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Andreas Schöwe

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Beschreibung

Wieder einmal höchste Alarmstufe auf dem Kreuzfahrtschiff Mare Fantasy: Erneut dreht sich alles um die Millionärin Sigrid von Schnitzer! Der Polizei liegen Pläne vor, wonach die Millionärin in Hamburg entführt werden soll. Das LKA Hamburg bittet daher Kapitän Hanson um Unterstützung und möchte die „schreckliche Alte“ aus der Schusslinie bringen. Sie wird nach Gran Canaria geflogen, wo die Mare Fantasy auf neue Gäste wartet. Direkt am Flughafen nehmen Security-Mitarbeiterin Leo Winter sowie der Barkeeper Luis Schönmann, eine Art Vertrauter der VIP-Kundin, die Frau in Empfang. Dabei entdeckt Luis jedoch einen üblen Halunken aus seiner dunklen Vergangenheit. Die beiden haben noch eine Rechnung offen und ausgerechnet auf der Mare Fantasy kreuzen sich nun ihre Wege! Am nächsten Tag möchte Sigrid von Schnitzer auf Teneriffa einen Ausflug zum Vulkan Teide unternehmen. Leo, Luis und Kollege Benne übernehmen den Personenschutz. Dann überschlagen sich die Ereignisse! Eine rasante Jagd über Teneriffa beginnt! Leo und Benne setzen alles daran, um ihre Schäfchen zusammenzuhalten, doch das ist nicht so einfach. Ein rasantes Katz-und-Maus-Spiel gegen einen unbekannten Gegner beginnt! Die Kreuzfahrtpolizisten: 5.000 Passagiere freuen sich auf einen erholsamen Urlaub an Bord der Mare Fantasy - 1.500 Besatzungsmitglieder arbeiten Tag und Nacht, damit es den Gästen am kulinarischen Wohl, an der Unterhaltung oder an der Sicherheit für Leib und Leben nicht fehlt. 6.500 Menschen mit ihren individuellen Aufgaben, Zielen, Besonderheiten und Wünschen auf engstem Raum in einer abgeschlossenen Welt auf dem Meer … da geht immer etwas schief! Dann kommen Leonie „Leo“ Winter und Benedikt „Benne“ Cordes. Sie sind Security-Mitarbeiter auf diesem Kreuzfahrtschiff der Superlative. Ihre Aufgabe ist es, für Sicherheit und Ordnung zu sorgen und die Gelddruckmaschine ohne Unterbrechung im Takt zu halten! Diese Aufgabe ist gar nicht so einfach! 1. Überarbeitete Neuauflage!

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Veröffentlichungsjahr: 2025

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Die Kreuzfahrtpolisten - Band 5

Denken Sie beim Lesen der Kreuzfahrtpolizisten immer daran: Eine Kreuzfahrt ist eine Seefahrt und eine Seefahrt hat immer etwas mit dem berühmten Seemannsgarn zu tun ...

1 - Eine ungeplante Begegnung

Leonie Winter ist heute in spezieller Mission unterwegs, doch wenigstens stimmt das Wetter. Die Securitymitarbeiterin vom Kreuzfahrtschiff Mare Fantasy, liebt das Klima auf den Kanaren. Erst recht zu dieser Jahreszeit. In Europa ist Winter, während hier auf Gran Canaria die Menschen in luftiger Sommerkleidung einen Hauch von Sommer genießen. Leonie, genannt Leo, kann absolut verstehen, warum es in den Wintermonaten so viele Urlauber auf die Kanaren zieht. Da ist es keine Frage, dass die Kreuzfahrtschiffe den Urlaubskarawanen in dieses Gebiet folgen. So hat es auch Leo mit der Mare Fantasy gemacht. Seit ein paar Wochen kreuzt das Schiff im östlichen Atlantik. Leo ist heute auf Landausflug. Sie genießt die warmen Sonnenstrahlen, deren Strahlkraft immer wieder durch einen kühlenden Windstoß über die Haut gedämpft wird. Die junge Frau mit schnellen Schritten die wenigen Meter vom Kurzzeitparkplatz in das Flughafengebäude der Urlaubsinsel. Hier soll sie einen besonderen Gast in Empfang nehmen. Leonie Winter ist eine bemerkenswerte Frau, die mit einer beeindruckenden Mischung aus Stärke und Scharfsinnigkeit ihr Leben meistert. Mit ihren schulterlangen kastanienbraunen Haaren, die sie oft zu einem praktischen Pferdeschwanz gebunden trägt, strahlt sie eine Aura der Entschlossenheit und Eleganz aus. Sie verfügt bereits mit Mitte dreißig über eine vielseitige berufliche Laufbahn. Ihr Spitzname Leo erinnert an die Kraft und List eines Löwen, was perfekt zu ihrer Persönlichkeit passt. Als gelernte Polizistin hat sie während ihres früheren Berufs in Hannover einen scharfen Blick für Details entwickelt. Zudem verfügt sie über eine ausgeprägte Fähigkeit zur logischen Schlussfolgerung und konsequenten Verfolgung von Vergehen und Straftaten. Diese Eigenschaften machen sie zu einer herausragenden Ermittlerin, die stets auf der Suche nach der Wahrheit ist und keine Herausforderung scheut. Leo hat den Dienst bei der Polizei aus persönlichen Gründen quittiert. Beruflich hat sie sich anschließend neu orientiert und landete vor ein paar Monaten bei der Security auf dem Kreuzfahrtschiff Mare Fantasy. Heute ist sie in einer speziellen Mission und im Auftrag des Herrn unterwegs: Der Kapitän persönlich hat sie gebeten, zum Flughafen zu fahren. „Jetzt trödel nicht so herum, Luis“, fordert Leo im schnellen Laufschritt. „Wir haben schon reichlich Verspätung. Das Flugzeug aus Hamburg ist längst gelandet!“ „Seit wann holen wir unsere Gäste persönlich vom Flughafen ab?