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Beschreibung

Wussten Sie, dass die Freisetzung von Stresshormonen einen negativen Einfluss auf die Wundheilung hat? Die unter Stress produzierten Hormone, z.B. Kortisol, hemmen die Kollagensynthese. Dieses erfolgreiche Lehrbuch führt Sie in die Physiologie des Bindegewebes ein. Alle mechanischen und thermischen Reize der Physiotherapie sprechen das Bindegewebe an. Kenntnisse über Strukturen und Vorgänge im Bindegewebe verbessern das therapeutische Verständnis für den Bewegungsapparat und ganz besonders für Situationen nach Verletzungen und in Heilungsphasen. In der 3. überarbeiteten Auflage finden Sie neu ein Kapitel über Körperfaszien. Faszien sind zähe Bindegewebshäute und umhüllen alle Körperstrukturen. Als ununterbrochene Gewebeeinheit bilden sie ein eng verflochtenes Netz, über das alle Teile des Körpers miteinander in funktioneller Verbindung stehen. Grund genug diese Strukturen näher zu betrachten. Das Buch gliedert sich in 4 Teile: Der erste Teil vermittelt Grundlagenwissen. Sie lernen die Bausteine des Bindegewebes kennen und die Mechanismen der ständigen Gewebeerneuerung: Synthese, Abbau und kontrollierende Regelkreise. Der zweite Teil vertieft die Bindegewebsphysiologie der einzelnen Strukturen. Vom Knochen bis zum Muskel und Nerv werden alle an einem physiologischen Gelenk bzw. Bewegungssegment beteiligten Bindegewebsarten differenziert erklärt. Sie finden physiologische Vorgänge, aber auch ausgewählte Pathologien wie z.B. durch Degenerationen entstandene Phänomene. Im dritten Teil geht es um die Haut und ihre vielfältigen Rezeptoren. Der Zugang zum Patienten findet in der Regel über unser größtes Organ statt. Sie lernen das komplexe System der Haut kennen und auch die Bedeutung der Thermoregulation. Der vierte Teil stellt positive und negative Effekte auf unser Bindegewebe vor. Unsere Ernährung und ganz besonders Bewegung beeinflussen das Bindegewebe im Idealfall positiv. Überlastung und Unterforderung oder gar Immobilisation dagegen wirken sich negativ aus. Sehr anschauliche Zeichnungen, Praxisbeispiele und Zusammenfassungen am Ende der Kapitel leiten Sie mühelos durch die komplexen und spannenden physiologischen Vorgänge.

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Seitenzahl: 999

Veröffentlichungsjahr: 2010

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Angewandte Physiologie

1 Das Bindegewebe des Bewegungsapparates verstehen und beeinflussen

Frans van den Berg

Mit einem Beitrag von Jan Cabri

3. überarbeitete Auflage 263 Abbildungen

Georg Thieme VerlagStuttgart · New York

Frans van den Berg

Oberschwand 11

A-4893 Zell am Moos

ÖSTERREICH

E-Mail: [email protected]

(oder privat: [email protected])

Jan Cabri

Norwegian School of Sport Sciences

Dep. of Physical Performances

PO box 4014 Ullevaal Stadion

0840 Oslo

NORWEGEN

E-Mail: [email protected]

Quellennachweis zur Abbildung auf der Buchrückseite:

„Vergleich Femurhals/Kran“ mod. nach Regling

Umschlaggestaltung: Thieme Verlagsgruppe

Umschlagfoto: Thomas Müller, Ludwigsburg

Grafiker: Markus Voll, München

Barbara Gay, Stuttgart

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

1. Auflage 1999

2. Auflage 2003

© 2011 Georg Thieme Verlag KG

Rüdigerstraße 14

70469 Stuttgart

Deutschland

Unsere Homepage: www.thieme.de

eISBN: 978-3-13-167583-5

1 2 3 4 5 6

Wichtiger Hinweis: Wie jede Wissenschaft ist die Medizin ständigen Entwicklungen unterworfen. Forschung und klinische Erfahrung erweitern unsere Erkenntnisse, insbesondere was Behandlung und medikamentöse Therapie anbelangt. Soweit in diesem Werk eine Dosierung oder eine Applikation erwähnt wird, darf der Leser zwar darauf vertrauen, dass Autoren, Herausgeber und Verlag große Sorgfalt darauf verwandt haben, dass diese Angabe dem Wissensstand bei Fertigstellung desWerkes entspricht.

Für Angaben über Dosierungsanweisungen und Applikationsformen kann vom Verlag jedoch keine Gewähr übernommen werden. Jeder Benutzer istangehalten, durch sorgfältige Prüfung der Beipackzettel der verwendeten Präparate und gegebenenfalls nach Konsultation eines Spezialisten festzustellen, ob die dort gegebene Empfehlung für Dosierungen oder die Beachtung von Kontraindikationen gegenüber der Angabe in diesem Buch abweicht. Eine solche Prüfung ist besonders wichtig bei selten verwendeten Präparaten oder solchen, die neu auf den Markt gebracht worden sind. Jede Dosierung oder Applikation erfolgtauf eigene Gefahr des Benutzers. Autoren und Verlag appellieren an jeden Benutzer, ihm etwa auffallende Ungenauigkeiten dem Verlag mitzuteilen.

