Aniara - Harry Martinson - E-Book

Aniara E-Book

Harry Martinson

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Beschreibung

Harry Martinson (1904–1978) schrieb über das unermesslich Große und das stecknadelgroß Kleine, das Nahe und das Ferne – er ließ, so die Begründung für seinen Literaturnobelpreis 1974, »in einem Tautropfen den Kosmos sich spiegeln«. In »Aniara«, seinem legendären Weltraumepos in 103 Gesängen, begleitet er eine Gruppe von Menschen, die sich ihrem eigenen und dem Ende der Welt stellen müssen. Mit dem Raumschiff »Aniara« waren sie auf dem Weg zum Mars, wohin sie von der durch Atomkrieg und Ausbeutung unbewohnbar gewordenen Erde evakuiert werden sollten. Doch die »Aniara« ist außer Kontrolle geraten und taumelt nun mitsamt ihren Insassen durchs All. Ohne Ziel, ohne Aussicht auf Rettung. Und menschliches Leben wird nur noch möglich sein, solange die Sauerstoffreserven ausreichen. Geschrieben vor dem historischen Hintergrund von Hiroshima und der Wasserstoffbombe, den Gräueln der Weltkriege und der Zerstörung der Natur, wirft Harry Martinson all seine poetische Kraft in die Waagschale, um uns tief in die spirituelle und existenzielle Verzweiflung der Menschen eintauchen zu lassen, die der versagenden Technik und den Auswirkungen ihrer eigenen Rücksichtslosigkeit ausgeliefert sind. Wie lässt sich in dieser Ausnahmesituation noch Trost, Sinn und innerer Friede finden? In grandiosen Bildern – mit poetischem Verständnis von Lena Mareen Bruns in ein facettenreiches, vielstimmig klingendes Deutsch gebracht – verdeutlicht Martinson uns die in unseren Händen liegende Verantwortung. Nie wurden Verlorenheit und die Konsequenzen unseres Handelns in schönere Worte gefasst.

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Seitenzahl: 111

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Harry Martinson

Aniara

Harry Martinson

ANIARA

Eine Revue über den Menschenin Zeit und Raum

Aus dem Schwedischen von Lena Mareen Bruns

Mit einem Nachwort von Alex Schulman

ANIARA

»Aniara« kann man sich als ein von der Zeit selbst verfasstes Fantasieprodukt vorstellen. In gewissem Sinne handelt es sich also um ein anonymes Werk, in dem es um unser kollektives Gedankengut, um all unsere Welthoffnung, Trauer und Enttäuschung geht, aber auch um unsere Versuche, uns Fristen aufzuerlegen oder mithilfe der Fantasie unaufhaltsame Entwicklungen hinauszuzögern oder aufzuschieben.

In »Aniara« geht es um all das, was wir persönlich nicht bewältigen können, womit wir aber dennoch untrennbar verbunden sind. Unabhängig davon, wie wir leben, ist der Rahmen unserer Existenz doch auf die eine oder andere Weise starr festgelegt. Eine Rahmenbedingung stellt die Biologie dar. Wir werden geboren, reifen, altern und sterben. Diese Grenzen rahmen bereits all unseren Schmerz und jegliche Freude. Weiterhin leben wir innerhalb jener Begrenzungen, die Mensch und Natur gemeinsam erschaffen, der sozialen, politischen, religiösen und wissenschaftlichen. Unser gesamtes Leben gleicht einer Reihe von Versuchen, uns innerhalb dieser Rahmenbedingungen die Welt zu erklären, an der Grenze zum Rätsel oder zum Schrecken, oder uns von ihr abzuschirmen, mithilfe von Symbolen der Einkehr in uns selbst, der Metamorphose der Triebe.

Dass wir das Beste aus dieser Situation machen müssen, ist eine altbekannte Binsenweisheit. Aber unsere Welt und unser Bild von ihr haben sich in weniger als einhundert Jahren auf eine solche Weise erweitert, dass selbst unsere Selbstverständlichkeiten erschüttert sind. Was man früher für überschaubar und simpel gehalten hätte, hat sich ausgeweitet, bis es mit dem Rätselhaften und Unerhörten übereinstimmte. Umgeben von all unseren Schutzrahmen werden wir in die Unendlichkeit geworfen.

