Antonia kämpft um die Liebe - Viola Maybach - E-Book

Antonia kämpft um die Liebe E-Book

Viola Maybach

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Beschreibung

Viola Maybach hat sich mit der reizvollen Serie "Der kleine Fürst" in die Herzen der Leserinnen und Leser geschrieben. Alles beginnt mit einem Schicksalsschlag: Das Fürstenpaar Leopold und Elisabeth von Sternberg kommt bei einem Hubschrauberunglück ums Leben. Ihr einziger Sohn, der 15jährige Christian von Sternberg, den jeder seit frühesten Kinderzeiten "Der kleine Fürst" nennt, wird mit Erreichen der Volljährigkeit die fürstlichen Geschicke übernehmen müssen. "Der kleine Fürst" ist vom heutigen Romanmarkt nicht mehr wegzudenken. »Wenn Steffi nicht innerhalb der nächsten Viertelstunde kommt«, sagte Flora von Hohenbrunn nach einem Blick auf die Uhr, »rufe ich im Schloss an. Ich verstehe das nicht. Wir hatten doch gesagt, dass sie allerspätestens um zehn zurück sein soll, und normalerweise hält sie sich an solche Vorgaben. Schließlich ist morgen Schule. Was denkt sie sich denn dabei? Und ich verstehe auch die Kants nicht, muss ich sagen, sie …« Mitten im Satz wurde sie von einem kurzen Klingeln an der Haustür unterbrochen, die gleich darauf mit einem Schlüssel geöffnet wurde. »Wieso klingelt sie denn vorher?«, fragte Philipp verblüfft. »Mama, Papa?«, rief Stephanie mit gedämpfter Stimme, um ihre jüngere Schwester Caroline nicht zu wecken, die um diese Uhrzeit längst schlief. »Wieso hast du geklingelt?«, fragte Flora, während sie zur halb offen stehenden Tür ihres Wohnsalons ging, um ihre ältere Tochter in Empfang zu nehmen. Als sie die Tür ganz öffnete, sah sie, dass Stephanie nicht allein gekommen war, sondern in Begleitung der Baronin im Flur stand. »Frau von Kant! Ist etwas passiert?«, rief sie überrascht. Sofia von Kant nickte. »Ja, so kann man das wohl sagen.«

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Seitenzahl: 116

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Der kleine Fürst – 258 –Antonia kämpft um die Liebe

Aber die Vergangenheit lastet schwer

Viola Maybach

»Wenn Steffi nicht innerhalb der nächsten Viertelstunde kommt«, sagte Flora von Hohenbrunn nach einem Blick auf die Uhr, »rufe ich im Schloss an. Ich verstehe das nicht. Wir hatten doch gesagt, dass sie allerspätestens um zehn zurück sein soll, und normalerweise hält sie sich an solche Vorgaben. Schließlich ist morgen Schule. Was denkt sie sich denn dabei? Und ich verstehe auch die Kants nicht, muss ich sagen, sie …«

Mitten im Satz wurde sie von einem kurzen Klingeln an der Haustür unterbrochen, die gleich darauf mit einem Schlüssel geöffnet wurde.

»Wieso klingelt sie denn vorher?«, fragte Philipp verblüfft.

»Mama, Papa?«, rief Stephanie mit gedämpfter Stimme, um ihre jüngere Schwester Caroline nicht zu wecken, die um diese Uhrzeit längst schlief.

»Wieso hast du geklingelt?«, fragte Flora, während sie zur halb offen stehenden Tür ihres Wohnsalons ging, um ihre ältere Tochter in Empfang zu nehmen. Als sie die Tür ganz öffnete, sah sie, dass Stephanie nicht allein gekommen war, sondern in Begleitung der Baronin im Flur stand.

»Frau von Kant! Ist etwas passiert?«, rief sie überrascht.

Sofia von Kant nickte. »Ja, so kann man das wohl sagen.«

Flora warf ihrer Tochter einen beunruhigten Blick zu. Was hatte sie angestellt? Sie war erschreckend blass und sah zu Boden, um dem Blick ihrer Mutter auszuweichen. Das war kein gutes Zeichen.

