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Adriana Hölszky (geboren 1953) gehört zu den prägenden Persönlichkeiten im Bereich des Komponierens. Das Spektrum ihrer Werke für die menschliche Stimme ist bemerkenswert groß. Ihre Musik partizipiert an den gewachsenen Möglichkeiten heutiger vokaler Darstellungskunst, zugleich hat sie einen nennenswerten Anteil an deren Verbreiterung und Ausdifferenzierung. Die Texte des vorliegenden Bandes basieren auf Vorträgen zweier Symposien zum Schaffen der Komponistin, die in den Jahren 2003 und 2005 an der Universität Mozarteum Salzburg sowie an der Hochschule für Musik "Carl Maria von Webe" Dresden stattfanden. Der Bogen spannt sich von Hölszkys bereits 1977 komponiertem Solostück "Monolog" über die seit Ende der 1980er-Jahre entstandenen großen Musiktheaterwerke bis zu dem 2005 geschriebenen Ensemblewerk "Lemuren und Gespenster".
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Seitenzahl: 204
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Wolfgang Gratzer / Jörn Peter Hiekel (Hg.):
Ankommen: Gehen. Adriana Hölszkys Textkompositionen
edition neue zeitschrift für musik
Herausgegeben von Rolf W. Stoll
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Bestellnummer SDP 97
ISBN 978-3-7957-8645-8
© 2015 Schott Music GmbH & Co. KG, Mainz
Alle Rechte vorbehalten
Als Printausgabe erschienen unter der Bestellnummer NZ 5013
© 2007 Schott Music GmbH & Co. KG, Mainz
www.schott-music.com
www.schott-buch.de
Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Nutzung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlags. Hinweis zu § 52a UrhG: Weder das Werk noch seine Teile dürfen ohne eine solche Einwilligung kopiert und in ein Netzwerk gestellt werden. Das gilt auch für Intranets von Schulen oder sonstigen Bildungseinrichtungen.
Umschlag: HJ Kropp unter Verwendung zweier Fotos
von Wilfried Hösl (Vorderseite) und Monika Rittershaus (Rückseite)
Gedruckt aus Haushaltsmitteln der Hochschule für Musik
Carl Maria von Weber Dresden sowie aus Budgetmitteln
des Kooperationsschwerpunkts Wissenschaft und Kunst
(Universität Mozarteum Salzburg / Paris-Lodron-Universität Salzburg).
Ankommen: Gehen Adriana Hölszkys Textkompositionen
Herausgegeben von Wolfgang Gratzer und Jörn Peter Hiekel
Vorwort
Adriana Hölszky gehört zu den prägenden Persönlichkeiten im Bereich des Komponierens. Das Spektrum ihrer Werke für die menschliche Stimme ist bemerkenswert groß. Dies hat nicht zuletzt damit zu tun, dass Adriana Hölszky sowohl für große Staatstheaterbühnen als auch für spezialisierte Solisten oder Vokalensembles komponiert. Ihre Musik partizipiert an den gewachsenen Möglichkeiten heutiger vokaler Darstellungskunst, zugleich hat sie einen nennenswerten Anteil an deren Verbreiterung und Ausdifferenzierung.
Solche Einsichten, die im Reden über Adriana Hölszky eine Konstante darstellen, bilden den Ausgangspunkt der Beiträge des vorliegenden Bandes. Sie werden darin näher spezifiziert und kontextualisiert. Dies geschieht mit Blick auf Werke unterschiedlicher Dimensionen und Zeiten: Der Bogen spannt sich von dem bereits 1977 komponierten Solostück Monolog über die seit Ende der 1980er-Jahre entstandenen großen Musiktheaterwerke bis zu dem 2005 geschriebenen Ensemblewerk Lemuren und Gespenster.