Die Erzählung von »Aniara« führt über viele verschiedene Ebenen, durch verschiedene Arten der menschlichen Einbildung. Die äußere Form dient der Narration und ist daher relativ einfach. Parallel zur epischen Welt passiert die Erzählung viele menschliche Formen des Wissens sowie Räume des Bewusstseins.

Eigentümlicherweise hat sich herausgestellt, dass »Aniara« als spannungsreiche Erzählung über einen Vorgang gelesen werden kann, in dem Wirklichkeit und Unwirklichkeit miteinander deckungsgleich sind. Man wird in ein Milieu eingeführt, das es nicht gibt, an das man sich aber während des Lesens gewöhnt und in dem man sich auf die eine oder andere Weise wiedererkennt. Es wird real, eindringlich und fesselnd und letztlich absolut integer und vertraut: wie ein Spiegelbild. Es wird sozusagen zu unserem Schicksalsmilieu, das wir in uns tragen wie einen inneren Raum, in dem unser Bewusstsein die Rätsel unserer Existenz erfasst und in jene Kategorien einteilt, die uns zum Menschen machen. Eine dieser Kategorien ist das Bewusstsein von Schuld und Verantwortung für alles, was durch uns mit der Welt geschieht. Die vielen Räume und Säle im Raumschiff Aniara sind, wenn man sie so verstehen möchte, spirituelle Kategorien-Räume, Kammern der inneren Haltung, Erlebnisbahnen oder schlicht verschiedene Weisen zu empfinden, zu denken und zu leben. Dennoch wird alles von den gleichen Außenwänden zusammengehalten, während es gleichzeitig darauf projiziert und in die Leere geworfen wird, die äußere und die innere. Ein gemeinsamer Nenner ist die Lust daran, alles zu einem Schauspiel werden zu lassen, gleichzeitig Mitspieler und Zuschauer in einem sich ständig erweiternden Welttheater zu sein. In einer solchen Welt werden unglaubliche Anforderungen an Kunst und Kultur gestellt. Als Symbol all jener forcierten Anstrengung mag die rätselhaft konstruierte Mima gelten, die große Registrierende und Reproduzierende von allem Flüchtigen und Vergänglichen, von allem, was weiter strahlt im unfokussierten Fluss gegen die Leere und das Vergessen. In der Entropie, in der Wertunterschlagung sammelt sie in ihrem Spiegel stets aufs Neue all das, was entflohen ist und nicht länger besteht. Daher repräsentiert sie auch das Gedächtnis, die unstillbare Sehnsucht, die Weltelegie, aber ebenso die Geschichte, die Schuld.

Aufgrund ihrer durch das Rätselhafte angereicherten Konstruktion empfindet die Mima mehr und tiefer, als die Menschen dazu in der Lage sind. Darum werden bei ihr insbesondere Fragilität, Rücksichtnahme und Schuldgefühle betont. So taucht sie am Ende unter, »verdunkelt in ihrem Zellwerk«, und bricht zusammen. Die Mima stirbt.

Auf diese Weise könnte ich fortfahren und die Geschichte von »Aniara« nacherzählen, aber die Gefahr, nachträglich die Motive zu rationalisieren, ist zu groß. Im Nachhinein denselben Weg zu nehmen, den man einst im Gedicht beschworen hat, ist zu schwierig. Andere sehen ihn besser als der Dichter, der ja im Übrigen nur seinen Dienst als Medium und Berichterstatter seiner Zeit geleistet hat, als Mimarob.

Harry Martinson

1

Mein erster Blick auf meine Doris leuchtet

mit einem Glanz, wie um das Licht noch zu verschönern.

