Artes - pro und kontra - Vilmos Dr Czikkely - E-Book

Artes - pro und kontra E-Book

Vilmos Dr Czikkely

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Beschreibung

Der Titel "Artes: Pro und Kontra" dieser Arbeit bezieht sich auf verschiedene Bereiche menschlicher Aktivitäten: Kunst, Technik, Wissenschaft und deren gesellschaftliche Akzeptanz.

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Seitenzahl: 134

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Artes - Pro und Kontra

Untersuchungen zum gesellschaftlichen Diskurs zu

Kunst, Wissenschaft und Technik

Kapitel 1 und 2

Dr Vilmos Czikkely

© Vilmos Czikkely

ISBN 978-3-8495-8640-9 (Paperback)

ISBN 978-3-8495-8641-6 (Hardcover)

ISBN 978-3-8495-8642-3 (e-Book)

Verlag: tredition GmbH Hamburg

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors ist unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

1    EINLEITUNG

1.1    Das zu untersuchende Phänomen

1.2    Die Wurzeln der Kritik an den artes

1.3    Die Methode und das Ziel der Untersuchung

1.3.1    Die chaostheoretische Betrachtungsweise

1.3.2    Die spieltheoretische Betrachtung

1.4    Das Vorgehen

1.5    Die Darstellung der Untersuchung

2FRÜHE SPUREN:HYBRIS

2.1    Mesopotamien

2.1.1    Die Mythologie

2.1.2    Die Wissenschaften

2.1.2.1    Medizin

2.1.2.2    Mathematik

2.1.2.3    Die Astronomie

2.1.2.4    Technisches Wissen

2.1.2.5    Das Bildungswesen

2.2    Die Ägypter

2.2.1    Die soziale Stellung der Arbeiter, Handwerker und Künstler

2.2.2    Die künstlerische Freiheit und die Bilderstürme

2.2.3    Die „Wissenschaften“

2.2.3.1    Mathematik

2.2.3.2    Kosmologie

2.2.3.3    Medizin

2.2.3.4    Bildung

2.2.4    Der Götterhimmel

2.2.4.1    Ptah

2.2.4.2    Chnum

2.2.4.3    Thot

2.2.4.4    Imhotep

2.2.4.5    Meresger

2.3    Die Griechen

2.3.1    Die griechische Mythologie

2.3.1.1    Athene

2.3.1.2    Apollo und die Musen

2.3.1.3    Hephaistos

2.3.1.4    Die Daktylen

2.3.1.5    Daidalos

2.3.1.6    Prometheus

2.3.1.7    Asklepios

2.3.2    Die Mysterien

2.3.3    Die Dichtung

2.3.3.1    Homer

2.3.3.2    Hesiod

2.3.3.3    Pinda

2.3.4    Das Schöne

2.3.5    Die Geburt der Wissenschaften

2.3.5.1    Kosmologie und Naturphilosophie

2.3.5.2    Mathematik

2.3.5.3    Die Medizin

2.4    Zusammenfassung

3AUFBRUCH IN ATHEN: DIE VITA CONTEMPLATIVA

4DIE BUKOLIK, DIE „GRÜNE ALTERNATIVE“

5DIE CHRISTLICHE VITA CONTEMPLATIVA UND DIE “DOCTRINA CHRISTIANA“

6DAS MUSLIMISCHE LEITBILD: DIE URGEMEINDE VON MEDINA

7DIE REZEPTION DER „ALTEN“ IM LATEINISCHEN WESTEN

8GLAUBE UND VERNUNFT IM LATEINISCHEN MITTELALTER

9DIE ARTES VOM MITTELALTER ZUR ANBRUCH DER NEUZEIT

10ANBRUCH EINER NEUEN ZEIT

11LITERATUR ZU KAPITEL 1 UND 2

12REFERENZEN

1 Einleitung

1.1   Das zu untersuchende Phänomen

* Der Titel „Artes: Pro und Kontra“ dieser Arbeit bezieht sich auf verschiedene Bereiche menschlicher Aktivitäten: Kunst, Technik, Wissenschaft und deren gesellschaftliche Akzeptanz.

Was haben die drei ersten Bereiche miteinander zu tun? Aus unserer heutigen Sicht und auf den ersten Blick gar nichts.

