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Ana Susuki Überrumpelt zu werden und in einem TV-Werbespot für Pariser zu landen, hatte die temperamentvolle Geschäftsfrau Ana Susuki nun wirklich nicht geplant. Das ehemalige Top-Model kennt nur eine Lösung: Den arroganten Hotelbesitzer kurzerhand zu verklagen. Doch so leicht sich Ana das auch vorgestellt hat, dieser charmante Anwalt Clive Owen bringt sie immer wieder auf die Palme. Er ist einfach unausstehlich und viel zu attraktiv, da ist sie sich sicher. Wie dumm, dass sie sich auch noch auf ein Spiel mit ihm einlässt und haushoch verliert... Im Tagebuchschreiben widmet Ana sich ihrem Dad und versucht sich selber besser kennen zu lernen. Schließlich holt das Wunder der Liebe sie ein.
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Seitenzahl: 264
Veröffentlichungsjahr: 2022
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Ana Susuki
Überrumpelt zu werden und in einem TV-Werbespot für Pariser zu landen, hatte die temperamentvolle Geschäftsfrau Ana Susuki nun wirklich nicht geplant. Das ehemalige Top-Model kennt nur eine Lösung: Den arroganten Hotelbesitzer kurzerhand zu verklagen. Doch so leicht sich Ana das auch vorgestellt hat, dieser charmante Anwalt Clive Owen bringt sie immer wieder auf die Palme. Er ist einfach unausstehlich und viel zu attraktiv, da ist sie sich sicher. Wie dumm, dass sie sich auch noch auf ein Spiel mit ihm einlässt und haushoch verliert...
Im Tagebuchschreiben widmet Ana sich ihrem Dad und versucht sich selber besser kennen zu lernen. Schließlich holt das Wunder der Liebe sie ein.
Liebe heißt Beben vor Glück.
Khalil Gibran
Was soll das hier alles?
Wozu die ganze Aufruhr?
Aufruhr?
Na das Vorwort.
Das Vor-Vorwort. Die Schriftstellerin hat es wohl nötig. Meine Güte.
Und was sollen wir dann hier?
Keinen Schimmer.
Angeblich etwas lustiges erzählen. Aber mir fällt nichts ein.
Mir auch nicht. Aber wir können sie doch jetzt nicht einfach so im Regen stehen lassen.
Im Regen stehen lassen? Wir haben den schäbigsten Platz bekommen. Denk nur an die vielen Autoren, die die Kapitel einleiten. Und überhaupt, ich sehe nicht ein diese Göre in irgendeiner Weise zu unterstützen. Hat sie mich jemals unterstützt?
Aber du kennst sie doch noch gar nicht so lange.
Eben deshalb ja. `Ana Susuki und die Liebe.` Wie das klingt - ganz nach Zirkus.
Wo soll uns das nur hinführen?
Es ist eine Liebesgeschichte.
Wenn es eine Liebesgeschichte wäre, dann wäre das Cover rot und überhaupt sagt der Buchrücken doch nichts davon.
Es ist eine moderne Liebesgeschichte.
Modern, modern! Was ist nur aus den Klassikern geworden?
Zu meiner Zeit, da las man Shakespeare und Anna Karenina von Tolstoi oder was ich am liebsten mochte, Tristan und Isolde.
Nicht Austen?
Austen? Nee, nie gehört.
Das zeigt nur wie wenig Ahnung du von guter Literatur hast.
Phh. Gute Literatur. Was ist das schon?
Das ist doch völlig subjektiv.
Die meisten Menschen lesen doch sowieso nur um nicht alleine zu sein.
Also ich lese aus Vergnügen. Besonders die Klassiker.
Glaub mir, Menschen lesen nie aus Vergnügen.
Sie lesen aus Verlangen, aus dem unermesslichen Druck wissen zu wollen wie es weitergeht, aus Berechenbarkeit sich etwas auf ihren Intellekt einbilden zu können, aus Langeweile oder welchen Gründen auch immer.
Aber wenn die Geschichte doch spannend ist?
Das muss die Schriftstellerin erst mal beweisen.
Jetzt hast du mich ganz neugierig gemacht.
Lass uns anfangen zu lesen. Blättere endlich um.
Moment noch.
Was denn?
Wenn das wirklich eine Liebesgeschichte ist, muss ich mir Taschentücher zur Seite stellen.
Ich bin so leicht sentimental wenn es romantisch wird.
Kann es dann jetzt endlich losgehen?
Eins noch.
Was denn jetzt schon wieder?
Kann sie mich verändern?
Hä?
Die Geschichte? Verändert sie mich?
Wie soll das denn gehen?
Ich habe mal gelesen, dass Bücher
Menschen ein Stück weit verändern.
Völliger Quatsch. Was liest du eigentlich?
Naja, also...
Stopp, bevor du jetzt wieder die Klassiker ausgräbst, halten wir fest: Die Geschichte kann dich nicht verändern.
Sie ist ein Produkt reiner Fantasie.
Also ich bin mir da nicht so sicher.
Gut dann verändert sie dich eben. Ich blättere jetzt um -
Fang einfach an, ja?
Also gut. Ach heerje! Wieder ein Zitat.
Sollen wir als Akademiker enden?
Das Grundprinzip von Liebe bei Mann und Frau heißt:
Sehen, Schauen.
