Auch Jesus hatte schlechte Laune - Thomas Schwartz - E-Book

Auch Jesus hatte schlechte Laune E-Book

Thomas Schwartz

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Beschreibung

Jesus hatte schlechte Laune. Weihnachten beginnt im März. Und alte Esel sind manchmal am klügsten. Glauben Sie nicht? Stimmt aber. Die Bibel ist voller überraschender Geschichten. Thomas Schwartz erzählt und erklärt die besten, witzig und profund zugleich. Unterhaltsamer haben Sie noch nie die Bibel kennengelernt.

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© Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2017

Alle Rechte vorbehalten

www.herder.de

Umschlaggestaltung: wunderlichundweigand, Stefan Weigand

E-Book-Konvertierung: post scriptum, Emmendingen / Hüfingen

ISBN Print 978-3-451-37669-6

ISBN E-Book 978-3-451-81112-8

Inhalt

Einleitung

1 – Weihnachten beginnt schon im März

2 – Eva schützt Adam!

3 – Ostern ist Frauensache

4 – Jona hatte keine(n) Wa(h)l

5 – David war kein strahlender Held

6 – Auch Jesus hatte schlechte Laune

7 – Mose: Aus der »Arche« zum stotternden Erfolg

8 – Die alten Richter: Gottes Auftragskiller?

9 – Bileam: So ein Esel!

10 – Jesus machte gerne Party

11 – Fisherman’s friends

12 – Selbst die größten Heiligen zoffen sich

13 – Jesus vergab der Ehebrecherin – oder doch nicht?

14 – Elija: Auch in der Bibel gab es Burn-outs

15 – Jakob: Der erste Fall von Segenshinterziehung

16 – Die Geheime Offenbarung des Johannes: Ein Grund zur Freude

Der Autor

Einleitung

Das Zustandekommen dieses Buches ist ebenso überraschend wie sein Inhalt: Denn dass eine Predigt nicht nur gehört wird, sondern sogar zu einer Einladung führt, über diese Predigt ein Buch zu schreiben, hat schon etwas Überraschendes an sich.

Andererseits: Die Heilige Schrift ist gespickt mit aufregenden Geschichten. Sie sind nicht nur außerordentlich gut geschrieben, sondern sie verweisen auf mehr: Denn die Bibel ist nicht nur eine Sammlung von einzelnen Geschichten und Episoden. Vielmehr erzählt sie eine große Geschichte. Eine große Geschichte, die Gott mit seiner Schöpfung, seinem Volk Israel und uns Menschen zusammen schreibt.

Die Heilige Schrift überliefert diese Geschichte nicht in der distanzierten und unbeteiligten Art eines Historikers. Ihre Autoren möchten vielmehr Zeugen dafür sein, wie sie selbst und ihre Zeitgenossen diese Geschichte Gottes erfahren haben. Dabei kommt es – wie in jedem Werk wirklicher Weltliteratur – durchaus vor, dass spätere Generationen etwas hinzufügen oder wegnehmen oder jemand noch einmal »kritisch« über den Text schaut und Korrekturen vornimmt. Das ist nicht immer hilfreich, geschieht aber eben auch in den besten Geschichten.

Sei es wie es sei: Gerade diese Vielfalt und Konstanz der Auseinandersetzung mit dem »Buch der Bücher« macht es für uns heutige glaubende und suchende Menschen noch immer zu einer Quelle von Überraschungen. Und das wird, weil Gott im Spiel ist, auch immer so bleiben. Gott ist ein Gott, der überrascht.

In der Regel entdecken wir den Reichtum und die überraschenden Geschichten der Bibel nicht allein, sondern in Gemeinschaft. Diese Gemeinschaft kann die Familie sein, die Pfarrgemeinde oder eine andere Gruppe. Ich durfte schon als Kind mit meinen Eltern und Großeltern Erfahrungen mit der Heiligen Schrift machen und wurde dabei ein ums andere Mal überrascht. Deswegen möchte ich meinen Eltern, Wilhelm und Elisabeth Schwartz, dieses Überraschungsbändchen auch in Liebe und Dankbarkeit widmen.

