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Diese Serie von der Erfolgsschriftstellerin Viola Maybach knüpft an die bereits erschienenen Dr. Laurin-Romane von Patricia Vandenberg an. Die Familiengeschichte des Klinikchefs Dr. Leon Laurin tritt in eine neue Phase, die in die heutige moderne Lebenswelt passt. Da die vier Kinder der Familie Laurin langsam heranwachsen, möchte Dr. Laurins Frau, Dr. Antonia Laurin, endlich wieder als Kinderärztin arbeiten. Somit wird Antonia in der Privatklinik ihres Mannes eine Praxis als Kinderärztin aufmachen. Damit ist der Boden bereitet für eine große, faszinierende Arztserie, die das Spektrum um den charismatischen Dr. Laurin entscheidend erweitert. »Er ist einfach toll!«, schwärmte Salome Rhein mit leuchtenden Augen. Sie saß mit ihrem Freund Dr. Valentin McGregor, der allgemein nur ›Mac‹ genannt wurde, in einem Lokal, wo sie mit Freunden verabredet waren. »Am Anfang wusste ich ja nicht, was ich von ihm halten sollte, weil er immer so ernst wirkt, aber sobald er mit Kindern zusammen ist, erscheint er mir wie ausgewechselt. Ich mag ihn wirklich sehr.« »Muss ich mir Sorgen machen?«, erkundigte sich Mac. Sie lachte und küsste ihn – genau in dem Moment betraten ihre Freunde Sina Burmeister und Thorsten Fischbach das Lokal. »Meine Güte, über das Stadium von Frischverliebten solltet ihr allmählich mal hinaus sein!«, rief Sina. »Wieso?«, fragte Thorsten und küsste nun seinerseits Sina. »Sind wir das etwa?« Der Abend zu viert begann also unter allgemeinem Gelächter. Erst als auch Sina und Thorsten Platz genommen hatten, erklärte Mac: »Salome hat so von dem Erzieher geschwärmt, den ihre Kita vor einigen Monaten eingestellt hat, dass ich fragen musste, ob ich eifersüchtig sein sollte. Der Kuss war ihre Antwort.« »Wieso bietet der Mann Anlass zum Schwärmen?«, erkundigte sich Thorsten. »Einfach weil er ein toller Erzieher ist.
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Seitenzahl: 117
Veröffentlichungsjahr: 2023
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»Er ist einfach toll!«, schwärmte Salome Rhein mit leuchtenden Augen. Sie saß mit ihrem Freund Dr. Valentin McGregor, der allgemein nur ›Mac‹ genannt wurde, in einem Lokal, wo sie mit Freunden verabredet waren. »Am Anfang wusste ich ja nicht, was ich von ihm halten sollte, weil er immer so ernst wirkt, aber sobald er mit Kindern zusammen ist, erscheint er mir wie ausgewechselt. Ich mag ihn wirklich sehr.«
»Muss ich mir Sorgen machen?«, erkundigte sich Mac.
Sie lachte und küsste ihn – genau in dem Moment betraten ihre Freunde Sina Burmeister und Thorsten Fischbach das Lokal. »Meine Güte, über das Stadium von Frischverliebten solltet ihr allmählich mal hinaus sein!«, rief Sina.
»Wieso?«, fragte Thorsten und küsste nun seinerseits Sina. »Sind wir das etwa?«
Der Abend zu viert begann also unter allgemeinem Gelächter. Erst als auch Sina und Thorsten Platz genommen hatten, erklärte Mac: »Salome hat so von dem Erzieher geschwärmt, den ihre Kita vor einigen Monaten eingestellt hat, dass ich fragen musste, ob ich eifersüchtig sein sollte. Der Kuss war ihre Antwort.«
»Wieso bietet der Mann Anlass zum Schwärmen?«, erkundigte sich Thorsten.