Zersägt eure Doppelbetten, Robert Betz und Andrea Schirnak
Prolog
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
"Fluffy! He Fluffy warte!" Ich keuchte und hielt kurz inne. Dad hatte ihn mir letzte Woche aus dem Tierheim geholt. Weil du jetzt fünf bist, Prinzessin hatte er gesagt. Seit dem führe ich Fluffy jeden Morgen Gassi. Wir nehmen immer die gleiche Strecke. Den Waldweg zu den Sherman's. Cody wohnt dort und manchmal kommt er mit und wir nehmen Fluffy in unsere kleine Höhle aus verwilderten Sträuchern. Wir haben sie "Manor Hole" getauft. Meist spielen wir dort Karten.
Als ich den Weg zu den Sherman's erreichte und die Gartenpforte aufstieß, war Cody's Mutter im Garten. Die milde Septembersonne im Rücken. Sie schnitt die Rosensträucher und erblickte mich jetzt. "Morgen Mrs. Shermann." Sie lächelte mich warmherzig an. "Morgen Alice. Na was machst du so früh am morgen hier?"
"Ich will zu Cody."
Sie nickte. "Dann klingel mal." Ich trat an die Tür und stand kurze Zeit später meinem Freund Cody gegenüber. Fluffy im Schlepptau.
"Hi Cody."
"Hi Alice."
"Sitz Fluffy. Mach Sitz." Fluffy streckte sich kurzerhand und machte es sich auf der Hausmatte der Sherman's bequem. "Siehst du, er hört schon auf mich.", stellt ich zufrieden fest. Cody klang wenig beeindruckt. "Warte nur, was ich ihm alles beigebracht habe, wenn du wieder da bist." Ich blickte ihn an.
Ich kannte niemanden der so selbstsicher war wie er. "Ich habe ihn heute Morgen gebadet. Er ist total sauber."
Fluffy's flauschiges Fell in meinen Händen vergrub ich mein Gesicht kurz an seinem Hals. Ich würde ihn vermissen. Aber es war nur für eine Woche und Cody würde gut auf ihn aufpassen.
"Möchtest du noch reinkommen? Wir haben einen ganzen Eimer Kirschen in der Küche, die magst du doch so gerne. Frisch gepflückt."
Ich sah auf. Irgendwie wirkte er verlegen. Komisch. "Nein. Ich würde ja gern, aber ich muss noch meinen Koffer packen."
"Ciao Cody." Ich winkte ihm zum Abschied und drehte mich um.
"He Alice viel Spaß.", rief er mir noch hinterher.
"Danke, ich werde dir eine Karte schicken."
Ich rannte den ganzen Weg zurück nach Hause.
Ich heiße Alice Olivia Susuki Owen. Aber jeder nennt mich Alice. Und meine Geschichte beginnt genau hier. Mom und Dad haben sie mir ziemlich oft erzählt.
Meist werfen sie sich dabei sehnsüchtige Blicke zu und knutschen sich endlos.
Dann verdrehe ich die Augen. Meine Oma Sylvia sagt immer, es hätte nicht besser kommen können. Und das stimmt auch.
Denn ich liebe meine Eltern.
"Es ist so eigenartig."
"Ja und das macht es ja so amüsant.
Seine völlige Abscheu und deine ausgesprochene Abneigung gegen ihn, machen es so köstlich absurd."
Elizabeth Bennet und Mr. Bennet,
Stolz und Vorurteil, Jane Austen
"Denn wozu leben wir, wenn nicht, um unsere Nachbarn Anlass zum Lachen zu geben und dafür umgekehrt über sie zu lachen?"
Mr. Bennet, Stolz und Vorurteil, Jane Austen
Mein Leben ist bunt, manchmal ein wenig chaotisch. Doch ich mag wie es ist. Im Großen und Ganzen. Ich schätze wer in NYC lebt, ist sowieso viel zu busy für die Liebe. Zeit ist hier solch eine wichtige Ressource, dass die meisten sich wohl am liebsten welche dazu kaufen würden. Dad, du hast immer gesagt, dass Leben sei viel zu kurz für die Liebe, deswegen solle man gar nicht erst versuchen von ihr davon zu laufen. Ich habe wirklich darüber nachgedacht. Vor gar nichts will ich davon laufen. Mein Herz würde nur keinen weiteren Schmerz ertragen. Nicht nachdem du Dad, so früh gegangen bist. I love you.
Gelb – ja eindeutig, das war die neue Farbe des Sommers. Die Welt brauchte mehr Frische. Und welche Farbe eignete sich da besser, als die der Sonne. Ein Stimmungsplus auf ganzer Linie.
„Ist gut, Jeffrey. Sagen sie dem Chauffeur Bescheid, mein Flug geht um 13:02 und buchen sie die Models für die Dior-Kampagne. Sie wissen schon keine zu exotischen, aber auch keine langweiligen. Schlank, aber nicht mager. Haltung aber keine Arroganz. Kann ich Ihnen vertrauen?“
Nachdem Ana aufgelegt hatte, raufte sie sich die Haare. Ihre Zeit war zu wertvoll, andererseits war es aber ebenso schade, dass sie die Models nicht selbst aussuchen konnte. In ihrem Terminkalender, stand groß und fest:
Beach-Shooting in L.A.
