Atlan 817: Vorstoß ins Domium - Falk-Ingo Klee - E-Book

Atlan 817: Vorstoß ins Domium E-Book

Falk-Ingo Klee

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Beschreibung

Nach der großen Wende in Manam-Turu, die sich im August 3820 vollzog, haben sich Atlan, Anima und Chipol, die Vorkämpfer ebendieser positiven Entwicklung, anderen Zielen zuwenden können. Fartuloon jedoch, Atlans alter Lehrmeister, findet sich nach seinem plötzlichen Verschwinden noch vor der Wende in Manam-Turu nicht nur räumlich, sondern auch körperlich versetzt. Er verwandelt sich erneut in Colemayn, den Sternentramp, und gelangt wieder in die Galaxis Alkordoom, wo er mit Geselle, seinem robotischen Gefährten, bald in Gefangenschaft gerät. Jetzt, im November 3820, sind die Gefangenen der Yekdemper längst wieder in Freiheit. Nach dem Kampf auf Gorfu erfahren sie von ihrem sterbenden Gegner Koordinaten, die einen Ort im Nukleus von Alkordoom bezeichnen. Die HORNISSE macht sich dorthin auf den Weg, und Geselle, der Roboter, unternimmt einen Alleingang, wobei er in eine Falle tappt. Atlan und Co., die inzwischen ebenfalls in Alkordoom zugange sind, müssen sich mit Unbekannten herumschlagen. Erfolge und Misserfolge wechseln einander ab - und der Arkonide und seine Gefährten haben es nicht leicht beim VORSTOSS INS DOMIUM ...

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Nr. 817

Vorstoß ins Domium

Der Gegner macht mobil

von Falk-Ingo Klee

Nach der großen Wende in Manam-Turu, die sich im August 3820 vollzog, haben sich Atlan, Anima und Chipol, die Vorkämpfer ebendieser positiven Entwicklung, anderen Zielen zuwenden können.

Fartuloon jedoch, Atlans alter Lehrmeister, findet sich nach seinem plötzlichen Verschwinden noch vor der Wende in Manam-Turu nicht nur räumlich, sondern auch körperlich versetzt. Er verwandelt sich erneut in Colemayn, den Sternentramp, und gelangt wieder in die Galaxis Alkordoom, wo er mit Geselle, seinem robotischen Gefährten, bald in Gefangenschaft gerät.

Jetzt, im November 3820, sind die Gefangenen der Yekdemper längst wieder in Freiheit. Nach dem Kampf auf Gorfu erfahren sie von ihrem sterbenden Gegner Koordinaten, die einen Ort im Nukleus von Alkordoom bezeichnen.

Die HORNISSE macht sich dorthin auf den Weg, und Geselle, der Roboter, unternimmt einen Alleingang, wobei er in eine Falle tappt.

Die Hauptpersonen des Romans

Atlan – Der Arkonide startet zum DOMIUM.

Anima, Chipol, Neithadl-Off und Goman-Largo – Atlans Gefährten.

Raanak – Der Paddler stellt ein Raumschiff zur Verfügung.

Dartfur – Raanaks Blitzmonteur.

Dopur – Atlans Gegenspieler.

1.

Alle, die sich im Aufenthaltsraum des von den Paddlern umgerüsteten Time-Shuttles aufhielten, vergegenwärtigten sich noch einmal das Bild Little Brothers, jenes Planeten, der im Sturm von sechsdimensionalen Energien regelrecht vergangen war. Chipol sprach aus, was alle dachten.

»Es war unser Glück, dass Raanak zur Stelle war.« Er seufzte abgrundtief. »Das hätte leicht ins Auge gehen können.«

»Ich höre immer Auge«, ereiferte sich Neithadl-Off. »Von meinen Sensorstäbchen ist natürlich wieder nicht die Rede.«

»Nun sei doch nicht gleich eingeschnappt, Prinzessin.« Versöhnlich tätschelte Goman-Largo den trampolinähnlichen Rücken der Parazeit-Historikerin. »Es ist eine Redewendung, nichts weiter. Und wichtig ist doch nur, dass wir noch einmal davongekommen sind, findest du nicht?«

»Im Prinzip ja, allerdings erhebt sich die Frage, ob auch das Ziel unseren Vorstellungen entspricht«, pfiff die Vigpanderin. »Wir sind nämlich angekommen, aber den Intern-Kosmos und die Plattform habe ich anders in Erinnerung.«

Anima, die gedankenverloren in einem Formsessel kauerte, schreckte hoch. Beinahe reflexhaft blickte sie zu einem der Bildschirme. Sie waren in Betrieb, und die Optiken übertrugen nicht irreale Aufnahmen, sondern gaben gestochen scharf eine Umgebung wieder, die existent war. Die Ausdehnungen waren nicht nur endlich, sondern sogar überschaubar.

