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Neue Stadt, neues Leben. So zumindest meine Hoffnung. Dass der einzige Job, den ich bekommen habe mich in ein völlig unerwartetes Leben wirft, hätte ich nicht für möglich gehalten. Immerhin habe ich einmal Kunst studiert und arbeite nun in einem Fetisch-Club. Doch meine Vergangenheit holt mich ein. So viel zu dem Thema, das Programm garantiere mir eine neue Existenz und mein Ex-Mann würde mich niemals finden. Und dann gibt es da noch Kyle, der mein Interesse geweckt hat. Nur haben die Brüder und ihre Organisation etwas völlig anderes im Sinn. Aria flieht vor ihrem gewaltätigen Ex- Mann und wird von Caleb in seinem Club angestellt. Hier trifft sie zunächst auf Kyle, doch durch das Auftauchen ihres Ex- Mannes kommt Hilfe von außerhalb und schnell kommt sie den Brüdern die Alli damals Heim gebracht haben viel zu nahe. Wo wird sie bleiben? Mit Kyle im Ratshaus oder mit den Brüdern fern ab vom Rat nach deren Regeln lebend?
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Seitenzahl: 611
Veröffentlichungsjahr: 2018
Emery Montgomery
Aria
Submiss
Emery Montgomery ist das Pseudonym einer deutschen Schriftstellerin. Sie wurde am Niederrhein geboren, wo sie bis heute lebt. Aria ist der vierte Band der Submiss – Reihe. Ebenfalls bei tredition erschienen sind Band 1 Ashley, Band 2 Alina und Band 3 Allison. Band 5 April, erscheint im November 2018 ebenfalls bei tredition.
Weitere Bände der Reihe sind in Planung.
Emery Montgomery
Submiss
Für alle, die an mich geglaubt haben
Impressum:
Autorin: Emery Montgomery
Verlag: Tredition GmbH Hamburg, Self-Publishing
Umschlaggestaltung: Emery Montgomery
Copyright © 2018 by Emery Montgomery, SR
978-3-7345-9858-6 (Paperback)
978-3-7345-9859-3 (Hardcover)
978-3-7345-9860-9 (e-Book)
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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
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Oh weh. Meine Füße werden nie wieder dieselben sein. Wer hätte auch erwartet, dass auf dieser Party hier so viel los ist. Aber das ist mal ein interessanter Laden. In einem Fetisch – Club habe ich bisher noch nie gearbeitet. Und das ist ein toller Laden. Er liegt im Keller- und Erdgeschoss eines von außen unscheinbaren Hochhauses. Nur wer es weiß kommt auf die Idee hier eine Disco für die BDSM Szene zu suchen. Und ich bin froh diesen Job ergattert zu haben. Seit ich vor meinem Mann geflüchtet und mit neuer Identität hier in Hollywood gelandet bin hat mich jeder abgewiesen.
„Wie heißt du?“
Schreck las nach. Da hatte ich gerade die Gläser zurück ins Regal geräumt da steht unvermittelt ein fremder Mann hinter mir. Und er trägt eine Maske.
„Aria!“
„Begleite mich bitte Aria, es gibt eine Privatparty weiter oben und ich möchte dich bitten dort zu bedienen!“
Na ja, bei seiner Tonlage klingt das eher wie ein Befehl. Ich folge dem Mann zum Aufzug und wir fahren nach oben. Als wir aus dem Aufzug steigen gelangen wir in eine Art Empfangshalle und mir fallen sogleich die Bilder an den Wänden auf. Ich kann nicht anders. Ich gehe näher dran und streiche über eines der Bilder. Die sind der Wahnsinn. Den Mann und meine Arbeit habe ich gerade völlig vergessen.
„Verstehst du etwas von Kunst?“
Huch, da ist er ja noch und ich zucke ertappt zusammen. Ich soll hier bedienen und nicht die Gemälde betatschen. Ich wende mich ihm zu.
„Entschuldigung!“ sage ich nur.
„Das war nicht die Antwort auf meine Frage!“ stellt er klar.
Stimmt. Mist aber auch. Nur was sage ich? Mein altes Leben wollte ich hinter mir lassen und muss es sogar wenn mein Ex – Mann mich nicht finden soll. Also nicke ich nur. Nur nicht zu viel verraten.
„Dann sollten wir uns bei Gelegenheit über meine Bilder unterhalten!“
„Was? Die haben sie gemalt?“ entfährt es mir.
„Du! Ich heiße Jackson und ja, die habe ich gemalt.“
Ich sehe eine Frau auf uns zukommen die freundlich lächelt.
„Wieder jemanden mit deiner Kunst in den Bann gezogen?“ fragt sie diesen Jackson und lächelt mich freundlich an, ehe sie mir die Hand entgegenstreckt.
„Hallo, ich bin Alli!“ sagt sie auffordernd und ich ergreife ihre Hand.
„Aria, freut mich sehr!“
„Sind sie die neue Bedienung, die Caleb eingestellt hat?“
„Ja!“
„Schön, dann sehen wir uns jetzt öfters!“ sagt Alli noch, ehe sie sich abwendet und geht. Mir war ihr Halsband aufgefallen und das es das gleiche Zeichen trägt wie die Armbänder des Mannes, der vor mir steht.
„Sie sind ein Paar?“ frage ich frei heraus.
„Ja, aber wir sind zu dritt. Ist schwer zu verstehen für Außenstehende, aber ich hoffe du lebst dich hier gut ein und bist nicht allzu abgeschreckt. Der Barchef ist echt begeistert von dir!“
Ich spüre wie ich leicht erröte.
„Danke!“ sage ich nur und folge ihm. Er geht in einen anderen Raum wo reichlich Leute drinnen sind.
„Hier wirst du den Rest der Nacht arbeiten.“
Ich nicke ihm zu und sehe mich um. Ich zähle insgesamt 12 Männer mit Masken, zwei ohne Masken und vier Frauen, von denen drei Halsbänder tragen. Die vierte scheint eine DOMINA zu sein, sofern ich die Regeln hier richtig verstehe. Ich hatte nicht gemerkt, dass der Mann sich von mir entfernt hat und registriere es erst als ein anderer Mann nach mir ruft.
„Süße, wärst du so nett mir noch was nachzuschenken?“ fragt er charmant und ich gehe auf ihn zu.
„Was darf es denn sein?“
„Ein Glas Wein und dich nackt auf einem Silbertablett!“ sagt er grinsend, als ich diesen Jackson höre.
„Kyle, unsere Angestellten sind tabu und schrecke sie nicht gleich ab. Sie hat heute ihren ersten Tag!“
Der Mann vor mir wendet sich Jackson zu und ich husche mit dem Glas davon. Mit einem neuen Glas stehe ich kurze Zeit später wieder vor ihm und reiche es ihm.
„Danke Süße!“ sagt er nur und nimmt mir das Glas ab.
„Gerne!“ sage ich und fange an die leeren Gläser einzusammeln. Da hätte ich aber dann noch eine Frage. Ich schaue mich um und gehe zu einem der unmaskierten Männer.
„Entschuldigung, ich wüsste gerne wo hier die Küche ist!“
„Folge mir!“ sagt er nur und ich folge ihm.
„Jackson hätte dich herum führen sollen!“ stellt er fest, als wir an der Küche ankommen. Ich gehe einfach an ihm vorbei und beginne die Gläser zu spülen. Allerdings zucke ich total zusammen als er von hinten an mir vorbei greift und sich das Handtuch angelt.
„Sorry, ich wollte dich nicht erschrecken!“
„Schon O.K..“
Er kann ja nicht wissen das ich so schreckhaft bin weil mein Ex – Mann mich jahrelang geschlagen hat. Das soll niemand wissen. Wie gesagt, meine Vergangenheit habe ich hinter mir gelassen. Dies ist ein Teil meines Startes in ein neues, hoffentlich glückliches Leben.
„Aber das ist meine Arbeit. Gehen sie lieber wieder auf die Party!“ ergänze ich noch leise.
„Keine Sorge, du kriegst keinen Ärger und wenn wir beide hier fertig sind kriegst du noch eine kleine Führung, oder willst du später noch mal bei mir anhalten und nach dem Weg zum Klo fragen?“
“Ungern!“
„Na siehst du und ich heiße Tom!“
„Aria!“ sage ich nur und widme mich wieder den Gläsern.
„Was macht ihr beide denn hier?“
Jackson erscheint in der Küche und sieht belustigt auf Tom, der gerade versucht ein Glas auf Hochglanz zu polieren.
„Du hast vergessen sie herum zu führen. Wenn wir hier fertigen sind kriegt sie eine kleine Führung!“
„Stimmt. Sorry Aria!“
„Kein Problem. Ich hätte mich ja auch alleine auf die Suche machen können!“
„Hast du eine Ahnung was das hier ist?“
„Nein, warum?“
Ich sehe wie Jackson Tom angrinst ehe er das letzte Glas fertig poliert auf die Anrichte stellt.
