Atlan 636: Der Vasall - Falk-Ingo Klee - E-Book

Atlan 636: Der Vasall E-Book

Falk-Ingo Klee

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Beschreibung

Die Verwirklichung von Atlans Ziel, in den Sektor Varnhagher-Ghynnst zu gelangen, um dort den Auftrag der Kosmokraten zu erfüllen, scheint außerhalb der Möglichkeiten des Arkoniden zu liegen. Denn beim entscheidenden Kampf gegen Hidden-X wurde Atlan die Grundlage zur Erfüllung seines Auftrages entzogen: das Wissen um die Koordinaten von Varnhagher-Ghynnst. Doch Atlan gibt nicht auf! Im Bewusstsein, sich die verlorenen Koordinaten wieder besorgen zu müssen, folgt der Arkonide einer Spur, die in die Galaxis Xiinx-Markant führt, wo die SOL in erbitterte Kämpfe verwickelt wird. Schließlich, gegen Ende des Jahres 3807 Terrazeit, muss die SOL den Sturz ins Nichts wagen, und sie gelangt dabei nach Bars-2-Bars, der aus zwei ineinander verschmolzenen Galaxien bestehenden Sterneninsel. Die Verhältnisse dort sind mehr als verwirrend, wie die Solaner bald erkennen müssen. Doch sie tun ihr Bestes, die Verhältnisse zu ordnen, indem sie die Völker der künstlich geschaffenen Doppelgalaxis, die einander erbittert bekämpfen, zum Frieden zu bewegen versuchen. Anti-ES ist natürlich über die jüngsten Aktivitäten der Solaner in Bars-2-Bars informiert. Die in der Namenlosen Zone festgehaltene Superintelligenz beschließt daher Gegenmaßnahmen. Eine davon ist DER VASALL ...

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Nr. 636

Der Vasall

Ein Solaner wird konditioniert

von Falk-Ingo Klee

Die Verwirklichung von Atlans Ziel, in den Sektor Varnhagher-Ghynnst zu gelangen, um dort den Auftrag der Kosmokraten zu erfüllen, scheint außerhalb der Möglichkeiten des Arkoniden zu liegen. Denn beim entscheidenden Kampf gegen Hidden-X wurde Atlan die Grundlage zur Erfüllung seines Auftrages entzogen: das Wissen um die Koordinaten von Varnhagher-Ghynnst.

Doch Atlan gibt nicht auf! Im Bewusstsein, sich die verlorenen Koordinaten wieder besorgen zu müssen, folgt der Arkonide einer Spur, die in die Galaxis Xiinx-Markant führt, wo die SOL in erbitterte Kämpfe verwickelt wird. Schließlich, gegen Ende des Jahres 3807 Terrazeit, muss die SOL den Sturz ins Nichts wagen, und sie gelangt dabei nach Bars-2-Bars, der aus zwei ineinander verschmolzenen Galaxien bestehenden Sterneninsel.

Die Verhältnisse dort sind mehr als verwirrend, wie die Solaner bald erkennen müssen. Doch sie tun ihr Bestes, die Verhältnisse zu ordnen, indem sie die Völker der künstlich geschaffenen Doppelgalaxis, die einander erbittert bekämpfen, zum Frieden zu bewegen versuchen.

Die Hauptpersonen des Romans

Kerness Mylotta – Ein Solaner wird konditioniert.

Clya Fersjon – Chefin der Astronomischen Abteilung der SOL.

Atlan und Breckcrown Hayes – Sie suchen nach Übergängen in die Namenlose Zone.

Tyrol Gutfleisch – Kreuzerkommandant der SOL.

Blödel

1.

Die Orientierungssysteme der SOL waren so vielfältig wie die eines Lebewesens. Orter und Taster ersetzten quasi den Gesichtssinn, aber es gab noch eine Art drittes Auge – die Astronomische Abteilung. In der Vergangenheit hatten die Sternenkundler oft genug bewiesen, dass sie keinesfalls überflüssig waren. Mehr als einmal waren sie es gewesen, die erste Daten lieferten, dann wieder konnten sie mit wichtigen Details aufwarten, die den Verantwortlichen die Entscheidung erleichterte.

Die astronomische Sektion befand sich in der Polkuppel der SZ-1. Kernstück der technischen Einrichtungen war das SPARTAC-Energieteleskop, ein Hochleistungsgerät, das bis zum Jahre 3460 auf der Erde entwickelt worden war und später modifiziert und verbessert auch in den Hantelraumer integriert wurde.