»Wir sind in einer Halle gelandet«, entfuhr es ihr. »Was hat das zu bedeuten?«

Bevor Neithadl-Off zu einer weitschweifigen Erklärung ausholen konnte, die nicht unbedingt der Wahrheit entsprechen musste, betrat Raanak die Kabine, gefolgt von dem Arkoniden. Der Paddler, der die präparierte Zeit-Fähre gesteuert hatte, wirkte zerknirscht. Atlan machte ein ernstes Gesicht.

»Ich habe RA-perfekt verfehlt«, gestand der Kosmische Ingenieur freimütig. Wie immer steckte er in einem blütenweißen Overall, der stark mit der schwarzen Haut kontrastierte. »Verantwortlich dafür sind die 6-D-Energien, die die Cransurger geschaffen haben. Ich habe ihren Einfluss und ihre Intensität unterschätzt.«

»Dass sechsdimensionale Energien auch den außerhalb räumlicher Dimensionen existierenden Zeitgruft-Operator und damit auch den Time-Shuttle erreichen, hätte ich dir gleich sagen können«, behauptete die Vigpanderin kühn.

»Ich bin mir dessen ebenfalls bewusst, hatte jedoch nicht eine so extreme Wirkung erwartet«, gab Raanak leicht pikiert zurück.

»Streit und Besserwisserei bringen uns jetzt nicht weiter.« Der Aktivatorträger hob beschwichtigend die Hände. »Immerhin sind wir nicht ziellos herumgewirbelt worden und im Nichts hängengeblieben.«

»Und wo befinden wir uns?«, wollte der Daila wissen.

»Wie geplant hat die Zeit-Fähre eine der Raum-Dilatationen zwischen der Zeitgruft, dem Parklandschaft-Asteroiden und dem Zeitgruft-Operator von Big Sister benutzt, aber eben nicht exakt die, die ich angesteuert habe«, erklärte der Paddler. »Wir befinden uns in einer unbekannten Sektion der Zeitfestung.«

»Na also, dann hat es uns ja gar nicht so schlimm erwischt«, flötete Neithadl-Off. »Mein Modulmännchen und ich werden euch sicher zum Ziel bringen.«

Darauf würde ich nicht wetten, meldete sich lautlos der Extrasinn. Die Zeitfestung ist Feindesland, und der Orden der Zeitchirurgen ist immer noch äußerst gefährlich.

Das habe ich keine Sekunde lang vergessen, gab der Arkonide gedanklich zurück.

Aber deine vorwitzige Expertin für Halbwahrheiten. Du solltest ihren Tatendrang zügeln!

Atlan öffnete den Mund, um zur Besonnenheit zu mahnen, doch Goman-Largo, der bei dem Wort »Modulmännchen« das Gesicht verzog, als hätte er Zahnschmerzen, kam ihm zuvor.

»Wir werden nichts überstürzen und mit der gebotenen Vorsicht ans Werk gehen.«

»Natürlich, Gomännchen«, tönte die Vigpanderin zuckersüß. »Du müsstest mich eigentlich lange genug kennen, um zu wissen, dass ich keine unnötigen Risiken eingehe und mich kopfüber in irgendwelche Abenteuer stürze.«

Chipol räusperte sich vernehmlich.

»Du zweifelst an meinen Worten, junger Mann? Als Beraterin des Khans von Ramaitel war ich Leitende Sicherheitsstrategin und habe in dieser Funktion sämtliche Fallensysteme aufgespürt und entschärft, die eine rebellische Positronik installiert hatte, um den Khan zu töten. Und der Imperator der Vereinigten Sternenreiche von Fryszehkl hat mir persönlich die Gefahrenspange 1. Ordnung verliehen, weil ich seine Flotte davor gewarnt habe, in einen nicht als solchen zu erkennenden Hinterhalt des Despoten Orschuid zu geraten, der die Fryszehkler unterwerfen wollte. Meine größte Tat war ...«

Der Absolvent der Zeitschule von Rhuf wusste, dass Neithadl-Off nicht zu bremsen war, wenn sie erst einmal ins Fabulieren geriet. Er stoppte ihren Redefluss mit einer Notlüge.