Doch nehmen wir exemplarisch drei Namen, für jeden der drei Bereiche einen markanten: Picasso, Diesel, Einstein (wir könnten auch andere wählen). Ihr Werk und Wirken wurde nicht nur unter den „Fachkollegen“, von „berufsmäßigen Kritikern“, sondern auch von der Öffentlichkeit, den verschiedenen Medien kritisch aufgenommen und von Presse, Kanzel und Katheder zunächst verworfen. Die gemeinsamen Merkmale der drei Tätigkeitsbereiche finden wir zunächst im Negativen: In deren Kritik und in deren Ablehnung.

…. Die Werke aller drei waren zu ihrer Zeit (und sind z.T. auch heute noch) für die nicht spezialisierten „Normalsterblichen“, unverständlich. Und sie sind für alle, auch für die an den tradierten Lehrmeinungen Gebildeten, eine Provokation.

…. Die drei ausgewählten Vertreter stehen für eigenständige Entwicklungen auf ihrem je eigenen Gebiet. Die Dynamik dieser Entwicklung überrollt uns unaufhaltsam, wir fühlen uns dieser Dynamik ohnmächtig ausgeliefert. Eine langsame, gemächliche Veränderung lässt sich bewältigen, aber der Umbruch zu etwas Neuem provoziert, fordert Widerstände heraus. Kein Wunder, dass auf allen drei Gebieten jede Neuerung zunächst auf allgemeine Kritik und Ablehnung stößt.

* Die genannten Beispiele sind modern. Doch nicht zu wissen, was sich zutrug, ehe man geboren wurde, das hieße, immer ein Kind zu bleiben1.

…. Religion, Philosophie aber auch Literatur haben von ihren Anfängen an zu den Problemen ihrer Zeit Stellung genommen. Ob zeitgemäß, vorausweisend oder nicht, wird sich bei der Untersuchung herausstellen.

…. Dass unsere Gegenwart eine Zeit des Umbruchs ist, ist allgemein bekannt und anerkannt. Sie ist deswegen aber nicht singulär, ihr sind eine Reihe von ähnlichen Umbrüchen vorangegangen.

…. Der Bezug auf eine zeitliche Dimension ist für den Menschen wesentlich2. Für das menschliche Dasein ist diese aber nicht nur die abgeschlossene Vergangenheit konstitutiv, sondern auch die Zukunft, ein „offener Topos vor uns“,3.

In diese Spanne zwischen Historizität und Utopie hat der Autor die folgende Untersuchung gestellt.

* Bereits ein historischer Rückblick in wenigen Stichworten zeigt die Breite des zu untersuchenden Phänomens: Kritik an Kunst, Technik und Wissenschaft und ein Misstrauen gegen Neuerungen und Entdeckungen von Technik und Wissenschaft, bis hin zu Maschinenstürmerei, hat es in der Geschichte immer wieder gegeben, besonders zu Zeiten bedeutender Umbrüche. Nicht nur konkrete Innovationen sondern auch markante Umbrüche wurden im gesellschaftlichen Diskurs kritisch aufgenommen:

* Ziel dieser Untersuchung kulturhistorischer Konfliktfelder ist nicht antiquarisch abgestorbene Topfpflanzen zu begießen4. Man kann zwar immer wiederkehrend beobachten, dass der Wechsel eines Paradigmas mit einer „Querelle des anciens et des modernes“, einer Auseinandersetzung zwischen „antiqui“ und „moderni“, begleitet wird. Doch es genügt hier nicht in diesem Topos nur eine generationsbedingte „Revolte der Jugend“ zu sehen5. Auch Junge können antiquierte Positionen vertreten und Alte moderne. Selbst die Frage dahinter, ob die Äußerungen zu den Umbrüchen und Entwicklungen als eine „Querelle“ nur in Begriffspaare, etwa „kritisch – affirmativ“ zu fassen genügt6, gilt zu prüfen.

* Nicht jede Kritik ist für unsere Untersuchung relevant: Paradigmenwechsel in den Wissenschaften und ihre kritische Prüfung gehören zur wissenschaftlichen Forschung7, diese sind hier nicht Gegenstand der Untersuchung. Die historische Entwicklung der Wissenschaften im Speziellen, aber auch die der artes im Allgemeinen, spiegelt nur den Ausgang des gesellschaftlichen Diskurses wieder.

