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Atlas der arthroskopischen Anatomie E-Book

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Beschreibung

Präzise Kenntnisse der Anatomie und Topographie gehören zu den wichtigsten Grundlagen, auf die sich Chirurgen bei arthroskopischen Gelenkeingriffen verlassen. Jedoch kann es immer wieder auch eine Herausforderung sein, sich im Bereich der Gelenke zu orientieren.

Knapp 500 herausragende Abbildungen aus Anatomie und Operationssaal helfen, die Lage der großen Gelenke des Körpers – Schulter-, Ellenbogen-, Hand-, Hüft-, Knie- und Sprunggelenk sowie deren umliegende Strukturen zu lokalisieren. Sie erhalten unverzichtbare technische Tipps und wertvolle Hinweise zur Vermeidung von Verletzungen neurovaskulärer Strukturen, z.B. durch arthroskopische Instrumentierung während der Portalanlage.

Neben den strukturierten Detailinformationen, z.B. zu diagnostischen und therapeutischen Indikationen, sehen Sie großformatige arthroskopische Aufnahmen in bester Qualität.

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EPUB

Seitenzahl: 161

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Atlas der arthroskopischen Anatomie

Cristian Blanco Moreno

Übersetzt von Matthias Brockmeyer

1. Auflage

492 Abbildungen

Widmung

Für meinen Vater, Ricardo Blanco Baeza, der verstarb bevor dieses Werk beendet wurde – er wäre wirklich stolz gewesen, dieses Buch zu sehen. Er war ein ehrlicher Mann mit starken Werten, der wusste wie man diese Werte an seine Lieben weitergibt, und ein aufrichtiger und zutiefst mitmenschlicher Doktor. Für meine Familie, Colette, Agustin, Amanda und Antonio. Vielen Dank für Eure Geduld und dafür, meine Zeit zu Hause zu teilen.

Vorwort

Wir präsentieren Ihnen mit der Zufriedenheit und dem gesunden Stolz derer, die einen langen Weg gereist sind, die erste Ausgabe des Atlas der arthroskopischen Anatomie. Als Leiter dieses Projektes möchte ich zuerst Gott danken, dass er uns die Möglichkeit gegeben hat, eine Arbeit dieser Art durchzuführen, und dass er uns die Voraussetzungen und den Geist gewährt hat, diese abzuschließen. Alle arthroskopischen Chirurgen, die an diesem Buch mitgearbeitet haben, wurden ausgewählt, weil sie eine Referenz auf ihrem betreffenden Fachgebiet und darüber hinaus Spezialisten mit hervorragenden menschlichen Qualitäten und höchstklassigen fachlichen und akademischen Fähigkeiten sind. Es war ein Privileg mit einer solchen auserlesenen Gruppe von Spezialisten der arthroskopischen Chirurgie zusammenzuarbeiten, wenngleich es die Schwierigkeit in sich trug, die Zusammenarbeit von Ärzten mit engen Zeitplänen zu koordinieren. Daher würdigen wir ihre Beiträge zu diesem Projekt. Darüberhinaus gewährte uns die Zusammenarbeit mit dem Institut für Anatomie der Universidad de Los Andes in Santiago, Chile, unter der Leitung von Professor Juan Carlos López, eine fundierte wissenschaftliche Unterstützung. Die Erfahrung der Zusammenarbeit mit dem medizinischen Gebiet der Anatomie war von großem Wert, weil sie eine der wichtigsten Grundlagen ist, auf die sich ein Chirurg bei seiner Arbeit verlässt. Die Arbeit im Institut für Anatomie, welche die Logistik für die arthroskopischen Operationen an Leichen und die nachfolgende Präparation der Gelenke umfasste, erforderte eine außergewöhnliche Koordination von Unterstützungspersonal, Gerätetechnikern und arthroskopischen Systemen. Die fotografische Arbeit erforderte umfangreiche, die Arthroskopien begleitende Sitzungen und Beratungen über die Qualität der Bilder. Es wurden viele Stunden für die Texterstellung, die Auswahl jeder arthroskopischen Aufnahme und ihrer Beziehung zur Außenansicht und realen Anatomie aufgebracht, ganz zu schweigen von der Bearbeitung jedes Kapitels mit umfangreichen Korrekturen. In dieser Hinsicht war die geduldige und engagierte Arbeit des fotografischen, redaktionellen und Grafikdesign-Teams ausgezeichnet. Wir sind davon überzeugt, dass dieses Buch ein wichtiges Werkzeug sein wird für Ärzte, die sich zum ersten Mal mit arthroskopischen Techniken an großen Gelenken befassen, und für orthopädische Chirurgen, die diese Operationen nicht so häufig durchführen wie an großen Referenzzentren. Ärzte, die an der Lehre von Orthopädie und Unfallchirurgie sowie arthroskopischer Chirurgie beteiligt sind, werden dieses Buch ebenfalls als nützlich erachten. Schlussendlich, aber nicht weniger wichtig, steht der Patient im Mittelpunkt dieser Bemühungen. Die Motivation zu diesem Projekt bestand darin, arthroskopischen Chirurgen ein wichtiges Orientierungsinstrument für die Anatomie zu bieten, die das zu behandelnde Gelenk umgibt, und zur gleichen Zeit eine verständliche Übersicht der Beziehungen zwischen den wichtigen anatomischen Strukturen zu liefern, die bei der Anlage der Portale verletzt werden könnten. Werden derartige Verletzungen oder Komplikationen bei einem Patienten vermieden, haben sich die intellektuellen Anstrengungen gelohnt. Um zeitlos zu sein, wurde dieses Buch mit zuverlässigen anatomischen Informationen konzipiert. Daher haben wir bewusst keine klinischen Daten berücksichtigt. Ein Text mit diesen Besonderheiten ist kein reines technisches Werk und beruht nicht ausschließlich auf den beteiligten Spezialisten. Neben dem nötigen geistigen Antrieb stand hinter diesem Ergebnis eine enorme organisatorische Arbeit, geduldige Koordination, eine feine und akkurate kritische Analyse. All das leistete die Projektleiterin, Colette Epple, die meine Frau ist und – gottlob – es auch nach der Veröffentlichung dieses Buches bleibt.