Mering, im Dezember 2016

Thomas Schwartz

– 1 –Weihnachten beginnt schon im März

Viele von uns freuen sich jedes Jahr zwar auf Weihnachten, regen sich aber immer wieder darüber auf, dass schon nach den Sommerferien in den Supermärkten Weihnachtsgebäck und Glühwein angeboten werden. Hätte das nicht Zeit bis zum Advent? Auch die Weihnachtslieder, die mitunter ab November in den Kaufhäusern erklingen, ärgern uns. Der Schnee kann ja gerne rieseln, aber der rieselt halt leise. Dieses ganze Brimborium sollte man doch bitte schön auf die Zeit nach dem 1. Advent verschieben. Schließlich ist es ja mit Weihnachten noch lange hin. Und man soll Feste feiern, wie sie fallen, und nicht, wenn es uns von der Werbeindustrie vorgeschrieben oder in den Konsumtempeln unserer Gesellschaft zelebriert wird! Das hat nichts mit Spießigkeit und Zeigefinger zu tun, sondern: Es nervt einfach.

Dieser Ärger ist nachvollziehbar, aber eigentlich trotzdem »falsch«. Denn schon ein Blick in die Geschichte der Kirche zeigt, dass es früher durchaus längere Vorbereitungszeiten auf Weihnachten gegeben hat. Der Advent dauerte in der alten Kirche vom 11. November bis zum Fest der Epiphanie, also dem 6. Januar. Nur hatte er nichts – wirklich gar nichts – mit pappsüßen Schokoweihnachtsmännern und seichter Dauerbeschallung zu tun. Ganz im Gegenteil. Der Advent galt früher als strikte Fastenzeit. Er war eine geschlossene Zeit, also eine Periode, in der Tanz und andere öffentliche Vergnügungen verboten waren.

Kaufhäuser zu, Schlittschuhbahnen auch und Glühweinmärkte sowieso? Na, übertreiben wir es mal nicht. Aber interessant ist es schon: Die Vorbereitung auf Weihnachten dauerte bei früheren Generationen wesentlich länger als bei uns. Das hat übrigens nicht nur etwas mit Tradition zu tun, sondern vor allem auch mit der Bibel. Ein Blick in das Neue Testament genügt. Denn dort beginnt die Adventszeit – und damit die Vorbereitung auf das Fest der Menschwerdung – nicht erst am 1. Advent (wann immer wir diesen Tag auch im Kalender festlegen möchten), sondern nach dem biblischen Zeugnis des Lukasevangeliums bereits viel früher. Darauf verweist ein kirchliches Hochfest, das den wenigsten von uns bekannt ist: das Fest der »Verkündigung des Herrn« am 25. März.

