Auch lachen kann man lernen - Elfriede Ott - E-Book

Auch lachen kann man lernen E-Book

Elfriede Ott

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Beschreibung

Das neue Buch zum 90. Geburtstag Da ihr vorletztes Buch, "Worüber ich lache", mit Freude angenommen wurde, hat sich Elfriede Ott entschlossen, einen weiteren Band mit ihren Lieblingswitzen zu veröffentlichen, eine ganz persönliche Sammlung, in die sie eigene Erlebnisse und Begegnungen eingefügt hat. Der Schwerpunkt liegt auf dem jüdischen Witz, wobei im Grunde genommen zwei Fragen zu klären sind: Was ist ein Witz im Allgemeinen und was macht den jüdischen Witz im Besonderen aus? Reicht es gar schon, dass Herr Kohn und Herr Löwy in ein Gebäude gehen, damit ein jüdischer Witz herauskommt? Die Antwort, die Kammerschauspielerin Elfriede Ott auf diese Frage findet, wird die Leser verblüffen und amüsieren. Der jüdische Witz, sagt Elfriede Ott, ist das Zentrum des Humors, weil er Tiefe hat und immer ins Menschliche trifft, weil er rührt und die Seele schwingen lässt.

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Seitenzahl: 159

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Elfriede Ott

Auch lachen kann man lernen

ELFRIEDE OTT

AUCH LACHEN

KANN MAM

LERNER

MEINE JÜDISCHEN UND ANDERE WITZE

MIT ZEICHNUNGEN VON CHRISTIAN QUALTINGER

AMALTHEA

Ich danke Brigitte Sinhuber, Uli Schulenburg und Fritzi Kubik für die lebhafte Mitarbeit an meinem Buch.

© 2015 by Amalthea Signum Verlag, Wien

Alle Rechte vorbehalten

Umschlaggestaltung: Elisabeth Pirker/OFFBEAT

Umschlagfoto: © Oliver Schopf

Zeichnungen: © Christian Qualtinger/Thomas Sessler Verlag

Satz: VerlagsService Dietmar Schmitz GmbH, Heimstetten

Gesetzt aus der 11,75/14,75 Punkt Adobe Garamond Pro

ISBN 978-3-85002-910-0

eISBN 978-3-902998-81-1

Da sollen einmal – bitte, ich weiß nicht, ob’s wirklich wahr ist! –, da sollen einmal in einem Affenkäfig zwei uralte Paviane nebeneinander gesessen sein. Die haben sich durch die Gitterstäbe die Menschen angeschaut, die vorbeikamen. Viele Menschen waren da: dumme, dicke, hässliche, hagere, alberne (die zu den Tieren immer so »Eiguckiputzi« machen wie bei einem Säugling). Also die beiden betrachten sinnend die Prachtexemplare der vorbeispazierenden Menschheit. Auf einmal schüttelt der eine sein kluges Haupt und sagt zum andern: »No, sag selbst – war der Darwin nicht unser größter Feind …?«

VORWORT

Ein neues Buch mit Witzigem? Ich bin leider gar keine Witzfrau!

Mit jüdischen Witzen? Bei diesem Thema muss ich zu Hans Weigel greifen. Er hat zu einer Zeit, in der das eigentlich noch nicht möglich war, ein kleines Buch geschrieben zu genau diesem Thema. Der Titel des Buches lautete »Man derf schon. Kaleidoskop jüdischer und anderer Witze«, und es erschien 1987. Ich durfte damals sogar am Entstehen des Buches mitwirken.

Es war Sommer – wir waren gerade auf Urlaub auf einer Alm und diskutierten, ob man über jüdische Witze schon lachen dürfe. Hans war fasziniert von diesem Thema. Meine Auffassung – meine Überzeugung – war, dass es nichts mehr zum Lachen gibt, seit der jüdische Witz tot ist. Er ist das Zentrum des Humors, weil er Tiefe hat und immer ins Menschliche trifft.

Hans war in der Folge der Kritik einiger Zeitgenossen ausgesetzt, die für dieses Buch kein Verständnis hatten, allen voran Friedrich Torberg und Gerhard Bronner. Trotz unserer Bedenken entschied sich Hans, sein Vorhaben umzusetzen. Die Witze, die er schon in seinem Kopf hatte, kamen ihm wieder ins Bewusstsein. Einer seiner Lieblingswitze, den er mir damals erzählte, ist der Seilbahnwitz, der Ihnen nicht erspart bleibt.

Leider hab ich schon immer unter Witzen gelitten, weil ich sie mir nicht gemerkt habe! Ich spielte zu dieser Zeit in den Kammerspielen mit allen meinen Lieblingspartnern: Ernst Waldbrunn, Maxi Böhm, Fredi Böhm, Fritz Muliar … und die haben in den Pausen ununterbrochen Witze erzählt.