Dr. Cristian Blanco Moreno

Santiago de Chile

Danksagung

Universidad de Los Andes in Santiago, Chile, und ihr Institut für Anatomie Danke für den Glauben an dieses Projekt vom allerersten Augenblick an und danke an alle Mitarbeiter des Instituts für Anatomie, die ihre Fähigkeiten und Weisheit geteilt haben. Wir würdigen die Möglichkeit, ihre hervorragenden Räumlichkeiten für die arthroskopischen Prozeduren an Leichenpräparaten und später für Präparationen der Gelenke, die in diesem Werk untersucht wurden, nutzen zu dürfen. Besonderer Dank gilt Marcos Valenzuela, der die Arbeitssitzungen im Labor organisiert hat und während der Sezierung und Präparation der Leichenpräparate entscheidend war.

HELICO Santiago, Chile Danke für die logistische Unterstützung während der arthroskopischen Prozeduren, die im Institut für Anatomie der Universidad de Los Andes durchgeführt wurden, was Personal und Ausrüstung und ihren Einsatz über 3 Monate außerhalb des üblichen Arbeitsplatzes erforderlich machte. Die Leichenpräparate, welche heutzutage knapp sind, waren wirklich eine unschätzbare Unterstützung.

Designteam Mein aufrichtiger Dank gilt sowohl Cristián Jiménez Riveros als auch Colette Epple für ihre aufmerksame Überarbeitung des Textes. Ebenso richte ich meinen besonderen Dank an den Techniker des Labors, Marcos Valenzuela Oróstica, und den Assistenten des Labors, Luis Emilio Cubillos Cornejo, die ungemein dabei geholfen haben, die geeigneten Einstellungen und Geräte für unsere Fotografin Ana Rivero Del Rio zusammenzustellen. Ich bin Ana sehr dankbar dafür, solche visuell ansprechenden Fotografien für dieses Buch aufgenommen zu haben. Zuletzt möchte ich gerne sowohl Paula Zalazar Gaete als auch Paulina Vivanco Mansilla für ihre unverzichtbare Grafikdesign-Unterstützung und ihren Einsatz für dieses Projekt danken.