1.2   Die Wurzeln der Kritik an den artes

* Die Kritik von etwas Neuem kann bereits auf den ersten Blick verschiedene Wurzeln haben.

* Sicher wurde immer schon und in jeder Kunst auch mal Pfusch gemacht: Es gab immer schon „Quacksalber, Angeber, Schaumschläger, brilliantringfingrige Stutzer, Sternschuppen beguckende Gaukler“8. Sie geben gute Figuren für die Komödie ab. Natürlich muss Pfusch vom Gelungenen gesondert werden und dies geschieht in einer kritischen Prüfung. Doch daneben gibt es eine grundsätzliche Kritik an den τέχναί und diese geht auf das Wesentliche und Grundsätzliche. Praktisch überlagern sich die beiden Kritiken.

Kritik der Kunst und der Technik sind auch Gesellschaftskritik, oder Kritik an einer bestimmten Entwicklung in der Gesellschaft. Sie sind nicht immer Zeichen für ein diffuses „Unbehagen in der Kultur“, - doch selbst dann werden sie durch Einstellungen und Leitideen geprägt, die wir zu untersuchen haben.

1.3   Die Methode und das Ziel der Untersuchung

* Diese kulturphilosophische Skizze hat nicht die Aufgabe die Genese von kulturellen Errungenschaften „a priori“ zu begründen, sie setzt kulturelle Aktivitäten schon voraus (Einleitung zu Kapitel 2). Sie hat auch nicht die Aufgabe eine Zielursache für kulturelle Entwicklungen zu postulieren um sie anschließend zu finden. Diese Skizze ist ein Beitrag zur kulturphilosophischen Konfliktforschung, doch nicht mit dem Ziel nur alte Konflikte zu rekapitulieren, sondern mit dem Ziel, diese als Teil eines gesellschaftlichen Diskurses zu betrachten und die diesem Diskurs zugrundeliegenden Beweggründe aufzuspüren und ihre Entwicklungsdynamik zu verfolgen sowie eventuelle Muster oder Gesetzmäßigkeiten zu finden.

Kulturelle Ereignisse und die Stellungnahmen dazu stehen nie alleine da, sie haben Vorläufer und Nachfolger und selbst zu ihrer eigenen Zeit sind sie Teil eines gesellschaftlichen Diskurses. Es gibt Kontroversen, Entwicklungen die parallel verlaufen, zunächst unscheinbare „Phänomene“, die ihre Potenz erst später entfalten; vorlaufende und zurückbleibende Prozesse. Alle diese Entwicklungen sind Teil eines teilweise bewusst teilweise unbewusst geführten gesellschaftlichen Diskurses.

* Es fehlt nicht an Versuchen kulturhistorische Vorgänge deterministisch zu beschreiben, sei es von einer „mechanischen“, „ökonomischen“, „sozialen“ „Notwendigkeit“ oder einer teleologischen Zielstrebigkeit geleitet9. Sie hatten alle nur einen partiellen Erfolg, da die Prozesse selbst offensichtlich chaotisch verlaufen, auch und gerade, wenn sie Gesetzmäßigkeiten aufweisen, aber von diesen nicht determiniert werden10.

1.3.1   Die chaostheoretische Betrachtungsweise

Lange betrachtete man Chaos und Ordnung, Anarchie und Gesetzmäßigkeit als gegensätzliche Prinzipien11.

Zur Beschreibung zeitlicher Abläufe in chaotischen Systemen hat sich das Modell der Attraktoren bewährt12. Hier soll das Modell auf den Verlauf gesellschaftlicher Diskurse und kultureller Entwicklungen, konkret auf den Verlauf des gesellschaftlichen Diskurses über die drei Zweige der artes, angewandt werden:

Bei der Untersuchung von Ereignisketten würde die übliche Periodisierung der Geschichtsschreibung die zu untersuchenden Ereignisketten oft durchschneiden und Zusammenhänge zerreißen. Wir verzichten daher in dieser Untersuchung weitgehend auf eine herkömmliche Periodisierung, auch wenn wir eine grobe Einteilung nicht vermeiden können. Verweise in der Darstellung sollen helfen die an solchen Grenzen abgerissene Verknüpfung wiederherzustellen.