„Folge mir!“
„Aber ich muss arbeiten!“
„Ja und du sollst auch wissen wo!“
Ich folge Tom und im ersten Zimmer wird es mir dann auch klar.
„Mist, das hatte ich jetzt nicht erwartet!“
„Dachte ich mir. Deshalb die kleine Führung. Die nächsten Türen führen dich alle in Spielzimmer. Falls du aufs Klo musst gehe den Gang bis zum Ende und die letzte Türe auf der rechten Seite ist dann die Damentoilette!“
„Vielen Dank!“ sage ich nur und als Tom mir an die Schulter fassen will hüpfe ich instinktiv zurück. Jahre lang antrainierte Reflexe kriegt man so schnell nicht abtrainiert. Deshalb sind auch bisher alle Bewerbungsgespräche gescheitert. Immer wenn mir jemand freundlich den Weg zur Türe zeigen wollte bin ich davon gehopst. Sieht für Unwissende natürlich total merkwürdig aus und niemand wollte mich auf Kunden los lassen. Nicht einmal einen Job im Call – Center habe ich so bekommen.
„Sorry, ich wollte dir nicht zu nahe treten!“
„Kein Problem. Ist eine dumme Angewohnheit!“
Ich sehe, dass der Mann mich skeptisch beäugt, als er ruckartig die Hand hebt. Aus Instinkt reiße ich die Arme vors Gesicht um mich zu schützen. „Dachte ich mir!“ kommentiert er meine Reaktion ehe er weiter spricht.
„Hier brauchst du vor niemandem Angst zu haben Aria! Auch wenn du vielleicht genau das Gegenteil denkst!“
„Tom hat Recht!“
Dieser Kyle steht in der Türe und sieht uns an.
„Das ist es nicht. In all den Jahren war es einfach zu eine Art Reflex geworden. Ich kriege das halt einfach nicht raus!“
„Muss ja auch nicht von heute auf morgen sein. Wie Tom bereits sagte wird dir niemand etwas tun. Fühle dich einfach wie zu Hause!“
„Na das lass ich lieber. Zu Hause ist der einzige Ort wo ich nicht arbeiten muss!“ sage ich, ohne wirklich groß darüber nachzudenken. Die Beiden lachen und ich mache mich einfach auf den Weg zurück in den Raum mit den Menschen. Hier wartet noch reichlich Arbeit auf mich und als es endlich sechs Uhr morgens ist findet diese Party hier auch ein Ende. Ich bin so fertig wie lange nicht mehr. Ich sitze vor dem Haus auf einem Betonklotz und massiere mir meine Füße. Bis die nächste Bahn kommt habe ich noch reichlich Zeit.
„Alles O.K. bei dir Aria?“
„Ja, ist nur ungewohnt wieder so lange auf den Beinen zu seinen. Meine Füße verfluchen mich gerade ganz fürchterlich!“
„Wo steht dein Wagen?“
„Ich fahre mit der Bahn!“
„Auf keinen Fall. Ich bringe dich heim!“
„Danke Kyle, das ist nett gemeint, aber es geht schon!“
„Keine Widerrede, keine Frau sollte um diese Zeit alleine mit der Bahn fahren und nun komm!“
Kyle reicht mir die Hand und hilft mir aufzustehen. Ich beschließe Barfuß zu bleiben und meine Füße danken es mir mit Engelschören. Kyle sieht grinsend auf meine Füße ehe er mir galant die Beifahrertüre offen hält. Ich mache es mir bequem und kaum hat er gestartet spüre ich die wohlige Wärme der Sitzheizung. Ich schließe die Augen und muss wie eine Tote geschlafen haben. Als ich wach werde befinde ich mich in einem völlig fremden Zimmer und bekomme leichte Panik. Wie bin ich in das Zimmer gekommen? Wo bin ich hier? Immerhin habe ich meine Klamotten noch an. Ich schaue mich um. Sehr geschmackvoll eingerichtet und sauber. Alles klar, keine billige Pension. Ich gehe zur Türe und lunse vorsichtig in den Flur. „Du kannst gefahrlos raus kommen!“
Ich wende den Blick Kyles Stimme zu der vom anderen Flurende auf mich zukommt. Und er grinst ziemlich frech. Er scheint mich gerade ziemlich witzig zu finden.
„Wo bin ich hier?“ frage ich ihn, während ich aus dem Zimmer trete und mich im Flur umschaue.
„Bei mir zu Hause. Du bist eingeschlafen kaum das du gesessen hast und ich hatte keine Ahnung wo du wohnst!“
Ich schaue betreten auf meine Füße. Das hier ist so was von peinlich. Ich spüre wie Kyle mich am Kinn fasst und meinen Kopf anhebt.
„Ich bringe dich heim, wenn du mir verrätst wo das ist! Und jetzt hefte den Blick nicht auf den Fußboden!“
„Mir ist das total unangenehm! Ich bin noch nie wo eingeschlafen und habe dann nicht einmal mehr mitbekommen das man mich nett zu Bett gebracht hat. Ich hoffe das bleibt unter uns!“
„Keine Sorge. Ich sage Caleb und Jackson schon nichts!“
Erraten denke ich mir nur und ich danke Kyle von Herzen. Den Job will ich nicht gleich wieder verlieren, nur weil ich mir diesen Fauxpas geleistet habe. Ich hauche ein leises „Danke“ als es an der Türe läutet. Mit einem „Bin gleich wieder zurück!“ lässt Kyle mich im Flur stehen. Na prima. Wo ist das Bad? Ich dackele durch den Flur und öffne eine Türe nach der anderen, ehe ich vor Schock geweitet und ziemlich erstaunt die Augen aufreiße.
„Verlaufen?“ höre ich Kyle in meinem Rücken fragen und ich springe vor Schreck über sein unerwartetes Auftauchen hinter mir in das Zimmer hinein.
„Hoppla!“ höre ich Kyle scherzen, der lässig am Türrahmen lehnt und die Hände in den Hosentaschen vergraben hat.
„Sorry, ich war auf der Suche nach dem Bad!“
„Falsche Türe!“ höre ich eine bekannte Stimme scherzen.
Oh nein Caleb, mein Boss. Ist das peinlich. Keine Ahnung wo ich hinschauen soll und ich leuchte bestimmt wie eine überreife Tomate. Gerade er sollte mich hier nicht finden. Und dann nimmt Kyle wieder mein Kinn und hebt meinen Kopf an. Ich würde ja gerne protestieren, aber einem DOM Kontra zu bieten ist vielleicht nicht clever. So gar nicht clever wenn ich an das „Folterzimmer“ denke. Also lasse ich ihn gewähren und schaue ihn mit großen Augen an. Ich würde mich gerade sehr gerne in Luft auflösen. Warum musste Caleb den hier auftauchen? Da habe ich endlich einen Job gefunden nur um es gleich zu vermasseln. Ganz großes Kino.
„Er weiß warum du hier bist. Also kein Grund sich zu genieren Aria!“
Ich blicke über seine Schulter zu Caleb, der einfach nur unverschämt breit grinst. Gerade wüsste ich gerne was er denkt.
„Frühstück?“ fragt Kyle mich dann.
„Erst wenn du mir den Weg zum Bad verraten hast!“
Kyle zeigt mir wo ich das Bad finde. Nun schaue ich in den Spiegel und ärgere mich fürchterlich. Kann nicht einmal etwas glatt laufen? Vielleicht sollte ich einfach durch eines der Fenster verschwinden und denen nie wieder unter die Augen treten. Ich habe doch keinerlei Erfahrung mit Chefs. Ich hoffe nicht zu groß. Ich kann überhaupt nicht einschätzen wie groß mein Fauxpas ist und welche Konsequenzen er haben wird. Verdammter Mist. Als ich eine Weile später durch den Flur tapse höre ich aus einiger Entfernung nur „Die letzte Türe links!“ und mache mich auf den Weg dorthin. Caleb ist noch immer da. Frühstücken mit dem Chef stand noch nie auf dem Programm und ich nehme vorsichtig Platz.
„Hast du generell Angst vor Männern oder nur wenn sie sich falsch bewegen?“
Kyle, bitte nicht. Vor meinem Chef wollte ich das Thema auf keinen Fall ansprechen. Ich rutsche unruhig auf meinem Stuhl hin und her ehe ich Kyle antworte.
„Gerade ist mir einfach die Situation total unangenehm!“
„Und nicht gerade?“
„Nur wenn ihr euch falsch bewegt, wobei Angst nicht der richtige Ausdruck dafür ist!“
Caleb sieht interessiert zwischen Kyle und mir hin und her. Keine Ahnung ob er von Tom bereits weiß was mein Problem ist.
„Was wäre denn der richtige Ausdruck?“ harkt Kyle nach.
„Keine Ahnung. Das ist mehr ein Reflex, wie ich dir schon sagte. Er hat mich so oft geschlagen, das es mir in Fleisch und Blut übergegangen ist mich in eine Schutzhaltung zu verkriechen. Hätte ich Angst wäre ich wahrscheinlich nicht in deinem Wagen eingeschlafen!“
„Da ist was dran Kyle. Eine so tief sitzende Angst hätte ihren Adrenalinspiegel so weit oben gehalten, dass an Schlaf nicht zu denken gewesen wäre!“
Kyle sieht Caleb an und nickt, ehe er sich wieder mir zuwendet.
