Ana Susuki III - Alma Steffanson - E-Book

Ana Susuki III E-Book

Alma Steffanson

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Beschreibung

Ana Susuki Überrumpelt zu werden und in einem TV-Werbespot für Pariser zu landen, hatte die temperamentvolle Geschäftsfrau Ana Susuki nun wirklich nicht geplant. Das ehemalige Top-Model kennt nur eine Lösung: Den arroganten Hotelbesitzer kurzerhand zu verklagen. Doch so leicht sich Ana das auch vorgestellt hat, dieser charmante Anwalt Clive Owen bringt sie immer wieder auf die Palme. Er ist einfach unausstehlich und viel zu attraktiv, da ist sie sich sicher. Wie dumm, dass sie sich auch noch auf ein Spiel mit ihm einlässt und haushoch verliert... Im Tagebuchschreiben widmet Ana sich ihrem Dad und versucht sich selber besser kennen zu lernen. Schließlich holt das Wunder der Liebe sie ein.

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Seitenzahl: 162

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Ana Susuki

Überrumpelt zu werden und in einem TV-Werbespot für Pariser zu landen, hatte die temperamentvolle Geschäftsfrau Ana Susuki nun wirklich nicht geplant. Das ehemalige Top-Model kennt nur eine Lösung: Den arroganten Hotelbesitzer kurzerhand zu verklagen. Doch so leicht sich Ana das auch vorgestellt hat, dieser charmante Anwalt Clive Owen bringt sie immer wieder auf die Palme. Er ist einfach unausstehlich und viel zu attraktiv, da ist sie sich sicher. Wie dumm, dass sie sich auch noch auf ein Spiel mit ihm einlässt und haushoch verliert...

Im Tagebuchschreiben widmet Ana sich ihrem Dad und versucht sich selber besser kennen zu lernen. Schließlich holt das Wunder der Liebe sie ein.

Liebe heißt Beben vor Glück.

Khalil Gibran

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Epilog

Wenn ich dich in diesem Leben nicht erobere, verfolge ich dich in den zehn nächsten...

Elmar Kupke

Wieso stehen Frauen eigentlich auf Eroberung? Und warum um alles in der Welt mache ich in diesem Fall nur keine Ausnahme, Dad?

24

Aus den Augenwinkeln bemerkte Ana zur ihrer Rechten einen Mann in Leinenhemd, der ihr vage bekannt vorkam. Er hatte den Rücken zu ihr gewandt, sodass sie ihn nicht näher einordnen konnte. Hinter ihm erkannte sie den feinen Stoff eines Anzugs. Jenen, den Mr. Owen trug. Verdammt, sie musste aufhören in jeden Anzugträger Clive zu sehen. "Mam? Trinken sie den Martini nicht mehr?" Sie blickte auf. Der junge Barkeeper sah sie fragend an.

"Äh nein."

"Etwas anderes, Mam?"

"Ein stilles Wasser bitte." Sie würde es austrinken und danach schlafen gehen.

Einen Moment später nippte sie an ihrem Wasser, immer noch vertieft in ihren Gedanken, die sie gleichzeitig zu verdrängen versuchte.

“Herr Barkeeper, sechs Prosecco bitte." Eine Frau, die reichlich angeheitert klang, stützte die Ellbogen auf die Theke. "Und sechs Tequila.", säuselte sie weiter. Ana glaubte, die Frau vorhin auf der Tanzfläche gesehen zu haben. Ihr Blick wanderte ziellos umher.

Sie erkannte die blauen Lagunen-Augen rechts von ihr und verschluckte sich fast. Hinter dem Mann mit dem Leinenhemd, stand eindeutig Clive. Offenbar verabschiedete er seinen Freund. Ana hustete erschreckt auf und stellt das Wasserglas ab. Sie merkte, wie sich ihr ganzer Körper anspannte. Was tat er auch hier? Sie wandte den Blick ab. Vielleicht hatte er sie noch nicht bemerkt. Sie könnte einfach auf ihr Zimmer gehen. "Die Prosecco, Mam." Der Barkeeper stellte hoch gefüllte Sektflöten vor der Dame auf die Theke, drehte sich kurz um und reichte die Tequila. Die Frau neben Ana, gab ein leises `Dankeschön` von sich und verteilte die Drinks an das kleine Grüppchen Frauen. Es wurde laut gelacht und die Gläser klirrten gewaltig.