“, möchte Leos Begleiter wissen, der Mühe hat, den flinken Schritten der jungen Frau zu folgen. Er hat hingegen mehr Interesse an den einheimischen Frauen und den Besucherinnen, die hier am Flughafen zahlreich anzutreffen sind. „Der Kapitän hat uns gebeten, dass wir das ausnahmsweise machen“, erklärt Leo und empfindet die klimatisierte Frische beim Betreten des Terminals als eine willkommene Abwechslung. Durch eine imposante, elektrische Drehtür gelangen die zwei in die hektische Flughafenhalle. Es ist auf den Kanaren Hochsaison, und da ist niemand über die Menschenmassen hier im Gebäude verwundert. Kreuz und quer drängen die Menschen auf der Suche nach ihren Zielen, ähnlich einem Ameisenhaufen. Lautsprecherdurchsagen kündigen Flüge oder Abflüge an, vereinzelt plärrt ein Kind und überall hocken wartende Menschen auf ihre Abreise oder auf ihre Liebsten. „Aber warum? Sonst schafft die das doch auch ohne Hilfe“, ruft der Begleiter Luis aus. Auf dem modernen Kreuzfahrtschiff ist der charismatische Barkeeper Luis Schönmann das Herzstück der Bordbewirtung. Mit seinen 39 Jahren und einem athletischen Körper, den er täglich im Fitnessstudio pflegt, zieht er die Blicke der Passagiere auf sich. Sein perfekt gestutzter Ziegenbart, seine blonden, gegelten Haare und sein strahlendes Lächeln machen Luis zu einem unwiderstehlichen Anziehungspunkt, besonders für die jungen weiblichen Gäste an Bord. „Es gibt eine Bedrohungslage“, erklärt Leo und bleibt abrupt vor einem mehrere Meter hohen, geschmacklos bunt geschmückten Weihnachtsbaum stehen. Sie schüttelt innerlich den Kopf, während ihre Augen entlang des Baumes bis an die Spitze hinaufziehen. „Ist das nicht surreal, Luis? Es sind draußen fast 30 Grad und es ist Weihnachten!“ Leo dreht sich zu ihrem Begleiter um. „Das ist doch verrückt!“ Luis kann diese Meinung seiner Kollegin und Freundin nicht verstehen: „Was meinst Du? Da kann man doch schön gemütlich Heiligabend auf dem Außendeck sitzen und nett anstoßen! Durch den globalen Klimawandel wird das bald überall auf der Welt möglich sein! Keine nasse Kälte. Kein Schnee! Und wehe, diese Klimaschützer verhindern das!“ „Unsinn“, faucht Leo, ihrem Namen alle Ehre machend, zurück. „Zu Weihnachten muss es kalt und regnerisch sein. Die Menschen müssen wild durch die Gegend hetzen, schlechte Laune und unnötig Stress verbreiten. Aber hier ist Hochsommer.“ „Yo. Und da gibt es viel mehr zu sehen.“ Leo bemerkt, wie sich Luis gerade mal wieder den Hals verrennt und einer exotischen Stewardess hinterherstiehlt. Luis liebt das Leben in vollen Zügen und strahlt eine unerschütterliche Lebensfreude aus. Jeden Tag freut er sich aufs Neue auf seine Arbeit hinter der Bar und darauf, die Wünsche und Bedürfnisse seiner Gäste zu erfüllen. Mit seiner Leidenschaft für Mixgetränke und seinem Talent im Umgang mit Spirituosen zaubert er durch kreative Cocktails seinen Gästen Dankbarkeit und Freude ins Gesicht. Lachend gibt die junge Ex-Polizistin dem Barkeeper einen Klaps. „Starr den Frauen nicht so nach. Komm. Wir sind spät dran.“ Die beiden gehen weiter in Richtung Passagierankunft. Nach nur wenigen Metern bleibt Leo erneut stehen. Ihr Blick fällt auf eine kleine Gruppe Menschen, die etwas auf Spanisch brüllen, während sie Protestbanner und Plakate in die Höhe strecken. Die beiden Deutschen verstehen kein Wort, können aber die Kernaussage richtig deuten. Es handelt sich um Einheimische, die gegen den ausufernden Massentourismus auf der Insel kämpfen. Auf den Kanaren und auf den Balearen gibt es seit einiger Zeit die Bestrebungen der Einheimischen, den traditionellen Inselscharm und das idyllische Inselleben zurückzugewinnen. Billigtourismus, Massenandrang aus aller Herren Länder, Sauf- und Feiergelage sowie Gedränge an den attraktivsten Plätzen der Inseln sollen verschwinden. Der Aufstand geht nicht gegen einzelne Touristen oder Gruppen. Jeder ausländische Besucher kann sich frei auf den Inseln bewegen. Die Demonstrationen richten sich lediglich gegen profitgierige Tourismuskonzerne und bestechliche Lokalpolitiker, deren Gier von Jahr zu Jahr wächst. Leo und Luis wissen: Ihr Arbeitgeber, die Mare Cruise Line, ist da nicht anders als die anderen Angeprangerten. Aktuell sind zwei Schiffe ihrer Reederei im Bereich der Kanaren unterwegs, die hier wöchentlich einen Passagierwechsel vornehmen. Das heißt, die Reederei nutzt praktisch kostenfrei die Inselinfrastruktur wie Flughafen, Straßen und Busse. Sie bringt damit jede Woche 10.000 Gäste auf die Insel oder setzt sie anschließend wieder in die Heimatflieger. Diese Gäste machen kaum Umsatz auf den Inseln, sondern vorrangig auf den Kreuzfahrtdampfern. Der Kreuzfahrttourismus verursacht aber Kosten und Belastungen vor Ort, die durch Abgaben für Steuern oder lokale Transportdienstleister nicht mal ansatzweise im Verhältnis ausgeglichen werden. Die beiden setzen ihre Reise fort. „Was für eine Bedrohungslage?“, möchte Luis wissen, während sie sich weiter den Weg durch zahlreiche ankommende und abreisende Gäste bahnen. „Dem LKA liegen Informationen vor, dass Unbekannte unseren Gast in Hamburg entführen möchten.“ „Entführen?“, lacht Luis laut auf. „Mit dieser Frau wird kein Entführer glücklich. Die lassen Frau von Schnitzer nach fünf Minuten wieder laufen und entschuldigen sich sogar noch für das Versehen. Niemand hält es lange mit dieser Frau in einem Raum aus.“ Dem kann Leo zustimmen. Sie kennt die Frau, die sie mit Luis abholen soll, von früheren Reisen. Sigrid von Schnitzer, über 70 Jahre alt, ist regelmäßiger Gast auf der Mare Fantasy. Ihr Benehmen und ihre Beschimpfungen sind legendär. „Mag sein. Solange die Hintergründe dieser geplanten Entführung nicht geklärt sind, möchte das LKA Frau von Schnitzer aus der Schusslinie haben und sie an einem sicheren Ort wissen.“ „Und dieser Ort ist bei uns auf dem Schiff?“ Leo lacht, während sie weiter drängt. „Wir haben einen hervorragenden Sicherheitsdienst.“ „Und das LKA schafft das nicht?“, fragt Luis zurück. „Komm schon, Luis. Du kannst doch ausgezeichnet mit Frau von Schnitzer und sie gibt Dir auch jeden Abend Trinkgeld!“ Da hat Leo vollkommen recht. Auf den vielen Reisen sitzt Frau von Schnitzer oft bei Luis an der Theke und lässt sich munter volllaufen. Dabei spricht sie andere Männer ungehobelt an, unabhängig davon, ob sie in Begleitung sind oder nicht. Alter spielt keine entscheidende Rolle. Wenn es nicht nach ihrer Nase geht, pöbelt die ältere Dame herum und äußert wüste Beschimpfungen in alle Richtungen. „Wer Trinkgeld von der bekommt, muss viel einstecken!