„Wer war er?“
Ganz schön neugierig der Kerl. So viel zum Thema Vergangenheit.
„Mein Ex – Mann.“
„Wie lange ging das so?“
Herrjeh, wir das ein Kreuzverhör?
„15 Jahre!“
Beide Männer ziehen zischend die Luft ein, ehe Caleb sich an mich wendet.
„Wann hast du denn Absprung geschafft?“
Ich sehe ihn an und habe keine Ahnung ob ich ihnen das wirklich sagen soll. Etwas drängt mich allerdings dazu endlich darüber zu sprechen. Auch wenn es mit eigentlich völlig Fremden ist.
„Als er nicht mehr nur mir alleine weh getan hat. Ich war schwanger!“
„Scheiße!“ höre ich Kyle sagen, aber ich bin noch nicht fertig.
„Ich war im sechsten Monat. Er hat so lange auf mich und das Kind eingeprügelt bis es tot war. Jetzt kann ich keine Kinder mehr bekommen!“
„Das tut uns leid!“ höre ich Caleb sagen, aber das muss es nicht. Ich hatte eh andere Pläne gehabt.
„Das muss es nicht. Ich hatte bereits alles geplant um dem Kind ein anderes, besseres Leben zu ermöglichen. Als er herausfand das ich es zur Adoption frei geben wollte ist er dann ausgerastet!“
„Bist du in einem Programm?“ will Kyle dann von mir wissen.
„Ja. Im Krankenhaus erschienen Polizisten und ich habe mein zu Hause nie wieder gesehen. Meine Identität wurde geändert und ich wurde ans andere Ende des Landes gebracht. Jetzt bin ich hier!“
„Was hast du vorher gemacht? Also was hast du gelernt?“
„Caleb ich habe Kunst studiert, konnte aber nie etwas damit anfangen, da er mir verboten hatte zu arbeiten. Ich durfte nirgendwo alleine hin. Er hat mich von anderen Männern fernhalten wollen!“
„Deswegen warst du von meinen Bildern so fasziniert!“
O.K., wie kommt Jackson hierher und wie lange steht er da schon? Egal. Eh zu spät. Ich nicke einfach nur.
„Und mach dich mal locker. Caleb und ich mögen deine Chefs sein, aber wir pflegen einen freundschaftlich – kollegialen Umgang mit unseren Angestellten.“
Wieder nur ein Nicken von mir. Ich hatte noch nie Arbeit und habe keine Ahnung welchen Umgang man mit seinen so Chefs pflegt.
„Sie wird sich schon einleben und jetzt lasst uns frühstücken!“ Danke Kyle, ganz deiner Meinung. Noch mehr Seelenstriptease muss dann eindeutig auch nicht sein!
Heute Abend geht es weiter. Zu meinem Erstaunen habe ich noch einen Job. Auch wenn meine Chefs jetzt schon viel zu viel über mich wissen. Aber da muss ich jetzt halt durch. Ich denke es war eine Verkettung unglücklicher Umstände. Zumindest rede ich mir das ein. Heute soll ich jedoch an eine andere Örtlichkeit kommen. Und man schickt mir einen Wagen, der mich abholt. Keine Ahnung ob das hier Standard ist, aber laut meiner Internetrecherche liegt die Adresse auch ziemlich weit außerhalb. Ich denke eine Bushaltestelle wird es in der Gegend kaum geben. Punkt 16 Uhr stehe ich abfahrbereit vor meiner Haustüre als ich sehe das Kyles Wagen neben mir hält. Er steigt aus und hält mir galant die Beifahrertüre auf.
„Hallo Aria. Ich bin heute dein Chauffeur. Hast du was zum Übernachten dabei?“
„Ähm, nein. Warum? Davon hat niemand etwas gesagt!“
„Es gibt dort Gästezimmer. War nur so ein Gedanke.“
„Soll ich vorsichtshalber was einpacken?“
„Wäre eine gute Idee. Ich habe keine Ahnung wie spät das wird und ich übernachte auf jeden Fall dort!“
„Warte bitte einen Augenblick!“
Ich husche ins Haus und packe schnell alles zusammen was die Dame von Welt so benötigt, wenn sie spontan auf Reisen geht. Kyle lehnt lässig an seinem Wagen als ich zur Haustüre raus komme.
„Das ging schnell. Jahrelange Übung?“
„So ungefähr!“
Ich muss ihm ja nicht jedes Detail aus meiner gescheiterten Ehe erzählen, auch wenn er den Nagel auf den Kopf getroffen hat. Unzählige Male habe ich die Flucht vor meinem Ex – Mann ergriffen und die Nacht im Frauenhaus verbracht. Und ich dusselige Kuh bin immer wieder zu ihm zurück. Schön dämlich, ich weiß.
Die Fahrt über schaue ich gebannt aus dem Fenster. Die Gegend hier kenne ich nicht, doch sie ist traumhaft schön. Ländlich, ruhig und weit ab von den hektischen Menschen, die sonst so über Tag in Hollywood umher wuseln. Und als wir am Ziel angelangen staune ich nicht schlecht. Wer auch immer hier wohnt hat Geld. Eine Menge Geld. Wir steigen aus dem Wagen aus und ich bestaune erst einmal ausgiebig das Haus. Wow, einfach nur Wahnsinn. Kyle lässt mich gewähren und lehnt sich gegen seinen Wagen, ehe er mich nach einer Weile aus meiner Träumerei holt.
„Wenn du über Nacht bleibst kannst du dich Morgen in Ruhe hier umschauen. Die Party geht gleich los. Wir müssen langsam rein Aria!“
„Sorry. Das hier ist einfach traumhaft schön. Als ich jünger war habe ich immer davon geträumt außerhalb zu wohnen. Ländlich und weit ab vom hektischen Trubel des Stadtlebens. Ich wollte Malen. Auf einer großen Terrasse zum Garten hin. Zumindest habe ich mir es so immer vorgestellt. Um mich herum hätten die Hunde und die Kinder getobt und mein Mann hätte mich abgöttisch geliebt!“
„Du hast immer noch die Chance darauf das ein Mann dich abgöttisch liebt. Die Terrasse und die Hunde sind auch noch drin!“ sagt Kyle total nett und aufmunternd, ehe er sich vom Wagen entfernt und dabei weiter spricht.
„Und nun sollten wir reingehen. Ich denke du willst deinen heutigen Arbeitsplatz noch ein wenig erkunden ehe es losgeht!“
Kyle hat Recht und ich folge ihm in das Haus. Allerdings komme ich auch hier aus dem Staunen nicht heraus. Ich sehe Kyle lächeln. Ich mache bestimmt ein Gesicht wie ein kleines Mädchen, dass erfährt, dass es eine Prinzessin ist. Ich versuche mich zusammen zu reißen und das wird direkt bemerkt. War also ein untauglicher Versuch.
„Nicht genieren. Das geht jedem so, der zum ersten Mal hier ist!“
Ich nicke nur und lasse mich von Kyle zu meinem Arbeitsplatz bringen. Ein großer Saal. Eine Art Disco. Ich schaue mich um und dann lässt Kyle mich alleine, nachdem er mich an den hiesigen Barchef übergeben hat. Der erklärt mir alles ganz genau und schon bald darauf treffen die ersten Gäste ein.
„Aria, willst du was anziehen was zum Ambiente passt um unauffällig zu bleiben oder fühlst du dich in dem wohler was du anhast?“
„Ähm, keine Ahnung!“
Ich schaue Alli an, die auf mich zukommt und freundlich lächelt.
„Du kannst was von mir haben. Wäre kein Problem!“
„Ich weiß nicht ob das richtige wäre. Ich arbeite hier nur!“
„Komm einfach mal mit mir mit!“
Alli führt mich in einen anderen Teil des Hauses und in ihr Zimmer. Allerdings ist Jackson da und noch ein Mann. Der war gestern auch auf der Party. Sie erheben sich sofort vom Bett und reichen mir die Hand. Der noch unbekannte Mann stellt sich mir als Preston vor.
„Was tut ihr zwei Hübschen denn hier oben?“ will dann aber Jackson von uns wissen.
„Das werdet ihr jetzt sehen!“ sagt Alli nur und geht zum Schrank.
Ich stehe etwas hilflos da als Alli mich zu sich holt.
