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Die amerikanischen Sicherheitsbehörden sind vollkommen kopflos und es herrscht Großalarm am Cape Canaveral: Ein streng geheimer Störsender für einen Spionagesatelliten wurde in Florida gestohlen. In derselben Nacht wird im Hafen des benachbarten Port Canaveral ein toter Asiate aufgefunden, während im Hafen gleichzeitig das Kreuzfahrtschiff Mare Fantasy liegt. Beides scheint keine Auswirkungen auf die Reisepläne des Luxusliners zu haben: Der Störsender geht Kapitän Hanson und seiner Mannschaft nichts an, die Crew ist vollständig an Bord angetreten und so kann die Reise in Richtung Bermuda-Inseln beginnen. Kurz darauf wird ein Mann tot in seiner Kabine auf der Mare Fantasy aufgefunden. Leo Winter und Benne Cordes ermitteln die Hintergründe und finden mehrere Verdächtige auf dem Schiff: eine CIA-Mitarbeiterin, die mutmaßlich am Verschwinden des Störsenders beteiligt ist; die Geliebte des Toten, die wiederum zur Crew der Mare Fantasy zählt, sowie ein mysteriöser Chinese. Zu allem Überfluss dreht das Kreuzfahrtschiff unbemerkt auf falschen Kurs. Als die Besatzung den Fehler erkennt, kreuzt das Schiff mitten im Bermuda-Dreieck orientierungslos in einem schweren Sturm … Die Kreuzfahrtpolizisten 5.000 Passagiere freuen sich auf einen erholsamen Urlaub an Bord der Mare Fantasy - 1.500 Besatzungsmitglieder arbeiten Tag und Nacht, damit es den Gästen am kulinarischen Wohl, an der Unterhaltung oder an der Sicherheit für Leib und Leben nicht fehlt. 6.500 Menschen mit ihren individuellen Aufgaben, Zielen, Besonderheiten und Wünschen auf engsten Raum in einer abgeschlossenen Welt auf dem Meer … da geht immer etwas schief! Dann kommen Leonie „Leo“ Winter und Benedikt „Benne“ Cordes. Sie sind Security-Mitarbeiter auf diesem Kreuzfahrtschiff der Superlative. Ihre Aufgabe ist es, für Sicherheit und Ordnung zu sorgen und die Gelddruckmaschine ohne Unterbrechung im Takt zu halten! Diese Aufgabe ist gar nicht so einfach!
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Veröffentlichungsjahr: 2025
Inhaltsverzeichnis
1 - Florida, Port Canaveral
2 - Florida, im Hafen von Port Canaveral
3 - Florida, im Hafen von Port Canaveral
4 - Unterwegs, östlich von Florida
5 - Unterwegs, östlich von Florida
6 - 2. Tag: Unterwegs zu den Bermudas
7 - 2. Tag: Unterwegs zu den Bermudas
8 - 2. Tag: Unterwegs zu den Bermudas
9 - 2. Tag: Unterwegs zu den Bermudas
10 - 2. Tag: Unterwegs zu den Bermudas
11 - Hamburg, Blankenese
12 - 3. Tag: Unterwegs im Bermuda-Dreieck
13 - 3. Tag: Unterwegs im Bermuda-Dreieck
14 - 3. Tag: Unterwegs im Bermuda-Dreieck
15 - 3. Tag: Unterwegs im Bermuda-Dreieck
16 - 3. Tag: Unterwegs im Bermuda-Dreieck
17 - 3. Tag: Vor dem Sturm im Bermuda-Dreieck
18 - 3. Tag: Vor dem Sturm im Bermuda-Dreieck
19 - 3. Tag: Vor dem Sturm im Bermuda-Dreieck
20 - 3. Tag: Vor dem Sturm im Bermuda-Dreieck
21 - 3. Tag: Der Sturm nimmt Fahrt auf
22 - 3. Tag: Der Sturm nimmt Fahrt auf
23 - Hamburg, Büro der Mare Cruise Line
24 - 3. Tag: Der Sturm nimmt Fahrt auf
25 - 3. Tag: Der Sturm bricht los
26 - 3. Tag: Der Sturm hat das Schiff im Griff
27 - 3. Tag: Der Sturm hat das Schiff im Griff
28 - 3. Tag: Der Sturm lässt nach
29 - 3. Tag: Der Sturm lässt nach
30 - 3. Tag: Auf dem Rückweg nach Florida
31 - 3. Tag: Auf dem Rückweg nach Florida
32 - 3. Tag: Auf dem Rückweg nach Florida
33 - 3. Tag: Auf dem Rückweg nach Florida
34 - Miami, Florida
Impressum
Die Kreuzfahrtpolizisten - Band 2
Verschollen im Bermuda-Dreieck
Andreas Schöwe
Die Kreuzfahrtpolizisten - Band 2
Verschollen im Bermuda-Dreieck
IMPRESSUM
Idee & Konzept: Andreas SchöweTitelbild: enthält Fotos von Adobe/Fotolia
Verlag: Medienservice RiesenbeckHeike SchubertErich-Kästner-Straße 2948485 Neuenkirchen
Alle Rechte der Vervielfältigung, Bearbeitung und Übersetzung, ganz oder teilweise, sind für alle Länder vorbehalten. Die Autorin oder der Autor oder Herausgeber ist alleinige*r Inhaber*in der Rechte und verantwortlich für den Inhalt dieses Buches. Das Gesetz über geistiges Eigentum verbietet Kopien oder Vervielfältigungen, die für eine kollektive Nutzung bestimmt sind. Jede vollständige oder teilweise Darstellung oder Vervielfältigung, die durch ein beliebiges Verfahren ohne die Zustimmung der Autorin oder des Autors oder seinen Berechtigten oder Rechtsnachfolger*innen erfolgt, ist rechtswidrig und stellt eine Fälschung im Sinne der Artikel L.335-2 ff. des Gesetzes über das geistige Eigentum dar.