“, versucht Luis zu rechtfertigen. Er weiß, neben Hotel-Manager Tarek Yizmir und Housekeeper ‘Schlitzy’ Sam ist er der Einzige an Bord, der einigermaßen mit dieser Frau zurechtkommt. „Das kannst Du gut!“ „Die möchte mir jeden Tag an die Wäsche!“, erklärt Luis, während er erneut seine Aufmerksamkeit einer jungen Frau schenkt, die gerade seinen Weg kreuzt und ihrerseits breit lächelnd zurückschaut. „Das ist doch nicht wirklich ein Problem für Dich“, erklärt Leo, während sich der Begleiter nahezu den Hals ausrenkt. „Die Alte ist über 70 Jahre! Was denkst Du von mir?“ Leo schüttelt lächelnd den Kopf und lehnt es ab, darüber näher nachzudenken. Sie nimmt stattdessen den Weg wieder auf. „Komm. Frau von Schnitzer wird von einem LKA-Beamten hierhergebracht. Wir müssen Sie direkt an der Ankunft in Empfang nehmen und zum Schiff geleiten.“ „Ich bin Barkeeper und kein Sicherheitsmann.“ „Und Vertrauensperson von Frau von Schnitzer.“ Da hat Leo wieder recht. Während der Sauforgien hat die rüstige Rentnerin Luis schon manche Geschichte und Intimität erzählt. Doch bei Luis steht die Barkeeper-Ehre hoch im Kurs. Was an der Theke gesprochen wird, bleibt dort und wird mit Alkohol weggespült. Barkeeper sind fast wie Priester bei der Beichte: wertvolle Vertrauenspersonen. „Sieh mal, unsere Leute“, ruft Leo aus, während sie auf eine Gruppe wartender Personen zukommen. Es sind neue Passagiere, die gerade mit dem Flugzeug auf Gran Canaria gelandet sind. Ihre Koffer, die sie vor wenigen Minuten erst vom Gepäckband des Flughafens heruntergenommen haben, sind bereits an hilfsbereite Hände von der Mare Fantasy weitergegeben worden. Crewmitglieder vom Schiff stehen mit Schreibbrettern und sperrigen Kofferwagen bereit, um die Gäste der neuen Reise direkt vom Flughafen zum Schiff zu dirigieren. Ein Kreuzfahrturlaub beginnt mit der Anreise. Die ankommenden Gäste geben bei der Ankunft das Gepäck und den Alltag ab und genießen von diesem Moment an die lückenlose Vollversorgung auf dem Kreuzfahrtschiff. „Moin“, ruft Leo zu den vier Mitarbeitern vom Schiff, von denen sie zwei kennt. Leo winkt glücklich zu den Kollegen. Es sind ausschließlich junge Angestellte, die während der Übergangszeit zwischen Schule und Beruf oder Studium für ein bis zwei Jahre auf einem Kreuzfahrtschiff arbeiten und dabei leichte Tätigkeiten wie die Betreuung der Gäste übernehmen. Die vier winken fröhlich zurück. Vor ihnen warten rund 20 Urlaubsgäste darauf, endlich zum bereitstehenden Bus und anschließend weiter zum Schiff gebracht zu werden. Wie von einem Schlag getroffen, dreht sich Luis explosionsartig ab. Er versucht, mit Leo, die zügig an der Gruppe vorbeizieht, Schritt zu halten. Das ist nun allerdings deutlich schwieriger für Luis geworden, da er sich beim Laufen in die entgegengesetzte Richtung verrenkt. „Luis, was ist los?“, fragt Leo, als sie bemerkt, dass sie mal wieder auf den Kollegen warten muss. „Nicht so laut“, fordert Luis. „Was ist passiert?“ „Nichts“, raunt Luis Leo ins Ohr. „Lass uns schnell weitergehen.“ „Erst sagst Du mir, was los ist“, bleibt Leo stocksteif und fordernd stehen. Der Barkeeper packt seine Freundin kräftig am Arm und zieht sie mit. Er möchte schnellstmöglich von der Reisegruppe fortkommen. „Ja, aber komm!“ Jetzt ist es Luis, der einen eiligen Schritt vorlegt und Leo nötigt, mitzuhalten. „Was hast Du denn?“ Er zieht sie weiter. Erst nach rund 20 Metern lässt Luis die Kollegin aus dem Griff und läuft langsamer. Er dreht sich noch mal unauffällig um. Luis möchte sichergehen, dass ihn eine bestimmte Person aus dieser Gruppe nicht bemerkt hat oder gar folgt. Dann geht er zu Leo auf Tuchfühlung und fragt: „Hast Du den langen, dürren Typ im Hawaiihemd gesehen?“ Leo dreht sich vorsichtig zu den wartenden Gästen zurück. Ihr war niemand aus der Gruppe sonderlich aufgefallen, aber sie möchte natürlich wissen, wen genau der Freund meint. Sie scannt präzise die Gruppe der wartenden Kreuzfahrtgäste ab, wie sie es vor Jahren bei der Polizei gelernt hat, und identifiziert tatsächlich eine Person im Hawaiihemd, die Luis vielleicht erkannt haben könnte. „Meinst Du den in der giftgrünen Hose, der aussieht, als wäre er seit Jugendtagen Kettenraucher?“ „Ja, genau den meine ich!“ „Was ist mit dem?“ „Ich möchte ihm lieber nicht begegnen!“ „Warum nicht?“ „Lange Geschichte!“ Luis läuft weiter durch den Terminal Richtung Ankunft. „Ich habe Zeit!“ „Hast Du nicht. Wir sind spät dran“, greift Luis nun für seine Zwecke Leos Worte auf, da er diese Geschichte nicht gerne erzählen möchte. „Der Flug von Frau von Schnitzer ist längst gelandet.“ Leo lässt sich nicht so einfach abwimmeln. Es scheint, als hätte Luis richtige Angst vor dem Mann in der Warteschlange. Da wäre es Leos Aufgabe, das zu klären; schließlich will der Mann auf das Schiff, auf dem sie als Securitymitarbeiterin für Sicherheit sorgt. Deshalb möchte sie zusätzliche Informationen haben und bemerkt, wie Luis regelmäßig diskret Ausschau hält. Jetzt verfolgen seine Blicke aber nicht die örtlichen Schönheiten, sondern dienen ausschließlich der eigenen Sicherheit. „Jetzt beruhig Dich. Der Typ hat Dich nicht gesehen!“ „Bei dem muss man mit allem rechnen. Der ist eiskalt!“ Leo blickt Luis erschrocken in die Augen. So hat sie den Kollegen noch nie erlegt. Für gewöhnlich ist er immer gut gelaunt und sorgt für hervorragende Stimmung. Luis ist ein Garant für gute Unterhaltung. Aber jetzt? Jetzt ist alles ganz anders. Luis zittert nicht, aber er ist eingeschüchtert und möchte eindeutig nicht, dass ihm dieser Gast über den Weg läuft. Leo sieht in dieser Situation noch Klärungsbedarf. Dafür ist jetzt keine weitere Zeit, als die beiden eine Stimme hören. „Knackarsch! Hast Du Deinen Kahn verloren?