Und da konnte sie nicht fehlen. Die Models dort, warteten auf ihren Einsatz. Ihr Befehl. Ohne dem lief nichts.
Ana klappte den Ordner mit den Bademoden zu und steckte ihn in ihre Louis Vuitton – Tasche. Selbstverständlich, die aus der aktuellen Kollektion. Als Modeprofi will man schließlich nicht nur auffallen, sondern auch gefallen, was bei weitem mehr abforderte als die neueste Trendfarbe zu kennen.
Als Ana aufstand und ihren Schreibtisch den Rücken zukehrte piepste ihr Blackberry.
Eine Nachricht von Sam blinkte auf ihrem Display.
Bin spät dran.
Treffen uns im Central Park.
Bis dann. Sam xxo
Typisch Sam. Doch es war alles bestens, sie war schließlich selbst noch unterwegs.
Ana verstaute ihr Mobiltelefon in ihre Paige-Jeans und blickte sich erneut um. Nein, mehr würde sie nicht brauchen. Für das Wochenend-Shooting in L-A. hatte sie den Ordner und die entsprechenden Set-Cards der Models vorgesehen. Diese und ihr messerscharfer Verstand würden ihr helfen, die richtigen Pics herauszufiltern, um eine wundervolle Fotostrecke zu erstellen.
Ihr Mahagoni-Schreibtisch war ungewohnt leer. Ein Trugschluss, der auf Urlaub vermuten ließ, jedoch Arbeit bedeutete. L. A. würde ihr zwar gut tun, doch es würde wenig Zeit bleiben um faul in der Sonne zu liegen, einen Mojitoo zu trinken und durch Calvin Klein-Gläser die Waschbrettbäuche der kalifornischen Beachboys zu studieren. Eine Lieblingsbeschäftigung ihrer Freundin. Früher in der Schule, war sie die gewesen, die auf sich aufmerksam machte nur damit alle Jungs auf einmal herschauten und plötzlich Ana im Mittelpunkt stand. Damals hatte Ana ihre Freundin dafür gehasst, sie bloß zu stellen, obwohl es nach Sams Meinung ja nur „ein wenig unter die jungfräulichen Armen zu greifen“ hieß. Mittlerweile war Ana eine selbstbewusste Frau, die ihre Schüchternheit nach der Pubertät wie ein Ohrring ablegt hatte. Aus großen grünen, wachsamen Augen, war ein exotisches Wunder herangereift. Ana versuchte erst gar nicht diesen Umstand herunterzuspielen. Sie hatte schon immer Menschen gemocht, die für das stehen was sie tun, oder eben nicht tun. Bescheidenheit und Zurückhaltung waren in ihren Augen ein Zeichen von unnötiger Affektiertheit.
Ganz im Gegensatz zu Gucci, Prada und Co. – ein notwendiger Shop, wie man meinen könnte.
Und wer könnte sie da besser begleiten als Sam?
Nun gut, erst einmal Treffpunkt im Central Park.
Ana blickte zur Uhr. 10:30 Uhr. Ihr blieb noch ein wenig Zeit. Sie schloss die breite Tür hinter sich und ließ ihr Büro-Zimmer, was viele als den Ort der Inspiration bezeichnen, allein. Für Ana war er mehr als das, ein Ort der Ruhe und des Wohlbefindens. Weiße Orchideen und eine beieindruckenswerte Buddha-Skulptur verlieh dem Raum eine angenehme Atmosphäre. Der beruhigende Wasserfall und die kaschmirfarbenen Wänden ergänzten mitsamt dem edlen Holz Mobiliar ihre Oase.
Der ferne Ausblick auf den Central Park, war jedoch das Highlight schlechthin.
Die unmittelbare Nähe zur grünen Landschaft im sonst so hektischen New York, war einer der ausschlaggebenden Gründe für ihr Büro gewesen.
Wenn man es nicht besser wüsste, würde man den Namen Ana Susuki vielleicht nicht unbedingt mit High Fashion in Verbindung bringen. Doch die Wand hinter ihrem Schreibtisch sprach Bände. Riesige Fotoaufnahmen von Valentino über Ralph Lauren bis Miu Miu gaben Aufschluss über ihren Job, der für sie schon längst zur Berufung geworden war.
Chefredakteurin und Herausgeberin des Mode-Magazin „La Mannequin“ zu sein, war ihr größter Stolz. Sie hatte sich hochgearbeitet in der Modebranche, die nicht nur hübsche Gesichter, sondern auch kluge Köpfe brauchte. Der Name 'La Mannequin' war ihr während ihrer Zeit in Paris eingefallen und er sollte genau das darstellen. Frauen sollten sich als einen freien Mensch wahrnehmen, als Frau fühlen. Sie wollte mit 'La Mannequin' ein individuelles Sein ermöglichen. Die Designs, die sie präsentierte, waren überwiegend französisch, klassisch und sollten die Schönheit jeder Frau betonen.
Im Eingangsbereich bereitete sich die PR-Abteilung gerade auf ihren morgigen Auftritt in der Letterman Show vor.
Doch Ana hatte Wichtigeres zu tun.
Mit großen Schritten schritt sie den langen Korridor entlang bis zu den Fahrstühlen.