Die Untersuchung ist aber - trotz der Verwendung von historischem Untersuchungsmaterial als Glieder in Entwicklungen und Ereignisketten - keine historische, sondern eine kulturphilosophische, weil der Gegenstand der Untersuchung eine kulturphilosophische Fragestellung ist: Eben die Suche nach atechnischen Attraktionsbereichen und ihren Komponenten und den Bedingungen eines mehr oder weniger freien Diskurses. Die Untersuchung der historischen Entwicklung der Reflexion eines technischen Bereiches der kulturellen Entwicklung in atechnischen Attraktionsbereichen ist nur ein Teil eines gesellschaftlichen Diskurses zu unserem Thema. Denn diese Reflexion kann auch anregend auf „technische“ Entwicklungen wirken. Auf beides achtend entsteht, wenn auch unvollständig, auch eine „Kulturgeschichte der artes“ und zugleich der diese spiegelnden atechnischen Bereiche.

1.3.2   Die spieltheoretische Betrachtung

* Ein „Spiel“ besteht aus den Spielteilnehmern, ihren Handlungen und den zugehörigen Spielregeln. Das einfachste spieltheoretische Modell ist das Zweipersonenspiel. Z.B. eine herrschaftliche Bürokratie bestellt etwas, ein „Techniker“ führt es aus, der erste bezahlt, der zweite verdient seinen Lebensunterhalt. Die nächste Stufe ist das Dreipersonenspiel: Zwei Spieler konkurrieren um die Gunst des Dritten. Das Modell kann natürlich auch für Oligopole und atomistische Konstellationen erweitert werden. Bei Mehrpersonenspielen rückt die Möglichkeit einer „siegreichen Koalition“ ins Blickfeld.

Wir müssen auch auf die Stabilität von Koalitionen achten, denn instabile und wechselnde Koalitionen können zu paradoxen Ergebnissen führen. So müssen wir bei unserer Untersuchung eine Reihe von spieltheoretischen Paradoxien, Irrationalitäten und Inkonsequenzen beachten: Abstimmungen in Gruppen können, selbst dann, wenn sie als „rationale Entscheidungen“ bestimmt werden, zu irrationalen Ergebnissen führen (Arrow-Paradox13). Ein oder einige Teilnehmer in einer Koalition können auf die Haltung der anderen auch polarisierend wirken. Die gleichen Teilnehmer können in verschiedenen Koalitionen verschiedene Haltungen einnehmen und vorangehende Entscheidungen revidieren. Solche Paradoxien sind typisch für politische Auseinandersetzungen14 - auch in unserem heutigen kulturellen Phasenraum.

* Das Theorem der „Attraktoren“ bekommt durch die Verkettung einer Abfolge von Spielen die eigentliche kulturphilosophische Deutung: Eine Abfolge von Spielen, Entscheidungen, Maßnahmen bilden die „Bahn“ einer Entwicklung oder eines Prozesses. Wenn man mehrere Spiele, die regional nebeneinander verlaufen und/oder zeitlich aufeinander folgen, miteinander verknüpft, so kann das so entstandene System leicht ein chaotisches Verhalten annehmen. Auf der deskriptiven Ebene zeigt sich das chaotische Verhalten als die fraktale Natur kulturpolitischer Konstellationen. Weiteres zur Verwendung der spieltheoretischen Methode in dieser Untersuchung und ihre Verknüpfung mit der Suche nach Attraktoren im chaotischen Kulturraum siehe in den Mosaiken 3.1.1.8.1, 4.1.1, 4.1.2.2.1, 4.1.2.3, 4.2.7, 4.2.7.6, 5.1.4.1.2., 5.1.5, 5.1.6, 5.2.3.3, 6.2.1.3, 6.2.3, 7.1.1, 10.1.3. und 11.1.

* Als Bindeglied zwischen dem deskriptiven Modell der Attraktoren und einem erklärenden Modell der Spieltheorie müssen wir versuchen auch „treibende Kräfte“ zu identifizieren, die eine Entwicklung fördern und Koalitionen der „Gleichgesinnten“ ermöglichen. Der Autor beabsichtigt durch diese Untersuchung solche „Motivatoren“ zu identifizieren.