“ Leo ist sich sicher, dass, da der Spruch von einer Frau stammt, ihr Gesäß nicht angesprochen ist. Also noch ein Bekannter von Luis! Die beiden drehen sich in Richtung einer kleinen Erfrischungstheke mit ein paar Sitzplätzen. Kaum fünf Meter von ihnen entfernt. Hier können sich die Reisenden für den bevorstehenden Flug Mut antrinken oder die Angst nach der Landung wegspülen. Auf einem der Barhocker sitzt eine rund 70‑jährige Rentnerin. Die Frau hat sich aufgedonnert wie eine Puffmutti. Ähnlich bunt dekoriert wie der Weihnachtsbaum am Eingang des Terminals präsentiert sie wie gewohnt ihren Reichtum übertrieben offen. Dazu hängt sie wie eine Presswurst in einem viel zu engen, aber sündhaft teuren Designerkleid. „Frau von Schnitzer“, erkennt Luis sofort und geht zur Frau. Beim Näherkommen sieht Luis mit fachkundigem Blick, dass sich die Alte bereits ihrem Hobby zugewendet hat. Auf der Theke steht eine Flasche edelsten Champagner, exklusiv für Frau von Schnitzer geöffnet. Daneben eine Sektkulppe, unbenutzt. Fest umklammert hält die aufgedonnerte Alte einen billigen Bierkrug, der mit edlem Champagner halb gefüllt ist. Neben der Frau wartet ein Gepäckwagen mit drei prall dicken Koffern. „Du hast Dir Zeit gelassen. Das ist schon meine zweite Flasche.“ „Aber, Ihr Flugzeug ist doch erst vor einer halben Stunde gelandet“, versucht Luis sich zu rechtfertigen. Die Alte nimmt einen derben Schluck aus dem Henkelglas, bevor sie antwortet: „Genau, da hast Du recht. Es müsste schon die dritte Flasche sein.“ Wie aus dem Nichts zaubert sie unerwartet einen 50-Euro-Schein in ihre Hand. Sie beugt sich vor, packt lustvoll um Luis herum und schiebt den Schein genüsslich in eine Gesäßtasche von Luis’ weißer Diensthose. „Hier. Eine Anzahlung für Dich, Zuckerstück“, haucht die Rentnerin. „Frau von Schnitzer!“, meldet sich Leo energisch zu Wort. Die Angesprochene reagiert aber nicht. Sie beugt sich noch enger zu Luis vor und haucht ihm ins Ohr: „Hast Du Dein Schiff dabei, Schnuckel?“ Es geschieht, was unvermeidlich ist. Die Schwerkraft kann nicht ausgeblendet werden. Plötzlich sucht sie verzweifelt nach Halt und droht beinahe, vom Barhocker zu fallen. Reaktionsschnell packen Leo und Luis die kreischende Frau und fangen den Stur ab. „Hoppla. Machen wir jetzt einen Dreier?“ Mit vereinten Kräften schieben die beiden Kreuzfahrer die Frau zurück in die aufrechte Position.  „Frau von Schnitzer“, ermahnt Leo deutlicher im Ton. „Ich kenne meinen Namen.“ „Was machen Sie hier?“ Die Alte nimmt einen kräftigen Schluck aus dem Glas und schaut dann, gemeinsam mit Luis, fragend zu Leo. Die versteht die nachdenklichen Blicke. Was Frau von Schnitzer hier macht, weiß Leo natürlich. Sie hatte gerade noch Luis erklärt, dass das LKA eine Entführung von Frau von Schnitzer befürchtet und man sie nun in sicherer Entfernung auf das Kreuzfahrtschiff packen möchte. „Saufen“, kommt es knapp, aber präzise von der Alten zurück. „Das meine ich nicht. Warum sitzen Sie hier allein?“, bleibt Leo energisch. „Wieso allein? Ihr seid doch bei mir.“ Gleichzeitig macht die Frau den Kellner hinter der Theke auf sich aufmerksam, um auf Fingerzeig zwei Gläser einzufordern. „Wo ist Ihre Begleitung?“ „Ich bin Single.“ „Nein, Ihr Schutz.“ „In Hamburg“, antwortet sie knapp, verteilt gastfreundlich den letzten Champagner auf die neuen Gläser und schaut ein wenig überrascht die leere Flasche des edlen, französischen Schaumweins an. Es scheint so, als könnten sie sich einfach nicht erklären, warum diese Schaumweinflasche schon leer ist. „In Hamburg?“, fragt Leo erstaunt. „Der Kapitän sagte, dass Sie in Begleitung hierherkommen würden.“ „Ja. Die Spießer am Flughafen haben mir meine Knarre an der Sicherheitskontrolle abgenommen. Boh, haben die ein Theater veranstaltet! Polizei, CIA, NASA, ARD und jede Menge FStW oder wie die alle heißen! Alle waren da. Die glaubten wohl, ich sei die Geliebte von Bin Laden oder Goldfinger persönlich oder so! Dabei wollte die nur meine Knarre. Haben die Sozis den Bullen die eigenen Waffen wegrationalisiert?“ Leo und Luis nehmen der Alten die Champagnergläser ab. Sie denken aber nicht daran, davon zu trinken. Zumindest hat Leo das nicht vor. „Prost, Frau von Schnitzer“, kommt es freudig von Luis. Als er allerdings den strengen Gesichtsausdruck von Leo bemerkt, stellt der Barkeeper sein Vorhaben ein. „Sie wollten eine Waffe mit ins Flugzeug nehmen?“ „Na klar. Ich wusste doch nicht, dass neuerdings Knarren in Flugzeugen verboten sind. Scheiß Ökos.“ „Und Ihr Begleiter?“ Frau von Schnitzer steht der Mund halb offen. Sie schaut Leo einen Moment fragend an und zweifelt offenbar an deren Auffassungsgabe. Also wendet sie sich an Luis: „Wer ist denn die Schnepfe?“ „Ich bin Leonie Winter. Sie kennen mich, Frau von Schnitzer. Wir hatten schon mehrfach miteinander zu tun.“ Skeptisch wird Leo zunächst noch mal von oben bis unten begutachtet. Es ist deutlich, dass die Alte nachdenkt, aber so richtig scheint Frau von Schnitzer sich nicht an Leo erinnern zu können. „Ist das Deine Freundin, mein feuriger Hengst?“, fragt die aufgedonnerte Alte Luis, ohne einen Blick von Leo zu lassen. „Nein, Frau von Schnitzer.“ „Nah, da hast Du aber Schwein gehabt. Sie scheint nicht die hellste Kerze auf der Torte zu sein.“ Deutlich lauter und direkt an Leo gerichtet kommt nachgeschoben: „Ich habe bereits gesagt, dass ich keinen Begleiter habe. Ich reise allein, da nervt mich niemand. Und bevor sich hier jemand Hoffnungen macht: Ich fahre nicht auf Frauen ab.“ „Ich bin von der Security. Das wissen Sie doch.“ „Häh?“ „Sicherheitsdienst“, erklärt Luis freundlich. „Du bist ein Bulle?