»Einfach weil er ein toller Erzieher ist. Außerdem ist er musikalisch, er kann unglaublich viele Lieder singen und auf der Gitarre begleiten – dabei kennt er auch noch sämtliche Texte. Er weiß viele Spiele, er merkt, wenn ein Kind traurig ist und findet den richtigen Weg, um es zu trösten …«
»So wie ich«, sagte Mac mit breitem Grinsen, »mit meinem Dudelsack und dem Kilt.«
Die anderen lachten. Mac war Kinderarzt, Antonia Laurin und Maxi Böhler hatten ihn vor einiger Zeit in ihrer Gemeinschaftspraxis angestellt, auch, weil sie vermuteten, dass einige Jungen sich vielleicht lieber von einem männlichen Arzt behandeln lassen wollten. Diese Annahme war richtig gewesen, aber es gab auch viele kleine Mädchen, die den jungen Arzt mit den ziemlich langen braunen Haaren, der manchmal einen Rock trug, der nicht ›Rock‹ hieß, sondern ›Kilt‹ und der einem seltsamen Instrument mit Namen ›Dudelsack‹ außergewöhnliche Töne entlocken konnte, sehr schätzten. Macs Vater war Schotte und stolz darauf. Diesen Stolz hatte er seinen drei Söhnen vererbt.
»Fast so wie du«, sagte Salome Rhein und gab Mac noch einen Kuss. »Noahs musikalische Bandbreite ist etwas größer als deine, wenn ich das mal so sagen darf.«
»Ha!«, rief Mac. »Ich kann auch sehr gut singen, wie du eigentlich wissen solltest.«
»Er singt jeden Morgen unter der Dusche«, klärte Salome die beiden anderen auf. »Das klingt auch ganz nett, aber Noah hat eine wirklich schöne Stimme, und er kann nicht nur Gitarre spielen, sondern auch Xylofon, zum Beispiel. Und trommeln kann er auch. Ich glaube sogar, dass er auch Saxofon spielt, das Bekenntnis ist ihm mal aus Versehen herausgerutscht. Er hat dann so getan, als hätte ich ihn falsch verstanden, aber das war nicht der Fall.«
»Er ist also ein Universaltalent«, stellte Thorsten fest. »Kein Wunder, dass du eifersüchtig bist, Mac, wäre ich an deiner Stelle auch.«
»Siehst du!«, rief Mac und sah Salome anklagend an. »Thorsten versteht mich!«
Das muntere Geplänkel wurde von der Kellnerin unterbrochen, die ihnen die Speisekarten brachte und fragte, ob sie schon etwas zu trinken bringen dürfe.
Sie bestellten also die Getränke, danach dauerte es fast eine Viertelstunde, bis sich alle entschieden hatten, was sie essen wollten. »Wir werden ja nicht jeden Tag in so ein feines Restaurant eingeladen«, stellte Thorsten fest. »Da muss man sich schon ein bisschen Zeit lassen.«
»Und die Frage stellen, was eigentlich der Grund für diese Einladung ist«, setzte Sina hinzu.
»Wieso?«, fragte Salome. »Muss es denn immer einen Grund geben? Dürfen wir euch nicht einfach mal so einladen, weil wir uns freuen, dass ihr unsere Freunde seid?«
»Klar dürft ihr«, sagte Thorsten. »Aber wir glauben, dass ihr einen Grund habt und hoffen, dass ihr ihn uns verratet.«
Salome und Mac lächelten sonnig. »Wir freuen uns auf einen schönen Abend mit euch«, sagte Mac.
Sina begriff, dass Thorsten und sie nichts erreichen würden, wenn sie weiterbohrten. »Spielverderber«, sagte sie.
Die Kellnerin brachte die Getränke, Salome und Mac hatten darauf bestanden, mit ihren Freunden einen Aperitif zu sich zu nehmen. Die beiden Frauen wählten einen ohne Alkohol, die Männer tranken Martini.