"Auf Sylvia und Juan!", sagte jemand. "Ja. Auf das Hochzeitspaar!", eine andere Stimme. Dem konnte Ana sich nur anschließen. Sie hob kurz ihr Wasserglas, ohne etwas zu trinken. Auf dich Mom, dachte sie. Doch sie war längst nicht so entspannt wie das Damentrüppchen. Sie wusste, dass es Zeit war zu verschwinden. Sie wollte Clive nicht noch einmal über den Weg laufen. Doch wie es aussah war es schon zu spät. Mist. Er musste sie entdeckt haben, denn er kam jetzt geradewegs zu ihr hinüber. Mist! Mist! Mist! Den Blick fest auf sie gerichtet. Ernst. Undurchdringlich. Ana wappnete sich innerlich. Sie würde ihm nicht wieder erlauben sie zu küssen. Nein. Sie würde...Oh Gott, warum zitterte sie so? Und warum meinte sie zu glühen? Sie schluckte. Dicht vor ihr blieb er stehen. Seine Augen glitten langsam von ihren Blick zu ihrem Mund und wieder zurück. Er sagte nichts, was Ana zugleich gruselig als auch lächerlich erschien. Sie wollte ihn gerade darauf ansprechen, als er etwas vor ihr auf die Theke legte. Sein Handgelenk streifte dabei für den Bruchteil einer Sekunde ihren Unterarm und sie zuckte zusammen. Er sah sie noch einmal an, dann drehte er sich um und ging. Verwirrt sah Ana ihm nach. Langsam atmete sie tief durch. Erst dann blickte sie auf das kleine Etwas, das er hinterlassen hatte. Es war ein kleiner weißer Zettel, der weder zusammengefaltet noch zerknittert war. Die markanten, vermutlich sehr für sich sprechenden Schriftzeichen, konnten nur von Clive sein.

Falls du gewinnst...such dir etwas aus.

Ach ja, Fair Play.

Wenn ich gewinne, habe ich eine Woche, das eben Angefangene zu ende zuführen. Nach meinen Regeln.

Deal?

Ana las die winzige Notiz noch einmal. `Wenn du gewinnst?` Was sollte das heißen? Wobei gewinnen? Und was sollte das mit ´seinen Regeln´? Das eben Angefangene zu beenden.

Ein Schauer lief ihr den Rücken hinunter. Er wollte mit ihr ins Bett. Das war eindeutig. Sie dachte wieder an seine Küsse und Berührungen und spürte wie sie rot wurde.

Himmel! Das war doch lächerlich. Was bildete sich dieser Typ eigentlich ein? Spielen um Sex? Für wie arrogant hielt er sich? Sie sollte die Notiz einfach ignorieren und ihn am besten auch. Daran täte sie vermutlich ganz gut. Sie wollte gerade den Zettel zusammenknüllen, als sie bemerkte, dass auch die Rückseite beschrieben war.

Sieger ist derjenige,

der zuerst Phase 10 gelegt hat.

Ein Kartenspiel also. Jetzt war sie neugierig. In Kartenspielen war sie gut. Verdammt gut. Sie würde ihn um Längen schlagen. Und sich als Gewinn etwas auszusuchen - ja das klang verlockend. Clive in einer Schwulenbar oder als Poolboy. Sie schmunzelte amüsiert.

Sie kannte das Spiel zwar nicht, aber das würde sie nicht davon abhalten ihn eins auszuwischen.

Ana erhob sich vom Barhocker und machte sich auf die Suche nach dem Mann, der ihr den Zettel zugesteckt hatte. Das konnte sie nicht so stehen lassen.

Schließlich fand sie ihn im Kaminzimmer. Den Rücken zu ihr. "Soll das eine Einladung zum Strippoker sein?" Er drehte sich zu ihr um. "Haben wir einen Deal?"

Ana lachte auf. Die Arme verschränkt, warf sie ihm einen höhnischen Blick zu. "Du bildest dir ganz schön was ein, wie?"

Clive trat einen Schritt auf sie zu.

"Faires Spiel. Du hast die Chance zu gewinnen."