Sie drückte auf den Knopf, und war erleichtert, als sie ganz allein eintrat. Ruhe könnte man nie genug haben. Für New Yorker ein echtes Privileg.
In der Lobby verabschiedete sie sich von Dana und drückte ihr die Daumen für ihr Wiedersehen mit Simon, einem alten Jugendfreund, wie sie es auf eine Frage von Ana's Mitarbeiter Jeffrey erzählt hatte.
Dana arbeitete schon lange Jahre als Sekretärin, doch für das „La Mannequin“ arbeitete sie erst seit zwei Wochen. Es erstaunte Ana immer wieder wie schnell sie sich eingearbeitet hat, noch dazu von einer Assistentin, da die vorige Sekretärin fristlos gegangen war.
Dana war bei weitem nicht das was eine Modefirma sich als Logo wünschte, nur war ihre Arbeit erstklassig. Ihre wertvollen Recherchen und ihr breites Fachwissen der Datenverarbeitung machten sie unabdingbar und Ana wollte sie nicht missen.
„Miss Susuki, sie sehen wie immer sehr glamourös aus, wie schaffen Sie das bloß?“ Dana, die mit ihren schmal geschnitten, schwarzen Bob aufblickte, erinnerte Ana mehr an eine Lehrerin aus ihrer Zeit am College, als an eine Sekretärin einer Modefirma, noch dazu auf der Park Avenue. Die Straße aller Straßen in New York. Wenn man hier rumlief wie ein Schluffi, war man geliefert. Und Dana machte nicht gerade den Eindruck, als würde sie das stören.
„Danke, Dana. Doch sie sollten ihre Haare mehr Farbe zutrauen. Erinnern Sie sich an unser Gespräch letzte Woche? Ein sanfter Karamellton würde ihnen sicher ausgezeichnet stehen.“
Ana, die es eilig hatte, hoffte ihrer Mitarbeiterin einen Tipp geben zu können, doch diese schien verunsichert. „Meinen Sie, Simon würde ein Karamellton gefallen? Vielleicht erkennt er mich nicht, und wäre enttäuscht“, fantasierte Dana fast schon theatralisch.
Ana musste sich zwingen tief durchzuatmen, ihr Geduldsfaden hang in den Seilen. Doch sie ließ sich nichts anmerken, als sie mit einem frischen Lächeln entgegnete: „Simon würde es sicher gefallen. Der warme Karamellton würde ihre Augen mehr zum Strahlen bringen. Denken sie daran, sie sind für diese Firma ein wichtiges Gesicht, Dana. Der Kunde, blickt zuerst in ihr Gesicht, bevor er seine Geschäfte tätigt. Sie sind es „La Mannequin“ schuldig, ach was sag ich, sie sind es sich selbst schuldig! Es ist wichtig Dana, dass Sie sich wohlfühlen. Nicht nur für Sie, auch für Ihre Umgebung.“
Wie immer, wenn Ana ihr Mut machte und an ihrem noch nicht so ausgefeilten modischen Facetten appellierte, fühlte sich Dana wie eine Prinzessin und strahlte, was durch die rote Brille mit dem schwarzen-grünen Zickzack-Rand nach einem Schulmädchen aussah.
„Nehmen sie sich ein Herz und lösen sie den Gutschein bei Bloomingdales ein, Dana.“
Mit strenger, aber doch wie sie hoffte freundschaftlicher Miene fixierte Ana die zurückhaltende Sekretärin, die es offenbar noch nicht geschafft hatte, sich ein ordentliches, präsentables Outfit zuzulegen. Ana staunte über sich selbst, wie lange sie bisher die Augen zudrückte.
Dana brachte nichts als ein „Ja, Miss“ zustanden, was sie noch mehr an ein Schulmädchen erinnern ließ, noch dazu an ein gehorsames liebes, braves.
Schon halb im Gehen, winkte Ana ihrer Sekretärin zu und erklärte ihr per Zeichensprache keine Telefonate auf ihr Handy rüber zustellen und verwies auf ihr Terminkalender.
Dana verstand, winkte und wünschte ihrer Chefin viel Spaß im sonnigen Los Angeles.
„Ana, da bist du ja – wurdest du aufgehalten?“ Sam, die diesmal offenbar eher am Treffpunkt war, schien neugierig. Sie reichte Ana einen Kaffee Latte mit extra viel Milchschaum, den sie nach langem Anstehen endlich bei einer Starbucks an der Ecke 63 Street und Lextingon Avenue ergattert hatte. Ana nahm dankend an. Coffein war genau das was sie jetzt brauchte. „Ach frag lieber nicht.“
Mit einem lauten Seufzer ließ sich Ana auf einer Bank neben ihrer Freundin nieder und genoss die vertraute Gesellschaft.
„Mm, lass mich raten, hast du etwa einen Verehrer von dem ich nichts weiß?“ Sam liebte dieses Thema und ließ keine Ruh um Ana damit auf die Nerven zu gehen.
Zwei junge Jogger liefen wie aufs Stichwort vorbei und Sam versetze Ana ein Stups mit der Schulter.
Ana schlug ihre langen Beine übereinander und tat gleichgültig, auch wenn ihr das bei den angespannten Muskeln der beiden Männer sichtlich schwer fiel.