„Wie gewagt darf es denn sein?“
„Puh, keine Ahnung. Was ziemt sich denn hier für Angestellte?“
„Die kann man nicht von den Gästen unterscheiden. Höchstens am Tablett auf ihrem Arm!“
„Ah, O.K..“ sage ich dümmlich. Was tragen denn die anderen so? Ich schaue mir Alli genauer an, als noch eine weitere Frau zu uns kommt. Sie stellt sich mir als Ashley vor und steckt den Kopf sogleich mit in Allis Schrank. Die beiden Männer beobachten unser Treiben belustigt vom Bett aus, wo sie es sich in der Zwischenzeit wieder bequem gemacht haben. Den Chef im Bett liegen zu sehen ist glaube ich nicht normal, aber hier scheinen völlig andere Regeln zu gelten. Nachdem die Damen einige Kleidungsstücke herausgesucht haben ziehen sie mich einfach in ein angrenzendes Bad. Als ich das Bad verlasse weiten sich die Augen von Preston und Jackson. Ich fasse das einfach als Kompliment auf und will mich höflich verabschieden, als ich voll in Kyle hinein laufe.
„Hoppla. Sieht gut aus!“ sagt er nur und ich husche mit einem „Danke!“ aus dem Zimmer. Ich sollte mich schleunigst wieder auf den Weg an meine Arbeit machen. Und der Abend verläuft gut und die Party scheint ein voller Erfolg zu sein. Doch auch heute dauert sie bis in die frühen Morgenstunden und als ich Feierabend habe steht unerwartet Kyle hinter mir. War klar, dass ich wieder davon gehopst bin. Als ich mich herum drehe sehe ich ihn ziemlich frech grinsen. Ich verschränke die Arme vor der Brust und ziehe eine Augenbrauen hoch.
„Ist das ein neues und scheinbar sehr amüsantes Hobby von dir?“ frage ich ihn herausfordernd, ohne mit der folgenden Reaktion gerechnet zu haben.
„Fordere keinen DOM heraus!“ sagt er eiskalt und drückt mich mit seinem Körper vor die Wand.
„Und wenn deine Vorgeschichte etwas erfreulicher gewesen wäre hätte ich dich jetzt nicht nur hier eingekeilt!“
O.K., verstanden. Ich hatte die letzten zwei Abende genügend Zeit festzustellen wie hier sonst so mit den SUB, ja ich habe auch gelernt wie die heißen, umgegangen wird.
„Ähm, ich dachte die Angestellten sind tabu!“
„Na ärgern werde ich dich ja wohl noch dürfen!“ stellt Kyle fest und stützt seine beiden Arme zu beiden Seiten meines Kopfes an der Wand ab. Das macht er glaube ich bewusst ganz langsam, so dass ich genau sehen kann was er tut und kein Grund für meine Körperschutzhaltung aufkommen kann.
„Aber auch nur ärgern!“ höre ich dann Jackson hinter Kyle sagen und Kyle murmelt ein leises „Spielverderber“ ehe er zurück tritt.
„Bleibst du über Nacht Aria oder sollen wir dir ein Taxi rufen? Ich sage dir aber gleich das du die nächsten vier Tage noch hier arbeiten wirst und da Kyle mir gesagt hat das du flink wie ein Wiesel bereits Sachen zusammengepackt und mitgebracht hast wäre es doch praktisch wenn du gleich hier bleiben würdest.“
„Ähm, ist es normal das eure Angestellten hier schlafen?“
„Ja. Die Frauen sollen Nachts nicht alleine nach Hause fahren müssen wenn sie kein eigenes Auto haben und niemand der auf sie wartet. Es würde zu spät auffallen wenn etwas Schlimmes passieren würde!“
„Ihr macht euch reichlich Gedanken um eure Angestellten!“
„Ist hier normal!“ sagt Kyle nur und erscheint kurze Zeit später mit meiner Tasche in der Hand.
„Ich bringe dich zu deinem Zimmer!“ sagt er mir und ich folge ihm. Mein Zimmer ist auf dem gleichen Gang wie das von dieser Alina und ich denke auch von den anderen Männern mit Masken.
„So, falls irgendetwas sein sollte habe keine Scheu zu mir zu kommen. Ich schlafe fünf Türen weiter auf der gleichen Flurseite.
„Danke und gute Nacht Kyle!“
„Gute Nacht Aria!“ höre ich ihn noch sagen, als er die Türe hinter sich zu zieht. Ich schaue mich in dem Raum um. Ein großes und geschmacklich nett eingerichtetes Zimmer. Im Landhausstil gehalten mit eigenem Badezimmer. Das werde ich Morgen ausgiebig betrachten. Gerade falle ich samt Klamotten einfach hundemüde auf die Tagesdecke die über das Bett drapiert wurde und schlafe sofort ein.
„Du solltest wenigstens die Schuhe ausziehen bevor du dich fallen lässt wie ein Baum!“
Kyle? Wie? Wo bin ich doch gleich? Ach ja, jetzt fällt es mir auch wieder ein. Ich öffne mühsam die Augen und sehe sein freches Grinsen. Er steht neben dem Bett und sieht ziemlich belustigt auf mich herab.
„Man muss Prioritäten setzen!“ nuschele ich nur.
„Was ist mit Bequemlichkeit?“
„Da ist was dran!“ lasse ich ihn wissen und rolle mich auf den Rücken.
„Wie spät ist es?“
„14 Uhr!“
„Was, schon so spät?“
„Keine Sorge. Heute geht die Party erst später los. Ich habe mir nur Gedanken gemacht weil wir dich noch nicht zu Gesicht bekommen haben!“
„Schlafen ist mein größtes Hobby!“
Und es war jahrelang auch das Einzige was ich hatte, aber das muss ich Kyle ja nicht gleich auf die Nase binden.
„Und damit du es weißt, ich bin nur hier rein gekommen weil nicht abgeschlossen war und du auf mein Klopfen nicht reagiert hast. Nicht das du denkst hier platzt jeder einfach in fremde Zimmer!“
„Keine Sorge. Selbst das würde mich nicht stören!“
Ich rappele meinen Oberkörper hoch und schaue Kyle an.
„Wie sind denn hier so die Essenszeiten?“
„Ah, die Dame erwacht vollends zum Leben!“ scherzt er.
„Wenn du dich frisch gemacht hast können wir zusammen runter in die Küche. Es gibt noch Frühstück, es sei denn du willst gleich zu Mittag essen!“
„Frühstück wäre himmlisch. Aber erst brauche ich eine Dusche und meine Lümmelklamotten.“
„Ich bin in einer halben Stunde wieder da!“
Und er hält Wort. Dreißig Minuten später steht er wieder in der Türe und grinst fröhlich.
„Startklar?“ fragt er mich lächelnd.
„Oh ja und ich habe einen Bärenhunger!“
Und schon knurrt mein Magen überlaut. Jepp, wir zwei sind uns eindeutig einig. Kyle grinst nur noch breiter.
„Na dann hopp hopp!“ höre ich in flaxen und folge ihm in die Küche. Dort treffen wir auf die anderen Bewohner des Hauses, die ebenfalls am Frühstücken sind. Und es herrscht eine ausgelassene Stimmung die sogleich ansteckend ist. Nur würde es mich an Stelle der Männer gewaltig stören diese Masken tragen zu müssen und ich frage mich warum sie das tun. Also mal Kyle aushorchen.
„Sag mal warum versteckt ihr eure Gesichter? Seid ihr alle gesuchte Schwerverbrecher und auf der Flucht oder gibt es dafür einen besonderen Anlass?“
„Wir sind der Rat und wollen anonym bleiben!“
Hmmmmm, soll mir das jetzt was sagen. Nö. Eindeutig nicht.
„Immer oder nur wenn Neue wie ich mit dabei sind? Und ich habe keine Ahnung was der Rat ist!“
„Beides. Außerhalb dieses Gebäudes immer, innerhalb nur wenn jemand dabei ist, der nicht zur Gemeinschaft gehört!“
„Stelle ich mir lästig vor!“
„Man gewöhnt sich daran!“
„Man gewöhnt sich an vieles und das heißt noch lange nicht das es das gut macht!“ sage ich wissend und der ein oder andere versteht was ich zwischen den Zeilen gemeint habe.
„Stimmt. Aber wir reden hier gerade von zwei Paar Schuhen Aria!“ Da hat er auch wieder Recht. Ich hatte mich an die Schläge meines Ex – Mannes gewöhnt, was sie nicht weniger schlimm machte. Ich nicke nur als neben mir eine kleine Rauferei entsteht und ich mich in meine Schutzhaltung verkrieche, als eine Hand für mich drohend erhoben wird. Sofort ist es mucksmäuschenstill.
„Du kannst wieder hervorkriechen!“ höre ich Kyle aufmunternd sagen, als ich von der andern Tischseite ein „Der Kerl gehört kastriert und gevierteilt!“ höre. Ich schaue mich zu der Stimme um und der Mann stellt sich mir als Jared vor. Und scheinbar wissen alle was mein Problem ist.
„Sorry, damit es nicht zu Verwicklung kommt haben wir es ihnen gesagt!“ höre ich Caleb entschuldigend sagen und ich winke nur ab.
„Wenn ich diese dumme Angewohnheit loswerden würde wäre es einfacher. Wer es nicht weiß schaut mich meist an als ob ich sie nicht mehr alle stramm hätte! Dieser Tom war der Erste der anders reagiert hat!“
„Vielleicht fällt uns ja ein Abhärtungsprogramm ein!“ höre ich die sen Jared noch sagen als die Unterhaltungen wieder aufgenommen und ganz lässig weiter gefrühstückt wird. Hier kann man sich echt wohl fühlen. Diese Leute verhalten sich völlig normal. Das kenne ich so nicht. Die Mehrheit weiß einfach nicht mit mir und meiner lästigen Angewohnheit umzugehen.