"Und das werde ich auch. Obwohl ich das Spiel nicht kenne."

War sie verrückt geworden? Was tat sie da?

Er blickte sie durchdringend an. "Heißt das, du bist dabei?"

Ana lächelte ihn schnippisch an. "Oh ja. Allerdings. Ich möchte dich gerne als Tabledancer sehen. Das würde mir gefallen. Vielleicht in einer Schwulenbar."

Er verzog keine Miene, starrte sie nur an, die Frau die ihn um den Verstand brachte.

Er für seinen Teil, dachte er, wusste was er tat. Wer hätte gedacht, dass sie sich auf ein Spiel mit ihm einließ, nachdem sie ihren Unmut, was ihn anging, des öfteren geäußert hatte.

"Gut. Dann lass uns anfangen."

Er legte eine Hand in ihren Rücken und führte sie fort.

"Die nächste Entführung?"

Es war sarkastisch gemeint, ein Tonfall, den er jedes Mal aufs Neue bei ihr auszulösen schien.

Er lächelte nur. Ana konnte es fühlen. Diese Wärme, die sie schon öfter überkam, wenn er sein Mund zu seinem Lächeln verzog, breitete sich in ihrem ganzen Körper aus.

Über einen kleinen Umweg an der Hotelbar vorbei und einem Seitensaal, führte er sie ein Stück durch die Lobby und sie erkannte, dass Clive den Weg ins Chow einschlug. Das Restaurant, indem sie sich erholt hatte, nachdem der Werbespot über sie hereinbrach. Sie hatte schon einmal mit ihm hier gesessen. Und es war sicherlich keine gute Idee, das zu wiederholen, warnte eine Stimme sie in ihrem Kopf, die sie jedoch geflissentlich ignorierte. Sie würde ja ohnehin gewinnen. Also kein Grund zur Panik.

Clive ließ sie los, hielt ihr die Glastür auf und folgte ihr ins Innere des Restaurants. Sie war sich deutlich bewusst, dass sie alleine mit ihm war. Alleine mit Clive. Aber sie hatte keine Angst. Sie war nur nervös. Das Chow war leer. Das Licht dämmrig. Clive steuerte selbstsicher auf die Bar zu. "Möchtest du etwas trinken?" "Nein danke. Ich bleibe lieber bei klarem Verstand." Er schmunzelte leicht amüsiert über ihre Worte und schenkte sich einen Whiskey ein, den er auf der Theke stellte. Ana setzte sich auf einen der Barhocker. Sie waren ähnlich, wie die aus dem Festsaal. Aus dunklem Teakholz, mit hoher Lehne und eingearbeitetem schwarzen Leder.

"Also,", fing sie an, "ich kenne das Spiel nicht."

Clive kam jetzt um die Theke herum und setzte sich neben sie. Ein Kartenspiel aus seinem Jackett ziehend, sah er sie an.

"Das Spiel heißt Phase 10. Es geht darum, alle Phasen erfolgreich zu durchlaufen. Jeder bekommt einen Spielplan zur Übersicht." Er suchte eine bestimmte Karte aus dem Stapel und legte sie vor Ana. "Das sind die einzelnen Phasen. Es fängt an mit zwei Drillingen, Phase 1.

Es geht darum, aus den Karten auf deiner Hand,", er zählte zehn Karten ab und gab sie ihr, "zweimal drei gleiche zu finden. Mit drei gleiche, meine ich, zum Beispiel drei mal die 12, oder drei mal die zwei. Farben sind hier nicht entscheidend."

"Ah. Ok. Und wenn ich nur zweimal die gleiche Karte habe?"

"Dann musst du sie sammeln und eine Karte ziehen. Du kannst auch die Karte in der Mitte,", Clive legte eine Karte vom Stapel daneben, "gegen eine von deinen austauschen. In jedem Fall musst du eine Karte ablegen. Dann bin ich dran. Hast du die Phase 1 abgelegt, ist die Runde zu ende und wir spielen weiter, du in Phase 2 und ich in Phase 1." Clive hielt kurz inne und sah Ana an. "Es gibt übrigens noch Joker, die überall einsetzbar und austauschbar sind."