Inhaltsverzeichnis

Widmung

Vorwort

Danksagung

1 Schultergelenk

1.1 Einleitung

1.2 Schultergelenksarthroskopie: therapierbare Pathologien

1.3 Äußerliche anatomische Landmarken und Portale

1.4 Lagerung

1.5 Abfolge des arthroskopischen Untersuchungsgangs

1.5.1 Glenohumerales Gelenk

1.5.2 Subakromialraum

1.6 Glenohumeralgelenk

1.6.1 Posteriores Portal

1.6.2 Anteriores Portal

1.6.3 Anterolaterales Portal

1.7 Subakromialraum

1.8 Akromioklavikulargelenk

1.9 Superiores Portal (supraklavikular oder supraskapular)

2 Ellenbogengelenk

2.1 Einleitung

2.2 Anatomie

2.2.1 Anteriores Kompartiment des Ellenbogengelenks: Fossa cubitalis

2.2.2 Posteriores Kompartiment und posterolateraler Rezessus des Ellenbogens

2.3 Allgemeine Indikationen zur Arthroskopie des Ellenbogengelenks

2.4 Äußerliche anatomische Landmarken

2.5 Lagerung

2.6 Portale

2.6.1 Proximales anteromediales Portal

2.6.2 Proximales anterolaterales Portal

2.6.3 Posterozentrales Portal

2.6.4 Posterolaterales Portal

2.6.5 Direktes posterolaterales Portal oder „soft spot”

2.7 Abfolge des arthroskopischen Untersuchungsgangs

2.8 Arthroskopie des anterioren Kompartiments des Ellenbogengelenks

2.9 Arthroskopie des posterioren Kompartiments des Ellenbogengelenks

2.10 Arthroskopie des lateralen Rezessus des Ellenbogengelenks

3 Handgelenk

3.1 Einleitung

3.2 Lagerung

3.3 Grundlegende Technik zur arthroskopischen Handgelenksuntersuchung

3.3.1 Radiokarpales Gelenk

3.3.2 Mediokarpales Gelenk

3.3.3 Dorsale Anatomie des Handgelenkes

3.4 Allgemeine Indikationen zur Handgelenksarthroskopie

3.5 Dorsale Arthroskopieportale des Handgelenks

3.5.1 Portal 1–2

3.5.2 Portal 3–4

3.5.3 Portal 4–5

3.5.4 Portal 6R

3.5.5 Portal 6U

3.5.6 Radiales mediokarpales Portal

3.5.7 Ulnares mediokarpales Portal

4 Hüftgelenk

4.1 Einleitung

4.2 Anatomie

4.2.1 Extraartikuläre Anatomie

4.2.2 Intraartikuläre Anatomie

4.3 Arthroskopische Kompartimente

4.4 Hüftgelenksarthroskopie: therapierbare Pathologien

4.5 Lagerung

4.6 Portale

4.6.1 Anterolaterales paratrochantäres Portal

4.6.2 Posterolaterales paratrochantäres Portal

4.6.3 Midanteriores Portal

4.6.4 Anteriores Portal

4.7 Abfolge der diagnostischen Arthroskopie des zentralen Kompartiments

4.8 Abfolge der diagnostischen Arthroskopie des peripheren Kompartiments

5 Kniegelenk

5.1 Einleitung

5.2 Lagerung

5.3 Portale

5.3.1 Anteriore Portale

5.3.2 Posteriore Portale

5.3.3 Zusätzliche Portale

5.4 Arthroskopie des Kniegelenks: anterior

5.4.1 Anterolaterales Portal

5.4.2 Anteriore Anatomie des Kniegelenks

5.4.3 Laterale Anatomie des Kniegelenks

5.4.4 Mediale Anatomie des Kniegelenks

5.5 Arthroskopie des Kniegelenks: posterior

5.5.1 Posteriore Portale

5.5.2 Posteromediales Portal

5.5.3 Posterolaterales Portal

5.5.4 Zusätzliche Aspekte

6 Sprunggelenk

6.1 Einleitung

6.2 Anteriores Sprunggelenk

6.2.1 Anatomische Landmarken des anterioren Sprunggelenks

6.2.2 Therapeutische Indikationen für eine Sprunggelenksarthroskopie über anteriore Portale

6.2.3 Lagerung

6.2.4 Anteriore Portale

6.2.5 Anteriore Anatomie des Sprunggelenks und gefährdete Strukturen

6.2.6 Arthroskopische Untersuchung des Sprunggelenks über das anterolaterale Portal

6.2.7 Arthroskopie des Sprunggelenks unter Verwendung des anteromedialen Portals