“ Und mit Blick auf die schwarze Funktionskleidung von Leo, ähnlich wie ein Streifenpolizist, fügt die Rentnerin hinzu: „Und ich dachte, das wäre Dein Fetisch.“ „Frau von Schnitzer. Ich habe doch gesagt, dass Sie auf mich warten sollen“, hören Luis und Leo aus dem Hintergrund eine abgehetzte Stimme. Sie wenden sich in Richtung der ankommenden Fluggäste, die in die Ankunftshalle drängen. Hinter ihnen steht ein kleiner, rundlicher Typ der Sorte Handelsvertreter. Er hat Schweißtropfen auf der Stirn, hechelt nach Luft und trägt einen Mantel über dem einen Arm und eine kleine Tasche in der anderen Hand. „Ich habe Sie schon überall gesucht.“ „Wer ist die Vogelscheuche?“, flüstert die Alte Luis ins Ohr. Diese Frage kann Luis allerdings selbst nicht beantworten. Diesen Mann hat er noch nie gesehen. Gemeinsam mit den beiden Frauen mustert er den Mann zunächst ausführlich. „Wer sind Sie?“, springt Leo in die Kerbe. „Gestatten, Meyer, Jan. Mit e und y!“ Der Mann scheint strammzustehen, als er sich vorstellt. Fast wie beim Militär. „Schreibt man Jan mit e und y?“ Luis schaut seinen liebsten Gast stumm an und überlegt, ob er diese Frage wirklich beantworten soll. „Ich bin Leonie Winter. Das ist Luis Schönmann. Wir sind von der Mare Fantasy.“ Der rundliche Mann reicht Leo und anschließend Luis freundlich grinsend die Hand. „Angenehm. Dann sind wir miteinander verabredet.“ Frau von Schnitzer verschluckt sich fast am nächsten Champagner-Hieb, als sie diese Worte hört. Sie beugt sich abermals vor. Nun an Leo gewandt zischt sie zwischen ihren makellosen weißen Zähnen hervor: „Igitt, das ist doch eklig. Hast Du es so nötig?“ Der Geduldsfaden von Leo ist kurz vor seinem Belastungslimit. Leo hat diese Frau bereits auf früheren Reisen mit solchen respektlosen oder unangemessenen Äußerungen kennengelernt. Sigrid von Schnitzer ist steinreiche Erbin eines Imperiums aus lukrativen Immobilien in ganz Hamburg. Sie weiß nicht, wohin mit dem vielen Reichtum, und wird ihr ganzes Geld in ihrem restlichen Leben nicht verprassen können. Nicht mal mit Alkohol. Sie ist regelmäßiger Gast an Bord der Mare Fantasy. Dort residiert sie grundsätzlich in der teuersten Suite, obwohl eine fensterlose Innenkabine der billigsten Kategorie genauso ihren Zweck erfüllen würde. Schließlich verbringt Frau von Schnitzer die meiste Zeit der Kreuzfahrten an den Bars. Ihr Ruf bei den Crewmitgliedern ist durchweg miserabel. Niemand möchte mit dieser Frau in Verbindung gebracht werden, da sie sich äußerst unhöflich verhält und unanständige Beleidigungen ausspricht. Der Kellner an dieser Kaffeebar ist hingegen zufrieden mit diesem Gast. Er bringt die 3. Flasche Champagner und freut sich über seinen ordentlichen Umsatz. Da Leo kurz vor dem Platzen steht, dreht sie vorsichtig den Kopf zur Multimillionärin und atmet noch mal tief durch. „Komm, Schätzchen. Wenn Du pleite bist, gebe ich Dir 200,00 EUR. Aber diesen Typen hast Du doch nicht nötig! Dieser widerliche Lustmolch folgt mir schon seit Tagen.“ Leo kämpft augenscheinlich um Fassung. „Frau von Schnitzer. Herr Meyer mit E und Y ist von der Polizei.“ Ungläubig muss Sigrid von Schnitzer den kleinen Mann mit akkuratem Haarscheitel noch mal betrachten. „Der?“ Ihre Abscheu ist deutlich in den Worten zu hören. „Da hatte selbst der Bulle von YMCA mehr Format!“ „Ich bin vom LKA!“ „Ist das eine Sekte? Ich gebe nichts!“ „Nein, Frau von Schnitzer. Das ist die Polizei“, erklärt Leo gedehnt. „Der?“, erklingt wieder die deutliche Abwertung in der Stimme der Alten. „Hat jetzt auch die Polizei Nachwuchssorgen?“ Leo ist die Lust an weiteren Gesprächen deutlich vergangen. Sie wendet sich an den Mann, der einen Kopf kleiner ist als sie selbst. „Sollten Sie nicht auf Frau von Schnitzer aufpassen, bis wir sie übernehmen?“ „Das habe ich“, antwortet der gehetzte Mann. „Im Flugzeug, ja. Und hier auf dem Flughafen?“ „Nun. Wir waren zusammen im Flugzeug. Aber dann war sie weg.“ Leo wendet sich erneut der Rentnerin zu. „Erste Klasse. VIP-Platin-Kreditkarte und Platin-Plus-Status bei der Airline. Man wollte mich in einer Sänfte aus dem Flugzeug tragen. Das habe ich abgelehnt, da ich nicht so besoffen bin. Prost.“ Leo schaut jetz zum LKA-Mann zurück, der schulterzuckend antwortet: „Steuerzahler. Holzklasse. Ganz hinten. Letzter beim Ausstieg!“ „Und Sie saßen im Flugzeug nicht zusammen?“ „Ich saß nicht. Ich lag königlich in der 1. Klasse. Mir wurden Champagner, Kaviar und Hummerzeug gereicht“, erklärt die Seniorin, während sie mal wieder den Krug nachfüllt. Leo blickt zurück auf den Zivilpolizisten und bekommt die erwartete Antwort: „Ich war eingequetscht zwischen zwei restlos betrunkenen Kegelbrüdern auf Sauftour, bekam eine kleine Flasche Wasser und ein trockenes, eingeschweißtes Käsebrötchen von vorgestern.“ Mit so einem Begleitschutz, der Frau von Schnitzer in dieser Bedrohungslage vor Gefahren und üblen Gestalten schützen soll, hat Leo absolut nicht gerechnet. „Laut Darstellung vom Kapitän schwebt Frau von Schnitzer in Lebensgefahr. Wie dilettantisch ist das denn? Sie sind Personenschützer und sollten auf Frau von Schnitzer aufpassen. Damit euch nichts passiert.“ „Der?“ Leo geht auf den Zwischenruf nicht ein. „Vom LKA hätte ich ein wenig mehr Professionalität erwartet.“ Der rundliche Polizist hebt nur die Schultern: „Sie wissen: Ausgabendeckelung und Sparsamkeit im Umgang mit Steuergeldern.“ „Bei meinen Steuerzahlungen hätte ich aber Dwayne Johnson als Personenschützer erwarten dürfen.“ Auch diesen Zwischenruf kommentiert Leo nicht. „Nun. Frau von Schnitzer ist jetzt sicher angekommen und Sie sind hier. Dann darf ich mich jetzt verabschieden. Mein Flugzeug hebt in zwei Stunden in Richtung Deutschland ab. Auf Wiedersehen.