»Was ist ein Witz? Eine Wahrheit, die passiert sein könnte!«

Maxi kommt in das Theater und stürzt in meine Garderobe: »Stell dir vor, was mir passiert ist: Geh ich über die Rotenturmstraße, kommt ein Autofahrer, bremst knapp vor mir und schreit mich wütend an: ›Können S’ denn net aufpassen, Sie sind heut schon der Dritte, in den ich fast hineingefahren wäre.‹«

Da mein vorletztes Buch »Worüber ich lache« von Ihnen, meinen verehrten Leserinnen und Lesern, mit Freude angenommen wurde, dachte ich, ich muss mit Hans Weigels Buch als Unterstützung eine neue Sammlung vorlegen. »Man derf schon« hat Hans mir gewidmet, und so schaue ich ein bissl hinein und fühl mich auch berechtigt, mir einiges auszuborgen für den ersten Teil dieses Buches, in dem Sie seine klugen und pointierten Gedanken mit von ihm ausgewählten Beispielen lesen können. Danach folgt meine ganz persönliche Sammlung von Witzen, in die ich eigene Erlebnisse und Begegnungen eingefügt habe.

Ein Schwerpunkt wird auf dem jüdischen Witz liegen. Nun sind im Grunde genommen zwei Fragen zu klären: Was ist ein Witz im Allgemeinen und was macht den jüdischen Witz im Speziellen aus?

Schon Hans Weigel hat vor über 20 Jahren auf die erste Frage keine rechte Antwort gewusst, und ich denke nicht, dass ich inzwischen eine gefunden habe, die ihn befriedigt hätte. Ich glaube auch nicht, dass das besonders wichtig ist. Ganz einfach, weil ich – so wie er – gerne Menschen unterhalten und sie zum Lachen bringen möchte.

Wann aber ist nun etwas, das wir nicht erklären können, jüdisch? Oder anders gefragt: Was ist ein jüdischer Witz? Reicht es, dass Herr Kohn und Herr Löwy in ein Gebäude gehen, damit ein jüdischer Witz herauskommt? JA!

Sicher, es gibt einen bestimmten Jargon, einen besonderen Geist. Hans schreibt in Bezug auf den jüdischen Flüsterwitz: von »tragisch rührender Abwehr« oder »selbstironischer Größe«. Es gibt Witzarten, die (ähnliche) Stereotype aufgreifen. Mir fallen spontan Burgenländer-, Ostfriesen- und Schottenwitze ein. In diesen Witzen sind die Personen und Nationalitäten charakteristisch für die jeweilige Landschaft. Selbstverständlich mögen wir die Burgenländer lieber als die Ostfriesen.

Der jüdische Witz hat ein Charakteristikum: Er rührt – er lässt die Seele schwingen.

Die Witze sind thematisch geordnet von klassischen Gestalten wie dem kleinen Moritz bis zur Frau Pollack und dem Grafen Bobby.

Mir liegt der politische Witz wenig am Herzen, und er hat in meiner Auswahl auch keinen Platz. Außerdem ändern sich die Situationen täglich, die Akteure sind rasch vergessen und die Konstellationen schnell überholt.

Sie werden in diesem Buch neben dem jüdischen Witz auch den christlichen Witz und die theatralische Anekdote finden. Sie besteht vorwiegend darin, dass man sich über skurrile Situationen der Theater-, Opern- oder überhaupt Künstlerwelt und ihre diversen komischen Fehlleistungen amüsiert. Außerdem finden Sie den charmanten Witz sowie den intellektuellen Witz, der den Intellekt nicht zum Thema hat, sondern ihn voraussetzt, um die meist gut versteckten Pointen zu entdecken.

Abschließend sei gesagt, dass all diese Definitionen und Klassifikationen meine eigenen sind und keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Allgemeingültigkeit stellen.

Und jetzt komme ich endlich zum Lieblingswitz von Hans Weigel, dem vorhin erwähnten Seilbahnwitz. Ich konnte ihn immer und immer wieder hören, und Hans dehnte ihn auch noch auf die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer aus. Es ist ein Unendlichkeitswitz! Im Laufe der Zeit hielt ich mir dann schon die Ohren zu, wenn ich ihn hörte:

Zwei Herren sitzen in einer Seilbahn, die, wie schon der Name sagt, an einem Seil bergauf gezogen wird. Der eine Herr sitzt stumm zuhörend daneben, während der andere mit einer ihm gegenübersitzenden Dame allmählich ins Gespräch kommt.

DIE DAME: Ich hab das Gefühl, dass Sie technisch sehr versiert sind, und da …

DER ANDERE HERR: Aber gar nicht, gnädige Frau …

DIE DAME: Aber mit so Seilbahnen wie der, in der wir jetzt sitzen, kennen Sie sich doch aus!

DER ANDERE HERR: Ein ganz klein wenig, gnädige Frau, weil ich mit einem Ingenieur befreundet bin.