Geschützte Warennamen (Warenzeichen) werden nicht besonders kenntlich gemacht. Aus dem Fehlen eines solchen Hinweises kann also nicht geschlossen werden, dass es sich um einen freien Warennamen handelt.

Das Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Widmung

Ich widme dieses Buch einem für mich bedeutenden Lehrer, Vorbild und Freund

David Lamb,

der zu meinem größten Bedauern am Samstag, den 3. August 1996 in Red Deer, Alberta, Canada verstorben ist.

Seine Lebensenergie, sein Optimismus und seine positive Lebenseinstellung waren und sind noch immer eine Inspiration für mein Handeln als Physiotherapeut, Manualtherapeut und Lehrer.

Sein nicht zu stillender Informationshunger und sein ständiges kritisches Infragestellen herrschender Ideen und Hypothesen haben mir persönlich gezeigt, daß sich Physiotherapie und Manuelle Therapie ohne diese Einstellung nicht überleben und weiterentwickeln können.

Sein größter Wunsch war es, daß Physiotherapeuten gemeinsam aufstehen, um für ihre Daseinsberechtigung im Gesundheitswesen und in der Patientenbehandlung zu kämpfen und ihre Energie nicht mit innenpolitischen Kämpfen verschwenden, die unserer Berufsgruppe schaden und unser Berufsbild schwächen.

Ich bin überzeugt, daß er über dieses dreibändige Projekt zufrieden und glücklich wäre, das durch die gemeinsame Arbeit von Physiotherapeuten aus Australien, Belgien, Großbritannien, Deutschland und den Niederlanden entstanden ist.

Frans van den Berg

Grußwort zur 1. Auflage

Ein Buch wie dieses ist seit langem überfällig, und dafür gibt es wahrscheinlich zweierlei Gründe.

Erstens befindet sich der Beruf des Physiotherapeuten noch immer in einem „embryonalen“ Stadium im Hinblick auf die Entwicklung und Definition seiner eigenen wissenschaftlichen Grundlage. Ein Grund hierfür kann sein, daß dieser Beruf historisch gesehen weitgehend von anderen Disziplinen innerhalb der Medizin (Ärzte) kontrolliert wurde und deshalb für die eigene Entwicklung auf verwandte Fachbereiche (wie Anatomie, Biomechanik, Chemie, Physik, Physiologie etc.) zurückgreifen mußte. Bei der Frage nach dem Erfolg oder bei der Verteidigung von Fehlschlägen berief man sich stets auf diese anderen Disziplinen. Die anderen Disziplinen sind zweifellos häufig für die Entwicklung von Grundlagen und Rechtfertigungen vieler Behandlungsmethoden verantwortlich, die dem Patienten zur Verfügung gestellt werden.

Zweitens besteht im Bereich der Manuellen Therapie, wo die Behandlungen oft bei einer Vielzahl von nicht-spezifischen neuromuskulären Störungen verwendet werden, lange Zeit die Ansicht, daß die Symptome vieler Patienten eine mechanische Ursache haben. Demzufolge hat sich die Überzeugung entwickelt, daß diese Probleme auch wieder auf mechanische Weise gelöst werden könnten, wobei etwas „blockiertes“ wieder „entblockiert“ oder etwas „komprimiertes“ wieder „entkomprimiert“ werden könnte. In vielen Fällen wurde und werden auch weiterhin durch diese Betrachtungsweise zufriedenstellende Erfolge verbucht, was die Berechtigung dieser mechanischen Erklärung zu bestätigen scheint.

Weil es möglich und wahrscheinlich ist, daß ein strukturelles Element (z. B. Meniskus, Synovialfalte, Nerven) tatsächlich mechanisch beeinträchtigt werden kann, so kommt es eher seltener vor, daß Therapeuten sich Gedanken darüber machen, inwieweit dies die normale physiologische Funktion (wie Durchblutung, Nervenleitung etc.) in den betroffenen oder benachbarten Geweben verändert haben könnte.

Als Konsequenz wurde bis jetzt den physiologischen Effekten der manuellen Techniken, die die Absicht hatten, ein mechanisches Problem zu lösen, kaum Beachtung beigemessen. Werden auch Haut, Vaszien, Muskeln und Sehnen mit Hilfe von vielen manuellen Techniken mobilisiert, so werden traditionell den mechanischen Effekten von Drücken, Kneten, Dehnen und Abheben generell mehr Aufmerksamkeit gewidmet, als den physiologischen Effekten wie Temperaturerhöhung, Veränderungen der Permeabilität der Zellmembranen, Veränderungen der Gefäßdurchblutung, veränderte Aktivität des sympathischen Nervensystems, axoplasmatischer Fluß und Steigerung der Exterozeptoren-Aktivität über die aufsteigenden Bahnsysteme.

Es gibt noch einen dritten Grund, der in Wirklichkeit eine Mischung der beiden erstgenannten Punkte ist. Während der letzten zwei Jahrzehnte haben die Manualtherapeuten versucht, ihre Interventionen begründet auf ihren klinischen Erfahrungen besser zu rechtfertigen.