Sie seufzte und Sam lachte. „Los raus damit, wer erobert Miss Susuki gerade?“ „Ich schätze MISS ist hier das Stichwort.“ Ana blickte hinüber zu der gegenüberliegenden Rasenfläche, die voll mit Studenten waren. Früher hatte sie selbst hier ihre Zeit zum Lernen genutzt. Na gut, wenn sie ehrlich war, erwischte man sie öfter hinter einer Ausgabe der Vogue als hinter ihren sorgfältig, bunt markierten Lernordnern. Ihr eigentliches Studienfach war Modedesign. Doch nach dem zweiten Semester hatte sie gemerkt, dass die betriebswissenschaftlichen Grundlagen ihr fehlten und Wirtschaft als weiteres Fach belegt.
Eine Mischung aus beiden tat ihr gut, und sie war ehrgeizig genug es zur vollsten Zufriedenheit abzuschließen. Dies war etwas wo sie einmal sehr stolz drauf gewesen war, doch wenn man die jährlichen Abgänger der NYU in Zahlen betrachtete, war es keine sonderliche Leistung. Das Modeln war die Tätigkeit, die das Studium und ihr gesamtes Leben bereichert hat. Sie wollte Freude ausstrahlen und die Liebe zur Mode tat ihr Übriges.
„Dana, du kennst sie ja. Du hättest sie heute mal sehen sollen.“ Ana nahm einen Schluck ihres Kaffees, der angesichts ihrer kleinen Verspätung die genaue Trinktemperatur zu haben schien. „Ihre äußere Erscheinung oder vielmehr das Gesicht, das sie zieht - Selbstbewusstsein - Fehlanzeige - wäre für die Visitenkarte eines Schullandheimes vielleicht angebracht, aber „La Mannequin“ braucht Ausstrahlung, zumindest ein überzeugtes Auftreten, ein selbstbewusstes, kein schüchternes Lächeln.“
„Und hast du es ihr gesagt – das große Umstyling?“ Sam klang irgendwie aufgeregt und legte gerade noch rechtzeitig Hand an ihren Cappuccino mit fettarmer Milch, den sie sonst wohl verschüttet hätte.
„Gesagt? Ich habe ihr noch mal Mut gemacht nach Bloomingdales zu gehen Die Brille ist nicht gerade ihr I-Tüpfelchen. Doch vor allem sollte sie ein Selbstbewusstseinskurs mitmachen, habe ich mir überlegt.“ Das war Ana gerade eingefallen, auf dem Weg hierher.
Das schüchterne Juni-Wetter sorgte die vielen New Yorker keineswegs. Im Gegenteil, sie schienen optimistisch, die Sonne auch heute anzutreffen. Und tatsächlich entdeckte Ana sie weiter hinten am Horizont. Sie öffnete einen Knopf ihrer weißen Chiffon-Bluse von Ralph Lauren und ließ den frischen Windhauch ihren Körper berühren.
„Ein Umstyling würde ihr gut tun. Ein Umstyling tut schließlich jedem gut, nur dass es hier von absoluter Notwendigkeit ist.“ Sam kam zur Sache, auch wenn sie dabei vermutlich mehr an die Publicity „Styling you -for -every -party“, kurz SYFEP, dachte, als an Dana selbst.
„Du kannst sie fragen, von mir aus, aber bitte nicht zu schrullige Outfits.“ Sam wusste sich in der gehobenen New Yorker Gesellschaft zu benehmen, ihr Auftritt war gnadenlos, doch manchmal neigte sie zu schrulligen Outfits.
„Ich gib mein Bestes, versprochen!“ Ana konnte die Stylingmaschine in Sams Kopf rattern hören so begeisterte die sich bereits für ihren anstehenden Kunden.
„Und vergiss nicht, „La Mannequin“ übernimmt das. Wenn du Dana Geld abverlangst, ist sie wieder viel zu bescheiden. Im Übrigen bin ich als Chefin wohl dafür zuständig, das die Sekretärin dem Arbeitsplatz entsprechend angezogen ist.“
„Mach einfach ein Termin mit ihr. Sie wird dir aus der Hand fressen, sie vergöttert dich, nachdem sie gehört hat für wen du alles arbeitest.“ Samantha Ferra, hatte sich längst einen Namen als Stylisten in New York gemacht. Große Stars aus Musik und Filmbranche ließen sich von ihr beraten. Selbst Madonna schwört auf „Samantha's Wunderstyling“, wie sie es einst in einem Interview in der Times nannte.
Sam lächelte noch immer begeistert, doch wechselte sie gleich das Thema. „Lust auf einen kleinen Shop bei Saks?“
„Du kennst mich zu gut und ein wenig
Zeit bleibt noch.“ Ana sprang auf, warf den leeren Kaffeebecher in einem der Mülleimer und folgte ihrer Freundin durch eines der schmiedeeisernen Tore hinaus auf die Fifth Avenue. Sie berichtete Sam über die neue Bademodekollektion, die diese Saison sehr ladylike war: Große Schleifen zwischen Brusthaltern und den Seiten des Bikinihöschen sorgten bei schlichten Exemplaren für aufregende Fantasien bei Männern. Andere Exemplare mit verspielten Blumenprints verliehen der Trägerin einen Hauch Romantik. Glatte Seide ließ einfarbige Modelle elegant und modern erscheinen.