6.3 Posteriores Sprunggelenk

6.3.1 Anatomische Landmarken des posterioren Sprunggelenks

6.3.2 Therapeutische Indikationen für eine Sprunggelenksarthroskopie über posteriore Portale

6.3.3 Lagerung

6.3.4 Posteriore Portale

6.3.5 Posteriore Anatomie des Sprunggelenks und gefährdete Strukturen

6.3.6 Arthroskopische Sprunggelenksuntersuchung über das posterolaterale Portal

6.3.7 Zusätzliche Aspekte der anterioren und posterioren Sprunggelenksanatomie

Anschriften

Sachverzeichnis

Impressum

1 Schultergelenk

Cristian Blanco, Juan Eduardo Santorcuato Fuentes, Nelson Fritis Lama, Juan Carlos López Navarro und Cristián Astorga Munoz

1.1 Einleitung

In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich die Schultergelenksarthroskopie erheblich weiterentwickelt. Diese Technik erlaubt eine vollständige Begutachtung des Schultergelenks und die Behandlung einer Vielzahl an Krankheitsbildern, ohne die Weichteile größer zu schädigen. Die Anatomie des Schultergelenks ist komplex und liegt in der Nähe von wichtigen neurovaskulären Strukturen. Daher ist für eine effiziente und sichere arthroskopische Prozedur ein detailliertes Wissen dieser Anatomie erforderlich. Das Schultergelenk ist eine anatomische und biomechanische Einheit. Dennoch ist es vom arthroskopischen Standpunkt aus einfacher, dessen Bestandteile separat zu analysieren – das glenohumerale Gelenk, den Subakromialraum und das Akromioklavikulargelenk. Dieses Kapitel stellt die Lagerung des Patienten, äußerliche anatomische Landmarken, Portale und die zu jedem dieser Schultergelenksbestandteile zugehörige Anatomie dar.

1.2 Schultergelenksarthroskopie: therapierbare Pathologien

Die therapeutischen Indikationen für eine Schultergelenksarthroskopie umfassen:

Verletzungen der Rotatorenmanschette

Labrumläsionen

glenohumerale Instabilität

Entfernung von freien Gelenkkörpern

Erkrankungen der Synovia und Bursa

septische Arthritiden

arthroskopisch assistierte Frakturversorgung

degenerative Erkrankung des Akromioklavikulargelenks

akromioklavikulare Instabilität

subakromiale Pathologie

1.3 Äußerliche anatomische Landmarken und Portale

Zur Anlage der Portale zur Schulterarthroskopie ist es erforderlich, die knöchernen Landmarken zu identifizieren und zu markieren: die posterolaterale Kante des Akromions, die anterodistale Klavikula, das Akromioklavikulargelenk, das Korakoid und die supraklavikulare Fossa ( ▶ Abb. 1.1 und ▶ Abb. 1.2).

1.4 Lagerung

Für die Durchführung einer Schultergelenksarthroskopie kann der Patient in zwei verschiedenen Positionen gelagert werden: Liegestuhlposition („beach-chair position“) und Seitenlagerung. Bei der „beach-chair position“ wird der Arm in 20 Grad anteriorer Flexion durch die Hilfe eines Assistenten oder eines Armhalters gehalten. Bei der Seitenlagerung befindet sich die obere Extremität unter Traktion in 70 Grad Abduktion und 20 Grad anteriorer Flexion ( ▶ Abb. 1.3). Die Autoren dieses Kapitels bevorzugen die Seitenlagerung, deswegen wurden alle aufgeführten arthroskopischen Bilder in dieser Lagerung des Patienten aufgenommen. Vor Beginn jedes arthroskopischen Eingriffs steht die körperliche Untersuchung mit Bestimmung des Bewegungsausmaßes, der Gelenkstabilität sowie Laxität.