Es ist nicht überraschend, daß in vielen Bereichen der Physiotherapie die Aufmerksamkeit auf die Physiologie gelenkt wurde, um eine logische Basis für die Erklärung der gefundenen Veränderungen zu erhalten.

Dies war insbesondere im Bereich der Manipulationen deutlich, wo neuere Untersuchungen, die u. a. im Bereich der Mechanismen der Schmerzphysiologie an Ratten studiert wurden, übertragen und neu interpretiert wurden. Sie sollen eine mögliche Erklärung für die Behandlungserfolge von manuellen Techniken, die bei Patienten angewandt werden, liefern.

Bei dem Versuch, „mechanische“ Techniken durch physiologische Erklärungen zu rechtfertigen, wurde es zunehmend deutlicher, daß jede Interaktion mit dem Patienten einen Einfluß auf seine Physiologie hat. Ohne Physiologie kann es weder einen Effekt noch eine Erklärung geben.

Es ist daher eine große Freude für mich zu lesen, wie die Vielzahl von Informationsfäden in diesem Buch zusammengewoben wurden. Die Kunst liegt dabei in der Art und Weise, wie die Informationen präsentiert werden: äußere Erscheinung, Funktion, Aufbau und Zusammensetzung, Innervation und Durchblutung, Physiologie, Pathophysiologie und Regeneration.

Das Verständnis der Funktion in einem frühen Stadium bedeutet, daß es einen logischen Schluß für die Beschreibung des Aufbaus und der Zusammensetzung sowie der darauf folgenden Physiologie gibt. Es wird auch deutlich, wie Störungen im Gleichgewicht der verschiedenen Komponenten eine pathologische Situation verursachen können. Obwohl therapeutisches „Management“ nicht das Hauptthema dieses Bandes ist, wird trotzdem deutlich, welche Art therapeutischer Intervention am ehesten einen positiven Einfluß auf die Pathophysiologie haben könnte.

Die Begeisterung von Frans van den Berg für und das Verstehen von Physiologie in Kombination mit einer langjährigen Erfahrung in der internationalen Manuellen Therapie hat ihm ermöglicht, eine einzigartige Sichtweise in dieses Werk zu bringen. Sein Einblick ermöglicht ihm durch ein sehr genaues Durchsichten der Literatur Erklärungen zu entwickeln, die durch das gesamte Buch dem gleichen logischen Aufbau folgen.

Es ist besonders erfrischend zu entdecken, wie er in der Lage ist, das Wissen so zu präsentieren, daß die physiologischen Funktionen der Gewebekomponenten und deren gegenseitige Beziehungen zum Hauptaugenmerk wurden, besonders gegenüber den mehr gängigen anatomischen oder biomechanischen Beziehungen. Die Bedeutung dieser letztgenannten Punkte wird jedoch nicht übersehen. Denkt man über pathophysiologische Veränderungen, Heilungs- und Regenerationsprozesse nach, wird die Aufmerksamkeit auch darauf gerichtet, in welcher Art und Weise die biomechanischen Verhältnisse auf die Physiologie einwirken können. Dies führt zu der Deutung der Art der therapeutischen Intervention, die sich wahrscheinlich am günstigsten auswirkt: Ruhe, Aktivität, passive Bewegung, Manipulation, Belastung, Entlastung, Dehnung etc.

Die umfassend herangezogene Literatur macht aus diesem Buch ein wichtiges Nachschlagewerk für Ärzte, Ergotherapeuten, Osteopathen, Physiotherapeuten, Podotherapeuten und andere Heilberufe. Durch die reichhaltige Bebilderung und die wertvollen Zusammenfassungen durch jedes Kapitel hindurch bietet das Buch dem Leser die Möglichkeit, eine gute Übersicht über die physiologischen Funktionen der einzelnen Gewebekomponenten der pro Kapitel beschriebenen Gewebe. Es dient auch als ein unschätzbares Nachschlagewerk, in dem die Schlüsselbegriffe in den Kapiteln hervorgehoben sind.

Der Haupttext ist sehr detailliert geschrieben, so daß der behandelnde Therapeut, Arzt und Wissenschaftler einen Zugang zu wesentlichen Informationen erhalten. Dies sollte eine überlegtere klinische Beurteilung ermöglichen und damit eine verbesserte Patientenbehandlung ermöglichen – denn eine verbesserte Patientenbehandlung sollte sicherlich das primäre Ziel nicht nur für die zahlreichen Behandler, sondern auch für die Autoren der Bücher, aus denen wir lernen.

Peter Lageard, M.Sc., Grad. Dip. Phys., M.C.S.P., Dip.T.P., S.R.P.Senior Lecture University of Hertfordshire Großbritannien

Vorwort zur 1. Auflage

Dieses Buch ist nach vielen Stunden lesen, überlegen, verzweifeln, schwitzen, schreiben, wegwerfen und neu schreiben entstanden.

Es bildet den ersten Band in einer Reihe von drei Büchern über die Physiologie des Menschen und wurde zum größten Teil von Physiotherapeuten und vor allem für Physiotherapeuten geschrieben.