Grundsätzlich funktionierte diese Konstruktion wie ein herkömmliches Spiegelteleskop, war einem solchen jedoch durch seine Größe und Genauigkeit millionenfach überlegen, wobei sich die Abmessungen nicht auf die Anlage als solches bezogen, sondern auf die »Brennweite«.

Anders als einfache Fernrohre, deren Objektlinse die Bildränder durch Lichtbrechung verfärbt, arbeitet ein Spiegelteleskop mit einem Hohlspiegel. Er fehlte beim SPARTAC-Energieteleskop, statt dessen erzeugten Projektoren ein Energiefeld, das bis zu sechstausend Kilometer im Durchmesser freischwebend im Weltraum aufgebaut wurde und sogar in gewissem Maß schwenkbar war, generell aber den Bewegungen der SOL folgte.

Das SPARTAC-Energieteleskop war ein sensibles Instrument, das nur von wenigen Männern und Frauen an Bord der SOL wirklich beherrscht wurde. Zu ihnen gehörte die Chefin der Astronomischen Abteilung, Clya Fersjon. Mitarbeitern, die sich darüber ärgerten, dass sie SPARTAC zwar bedienen konnten, jedoch keine optimalen Ergebnisse erzielten, pflegte sie entgegenzuhalten:

»Auch jemand, der gut mit einem Messer umgehen kann, ist deshalb noch lange kein Chirurg.«

Es war dann jedes Mal Kerness Mylotta, der seine enttäuschten Kollegen tröstete. Er war nicht nur der Stellvertreter von Clya Fersjon, sondern auch derjenige, der so virtuos wie kein anderer auf der Klaviatur von SPARTAC zu spielen wusste.

Das lag daran, dass der Solaner nicht nur ein ausgezeichneter Astronom war, sondern auch ein Halbmutant, ein Hyperenergiesensor. Auf Hyperenergieanteile reagierte er so sensibel, als wäre sein Körper ein einziges organisches Messinstrument von besonderer Güte. Mylotta wusste um seine außergewöhnliche Fähigkeit, hatte aber keine Erklärung dafür. Er sprach auch nicht darüber. Seine Umwelt akzeptierte ihn als SPARTAC-Spezialisten.

Kerness Mylotta war 1,92 m groß, sehr kräftig, fast bullig. Er war ungewöhnlich hellhäutig von fast albinotischem Weiß. Einen sehr scharfen Kontrast dazu bildeten die pechschwarzen Haare, die er halblang trug und über der Stirn mit einem schwarzen Tuch zusammengebunden hatte.

Das kantige Gesicht wurde beherrscht von einem kurzgeschnittenen Bart, der Mund- und Kinnpartie bedeckte und von buschigen Brauen, die an der Nasenwurzel zusammenstießen und die grauen Augen fast zu überwuchern schienen. Die scharfrückige Nase wirkte wie aus Marmor gemeißelt, kalkige Haut spannte sich über leicht hervortretenden Wangenknochen.

Ein Quadratdezimeter schneeweißer Haut, umrahmt von schwarzem Haupthaar, schwarzem Bart und schwarzen Brauen ließen sein Antlitz dämonisch erscheinen. Dazu trug auch bei, dass er stets eine eng anliegende schwarze Kombination trug.

Wer ihn näher kannte, wusste, dass der äußere Schein trog. Mitarbeiter und Vorgesetzte schätzten den vierundfünfzigjährigen Junggesellen als liebenswerten, netten Menschen, der immer entgegenkommend und hilfsbereit war.

Niemand wusste dagegen, dass Mylotta genaugenommen ein Bordmutant war. Auf seiner Stirn befand sich ein dunkler Fleck, der an ein drittes Auge erinnerte. Dieses Geheimnis hatte er keinem offenbart, denn er hielt es für eine Art Kainsmal, dessen er sich schämte. Deshalb schlang er stets das schwarze Tuch um den Kopf, oder er verdeckte das äußerliche Zeichen der Mutation durch eine schwarze Mütze mit breitem Schirm, die er tief in die Stirn zog.

Kerness Mylotta hatte in den ersten Stunden des 1. 1. 3754 das Licht der Welt erblickt, also siebenunddreißig Jahre vor dem Tag, als Atlan an Bord der SOL gelangt war.

Damals waren die Bordmutanten nicht in die Gemeinschaft integriert worden, ganz im Gegenteil, die so genannten Monster waren gejagt und getötet worden, wo immer man ihnen begegnete. Besonders die SOLAG hatte sich darin hervorgetan, vornehmlich Brüder der zweiten Wertigkeit, wie die Vystiden genannt wurden. Es waren schlimme Zeiten für alle, die anders waren.