“ Ohne eine Antwort abzuwarten, dreht sich das rundliche Kerlchen ab und geht seines Weges. Leo schaut erst Luis und dann Frau von Schnitzer völlig verwundert an. „Was soll das denn?“, fragt Leo, die vom Auftreten dieses Personenschützers vollkommen überrannt wirkt. „Endlich sind wir ihn los. Kommt, Freunde. Jetzt trinken wir erst mal einen auf unser Wiedersehen.“ „Nein, Frau von Schnitzer. Wir fahren jetzt erst mal zum Schiff.“ Mit eindrucksvoller Geste weist Leo quer durch die Halle den Weg Richtung Parkplatz. Frau von Schnitzer bleibt entspannt und leert zum wiederholten Male den Bierkrug. „Du musst Deiner kleinen Freundin mal den Stock aus dem Hintern ziehen, Schätzchen.“ „Das habe ich gehört.“ „Nah, dann weißt Du ja, was zu tun ist.“ „Ich bin nur um Ihre Sicherheit besorgt. Kommen Sie!“ „Apropos, besorgt. Ich reise allein.“ Mit klimperndem Augenausschlag blickt die Alte Luis an. Der versucht, sie nicht weiter zu beachten und hat ihre Andeutungen überhört. Also wendet sie sich in ganz anderer Tonlage an Leo: „In meiner Flasche ist noch Champagner.“ „Das dürfte für Sie kein Problem sein. Dann nehmen Sie sie eben mit.“ Gesagt, getan. Damit kann die Alte leben. Die auffällige Millionärin springt in ihrem viel zu engen Kleid vom Hocker, packt die dritte Champagnerflasche am Hals und möchte zwischen Leo und Luis losmarschieren. Da ruft eilig der Kellner hinter der Theke: „Pagar?“ Deutlich verständlich reibt er die Finger der linken Hand aufeinander. Frau von Schnitzer muss noch bezahlen. „Schreib es auf mein Bordkonto“, ruft die Alte lässig zurück und möchte mit den beiden vom Kreuzfahrtschiff Richtung Ausgang stöckeln. „Escribir a“, folgt im gebrochenen Spanisch. Damit will sich der Kellner natürlich nicht zufriedengeben. Wo auf der Welt kann man auf einem Flughafen auf Kredit teuren Alkohol trinken? Es dauert geschlagene fünf Minuten, bis Frau von Schnitzer endlich einsieht, dass weder im Flughafen angeschrieben wird, noch ein Bordkonto der Mare Fantasy hier Gültigkeit besitzt. Als sie endlich nachgibt, folgt eine lautstarke Diskussion über die Höhe der Rechnung. Die beiden brüllen sich auf Spanisch an. Leo und Luis verstehen kein Wort. Am Ton können sie allerdings glasklar heraushören, dass sich der Kellner und die Millionärin keine Höflichkeiten austauschen. Leo bemerkt derweil, dass Luis einen langen Hals Richtung Sammelpunkt macht und die genaue Lage erkundet. „Sie sind weg“, gibt Leo Auskunft und weiß, nach wem Luis Ausschau hält. Luis schaut Leo kalt an, während hinter ihnen die beiden Streithähne zu Hochform aufschreien. „Warum hast Du vor diesem Mann solch eine Angst?“ Luis schaut Leo für einen Moment an und meint dann vielsagend: „Je weniger Du weißt, desto besser!“ „Solch ein Dummkopf“, ruft Frau von Schnitzer glücklich, als sie sich zwischen die beiden Freunde drängt und sie mit ihren Armen umschließt. An den Kellner noch mal gerichtet: „Jawohl – Tonto!“ Die Alte schaut auf die mitgenommene Flasche. „So billig hab’ ich diesen Fusel schon lange nicht mehr gesoffen!“ „Und warum streiten Sie sich dann mit diesem Mann?“, möchte Leo gelangweilt wissen, während sie sich langsam Richtung Ausgang schlängeln. „Man muss doch handeln. Das erwarten Kameltreiber, Teppichflieger und ähnliche Sonnenanbeter.“ „Wir sind hier in Spanien.“ „Egal. Ich hoffe, Ihr habt den Kahn direkt vor der Tür geparkt.“ Wortlos, aber auf der Hut, schiebt Luis den übervollen Gepäckwagen der Alten vor sich her, und Leo lächelt die Frau nur vielsagend an. Eine Antwort auf diese dumme Frage möchte sie sich aus Höflichkeit lieber verkneifen. 

2 - Der VIP-Gast trifft ein

„Aufwachen, wir sind da“, ruft Leo energisch, während sie kräftig an der schlafenden Frau rüttelt. Auf dem Weg vom Flughafen zum Cruiseterminal von Gran Canaria hat sich Frau von Schnitzer um den Rest in der Champagnerflasche gekümmert und ist schließlich auf der Sitzbank des Vans eingeschlafen. Nun sind sie vor dem brandneu errichteten Kreuzfahrtterminal eingetroffen. Dahinter thront imposant das gewaltige, weiße Kreuzfahrtschiff Mare Fantasy. Der Cruiseliner mit 340 Metern Länge und einer beeindruckenden Bruttoraumzahl von 180.000 BRZ ist Arbeitsplatz und konsequenterweise Wohnort von Leo und ihrem Begleiter Luis. Zudem ist dieses Schiff auch nahezu das zweite Zuhause von Frau von Schnitzer. Sie ist derart oft auf der Mare Fantasy Gast, dass sie schon zum Inventar zählt. Den Van hat Luis hierher gefahren. Das Fahrzeug haben sich die beiden zuvor bei der örtlichen Reederei-Repräsentanz geliehen, um den gefährdeten VIP-Gast abzuholen. Jetzt steht Leo an der offenen Van-Schiebetür und versucht, die Alte aus ihrem Schlaf zu holen. Unterdessen zieht ein warmer Luftzug über Leos Haut. Es geht auf Weihnachten zu und sie steht hier im Sommer. Für einen Mitteleuropäer sind das völlig verdrehte Gefühlseinflüsse. Um den Van herum ist Großkampftag. Die Passagiere der vergangenen Reise haben das Schiff verlassen. Viele hundert, oftmals unsichtbare Hände der Housekeeper-Garde haben die Kabinen der Gäste von Grund auf gereinigt und für die nächste Tour hergerichtet, und sie können bezogen werden. Jetzt treffen die ersten Busse und Taxis mit den neuen Gästen ein. Rund 5.000 Gäste stürmen innerhalb weniger Stunden das Schiff und möchten von der ersten Minute an den Rundum-Service einer Kreuzfahrt genießen und die gebuchte Kabine beziehen. Das ist Stress pur für die Crew. Jedes Besatzungsmitglied wird jetzt benötigt, um den Passagierwechsel geordnet und schnell über die Bühne zu bringen. Punkt 16:30 Uhr müssen alle Gäste an Bord sein. 17:00 Uhr ist die obligatorische Seenotrettungsübung, zu der alle Schiffsinsassen eine Rettungsweste anlegen und zur Einweisung auf den Sammelstationen erscheinen müssen. Das internationale Seerecht fordert, dass jeder, der an einer Hochseefahrt auf einem Schiff teilnehmen möchte, zu Beginn der Reise eine Unterweisung erhalten muss. Diese zeigt ihm, wie man sich im Notfall zu verhalten hat. Über den Parkplatz strömen die neuen Gäste zum Check-in für diese Reise. Jeder zieht mindestens einen Koffer hinter sich her. Jeder freut sich auf seine bevorstehende Weihnachts-Urlaubsreise und niemand achtet auf den Verkehr! Volles Chaos regiert den Parkplatz. Ohne Rücksicht auf die Busse oder Autos zu nehmen, geht jeder zum Schiff. Hier herrscht das Gesetz des Schwarms: Da, wo die meisten Menschen hinlaufen, da muss ich auch hin, egal ob der Bus Vorfahrt hat oder nicht. Entsprechend sind ständig nervöse Autohupen zu hören. 