Nachdem ich von Frau Rosi Haarer-Becker, Thieme Verlag, Ende 1995 eingeladen wurde, diese Bücher zu schreiben und herauszugeben, habe ich blauäugig „Ja“ gesagt, ohne mir zu vergegenwärtigen, wieviel Arbeit ich mir und meiner Frau damit machen würde. Denn ich bin weder Wissenschaftler, noch Physiologe, noch Forscher. Aber ich habe dann aus meiner Perspektive als Physio- und Manualtherapeut alle die Informationen zusammengetragen, die viele bewundernswerte Frauen und Männer nach vielen Stunden Forschungsarbeit entdeckt und veröffentlicht haben.

Diesen Autoren bin ich zu großem Dank verpflichtet, weil ich ohne ihre Arbeit nie in der Lage gewesen wäre, etwas sinnvolles zu diesem Thema zu schreiben. Dieses Buch wäre ohne sie nie zustande gekommen. Meinen Dank kann ich nur durch die Aufnahme ihrer Namen und Arbeiten in die Literaturliste zum Ausdruck bringen. Möglicherweise ist diese Literaturliste der wichtigste und wissenschaftlichste Teil meines Buches.

Aus der Fülle von Informationen habe ich versucht, eine Zusammenfassung zu erstellen, von der ich hoffe, daß die Leser ein größeres Verständnis für die Funktionsweise der wunderbarsten und perfektesten Maschine, dem Menschen, aufbringen werden. Ohne das Funktionieren des Menschen – und damit die menschliche Physiologie – zu verstehen, sind wir Therapeuten nicht in der Lage, eine gute, sinnvolle und überlegte Therapie durchzuführen.

Ich hoffe, daß irgendwann in der Zukunft eine fundierte Basis für die Wirksamkeit physiotherapeutischer Therapien geschaffen werden kann, um damit die Existenzgrundlage und Berechtigung dieses Berufsstandes zu gewährleisten.

Im einzelnen möchte ich mich zunächst bei meinem Freund Jan Cabri für seine hervorragende Arbeit im Kapitel 2.13 „Kontraktile Elemente der quergestreiften Muskulatur“ bedanken.

Ich danke auch Herrn Markus Voll und seiner Mitarbeiterin, Frau Muscher, für ihre außergewöhnlichen grafischen Darstellungen, durch die das Buch sehr an Klarheit und Anschaulichkeit gewonnen hat. Herzlichen Dank auch an die Redakteurinnen des Thieme Verlages, Frau Franke und Frau Wehrstein. Nicht zuletzt durch ihre Textbearbeitungen und Strukturierungsvorschläge ist ein übersichtliches Lehrbuch entstanden.

Ralf Oettmeier danke ich, weil er versucht hat, mir ein klareres und umfassenderes Verständnis für die Physiologie des Bewegungsapparates aufzuzeigen. Dank auch für seine positive Kritik zum Inhalt dieses Bandes.

Schließlich möchte ich mich ganz herzlich bei meiner Frau Birgit bedanken. Sie hat mich in dieser langen Zeit immer wieder unterstützt und ermuntert und mir schließlich geholfen, meine Texte in ein für den Verlag lesbares Deutsch umzusetzen.

Oppenheim, November 1998

Frans van den Berg

Vorwort zur 3. Auflage

Es ist mehr als 10 Jahre her, seit die 1. Auflage dieses Buches 1999 erschienen ist. Nun halten Sie die 3. Auflage in Ihren Händen. Nach 10 Jahren war es an der Zeit, die Inhalte den neuesten wissenschaftlichen Untersuchungen und Erkenntnissen anzupassen. Es hat sich viel getan. Es gibt neue Erkenntnisse zum Thema Bindegewebe, und in der Medizin sowie in der Physiotherapie haben sich ganz andere Denkansätze entwickelt. Ja, und – last but not least – habe auch ich mich verändert. Mit den Jahren stieg ich immer tiefer in die Materie Bindegewebe ein.

Regelmäßige Literaturrecherchen, die Erfahrungen aus dem Unterrichten der Inhalte der Bindegewebsphysiologie, der Austausch mit Interessierten und Experten prägten, ja, veränderten mein Denken. Mein Verständnis für die Physiologie des Menschen ist reicher und tiefer geworden, meine Überlegungen sind mit denen vor über 10 Jahren nicht mehr vergleichbar.

In die heutige Betrachtung des Bindegewebes und der Physiologie dieser Gewebsstrukturen gehören z. B. Ansätze aus der Quantenphysik, und diese sind nicht gerade ein Gegenstand unseres physiotherapeutischen Alltags. Ich weiß. Trotzdem habe ich mich entschieden, sie in diese Neuauflage einzuarbeiten. Erstens bin ich davon überzeugt, zukunftsweisende Erklärungsmodelle nicht einfach weglassen zu dürfen und zweitens kann ich mir gut vorstellen, dass sie in nicht allzu langer Zeit genau die Erklärungsmodelle sein werden, mit denen wir uns als Physiotherapeuten beschäftigen müssen.

Neu in diese Auflage ist ein Kapitel über Faszien. Die Aspekte und Techniken der Osteopathie erreichen immer mehr Physiotherapeuten. Angesichts des starken Interesses an der Osteopathie und der großen Akzeptanz stellt für mich das Integrieren dieser Gewebsstruktur eine absolute Notwendigkeit dar.