1.4   Das Vorgehen

Die nun folgende Untersuchung ist in 9 weiteren Kapiteln gegliedert. Jedes Kapitel wird mit einer allgemeingehaltenen Skizze eingeleitet. Diese soll den Hintergrund der spezifisch artes-bezogenen Untersuchung bilden und zugleich die spieltheoretische Konstellation erhellen.

Wir beginnen diese Untersuchung zunächst mit einem kurzen Hinweis auf die drei Zweige der artes in der Vor- und Frühgeschichte. Auf diese anthropologische Begründung folgt eine Betrachtung der mythologisch gedeuteten Welt der „Babylonier“ (2.1.), und der „Ägypter“ (2.2.).

Es ist allgemein akzeptiert, dass die eigentliche Entwicklung der τέχναί bei den „Griechen“ im 6. und 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung unter spezifischen Bedingungen einsetzte (2.3.4.): Wir wollen nach den spezifischen Differenzen zu den τέχναί in Mesopotamien und Ägypten suchen und nach Zeichen für ein „sekundäres Denken“15. Unsere frühesten Quellen sind die Mythologie (2.3.1.), Inschriften und die große epische Dichtung (2.3.2.).

1.5   Die Darstellung der Untersuchung

* Diese Untersuchung enthält drei Komponenten:

…. Die eine ist eine geraffte Skizze der artes der betrachteten Epoche,

…. die andere ist eine Skizze der spieltheoretischen Situation, d.h. die „kulturpolitischen Eingriffe“ in den gesellschaftlichen Diskurs zugunsten der einen oder anderen der Beteiligten.

…. Und die dritte ist unserer eigentlicher Gegenstand, die Einstellungen von Zeitgenossen zu damaligen Entwicklungen, Umbrüche und Paradigmenwechsel auf dem Gebiet der artes. Von diesen können wir nicht alle in dieser Untersuchung berücksichtigen: Während die „Hauptprotagonisten“ eines Diskurses ausführlicher behandelt werden, können insbesondere unsere „Zeitzeugen“ oft nur mit einem lexikalischen Hinweis erwähnt werden, wohl wissend, dass diese zusammen nur die Spitze des Eisberges bilden. Diese Spitze wurde von einer mehr oder weniger breiten Basis getragen, die hier ganz unberücksichtigt bleiben muss.

Die Darstellung dieser Untersuchung ist wie ein musivisches Puzzle modular aus einzelnen Miniaturen nach dem Muster antiker Mosaikbilder aufgebaut. Die einzelnen Bilder, ihrerseits aus einzelnen Mosaiksteinchen zusammengesetzt (im Text mit einem * markiert), werden nicht willkürlich, auch nicht zufällig oder dichterisch sondern für das untersuchte Thema möglichst systematisch gesammelt. Natürlich konnten nicht alle Aspekte und Protagonisten berücksichtigt werden. Für die Auswahl, kleine wie auch gravierende Auslassungen trägt der Autor die Verantwortung.

Eventuelle Unebenheiten oder Inkonsistenzen in den betrachteten Komponenten werden nicht mit dem Hinweis auf eine vermeintlich „wahre“ Meinung des gerade betrachteten Protagonisten weggeglättet oder als durch eine „innere Entwicklung“ überholt ausgeklammert. Denn jede fassbare Einstellung kann Hinweise auf das Vorhandensein von atechnischen Attraktoren geben, auch wenn der Betroffene sie später aufgegeben hat.

Nicht die Einzelbilder sind neu, sondern das Gesamtbild, das erst durch das Zusammenfügen der Teile entsteht.

Zur Verknüpfung der einzelnen Teile sind im Text Vor- und Rückverweise auf relevante Kapitel oder Abschnitte untergebracht. Sie bilden einen wichtigen Teil unserer Untersuchung, denn durch diese Hinweise werden Zusammenhänge und eine Vernetzung zwischen einzelnen Mosaiken aufgedeckt, die diese aus der Isolierung lösen. Diese Verknüpfungen bilden einen „Faden der Ariadne“, der den interessierten Leser durch ein chaotisch anmutendes Labyrinth führt indem es ihn ermutigt die verschlungenen und verwachsenen Pfade zu verfolgen, ohne alles „linear“ am vorgelegten Inhaltsverzeichnis entlang lesen oder unterbrechend und ratsuchend im Stichwortregister nachschlagen zu müssen.