5.000 Gäste haben nur noch Urlaub im Sinn und der steht in greifbarer Nähe auf der anderen Seite des Hafenterminals. „Wecken Sie mich, wenn es Essen gibt“, faucht Frau von Schnitzer Leo an, reißt ihren Arm los. Sie möchte sich in die andere Richtung drehen, um auf der Sitzbank des Vans weiterzuschlafen. „Das geht nicht“, fordert Leo ungeduldig zurück und zieht wieder an der Frau. „Kommen Sie, Frau von Schnitzer. Wir bringen Sie an Bord!“ Plötzlich ist die Alte putzmunter und zieht so routiniert ein Döschen Pfefferspray aus der Handtasche, als hätte sie diese Selbstverteidigungsmaßnahme mehrfach geübt. In Abwehrhaltung hält sie die Dose am ausgestreckten Arm in Richtung Leo. Die macht sofort zwei Sprünge zurück. „Vorsichtig, Mäuschen“, schimpft die Alte. „Dünnes Eis!“ „Stecken Sie das weg, Frau von Schnitzer!“, antwortet Leo erschrocken. „Ich habe gesagt, dass ich nicht so weit bin.“ „Sie müssen an Bord und ich muss an die Arbeit!“ „Ich muss hier gar nichts. Ich bin Gast. Holen Sie mal den Fahrer von Ihrem Kutter, damit ich mich beschweren kann.“ Leo beantwortet das lediglich mit einem Verdrehen der Augen. Sie kennt Frau von Schnitzer und deren Sprüche zur Genüge. Die alte Frau ist unmöglich und bei den Crewmitgliedern höchst unbeliebt. Das bedeutet nicht, dass sie mit den Passagieren nicht auch aneckt, aber die haben das Glück, dass sie sich immer nur für eine Woche an Bord der Mare Fantasy aufhalten. „Kommen Sie. In Ihrer Suite können Sie die ganze Reise über schlafen.“ „Du spinnst wohl“, entrüstet sich die Alte, während sie auf der Sitzbank mühselig zum Ausstieg rutscht. „Auf dem Kahn habe ich keine Zeit zum Schlafen.“ „Warum nicht? Wollen Sie Landausflüge unternehmen?“ „Bist Du noch normal? Soll ich mich auf vollkommen überteuerten Landausflügen von Deiner Reederei abzocken lassen? Nee. Ich muss mich um die kleinen Glanzlichter wie Luis und deren Getränkevorräte kümmern.“ Mit gänzlich übertriebenem Augenklimpern schaut sie Richtung Luis und hält wie eine Grande Dame die nun freie Hand in die sommerliche Urlaubsfrische von Gran Canaria. Sie erwartet, dass man ihr höflich beim Aussteigen aus dem Wagen behilflich ist. Luis steht lediglich ein paar Meter entfernt. Wie ein Erdmännchen hält er ununterbrochen aufmerksam Ausschau, ob seiner Sippe eine Gefahr droht. Leo ist sich bewusst, dass es nicht darum geht, einen möglichen Entführer von Frau von Schnitzer rechtzeitig zu erkennen; vielmehr hält er Ausschau nach seinem Bekannten aus der Reisegruppe vom Flughafen. Somit erklärt sich Leo zur Hilfe bereit und will die Hand von Frau von Schnitzer greifen. Die möchte das aber nicht. Sie macht bissig eine abwehrende Bewegung und schlägt Leo abweisend auf den Arm. „Du nicht. Du bist blöd.“ Dabei schaut Frau von Schnitzer Leo nicht mal an. „Ich bin aber für Ihren Schutz hier.“ „Ich will keinen Schutz von Dir. Das Zuckerstück soll auf mich aufpassen. Tag und vor allem auch nachts.“ Endlich wirft Frau von Schnitzer Leo einen kurzen, aber fordernden Blick zu. Der verströmt nur Kälte und Abneigung. Nein, an Leo hat sie wirklich kein näheres Interesse. Ihr Beuteschema ist allein Luis. Leo schüttelt erneut innerlich den Kopf, bevor sie sich endlos gedehnt an Luis wendet: „Luis, Dein Auftritt.“ Der reagiert nicht. Er ist in seiner Furcht vor seinem Bekannten ganz versunken. Von den beiden Frauen und der Welt um ihn herum bekommt Luis nichts mit. Er ist in seiner Gedankenwelt und möchte ein Aufeinandertreffen mit diesem Typen vom Flughafen vermeiden. „Luis“, ruft Leo daher energischer. Der neuerliche Weckruf zieht Luis zurück in die Gegenwart. Aus seinen Gedanken aufgeschreckt, schaut der Barkeeper zu den beiden Frauen und muss zunächst deuten, in welcher Situation er überhaupt steckt. Er erblickt den Arm der Frau von Schnitzer, zögert noch ein paar Momente und registriert endlich, was von ihm erwartet wird. Mit wenigen Schritten eilt er hilfsbereit vor und lässt Frau von Schnitzer nicht länger im Wagen sitzen. Kaum steht die Alte in ihren hochhackigen, vollkommen für die Anreise unpassenden Schuhen auf dem Pflaster des Piers. Da schiebt sie mit flinken Fingern dem Barkeeper ihres Vertrauens einen Geldschein lächelnd und genüsslich in die Hosentasche. „Alles für Dich, mein Kleiner.“ „Das ist doch nicht nötig“, bleibt Luis höflich auf der Spur, während er weiterhin das Umfeld im Auge behält. „Und gibt dieser Zicke nichts ab.“ Leo bemerkt den Seitenblick der Rentnerin. Da die Ex-Polizistin bereits häufig in vergleichbare Gespräche mit dieser Frau verwickelt war, reflektiert sie die Aussage in keiner Weise. Folgend fühlt sich Leo nicht mal angesprochen. Wer diese Person kennt, kann an diesem Beispiel sehen, dass Geld tatsächlich den Charakter von Menschen verändert. Leo schaut gelassen, wie die Alte mit Luis Arm in Arm davonschreitet. „Äh, hallo. Was ist mit Ihren Koffern?“, ruft Leo hinterher. „Kümmere Dich drum. Du hast doch zwei gesunde Arme“, antwortet die Alte mit einem schleimigen Grinsen, ohne einen Blick von Luis zu lassen.

