Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Lustiges, Skurriles, Verblüffendes ist der Inhalt dieses Buches, das in anekdotenhaften Episoden persönlich erlebte Geschichten aus Paraguay erzählt. Der Alltag in dem Land ist oft absurd und zum Verzweifeln, kann aber auch erheiternd sein und dem Besucher aus dem Industrieland die wirklich wichtigen Werte des Lebens verdeutlichen. Lassen Sie sich überraschen von Geschichten, die kafkaesk, amüsant oder vom Geiste des Gesetzes von Murphy durchdrungen sind. Jedoch: ab und an funktioniert in dem Land auch ganz aus Versehen einmal etwas! Das Buch enthält Beiträge von: Rafaela Aguilera, Steffen Karl, Beate Pesch, Derlis Portillo, Irene Reinhold, Sonia Riquelme, Georg Rudolf, Hermann Schmitz, Michael Schöke, Kerstin Teicher, Stefan Undorf und Benedikt Vallendar. Als besonderes Highlight enthält das Buch zahlreiche, speziell zu den Geschichten angefertigte, Karikaturen des paraguayischen freischaffenden Künstlers Jorge Pavon.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 112
Veröffentlichungsjahr: 2015
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Autoren:
Rafaela Aguilera, Steffen Karl, Beate Pesch, Derlis Portillo, Irene Reinhold, Sonia Riquelme, Georg Rudolf, Hermann Schmitz, Michael Schöke, Kerstin Teicher, Stefan Undorf und Benedikt Vallendar
Vorwort
Als Tourist in Paraguay
Hochzeit auf Paraguayisch
Alles nur Theater
Warum man im paraguayischen Straßenverkehr kein Mitleid haben sollte
Busfahren in Paraguay
Verkehrsregeln in Paraguay
Schalke 04 goes Paraguay
Aufmerksame Zollbeamte
Klebrig, süß und immer fröhlich
Im Supermarkt
Eisenwarenladen anno 2014
Lustige Berufe
Personaleinsatz in Paraguay
Warum deutsche Mehrfachsteckdosen in Paraguay verboten sind
Wie man in Paraguay ein Bett kauft
Anleitung für den Geschäftserfolg in Paraguay
Von Indianern und Jesuiten
Währenddessen in Villarrica
Zusammenleben mit einem Paraguayer
Allgemeine Regeln für Paraguay
Als Paraguayer in Deutschland
Geliebte Vorurteile
Humor und Aphorismen
Paraguay mal im Ernst und im Zahlenvergleich
Wörterbuch Paraguayisch-Deutsch
Über die Autoren
Kerstin Teicher
Immer, wenn ich Freunden oder Familienangehörigen von meinen Begebenheiten in Paraguay berichtete, erntete ich Gelächter, teilweise aber auch ungläubiges Kopfschütteln. Von ihrem eigenen tagtäglichen Leben in Europa, den USA oder Asien waren diese Geschichten so weit entfernt wie für die meisten Menschen die Vorstellung, selbst zum Mond zu fliegen. Zu abstrus die meisten Begebenheiten, als dass man sie sich hätte ausdenken können.
Schon länger hatte ich mit meinen Freunden Magali und Steffen in Villarrica über die Veröffentlichung eines solchen Buches nachgedacht.
Ich fragte also ein wenig im Freundes- und Bekanntenkreis herum, in der Gewissheit, dass wohl jeder Ausländer in Paraguay solche Geschichten parat haben würde. Schnell fanden sich mehrere, die auch Zeit und Lust hatten, sich hinzusetzen und ihre Erfahrungen aufzuschreiben. Bei allen Mitautoren dieses Buches möchte ich mich ganz herzlich bedanken. Zu jedem einzelnen gibt es eine wunderbare Geschichte, warum er oder sie mit in diesem Buch ist, was aber leider den Rahmen dieses Vorwortes sprengen würde. Im Anhang hinten finden Sie jedoch eine kurze Beschreibung aller Autoren.
Nun ist es endlich soweit! Das Buch ist fertig – es gäbe noch zahlreiche weitere Geschichten. Wenn Sie als Leser dieses Buch mögen, dann schreiben Sie uns doch bitte ([email protected])!
Alle Geschichten dieses Bandes beruhen auf wahren Begebenheiten und sind nicht erfunden, so haarsträubend sie teilweise sicherlich für Sie als Leser klingen! So sehr man teilweise darüber sicherlich lacht, oft gibt es einen ernsten Hintergrund, warum eine Situation so und nicht anders entsteht. Dies soll Sie als Leser aber nicht davon abhalten, die Geschichten hoffentlich lustig zu finden, sie sollen ja der Unterhaltung dienen! Dennoch ist es sicherlich nützlich, auch die dunkle Seite dieser Abenteuer zu verstehen. Daher haben wir in einigen Fällen zur Sicherheit der Privatsphäre die Namen der Beteiligten geändert.