"Oh. Ok. Verstanden. Was ist, wenn wir gleichzeitig ablegen können?"

Clive grinste. "Da wir uns immer abwechseln, kann nur einer ablegen. Und der andere muss die Phase dann wiederholen."

"Mmhm. Die anderen Phasen - was muss ich da beachten?"

Clive erklärte es ihr und Ana nickte. Er mischte die Karten.

"Stopp." Sie legte eine Hand auf seine. "Bevor wir anfangen. Eine Woche ist zu lang."

"Ich verhandle nicht."

"Und ich gehe nicht mit dir ins Bett."

Er sah sie herausfordern an und schaute dann auf ihre Hand, die seine immer noch umklammerte. Peinlich berührt, zog Ana sie zurück.

"Dann kann es ja losgehen.", meinte er heiter.

Er hatte die Karten neu gemischt, jedem zehn Karten ausgeteilt und eine in die Mitte gelegt. "Fang du an."

Ana musste sich erst einmal einen Überblick der verschiedenen Karten auf ihrer Hand verschaffen. Ok, sie brauchte zwei Drillinge. Sie hatte zwei Fünfen und drei Siebener. Vorne lag eine eins, was ihr nicht viel nütze. Sie zog eine Karte, die ihr auch nicht weiterhalf, und legte sie auf den Stapel.

Clive legte seine letzte Phase ab und grinste. "Phase 10!"

Ana konnte es nicht fassen. Sicher, sie war noch in Phase 4, hatte aber irgendwie geglaubt, sie würde ihn noch einholen.

"Nein. Nein. Moment. Das gibt’s doch nicht."

Clive trank ein wenig von seinem Whiskey und lachte jetzt.

"Oh, ich wette du hast geschummelt. Wie vor Gericht.", blitze sie ihn wütend an. Sie war jetzt richtig in Fahrt. Er konnte doch nicht gewonnen haben. Ausgeschlossen!

"Du hast verloren, Süße. Nicht weiter tragisch, wenn du mich fragst."

Sie funkelte ihn an, doch er lachte nur noch mehr. Dann, als sie es nicht mehr ertragen konnte, tat sie etwas unüberlegtes. Sie zwickte ihn am Arm und spürte trotz seines Anzugs, die Körperwärme, die von ihm ausging, wie einen elektrisierenden Schlag. Daraufhin wich sie hastig zurück. Er verstummte urplötzlich, als hätte er es auch gespürt.

Er stand auf und beugte sich zu ihr hinunter. Sein Mund ganz nah an ihrem Ohr flüsterte er: „Guter Deal! Ich freue mich darauf.“ Ana wollte noch etwas sagen, doch sie war wie vernebelt. Wenn er ihr so nah war, dass hatte sie schon bemerkt, konnte sie keinen klaren Kopf bewahren. Er wandte sich ihrem Gesicht zu, grinste sie triumphierend an und verschwand schließlich.

Ahhhhhhh. Dieses mieses, arrogante Arschloch! Was bildete er sich eigentlich ein? Verdammt, sie hätte sich nie auf dieses Spiel einlassen dürfen. Und wie konnte sie nur so dumm sein, zu glauben, sie würde gewinnen? Es war reine Glückssache, dass er als Erstes die letzte Phase niederlegte. Oder er hatte wirklich geschummelt. Dann nahm sie sein Glas, dass noch Whiskey enthielt und trank. Zum Teufel mit Clive! Sie verzog das Gesicht, als sie den herben Geschmack in der Kehle spürte.

Schließlich erhob sie sich und verließ das Chow mit dem Gefühl, einmal mehr auf seine Spielchen hereingefallen zu sein.

Sie streifte durch die Hotellobby. Sie war unterwegs in ihr Zimmer. Für heute hatte sie wirklich genug. Besonders von Clive! Herr Gott noch mal! Ana rieb sich die Schläfe. Sie spürte, dass sie müde war. Und sicher würde sie auch sofort einschlafen, wenn sie nicht so dumm gewesen wäre, sich auf Clive einzulassen. Er hatte sie wieder einmal um den Finger gewickelt. Und sie hatte es zugelassen. Automatisch schüttelte sie den Kopf, wie um sich selbst zu bestätigen, wie unüberlegt die Aktion von ihr gewesen war.