3 - Ein weiterer, ungeplanter Gast

Etwa fünf Minuten später findet Leonie Winter ihren VIP-Gast an der Eingangskontrolle im Terminal wieder. Unter hoher Anstrengung hat Leo die drei mächtigen Koffer bis zur Gepäckannahme für Gäste gewuchtet. Glücklicherweise hat eine Gruppe Männer auf Junggesellenverabschiedung die missliche Lage der jungen Sicherheitsfrau erkannt und die übervollen Koffer der Millionärin hilfsbereit geschleppt. So wurde Leonie das Gepäck schnell quitt und sie bedankte sich höflich bei den Jungs. Die wollte natürlich direkt ein Dosenbier mit Leo teilen, doch sie konnte mit Hinweis auf ihre Uniform der Situation gerade entrinnen. Im Kreuzfahrtterminal, das voll von wartenden Gästen ist, hat Leo die beiden Begleiter zügig gefunden. Während sich das normale Kreuzfahrervolk in einer endlosen Warteschlange durch die Halle hin und her windet, um schließlich an einem der vielen Check-in-Counter bedient zu werden, gibt es für VIP-Gäste einen eigenen Zugang. VIP-Gäste warten nicht in einer Schlange. Sie werden umgehend von erfahrenen Mitarbeitern abgefertigt, um anschließend an die abschließende Sicherheitskontrolle geleitet zu werden. Dann gibt es noch die VIP-VIP-Gäste, wie Frau von Schnitzer. Sie kann sogar den Check-in überspringen und muss nicht durch den Personenscanner. Natürlich inoffiziell! Tatsächlich muss jeder VIP‑Gast zum Check-in sein Handgepäck und sich selbst röntgen lassen und kann erst dann zur bereitstehenden Mare Fantasy durchgehen und die erholsamen Tage auf dem Schiff endlich beginnen. Bei Frau von Schnitzer ist das anders. Ein Offizier in weißer Kleidung möchte die Frau am Scanner elegant vorbeiführen. Der asiatische Sicherheitsmann an der Zugangskontrolle hingegen möchte das pflichtbewusst verhindern. Er ist neu auf der Mare Fantasy und hat mit Frau von Schnitzer offenbar noch keine Bekanntschaft geschlossen. Leo schaut sich das Drama aus ein paar Metern Entfernung stumm an. Im Stimmengewirr der Masse kann sie nur Bruchstücke des Gesprächs der Drei aufschnappen. Dazu gehören „Tarek, das ist doch Dein Schiff.“ oder etwas wie „Plankenschruppen im Maschinenraum“ oder „Nudelfresser“. Vom Offizier kommt: „Kapitän anrufen?“ oder „Ich verbürge mich persönlich.“ Der Mann an der Zugangskontrolle bleibt pflichtbewusst und eisern. Seine Arbeitsanweisung lautet, darauf zu achten, dass jede Person durch den Personenscanner geht und kein Handgepäck unkontrolliert an Bord kommt. Er wirkt ein wenig hilflos und eingeschüchtert, schließlich ist der Offizier vor ihm nach Kapitän und Staffkapitän die ranghöchste Person an Bord. Es ist der Hotel-Manager Tarek Yizmir, der seinen prominentesten Gast hier in Empfang genommen hat. Leo sieht es als an der Zeit, die Situation zu beenden, bevor das Ganze in einem Drama endet. Die Blicke des hilflosen Neulings treffen Leo, während er keinen Zentimeter vom Durchgang freigibt. Offensichtlich wurde er bisher nicht auf die Gefahrenlage, die von Frau von Schnitzer ausgeht, geschult und benötigt die Unterstützung der erfahrenen Kollegen. Leo nickt zustimmend und macht eine deutliche Geste mit seiner Hand. Durchlassen. Der Sicherheitsmann versteht. Er kennt Leo und er weiß, dass sie eine sehr gewissenhafte und erfahrene Securitymitarbeiterin an Bord ist. Wenn sie das Okay gibt, dann muss doch alles in Ordnung sein, und ich möchte mich nicht länger den Wuttiraden der Rentnerin aussetzen. Der kleine Asiate macht eine Bewegung seitwärts. Tarek möchte selbst aus dieser Situation schnell herauskommen. Ohne weitere Worte führt er die Alte stützend Richtung Gangway. Sie hat zwar das letzte Wort mit diesem Türsteher gewechselt, aber nicht die letzte Handbewegung ausgetauscht: Wenig damenhaft streckt die Alte hinter dem Rücken ihres zweitliebsten Lakaien an Bord, den Mittelfinger in Richtung Securitymitarbeiter. Doch der hat sich längst seiner Arbeit wieder zugewendet und schaut fragend zu Leo. Die wiederum antwortet mit einem Schulterzucken und wendet sich gleichfalls ab. Leo lässt den Blick durch die Halle voller reisehungriger Gäste gleiten, um zu schauen, wo ihre unterstützende Hilfe jetzt am dringendsten erforderlich wird. Leo schaut, was sie machen kann, damit die Passagiere schnellstmöglich und ohne erhebliches Murren an Bord kommen. Dabei fällt der Blick nun auf einen Counter, keine zehn Meter entfernt. Dort steht Kollege und Freund Luis und redet mit einer jungen Mitarbeiterin vom Check-in. Gemeinsam betrachten sie den Bildschirm und suchen nach einer Information. Leo zögert und beobachtet die Situation ein paar Augenblicke. Dann bemerkt Luis seinerseits, während er wie ein Kontrollfreak mit Spannerblick sein Umfeld ständig im Auge behält, dass Leo ihn beobachtet. Luis klopft der jungen Frau vom Gästemanagement eilig auf die Schultern und beendet das Gespräch. Er verschwindet nach hinten, offensichtlich um zu vermeiden, Leo wieder zu begegnen. Die nutzt die Gelegenheit und geht zur gleichen Kollegin. Als schon die nächsten ungeduldigen Gäste aus der Wartemenge aufrücken, um endlich von der jungen Frau am Check-in bedient zu werden, springt Leo lächelnd dazwischen. „Einen Moment bitte.“ Mit Handzeichen hält sie das Paar auf Abstand. Das verstehen die Gäste auf Anhieb, schließlich ist die Security so etwas wie die Polizei. Die dunkle Uniform strahlt mächtig Autorität aus. Leo wendet sich an die junge Kollegin. Es ist eine typische Mitarbeiterin in der Gästebetreuung, ähnlich wie zuvor die Kollegen am Flughafen der Insel: kaum über 20 Jahre, gerade mit der Schule fertig. Sie möchte an Bord eines Kreuzfahrtschiffes ein paar Jahre die Welt erkunden, bevor es für sie weitergeht in das richtige Berufsleben an Land. Der Beruf Gästebetreuer auf den Weltmeeren ist mehr und mehr eine Art Modeberuf geworden. Die Bewerberzahlen für diese Jobs sind hoch, aber natürlich ist das nicht so toll und einfach, wie es sich viele junge Erwachsene vorstellen. Sieben-Tage-Arbeitswoche, immer Action über mehrere Monate. Das alles auf engstem Raum und in einer nahtlos getakteten Arbeitswelt, die für die Crewmitglieder nichts mit den farbenfrohen Reisekatalogen zu tun hat. „Nach wem hat sich Luis gerade erkundigt?“, möchte Leo wissen, während sie sich über den kleinen Counter mit Laptop und Funkgerät beugt. Die junge Frau zögert und überlegt, ob sie das sagen darf. Datenschutz. „Nach einem Passagier.“ „Wie heißt dieser Passagier?“, bleibt Leo konsequent. „Warum willst Du das wissen?“ „Weil ich von der Security bin.“ „Aber, das war privat.“ „Es wird privat bleiben. Ich werde es niemandem verraten.“ Die beiden Frauen schauen sich mit festem Blick an. „Wollen wir den Kapitän zurate ziehen?“, blufft Leo, während sie das Handy zur Täuschung aus der Uniform zieht. Der altbewährte Kniff, den Kapitän einzuschalten, funktioniert immer bei den jungen Mitarbeitern. Obwohl die Mehrheit der Gästebetreuer den ersten Mann an Bord nicht kennt und viele ihn wahrscheinlich noch nie gesehen haben, empfindet jeder einen angemessenen Respekt für diese Person. Allein schon, wenn man nur damit droht. Leo hingegen kennt Kapitän Hanson ausgezeichnet und weiß genau, was er wahrscheinlich bei einem Anruf in einer solchen Situation antworten würde: „Frau Winter, was wollen Sie von mir? Können Sie nicht jemand anderm die Zeit stehlen?“ „Du kennst den Kapitän?“, fragt Leo geheimnisvoll nach, um den Bluff zu untermauern. Die junge Frau schüttelt erwartungsgemäß verlegen den Kopf.

---ENDE DER LESEPROBE---