Äußerliche anatomische Landmarken für eine Arthroskopie des rechten Schultergelenks

Abb. 1.11 Klavikula

2 Akromion

3 Korakoid

4 M. deltoideus

5 deltoideopektoraler Sulkus

6 M. infraspinatus

7 M. teres minor

8 M. teres major

9 M. triceps brachii

Abb. 1.1a Ansicht von vorne

Abb. 1.1b Ansicht von hinten

Proximale Ansicht einer rechten Schulter in Seitenlagerung mit auf der Haut eingezeichneten knöchernen Landmarken sowie den am häufigsten benutzten Portalen.

Abb. 1.2

1 laterales Portal

2 Akromion

3 anteriores Portal

4 Akromioklavikulargelenk

5 akromioklavikulares Portal

6 posteriores Portal

7 superiores Portal

Patient in Seitenlagerung für eine Arthroskopie des rechten Schultergelenks.

Abb. 1.3

Abb. 1.3a Die obere Extremität befindet sich unter Traktion in 70 Grad Abduktion und 20 Grad anteriorer Flexion.

Abb. 1.3b Ansicht von proximal nach Einzeichnen der knöchernen Landmarken und der wichtigsten Portale.

1.5 Abfolge des arthroskopischen Untersuchungsgangs

1.5.1 Glenohumerales Gelenk

Sobald der Patient entsprechend gelagert ist, sollte die Schultergelenksstabilität und das Bewegungsausmaß beurteilt werden. Die arthroskopische Beurteilung des glenohumeralen Gelenks beginnt zunächst über das posteriore Portal. Die Sehne des langen Kopfes des M. biceps brachii ist die erste intraartikuläre Struktur, die es zu finden gilt und die eine adäquate Orientierung im Gelenk erlaubt. Als nächstes sollten das Rotatorenintervall, die Sehne des M. subscapularis, die Schultergelenkspfanne, das Labrum und die Ligamente, gefolgt vom Humeruskopf und der Sehne des M. supraspinatus beurteilt werden. Dann wird das Arthroskop nach posteroinferior geführt, um die Sehnen des M. infraspinatus sowie M. teres minor darzustellen, die im Rec. axillaris enden. Falls erforderlich wird das Arthroskop abschließend in das anteriore und anterolaterale Portal für das glenohumerale Gelenk umgesetzt.

1.5.2 Subakromialraum

Die subakromiale Beurteilung sollte über das posteriore Portal beginnen, um den subakromialen Raum und seine Bursa zu überprüfen. Mit Veränderung der Optikausrichtung kann die Beurteilung der Rotatorenmanschette, der Akromionmorphologie, des korakoakromialen Ligamentes und des inferioren Anteiles des Akromioklavikulargelenks erfolgen. Falls erforderlich, kann die Rotatorenmanschette über das laterale Portal für den Subakromialraum untersucht werden, um einen Riss vor einer Naht besser darstellen zu können. Das anteriore Portal und zusätzliche Portale (direkte akromioklavikulare und superiore Portale) werden bei Bedarf benutzt.

1.6 Glenohumeralgelenk

1.6.1 Posteriores Portal

Das posteriore Portal für das glenohumerale Gelenk ist das wichtigste Portal für die Schultergelenksarthroskopie und wird als erstes Portal angelegt. Es befindet sich 2 cm inferior und 1 cm medial zur posterolateralen Ecke des Akromions ( ▶ Abb. 1.4). Es ermöglicht eine initiale arthroskopische Beurteilung und ist Ausgangspunkt für jegliche Prozeduren im glenohumeralen Gelenk.