"Ana!" Ana blickte auf und sah in das feine, herzförmige, mit kurzen blonden Locken umrahmte Gesicht ihrer Schwester. Sie kam ganz nach ihrer Mutter.

"Chantal!" Sie bahnte sich einen Weg zum Hoteleingang, wo Chantal etwas unsicher, eine Hand auf einen schwarzen klassischen Koffer, lehnte. Ana umarmte ihre Schwester. "Da bist du ja endlich! Ich habe dich mehrmals versucht zu erreichen." Chantal erwiderte nichts. Stattdessen drehte sie sich soweit, dass sie durch den offenen Eingangs des Hotels mit den beiden Pagen, nervös hinausschaute. Ana wusste nicht was sie davon halten sollte. Andererseits war ihre Schwester schwanger nach einem One-Night-Stand. Klar, dass der Schreck noch tief saß.

Schließlich folgte Ana Chantal's Blick. Dort draußen stand ein Maserati. Nichts ungewöhnliches vor einer Adresse wie das Beverly Hills Hotel. Ana sah genauer hin und erkannte, dass in dem Wagen Licht brannte und der Fahrer, es war eindeutig ein Mann, zu ihnen herüberschaute. Nein zu Chantal.

Ana blickte wieder ihre Schwester an. "Wer ist das?"

"Er hat mich hergefahren. War nicht gerade begeistert, als ich bei ihm klingelte. Den ganzen Weg von San Francisco aus haben wir fast gar nicht geredet. Nur gerade." Chantal packte sich an die Schultern. "Ich habe versucht es ihm zu sagen, aber ich konnte nicht."

Ana verstand nicht ganz. "Ihm was sagen?"

Chantal drehte sich zu ihr. "Er ist der Vater des Kindes, Ana."

Sie sagte das so leise, als konnte sie es selbst kaum glauben. Ana schnappte nach Luft.

"Deshalb warst du in San Fran. Du wolltest zu ihm."

"Ja. Ich wollte ihm von der Schwangerschaft erzählen. Nicht, dass ich mir dadurch etwas erhofft hatte, ich wusste dass wir in verschiedenen Welten leben. Nur als ich vor ihm stand konnte ich nicht. Ich konnte es ihm einfach nicht sagen."

"Du musst es ihm sagen."

"Ich weiß."

"Ahnt er nicht schon längst etwas?"

"Vermutlich. Er musste mehrmals unterwegs anhalten, weil mir so übel war. Aber er hat nichts dazu gesagt."

"Oh, Darling." Ana berührte ihre Schwester sanft am Oberarm.

Ein Page beobachtete die Blicke der Ladys und deutete schließlich auf Chantal´s Koffer. "Mam, darf ich Ihnen behilflich sein?"

"Sie können ihn auf mein Zimmer bringen, Ana Susuki."

Der Page nickte und verschwand mit Chantal's Koffer im Aufzug.

Beide Schwestern wandten sich wieder an den Fahrer in dem Maserati.

"Willst du nicht hingehen und mit ihm reden?"

"Nein!"

"Aber..."

"Ich habe Angst Ana. Als Psychologin sollte ich es besser wissen. Ich kann einfach nicht..."

"Wieso starrt er dich die ganze Zeit so an? Wirklich Chantal, du solltest mit ihm reden." Doch ihre Schwester schüttelte nur den Kopf, warf noch einen Blick auf den Fahrer und beschritt dann die Hotellobby. Ana seufzte, folgte ihr aber schließlich.

Sie merkte, dass ihre Schwester, sich ablenken wollte.

"Du siehst übrigens ziemlich angeheitert aus. Gute Party, was?"

Ana sah Chantal an. "Weißt du, ich habe gerade etwas wirklich Dummes getan."

Chantal blinzelte sie an.

Und dann erzählte Ana ihr von dem 'Deal', wie Clive ihn nannte. Sie erwähnte nicht, dass er sie jedes mal aufs neue erhitzte. Auch die Vorgeschichte ließ sie weg.

"Also ich finde das ziemlich lustig.", meinte Chantal.

"Er ist doch nicht verheiratet, oder?"

"Glaub nicht. Aber darum geht es auch nicht. Er macht nur Schwierigkeiten."