„Wann geht es denn heute Abend weiter und hat man hier die Möglichkeit Sport zu machen?“ will ich nun von Kyle wissen.
„Um 19 Uhr und ja, wir haben einen Fitnessraum!“
„Spitze! Wie komme ich dahin?“
„Den Flur hier entlang und dann im Erdgeschoss Richtung Eingang gehen. Die Treppe runter und dann die erste Türe links!“
„Ist das o.k. wenn ich den benutze?“
„Aber klar!“
Kaum habe ich zu Ende gefrühstückt verabschiede ich mich höflich und ziehe mir was Passendes an, ehe ich mich auf den Weg zum Fitnessraum mache. Und ich bin nicht alleine. Dieser Preston und noch ein anderer Mann sind hier. Ich drehe mich abrupt herum. Sie haben keine Masken auf.
„Ist schon gut Aria. Caleb hat gesagt du hättest eine Verschwiegenheitserklärung unterschrieben und jetzt dreh dich wieder herum!“ „Ich dachte ja nur!“ sage ich leise und der andere Mann kommt auf mich zu. Ich kenne ihn auch. Er war in Alinas Zimmer und scheint demnach ihr zweiter Partner zu sein. Er kommt auf mich zu und streckt mir die Hand entgegen.
„Hi, ich heiße Rick!“
„Hi“ sage ich nur, als ich Kyles Stimme höre. Und dann sehe ich zum ersten Mal sein Gesicht und es zieht mir den Boden unter den Füßen weg. Der Kerl sieht verdammt gut aus.
„Nicht sabbern!“ flüstert dieser Rick und ich boxe ihm spielerisch auf den Arm. Er grinst nur und geht zum Rudergerät. Kyle telefoniert mit jemandem, aber er hat Sportzeug an. Scheinbar will er auch trainieren. Ich reiße meinen Blick von ihm los und sehe diesen Preston grinsen. Voll ertappt könnte man sagen. Wie peinlich. Jetzt schön lässig bleiben. Ich steige auf das Laufband und stecke mir die Stöpsel meines MP3 – Players in die Ohren. Das Laufband steht so günstig, das ich dabei aus einem großen Panoramafenster schauen kann und das ist herrlich. Erst als mir jemand den Strom abstellt komme ich aus meinen Tragträumereien zurück und schaue in Kyles belustigte Augen. Ich nehme die Stöpsel aus den Ohren.
„Du rennst seit eineinhalb Stunden!“ stellt er amüsiert fest und wartet meine Reaktion ab. Ich hüpfe vom Laufband. So lange wollte ich gar nicht laufen. Na ja, zu spät.
„Ups!“ sage ich nur und wickele mir das Handtuch um den Hals.
„Lust auf Sauna nach deinem Marathon?“
„Ähm, vielleicht!“
„Was bedeutet vielleicht Aria?“
„Na ja, ich arbeite hier. Verstößt das gegen irgendwelche Regeln?“ „Nicht das ich wüsste!“
Hmmm, ich war noch nie in einer Sauna und erst recht nicht mit anderen Männern. Mein Ex hätte mich beim bloßen Gedanken daran ungespitzt in den Boden gerammt. Ganz sicher.
Ich überlege noch kurz und schüttele meine Bedenken dann einfach ab.
„Auf geht’s!“
Kyle grinst und ich folge ihm in einen anderen Raum hier unten im Keller.
„Die Dame, links ist ihr Reich!“ sagt er scherzhaft und ich mache mich auf den Weg. Nach einer Dusche gehe ich dann durch eine andere Türe. Natürlich in ein großes Saunahandtuch gewickelt. Immerhin bin ich hier immer noch auf der Arbeit, auch wenn ich gerade frei habe. Kyle kommt mit einem Handtuch um die Hüften gewickelt aus einer anderen Türe und jetzt erinnere ich mich wieder an Ricks Spruch. Kann mir vielleicht jemand ein XXXXXXL – Lätzchen bringen? Das Saunahandtuch wird nicht reichen. Ganz bestimmt nicht! Kyle ist super durchtrainiert und sein 8Pack zieht meinen Blick sofort auf sich. Ich schüttele den Kopf und versuche meinen Blick von diesem Adonis los zu reißen, was offen gesagt gar nicht so leicht ist.
„Die Dame, dort drüben wird jetzt ordentlich geschwitzt!“ höre ich ihn flaxen und ich blicke in die Richtung die er mir weist.
„Nach ihnen Madame!“
Also tapse ich los und lasse mich gemütlich auf einer der Holzbänke nieder. Kyle nimmt die Bank über mir. Und ja, dieses Handtuch habe ich verdammt lieb gewonnen. Das bleibt wo es ist. Wobei Kyle seines auch um seine Hüften geschwungen lässt. Ich lausche der leisen Musik und bin tiefenentspannt als die Türe aufgeht und Caleb erscheint.
„Ah, die Dame lernt die Vorzüge des Hauses kennen!“ scherzt er und macht es sich auf der Bank an der gegenüberliegenden Wand bequem. Auch er lässt sein Handtuch fein an seinen Hüften. Meinen Chef nackt zu sehen bräuchte ich dann aber auch wirklich nicht.
„Ich hoffe das ist o.k.?“ frage ich dann aber doch mal lieber.
„Aber sicher! Entspanne dich einfach Aria und gewöhne dich schon mal daran, dass wir nie ein handelsübliches Arbeitsverhältnis haben werden.“
„O.K.! sage ich nur und schließe die Augen wieder. Wenn so mein weiteres Leben aussieht habe ich es doch ganz gut getroffen. Man könnte schlechter Arbeiten würde ich mal so sagen. Zumal ich ja nicht einmal eine Ahnung von einem handelsüblichen Arbeitsverhältnis habe. Vielleicht besser so.
Nett zurecht gemacht stehe ich nun wieder in dem großen Saal und die Party ist bereits im vollen Gange als es urplötzlich stockdunkel wird. Mir rutscht das Herz in die Hose. Dann gehen nur auf der Empore an der anderen Seite des Saales Lichter an und ich schaue gebannt dort hin. Im Saal ist es totenstill. Und dann verkündet Jared eine Vereinigung und die Menge ist begeistert. Ich frage mich gerade was es mit diesen Vereinigungen auf sich hat das alle so euphorisch sind als Rick bei mir an der Theke erscheint.
„Hey Aria, könntest du mir ein Wasser reichen!“
Ich lächele ihm zu und mache dann seine Bestellung fertig.
„Sag mal Rick was hat es mit diesen Vereinigungen auf sich? Die Leute waren ja völlig begeistert als Jared es verkündet hat!“
„In unserer Welt sind die Vereinigungen vergleichbar mit Hochzeiten und es ist etwas ganz besonderes wenn sich ein Paar dazu entscheidet!“
„Und was hat es mit diesen Dreier – Konstellationen auf sich?“
„Dann ist ein Guardigan dabei. So wie ich. Jensen ist Alinas eigentlicher DOM gewesen. Mich hat sie als ihren Guardigan dazu gewählt. Mehr geht aber auch nicht.“
„Was bedeutet es der Guardigan zu sein?“
„Jensen ist der tonangebende DOM. Ich übernehme alle Rechten und Pflichten von ihm wenn er nicht da ist. Mit den Jahren hat es sich aber so eingespielt das wir gleichberechtigt sind. Man sieht nur an meinem Halsband das ich eigentlich der Guardigan bin!“
„Und wenn ihr nicht gleichberechtigt wärt müsstest du dich an Jensens Anweisungen halten?“
„Ganz genau.“
„Komische Vorstellung mit zwei Männern zusammen zu sein!“
„Ungewöhnlich. Aber es ist schön zu dritt!“
„Wäre nichts für mich. Einer reicht. Ich bin eher der monogame Typ!“
„Ist auch keine Pflicht. Die SUB kann einen Guardigan wählen.“
„Entscheidet das ganz alleine die SUB? Hat der DOM da kein Mitspracherecht?“
„Generell nein. Aber bisher waren die Guardigans immer im beiderseitigen Einverständnis gewählt worden!“
„Dann wird es ja erst spannend wenn es mal anders sein sollte!“
Ich zwinkere Rick zu und bediene weiter. Er grinst mich an ehe ich sehe das Alina und Jensen sich zu ihm gesellen.
Und auch heute ist hier wieder reichlich los und ich bin froh als ich Pause habe und mir ein wenig frische Luft gönnen kann. Ich habe es mir im Garten auf einer Bank bequem gemacht als Allison sich zu mir gesellt.