1.6.1.1 Anatomie und gefährdete Strukturen

Das posteriore Portal, sofern es korrekt angelegt wurde, verläuft zwischen dem M. infraspinatus und M. teres minor. Falls das posteriore Portal zu weit medial von der richtigen Stelle angelegt wird, ist die A. circumflexa scapulae gefährdet. Wenn es zu weit medial und superior von der korrekten Position lokalisiert ist, ist die A. suprascapularis in Gefahr. Der N. axillaris und die A. circumflexa humeri post. sind gefährdet, falls das posteriore Portal zu weit lateral und inferior zur richtigen Stelle angelegt wird. Die Anatomie der posterioren Schulterregion ist in den ▶ Abb. 1.5, ▶ Abb. 1.6, ▶ Abb. 1.7 und ▶ Abb. 1.8 dargestellt.

1.6.1.2 Intraartikuläre und arthroskopische Anatomie

Eine genaue Kenntnis der intraartikulären Anatomie des glenohumeralen Gelenks ist der Schlüssel zu einer guten arthroskopischen Orientierung über das posteriore Portal und ist erforderlich, um eine chirurgische Prozedur sicher durchzuführen. Für zusätzliche Sicherheit wird das anteriore Portal unter direkter arthroskopischer Kontrolle über das gleiche posteriore Portal angelegt ( ▶ Abb. 1.9, ▶ Abb. 1.10, ▶ Abb. 1.11, ▶ Abb. 1.12, ▶ Abb. 1.13, ▶ Abb. 1.14 und ▶ Abb. 1.15).

Rechte Schulter in Seitenlage mit eingezeichneten äußerlichen Landmarken und ein über das posteriore Portal eingeführtes Arthroskop.

Abb. 1.4

Ansicht einer rechten Schulter (Humanpräparat) von posterior mit teilweiser Darstellung der Muskelschicht.

Abb. 1.5

1 M. deltoideus

2 M. infraspinatus

3 M. triceps brachii

Ansicht einer rechten Schulter (Humanpräparat) von posterior mit Darstellung der posterioren Muskeln und der Lage des posterioren Portals.

Abb. 1.6

1 M. deltoideus

2 posteriores Portal

3 M. infraspinatus

4 M. teres minor

5 M. teres major

6 M. triceps brachii (Caput longum)

7 N. axillaris und A. circumflexa humeri post.

8 Skapula

9 Sehne des M. infraspinatus.

10 A. suprascapularis

11 posteriore Gelenkkapsel

12 A. circumflexa scapulae

Abb. 1.6a Ansicht nach Abpräparation von Kutis sowie Subkutis.

Abb. 1.6b Ansicht nach teilweiser Abpräparation von M. deltoideus, M. infraspinatus, M. teres minor sowie M. teres major.

Ansicht einer rechten Schulter (Humanpräparat) von posterior nach Abpräparation und Abheben des M. deltoideus zur Darstellung der posterioren Anteile der Rotatorenmanschette.

Abb. 1.7

1 M. deltoideus

2 M. infraspinatus

3 M. teres minor

4 M. triceps brachii (Caput longum)

5 M. teres major

6 Akromion

7 Sehne des M. supraspinatus

8 Humeruskopf

9 Sehnen des M. infraspinatus sowie des M. teres minor

10 N. axillaris und A. circumflexa humeri post.

11 M. deltoideus, abgetrennt und nach distal mobilisiert

⊗ posteriores Portal

Abb. 1.7a Ansicht von posteromedial

Abb. 1.7b Ansicht von posterolateral

Ansicht einer rechten Schulter (Humanpräparat) von posterior nach Abpräparation und Weghalten der posterioren Muskeln zur Darstellung der posterioren Kapsel des glenohumeralen Gelenks.

Abb. 1.8

1 M. deltoideus

2 M. infraspinatus

3 M. teres minor, abgetrennt

4 M. teres major

5 M. triceps brachii (Caput longum)

6 N. axillaris und A. circumflexa humeri post.

7 Akromion

8 Sehne des M. infraspinatus, abgetrennt

9 Humeruskopf

10 Kapsel des Schultergelenks

11 Sehne des M. teres minor, abgetrennt

12 M. deltoideus, abgetrennt und nach distal mobilisiert

Seitliche Ansicht der Schultergelenkspfanne sowie superiore Ansicht des proximalen Humerus einer rechten Schulter (Humanpräparat).