»Nobel geht die Welt zugrunde«, lächelte Sina, als sie anstießen. »Wir trinken auf euch und danken noch einmal herzlich für die Einladung.«
»War uns ein Vergnügen«, sagte Mac. »Wir haben schon lange nicht mehr zu viert gemütlich zusammengesessen, es wurde einfach wieder einmal höchste Zeit, und wir hatten keine Lust zu kochen. Wir wollten Zeit für Gespräche haben und nicht dauernd in die Küche rennen müssen.«
»Womit auch das geklärt wäre«, sagte Thorsten.
Während sie die Vorspeisen aßen, tauschten sie Neuigkeiten der letzten Zeit aus und waren verblüfft, als sie feststellten, dass sich in den letzten zwei Monaten, in denen sie alle beruflich sehr eingespannt gewesen waren, tatsächlich ziemlich viel getan hatte. Sina und Salome telefonierten zwar häufig miteinander, aber auch in diesen Gesprächen hatte es in letzter Zeit immer nur für einen recht knappen Informationsaustausch gereicht.
Sie warteten auf die Hauptspeisen, als Salome das Gespräch noch einmal auf ihren Kollegen Noah brachte. »Er beschäftigt mich«, sagte sie. »Er ist wirklich der geborene Erzieher, ihr müsstet ihn mal im Umgang mit den Kindern sehen, aber gleichzeitig ist da so eine Art … Traurigkeit um ihn, die nie ganz weggeht, selbst wenn er mit den Kindern lacht und Blödsinn macht. Ich kann das nicht richtig erklären. Er ist einfach kein typischer Dreißigjähriger. Er müsste doch eigentlich versuchen, die Welt aus den Angeln zu heben, aber das tut er nicht. Er lebt stattdessen total zurückgezogen, und ich bin nicht einmal sicher, ob er Freunde hat.«
»Woher willst du das wissen?«, fragte Thorsten. »Das kannst du doch gar nicht beurteilen.«
»Man kriegt schon einiges mit, wenn man so eng miteinander arbeitet, wie wir das in unserer Kindertagesstätte tun«, sagte Salome. »Alle erzählen, was sie am Wochenende unternommen haben, er nicht. Alle lassen hier und da mal Namen von Bekannten, Verwandten oder Freunden fallen, Noah nie. Er verliert buchstäblich kein Wort über sein Privatleben.«
»Was aber nicht heißen muss, dass er keins hat«, stellte Sina fest. »Es könnte zum Beispiel bedeuten, dass er etwas zu verbergen hat.«
»Der Gedanke ist mir auch schon gekommen und gefällt mir natürlich nicht besonders«, gestand Salome.
»Muss ja nichts Schlimmes sein«, meinte Thorsten. »Vielleicht ist es auch einfach so, dass er sein Privatleben für sich behalten will, keine Vermischung mit dem Arbeitsbereich. Oder hast du den Verdacht, er könnte etwas geheim halten, was du als Leiterin der Kindertagesstätte eigentlich wissen müsstest?«
»Nein, den Eindruck habe ich nicht, aber andererseits weiß ich natürlich, dass Menschen, die durch und durch sympathisch wirken, es nicht unbedingt sein müssen.«
»Du denkst an den Verbrecher, den alle Nachbarn als liebenswürdigen, zurückhaltenden Menschen beschrieben haben, bevor er zufällig auffliegt und keiner, der ihn kannte, will es glauben?«
»Na ja, Verbrecher …«, erwiderte Salome zögernd. »Das ist ein ziemlich krasses Beispiel, soweit würde ich nicht gehen. Aber wenn ich bei Menschen etwas feststelle, was ich nicht verstehe, beunruhigt es mich einfach.«
»Schluss jetzt mit deinem rätselhaften Kollegen«, sagte Mac energisch, »da kommen unsere Hauptspeisen, die wollen wir genießen, ohne über mögliche menschliche Abgründe nachzudenken.«
Die anderen waren einverstanden, auch Salome, die sich bereits ärgerte, die Sprache noch einmal auf Noah gebracht zu haben.