Mylottas Eltern hatten nicht zu den Behinderten gehört, sondern zu der großen Gruppe der Solaner, die ihr Dasein mehr schlecht als recht fristete.

Kerness' Mutter war im zweiten Monat schwanger, als sie von Angehörigen der SOLAG entführt wurde. Ihr Gefährte, sein Vater, hatte versucht, das zu verhindern. Heldenmütig war er mit blanken Fäusten auf die Bewaffneten losgegangen, doch er bezahlte seinen Einsatz mit dem Leben.

Vertina Milota-Ibsend wurde in einen anderen Teil der SOL verschleppt und zum Dienst bei den Ferraten gepresst. Ungeachtet dessen, dass sie ein Kind unter dem Herzen trug, musste sie Arbeiten verrichten, die gesundheitlich bedenklich waren und sie auch unkontrollierter Gammastrahlung aussetzten.

Ein paar Freunde, die zu einer der Widerstandsgruppen gehörten, spürten sie auf und verhalfen ihr sieben Wochen vor der Entbindung zur Flucht.

Als ihr Kind zur Welt kam – eben Kerness –, erkannte Vertina Milota-Ibsend, die sich jetzt Eleo Mylotta nannte, dass die verhängnisvolle radioaktive Strahlung nicht ohne Einfluss auf das Ungeborene geblieben war. Trotzdem ließ sie ihren Sohn registrieren, um ihm ein Leben als Außenseiter zu ersparen, vermied aber geschickt entlarvende Informationen und Datenspeicherungen. Kerness Mylotta existierte also offiziell, war jedoch ein unbeschriebenes Blatt. So etwas war natürlich nur möglich bei dem Chaos, das damals auf der SOL herrschte.

Vaterlos, doch wohlbehütet von einer fürsorglichen und zugleich wachsamen Mutter, wuchs er auf. An Liebe fehlte es ihm nicht, eher an Erfahrungen, denn sein Umgang wurde sorgfältig ausgewählt. Und seit er denken konnte, trug er einen Pagenschnitt, um das verräterische Mal auf der Stirn zu verdecken.

Als seine Mutter mit neunundvierzig Jahren an den Spätfolgen der radioaktiven Strahlung starb, war der achtzehnjährige Junge auf sich selbst gestellt. Er wusste, dass er nicht völlig der Norm entsprach, aber Behinderte sah er zum ersten Mal nach dem Tod von Eleo Mylotta alias Vertina Milota-Ibsend. Es waren bedauernswerte Geschöpfe, deren Erbschäden und organische Fehlbildungen so gravierend waren, dass sie sich nicht kaschieren ließen.

Sie taten Kerness leid, aber identifizieren konnte er sich nicht mit ihnen, er fühlte sich ihnen nicht zugehörig. Er hatte immer unter normalen Solanern gelebt, und für einen solchen hielt er sich auch – mit einer Einschränkung: Sie betraf seine besondere Fähigkeit und den augenähnlichen dunklen Fleck auf der weißen Haut.

Sein Bemühen, dieses Geheimnis vor allen anderen zu verbergen, hatte sein Verhalten zum anderen Geschlecht ebenso bestimmt wie ihn das Bild der allgegenwärtigen Mutter geprägt hatte. Es gab eine Menge Mädchen und Frauen in seinem Leben, mit denen er befreundet war, aber vor einer allzu engen Bindung schreckte er zurück. Sah man einmal von seiner Arbeit ab, war er ein ausgesprochener Einzelgänger, doch er haderte nicht mit seinem Schicksal, weil er in seiner Tätigkeit Erfüllung fand und mit seiner Umwelt ausgezeichnet auskam.

In besonderem Maß galt das für seine Beziehung zu Clya Fersjon. Er schätzte sie nicht nur aufgrund ihres Wissens und Könnens, er mochte auch ihre joviale, manchmal burschikose Art und ihre Geradlinigkeit. Die Mutter von Zwillingen war dreizehn Jahre älter als Mylotta, keine ausgesprochene Schönheit, aber eine aparte Frau, auf der manches männliche Auge mit Wohlgefallen ruhte.

Das zarte Persönchen war mit seinen 162 Zentimetern alles andere als ein Riese, doch das lag wohl daran, dass ihre Vorfahren aus dem Inselreich Ostasiens stammten, dabei war ein negroider Einschlag unverkennbar. Das schwarze Haar war nicht glatt, sondern lockig bis kraus, die Farbe der Haut war ein helles Braun, die Augen dagegen waren mandelförmig.

Auch Clya Fersjon mochte ihren fähigen Stellvertreter, ohne zu ahnen, dass dieser sympathische Mann sie umbringen würde.