»Diese Begebenheiten hast du uns bereits ausführlich geschildert, wie jeder Anwesende bestätigen kann.«

»So? Daran kann ich mich überhaupt nicht erinnern.« Verunsichert fuhr sie ihre Sensorstäbchen etwas ein. »Na ja, ist ja auch nicht so wichtig. Immerhin wisst ihr, dass ihr euch bei mir in guten Händen befindet und sicher seid.«

Sie trippelte zum Schott, aber niemand machte Anstalten, ihr zu folgen. Unwillig blieb sie stehen und pfiff verärgert:

»Was ist, wollt ihr tatenlos herumlungern und die Sache aussitzen? Oder wartet ihr darauf, dass freundliche Helfer auftauchen und die Transfer-Kapsel zum Intern-Kosmos schieben?«

Raanak grinste breit und deutete auf einen Bildschirm.

»Der erste Schieber rollt bereits an.«

Irritiert betrachtete die Parazeit-Historikerin das sich nähernde Gebilde. Von wippenden Spinnenbeinen getragen, kam das messingfarbene Objekt langsam auf den Time-Shuttle zu. Es wirkte wie ein filigranes Kunstwerk, das ein unbekannter Meister aus feinen Metalldrähten geschaffen hatte. Von dem Roboter ging nichts Bedrohliches aus, Waffen waren nicht zu erkennen, dennoch betrachtete Atlan die zerbrechlich aussehende Maschine mit Misstrauen. Es konnte sein, dass sie Teil einer Anlage war, die auf die Ankunft der Zeit-Fähre reagiert hatte, denkbar war auch, dass der Automat dadurch aktiviert worden war und nun erkunden wollte, was es mit dem so unerwartet aufgetauchten Körper auf sich hatte. Eins war jedoch mit Sicherheit auszuschließen: dass der Roboter sie freundlich empfangen und willkommen heißen würde.

»Gefährlich oder harmlos?«, wollte Chipol von der Vigpanderin wissen.

»Was soll der Unsinn?«, fuhr sie den Daila an. »Ich bin Parazeit-Historikerin und keine Hellseherin.«

»Aber vorhin hast du ...«

»Raanak ist weg!«, rief Anima aufgeregt und sprang auf.

Niemand hatte in den letzten Sekunden auf den Paddler geachtet, und nun war er plötzlich verschwunden. Ratlosigkeit zeichnete sich auf den Gesichtern ab, selbst das Plappermäulchen Neithadl-Off blieb stumm, nur der Arkonide behielt einen klaren Kopf.

»Schließt die Anzüge und schaltet die Körperschutzschirme ein. Und dann nichts wie raus hier!«

Niemand stellte eine Frage, jeder kam der Aufforderung augenblicklich nach und stürmte zum Ausgang, eingehüllt in sein IV-Feld. Die Vigpanderin, die dem Ausstieg am nächsten war, hatte bereits den Kontakt betätigt. Quälend langsam öffnete sich das Schott. Kaum dass der Spalt groß genug war, um sie hindurchzulassen, zwängte sie sich hinaus. Ihr folgte Chipol, dann Goman-Largo und Anima, den Abschluss machte der Aktivatorträger.

Gerade als Atlan den ersten Fuß auf den Boden der Halle setzte, gab es einen ohrenbetäubenden Knall, eine heftige Detonation erschütterte den Time-Shuttle. Das Gefährt bäumte sich auf wie ein waidwundes Tier, grelle Glut hüllte es ein. Die Hülle wurde zerfetzt, als würde sie aus Papier bestehen, beinahe zeitlupenhaft knickten Stützen und statische Elemente zusammen. Wie vom Katapult geschnellt, sausten Aggregate und deformierte Gegenstände davon, das massive Schott wurde regelrecht zusammengeknüllt, aus seiner Verankerung gerissen und weggewirbelt.

Die gewaltige Druckwelle erfasste auch den Arkoniden und seine Gefährten. Ohne dass sie etwas dagegen tun konnten, wurden sie gepackt und hochgehoben, ein brüllender Sog aus kochenden Gasen und Splittern fegte durch die Halle und schleuderte sie davon wie hilflose Puppen. Die gellenden Schreie in den Helmfunkempfängern gingen im Geräuschorkan entfesselter Energien unter und verstummten abrupt. Tödliche Stille breitete sich aus.