Die hier vorgelegte Fassung enthält die ersten zwei Kapitel in einer etwas gerafften Form und Inhaltsangaben zu den Kapiteln 3-10. Bei Interesse kann man diese beim Autor anfordern.

* Die verwendete Literatur wird unterschiedlich gehandhabt:

Zur Darstellung eines gesellschaftlichen Diskurses brauchen wir eine Grundlage an Primärdaten. Dazu müssen wir die Meinung der maßgeblichen Protagonisten zu unserem Thema hören um seine Einstellung kennen zu lernen. Diese Primärdaten finden wir in Briefen, Tagebüchern und anderen literarischen Werken.

Da wir uns für Beiträge zum gesellschaftlichen Diskurs interessieren, müssen wir an sensiblen Punkten direkt zu den Quellen zurückkehren und so lassen wir - von der Methodik der Geschichtsschreibung abweichend - den dort besprochenen Autor möglichst selbst sprechen und ihn möglichst wenig interpretierend referieren. Auch dort, wo Institutionen wie „Kirche“, kirchliche Institutionen oder Ämter und religiöse Orden als „Teilnehmer“ des Diskurses auftreten, fragen wir ihre exponierten Vertreter nicht nur nach ihrer Funktion16, sondern lassen sie nach Möglichkeit direkt sprechen. Entscheidungen von Konzilen oder Satzungen religiöser Orden werden wie originäre Beiträge behandelt. Dadurch werden Meinungsunterschiede der Beteiligten, und damit auch der gesellschaftliche Diskurs, in einem mehr oder weniger breiten Spektrum sichtbar.

Zitate der wichtigsten Protagonisten werden in der Übersetzung in Kursivschrift hervorgehoben, während referierte oder geraffte Darstellungen in Normalschrift wiedergegeben werden. Durch dieses Vorgehen soll der chaotisch anmutende DiskursCharakter kultureller Entwicklungen besonders deutlich werden.

Zusätzlich zu unseren „Hauptprotagonisten“ werden weitere Beteiligte am gesellschaftlichen Diskurs, doch bei weiten nicht alle, und historischen Zusatzinformationen zur Szenerie des Diskurses mit einem lexikalischen Hinweis erwähnt.

* Als Nichtphilologe verwendet der Autor je nach Verfügbarkeit deutsche, englische, manchmal spanische, französische oder italienische Übersetzungen, was ja schon eine Interpretation ist. Doch die übersetzten Formulierungen wurden in besonders kritischen Fällen in der Originalsprache oder zumindest gegen eine andere Übersetzung gegengeprüft (soweit solche verfügbar sind).

Weiter ins Detail führende Literatur findet man in den Literaturangaben in den verwendeten Werken selbst.

Der Autor hat sich bemüht, einerseits nach Möglichkeit aktuell zu bleiben, aber auf der anderen Seite sich nicht in laufende, noch nicht entschiedene Diskussionen einzumischen, wohl wissend, dass eine für alle befriedigende Balance zwischen diesen Positionen kaum möglich ist. Doch er lädt den Leser zu einer Kulturreise über vierein- halb Jahrtausende Geschichte ein. Es wird eine Odyssee sein, aber keine Irrfahrt. Der Leser wird kulturphilosophisch wenig beachtete Landschaften kennen lernen. Nach dieser Reise erwartet ihn der heimatliche Hafen, aber er wird ihn mit neuen Augen sehen.

Danksagung: Meinen Lehrern: Ireneus Galambos (OSB), Gellert Bekes (OSB), Freitag von Löringhoff, Walter Schulz, Ernst Bloch, Otto Friedrich Bollnow, Wofgang Wieland, Kai-Uwe Brodersen, Karen Piepenbrink, Lothar Kreimendahl, Hans Peter Kraft danke ich für die vielen Anregungen, die mich zur Beschäftigung mit dem Kulturkomplex „Artes im gesellschaftlichen Diskurs“ geführt haben. Für wertvolle kritische Gespräche danke ich Robert Nitzschmann. Ihnen allen sei diese Untersuchung in Dankbarkeit zugeeignet.