Ich sag’s wie es ist: Mein erster

und gleichfalls kurzer Blick auf meine Doris

ist jetzt ein Bild für jeden, täglich

sichtbar in allen Gängen,

durch die man Flüchtlinge zum Startfeld schleust

für eine Flucht zum Tundrenrund,

da man die Erde aufgibt,

sie ihrer Strahlenvergiftung überlässt,

zur ruhsamen Quarantäne.

Doris stellt die Karten aus, fünf Nägel glänzen

als matte Lämpchen durch den Hallendämmer.

Sie sagt: Schreibt eure Namen in die Zeile hier,

zu der mein blondes Haar euch leuchtet.

Sie sagt: Die Karte bitte aufbewahren,

für den Fall etwaiger Gefahren,

wie beschrieben dort am Rand,

als Schock für Leben und Land,

so kommt her und gebt genauestens an,

wie euer Herz erleichtert werden kann.

Zu welchem Teil des Mars wollt ihr gelangen,

zur östlichen oder westlichen Tundra, präzisiert es mir.

Unverstrahlte Erde hat jeder mitzuführen, das erseht ihr hier.

Drei Kubikfuß oder mehr, von mir versiegelt,

werden verbucht pro Passagier.

Sie schaut mich voll Verachtung an, wie Schönheit

sie leicht suggeriert, wenn die Massen

auf verdrehten Paragraphen-Stelzen

des Startfelds Stufen rauf und runter hasten.

Zum Notausgang, zu fernen Welten,

in stetem Strom verschwinden sie.

Das Leben in seiner Absurdität

wird jedem Einzelnen bewusst,

der Jahr um Jahr nach einem Spalt ausspäht,

der einen Funken Hoffnung einlässt,

in diesen Saal, wo Nummer-Emigranten

jedes Mal aufschrecken,

sobald die Sirene einer Rakete erschallt.

2

Die Luken schließen, es ertönt das Signal

zum All-Auftrieb, routinemäßig.

Schon hievt der Gyro-Spinner

den Allkoloss Aniara in den Zenit,

wo die Feldstärke von Magnetrinen aufgehoben

auf Position Null geht, Ablösung erfolgt.

Und gleich einem Riesenkokon, so federleicht,

dreht die Aniara, ohne zu vibrieren

fort von der Erde, störungsfrei.

Reiner Routinestart, kein Abenteuer,

eine gyromatische Feldablösung wie gewöhnlich.

Wer konnte ahnen, dass ausgerechnet dieser Start

verdammt sein würde; jene Raumfahrt,

die uns von Sonne und Erde trennt,

von Mars und Venus und von Doris’ Tal.

3

Ein Notmanöver vor dem Asteroiden Hondo

(der hiermit als entdeckt gilt) brachte uns ab vom Kurs.

Wir verpassten den Mars, verließen seine Bahn,

und um dem Feld des Jupiters zu entgehen,

folgten wir der Kurve ICE-zwölf

im äußeren Ring des Magdalenenfeldes,

aber trafen dort auf große Mengen Leoniden

und wichen ihnen aus nach Yko-neun.

Bei Sari-sechzehn gaben wir

die Umkehr auf.

Noch mitten im Manöver resonierte ein Ring aus Felsen

wie das Echo eines Torus,

dessen leeres Zentrum wir nun eifrig suchten,

und wir fanden es, aber in solch steilem Winkel,

dass die Durchfahrt zum Verhängnis wurde

für das Saba-Aggregat, von Weltraumschrott zerschlagen

sowie von großen Mengen Weltraumstaub.

Als der Ring verschwand und das All aufklarte,

war eine Umkehr nicht mehr möglich.

Wir lagen mit der Nase Richtung Leier

und eine Richtungsänderung erschien undenkbar.

Wir befanden uns in der Todeszone, doch zum Glück

war die Schwerkraftanlage nicht ausgefallen,

und auch Heizung und Licht

funktionierten fehlerfrei.

Einige Apparate waren außer Betrieb

und andere, kaum beschädigte, reparierten wir.

Unser Schicksal ist jetzt besiegelt.