„Hey! Wir hatten kaum Gelegenheit uns richtig kennen zu lernen. Ich hatte Dienst im Krankenhaus. Hast du dich schon eingelebt? Preston sagte du hast eine schwierige Vergangenheit!“
„Das mit dem Job läuft gut und ich bin echt froh das Caleb und Jackson so verständnisvoll sind. Meine bisherigen Versuche sind alle gescheitert, weil ich falsch reagiert habe und die Leute damit nichts anfangen konnten!“
„Das sind doch Idioten. Du reagierst ja nicht grundlos so und ich habe dich heute Abend beobachtet. Du hast nicht einmal so reagiert!“
„Ich habe ja auch die Theke als Abschottung, wenn man so will!“ Ich grinse schief und Allison nickt.
„Mein Ex hat mich auch verprügelt. Allerdings fehlte mir immer diese Schutzhaltung. Ich habe aus Reflex zurück geschlagen!“
„Echt jetzt. Respekt. Mein Ex – Mann war immer total hysterisch und cholerisch wenn er mich geschlagen hat. Ich hatte richtige Angst vor dem. Ich wäre im Traum nicht darauf gekommen zurück zu schlagen!“
„War auch keine gute Idee. Es wurde dann nur noch schlimmer!“ „Scheiße!“
„Du sagst es!“
„Und du bist fest mit Preston und Jackson zusammen? Also vereinigt!“
„Ja, warum?“
„Ich kann mir so eine Dreier – Konstellation einfach nicht vorstellen und stelle es mir wahnsinnig anstrengende vor. Zumal du ja auch noch Schichtdienst hast!“
„Nicht mehr lange. Ich eröffne meine eigene Praxis. Hier draußen in der Pampa gibt es kaum Ärzte!“
„Ich gratuliere!“
„Danke! Wir sollten wieder rein gehen. Die Herren werden unruhig wenn sie uns zu lange nicht zu Gesicht kriegen!“
Alli grinst mich schief an.
„Ist doch irgendwie total niedlich!“
„Und anstrengend!“ sagt sie gespielt ernst als wir wieder im Discosaal angelangt sind und ein mir völlig unbekannter Mann mich unerwartet vor die nächste Wand drückt. Er hat mich mit seinem Körper eingepfercht als er zu mir spricht.
„Aria, ich hebe jetzt langsam die Arme und ich will dir nichts tun. Du darfst jetzt aber nicht falsch reagieren!“
Ich starre ihn einfach nur mit großen Augen an, als ein anderer Mann sich neben mich stellt und Alli vor seinen Bauch zieht. Jetzt spricht er.
„Alli weiß wer wir sind und das wir euch nicht zu nahe treten werden!“
Ich schaue Alli an deren Augen sich weiten. Keine Ahnung was das bedeutet, aber sie lehnt den Kopf an die Schulter des Mannes. Der Mann, der mich eingepfercht hat, hebt langsam unsere Arme, verschränkt seine Finger mit meinen und drückt meine Arme zu beiden Seiten meines Kopfes vor die Wand. Ich atme heftig; ich habe totale Angst. Zwar tut er mir nicht weh, aber ich habe auch keine Ahnung was er von mir will. Und dann sehe ich das Kyle sich an unserer anderen Seite an die Wand lehnt und sehr skeptisch schaut.
„Du hast eine Minute mir zu erklären was das hier soll bevor es ein Unglück gibt!“
Kyles Tonlage ist drohend und macht mir total Angst. Was ist hier los?
„Beruhige dich. Diese Nachricht ist für Aria bestimmt!“
Kyle sieht denn Mann skeptisch an als Alli sagt „Das sind die Brüder!“
Kyle nimmt sein Handgelenk hoch und spricht in irgendeine Vorrichtung.
„Ihr bleibt wo ihr seid. Unsere Geheimagenten sind im Spiel!“ Keine Ahnung mit wem Kyle da spricht, aber ich sehe über die Schulter des Mannes und entdecke alle Männer des Rates in einiger Entfernung um uns herum verteilt. Scheinbar hatten schon alle bemerkt das Alli und ich aufgehalten werden. Ich schaue zu Alli und sehe, dass der Mann sie nach wie vor vor seinem Bauch hält und sie sehr entspannt ist. Aber ich will wissen was hier los ist und schaue dem Mann vor mir direkt in die Augen.
„Wenn du eine Nachricht für mich hast dann rede endlich. Das hier ist total befremdlich!“ Anstatt mir zu antworten sieht er Kyle an und spricht mit ihm.
„Ihr habt ein riesen Talent für die schwierigen Fälle!“
Dann wendet er sich mir zu.
„Dein Ex – Mann ist in der Stadt und hat herausgefunden wo du wohnst und er ist dir alles andere als freundlich gesinnt!“
„Scheiße! Woher weißt du von meinem Ex?“
„Das erklärt Kyle dir. Wie lange arbeitest du noch hier im Haus?“
„Noch drei Nächte!“
Was soll das? Ich kenne den Typen nicht, aber etwas sagt mir, dass er einer von den Guten ist. Also antworte ich brav.
„Gehe danach nicht in deine Wohnung zurück; zumindest nicht alleine. Hole dein Zeug und tauche unter.“
Der Mann lässt mich abrupt los und geht davon; und ich lehne völlig verdattert an der Wand als Kyle sich in mein Sichtfeld stellt.
„Wenn sie das sagen ist es die Wahrheit. Den Rest erkläre ich dir später!“
Kyle wendet sich ab und geht. Ich zittere am ganzen Körper und merke wie Alli meine Hand nimmt.
„Das waren die Guten. Sie haben mir das Leben gerettet!“
Ich nicke ihr nur zu und lasse mich von ihr zu meinem Arbeitsplatz zurückziehen. Hinter der Theke fühle ich mich sicherer. Und ich bemerke das Kyle und Dereck in der Nähe bleiben und mich immer wieder beobachten. Doch jetzt leide ich wieder unter Verfolgungswahn. Ständig drehe ich mich herum und erwarte, dass mein Ex hinter mir steht und ich suche auch in der Menge ständig nach ihm. Als endlich Feierabend ist und alle Gäste gegangen sind lasse ich die Luft raus und lehne mich gegen die Wand. Wie konnte er mich finden? Das Programm sollte sicher sein und mir ein neues Leben ermöglichen. Aus der Traum vom Neubeginn. Ich hatte die Augen geschlossen und bemerke Kyle erst als er zu mir spricht. Er steht unmittelbar vor mir und sieht mich an.
„Die Männer gehören zu einer Organisation die unsere Schützt. Sie tauchen nur auf wenn es Ärger gibt oder es jemanden zu beschützen gibt Aria. Du brauchst keine Angst vor ihnen zu haben Aria, aber halte dein Mundwerk im Zaum!“
„Wieso das?“
„Sie sind DOMS und nehmen jede noch so kleine Herausforderung an!“
O.K., so wie Kyle das sagt ist klar was es bedeuten soll.
„Ich würde ihnen keinen Spaß machen. Würdest du einen hoch kriegen wenn ich ständig in meine Schutzhaltung flüchten würde?“
Ist doch wahr Mädels, ich kann mir das nicht vorstellen.
„Wer sagt, dass du das tun würdest?“
Ähm, wie jetzt? Und was soll diese Tonlage? Spielt da wer mit mir und möchte den Hasen hinterm Kohl hervor locken? Mal mitspielen und schauen wo es endet.
„Du hast mich bereits erlebt Kyle. Und meine Reaktionen waren offensichtlich!“
„Und?“
„Wie und?“
War die Frage etwa ernst gemeint? Das kann nicht Kyles Ernst sein.
„Hast du eine Ahnung wie so ein Szenario abläuft Aria?“
„Nö, aber ihr haut. Mir genügt es das zu wissen!“
Bei meinen Worten hat Kyle mich vor die Wand gepresst und er reibt seinen Unterleib an meinem.
„Nicht nur!“ haucht er in mein Ohr und ich dumme Nuss schließe die Augen und genieße es ihn so nahe bei mir zu haben. Na super. Da geht ja genau der Richtige gerade mit mir auf Tuchfüllung. Auf Sand gebaut könnte man wohl sagen.
„Nur ärgern Kyle, vergesse das nicht!“
Jackson, danke! Wie auf Bestellung. Hätte Kyle sich weiter so an mir gerieben hätte ich ein Schnurren nicht viel länger unterdrücken können. Kyle tritt zurück und grinst mich spitzbübisch an.
„Schade!“ höre ich ihn noch sagen ehe Jackson näher kommt.
„Kyle hat uns erzählt was die Typen gesagt haben Aria. Und egal ob es dir passt oder nicht, eines steht fest. Wenn wir zurück in der Stadt sind machst du genau was sie sagen. Du kannst bei Caleb oder mir wohnen, aber du wirst auf keinen Fall alleine in deiner Wohnung bleiben!“
„Aber......!“
„Kein „Aber“. Kyle hat sich auch angeboten, aber da wärst du über Tag allein und das kommt nicht in Frage. Wir passen auf dich auf. Gewöhne dich schon mal an den Gedanken. Und du wirst ganz normal weiter arbeiten. Einer von uns allen wird immer in deiner Nähe sein. Doch wir müssen wissen wenn er auftaucht, oder hast du ein Foto von ihm? Keiner von uns weiß wie er aussieht und wenn wir dich beschützen müssen wir auch wissen vor wem genau!“
Jacksons Tonlage lässt keinen Widerspruch zu und ich lasse die Schultern hängen als Kyle mich am Kinn packt und mich so zwingt ihn anzuschauen.