Die Texte basieren auf Vorträgen bei zwei Symposien zum Schaffen der Komponistin, die in den Jahren 2003 und 2005 an der Abteilung für Musikwissenschaft der Universität Mozarteum Salzburg sowie am Institut für Neue Musik der Hochschule für Musik «Carl Maria von Weber» Dresden stattfanden. Die gemeinsame Veröffentlichung der Beiträge steht für die bewusste Kooperation zweier altehrwürdiger Hochschulen im Einsatz für das Neue und Ungewöhnliche. Die Veranstaltungen selbst wurden zudem beflügelt durch die Zusammenarbeit mit weiteren Partnern: Die Vorträge in Salzburg waren eingebunden in ein gemeinsam mit dem Salzburger Literaturhaus sowie der Paris-Lodron-Universität Salzburg und der Hochschule für Musik in Stuttgart realisierten Projekt «Ankommen: Gehen. Adriana Hölszky und Ingeborg Bachmann» (10. bis 13. Juni 2003), das Adriana Hölszkys Auseinandersetzung mit Texten Ingeborg Bachmanns fokussierte. Im Zuge dieser Veranstaltungsserie kam es zu Vorträgen, Diskussionen, einem Hörspielabend und verschiedenen Konzerten, sodann zur Ausstellung «Notebook», die Herwig Bayerls grafische Bearbeitungen von Adriana Hölszkys Partitur Cargo zeigte. Isabell Graf und Julia Schnittger präsentierten einen speziell für diesen Anlass entstandenen Animationsfilm sowie eine Installation unter dem gemeinsamen Titel «geträumt». (Der nachträglich verfasste Textbeitrag von Julia Hinterberger entstammt einem Dissertationsprojekt, das von den Salzburger Veranstaltungen inspiriert wurde.)
In Dresden war das Symposion «Adriana Hölszky – Perspektiven des Musiktheatralischen» (am 4. Juni 2005) Teil eines Projekts mit dem Titel «Ein Tag für Adriana Hölszky», in dessen Rahmen auch die Premiere des Werks Der gute Gott von Manhattan an der Semperoper, ein von Studenten der Dresdner Hochschule bestrittenes Porträtkonzert sowie Lesungen von Dichterinnen stattfanden. Kooperationen mit Hochschulen in Bamberg und Hamburg sorgten hier zudem für eine universitäre Netzwerk-Konstellation. Diese war darauf ausgerichtet, den Diskurs über die gewohnte Enge mancher akademischer Veranstaltungen hinaus auf eine breitere Basis zu stellen und auch jüngere Musiker und Wissenschaftler zu einer substanziellen Auseinandersetzung mit der Musik Adriana Hölszkys anzuregen.
Solche Impulse versucht auch die vorliegende Publikation zu geben. Deren Anordnung lässt die beiden Schwerpunkte der Symposien durchscheinen: Den ersten bilden die Musiktheaterarbeiten der Komponistin, den zweiten die auf die Dichterin Ingeborg Bachmann bezogenen Werke – wobei die Oper Der gute Gott von Manhattan für eine Konvergenz beider Perspektiven steht. Die kreative Entgrenzung von Gattungskonventionen ist ein Kennzeichen des Komponierens von Adriana Hölszky. Um so plausibler mag es sein, wenn es im vorliegenden Band auch Erwägungen gibt, die über den Bereich ihres vokalen Schaffens hinausgreifen: Bei Hölszkys Musik anzukommen heißt in der Regel weiterzugehen zu Fragen und Überlegungen, die nicht mehr rein musikalischer Natur sind.
Zu danken ist zunächst der Autorin und den Autoren der Beiträge, außerdem den Verlagen Breitkopf & Härtel (Wiesbaden) und Astoria (Düsseldorf) für die Genehmigung zum Abdruck der Notenbeispiele, der Hochschule für Musik Dresden sowie dem von den Salzburger Universitäten eingerichteten Schwerpunkt Wissenschaft und Kunst für maßgebliche finanzielle Beiträge zur Drucklegung, nicht zuletzt Adriana Hölszky selbst, die an den Veranstaltungen in Salzburg und Dresden gleichermaßen intensiv Anteil nahm.