Doch hält die Mima (so hoffen wir) bis zum Ende.

4

So ging es zu, als das Sonnensystem

seine Portale aus reinstem Kristall verschloss

und auf dem Raumschiff Aniara alle abschnitt

von den Verbindungen und Verheißungen der Sonne.

Umgeben nur von der Schockstarre des Alls

übermittelten wir unseren Notruf »Aniara«

in die glasklare Unendlichkeit, vergeblich.

Sämtliche Wellen des Weltraums umfasste

die Abschlussmeldung unserer stolzen Aniara,

in weiten Kreisen, sphärisch wie kuppelförmig,

verging sie, zerstiebend im leeren Raum.

Voll Angst ausgesandt von der Aniara

erschallte und verhallte unser Ruf »Aniara«.

5

Besonnener als wir sind die Piloten

und Fatalisten jener neuen Art,

wie nur das leere All sie formt,

aus der Hypnose scheinbar unverständlicher Sterne

auf die Lust an Rätseln in der Menschenseele.

Und natürlich ist der Tod,

klare Konstante, Teil ihres Schemas.

Und doch sieht man im sechsten Jahr auch sie

erschrocken in den Abgrund starren.

In einem unbemerkten Augenblick, doch genau studiert

von mir, der ich ihre Gesichtszüge lese,

kann Trauer in ihren Spähaugen

flackern wie ein Phosphorschein.

Am offensichtlichsten bei der Pilotin.

Oft sitzt sie vor der Mima und starrt vor sich hin,

hinterher sind ihre schönen Augen

verändert, voll rätselhaftem Glanz,

bar jeder Deutung, die Iris ihres Auges

füllt sich mit Trauerflammen,

einem hungrigen Feuer, das nach Brennstoff giert

für das Licht der Seele, damit ihr Licht nicht erlischt.

Vor etwa einem Jahr sagte sie einmal,

sie persönlich sähe lieber,

dass wir aufgäben, den Tod aus schöner Hand nähmen,

ein Abschiedsessen verspeisten und verschwänden.

Und es dachten wohl viele wie sie – doch die Passagiere

sowie all die naiven Emigranten,

die kaum wissen, wie verloren alles ist –

für sie ist das Vorderschiff verantwortlich,

und diese Verantwortung gilt ab jetzt für immer.

6

Die Mima eröffnet uns: Leben gibt es,

vielerorts.

Aber wo, vermag die Mima nicht zu sagen.

Spuren tauchen auf; Bilder, Länder und Fragmente,

Sprachsplitter, nur woher?

Unsere treue Mima

tut, was sie kann, und sucht, sucht, sucht.

Und ihr Elektronenwerk fängt ein,

die Elektrolinsen liefern Basisberichte

an die Wählerzellen, und die Fokuswerke sammeln

des gleichgültigen dritten Webs Tacis,

und Bild und Ton und Duft tauchen auf,

wie aus einem mächtigen Strom.

Aber die Herkunft ihrer Quellen gibt sie nicht preis.

Sie befindet sich außerhalb und immer jenseits

der technischen Natur einer Mima und ihrer Fangkraft.

Im übertragenen Sinne fischt sie ihre Fische

in anderen Meeren als den von uns befahrenen,

und fängt ihre Weltraumfunde

aus Wald und Tal in unentdeckten Reichen ein.

Ich warte die Mima, beruhige die Emigranten

und belebe sie mit Bildern aus der Ferne,

von tausend Dingen, die kein menschliches Auge

sich je zu sehen erträumt hätte, jedoch lügt die Mima nicht.

Und die meisten verstehen, dass man eine Mima

nicht bestechen kann, sie ist unbestechlich.

Sie wissen um die Intelligenz der Mima

und ihre Vermittlungsinstanz,

dreitausendachthundert Mal größer

als was ein Mensch vermag, wäre er Mima.

Wie vor einem Altar werfen sie sich nieder,

jedes Mal, wenn ich die Mima starte.