„Wir machen das gerne und niemand sieht in dir eine zusätzliche Last und jetzt lass die Schultern nicht hängen. Er verstößt denke ich mal gegen Auflagen. Das ist gut.“
„Was soll daran gut sein Kyle?“
„Dann wandert er in den Knast und du hast Ruhe vor ihm!“
„Ich wollte ein neues Leben. Sie haben mir gesagt er würde mich niemals finden! …......“
Weiter kann ich nicht sprechen. Es schnürt mir die Kehle zu und es tut unendlich weh.
„Wir sorgen dafür das er dir nie wieder weh tut Aria, versprochen!“
„Ich habe kein Foto von ihm. Aber ich kann ihn zeichnen!“ sage ich dann leise.
„Das ist gut!“ höre ich Jackson noch sagen, ehe Kyle mich zu meinem Zimmer bringt.
„Komm einfach zu mir wenn du nicht schlafen kannst Aria!“
Er gibt mir einen Kuss auf die Wange und geht dann zu seinem Zimmer. Ich trete in meines ein und dann bahnen die lange zurück gehaltenen Tränen sich ihren Weg. Ich schluchze hemmungslos während ich mich entkleide und fürs Bett fertig mache. Und dann erhalte ich eine SMS.
„Wenn du dachtest du könntest dich vor mir verstecken hast du dich geirrt! Ich werde dich kriegen!“
Mir rutscht das Herz in die Hose und ich habe nicht gemerkt das Kyle mein Zimmer betreten hat und hinter mir steht. Jetzt zieht er mich einfach rücklings vor seinen Bauch und nimmt mich in den Arm.
„Ignoriere das Aria!“ sagt er sanft und ich schluchze nur noch mehr als zuvor. Gerade schien mein Leben voran zu kommen und genau in dem Moment taucht er wieder in meinem Leben auf!“
Das ist zu viel für mich. Ich drehe mich herum und schlinge Kyle meine Arme um den Hals und klammere mich an ihn. Ich kann nicht anders. Ich brauche Halt. Meinen Kopf berge ich vor seinem Oberkörper. Er soll mir nicht in die verheulten Augen sehen.
„Shhhhht! Es ist gut, dass du es raus lässt, aber lasse dich nicht von ihm beherrschen. Hier kommt er nicht an dich ran!“
Ich kann nicht sprechen. Habe ich gedacht ich hätte die Sache mit meinem Ex verarbeitet so stelle ich gerade fest das dem nicht so ist. Und Kyle hält mich einfach im Arm. Keine Ahnung wie lange wir so da gestanden haben als ich Prestons Stimme höre.
„Bleibst du heute Nacht bei ihr Kyle?“
„Ich denke schon, sofern sie das möchte!“
„Das ist gut. Sie sollte nicht alleine sein! Sie schluchzt so dolle das es einem das Herz zerreißt“
„Ich weiß!“ ist alles was Kyle sagt und ich versuche auch etwas zu sagen. Auch wenn das zwischen den heftigen Schluchzern echt schwer ist.
„Ich will euch nicht zur Last fallen!.....“
Weiter komme ich nicht, denn ich werde grob ausgebremst.
„Halt die Klappe Aria!“
Na prima. In der Tonlage muss Kyle jetzt auch nicht unbedingt zu mir sprechen.
„Nimm es ihm nicht übel Aria. Er meint es gut!“
O.K., Preston ist noch hier. Und nun?
„Geht eine andere Tonlage?“ frage ich dann zaghaft und ich spüre wie Kyle lacht und auch Preston schmunzelt ehe er mir antwortet.
„Ist manchmal schwierig. Bei Kyle zeigt sich die DOM – Tonlage im Spielzimmer oder wenn er unsicher oder sauer ist. Gerade würde ich auf unsicher tippen!“
Kyle drückt mich ein Stück von sich weg.
„Sie mich an Aria. Preston hat Recht. Gerade ist es Unsicherheit. Ich würde dir gerne helfen, habe aber keine Ahnung wie und ich habe auch keine Ahnung ob du alleine sein möchtest oder ob ich bleiben darf!“
„Warum willst du das?“
Dämliche Frage, ich weiß. Aber könnt ihr klar denken wenn eure Nerven blank liegen?
„Weil du kleine Laus mir nicht egal bist!“
Kyle grinst herzallerliebst und ich schmelze ein wenig dahin.
„Ich bin dann mal weg!“ höre ich Preston noch sagen, ehe er die Türe hinter sich schließt. Und ich schaue Kyle einfach nur an. Keine Ahnung was ich dazu jetzt sagen soll. Mal gut, dass er die peinliche Stille meinerseits einfach übergeht.
„Entscheide selbst. Ich kann bleiben und dich im Arm halten, was ich sehr gerne würde. Ich kann aber auch verstehen wenn du lieber alleine sein möchtest!“
„Bleiben wäre toll!“ sage ich nur und löse mich von ihm. Ich krabbele unter die Bettdecke und schlage sie ein Stück zur Seite und schaue Kyle abwartend an. Er grinst nur und krabbelt zu mir ins Bett.
„Dann kuschele dich mal rücklings vor meinen Bauch kleine Laus!“ Moment, ich habe noch Fragen. Gute Nacht sagen wird kurzfristig verschoben.
„Wer waren die Männer vorhin? Ich meine ihre Namen?“
„Keine Ahnung. Bis heute kannten wir nicht einmal ihre Gesichter. Alli hat sie nur an ihren Stimmen erkannt. Sie arbeiten verdeckt. Sie schützen uns und alles wofür der Codex steht!“
„Was ist der Codex?“
„Aria schlafe. Ich erkläre dir das Morgen.“
Na toll. Weibliche Neugierde unbefriedigt zu lassen ist scheiße, gemein, unfair...... Ach, ihr wisst doch was ich meine. Ich brummele ein wenig frustriert, was von Kyle nur mit einem leisen Lachen kommentiert wird.
Als ich aufwache liegen wir unverändert dar und ich kuschele mich noch ein wenig enger an Kyle, der allerdings zurück weicht. „Vorsicht. Früh morgens sollte deine untere Körperhälfte mir nicht zu nahe kommen!“
„Schade, ich liebe kuscheln. Egal wann!“
„Unter anderen Umständen wäre ich dabei!“
Alles klar. Bei der Tonlage war diese Aussage unmissverständlich. Ich lunkere auf den Wecker. 11 Uhr. Da bleibt noch etwas Zeit zum Schlafen. Ich schließe die Augen wieder und als ich sie das nächste Mal öffne bin ich alleine. Schade. Kuscheln steht bei mir wirklich ganz oben auf der Prioritätenliste. Da niemand zum Kuscheln da ist tapse ich ins Bad. Oh Gott, die Heulerei der letzten Nacht hat ihre Spuren hinterlassen. Dicke verquollene Augen. Ich mache einen neuen Menschen aus mir und beschließe in die Küche zu gehen. Ich brauche Eis. Das wird meinen verquollenen Augen hoffentlich auf die Sprünge helfen. Nur das alle anderen auch schon da sind und bester Laune zu sein scheinen. Ich versuche den Kopf unten zu halten bis ich das Eis habe. Mit dem bewaffnet setzte ich mich auf die Bank an der Wand, lehne den Kopf nach hinten und lege mir das
Eis auf die Augen.
„Gut geschlafen?“ höre ich Jackson an meinem Ohr fragen.
„Wie ein Stein. Jetzt brauche ich einen verdammt guten Visagisten!“ versuche ich zu scherzen und höre die Anderen schmunzeln und lachen.
„Außer einem Schönheitschirurgen können wir da nicht gerade das bieten was du brauchst!“ geht Jackson auf meinen Scherz ein.
„Den nehme ich. Der kann bestimmt aushelfen!“ flaxe ich.
„Hat Kyle dir gesagt das du vor den beiden Männern wirklich keine Angst zu haben brauchst?“
Bei Allis Worten lege ich das Eis ein Stück zur Seite und lunkere mit einem Auge darunter hervor.
„Ja Alli und die schienen ziemlich genau zu wissen was mein Problem ist. Ich meine nicht nur meinen Ex. Der Typ hat ja gesagt was er als nächstes tut und es dann auch langsam gemacht!“
„Die wissen über uns alle alles. Woher genau wissen wir nicht. Aber du sollst wissen das du ihnen vertrauen kannst!“
„Kyle sagte so etwas. Sind die eigentlich verwandt Alli? Die sahen sich verwandt ähnlich!“
„Jepp. Sie sind Brüder.“
„Na dann!“ sage ich nur und lege das Eis wieder komplett über meine Augen. Ich habe echt die Hoffnung, dass die Schwellungen unter meinen Augen wenigstens ein wenig zurück gehen.