Chantal grinste ihre Schwester verschmitzt an.

"Ach Ana, vielleicht ist er genau richtig für Dich. Und wenn nicht, lässt du ihn halt links liegen."

Ana zog eine Grimasse.

"Sieh es mal so, du machst eine Woche Urlaub in Kalifornien und hast dabei jede Menge Vergnügen." Ana sagte nichts. "Denk auf jeden Fall an Verhütungsmittel, wenn du nicht gleich ein Kind von ihm bekommen willst.", schob Chantal warnend nach. Sie dachte an den Investmanbanker in dem Wagen vor dem Hotel. Brian war definitiv jemand, bei dem sie alles vergessen hatte. Die eine große Frage, die ein Mann einer Frau stellen konnte, hatte er ihr gestellt. Chantal war alles andere als vorbereitet gewesen. Was hätte sie auch sagen sollen? Sie musste erst einmal nachdenken. Erst dann würde sie ihre Schwester davon erzählen.

Ana schob die letzte Bemerkung von Chantal in die hintersten Winkel ihres Bewusstseins. Sie hatte keinen Bedarf, dem Gedanken weiter nachzugehen. Für einen Flirt war Clive vielleicht ein geeigneter Mann, doch für weiteres?

Sie schüttelte den Kopf. Es war lächerlich, überhaupt daran zu denken.

Sie umarmte ihre Schwester, als auch schon ein weiteres Familienmitglied dazu stoß.

"Chantal! Da bist du ja endlich, Schätzchen!"

Sylvia Susuki's Stimme hallte in der Hotellobby. Das elegante Brautkleid nur ein klein wenig an der Spitze zerzaust, sah sie doch immer noch wie die perfekte Braut aus. Die Schwestern sahen sich an. "Du hast ihr doch nichts gesagt, oder?", fragte Chantal hastig.

"Nein.", versicherte Ana ihr. "Das solltest du tun. Muss ja nicht jetzt sein."

Kurze Zeit später stand ihre Mutter strahlend vor ihnen.

"Hi Mom. Alles Gute zur Hochzeit!" Chantal versuchte frohen Mutes zu klingen und brachte ein schwaches Lächeln zustande als sie ihre Mutter darauf hin umarmte.

Sylvia nahm es ihr ab. Ana bemerkte, dass ihre Mom wohl schon den einen oder anderen Prosecco gekippt hatte. Ihre Wangen glühten und aus ihren fein geschminkten Augen drang ein intensives Leuchten, das nur Glück sein konnte. "Danke Liebes." Jetzt wandte sie sich an Ana. "Ana! Ich dachte schon du bist verschwunden. Hast wohl Chantal abgeholt? Ich freue mich ja so euch beide hier zu sehen. Kommt mit, ich werde euch meinen Bridge-Club vorstellen. Einige von denen sind auf der Suche und ich glaube sie haben ein Auge auf Juan's Vetter geworfen. Sie tanzen was das Zeug hält."

"Also ich werde schlafen gehen. Bin ziemlich fertig.", meinte Ana.

Sylvia verzog kurz das Gesicht, ehe sie wieder lächelte. "Dann schlaf gut, Darling." Sie warf einen Blick auf Ana's Kleid. "Brauchst du Hilfe um aus diesem traumhaften Satin zu kommen?"

"Geht schon,", grinste Ana müde "ich habe doch einen Kleiderbügel." Chantal schmunzelte.

"Gute Nacht, Ana. Bis später." Es folgten Umarmungen, dann wandte sich Ana dem Aufzug zu und sah wie ihre Schwester sich von ihrer Mom in den Saal führen ließ.

"Dir geht's doch wieder gut, oder Darling? All der Herzschmerz und so?"

Sylvias Stimme drang entfernt, aber doch verständlich an ihr Ohr. Und kurz drauf ein schwaches "Ja. Ja. Natürlich." von Chantal. Die Unsicherheit in ihrer Stimme war nicht zu überhören. Für einen Moment fragte sich Ana, was sie tun würde, wenn sie an Chantal´s Stelle wäre. Schwanger von einem Mann, den sie nicht näher kannte, nach einem One-Night-Stand. Vermutlich würde sie das beste aus der Situation machen und in Zukunft besser aufpassen.