Sie finden zu fast allen Geschichten ein oder mehrere Karikaturen, die die Geschichten hoffentlich unterhaltsam unterstreichen. Die meisten dieser Karikaturen sind ebenfalls echt – sie beruhen auf Originalfotos, hauptsächlich von den jeweiligen Autoren oder der Herausgeberin – und wurden mittels einer sehr schönen Software (www.photo-kako.com) in eine Karikatur umgewandelt. Mein Dank gilt daher – nicht zuletzt aus Kostengründen, denn auch dieses Buch musste irgendwie finanziert werden – Hirohisa Fujita, dem japanischen Entwickler dieser Software, der dieses Programm für alle Menschen auf der Welt kostenlos ins Netz gestellt hat.
Daneben bin ich ganz besonders froh, dass ich bei einem meiner Ausflüge mit Freunden in Asunción auf der neuen Uferstraße, der Costanera, Jorge Pavon, genannt Jorgus, kennengelernt habe. Er arbeitet nicht nur als Zeichenlehrer, sondern sitzt auch jedes Wochenende auf der Costanera und stellt für Passanten zu einem sehr akzeptablen Preis Karikaturen und Portraits her. Spontan kam mir die Idee, ihn für mein Buch zu gewinnen. Wie schön wäre es doch, nicht nur Anekdoten aus Paraguay zusammenzustellen, sondern auch Zeichnungen eines echten paraguayischen Künstlers mit abdrucken zu können! Und für ihn wäre es eine wunderbare Gelegenheit, seine Arbeit einem breiteren – internationalen – Publikum vorstellen zu können. Ich erzählte Jorgus also von meiner Idee, und schnell wurden wir uns einig. Ich hoffe, dass seine Bilder Ihnen genauso gut gefallen wie uns! Falls Sie Interesse haben, ihn zu beauftragen, stelle ich gern den Kontakt her – er freut sich sicher sehr! Die in der rechten unteren Ecke mit „Jorgus“ gekennzeichneten Illustrationen dieses Buches sind von ihm. Auf Seite → sind übrigens einige Karikaturen und Illustrationen, die es zwar nicht in die Geschichten geschafft haben, aber dennoch sehenswert sind.
Wenn Sie mögen, schlagen Sie doch während des Lesens ab und an in dem ebenfalls humorvollen, aber immer mit einem wahren Kern versehenen, Wörterbuch am Ende des Buches nach!
Abschließend möchten Sie vielleicht noch wissen, was es mit den Untertiteln des Buches auf sich hat? Sie finden sich als eigene Anekdote in diesem Buch wieder; lediglich der Mann mit der Leiter hat keine Geschichte bekommen. Warum? Es ist ein zufällig entstandenes, grandioses Foto meiner Freunde Magali und Steffen, als diese wieder einmal unterwegs im Land waren und die Kamera schussbereit hatten. Dieses Motiv war für mich, seitdem ich es zum ersten Mal sah, immer DAS Motiv für das Anekdotenbuch. Somit steht der Mann mit der Leiter auf dem Motorrad für mich stellvertretend für ein lustiges, teilweise absurdes, sehr oft aber auch charmantes Paraguay.
Im Namen aller Autoren wünsche ich Ihnen nun viel Spaß beim Lesen!
Georg Rudolf
Unser paraguayischer Guide ist mit uns, seinen (deutschen) Touristen über Land auf Tour in den Süden Paraguays. Die Fahrt zieht sich hin und das Ziel ist noch fern.
Die Straße ist gut, aber wegen der vielen unübersichtlichen Bereiche, Straßenkreuzungen und Ortschaften wird die Geschwindigkeit der Fahrzeuge an diesen Stellen zwangsweise durch relativ hohe Bodenwellen in den Fahrbahnen reguliert. Fehlen diese Hindernisse, gibt unser Guide "Gas", auch dann, wenn ein Überholverbot besteht oder es der (Gegen-)Verkehr eigentlich nicht zulässt. Wir halten uns zusätzlich an den Armstützen fest, denn die Geschwindigkeit beträgt weit über 100 km/h. Jetzt werden auch noch die doppelt durchgezogenen weißen Linien beim ristkanten Überholen überfahren. Bevor wir unserem Fahrer bitten können, verhaltener zu fahren, wird dieser plötzlich von einem Polizeiposten gestoppt und aufgefordert, das Fahrzeug auf dem rechten Straßenrand abzustellen.