*
Mia Domscheidt aß bei ihrer Schwester Nora Klinger, deren Mann Lukas und der gemeinsamen Tochter Sofie zu Abend. Nora hatte einen Gemüseauflauf gemacht, allen schmeckte es hervorragend, auch der fünfjährigen Sofie, die eine ›schlechte Esserin‹ war, wie ihre Großmutter mütterlicherseits behauptete. Nora und Lukas bestritten das, sie zwangen ihre Tochter nur nicht, wie man es früher gemacht hatte, zu essen, was ihr nicht schmeckte.
»Und? Wie läuft es in der Schule?«, erkundigte sich Lukas bei seiner Schwägerin. Mia war sieben Jahre jünger als Nora, sie war jetzt Referendarin an einem Gymnasium, wo sie Französisch und Musik unterrichtete. Sie hatte ihr Studium zügig durchgezogen, mit fünfundzwanzig war sie eine der jüngsten Referendarinnen.
»Gut«, sagte Mia. »Das ist total lecker, Nora! Ich weiß nicht, wie du das immer hinkriegst, bei mir schmeckt das jedes Mal richtig langweilig.«
»Dann musst du mehr Gewürze nehmen – und die Gewürze vorher anbraten, das wirkt Wunder«, sagte Nora.
Bis vor Kurzem hatte Mia noch bei ihnen gewohnt, war aber, sobald sie eine eigene Wohnung hatte finanzieren können, ausgezogen. Nicht, dass Nora und Lukas sie gedrängt hatten, aber die Wohnung war für vier Personen einfach zu klein. Als Sofie noch nicht auf der Welt gewesen war, hatte Mia auch schon hier gewohnt, da war es einfacher gewesen, doch seit Sofies Geburt war der Platzmangel natürlich mit jedem Jahr, in dem das kleine Mädchen mehr Raum benötigte, größer geworden.
Jetzt hatte Mia ein Appartement in der Nähe und war darüber sehr glücklich. Endlich ihr eigenes, wenn auch kleines und unerhört teures Reich – aber es war, fand sie, das Geld wert. Sie wollte endlich auf eigenen Füßen stehen und sich ihr Leben so einrichten, wie es ihr passte. Das war vor allem in Zeiten, die schon etwas länger zurücklagen und an die sie ungern zurückdachte, nicht möglich gewesen.
»Ich fange ja erst an«, fuhr Mia, an ihren Schwager gewandt, fort. »Noch haben sie mich nicht ins kalte Wasser geworfen, wo ich eine Stunde als Vertretung geben muss, ohne vorbereitet zu sein. An meiner Schule ist der Mangel an Lehrkräften nicht so groß wie woanders, das ist mein Vorteil. Ich weiß von einigen, die auch im ersten Referendariatsjahr sind, die schon richtig unterrichten müssen, einfach, weil sonst niemand da ist. Das geht natürlich nicht immer gut. Wenn du an eine Klasse gerätst, die sich einen Spaß daraus macht, die Anfängerin vorzuführen, stehst du dumm da. Mit so einer Situation umzugehen, muss man erst einmal lernen.«
»Hoffentlich bleibt dir das noch eine Weile erspart«, meinte Nora. »Ich könnte mir vorstellen, dass man da ganz schnell den Spaß am Beruf verliert.«
»Das passiert tatsächlich dauernd«, sagte Mia. »Ich habe aber Glück mit meinen Fächern. Musik ist, jedenfalls, wenn es nicht um Theorie geht, ein Fach, an dem viele Kinder Freude entwickeln, wenn man sie richtig packt. Und Französisch ist so schwer, dass es ihnen Respekt einflößt. Und es klingt so schön, dass viele einfach neugierig darauf sind.«
»Noch mal!«, sagte Sofie und schob ihrem Vater den Teller zu, den sie bereits geleert hatte.
Er betrachtete sie mit hochgezogenen Augenbrauen, ohne sich zu rühren.
»Bitte«, setzte Sofie nach einer kurzen Pause hinzu.
»Aber gern doch«, sagte Lukas, woraufhin sie beide lachten. Es war ein Spiel, das sie regelmäßig spielten.