„Du solltest aber was essen!“ stellt Kyle ziemlich bestimmt fest. Ich lege das Eis wieder ein Stück zur Seite und grinse ihn an, während ich mit einem einem Auge wieder unter dem Eis hervor lunkere.
„Ich bin nicht deine Sub! Andere Tonlage!“ sage ich gespielt ernst und Kyle grinst schief.
„Schade aber auch. Für den Spruch wäre ein Besuch im Spielzimmer angebracht!“ stellt er keck fest und ich sehe die Anderen schmunzeln. Hmmmmm, ich hatte da noch Fragen. Mal sehen ob mir jetzt jemand antwortet. Ich lege das Eis wieder über beide Augen und frage in die Runde.
„Was ist der Codex?“
Zuerst ist es ziemlich still und erst nach einer Weile antwortet Jared mir. Scheint ein heikles Thema zu sein.
„Wir haben den Codex ins Leben gerufen. Er beinhaltet unsere Regeln / Gesetzte für unser Zusammenleben. Kyle kann dir seinen später zeigen, aber du darfst zu niemandem außerhalb der Gemeinschaft darüber sprechen!“
„Warum habt ihr das getan? Ist das hier eine Sekte?“
„Nein. Es gab in der Vergangenheit Vorkommnisse die uns dazu veranlasst haben Aria. Wenn du ihn gelesen hast wirst du verstehen worum es genau geht.“
„Moment Jared, Ashley?“
„Ja!“
„Wie viel Wahres ist an deinen Büchern dran? Du hast dort auch von einem Regelwerk geschrieben und gerade schließt sich der Kreis scheinbar! Und ja, ich habe sie gelesen. Die waren toll. Ich habe mir immer vorgestellt wie es wäre in so einer Gemeinschaft zu leben. Vor allem wenn mein Ex – Mann gerade wieder, na ja, Hand angelegt hat. Ich habe mir dann immer vorgestellt wie es wäre wenn, ach egal.“
Den Rest will ich dann doch nicht laut vor allen sagen.
„Na das spart mir dann ja lange Erklärungen!“ stellt Kyle belustigt fest und ich nehme das Eis von meinen Augen und starre ihn völlig verdattert an.
„Ihr verarscht mich!“ stelle ich fest, aber niemand grinst oder lacht. Ich schaue in die Runde ehe ich wieder Kyle anschaue.
„Nicht euer Ernst. Ich meine ich fand deine Idee super Ashley. Ich meine das du in deinem Buch ein Regelwerk erfunden hast und wofür es steht.“
„Meine Geschichte basiert auf dem was ich erlebt habe und dieses Regelwerk ist der Codex!“ sagt Ashley nur und ich komme mir gerade ziemlich dämlich vor. Wurde ich doch nur von meinem Ex verprügelt. Na gut, er hat unser gemeinsames ungeborenes Kind getötet, aber das ist nichts im Vergleich zu dem was Ashley erlebt hat. Ich rutsche unruhig auf meinem Stuhl hin und her als Shawn mich anspricht.
„Lass uns an deinen Gedanken teilhaben Aria. Hier wird frei gesprochen, vor allen!“
„Ähm, keine Ahnung wie ich das sagen soll. Mir wird gerade bewusst wie klein meine Probleme im Vergleich zu dem sind was Ashley passiert ist!“
„Quatsch. Du musstest dein ganzes Leben aufgeben und jetzt holt die Vergangenheit dich wieder ein. Vielleicht mag man das nicht vergleichen können, aber ihr sitzt doch irgendwie im selben Boot!“ Ich schaue Shawn an, aber es hilft nichts. Ashley ist durch die Hölle gegangen. Ich nur über heiße Kohlen. Und dann kommt Rick herein und überreicht mir einen Brief. Ich nehme ihn an mich und öffne ihn.
„Liebe Aria,
meine Söhne hast du gestern Abend bereits kennen gelernt. Ich leite unsere Organisation und ich möchte dir etwas sagen und dich auf das vorbereiten was kommt. Solltest du dich in der nächsten Zeit beobachtet fühlen dann gewöhne dich schon einmal daran. Das wird so bleiben und ist unabänderlich. Wir beobachten dich, aber wir tun es zu deinem Schutz. Wir beobachten auch deinen Ex – Mann. Bis jetzt hat er es noch nicht bemerkt und auch du hast nicht bemerkt, dass wir dich beobachtet haben seit du das erste Mal bei Caleb warst. Ich will dich vorwarnen. Solltest du nicht tun worum mein Sohn dich gebeten hat begibst du dich in große Gefahr. Dein Ex – Mann ist wie von Sinnen seit du an dem Programm teilnimmst. Er ist besessen von der Vorstellung, dass du mit einem anderen Mann glücklich werden könntest. Und genau das werden wir ihm vorspielen. Du wirst die Partnerin einer meiner Söhne werden. Wir wollen deinen Ex – Mann so aus der Reserve locken. Gabriel wird dich am Ratshaus abholen und dann beginnt das Spiel. Ich kann mir denken das man dir vom Rat aus schon Schutz und Unterkunft angeboten hat, aber wir haben etwas anderes vor und der Rat soll da nicht mit hinein gezogen werden. Gabriel wird nicht alleine kommen. Er bringt seinen Bruder mit. Er heißt Joshua. Und fordere sie nicht heraus. Man wird dir bereits gesagt haben, dass unsere Regeln etwas anders sind als die vom Rat. Gabriel ist der Zurückhaltendere, wenn man so will. Allison hat sie erlebt. Sie kann dir mehr sagen. Und das Spiel beginnt heute. Mach dich fertig und sei in einer Stunde abholbereit. Zur Arbeit bist du heute Abend pünktlich zurück, sage das bitte allen damit sie wissen was vor sich geht.
Mit freundlichen Grüßen
Johnathan“
Ich schaue perplex auf den Brief und lese ihn noch dreimal ehe ich angesprochen werde.
„Ist das wichtig?“
Ich schaue Jared an und reiche ihm kommentarlos den Brief. Nach einer Weile hebt er den Blick und sieht Allison an.
„Beschreibe ihr was damals war und wie die Brüder sich verhalten haben. Aria wird viel Zeit mit ihnen verbringen und sollte vorbereitet sein!“
Ich höre ein Knurren von Kyle gefolgt von der Frage „Warum?“
„Weil die Organisation einen Plan hat!“ ist alles was Jared sagt, ehe er Kyle den Brief reicht. Er lass ihn und sieht dann Jared an.
„Das ist ein heikles Spiel und sie hat noch nicht einmal eine Ahnung wie oder womit sie einen der Beiden herausfordern könnte. Hältst du das für klug Jared?“
„Ich bin mir nicht sicher. Aber sie wollen uns außen vor halten und das tun sie aus gutem Grund. Sie schützen uns und sorgen dafür das wir anonym bleiben und den Punkt befürworte ich sehr!“
„Ähm, ehe das hier ewig ausdiskutiert wird wäre es nett wenn ich eine kleine Unterweisung kriege. Wie hat Ashley das damals so schön beschrieben „Wie fordere ich den DOM heraus für Dummys“ oder so!“
Bei meinen Worten sieht Kyle mich grinsend an und ich sehe die Anderen schmunzeln.
„Keine große Klappe, keine Sprüche unter die Gürtellinie und lass dich von ihm anfassen!“
Ich starre Allison mit weit aufgerissenen Augen an. Das kann nur ein Scherz sein.
„Mach nicht so ein Gesicht. Sie werden sich beide vorsichtig bewegen, aber wenn sie glauben du vertraust ihnen könnte sich das ändern. DOM sind wie Raubtiere und schlagen zu wenn du es am wenigstens vermutest!“
„Ich will in Schutzhaft Alli!“ entfährt es mir und alle lachen. Ich finde das gar nicht so komisch. Rick hat mir noch was zu sagen.
„So was wie gestern, als du den Scherz darüber gemacht hast was die Dreier – Konstellationen hier angeht, ist eine Herausforderung Alli. Sie würden dir zeigen wie es einwandfrei funktioniert!“
Schluck, schwere Not. Das will ich nun aber gar nicht und es steht mir ins Gesicht geschrieben.
„Jetzt hat sie genug Angst um nur zu sprechen wenn sie aufgefordert wird!“ stellt Dereck fies grinsend fest und ich muss ihm Recht geben.
„Das war aber nicht unser Ziel!“
Ich schaue zur Türe und sehe in das Gesicht des Mannes der mich gestern Abend an der Wand fixiert hat. Und jetzt betrachte ich ihn genauer. Er ist ungefähr 1,85 cm groß, sehr durchtrainiert und wirkt unnahbar. Und erst jetzt fällt mir auf das er meine Lieblings – Kombi hat. Rabenschwarze Haare und strahlend blaue Augen und er sieht verdammt gut aus.
„Aria, ich möchte mit dir alleine sprechen!“ fügt er noch an und ich erhebe mich einfach. Würdet ihr wohl auch an meiner Stelle.
