine geheimnisvolle und friedliche Weise an den Wald. Sie ist ein bisschen ungelenk, aber das gefällt mir an ihr. Ich mag ihre Sanftheit. Sie hat einen üppigen Körper.

Ich mag alles an ihr. Ich mag ihren Geruch. Ich mag ihr Aussehen. Ich mag ihren Duft. Ich mag ihre Augen.

Ich weiß, dass es nicht richtig ist. Ich weiß, es ist nicht normal. Ich weiß, dass es gesellschaftlich nicht akzeptabel ist. Aber ich kann nichts dafür, dass ich so für sie empfinde.

Ich darf sie nicht wissen lassen, was ich für sie empfinde. Ich darf sie nicht wissen lassen, dass sie meine Gefährtin ist.

Ich hoffe, dass der laute, überfüllte Club mir dabei helfen wird, sie aus meinen Gedanken zu vertreiben. Als ich ankomme, entdecke ich Heather. Ich gehe zu ihr und küsse sie auf die Wange. Sie sieht allerdings schon wütend aus.

„Hast du es vergessen?”, fragt sie.

„Was?”, erwidere ich.

Wahrscheinlich habe ich etwas vergessen. Ich habe eine Menge Dinge vergessen, seit Kiera in meinen Kopf eingedrungen ist.

„Dass ich achtzehn werde”, faucht sie.

„Nein, daran erinnere ich mich”, sage ich. Ich weiß schließlich, wie alt meine eigene Freundin ist.

Trotzdem wartet sie ungeduldig. Als gäbe es noch etwas anderes, das mir einfallen müsste.

Dann wird mir klar, dass ich es vermasselt habe. Und zwar gründlich. Ich habe ihren Geburtstag vergessen.

„Es tut mir leid”, sage ich, als es mir dämmert.

„Es tut mir leid”, äfft sie mich nach und stemmt die Hände in die Hüften. „Ist das alles, was du zu sagen hast?”

„Es tut mir leid”, wiederhole ich. „Ich weiß, dass das nicht gut genug ist, aber ich weiß einfach nicht, was ich sonst sagen soll. Es tut mir wirklich leid.”

Heather schweigt, was mir Angst macht.

Dann sieht sie mich an und lächelt. „Ich liebe dich, Troy”, sagt sie.

„Ich liebe dich auch”, antworte ich und küsse sie auf die Stirn.

Sie lacht, und es geht ihr wieder besser.

„Und?”, sagt sie und hebt ihre Stimme. „Was hast du an meinem Geburtstag vor?”

Jetzt macht mich ihr Lächeln nervös, da es auf mich gerichtet ist. Ich bin mir nicht sicher, was ich tun soll oder was sie will. Ich beginne unter meinem Hemd zu schwitzen, als ich ein Jucken an meinem Bein spüre.

„Äh, ich weiß nicht”, antworte ich schließlich.

„Wirklich?” Sie scheint genervt zu sein. „Ich möchte, dass du etwas Nettes für mich tust.”

„Was zum Beispiel?”, frage ich und hoffe auf einen konkreten Vorschlag.

Ich weiß, dass ich etwas für ihren Geburtstag machen sollte, aber ehrlich gesagt, habe ich keine Ideen.

„Zum Beispiel mir ein Geschenk kaufen.”

„Was möchtest du denn?”

„Ich weiß es nicht.” Sie zuckt mit den Schultern. „Du bist mein Freund. Du solltest das herausfinden.”

Ich folge ihr zur Bar und spendiere ihr einen Drink, aber sie ignoriert ihn.

„Komm schon, ich will tanzen”, sagt sie und zieht mich auf die Tanzfläche.

Ich beobachte, wie sie ihre Hüften und ihren Körper bewegt. Heather ist auch so schön.

Aber aus irgendeinem Grund denke ich immer noch an Keira.

„Ich glaube, ich sollte heute Abend nicht tanzen”, sage ich ihr schließlich.

Sie runzelt die Stirn. „Warum nicht?”

„Ich glaube einfach nicht, dass ich das sollte”, sage ich. Ich kann es ihr nicht erklären, weil ich das Gefühl selbst noch nicht verstehen kann.

„Warum?”, fragt sie.

Ich schlucke schwer.

„Heather, mir ist heute Abend einfach nicht danach.”

Heather sieht mich mit einem Lächeln an, das nicht zu dem Hass in ihren Augen passt.

„Es ist Keira, oder?”, fragt sie mit unterdrückter Wut in der Stimme.

*

Bei dieser Bemerkung erstarre ich. Kann sie tatsächlich so gut in meinen Gedanken lesen?

„Wovon redest du?”, frage ich und versuche, mein schlechtes Gewissen zu überspielen.

„Das Omega-Mädchen”, erwidert sie. „Ich bin nicht blöd. Was ist los mit dir?”

„Mit mir ist alles in Ordnung”, sage ich. „Ich weiß nicht, wovon du sprichst, Heather.”

„Verarsch mich nicht”, faucht sie. „Sie ist deine neue Obsession. Das ist sie. Deine neue Besessenheit.”

„Ich bin nicht von ihr besessen!”, protestiere ich.

„Sie ist ein Omega. Du bist besessen von ihr. Das kann doch nicht dein Ernst sein.”

Heather bricht in Tränen aus.

Ich setze mich neben sie und versuche, meinen Arm um sie zu legen, aber sie stößt mich weg.

„Fass mich nicht an”, zischt sie.

„Heather, bitte.”

„Ich will nicht mit dir reden”, sagt sie. „Und ich will nicht, dass du mit mir redest.”

„Bitte”, flehe ich. Ich bin nicht bereit, dass es so endet. Ich brauche Zeit, um mir über alles klar zu werden. „Bitte.”

„Ich meine es ernst, Troy.”

„Es tut mir leid”, sage ich.

„Das will ich nicht hören”, entgegnet Heather. „Ich will nicht hören, dass es dir leidtut. Ich will nicht hören, dass du mich liebst.”

„Aber ich liebe dich doch”, sage ich mit Nachdruck.