Unser Fahrer war nicht nur in eine nicht stationäre polizeiliche Geschwindigkeitskontrolle geraten, sondern man hatte ihn auch durch ein Fernglas beobachtet, wie er die Doppellinien beim Überholen überfahren hatte. Auf Verlangen zeigt unser Fahrer die von einem Polizisten geforderten Papiere. Sie waren komplett und auch die Beförderungsliste der zahlenden Personen (Touristen), also uns, war ausgefüllt und korrekt. Nachdem alles protokolliert war, konnte unser Fahrer die Reise fortsetzen. Er fuhr jedoch jetzt sichtlich langsamer und vorschriftsmäßiger. Allerdings hupte er fortan jedes Mal, wenn er einen Polizisten oder einen Polizeiposten sah und winkte freundlich. Auf unsere Frage, was das zu bedeuten hätte, erklärte unser Guide, dass er innerhalb von fünf Tagen umgerechnet ca. 80 Euro zu bezahlen hätte und darüber sehr verärgert sei. Schließlich helfe er in seinem Heimatort regelmäßig der Polizei beim Übersetzen von Schriftstücken ins Deutsche bzw. umgekehrt und die Polizei solle froh sein, dass sie ihn hätte….
Es dauerte keine halbe Stunde, da reagierte tatsächlich ein Polizeiposten auf das Hupen unseres Fahrers, denn er kannte unseren Guide offenbar persönlich. Dieser hielt an, der Polizist kam zu Wagen und unser Fahrer erklärte ihm sein Problem. Der Polizist notiert sich den von seinem Kollegen ausgestellten Beleg und versprach, den Vorgang aus dem System zu nehmen, wodurch die Angelegenheit bereinigt sei.
Unser Fahrer fuhr von nun an tatsächlich etwas gesitteter. Auch wir waren durch die langsamere Fahrweise weniger genervt, hatten aber doch ein sehr beklemmendes Gefühl, hinsichtlich der eigenwilligen Art, wie ein derartiges Problem gelöst wurde. Dabei empfand unser Fahrer dies als ganz selbstverständlich und wähnte sich dazu noch im Recht. Bei anderer Gelegenheit zählte er sehr drakonische Maßnahmen auf, wie unrechtmäßige Dinge, seiner Meinung nach, gehandhabt werden müssten.
Ein paar Stunden später besichtigten wir eine paraguayische Firma. Ich spreche mit einer jungen deutschstämmigen paraguayischen Büroangestellten über Politik und mögliche Veränderungen in der Gesellschaft.
Sie gehe nicht wählen, sagt sie, und hat auch wenig Hoffnung, dass sich in naher Zukunft im Land etwas Grundlegendes, d.h. Positives verändert, und berichtet von einer Begebenheit in der Schule:
In der Klasse wurde eine Klassenarbeit geschrieben und ein Schüler hatte Schwierigkeiten, die Aufgaben zu lösen. In seiner Not wandte er sich an die Lehrerin, um vielleicht von ihr einen Tipp zu bekommen, wie er doch noch die Aufgabe(n) richtig zu Papier bringen könnte. Die Lehrerin reagiert prompt und sagt dem Schüler, dass sie eine bestimmte Sache aus der Kantine wünsche und wenn er ihr dies mitbrächte, würde sie ihm die Lösungen der Aufgaben verraten.
Als der Schüler das Geforderte brachte, erhielt er auch tatsächlich die Lösungen von der Lehrerin!
Viele Ausflüge machte ich jedoch auch mit meiner Reisebegleiterin Stefani, selbst organisiert von unserem Standort aus, dem schönen Hotel „Portal del Sol“ in Asunción. Und das funktionierte so: Noch vor dem Frühstück erzählte Stefanie Daniela, der deutschsprechenden netten Dame an der Rezeption, wo wir heute hingehen wollten und bat sie um Information, mit welchem Bus man dort hinfahren konnte. Nach den ersten verwunderten Blicken, warum denn reiche deutsche Touristen unbedingt Colectivo (Bus) fahren wollen und unserer heilen Wiederkehr abends funktionierte das wunderbar. Die Auskunft war stets richtig und trotz fehlender Spanischkenntnisse gelangten wir immer ohne Probleme ans Ziel und abends wieder zurück ins Hotel. Erst nach einer Weile aber begriffen wir, wie Daniela die Informationen besorgte: Sie recherchierte nicht etwa wie von uns vermutet im Internet – nein, weit gefehlt! Solche Informationen stehen nicht im Internet in Paraguay. Daniela nutzte unsere Frühstückszeit, um sich bei ihren Kollegen und Kolleginnen umzuhören, wer denn ungefähr in der Nähe unseres jeweiligen Tagesziels wohnte und fragte diese dann, mit welchem Bus sie zur Arbeit kämen!