Wolfgang Gratzer / Jörn Peter Hiekel
Salzburg / Dresden, Januar 2007
Inhalt
Vorwort
Emphatisch offenes Denken. Zu den Textkompositionen von Adriana Hölszky
Jörn Peter Hiekel
Adriana Hölszkys «Opern». Theatrale Musiksprache und vokal-instrumentales Theater
Peter Petersen
Pierre Boulez – Adriana Hölszky. Jean Genets Dramen «Les nègres» und «Les paravants» im europäischen Musiktheater
Martin Zenck
«Klänge haben mehr Gedächtnis». «Der gute Gott von Manhattan» Ingeborg Bachmann/Adriana Hölszky
Julia Hinterberger
Verborgene Texte – flüchtige Klänge. Über Adriana Hölszkys «Vampirabile» (hinaus)
Wolfgang Gratzer
«Lemuren und Gespenster» – Adriana Hölszky und die «Apokalypse»
Wolfgang Lessing
Dimensionen der Zeit bei Ingeborg Bachmann und Adriana Hölszky
Hartmut Möller
Eine Spur ins Verbotene. Adriana Hölszky und Ingeborg Bachmann
Hans Höller
Autoren
Emphatisch offenes Denken
Zu den Textkompositionen von Adriana Hölszky
Jörn Peter Hiekel
Obschon sie bedeutende Instrumentalwerke vorgelegt hat, gilt Adriana Hölszky im Bewusstsein der musikinteressierten Öffentlichkeit bis heute vor allem als Komponistin von Vokalwerken. Hierfür sind vor allem zwei Gründe zu nennen: erstens die Tatsache, dass sie in ihrer Musik wie kaum andere Komponisten der Gegenwart eine ebenso beharrliche wie systematische Erkundung von neuen Vokaltechniken betrieben hat; zweitens der Umstand, dass sie eine mittlerweile stattliche Zahl von größeren Musiktheaterwerken vorgelegt hat und mit diesen Werken Wesentliches in jenem Bereich leistete, der sich im Musikbetrieb nach wie vor der größten Resonanz erfreuen darf.
1. Postdramatisches Musiktheater
Die große Bedeutung des musiktheatralischen Schaffens von Adriana Hölszky hat damit zu tun, dass ihre Werke immer wieder den Schritt ins Unsichere wagen. Sie widersprechen verschiedenen zentralen Gewohnheiten von «Literaturoper», halten sich also abseits jenes vermeintlich sicheren Fahrwassers, das ein hochberühmter Text einem auf ihn rekurrierendes Musikwerk zu bieten scheint. Schon die Textwahl ist dafür bezeichnend: Zwar greifen auch Adriana Hölszkys Musiktheaterwerke immer wieder auf Texte hochrangiger Dichter zurück. Aber diese entsprechen durchweg nicht dem Typus eines in sich geschlossenen, geschliffenen Meisterwerks. Trotz ihrer Qualitäten lassen sie sich ohne große Skrupel als «Steinbrüche» verwenden. Auf der Basis dieser Vorlagen, und dabei stets deren Grundtendenzen radikalisierend, entwickeln Hölszkys Musiktheaterwerke Strategien, die das herkömmliche Erzählen in den Hintergrund treten lassen oder sogar aus den Angeln heben. Ihre Opern – schon bei diesem Begriff sind im Falle von Hölszkys Werken stets imaginäre Anführungszeichen zu setzen – erschließen sich in einer Mischung aus kreativer Respektlosigkeit und der Konzentration auf ungewöhnliche Momente der Texte eine große Ausdrucksvielfalt. Die Erzähldimension fächert sich auf, rückt zeitweise in den Hintergrund und macht anderen Erfahrungsmöglichkeiten Platz. Um diese Dimension wird gewissermaßen gerungen.
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
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