DIE DAME: No, dann erklären Sie mir etwas, bitte. Unser Zug hängt doch an einem Seil. Was geschieht, wenn das Seil reißt?

DER ANDERE HERR: Das Seil kann nicht reißen, gnädige Frau. Es hat die vielfache Tragfähigkeit. Es könnte zehn solche Züge hinaufziehen, und es wird außerdem jeden Morgen genau überprüft.

DIE DAME: No ja, am Morgen! Und was geschieht am Nachmittag?

DER ANDERE HERR: Kann es auch nicht reißen. Aber selbst für den völlig auszuschließenden Fall, dass etwas mit dem Seil nicht in Ordnung sein sollte, sollte, sage ich … Der Zug hängt auch an einem zweiten Seil, einem Reserveseil; und wenn das Seil versagen sollte – sollte, sage ich –, ist dieses Reserveseil da und zieht den Zug in die Höhe beziehungsweise hält ihn bei der Abwärtsbewegung.

DIE DAME: No ja, schön, aber wenn etwas mit dem Seil nicht in Ordnung ist, könnte ja auch etwas mit dem Reserveseil nicht in Ordnung sein.

DER ANDERE HERR: Könnte nicht, sage ich. Aber mein Freund, der Ingenieur, hat mir erzählt, dass es auch noch eine automatische Bremse gibt. Die ist genau programmiert; und wenn irgendetwas mit der Geschwindigkeit nicht normal ist, tritt diese Bremse in Funktion und bringt den Zug zum Stehen.

DIE DAME: Ja, aber wenn ein Seil nicht in Ordnung ist und ein Reserveseil nicht in Ordnung ist, könnte doch auch eine Bremse nicht in Ordnung sein. Was geschieht dann?

DER ANDERE HERR: Liebe gnädige Frau, es ist völlig sinnlos, dass wir dieses Gespräch führen; aber so viel weiß ich immerhin, dass vor der Einführung der automatischen Bremsen da eine Handbremse war, und die ist noch immer da, sehen Sie: dort vorn, wo der Zugbegleiter steht. Der beobachtet alles genau, und sobald etwas irregulär ist, setzt er die Handbremse in Funktion, und der Zug bleibt stehen.

DIE DAME: Das ist lächerlich! Wenn die Handbremse so perfekt wäre, hätte man ja die automatische Bremse nicht eingeführt! Also sagen Sie mir, bitte, was geschieht, wenn das Seil reißt und das Reserveseil reißt und die automatische Bremse versagt und die Handbremse versagt?

DER ANDERE HERR(schon etwas zornig): Es ist wirklich lächerlich, gnädige Frau, verzeihen Sie bitte, aber wie gesagt, mein Freund, der Ingenieur – der Zug gleitet auf Schienen, und in diese Schienen sind in Abständen von je einem Meter rechts und links Bolzen eingebaut, die schiebt der Zug, wenn er sich bewegt, weg, und sobald er vorbei ist, kommen sie wieder rechts und links in ihre Position und halten den Zug, wenn etwas nicht in Ordnung ist, spätestens nach einem Meter auf.

DIE DAME(nicht aus der Ruhe zu bringen): Na ja, aber diese Bolzen sind an unwegsamen Stellen, die kann man bestimmt nicht regelmäßig kontrollieren. Die können zum Beispiel verrosten … Jetzt sagen Sie mir, bitte, was passiert, wenn das Seil reißt und das Reserveseil reißt und die automatischen Bremsen versagen und die Handbremse versagt oder auch der Zugbegleiter, und wenn die Bolzen defekt sind!

DER ANDERE HERR(sehr zornig): Wenn das Seil reißt und das Reserveseil reißt und die automatischen Bremsen versagen und die Handbremse versagt oder auch der Zugbegleiter und wenn die Bolzen defekt sind, dann, gnädige Frau, dann können Sie mich!

DER EINE HERR(sehr ruhig): Mich schon seit dem Reserveseil!

Hans Weigel war ein »Apropos«-Erzähler. Man konnte ihn prüfen. Er wusste zu jeder Situation einen Witz. Aus seinem Urgrund heraus. Aus seiner witzigen, scharfen, weichen, geschliffenen, mutigen, empfindlichen, bäuerlichen Seele heraus. Den nun folgenden Witz musste er einfach immer wieder vorspielen.

Hans, den Kopf tief über ein Buch gebeugt, Brille tief auf der Nase.

Vater: »Moritz, halt dich grad!«

Hans führte den Befehl aus, indem seine Augen über den oberen Brillenrand schauten!

Hans Weigel musste mir auch immer wieder Geschichten aus seiner Kindheit erzählen. Von seiner Kinderfrau, die er wie ein Kind behandelt hat, von seiner Klavierlehrerin, die gesagt hat: »Wenn ich dich noch einmal unterrichte, kannst du mich anspucken!«, und wie er in seinen Kalender geschrieben hat: »Tante anspucken!!!«

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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