Vor Bergdorf machten sie halt. „A pro pro Bikini – hast du dir selbst schon einen aktuellen zugelegt?“, fragte Sam, die ihrer Freundin offenbar wieder etwas aufschwatzen wollte. Für sie galt pro Saison mindestens 2 neue Bikinis. Alte Stylingregel.
„Machst du Witze? Ich werde keine Zeit haben mich an den Strand zu legen, geschweige denn mich einzucremen.“
„Dafür gibt es zwar Männer, doch darauf wollte ich nicht hinaus. Erinnerst du dich an deinen letzten Bikini, Leopardenmuster von Calvin Klein – ich meine das schreit ja geradezu nach Emanzipation. Da rennen die Kalifornier ja gleich weg. Nein Ana, du brauchst etwas Neues, Frisches.“
Ana rümpfte die Nase.
Sie besaß bestimmt 50 verschiedene Bikinis, Tankinis und einige freizügige Badeanzüge.
Na gut, wenn sie ehrlich war, hatte ihr gestern Abend, bei Packen ihres Koffers keiner mehr so richtig zugesagt. Die Farben war nicht angesagt, der Stoff nicht zeitgemäß und viele Prints einfach undenkbar für L.A. Das Leopardenmuster von Calvin Klein erschien ihr als einer der harmlosen. Mit sichtlichem Ekel entsorgte sie Samtbikinis von Dolce & Gabbana, die vor einem halben Jahr noch der Renner waren, nachdem Kate Moss damit in einem Hotelpool auf den Bahamas gesichtet worden ist.
Super schicke High Heels von Christian Louboutin fielen ihr direkt ins Auge. Sie bat die Verkäuferin ihr sie in ihrer Größe zu reichen. Ana schlüpfte aus ihren Gucci-Stilettos und stellte mit Erstaunen fest, das die High Heels ihr ausgezeichnet standen, besonders zu der schlichten Röhre.
„Oh my god- that’s awesome!“ Einige Touristen, vorwiegend Japaner drängten sich in das edle Kaufhaus. Ihre Fotoapparate zum Knipsen bereit wurden sie von der Verkäuferin missbilligend angestarrt, die jedoch keinen der Security-Männer des Eingangsbereiches alarmierte um sich von den nervtötenden Touristen, die offenbar kein wirkliches Interesse an Mode hatten, sondern mehr an das Prachtgebäude in dem sie gerade drin waren, in ihrer Arbeit stören zu lassen.
Nach weiteren wundervollen Entdeckungen, Sam hatte es eine Miu Miu Handtasche in mintgrün angetan, Ana die besagten Louboutins und eine schlichte Dior-Sonnenbrille, die praktisch zu jedem Outfit passte, hatten sie immer noch keinen Bikini gefunden. Sie bezahlten und gingen hinaus. Ana schaute auf die Uhr. Edward, ich muss ihm Bescheid geben, dachte sie.
Sie schickte ihm eine Textmessage, er solle sie in einer Stunde bei Bergdorf abholen.
Die Bademodenabteilung von Bergdorf war geradezu unglaublich riesig. Sie waren wie immer überwältigt bei der Auswahl. Die Qual der Wahl. Eigentlich galt der Spruch nicht, schließlich konnten sie sich ja mehrere schöne aussuchen.
Sam hielt ihr einen pinkfarbenen Neckholder-Bikini von Vera Wang unter die Nase. Ana schüttelte den Kopf. Davor rennen die Kalifornier erst recht weg, sie grinste. Der ausgefallene Geschmack ihrer Freundin setzte Trends, was sie wirklich erstaunlich fand. Nur wollte Ana nicht auf einem dieser Modemagazin in so einem schrillen Outfit abgelichtet werden. Sam reichte ihr weitere farbige Neonmodelle in Aubergine, Champagner, Bordeaux. Allesamt schön, aber nicht ihre Art zu glänzen. Wenn man sich mit Mode auskannte, wurde man wohl automatisch wählerischer. Ana schaute sich weiter um und entdeckte einen weißen Bikini mit tropischen Blättern bedruckt. Er sah hinreißend aus. Sie schaute auf die Marke. Natürlich. Victoria Secret. Wer sonst könnte so wenig Stoff so sexy und elegant vereinen. Sam kam wieder zu ihr und hielt ihr einen knallroten Bikini hin, von denen Ana sicherlich 7 zuhause hatte, jeder mit einem anderen verspielten Detail. „Nein, dieser ist anders, schau selbst.“ Und tatsächlich. Er besaß ein goldenes Bündchen, das unglaublich edel wirkte. Ana war erstaunt, dieses Modell war wirklich der Kauf schlechthin. “Lascana“, schien Sam ihre Gedanken zu lesen.
Ana nahm noch zwei weitere Modelle, einen sexy schwarzen. Zeitlos, elegant und unaufdringlich. Und einen neongelben, der wohl nur diese Saison dienen würde. Aber er war es wert. Beide waren von Jimmy Choo und für seine Verhältnisse ein echtes Schnäppchen. Sam, selber entschied sich für eine khaki-gelbe Variante von Prada.