Wir haben für Sie auch – wenn es notwendig war – die Grafiken überarbeitet und optimiert, und so hoffe ich, dass die Inhalte noch verständlicher wurden.

Sie finden in der 3. Auflage deutlich mehr Literaturverweise. Für Physiotherapeuten ist es inzwischen selbstverständlich – und ein sichtbares Merkmal der voranschreitenden Akademisierung im deutschsprachigen Raum – beim Publizieren Quellen zu nennen sowie Meinungen und wissenschaftliche Nachweise klar zu trennen. So erhalten Sie, liebe Leserinnen und Leser, die Möglichkeit, Informationen zu hinterfragen und Ihre Kenntnisse durch ein Literaturstudium zu vertiefen.

Für die redaktionelle Bearbeitung der Texte bin ich Martina Kunze sehr dankbar. Als Biologin und Redakteurin konnte sie mir viele wertvolle Tipps und Ergänzungen geben, die die Texte inhaltlich bereichern und ihre Lesbarkeit verbessern.

Rosi Haarer-Becker, die mich vor vielen Jahren dazu „verführte“, dieses erste Buch in der Reihe „Angewandte Physiologie“ zu schreiben, bin ich sehr dankbar. Wäre ich diese Verpflichtung nicht eingegangen, hätte ich mich nie so ausführlich und intensiv mit dieser Materie beschäftigt. Die Möglichkeit, jetzt eine 3. Auflage herauszugeben, hat mich auch selbst erneut einen Riesenschritt weitergebracht. Es war zwar in den vergangenen 2 Jahren wieder eine große Anstrengung, sich tiefer in die Thematik einzudenken, Literatur zu sichten, viel zu lesen usw. Aber ohne den „Druck“, das Buch fertig stellen zu müssen, hätte ich mich dieser Aufgabe nicht gestellt, was ich aus heutiger Sicht bedauern würde.

An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Leserinnen und Lesern bedanken, die in so großer Zahl die 1. und 2. Auflage des Buches kauften und ich hoffe doch sehr, Sie, liebe Leserinnen und Leser, schätzen die Aktualisierungen und Ergänzungen der 3. Auflage.

Mein größter Dank gilt meine Lebensgefährtin Sandra, die mir für dieses Projekt die Kraft, den Mut und die notwendige Energie gab. Autorentätigkeit bedeutet nicht selten Rückzug, Fokussierung auf das Projekt, Verzicht auf Urlaub und mehr. Schön, wenn die Partnerin das mitträgt und einem zur Seite steht.

Frontignan-Plage (Südfrankreich), Juli 2010

Frans van den Berg

Frans van den Berg

Frans van den Berg wurde am 8. Oktober 1952 in Rotterdam geboren, wo er auch seine Jugend und Studienzeit verbrachte. Nach Abschluss der Physiotherapie-Ausbildung arbeitete er in seiner Praxis für Physiotherapie in Gouda. Von Januar 1990 bis Juli 2006 lebte er in Deutschland, in der Nähe von Mainz, wo er viele Jahre eine eigene Praxis für Physiotherapie leitete. Seit Juli 2006 lebt er mit seiner Lebensgefährtin Sandra in Zell am Moos in Österreich und arbeitet in der gemeinsamen Praxis für ganzheitliche Physiotherapie.

Ausbildung:

1975 – 1979

Ausbildung zum Physiotherapeuten an der Akademie für Physiotherapie, Rotterdam

1979 – 1982

Kurse in Manueller Therapie, FAC Hamm, bei den Lehrern F. Kaltenborn, O. Evjenth, W. Hinsen

1980

Kurse in Orthopädischer Medizin, London, bei Dr. James Cyriax

1983

Weiterbildungskurs: Neurophysiologie

1984

Weiterbildungskurs: Leistungsphysiologie

1985

Weiterbildungskurs: Zahnmedizin und Physiotherapie in einer multidisziplinären Betrachtung der Dysfunktionen des Kausystems. Lehrer: Prof. Mariano Rocabado (Chile)

1988

Abschlussexamen Orthopädische Manuelle Therapie (Kaltenborn/Evjenth-Konzept), Prüfer: David Lamb (CAN), Walter Hinsen (D), Freddy Kaltenborn, Olaf Evjenth und Lasse Thue (N)

1991 – 1992

Weiterbildung Ernährung und Physiotherapie bei Ghislaine Heesen

1992 – 1993

Weiterbildung im McKenzie-Konzept bei Peter Lageard (GB)

1996

Grundkurs Manuelle Therapie – Maitland Konzept (IMTA) bei Pieter Westerhuis

1998

Kurs Neurale Mobilisation bei David Butler

2002

Kurs Problematische Schmerzpatient bei Max Zusman und Martina Moog

Beruflicher Werdegang:

1979 – 1980

Freier Mitarbeiter im Institut für Physiotherapie, Gouda

1980 – 1990

Eigene Praxis für Physiotherapie in Gouda

1980 – 1984

Lehrer für Massagetherapie an der Akademie für Physiotherapie, Rotterdam

1981 – 1990

Lehrer für Manuelle Therapie an dem Internationalen Seminar für Orthopädische Medizin/Manuelle Therapie (ISOMT)