Bei diesem Fest geht es darum, dass, wie es der Evangelist Lukas beschreibt, der Engel Gabriel nach Nazareth zu einer Jungfrau gesandt wird, deren Name Maria ist. Aber noch einmal von Anfang an. Gott schickt den Erzengel zu Maria. Er soll ihr mitteilen, dass sie – obwohl unverheiratet und von keinem Mann berührt – ein Kind empfängt. Die Antwort Mariens ist so berühmt wie schlicht: »Ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe, wie Du es gesagt hast.« Aber zuvor verlangt sie im Grunde noch eine überzeugende Erklärung. Klar, sie will wissen, wie das wohl alles ablaufen und vor allem klappen soll. Immerhin weiß auch Maria um den Zusammenhang von Zeugung und Geburt, so ist es ja nicht. Die Antwort des Gottesboten ist ebenso geduldig wie theologisch tiefgründig. Er erklärt ihr genau, dass der Heilige Geist über sie kommen werde. Dies ist übrigens ein Hinweis auf die neue Schöpfung, die sich in der Person Jesu Christi ereignet. Denn auch bei der Erschaffung der Welt war dieser Geist beteiligt. Damals schwebte er über den Wassern. Dieser Geist Gottes ist es nun, der als kreatives, ja man könnte sogar sagen als prokreatives Prinzip Leben schafft. Da Maria – und auch den Lesern dieser Begebenheit – der biblische Schöpfungsmythos durchaus geläufig gewesen sein musste, verstand zumindest damals jeder, dass sich mit der Verheißung des Engels eben etwas grundlegend Neues ankündigte. Aus dem Chaos entstand im Buch Genesis durch Gottes schöpferischen Geist die Ordnung der Schöpfung. Es »wurde« etwas, von dem nichts anderes gesagt werden konnte, als dass es »gut« war. Diese Schöpfungsordnung, in der alles gut ist, heißt im Hebräischen übrigens »Shalom« – Friede. Auch Jesu Auftrag in dieser Welt wurde mit diesem Satz charakterisiert: die ursprüngliche Shalom wiederherzustellen. Anders ausgedrückt: Er sollte ein Friedenskönig werden.

Das könnte man manchmal beim Anstehen in der Schlange, Bratwurstduft und den Ellbogen vom Vordermann in der Nase, vergessen. An Weihnachten geht es um Frieden. Und die Vorbereitung darauf sollte genau das sein: friedlich. Der Geist Gottes macht den Menschen zum Friedensstifter – wenn der es zulässt. Maria hat es zugelassen, eben an jenem Tag im Gespräch mit dem Engel. Die Menschwerdung Jesu beginnt also schon hier. Weihnachten fängt biblisch und theologisch dementsprechend bereits im März an. Und so wie es ein ganzes Leben braucht, um schließlich mit Gott endgültig in Einheit leben zu können, ist es in gewisser Weise das Kirchenjahr (ohne die Fastenzeit), das den Christen die Vorbereitung auf dieses Heilgeschehen ermöglichen soll. Insofern: Lassen wir uns nicht zu sehr nerven. Wünschen wir uns nicht zu verbissen, der verdammte Vorweihnachtsspuk sei möglichst schnell vorbei. Freuen wir uns lieber. Das ist doch eine tolle Überraschung für alle Weihnachtsfans, also hoffentlich uns alle: Weihnachten ist nicht nur die paar Tage im Dezember, sondern beginnt schon im März.

– 2 –Eva schützt Adam!

Schon komisch: Warum eigentlich wird in der biblischen Schöpfungsgeschichte des Buches Genesis zweimal von der Erschaffung des Menschen berichtet? Und dann auch noch unterschiedlich. Tja, es soll hier mal nicht darum gehen, dass man literarkritisch von zwei verschiedenen Quellen mit unterschiedlichen Redaktionsschichten spricht, und auch andere Fachtermini seien geschenkt. Interessanter ist ja eigentlich, dass heute bei der allgemeinen Forderung nach Gleichberechtigung von Mann und Frau der erste Schöpfungsbericht des Menschen (Gen 1,26–28) gerne dem zweiten Schöpfungsbericht (Gen 2,21–23) vorgezogen wird. Na klar, welche Frau will schon gerne aus der Rippe des Mannes geschaffen worden sein? Da ist es doch viel sympathischer, überdies theologisch auch gehaltvoller und entspricht darüber hinaus unserem heutigen genderbewussten Mainstream, dass im ersten Schöpfungsbericht einfach davon gesprochen wird, dass Gott den Menschen als sein Abbild schuf, und zwar »als Mann und Frau«.