Rafaela Aguilera
Ich war schon auf mehreren Hochzeiten in Paraguay, und immer wieder gibt es sich wiederholende Muster:
Regel Nummer eins: Ballkleidung ist das einzig zulässige für eine Frau, wenn sie sich nicht total blamieren möchte. Arnaldo war schon ganz unruhig geworden, da seine Mutter und seine Schwester doch schon die ganze Woche gefragt hatten, ob ich denn die passende Kleidung besitzen würde…
Da ich leider nicht über einen vor lauter Abendmode überquellenden Kleiderschrank verfüge, habe ich meist genau dasselbe Outfit an.
Regel Nummer zwei bei einer paraguayischen Hochzeit ist, dass auf keinen Fall weniger als 300 Personen anwesend sein dürfen. Selbst wenn die Familie nicht unbedingt in die Kategorie "reich" fällt, muss Essen und Trinken für Hinz und Kunz aufgefahren werden, und zwar in großen Mengen, in festlicher Umgebung, mit allem Drum und Dran.
Der Sohn meiner paraguayischen Lieblingsfamilie wurde von seiner Mutter in die liebevollen Hände seiner neuen Frau gegeben. Wie sie mir erklärte "ungern", da es sich schließlich um ihren Lieblingssohn handelte, den sie gerne noch etwas länger bei sich daheim gehabt hätte. So sind die Latinomuttis!
Trotz dieser Worte schien sie doch recht glücklich, als ihr Sohn mit der wunderschönen Braut den Gang entlang marschierte. Die Kirche war proppenvoll mit vielen jungen Menschen in Ballkleidern in den schrillsten Farben. Nur die sorgsam erwählten 300 Personen durften anschließend noch mit zum feierlichen Abendessen, bei dem auch der Standesamttermin vollzogen wurde. Völlig verschwitzt kämpften auch Arnaldo und ich uns zum zweiten Teil des Ereignisses durch, um dort enttäuscht festzustellen, dass wir auch den Rest des Abends ohne Klimaanlage durchstehen mussten. Die Abendluft verschaffte leider auch keinerlei Erleichterung und die Temperaturen wirkten sich recht negativ auf die Mayonnaise auf dem Kartoffelsalat aus. Der Akt vor dem Standesbeamten war eine totale Tortur, weil dieser in dem stickigen Ballsaal durchgeführt wurde. Schnell flüchteten die Gäste wieder zu ihren Tischen draußen im Garten, um das festliche Abendessen zu sich zu nehmen, das in der Zwischenzeit in der lauen Abendluft vor sich hin gärte. Nachdem ich den kompletten Kartoffelsalat auf meinem Teller gegessen hatte, machte mich mein geliebter Freund Arnaldo darauf aufmerksam, dass es keine gute Idee gewesen sei, bei den Temperaturen Mayonnaise zu essen. Prompt stellte sich am nächsten Tag der Durchfall meines Lebens ein. Ich glaube, ich habe an die fünf Kilo in einer Woche verloren, bis ich endlich den Kartoffelsalat der Hochzeit verdaut hatte.
Mein akuter Gewichtsverlust erfreute mich jedoch sehr, als ich mich zur nächsten Hochzeit, genau eine Woche später, nicht mehr in mein Kleid quetschen musste, sondern dieses durch die Blitz-Durchfall-Diät nahezu etwas weit geworden war.
Die Hochzeit eines der Familienteile von Arnaldos High-Society-Seite der Familie war dann im Vergleich zur ersten Hochzeit ganz anders. Frierend saß ich in der auf Kühlschranktemperaturen heruntergekühlten Kirche und musterte die anderen anwesenden Ballkleider. Sofort wurde mir bewusst, dass mein schönes rotes Ballkleid mit den kleinen Strasssteinchen, das ich schon seit meinem Abiball besitze, auf dieser Festlichkeit wirklich nichts Besonderes ist. Jeder Einzelne in Arnaldos Familie hatte sich anlässlich des Events ein neues Ballkleid gekauft, das anschließend für den Rest des Lebens im Kleiderschrank verschwinden würde. Ich hingegen schaffte es gerade noch, mir auf den letzten Drücker ein passendes Handtäschchen zu organisieren und das Abendkleid mit ein paar Ohrringen aufzupeppen.
Die aufwendigsten Ballkleider dekorierten sich überall stillvoll auf den Bänken der Kirche. Den meisten Frauen sieht man auch definitiv an, dass sie an die vier Stunden im Bad verbracht haben dürften. Auffallend hinsichtlich der Menge an Gästen später beim Essen war jedoch, dass es wahrscheinlich nur ein Viertel zur Vermählung in der Kirche geschafft hatte.