»Ach, das hätte ich ja beinahe vergessen!«, rief Nora. »Sofies Termin bei Frau Dr. Laurin, Mia. Kannst du da mit ihr hingehen – übermorgen um fünf, nachdem du sie in der Kindertagesstätte abgeholt hast? Ich habe den Termin extra so gelegt, dass er sich direkt anschließt, damit du nicht zweimal einspringen musst.«
»Kein Problem«, sagte Mia, »mach ich gern. Das ist die Kontrolle wegen der Halsentzündung, oder?«
»Ja, Frau Dr. Laurin wollte sich das noch einmal ansehen, Sofie hat ja ziemlich lange gehustet.«
»Aber jetzt nicht mehr«, sagte Sofie, die auch ihre zweite Portion schon fast wieder weggeputzt hatte. Mia hatte sich schon oft gefragt, wie ihre Mutter dazu kam, dieses muntere und wohlgenährte Mädchen als ›schlechte Esserin‹ zu bezeichnen. Vermutlich, dachte sie gelegentlich nicht ohne Bosheit, lag es weniger an Sofie als an der Art von Essen, das ihr bei der Oma vorgesetzt wurde.
»Super«, seufzte Nora, »dann muss ich mir darüber keine Sorgen mehr machen, wir haben nämlich eine wichtige Teambesprechung, die natürlich wieder einmal nachmittags angesetzt wurde, obwohl bei uns in der Agentur die Hälfte nur halbtags arbeitet.«
Nora war Grafikerin in einer Werbeagentur, sie war erst wieder in ihren Beruf zurückgekehrt, seit Sofia in eine Kindertagesstätte ging.
»Hat Mama dir nicht angeboten, Sofie zu begleiten?«, fragte Mia.
»Doch, natürlich, das bietet sie mir ständig an. Aber du weißt ja …« Die beiden Schwestern wechselten einen verständnisinnigen Blick, der von Sofie aufmerksam vermerkt wurde, bevor sie verkündete: »Ich gehe lieber mit Mia.«
»Schon gut, Süße, ich gehe ja mit dir.«
Sofie kratzte die letzten Reste von ihrem Teller, schien kurz zu überlegen, ob sie sich noch eine dritte Portion zutraute, entschied sich dann aber dagegen und lehnte sich zufrieden zurück. »Das war lecker«, sagte sie. »Ich will aber auch zu Dr. Mac, Mia! Er soll Dudelsack für mich spielen.«
»Das macht er doch nur selten, und du bist ja nicht bei ihm, sondern bei Frau Dr. Laurin.«
Sofie schob die Unterlippe vor. »Aber sie hat keinen Dudelsack«, wandte sie ein.
»Ich frage mal Frau Suder, ob sich da etwas machen lässt, okay?«
Carolin Suder saß am Empfang der Kinderarztpraxis, bei ihr liefen alle organisatorischen Fäden zusammen – und wenn es Probleme gab, wusste sie immer Rat.
»Ist gut«, sagte Sofie. »Kann ich jetzt ein Eis?«
»Eis gibts erst, wenn alle mit dem Essen fertig sind, das weißt du doch«, erklärte Nora.
Sofie nickte und geduldete sich. Ihr war anzusehen, dass es ihr schwerfiel, zumal die Erwachsenen jetzt eine angeregte Diskussion über ein Thema begannen, das Sofie überhaupt nicht interessierte – es ging um politische Fragen, die sie nicht verstand. Solche Diskussionen sorgten, wie sie aus leidvoller Erfahrung wusste, in der Regel dafür, dass sich das Essen hinzog, weil ihre Eltern und ihre Tante vor lauter Reden das Essen vergaßen.
Schließlich aber hatten die drei ein Einsehen: Sie leerten ihre Teller, und Nora sagte die erlösenden Worte: »Und jetzt kommt das Eis, Sofie – aber danach geht es zügig ab ins Bett.«
Sofie zog es vor, nur den ersten Teil des Satzes zur Kenntnis zu nehmen. Sie eilte mit ihrem Papa in die Küche, um die Zuteilung der Eisportionen höchst selbst zu überwachen.