Als die beiden Freundinnen hinaus in die Sonne traten, war genau noch Zeit für einen Bagel to go. Sie passierten die Park Avenue, um bei 'Bagels on the Square' Bagels und Tofuwürstchen zu ergattern. Die Schlange war für einen Freitag ungewöhnlich lang. Ana blickte nervös zu ihrer Uhr.
„Ich fasse es nicht, dass du ausgerechnet dieses Wochenende wählst um das Beachshooting durchzuführen, La Mannequin“ mag eine reizende PR-Abteilung haben, doch du bist ihre Frontfrau.“
„Ach, ich bitte dich, mein Team schafft das locker ohne mich. Außerdem bin ich nicht gerade scharf darauf seine Fragen persönlich zu beantworten.“
Die Frau vor ihnen drückte ihren vier Kindern je einen Dollarschein in die Hand um sie selbst bezahlen zu lassen. Dies bewog einige Wartende weiter hinten zu rufen und somit die Schlange vorwärts zu treiben.
Als Ana und Sam nun endlich an der Reihe waren, machte ein Russel Terrier sich an Ana's Manolos zu schaffen. Sie schmunzelte und ließ es geschehen, bis der Besitzer ihn schließlich wieder zu sich zog.
Sie schlenderten mit ihrem Snack in der einen, ihren neusten Shop in der anderen Hand die Park Avenue entlang. Das hektische Treiben dieses Freitagmorgen versetzte die New Yorker in Eile. Nervenaufreibend drängelten sie sich aneinander vorbei.
Um Haaresbreite entwischte Ana einem jungen Mädchen und dessen Eis am Stiel. Das Kind lächelte zu Ana mit ihrem Erdbeereismund auf und ging unbekümmert weiter.
Es herrschte wie immer Hochbetrieb in den Straßen von New York. Zerlumpt Bettler knieten auf zerfetzten Decken an den Häuserwänden, die Hände hoffnungsvoll geöffnet. Geschäftsmänner liefen in Armani mit Headset im Ohr zum nächsten Meeting. Andere fachsimpelten über den aktuellsten Aktienmarkt. Eine alleinerziehende Mutter hatte Mühe ihre Kinder bei Laune zu halten. Touristen machten Fotos von all den für sie beeindruckenden Wolkenkratzer, die für die New Yorker längst selbstverständlich waren. Ein junger Japaner knipste sein Nikon auf eine herannahende Mädchengruppe.
„Ana, du solltest es dir wirklich überlegen, schließlich ist die Letterman Show bis zu einem Jahr ausgebucht. Das heißt, selbst wenn du diesen Termin nicht wahrnimmst, hast du eine unendliche Wartezeit, die sicher nicht zum Wohl „La Mannequin“ beitragen würde.“
Sam gab nicht auf, ihre Freundin umzustimmen. Ana biss herzhaft in ihr Würstchen und erklärte, nachdem sie geschluckt hatte: „Glaub mir, Mr. Letterman ist ein Narr. Ich hatte schon das Vergnügen seine Bekanntschaft zu machen. Erinnerst du dich an die EMFA Gala letzten Jahres? Seine Fürsorge schien nicht nur beruflicher Art zu sein.“ Ana erinnerte sich nur ungern an diesen Abend. Mr. Letterman stellte eindeutig zu viele Fragen.
„Ach komm schon Ana. Das ist doch nur eine Ausrede. Denk an all die positive Publicity die deine Firma haben wird. Letterman vergöttert dich, deine Mode - er wird seine Zuschauer von deinem Talent als Designerin überzeugen.“ Sam vertilgte den letzten Happen ihres Bagels und tupfte sich mit einer Papierserviette die Mundwinkel ab
„Das ist es ja, er trägt zu großspurig auf. Seine bloße Erwähnung meines Namens lässt ihn so schrecklich große Augen kriegen. Ich muss mich dann jedes mal umdrehen, weil ich befürchte hinter mir steht jemand.“ Ana musste selbst schmunzeln.
Sam lachte lauthals. „Jetzt dramatisierst du aber, Ana.“
„Du kannst gerne für mich einspringen“, forderte sie ihre Freundin heraus. „Tu dir keinen Zwang an und angle dir Mr. Letterman!“
„Aus deinem Mund hört sich das an, als wäre er ein ulkiger Zauberkünstler.“ Sam prustete wieder los und Ana konnte sich gerade noch zusammen reißen.
„Ich bestreite nicht, das er es nicht ist.“, gab Ana unverblümt zurück, und wich zwei älteren Damen mit Sonnenhut aus. „Sei nicht albern Ana. Er macht nur seinen Job.“ Die Sonne schien jetzt heftiger und Ana griff zu ihrem Evian, dass sie in ihrer Handtasche mit sich schleppte.
Sie gingen noch ein Stück nebenher, soweit der Trubel es ermöglichte, ehe Sam sich ein Taxi heranwinkte. Sie hielt die Tür offen, und bedeutete dem Fahrer einen Augenblick zu warten.
Ana umarmte ihre Freundin zum Abschied. „Versprich mir, dass du mir die neue Ed-Hardy-Basekap mitbringst, du weißt schon, die mit der goldenen Aufschrift.“, ereiferte sich Sam, die die Accessoires von Ed Hardy für einen speziellen Kunden aus der Upper East Side benötigte. Ana nickte und lächelte ihre Freundin an. „Bis dann, und danke.“ „Wofür das denn bitteschön?“ wollte Sam neugierig wissen. „Na für deinen unabdingbaren guten Geschmack meiner neuen Bikinis.“ .