Es ist auch nachvollziehbar, dass die Aussage, der Mensch sei als Mann und Frau geschaffen worden, heutigen Lesern der Heiligen Schrift näher ist und auch den gesellschaftlichen Forderungen nach Ebenbürtigkeit und gleichen Rechten beider Geschlechter mehr entgegenkommt, als jene etwas sperrige zweite Erzählung. Doch ganz so einfach ist es nicht. Denn die zweite Erzählung hat es durchaus in sich. Denn es geht dem zweiten Schöpfungsmythos nicht um die Ebenbürtigkeit von Mann und Frau, sondern um das, was den Menschen glücklich macht, und zugleich um die besonderen Aufgaben, die den Geschlechtern in biblischer Sicht zugesprochen werden.

Gott erkennt: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibt. Aber die Hilfe, die ihn gut leben lässt, muss ihm auch entsprechen. Deswegen formt er aus der Rippe des Mannes die erste Frau. Adam erkennt: Das ist endlich Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch (vgl. Gen 2,23). Endlich hat er ein gleichberechtigtes Gegenüber, das ihn verstehen und ihm nahekommen kann, das er nicht – wie Gott – zu fürchten oder wie den Rest der Schöpfung zu beherrschen hat. Soweit der Mythos.

Dabei nimmt die Frau eine ganz wesentliche Funktion gegenüber dem Mann ein. Wozu brauchen wir denn die Rippen? Sie bilden unseren Brustkorb. Dort schlägt unser Herz. Die Rippen schützen also das Herz des Menschen. In der Sprache der Bibel ist das »Herz« aber nicht einfach nur das zentrale Organ unseres Blutkreislaufes. Der Begriff »Herz« steht in der Bibel vielmehr für die innerste Mitte einer Person. Für sein Gewissen, seine gesamtmenschliche und ethische Identität.

Wenn nun also Eva aus der Rippe Adams genommen ist, so ist es im biblischen Denken eine zentrale Aufgabe der Frau, das Gewissen des Mannes zu schützen. Sie schützt ihn vor all dem, was ihn in seiner sittlichen und charakterlich guten Identität gefährden könnte. Eva macht Adam also zu einem guten Menschen!

– 3 –Ostern ist Frauensache

Ostern ist voller Überraschungen! Schauen Sie sich nur einmal die Evangelien dazu an: Da ist zum einen vor allem von Frauen die Rede. Und nicht nur von einer, sondern von einer ganzen Reihe, deren Namen wir auch zum Teil sogar noch kennen (Maria Magdalena, Johanna, Maria, die Mutter des Jakobus). Sie sind die eigentlichen Protagonistinnen des Ostergeschehens. Die Frauen bezeugen die Osterbotschaft. Nicht die Männer stehen in der ersten Reihe. Die Frauen sind es, sie gehen voran, sind mutig, lassen sich nicht einschüchtern.

Heute ist das völlig anders. Eigentlich wird in unseren Gottesdiensten die Osterbotschaft nur von Männern verkündet. Das beginnt in der Osternacht beim Osterlob, das in der Regel von einem Diakon oder einem Priester verkündet wird, und setzt sich bis zur Osterbotschaft des Papstes männlich fort. Auch das: überraschend, wenn man daran denkt, wer eigentlich die Ersten waren.

Und damit sind die österlichen Überraschungen noch nicht zu Ende. Die Frauen kommen zum Grab – und der Stein ist weggewälzt worden. Wer soll das gewesen sein? Dafür braucht es schon ein paar starke Männer. Die Frauen wundern sich noch, gehen aber ins Grab hinein und finden es leer. Zunächst gehen sie wohl davon aus, dass der Leichnam Jesu aus dem Grab gestohlen worden ist.

Anstatt jedoch auf Hinweise für einen Grabraub treffen die Frauen auf zwei Männer in leuchtenden Gewändern, die ihnen die Frage stellen: »Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?« (Lk 24,5) Wenn diese Botschaft für die Frauen keine Überraschung bedeutet, dann gibt es keine auf Erden. Denn wo sollte man einen Gemarterten, Hingerichteten und vor aller Welt Gestorbenen denn sonst suchen als in seinem Grab! Und wie sollte ein Toter wieder leben?