1990 – 1992

Gastlehrer an der Vrije Universiteit Brussel, Weiterbildungsprogramm in Manueller Therapie für Physiotherapeuten und Ärzte

1990 – 1995

Clinical Instructor – Orthopaedic Manual Therapy an der ISOMT

1995

Unterricht an der Oakland University, USA, Manuelle Therapie und Bindegewebsphysiologie

seit 1995

Senior Instruktor Orthopädische Manuelle Therapie

1997 –2001

Freier Mitarbeiter in der Praxis für Physiotherapie und Manuelle Therapie – William Kuster in Grünstadt

2001 – 2006

Inhaber einer Praxis für ganzheitliche Physiotherapie in Mainz

2001 – 2006

Lehrauftrag Studiengang Physiotherapie an der Philips-Universität in Marburg, Unterrichtsbereiche: Angewandte Physiologie, Manuelle Therapie, Kiefergelenksbehandlung

Mai 2003

Gründer und Lehrer der Internationalen Akademie für Osteopathische und Manuelle Therapie (IAOMT) – Kursreihe KPM - Klinisches Patientenmanagement

®

Seit vielen Jahren Vortragender auf nationalen und internationalen Kongressen.

Hobbys: Reisen, Schlittschuhlaufen, Skifahren, Wandern – und dem Klischee entsprechend mittlerweile in einem Alter: Golf spielen.

Seit langer Zeit ist es ihm ein großes Anliegen, Physiotherapeuten von der Notwendigkeit zu überzeugen, sich kontinuierlich mit den Inhalten der Grundlagenfächer der Physiotherapie – Anatomie und Physiologie – auseinanderzusetzen.

Zudem möchte er die Physiotherapeuten dazu ermutigen, sich hinsichtlich Untersuchung und Behandlung der Patienten nicht auf die alleinige Beurteilung des Bewegungsapparates zu beschränken.

Jan Cabri

Ich bin am 28. Juli 1959 in Brüssel, Belgien, geboren. Zurzeit lebe ich mit meiner Frau Catherine Hutsemékers und unseren Töchtern Charlotte und Manon in Estoril (Portugal) und arbeite an der Norwegian School of Sport Sciences in Oslo (Norwegen).

Ausbildung:

1981

Graduiert in Physikalischer Therapie (bachelor degree) am Institut für Physical Education in Dilbeek, Belgien

1983

Master of Science in Motor Rehabilitation und Physical Therapy, Abschluss an der Freien Universität Brüssel (VUB), Belgien

1989

Ph.D. in Motor Rehabilitation und Physical Therapy, Abschluss an der Freien Universität Brüssel (VUB), Belgien

Beruflicher Werdegang:

1981

Praktikum in der Physiotherapie

1984

Research Associate am Department for Human Anatomy der Freien Universität Brüssel für Forschungsprojekte in Isokinetik, Dynamometrie und kinesiologischer Elektromyografie

1985 – 1991

Assistent Anatomie am Faculty for Physical Education and Physical Therapy an der Freien Universität Brüssel

1991

Associate Professor an der Abteilung für Humanphysiologie und Sportmedizin, Freie Universität Brüssel

1996 – 2009

Associate Professor am Faculty of Human Kinetics, Technische Universität Lissabon, Portugal

2009

Professor in Biomechanics an The Norwegian School of Sport Sciences in Oslo

zurzeit:

Abteilungsleiter, Department of Physical Performance, the Norwegian School of Sport Sciences, Oslo und Invited Professor, Høgskole i Oslo, Abteilung Physiotherapie.