Hätte man Kerness Mylotta gesagt, dass er seine Vorgesetzte ermorden würde, er hätte laut gelacht. Dabei stand das Datum schon fest: Es war der 5. Februar 3808.

*

04.02.3808, Astronomische Sektion, Nachtphase. Üblicherweise war dieser Sektor der SZ-1 während der Ruhepause ziemlich verwaist, doch angesichts der dramatischen Ereignisse der letzten Stunden und Tage bestand auch für diese Abteilung erhöhte Alarmbereitschaft.

Sechs Wissenschaftler, drei Techniker und zwei angehende Astronomen taten in der oberen Polkuppel Dienst, ferner eine Anzahl Roboter. Sie waren eine Art Eingreifreserve für den Fall, dass ein Defekt auftrat.

Alle wichtigen Positionen waren besetzt. Clya Fersjon hatte die Einteilung vorgenommen, und obwohl es ihr aufgrund ihrer Stellung niemand übelgenommen hätte, wenn sie das Bett dem Dienst vorgezogen hätte, war sie auf dem Posten.

Zusammen mit Hamilton Zwaykel hielt sie sich in der Auswertungszentrale des SPARTAC auf. Dem dunkelhäutigen Solaner fehlte zwar das Genie eines Kerness Mylotta, aber er war ein erfahrener Mann, der astronomische Daten nicht nur einfach registrierte, sondern auszuwerten und zu interpretieren verstand.

Der Panoramabildschirm zeigte die Sonne Czett, jenes Gestirn also, das von dem Planeten Duusnorz umkreist wurde, auf dem die SOL gelandet war. Überraschungen hatte der Stern nicht mehr zu bieten, denn er war bereits vermessen und katalogisiert worden.

Über die Monitore und Datensichtgeräte flimmerten pausenlos Zahlenkolonnen, Formeln, Zeichen und graphische Darstellungen. Die Informationen hatten lediglich statistischen Wert, denn sie zeigten weder gravierende Veränderungen noch eine wie auch immer geartete Bedrohung an.

Die Kontrollleuchten strahlten in beruhigendem Grün. Das bedeutete, dass alle technischen Systeme einwandfrei funktionierten und die Verbindungen zu den einzelnen Unterabteilungen und zur Ortungsabteilung intakt waren. Entspannt saßen die beiden Solaner in ihren Sesseln.

»Das Abendessen war mal wieder eine Zumutung«, brummte Zwaykel. »Drei Menüs zur Auswahl gab es laut Aushang, dabei wette ich, dass alle drei aus demselben Kessel kamen und erst anschließend mit Aromastoffen angereichert wurden. Zwei schmeckten nach Fisch, das dritte Essen nach überhaupt nichts. Der Leiter der Robotküche hat diesen Fraß wahrscheinlich noch nicht einmal probiert.«

»Also, mir hat es geschmeckt«, sagte Clya Fersjon.

Der Astronom richtete sich in seinem Sitz auf und blickte sie entgeistert an.

»Ist das dein Ernst?«

»Ja. Warum sollte ich dich anlügen?«

»Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten ...«

»Eben.« Die Frau lächelte entwaffnend. »Vielleicht sind es deine Geschmacksnerven, die nicht der Norm entsprechen.«

»Das kann ich nicht auf mir sitzen lassen.« Der Wissenschaftler rollte aufgeregt mit den Augen. »Jeder weiß, dass ich eine sehr sensible Zunge besitze. Ich ...« Abrupt brach er ab und starrte auf eine Konsole, die übergangslos Rotlicht zeigte. »Was ist denn das?«

»Die Anzeige einer Funktionsstörung.«

»Das sehe ich, aber was hat das zu bedeuten?«

»Dass entweder die Datenleitung unterbrochen ist, oder dass das SCN-Spiegelteleskop ausgefallen ist.« Die Solanerin stellte eine Interkomverbindung zum Observatorium her. »Aber das werden wir gleich genau wissen.«

Der Bildschirm erhellte sich und zeigte das Gesicht einer wohlgenährten Frau, die etwa achtzig bis neunzig Jahre alt sein mochte. Sie war übertrieben stark geschminkt, ohne dass das Make-up die männlich-herben Züge zu verdecken vermochte.

»Ich wollte dich gerade anrufen«, schrillte die Dicke mit Fistelstimme. »Das ...«

»Ist das Teleskop defekt?«, unterbrach Clya Fersjon.