*

Eine Sicherheitsautomatik schläft nicht. Sie hatte die Ankunft des Time-Shuttles geortet und angemessen, dass er nicht der Norm entsprach. Er war manipuliert worden und vermochte etwas, was die Transfer-Kapseln sonst nicht konnten: »Reiten« auf einer der Raum-Dilatationen zwischen der Zeitgruft und einem Zeitgruft-Operator. Ein solches Gefährt war höchst gefährlich, denn es ermöglichte Unbefugten, beliebig in die Zeitfestung einzudringen. Die Zeit-Fähre musste also vernichtet, seine Benutzer eliminiert werden.

Die Überwachungseinheit setzte einen harmlos aussehenden Roboter in Marsch, der nur ein Ziel kannte: Die Zerstörung des Time-Shuttles. Dass er dabei selbst seine Existenz verlieren würde, war in seinen Speichern verankert, denn der spinnenbeinige Automat war nichts weiter als eine mobile Bombe.

Kurz bevor die Maschine die in einem schmutzigen Graugrün gehaltene Zeit-Fähre erreichte, meldete sie den Ausfall positronisch gesteuerter Kompensatorfelder. Verbunden war damit ein unkontrollierbares Anwachsen der kritischen Masse.

Mittels Funkimpulsen versuchte die Sicherheitsautomatik, die brisante Ladung durch nachgeordnete Notfallsysteme innerhalb des Robotkörpers in einen halbaktiven Zustand zurückzuführen. Neutralisieren ließ sich der einmal begonnene Prozess nicht mehr, doch die so gewonnene Zeit konnte ausreichen, zum Ziel zu gelangen.

Der Versuch misslang. Zwei Meter vor dem Time-Shuttle verging der Automat in einer grellen Explosion. Zwar war die mobile Bombe um Sekunden zu früh hochgegangen, aber ihre vernichtende Wirkung reichte aus, um auch noch die Kapsel zu zerfetzen.

Als sich der Rauch verzogen hatte, übermittelten die optischen Überwachungsanlagen ein Bild aus der Halle. Fünf Lebewesen lagen bewegungslos am Boden, von dem sechsten fehlte jede Spur. Schon wollte die Kontrolleinheit einen Trupp Roboter losschicken, der nach dem Verschwundenen suchen sollte, als dieser plötzlich wie ein Geist just an der Stelle auftauchte, wo sich der detonierte Automat zuletzt befunden hatte.

Der Rechner war nicht zu verblüffen, allerdings erkannte er mit den in seinen Speichern verankerten Logik, dass zumindest diesem einen Eindringling mit konventionellen Methoden nicht beizukommen war. Da er jedoch noch über ganz andere Möglichkeiten verfügte, gab er keinen Sektionsalarm. Er bereitete eine Projektion und den Einsatz semiorganischer Kämpfer vor. Sie machten jedem Feind den Garaus ...

*

Raanak strich sich über seinen feuerroten Bart und musterte das Chaos ringsum. Von dem Roboter waren nur noch Atome vorhanden, der Time-Shuttle war zerfetzt.

Der Paddler hielt sich nicht lange mit der Betrachtung des Wracks auf. Sein Interesse galt seinen Begleitern. Sie lagen wie herabgefallenes Laub verstreut in der Halle herum. Ihre IV-Schirme waren noch intakt, aber niemand gab ein Lebenszeichen von sich.

Nur wenige Schritte von ihm entfernt lag Anima. Er ging zu ihr und beugte sich besorgt über sie. Täuschte er sich, oder hob und senkte sich die Brust rhythmisch? Äußere Verletzungen waren nicht zu entdecken, aber das musste nicht viel besagen, denn innere Blutungen waren weitaus gefährlicher. Die Augen der jungen Frau waren geschlossen.

»Anima«, rief er leise, »Anima, hörst du mich?«

Der Kosmische Ingenieur erhielt keine Antwort, dafür nahm er hinter seinem Rücken ein unterdrücktes Stöhnen wahr. Er drehte den Kopf und erkannte Atlan, der sich schwankend aufgesetzt hatte. Sein Blick wirkte entrückt, der Oberkörper pendelte hin und her wie bei einem Betrunkenen.

