An einem hellen Morgen ging ich fort - Laurie Lee - E-Book
Beschreibung

Ein kleines Zelt, eine in eine Wolldecke eingewickelte Geige, Wäsche zum Wechseln und eine Dose Kekse: Das ist die ganze Ausrüstung Laurie Lees, als er an einem strahlenden Junimorgen sein Heimatdorf in Gloucestershire verlässt und sich auf den Weg nach London macht. "Neunzehn Jahre war ich alt, noch nicht trocken hinter den Ohren, aber ich verließ mich auf mein Glück." Mithilfe seines Geigenspiels schlägt er sich als liebenswürdiger, alle Eindrücke intensiv erlebender Vagabund zunächst bis London durch. Da Laurie weder ein anderes Land noch eine andere Sprache kennt, wählt er Spanien als nächstes Reiseziel, er betritt es in Vigo und durchwandert es bis nach Gibraltar, macht Bekanntschaften mit Bauern und Bettlern, den Armen und Ärmsten, musiziert für Brot und Wein und schläft in Olivenhainen und einfachsten Bauernhöfen. Es ist das Jahr 1935, und der kommende Bürgerkrieg wirft seine Schatten voraus.

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Seitenzahl:335

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Moderne Klassiker 21

Laurie Lees Reiseroute

Laurie Lee

An einemhellen Morgenging ich fort

Roman

Mit einem Nachwort von Robert MacfarlaneÜbersetzung von Vanessa WieserÜbersetzung des Nachworts von Georg Bauer

MILENA

LAURENCE EDWARD ALAN »LAURIE« LEE

geb. 1914 in Slad, Gloucestershire, gest. 1997 ebenda, war ein englischer Dichter, Romancier und Drehbuchautor. Mit 15 verließ er die Central Boys’ School in Stroud und wurde Botenjunge. 1931 traf er zum ersten Mal auf die Whiteway Colony, eine von Tolstoi-Anarchisten gegründete Kolonie, wo seine politische Erziehung begann und er den Komponisten Benjamin Frankel sowie »Cleo« aus »An einem hellen Morgen ging ich fort« traf. Im Alter von 20 war er als Bürokaufmann und Bauhilfsarbeiter tätig und lebte ein Jahr in London.

Sein Hauptwerk bilden drei autobiografische Erzählungen. »As I Walked Out One Midsummer Morning« (1969, deutscher Titel: »An einem hellen Morgen ging ich fort«) erzählt davon, wie Lee seinen Heimatort verlässt, nach London kommt und 1935 zum ersten Mal Spanien besucht. Nach Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs im Juli 1936 kam er an Bord eines britischen Zerstörers aus Gibraltar nach England zurück, begann ein Kunststudium, kehrte 1937 aber als Freiwilliger der Internationalen Brigaden nach Spanien zurück. Wegen seiner Epilepsieerkrankung wurde sein Dienst jedoch eingeschränkt. Laut zahlreichen biografischen Quellen kämpfte Lee in der Republikanischen Armee gegen Francos Nationalisten.

Lee war auch als Journalist, Drehbuchautor und Dokumentarfilmer tätig. In den 1960er Jahren kehrten er und seine Ehefrau in seine Heimatstadt Slad zurück, wo sie bis zu Lees Tod blieben. Laurie Lee wurde am örtlichen Friedhof begraben.

Laurie Lee

Für T.S. Matthews

Kurz vor dem Spanischen Bürgerkrieg wohnte ich in einem kleinen andalusischen Fischerdorf, dessen Bürgermeister mittlerweile ein kleines Denkmal an der Uferpromenade errichten ließ, auf dem steht: »Der große Schriftsteller Laurie Lee kam einst dieses Weges und verewigte unser Dorf in seinen Werken An einem hellen Morgen ging ich fort und A Rose for Winter.« Ursprünglich hatte ich aus politischen Gründen den Namen des Dorfes ausgelassen und es »Castillo« genannt. Zum Glück ist diese Verschwiegenheit nicht mehr nötig und ich kann das Dorf jetzt bei seinem richtigen Namen nennen: »Almuñécar«.