Philipp kam ebenfalls zur Tür. Er begrüßte die Baronin und bat sie, einzutreten. Auch ihm fiel Stephanies Blässe und ihr gesenkter Blick auf, und eine beunruhigende Vorahnung stieg in ihm auf. Er warf seiner Frau einen raschen Blick zu, den sie jedoch nicht bemerkte.

Als alle auf den eleganten und doch gemütlichen Polstermöbeln Platz genommen hatte, fragte Flora: »Also, was ist passiert?«

Stephanie hob nicht einmal den Kopf, es war also klar, dass die Baronin die Frage beantworten würde.

»Sie wissen«, begann Sofia von Kant, »dass wir zurzeit eine junge Freundin bei uns haben, Antonia von Benstorff.«

Flora und Philipp nickten, ein wenig verwundert über diese Eröffnung.

»Sie hat sich verliebt, hier in Sternberg. Das kam für uns unerwartet, für sie selbst wohl auch. Der Mann, in den sie sich verliebt hat, ist offenbar sympathisch und attraktiv. Sein Name ist Ulrich von Crantz.«

Nach diesen Worten machte sie eine Pause, als wartete sie auf eine Reaktion. Diese blieb jedoch aus.

»Der Name sagt Ihnen nichts?«, vergewisserte sie sich schließlich.

»Mir nicht«, erklärte Philipp und sah seine Frau fragend an, doch auch Flora schüttelte den Kopf.

»Ich habe den Namen noch nie gehört«, erklärte sie.

Daraufhin hob Stephanie den Kopf und starrte sie fassungslos an, bevor sie einen Blick mit Sofia von Kant wechselte.

»Ich zeige Ihnen ein Foto«, sagte diese ruhig. Sie holte ein Smartphone aus der Tasche und wischte ein paar Mal über die Oberfläche, bevor sie es Flora reichte.

Stephanies Mutter nahm es, warf einen Blick auf das Bild und stieß einen unterdrückten Laut aus, eine Mischung aus Ächzen und Stöhnen. Der Ausdruck in ihren Augen verriet, was sie fühlte: Angst, Scham, Überraschung, Entsetzen, Abwehr.

»Sie kennen ihn also doch«, stellte die Baronin fest, im selben ruhigen Ton wie zuvor. »Ulrich von Crantz ist der Mann, der Stephanie angesprochen und ihr aufgetragen hat, Ihnen ein Gruß von ihm auszurichten.«

Flora schlug beide Hände vors Gesicht. Philipp schloss sie in die Arme und zog sie an sich. Selten hatte er sich hilfloser gefühlt als in diesem Moment.

»Er hat seinen Namen geändert«, sagte er, »deshalb wussten wir nicht, von wem Sie reden.«

»Uns geht die Geschichte zwischen Ihnen und diesem Mann nichts an«, fuhr die Baronin fort, »aber wir machen uns, wie Sie sich vielleicht vorstellen können, Sorgen um Antonia, die übrigens nichts davon ahnt, dass dieser Mann Steffi angesprochen hat. Sie hat sich heute Abend ziemlich früh zurückgezogen, erst danach hat Steffi sich uns anvertraut. Wenn es etwas gibt, das unsere Freundin über diesen Mann wissen sollte, dann sagen Sie es uns bitte. Und denken Sie auch an Steffi. Sie hatte zuerst Angst vor ihm, die hat sie jetzt nicht mehr. Aber natürlich fragt sie sich, warum Sie ihr nicht anvertrauen, was Sie und Ulrich von Crantz verbindet. Wie gesagt, uns geht das nichts an, aber um uns geht es in diesem Fall ja auch nicht.«