Abb. 1.9

1 M. deltoideus

2 M. supraspinatus/Sehne

3 M. infraspinatus/Sehne

4 M. teres minor/Sehne

5 Gelenkkapsel

6 Labrum glenoidale

7 Akromion

8 Klavikula

9 korakoakromiales Ligament

10 Korakoid

11 Sehne des langen Kopfes des M. biceps brachii

12 Schultergelenkspfanne

13 Sehne des M. subscapularis

14 Lig. glenohumerale medium

15 inferiorer synovialer Rezessus

16 Humeruskopf

Abb. 1.9a Ansicht der Schultergelenkspfanne einer rechten Schulter (Humanpräparat) von lateral.

Abb. 1.9b Ansicht des proximalen Humerus einer rechten Schulter (Humanpräparat) von superior.

Rechte Schulter mit einem über das posteriore Portal eingeführten Arthroskop.

Abb. 1.10

1 Humeruskopf

2 Sehne des langen Kopfes des M. biceps brachii

3 Rotatorenintervall

4 Labrum glenoidale

5 Sehne des M. subscapularis

6 Sehne des M. supraspinatus

Abb. 1.10a Rechte Schulter mit einem über das posteriore Portal eingeführten Arthroskop.

Abb. 1.10b Arthroskopische Ansicht der Sehne des langen Kopfes des M. biceps brachii.

Abb. 1.10c Arthroskopischer Blick auf das Rotatorenintervall.

Abb. 1.10d Arthroskopischer Blick auf den Humeruskopf und den posterioren Rand des Labrums.

Abb. 1.10e Arthroskopische Sicht auf die Rotatorenmanschette.

Rechte Schulter mit einem über das posteriore Portal eingeführten Arthroskop, Blickrichtung der Optik nach lateral.

Abb. 1.11

1 Humeruskopf

2 Sehne des langen Kopfes des M. biceps brachii

3 Rotatorenintervall

4 Sehne des M. subscapularis

5 Lig. glenohumerale medium

6 Labrum glenoidale (ant.)

7 „Bare area“ des Humeruskopfes

8 inferiore Gelenkkapsel

Abb. 1.11a Rechte Schulter mit einem über das posteriore Portal eingeführten Arthroskop, Blickrichtung der Optik nach lateral.

Abb. 1.11b Arthroskopische Ansicht des Rotatorenintervalls.

Abb. 1.11c Arthroskopischer Blick auf die Sehne des M. subscapularis.

Abb. 1.11d Arthroskopische Sicht auf das mittlere glenohumerale Ligament.

Abb. 1.11e Arthroskopische Darstellung der inferioren Gelenkkapsel mit Blickrichtung der Optik nach medial.

Rechte Schulter mit einem über das posteriore Portal eingeführten Arthroskop, Blickrichtung der Optik nach medial.

Abb. 1.12

1 Sehne des langen Kopfes des M. biceps brachii

2 Labrum glenoidale

3 Rotatorenintervall

4 Gelenkfläche des Glenoids

5 Humeruskopf

6 Lig. glenohumerale medium

7 Sehne des M. subscapularis

Abb. 1.12a Rechte Schulter mit einem über das posteriore Portal eingeführten Arthroskop, Blickrichtung der Optik nach medial.

Abb. 1.12b Arthroskopische Ansicht des anterosuperioren Labrums.

Abb. 1.12c Arthroskopischer Blick auf das anterosuperiore Labrum unter Palpation mittels Tasthaken.

Abb. 1.12d Arthroskopische Sicht auf das anteriore Labrum und das mittlere glenohumerale Ligament.

Abb. 1.12e Arthroskopische Darstellung des anterioren Labrums und der Sehne des M. subscapularis.

Rechte Schulter mit einem über das posteriore Portal eingeführten Arthroskop, Blickrichtung der Optik nach inferior.

