Annis Liebesbrief - Gudrun Bernhagen - E-Book

Annis Liebesbrief E-Book

Gudrun Bernhagen

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Beschreibung

In einem alten reparaturbedürftigen Banjo wurde im Jahre 2018 ein über 70 Jahre alter Liebesbrief entdeckt. Welche Geschichte könnte sich dahinter verbergen? Warum wurde der Brief in diesem Banjo versteckt? Warum wurde er nicht vernichtet, so wie es die Verfasserin des Briefes gefordert hatte? In einer fiktiven Erzählung versucht die Autorin eine Antwort auf diese Fragen zu geben.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 33

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Annis Liebesbrief wird im originalen Wortlaut wiedergegeben. Er war Anregung und Ausgangspunkt für die frei erfundene Handlung in dieser Geschichte. Ähnlichkeiten mit realen Personen sind rein zufällig. Der Berliner Hintergrund basiert auf Kindheitserinnerungen.

© Gudrun Bernhagen

Berlin 2019

Umschlaggestaltung:

Rudolf Bernhagen

Verlag und Druck:

Tredition GmbH, Halenreie 40-44

22359 Hamburg, Deutschland

ISBN Hardcover: 978-3-7482-5739-4

ISBN Paperback: 978-3-7482-5738-7

ISBN e-Book: 978-3-7482-5740-0

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung und öffentlich Zugänglichmachung.

Gudrun Bernhagen

Annis

Liebesbrief

Es ist kalt. Es ist immer kalt, wenn man an einem Grab steht. Anni friert. Sie schließt ihre Jacke, verschränkt die Arme vor der Brust, in der Hoffnung, mehr Wärme zu spüren, und schaut auf das Grab. Der Krieg, der nun schon über ein Jahr vorbei ist, hat ihr ihren Mann genommen. Und als endlich Frieden war, wollte ihr fast erwachsener Sohn nicht mehr im zerstörten Berlin bleiben. Die Trostlosigkeit zwischen den Ruinen und die Verzweiflung der Menschen konnte er nicht ertragen. Er ging fort, trotz der Bedenken seiner Mutter, um sein Glück irgendwo in der weiten Welt zu finden, und hat sich seit seinem Fortgehen nie wieder gemeldet. Nun ist sie ganz allein. Sie hat niemanden mehr. Ihre Eltern sind schon lange tot. Und mit ihrem Bruder, der in Treptow wohnt, hat sie lange keinen Kontakt mehr gehabt. Sie weiß gar nicht, ob er überhaupt noch lebt. Wie soll das Leben für sie so allein weitergehen?

Auf jeden Fall ist sie froh, eine Arbeit gefunden zu haben. Von irgendetwas muss sie schließlich leben. Außerdem hat sie dort wenigstens die Arbeitskollegen zum Reden. Aber das sind eben Kollegen, keine Familie und keine Freunde, mit denen sie über ihre Gedanken und Gefühle sprechen könnte. Sie arbeitet nun schon seit fast einem Jahr als Kellnerin in einer Berliner Eckkneipe. In diesem Milieu war es nicht schwer, eine Arbeit zu finden. Fast an jeder Ecke öffneten schnell wieder die Kneipen. Gesoffen wurde immer. Und hier, Tieckstraße/Ecke Borsigstraße, gab es mal vier davon. Jetzt sind es nur noch drei, da ein Eckhaus total zerstört wurde.

Muncke, der Wirt, ist zwar nett, aber eben kein Freund, dem sie sich anvertrauen würde. Und Georg und Günter, die anderen Kellner, interessieren sich mehr für Geld und Alkohol. In den abendlichen Spitzenzeiten, besonders sonnabends, bedienen sie oft zu dritt. Da bleibt weder die Zeit, noch gibt es das Bedürfnis, über private Dinge zu sprechen.

Obwohl sie froh ist, in der Kneipe ihr eigenes Geld verdienen zu können, mag sie diese Arbeit nicht. Zu viel Lärm, zu viel Rauch, und die Gäste, vorwiegend Männer, sind nicht immer freundlich zu ihr. Dennoch bekommt sie von einigen hin und wieder ein wenig Trinkgeld zugesteckt und bei gutem Umsatz auch mal von ihrem Chef einen zusätzlichen Schein. Dadurch hat Anni keine Probleme, die Miete für ihre kleine Hinterhauswohnung, mit Außenklo auf halber Treppe, in der Linienstraße zu bezahlen.

Das zusätzliche Geld kommt ihr gerade recht, denn sie braucht es für Kohlen. Der Winter steht vor der Tür. Ob der Kohlenfritze die Kohlen in die Wohnung hochtragen wird? Im letzten Winter hatte sie keine Kohlen. Es gab keine. Wahrscheinlich hätte sie sie sowieso nicht bezahlen können. Es blieb ihr nur die Möglichkeit, Holz zum Heizen zu sammeln. Richtig warm wurde es dennoch in ihrer Stube nie. Es reichte, um nicht zu erfrieren. Dieses Jahr möchte sie sich Kohlen gönnen, wenn das Geld dafür reichen sollte.