Flora weinte jetzt, Philipp wusste, sie würde so schnell nicht wieder aufhören. Sie hatte in letzter Zeit öfter so verzweifelt geweint, und er allein kannte die Gründe dafür. »Meine Frau braucht noch etwas Zeit«, sagte er mühsam. »Es ist eine lange … und schwierige Geschichte. Niemand konnte ahnen, dass Ihre Freundin … dass es eine solche Verbindung geben würde.«

Zum ersten Mal ergriff Stephanie das Wort. Sie war noch blasser geworden, seit ihre Mutter angefangen hatte zu weinen. »Und ich?«, fragte sie mit dünner Stimme. »Wieso habt ihr mir die Geschichte nicht schon längst erzählt? Ihr wusstet also beide, wer der Mann ist, der mich angesprochen hat, ihr wusstet, dass ich Angst habe, aber ihr habt mir trotzdem nichts gesagt.« Auch sie hatte jetzt Tränen in den Augen.

Flora rückte ein Stück von ihrem Mann ab, um sich ihrer Tochter zuzuwenden. »Ich konnte nicht, Steffi«, sagte sie. Sie war kaum zu verstehen, so leise sprach sie. »Ich kann es immer noch nicht, aber ich werde alles erzählen, sobald ich mich dazu in der Lage fühle. Ich verspreche es dir. Und ich bitte dich, verzeih mir, ich wollte deine Ängste nicht verstärken, im Gegenteil.« Sie wandte sich der Baronin zu. »Sie müssen sich um Ihre Freundin keine Sorgen machen, ihr droht keine Gefahr.«

Sofia hätte noch viele Fragen gehabt, doch sie akzeptierte Flora von Hohenbrunns Erklärung und hielt es daher für das Beste, sich zu verabschieden. Sie konnte hier nichts mehr tun. Alles Weitere musste die Familie unter sich klären.

Sie nahm Stephanie zum Abschied noch einmal in die Arme und drückte sie an sich, dann verließ sie das Haus und stieg in die davor wartende Limousine.

Per Wiedemann, der junge Chauffeur, war zum Glück ein sehr einfühlsamer Mann. Er schien immer zu wissen, wann es angebracht war, eine Unterhaltung zu beginnen und wann Schweigen die bessere Wahl war.

Er fuhr also schweigend, ruhig und sicher durch die Sternberger Nacht und hielt bereits zwanzig Minuten später vor dem Hauptportal des Sternberger Schlosses, wo er aus dem Wagen sprang, um der Baronin beim Aussteigen behilflich zu sein.

»Ich danke Ihnen, Herr Wiedemann«, sagte sie und setzte nach einer kurzen Pause hinzu: »Auch für Ihre Einfühlsamkeit.«

Er deutete eine knappe Verbeugung an, bevor er sich wieder ans Steuer setzte, um den Wagen in die Garage zu fahren.

Eberhard Hagedorn begrüßte Sofia mit den Worten: »Der Herr Baron wartet auf der Terrasse auf Sie, Frau Baronin. Die jungen Herrschaften haben sich zurückgezogen.«

»Das will ich hoffen, es ist ja schon spät. Sie sollten schlafen gehen, Herr Hagedorn, es kann sein, dass mein Mann und ich heute länger aufbleiben.«

Zwar nickte der alte Butler zustimmend, aber sie wusste, dass er nicht vor ihnen schlafen gehen würde. Das war in all den Jahren, seit er im Schloss tätig war, noch nie vorgekommen.

Baron Friedrich sah seiner Frau gespannt entgegen. »Und?«, fragte er.

»Ich bin so klug wie zuvor. Frau von Hohenbrunn hat sofort angefangen zu weinen, als sie das Foto sah. Sie und ihr Mann wissen, wer der Mann ist, aber er scheint den Namen gewechselt zu haben. Das ist das einzig Neue, was ich erfahren habe. Der Name ›Ulrich von Crantz‹ sagte ihnen nichts. Ach so, und Frau von Hohenbrunn hat noch gesagt, dass wir uns um Toni keine Sorgen machen müssen, von dem Mann ginge keine Gefahr aus.«

Sofia ließ sich auf einen Stuhl sinken. Da ihr Mann Wein trank, entschied sie sich ebenfalls dafür.