Inhaltsverzeichnis

1 Grundlagen der Bindegewebsphysiologie

1.1 Aufgaben des Bindegewebes

1.2 Bestandteile des Bindegewebes

1.3 Zellen

1.3.1 Ortsständige oder fixe Zellen

1.3.2 Bewegliche oder mobile Zellen

1.4 Matrix

1.4.1 Kollagene Fasern

1.4.2 Elastische Fasern

1.4.3 Grundsubstanz

1.4.4 Wasser

1.4.5 Nichtkollagene Proteine

1.5 Physiologie: Ernährung des Bindegewebes

1.5.1 Diffusion

1.5.2 Osmose

1.5.3 Physiologische Be- und Entlastung

1.6 Pathophysiologie: Degeneration und Alterung

1.6.1 Degeneration

1.6.2 Alterung

1.7 Wundheilung

1.7.1 Entzündungs- oder Reizungsphase

1.7.2 Proliferationsphase

1.7.3 Konsolidierungsphase

1.7.4 Organisations- oder Umbauphase

1.7.5 Exkurs: Primäre und sekundäre Wundheilungsbedingungen

1.7.6 Exkurs: Schmerzphysiologie

2 Strukturen der Funktionseinheit Gelenk

2.1 Knochen

2.1.1 Äußere Erscheinung

2.1.2 Funktion

2.1.3 Aufbau

2.1.4 Komponenten

2.1.5 Knochenbildung

2.1.6 Knochenwachstum

2.1.7 Durchblutung und Innervation

2.1.8 Physiologie: Regulation des Kalziumhaushalts

2.1.9 Pathophysiologie: Demineralisierung, Osteoporose und Alterung

2.1.10 Knochenheilung

2.2 Gelenkknorpel

2.2.1 Äußere Erscheinung

2.2.2 Funktion

2.2.3 Aufbau

2.2.4 Komponenten

2.2.5 Durchblutung und Innervation

2.2.6 Physiologie: Regulation des Wasserhaushalts

2.2.7 Pathophysiologie: Degeneration, Arthrose und Alterung

2.2.8 Regeneration

2.2.9 Gelenkschmierung

2.3 Menisken

2.3.1 Äußere Erscheinung

2.3.2 Funktion

2.3.3 Aufbau

2.3.4 Komponenten

2.3.5 Durchblutung und Innervation

2.3.6 Physiologie: Transportmechanismen

2.3.7 Pathophysiologie: Degeneration und Traumen

2.3.8 Regeneration und Wundheilung

2.4 Intraartikuläre Disken

2.4.1 Äußere Erscheinung

2.4.2 Funktion

2.4.3 Aufbau

2.4.4 Komponenten

2.4.5 Durchblutung und Innervation

2.4.6 Physiologie: Anpassung an Belastungen

2.4.7 Pathophysiologie: Degeneration und Traumen

2.4.8 Regeneration und Wundheilung

2.5 Meniskoiden

2.5.1 Äußere Erscheinung

2.5.2 Funktion

2.5.3 Aufbau

2.5.4 Komponenten

2.6 Bandscheibe

2.6.1 Äußere Erscheinung

2.6.2 Funktion

2.6.3 Aufbau

2.6.4 Komponenten

2.6.5 Durchblutung und Innervation

2.6.6 Physiologie: Transportmechanismen

2.6.7 Pathophysiologie: Degeneration, Alterung, Prolaps und Protrusion

2.6.8 Regeneration und Wundheilung

2.7 Gelenkkapsel und Bänder

2.7.1 Äußere Erscheinung

2.7.2 Funktion

2.7.3 Aufbau

2.7.4 Komponenten

2.7.5 Durchblutung und Innervation

2.7.6 Physiologie: Adhäsion, subatmosphärischer Druck, physiologische Reize

2.7.7 Pathophysiologie: Degeneration, Alterung und Traumen

2.7.8 Regeneration und Wundheilung

2.7.9 Hämatom

2.8 Synovialflüssigkeit

2.8.1 Äußere Erscheinung

2.8.2 Funktion

2.8.3 Aufbau

2.8.4 Komponenten

2.8.5 Physiologie: Produktion und Resorption

2.8.6 Pathophysiologie: Qualitative Veränderungen

2.9 Knochen-Sehnen-Übergang

2.9.1 Äußere Erscheinung Knochen-Sehnen-Übergang

2.9.2 Funktion

2.9.3 Aufbau

2.9.4 Komponenten

2.9.5 Durchblutung und Innervation

2.9.6 Physiologie: Spezifische Belastungsreize

2.9.7 Pathophysiologie: Degeneration, Alterung und Traumen

2.9.8 Regeneration

2.10 Sehne

2.10.1 Äußere Erscheinung

2.10.2 Funktion

2.10.3 Aufbau

2.10.4 Komponenten

2.10.5 Durchblutung und Innervation

2.10.6 Physiologie: Reaktionen auf Belastungsreize und Temperaturveränderungen

2.10.7 Pathophysiologie: Degeneration und Traumen

2.10.8 Regeneration und Wundheilung

2.11 Muskel-Sehnen-Übergang und Bindegewebe des Muskelbauchs

2.11.1 Äußere Erscheinung

2.11.2 Funktion

2.11.3 Aufbau

2.11.4 Komponenten

2.11.5 Durchblutung und Innervation

2.11.6 Physiologie: Belastungsreize

2.11.7 Pathophysiologie: Degeneration, Alterung und Rupturen

2.11.8 Regeneration und Wundheilung

2.12 Kontraktile Elemente der quergestreiften Muskulatur

2.12.1 Funktionelle Histologie des Skelettmuskels

2.12.2 Muskelrezeptoren

2.12.3 Kontraktionsmechanismus

2.12.4 Kraftentwicklung im Muskel

2.12.5 Biochemische Prozesse im Muskel

2.13 Periphere Nerven

2.13.1 Äußere Erscheinung

2.13.2 Funktion

2.13.3 Aufbau

2.13.4 Komponenten

2.13.5 Durchblutung und Innervation

2.13.6 Physiologie: Absorption von Belastungen

2.13.7 Pathophysiologie: Degeneration, Traumen und Alterung

2.13.8 Regeneration und Wundheilung

2.14 Faszien

2.14.1 Äußere Erscheinung

2.14.2 Funktion

2.14.3 Aufbau

2.14.4 Komponenten

2.14.5 Durchblutung und Innervation

2.14.6 Physiologie

2.14.7 Pathophysiologie: Degeneration und Traumen

2.14.8 Regeneration und Wundheilung

3 Haut und Thermoregulation