„Oh, das ist ein Danke sicher wert. Und vergiss nicht, sie zu tragen!“ Sam die bereits ein Bein in das Taxi schob grinste wieder. „He, vergiss du lieber nicht Dana umzustylen. Sie trifft sich wieder mit ihrem Jugendfreund und will einen guten Eindruck machen, hat Angst auch nur irgendetwas zu verändern.“ Eines von Sams Lieblingsbeschäftigung war Freunde aus ihrem Umkreis zu verkuppeln, sie nannte es zwar verbinden, doch was machte das schon? Solch eine Erwähnung, war ein Glockenschlag in den Ohren ihrer Freundin, das wusste Ana.
Sam setzte sich gerade hin, strich ihren Buntfaltenrock glatt und zückte mit den Scheinen, als der Taxifahrer entnervt auf schnaubte. Typisch, für New Yorker stand die Zeit nie still.
„Du könntest sie am Samstag zur Ralph Lauren Gala mitnehmen. Du schaust dich einfach ein bisschen um und sie begleitet dich. Und wer weiß, vielleicht machst du selbst die Entdeckung des Jahrhunderts?“ Ana blickte ihre Freundin triumphierend an, während sie sich mit einer Hand an das Taxi lehnte.
„Spinnst du?! Erst das Umstyling, dann gerne. Ich sehe was sich machen lässt, in Ordnung?“
Ana lächelte, das liebte sie so an ihrer Freundin, dass sie trotz großen Wiederstrebens eine Sache bzw. eine Person zu Erfolg verhelfen wollte. Auch wenn dieser Erfolg sich auf das Äußere bezog. Bestimmt würde das Zusammensein mit Sam in Dana ohnehin eine selbstbewusste Seite anklingen lassen.
Sie gaben sich ein Luftkuss und Ana klappte die Tür gerade noch zu, ehe der Taxifahrer auch schon davonbrauste. Sie winkten zum Abschied.
Ana begab sich zu ihrem Treffpunkt mit Edward und sah schon die schwarze Limousine. Sie wollte die Türen öffnen, doch Edward, ihr Chauffeur kam ihr zuvor.
„Miss Susuki, wo haben Sie gesteckt? Ihr Flug in die Sonnenmetropole geht in einer halben Stunde.“ Er wies sie mit seiner Hand rasch einzusteigen, nahm ihr die Einkaufstaschen ab und verstaute sie im Kofferraum neben ihrem restlichen Gepäck, das er bereits heute morgen einlud.
Erst als er sich selbst wieder hinter das Steuer setzte, bekam Ana Gelegenheit ihm zu antworten. Edward setzte den Blinker und nahm einem kleinem Obstlieferanten die Vorfahrt.
„Meine Freundin Sam und ich waren noch bei Saks.“, berichtete Ana begeistert. Edward, ihr angestellter Chauffeur von „La Mannequin“ gab ihr mit einem freundlichen Nicken zu verstehen, dass er sich für sie freute. Er war ein älterer Mann von hagerer Statue. Seine humorvolle Art brachte die Gäste, die er fuhr jedes Mal zum schmunzeln. Er kitzelte aus ihnen Geschichten heraus, die sie lieber geheim gehalten hätten und gab ihnen dann das Gefühl, wie lustig sie sind. Ana mochte Edward sehr gerne und war froh ihn zu haben. Er und Jerry hatten ihren Fahrdienst schon seit über 15 Jahren.
Eine gute Viertelstunde später saß Ana am Gate 106 B des John F Kennedy Flughafen. Sie war noch rechtzeitig. Edward hatte ihr Gepäck auf einem der Kofferwagen verfrachtet, während Ana sich einen Frappuchino bei Coffee Fellows kaufte, den sie jetzt genüsslich trank.
Im Flieger legte sie rechtzeitig ein Wirgles ein, bevor die Maschine zum Abheben ansetzte. Als sie ihren Bademodenordner herauszog, und ihre Designs gedanklich an Models vorstellte, war sie auf einmal aufgeregt. Diese Kollektion war der Hammer. Sie hatte es geschafft Farben und Stoffe zu wählen, die einfach jedem Type Frau schmeichelten.
L. A. konnte kommen. Sie freute sich auf das Fotoshooting.
In dem winzigen Toilettenraum wechselte Ana lange Jeans mit kurzen Shorts und Bluse gegen luftiges T-Shirt. Dank ihrer natürlichen Bräune, stand ihr diese Variante ausgezeichnet. Der regelmäßige Sport tat sein übriges und sie war ein klein wenig stolz auf ihren Ehrgeiz. Sie schlüpfte in ihre neuen Louboutins und schlenderte zurück zu ihrem Platz.
Sie legte sich in ihrem First-Class-Sitz zurück, schlug die Beine übereinander und ignorierte das Gefühl beobachtet zu werden. Stattdessen dachte sie an ihren Dad. An das kleine Buch mit seinen Notizen an den Rändern. Sie trug es die meiste Zeit in ihrer Handtasche. Und wenn sie ehrlich war, beruhigte sie das irgendwie.
„Ist das alles? Ich dachte mindestens die Schweine wären in den Garten eingebrochen.“