Laurie LeeMärz 1995

INHALT

LANDSTRASSE NACH LONDON

LONDON

IN SPANIEN

ZAMORA — TORO

VALLADOLID

SEGOVIA — MADRID

TOLEDO

ANS MEER

OSTWÄRTS NACH MÁLAGA

ALMUÑÉCAR

KRIEG

EPILOG

NACHWORT VON ROBERT MACFARLANE

LANDSTRASSE NACH LONDON

Die gebeugte Gestalt meiner Mutter, bis über die Hüften im Gras und dort wie eine Stückchen Schafwolle hängen geblieben, war das Letzte, was ich von meinem Heimatdorf sah, als ich es verließ, um die Welt zu entdecken. Sie stand, alt und gebückt, oben auf der Böschung und sah mir schweigend nach; eine knochige rote Hand zum Lebewohl und Abschiedssegen erhoben, ohne zu fragen, warum ich ging. An der Wegkrümmung blickte ich noch einmal zurück und sah das goldene Licht hinter ihr vergehen, dann bog ich um die Ecke, ging an der Dorfschule vorbei und schloss mit diesem Kapitel meines Lebens für immer ab.

Es war ein strahlender Sonntagmorgen Anfang Juni, die richtige Zeit, seine Heimat zu verlassen. Meine drei Schwestern und ein Bruder waren schon vor mir gegangen; zwei andere Brüder mussten sich erst noch dazu entschließen. Sie schliefen noch an diesem Morgen, aber meine Mutter war früh aufgestanden und hatte mir ein kräftiges Frühstück zubereitet; während ich aß, hatte sie, die Hand auf meiner Stuhllehne, schweigend dabeigestanden und mir dann geholfen, meine paar Habseligkeiten zusammenzupacken. Es hatte keine Aufregung gegeben, keine Bitten, keine Ratschläge oder Überredungsversuche, nur einen langen und prüfenden Blick. Dann war ich mit meinem Gepäck auf dem Rücken in den morgendlichen Sonnenschein hinausgetreten und durch das hohe nasse Gras zur Straße hinaufgestapft.

Es war 1934. Ich war neunzehn Jahre alt, noch nicht trocken hinter den Ohren, aber gesegnet mit einem sicheren Glauben an mein Glück. Bei mir trug ich ein kleines zusammengerolltes Zelt, eine Geige in einer Wolldecke, Wäsche zum Wechseln, eine Dose Kekse und etwas Käse. Ich war aufgeregt, sehr von mir überzeugt und wusste, dass ich weit gehen würde; wie weit, das wusste ich allerdings noch nicht. Als ich an diesem Morgen von zu Hause fortwanderte und das schlafende Dorf hinter mir ließ, kam mir nicht ein einziges Mal der Gedanke, dass ich nicht der Erste war, der so auszog.

Natürlich trieben mich die alten Kräfte an, die schon viele Generationen auf die Landstraße geschickt hatten — das enge kleine Tal, das einen erdrückte und mit dem Hauch seines moosigen Mauls erstickte, die Mauern des kleinen Hauses, die einen wie die Arme einer Eisernen Jungfrau umklammerten, und die Mädchen im Dorf, die einem ihr »Heirate und bleib hier« zuflüsterten.

Monate rastloser Unruhe waren vergangen, mit langen Wanderungen, melancholischem Pfeifen und starren Blicken auf die hohen weiten Flächen, die sich unter riesigen Wolkenbänken nach Osten hinzogen, bis der Augenblick kam, der kommen musste.

Und jetzt war ich auf meiner Reise, in festen Schuhen und mit einem Haselstock in der Hand. Selbstverständlich wollte ich nach London, das 160 Kilometer weiter ostwärts lag, und genauso klar war auch, dass ich zu Fuß gehen würde. Aber erst mal wollte ich zur Küste wandern, denn ich hatte noch nie das Meer gesehen. Damit wurde mein Weg, wenn ich ihn über Southampton nahm, noch um 160 Kilometer länger. Aber ich hatte ja den ganzen Sommer vor mir und alle Zeit dieser Welt.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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