Und oft habe ich sie flüstern hören:

Ach, wäre ich nur wie Mima.

So ist es wohl, dass die Mima nichts empfindet,

dass kein Hochmut in ihrem Inneren wohnt,

dass sie wie gewohnt Bilder liefert

und Sprache und Duft aus unentdeckten Ländern.

Und sie speist alles ein, unberührt von Schmeicheleien,

unbestechlich verschlossen und dem Weihrauch abgeneigt.

Sie merkt nicht, dass in dieser Dunkelkammer

eine Sekte zur Anbetung der Mima niederkniet

und das Podest der Mima streichelt und sie bittet,

die edle Mima, um einen Rat auf ihrer Reise,

die sich nun im sechsten Jahr fortsetzt.

Da wird mir plötzlich klar, wie sich alles verändert hat.

Wie diese Menschen, diese Emigranten,

lernen, das, was gewesen ist,

das, was war. Und die einzige Welt,

die uns gegeben wurde, ist diese Welt der Mima.

Und so gleiten wir unaufhaltsam in den sicheren Tod,

durch das All ohne Länder, ohne Küsten,

indem die Mima Macht erlangt zu trösten

und alle Seelen auf Frieden und Einkehr vorzubereiten,

für den letzten Augenblick, dem jeder Mensch

entgegensieht, woran er sich auch immer hielt.

7

Noch folgen wir unserer Erdenweise

sowie den Bräuchen aus Doris’ Tälern.

Wir gliedern unsere Zeit in Tag und Nacht,

wir spielen Dämmerung und Sonnenuntergang.

Obwohl das All uns in ewiger Finsternis umgibt,

so sternenklar kalt, wie es in Doris’ Tal

niemand jemals sieht,

hat sich unser Herz mit dem Chronometer vereint,

dem Sonnenaufgang folgen wir, wie dem des Mondes,

und ihrer beider Untergang, von Doris’ Tal besehen.

Um uns ist Sommernacht, Mittsommernacht,

und die Menschen wachen Stunde um Stunde.

Im großen Sammelsaal tanzen alle,

die nicht in der Endlosigkeit Wache halten.

Sie tanzen, bis die Sonne sich über Doris’ Tal erhebt.

Dann wird ihnen plötzlich mit Schrecken klar,

sie ist hier nicht aufgegangen,

das Leben, schon Traum in Doris’ Tälern,

bleibt mehr noch Traum in Mimas Saal.

Und in der Endlosigkeit füllt sich

der Tanzsaal mit Seufzern und Menschenträumen

und Tränen, die niemand mehr versteckt.

Der Tanz endet, die Musik verstummt,

der Saal leert sich und alle gehen zur Mima.

Und ihren Druck kann Mima lindern, für eine Weile nur,

verscheuchen die Erinnerung an Doris’ Ufer.

Denn oft übertrifft die Welt, die Mima zeigt,

die Welt, wie wir sie verlassen haben und uns erinnern.

Sonst würde Mima niemanden in ihren Bann ziehen

und nicht als heiliges Wesen verehrt werden,

und keine Frauen würden hingebungsvoll

über das Postament der Göttin streichen.

8

Unsere Seele wird aufgerieben von Träumen, Traum

reibt sich an Traum, aus Mangel an Wirklichkeit,

und jede neue Abstraktion ist eine Leiter

in die nächste traumbesessene Luftleere.

Und alles Ferne wird zu unserem Zuhause,

ja, jenseits aller Grenzen befindet sich unsere Zuflucht,

denn Doris’ Tal ist meine Bucht,

in immerwährender Sehnsucht dort zu verweilen,

wird Heil und Lebenskunst in diesen Sphären.

Wir verschwenden selten einen Gedanken

an unsere große, stolze Wunderfähre,

allein bei Trauerreden sehen wir ein:

Diese Welt gehört jetzt zu unserem Dasein.

Und viele schwarze Gedanken flattern dann

durch den Tresor jenes geschlossenen Raums,

wie erfüllt vom Echo ihres eigenen Lebens,