Abb. 1.13

1 Humeruskopf

2 Labrum glenoidale inferius

3 Gelenkkapsel

Abb. 1.13a Unter arthroskopischer Sicht wird das Arthroskop dann zurückgezogen und nach inferior bewegt.

Abb. 1.13b Arthroskopische Ansicht des inferioren Labrums sowie des Rec. axillaris.

Rechte Schulter mit einem über das posteriore Portal eingeführten Arthroskop.

Abb. 1.14

1 Humeruskopf

2 Sehne des M. supraspinatus

3 Sehne des M. infraspinatus

4 Sehne des M. teres minor

Abb. 1.14a Das Arthroskop wird in eine superolaterale Position gebracht, um die Beurteilung der Rotatorenmanschette zu beginnen.

Abb. 1.14b Arthroskopische Ansicht der Sehne des M. supraspinatus.

Abb. 1.14c Arthroskopischer Blick auf die Sehne des M. infraspinatus.

Abb. 1.14d Arthroskopische Sicht auf die Sehne des M. teres minor.

Anlage des anterioren Portals von innen nach außen über das posteriore Portal.

Abb. 1.15

1 Sehne des langen Kopfes des M. biceps brachii

2 Rotatorenintervall

3 Sehne des M. subscapularis

4 Lig. glenohumerale medium

5 Labrum glenoidale

6 Schultergelenkspfanne

7 Humeruskopf

Abb. 1.15a Nachdem das Arthroskop in die Ausgangsposition zurückgebracht wurde, wird ein Wechselstab (über den Schaft des Arthroskops) durch das Rotatorenintervall und die Haut an der Stelle des anterioren Portals eingebracht.

Abb. 1.15b Arthroskopische Ansicht des Rotatorenintervalls in der Ausgangsposition.

1.6.2 Anteriores Portal

Das anteriore Portal für das glenohumerale Gelenk befindet sich 4 cm unterhalb der anterioren Akromionkante und immer lateral des Korakoids. Es wird hauptsächlich als Instrumentierportal für das glenohumerale Gelenk verwendet. Das anteriore Portal kann mit Hilfe einer „outside-in“-Technik freihändig unter arthroskopischer Kontrolle über das posteriore Portal oder mit Hilfe des posterioren Portals als Referenz und Führung ( ▶ Abb. 1.15 und ▶ Abb. 1.16) angelegt werden.

1.6.2.1 Anatomie und gefährdete Strukturen

Die Anatomie der vorderen Anteile der Schulter ist komplex. Die Strukturen, die potenziell bei der Instrumentierung über das anteriore Portal gefährdet sind, sind die Vena cephalica, die medialen pektoralen Nerven (die medialen und lateralen Stränge des Plexus brachialis) und der N. musculocutaneus, die A. thoracoacromiale und ihre Äste (klavikular, akromial, deltoidal, pektoral), V. und A. axillaris und die „conjoint tendon“ (Sehnen des M. coracobrachialis, des M. biceps und des M. pectoralis minor). Siehe ▶ Abb. 1.17 und ▶ Abb. 1.18.

Rechte Schulter mit eingezeichneten äußerlichen Landmarken für das anteriore Portal.

Abb. 1.16

1 anteriores Portal

2 anteriore Akromionkante

3 Korakoid

4 Akromioklavikulargelenk

5 posteriores Portal

Anteriore Ansicht einer rechten Schulter (Humanpräparat).

Abb. 1.17

1 anteriores Akromion

2 Klavikula

3 M. deltoideus

4 Sulcus deltoideopectoralis und V. cephalica

5 M. pectoralis major (Pars clavicularis)

6 anteriores glenohumerales Gelenk

7 Korakoid

8 „conjoint tendon”

Abb. 1.17a Durch Dissektion der Haut wird der Sulcus deltoideopectoralis und die Vena cephalica freigelegt.

Abb. 1.17b Der Musculus deltoideus und die Vena cephalica werden angehoben, um das Korakoid, die „conjoint tendon“ und den anterioren Anteil des Schultergelenks darzustellen.