»Von ihm geht keine Gefahr aus? Hat sie das so gesagt?«

»So ähnlich jedenfalls. Das Wort ›Gefahr‹ ist gefallen.«

»Seltsam. In meinen Ohren klingt das nicht beruhigend«, murmelte der Baron. »Wenn man extra betonen muss, dass jemand nicht gefährlich ist, vermute ich eher, dass er es doch ist.«

»So klang es nicht, Fritz. Ich glaube nicht, dass sie das gesagt hätte, wenn sie ihrer Sache nicht sicher wäre. Die Frage ist, was wir jetzt machen. Sagen wir Toni, dass Ulrich von Crantz zumindest ein Mann mit Geheimnissen ist?«

»Unsere Kinder meinten ja, wir sollten noch warten, bis wir mehr wissen.«

»Sie hatten gehofft, dass ich von Steffis Mutter etwas erfahre, aber das ist nicht der Fall.«

Friedrich trank nachdenklich von seinem Wein. »Lass uns noch warten mit der Entscheidung«, schlug er schließlich vor. »Wir wissen ja im Grunde nichts – nur, dass es eine Verbindung zwischen Ulrich von Crantz und Flora von Hohenbrunn gibt.«

»Eine Verbindung, die Stephanies Mutter in Angst und Schrecken versetzt«, ergänzte die Baronin. »So sehr, dass sie nicht einmal mit ihrer Tochter darüber reden kann. Also scheint es sich um eine ziemlich dunkle und unerfreuliche Geschichte zu handeln.«

»Aber das muss nicht die Schuld des jungen Mannes sein, in den Toni sich verliebt hat. Das kann auch andere Gründe haben«, gab der Baron zu bedenken.

»Und wir wissen, dass er seinen Namen geändert hat. So etwas macht man nicht ohne schwerwiegenden Grund.«

»Da gilt das Gleiche.«

»Also gut, warten wir.«

In diesem Augenblick erschien Anna auf der Terrasse. »Ich kann nicht schlafen«, klagte sie. »Was hat Frau von Hohenbrunn gesagt, Mama?«

Die Baronin sah keinen Sinn darin, ihrer Tochter etwas vorzumachen, und so wiederholte sie in wenigen Worten, was sie zuvor schon ihrem Mann erzählt hatte.

»Er hat den Namen gewechselt?«, fragte Anna. »Warum?«

»Ich weiß es nicht, Kind. Frau von Hohenbrunn ist praktisch zusammengebrochen, als sie das Foto gesehen hat. Ich hatte den Eindruck, dass sie sich die ganze Geschichte gern von der Seele reden würde, sich dazu aber noch nicht in der Lage sieht.«

»Dann muss es eine grässliche Geschichte sein«, stellte Anna fest.

Sofia sah ihre Tochter nachdenklich an. Anna war erst vierzehn, aber sie hatte einen wachen Verstand, das zeigte sich wieder einmal an dieser Bemerkung. Es war, wie sie gesagt hatte: Der Grund dafür, dass Flora von Hohenbrunn noch immer schwieg, konnte nur sein, dass das, was sie zu erzählen hatte, eine Geschichte war, an die sie sich eigentlich nicht erinnern wollte.

*

Der kleine Fürst hatte ebenfalls noch keine Ruhe gefunden. Eberhard Hagedorns Antwort auf seine Frage, ob ihm der Name ›Seethal‹ etwas sagte, ließ ihm keine Ruhe. Immer und immer wieder rief er sie sich ins Gedächtnis und fragte sich, was sie zu bedeuten hatte.

Der alte Butler hatte Seethal mit einem Mordfall in Verbindung gebracht, der vor zehn Jahren großes Aufsehen erregt habe.

War das möglich? Spielte der Mann, der Stephanie angesprochen und in den sich Antonia verliebt hatte, mit der Erwähnung von Seethal auf einen Mordfall an? Und wenn es so war: Was hatte Stephanie damit zu tun – oder ihre Mutter, mit der der Mann ja offenbar sprechen wollte?