»Nein, es funktioniert einwandfrei. Die Fehlerquelle muss in der Datenübertragung zu suchen sein.«

»Hast du schon entsprechende Maßnahmen eingeleitet?«

»Nein, ich wollte dir nicht vorgreifen.«

»Gut so, Victorin. Ich kümmere mich darum.«

Die Chef-Astronomin trennte die Verbindung und wählte einen anderen Anschluss. Hang Vliegen, der verantwortliche Ingenieur, meldete sich sofort. Er grinste spitzbübisch.

»Du brauchst nichts zu sagen, Clya, ich weiß Bescheid. Und es ist bereits ein Trupp unterwegs, um den Schaden zu beheben.«

»Alle Achtung, du bist wirklich ein fixer Junge«, lobte die Solanerin.

»Wie du siehst, haben selbst wir Techniker unsere lichten Momente.« Er tippte mit dem rechten Zeigefinger lässig an die Schläfe und wollte abschalten. »Moment, Clya, die ausgeschickten Roboter melden sich.«

Hang Vliegen beugte sich zur Seite und lauschte. Das jungenhafte Grinsen machte dem Ausdruck des Erstaunens Platz. Stirnrunzelnd wandte er sich wieder an die Astronomin.

»Es war kein technischer Defekt, sondern Sabotage. Irgend jemand hat einen Teil der Wandverkleidung demontiert und die Leitung zerschnitten.«

Überrascht blickten sich die Wissenschaftler an.

»Aber wer sollte so etwas tun?«

»Ich weiß es nicht. Die Automaten sind unterwegs niemandem begegnet.« Der Ingenieur kratzte sich am Ohr. »Soll ich Meldung machen?«

»Nein, Hang. Es ist ja kein gravierender Schaden entstanden, und Hayes und Atlan haben im Moment andere Sorgen.«

»Wie du meinst – es ist ja deine Abteilung.«

Vliegen schaltete ab, der Sichtschirm wurde dunkel. Gleich darauf zeigte die Kontrolleinheit für das Schmidt-Cassegrain-Norwood-Spiegelteleskop wieder Grünwerte.

»Nur ein Verrückter kann so etwas tun!«, sagte Hamilton Zwaykel im Brustton der Überzeugung. »Kein vernünftiger Mensch käme auf den Gedanken, nachts durch das Schiff zu geistern und Leitungen zu kappen.«

»Logisch ist eine solche Tat nicht«, stimmte Clya Fersjon zu. Nachdenklich rieb sie ihre Fingerspitzen aneinander. »Dennoch muss der oder die Unbekannte sich etwas dabei gedacht haben, ausgerechnet diese Verbindung zu durchtrennen.«

Der dunkelhäutige Mann drehte spielerisch seinen Sessel, dabei fiel sein Blick eher zufällig auf eine externe Eingabeeinheit für die Positronik der Astronomischen Abteilung. In fluoreszierenden Lettern stand auf dem Datensichtfeld: DIESE KONSOLE ARBEITET NICHT MIT DEM SYSTEM. Der Astronom gab einen erstickten Laut von sich.

Alarmiert schreckte Clya Fersjon hoch. Ihr Blick folgte dem ausgestreckten Arm. Auf Anhieb erfasste sie nicht nur die Störung als solche, sondern auch Art und Ursache.

»Die Leitung ist intakt. Nach der Meldung zu urteilen muss die Verbindung zur Positronik gestört sein oder ...«

»Oder jemand hat von einer Sub-Konsole aus diesen Anschluss blockiert«, ergänzte Zwaykel.

Ohne eine Erwiderung abzuwarten, sprang er auf und eilte zu einem anderen Terminal. Wie eigenständige Lebewesen huschten seine Finger über die Tasten.

Die Solanerin beobachtete ihn stumm. An seiner Mimik konnte sie ablesen, dass er keinen Erfolg hatte. Sie behielt Recht.

»Die Blockierung lässt sich nicht aufheben. Sage Hang Bescheid, er soll seine Roboter in den Positronikraum schicken.«

Wortlos nahm Clya Fersjon den Interkom in Betrieb. Bevor der Ingenieur seiner Verwunderung über den erneuten Anruf Ausdruck geben konnte, sagte sie schnell:

»Mich hat keineswegs die Sehnsucht nach dir übermannt, sondern ein weiterer Defekt.« Mit wenigen Worten erklärte sie, was vorgefallen war. »Du musst deine Robbies noch einmal in Marsch setzen.«

»Ihr haltet mich aber ganz schön auf Trab, dabei hatte ich mich auf eine ruhige Nacht eingerichtet.«

»Wir haben erhöhte Alarmbereitschaft«, sagte sie mit süffisantem Lächeln. »Oder hast du das vergessen?«