Raanak erhob sich aus der Hocke und eilte zu dem Aktivatorträger.

»Ich bin es, alter Freund. Erkennst du mich?«

»Ja, an deiner Stimme, vor meinen Augen ist noch alles verschwommen«, kam es schwach zurück. »Was ist mit Anima und den anderen?«

»Deine Gefährtin lebt, mehr kann ich im Augenblick nicht sagen. Bist du in Ordnung?«

»Es scheint so, doch ich habe das Gefühl, als wäre ich gerädert worden. Jeder einzelne Knochen tut mir weh.«

Mitfühlend betrachtete der Paddler den Arkoniden.

»Schalte dein Schirmfeld ab, damit ich dir zur Hand gehen kann.« Als der Unsterbliche zögerte, setzte der Dunkelhäutige rasch hinzu: »Derzeit droht uns keine unmittelbare Gefahr.«

Atlan gab sich damit zufrieden und desaktivierte den Individualschirm. Sofort war Raanak zur Stelle und stützte ihn, beförderte mit traumwandlerischer Sicherheit die Medobox seines Patienten zutage und verabreichte ihm eine Injektion aus schmerzstillenden Medikamenten und Kreislaufmitteln.

»Gleich wirst du dich besser fühlen.«

»Kümmere dich um die anderen, ich komme allein zurecht.«

Mühsam stemmte sich der Arkonide hoch, hatte allerdings Schwierigkeiten, das Gleichgewicht zu bewahren.

»Ich weiß nicht recht ...«

»Bitte tu, was ich dir sage.«

Unschlüssig blieb der Paddler stehen. Erst als Atlan einige unsichere Schritte machte, um zu beweisen, dass er keine Unterstützung benötigte, wandte er sich Chipol zu. Der Junge lag mit abgespreizten Gliedern da. Raanak fiel ein Stein vom Herzen, das dort seinen Sitz hatte, wo beim Menschen das Nierenbecken liegt. Der Daila atmete, seine Mundwinkel zuckten, ein deutliches Anzeichen dafür, dass der Verstand sich bemühte, den Körper wieder unter Kontrolle zu bekommen.

Ein schriller, misstönender Pfiff zerriss die immer noch greifbare Stille. Wie von der Tarantel gestochen, warf sich der Dunkelhäutige herum, doch er entspannte sich sogleich wieder. Die vermeintliche Bedrohung entpuppte sich als erste Reaktion der aus ihrer Ohnmacht erwachten Vigpanderin.

»Bei allen Parazeitebenen, das werde ich dem verantwortlichen Fiesling heimzahlen«, brabbelte sie. »Niemand springt so ungestraft mit einer Prinzessin um, die sieben Galaxien bereist hat und mit den höchsten Orden und Ehrungen überhäuft wurde. Ich werde die Sternenflotte des Vierhundert-Sonnen-Reichs anfordern, deren Ehrenadmiral ich bin, die Sippe der Zukunftswandler, die mir noch einen Gefallen schuldig ist, wird hier aufräumen, ich werde ...«

»Neithadl-Off!« Die Anrede Goman-Largos war förmlich, seine Stimme klang jämmerlich. »Bitte schweig. Ich fühle mich elend, mein Kopf ist ein einziges Hammerwerk.«

»Wie du meinst, mein Modulmännchen«, zwitscherte das exotische Frauenzimmer und wieselte zu ihrem geliebten Gefährten. »Ich will nicht, dass du leidest. Soll ich dich massieren, willst du dich auf mich betten?«

»Du meinst, ich soll mich wirklich auf dich legen?«

»Oh!« Ihre Sensorstäbchen verfärbten sich und signalisierten, wie verlegen sie war. »Deine schmutzigen Gedanken beweisen mir, dass du bereits wieder voll und ganz der alte bist und meiner Hilfe nicht bedarfst.«

Empört trippelte sie davon. Ziemlich perplex rief ihr der Spezialist der Zeit nach:

»Du hast doch schon alles mögliche auf dir herumgetragen. Was macht das für einen Unterschied, wenn ich dieser Jemand bin?«

»Das müsstest du selbst am besten wissen«, gab die Parazeit-Historikerin eingeschnappt zurück. »Ich bin eine Dame, und ich dulde es nicht, dass meine Ehre so in den Schmutz gezogen wird. Merk dir das gefälligst, Goman-Largo!«