Ihm fiel trotz aller Grübelei kein möglicher Zusammenhang ein. Er hatte den anderen gegenüber keine Silbe über Eberhard Hagedorns Worte verloren, wusste er doch, dass er damit nur für zusätzliche Verwirrung gesorgt hätte. Dennoch bereute er sein Verhalten jetzt. Es wäre gut gewesen, zumindest zu wissen, was Anna und Konrad einfiel, wenn sie hörten, dass sich ihr alter Butler bei dem Namen ›Seethal‹ an einen Mordfall erinnert fühlte. Natürlich hatte er, wie Anna es Tage zuvor schon gemacht hatte, noch einmal das Internet durchforscht, aber keinen einzigen Hinweis gefunden, der darauf hingewiesen hätte, dass Eberhard Hagedorns Erinnerung richtig war.

Togo, der wie immer vor seinem Bett schlief, spürte seine Unruhe. Er stand auf, leckte Christians Hand und winselte leise.

»Schon gut, Togo, es ist alles in Ordnung, du kannst ruhig schlafen, auch wenn ich wach liege.«

Der junge Boxer winselte noch einmal, bevor er sich wieder hinlegte und den Kopf auf den Vorderpfoten ablegte. Ein Auge schloss er, das andere blieb auf Christian gerichtet.

Dieser streckte eine Hand aus und legte sie auf Togos Kopf. Behutsam begann er ihn zu kraulen, bis sich auch das andere Auge schloss und ruhige Atemzüge ihm verrieten, dass sein treuer Gefährte wieder eingeschlafen war.

Vor einiger Zeit hatte er seine Tante zurückkommen hören, und vor kurzem hatte Anna ihr Zimmer verlassen und war nach unten gegangen. Die Versuchung war groß, es ihr gleichzutun, denn natürlich hätte er gern gewusst, was Stephanies Mutter zu dem Foto von Ulrich von Crantz zu sagen gehabt hatte. Doch er bezähmte seine Neugier.

Es war früh genug, wenn er es am nächsten Morgen nach dem Aufstehen erfuhr.

*

Auch Antonia in ihrer Gästesuite konnte nicht schlafen, freilich aus ganz anderen Gründen als ihre Gastgeber: Sie war einfach zu glücklich. Noch immer spürte sie Ulrichs leidenschaftliche Küsse, spürte seine Erregung, hörte seine leise zärtliche Stimme ihren Namen sagen. So schnell – und so unverhofft – hatte sie sich noch nie verliebt, nie zuvor war sie ihrer Sache so sicher gewesen. Und das, obgleich sie spürte, dass es in Ulrichs Leben ein Geheimnis gab, das er sorgsam hütete und das vielleicht für den traurigen Ausdruck in seinen Augen verantwortlich war. Sie zweifelte jedoch nicht daran, dass er ihr dieses Geheimnis anvertrauen würde, sobald sie einander besser kennengelernt hatten.

Sie hatte das Bild, das sie heimlich von Ulrich gemacht hatte, natürlich auch an Bettina geschickt und musste bei der Erinnerung lächeln, dass Anna ebenfalls darum gebeten hatte. ›Wie ein Rockstar‹ sähe er aus, hatte Konrad gemeint, das gefiel ihr, und es traf, fand sie, auch zu.

Jeremias fiel ihr ein, Jeremias von Theissen, der einmal sehr verliebt in sie gewesen war. Sie wusste selbst nicht genau, warum sie seine Gefühle seinerzeit nicht erwidert hatte, denn Jeremias war ein sehr attraktiver Mann. Aber es hatte bei ihr einfach nicht gefunkt. Immerhin waren sie seitdem gute Freunde, auch wenn Bettina ihn nicht mochte.

Kurz vor ihrer Abreise nach Sternberg hatte sie ihn noch einmal getroffen. Sie erinnerte sich an seine leicht spöttische Frage: »Immer noch allein, Toni?«