3.1 Haut

3.1.1 Äußere Erscheinung

3.1.2 Funktion

3.1.3 Aufbau

3.1.4 Komponenten

3.1.5 Hautanhangsgebilde

3.1.6 Durchblutung und Innervation

3.1.7 Physiologie: Pigmentierung und Vitamin D-Produktion

3.1.8 Pathophysiologie: Degeneration und Verletzungen

3.1.9 Regeneration und Wundheilung

3.2 Thermoregulation

3.2.1 Temperaturkontrolle

3.2.2 Temperaturmessung

3.2.3 Wärmeproduktion

3.2.4 Wärmeabgabe

3.2.5 Temperaturveränderungen

4 Positive und negative Einflüsse auf die bindegewebigen Strukturen des Bewegungsapparates

4.1 Einleitung

4.2 Positive Einflüsse

4.2.1 Substanzen in der Nahrung

4.2.2 Physiologische Reize

4.3 Negative Einflüsse

4.3.1 Überbelastung der Strukturen

4.3.2 Unterbelastung der Strukturen

4.3.3 Immobilisation und ihre Auswirkungen

4.3.4 Medikamente

4.3.5 Eisanwendungen und mögliche Komplikationen

4.3.6 Weitere Faktoren

5 Literatur

1 Grundlagen der Bindegewebsphysiologie

In der Physiotherapie spielt die Behandlung des Bewegungsapparates häufig eine zentrale Rolle. Strukturen, die untersucht und behandelt werden, bestehen zum größten Teil aus Bindegewebe. Abb. 1.1 zeigt eine Übersicht über die verschiedenen Bindegewebsarten unseres Körpers mit den physiotherapeutischen Behandlungsmöglichkeiten.

Die Bindegewebsart, die traditionell im primären Fokus der physiotherapeutische Behandlung liegt, ist das straffe faserige Bindegewebe, bei dem man eine ungeformte und geformte Variante unterscheidet. Man sollte sich aber immer bewusst sein, dass es fast nie möglich ist, nur ein Gewebe zu behandeln bzw. zu beeinflussen. In den meisten Fällen werden immer gleichzeitig mehrere Gewebe mit (therapeutischen) Reizen konfrontiert.

Abb. 1.2 verdeutlicht die Unterschiede zwischen ungeformtem (Abb. 1.2, a) und geformtem straffen (Abb. 1.2, b) Bindegewebe.

Beim geformten straffen Bindegewebe weisen die kollagenen Fasern einen mehr oder weniger parallelen Verlauf auf. Dieser Faserverlauf entsteht, wenn Gewebe immer wieder auf die gleiche Weise und vor allem in die gleiche Richtung belastet wird. Dies trifft auf Strukturen wie Sehnen, Bänder und Aponeurosen zu. Diese Strukturen sind schlecht durchblutet und werden nach Verletzungen primär mit Friktionen und anderen durchblutungsfördernden Maßnahmen behandelt, um die Wundheilung zu optimieren.

In ungeformtem Bindegewebe verlaufen die kollagenen Fasern in unterschiedlichen Richtungen. Es kommt folglich in Strukturen vor, die in unterschiedlichen Richtungen belastet werden. Durch die unterschiedlich verlaufenden Fasern entstehen kollagene Netzwerke, die sich während Belastung entfalten und so Mobilität erzeugen können. Dies trifft auf Strukturen wie Gelenkkapseln und Faszien sowie auf das intramuskuläre und intraneurale Bindegewebe zu. Innerhalb dieses Netzwerks entstehen unter pathologischen Bedingungen (z. B. Immobilisationen) Verbindungen, pathologische Crosslinks, wodurch die normale Entfaltbarkeit der Struktur und ihre Mobilität verlorengehen (Abb. 1.3). Physiotherapeutisch werden diese Strukturen mit Mobilisations- bzw. Dehnungstechniken behandelt. Durch Mobilisationstechniken werden die Bindegewebszellen (Fibroblasten) zu einer verstärkten Freisetzung des Enzyms Kollagenase stimuliert. Dieses Enzym ist in der Lage, Crosslinks abzubauen (Carano et al. 1996).

Das hyaline Knorpelgewebe, das sich innerhalb synovialer Gelenke als Gelenkknorpel befindet, wird nach einer Schädigung oder bei Degeneration mit rhythmischer Druckbe- und -entlastung behandelt, um die physiologischen Regenerationsprozesse zu stimulieren. Die Bandscheibe, die aus kollagenfasrigem Knorpelgewebe aufgebaut ist, benötigt für den Nukleus und den Anulus unterschiedliche Behandlungsansätze. So braucht der Nukleus einen regelmäßigen Wechsel von axialer Druckbe- und -entlastung, der Anulus dagegen einen regelmäßigen Wechsel von Zugbe- und -entlastung, der während der Bewegungen in der Wirbelsäule entsteht.

Auch das Knochengewebe ist Bindegewebe und braucht ebenfalls die für dieses Gewebe spezifischen physiologischen Belastungsreize, um Funktion und Stabilität beizubehalten. Dabei handelt es sich vor allem um Druckbelastungen. Das bedeutet, dass alle zulässigen physiotherapeutischen Maßnahmen, bei denen der Knochen mit einer Druckbelastung konfrontiert wird, den Knochen und die Knochenzellen informieren und zu Aktivität stimulieren. Genauer gesagt ist es so, dass die Druckbelastungen, die auf den Knochen einwirken, im kollagenen Netzwerk Zugbelastungen auslösen.

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