Andreas Schöwe
Über den Autor: 56 Jahre, aus dem Münsterland. Seit vielen Jahren liebt er Krimis und die Kreuzfahrt. Was liegt da näher, als beides miteinander zu verbinden? Im Hauptberuf hat er mehrere Stationen in der Druck- und Verlagsbranche hinter sich gebracht. Zudem hat der Autor diverse Veröffentlichungen im Sachbuchbereich Raumfahrt. Heute arbeitet er für ein weltweit tätiges Unternehmen aus der Landwirtschaftsbranche. Der Autor hat schon einige Kreuzfahrten mit verschiedenen Reedereien weltweit genossen und sucht auf weiteren Reisen die Inspiration für seine Kriminalgeschichten.
Vorwort
Ein Wort zur Einleitung:
Ein Mord gehört nicht zum Alltag auf einem Kreuzfahrtschiff – würde aber auch aus Sicherheitsgründen nur in wenigen Ausnahmefällen publik werden. Das ist ein wichtiger Ansatz und die tragende Stütze bei den Kreuzfahrtpolizisten: Viele in diesem Buch dargestellte Abläufe und Sicherheitseinrichtungen (Bordkarten als Schlüssel- und Zahlkarte, Überwachungssysteme, Crew-Unterkünfte oder die Darstellung von Sicherheitsübungen) existieren so tatsächlich auf praktisch jedem Kreuzfahrtschiff der Welt. Diese Buchreihe nutzt das Thema Kreuzfahrt als Kulisse für unterhaltsame Kriminalromane. Der Mix aus Realität und Fiktion ist die wichtigste Zutat für spannende Geschichten und tolle Abenteuer!
Wenn Sie für Ihren nächsten Urlaub eine Kreuzfahrt planen, lassen Sie sich nicht davon abhalten, weil Sie glauben, es könnte gefährlich werden …Bitte denken Sie beim Lesen der Kreuzfahrtpolizisten immer an Folgendes: Eine Kreuzfahrt ist eine Seefahrt und eine Seefahrt hat immer etwas mit dem berühmten Seemannsgarn zu tun …Gute Unterhaltung!
Einleitung
Willkommen an Bord!Willkommen bei den Kreuzfahrtpolizisten! Die Kreuzfahrtpolizisten sind im Romanleben Security-Mitarbeiter auf einem Kreuzfahrtschiff. Ihre Aufgabe ist es, die Sicherheit aller Menschen an Bord zu gewährleisten! ... diese Aufgabe ist nicht einfach! Im Mittelpunkt steht die Ex-Polizistin Leonie „Leo“ Winter, die den Dienst bei der Polizei quittiert und auf dem Megaliner Mare Fantasy angeheuert hat. Dort arbeitet sie an der Seite von Benedikt „Benne“ Cordes, der als 1. Security Officer, der oberste Sicherheitsmann an Bord ist. Freundschaft, Kameradschaft, aber auch der professionelle Umgang mit Aufgaben und Herausforderungen sind wichtige Figureneigenschaften. Wenn es darauf ankommt, ist die Crew uneingeschränkt konzentriert bei der Arbeit, um so die Sicherheit für die Passagiere und das gesamte Kreuzfahrtschiff zu gewährleisten. Das ist eine Hauptzutat, mit der diese spannenden Good-Feeling-Krimis geschrieben sind. Die beiden Hauptdarsteller finden bei der Arbeit Unterstützung in den Reihen der Crew: Boris Hanson (Kapitän, Seebär mit Leib und Seele), Sofia Jansen (Arzthelferin, die inoffiziell gerne mal bei der Spurenermittlung aushilft), Hotel-Manager Tarek Yizmir (der seine Gäste notfalls auch persönlich bis zur Kabinentür begleitet), Luis Schönmann (Barkeeper. Das Ohr auf dem Schiff), Sicherheits-Mitarbeiter Zach (Computer Nerd der Extraklasse) und Marie Schneider (als Staffkapitän die rechte Hand vom Kapitän).Diese Krimiserie möchte unterhalten Viele Millionen Menschen fahren jährlich mit Kreuzfahrtschiffen in den Urlaub. Genau, wie hier dargestellt wird. Alle Namen, Personen, die Reederei, das Schiff und die Geschichten in dieser Reihe sind fiktiv, orientieren sich aber detailgetreu an der Kreuzfahrt-Urlaubsindustrie. Der erfahrene Leser, der eine Seereise bereits unternommen hat, findet auf vielen Seiten Ansatzpunkte, bei denen er denkt, dass er das so kennt oder selbst erlebt hat. Jemand, der hingegen noch nie ein Kreuzfahrtschiff betreten hat, findet sich durch die lockeren Szenendarstellungen schnell zurecht. Der Leser, egal ob Kreuzfahrtfahrer oder nicht, lernt das Schiff und seine Abläufe kennen. Vermengt wird das Ganze mit erfundenen Orten. So wird es den in diesem Buch dargestellten „Kulturpalast“ im Crew-Bereich mit Alkohol, Rauchen und Glücksspiel garantiert auf keinem Schiff der Welt geben. Gleichzeitig machen genau diese Orte die Geschichten unterhaltsamer.
Es ist schwülheiß in Florida. Die Sonne brennt mit voller Kraft. Das unerträgliche Wetter in den Sümpfen von Florida ist ein charakteristisches Merkmal dieser einzigartigen Region. Florida hat ein subtropisches Klima, das durch hohe Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit gekennzeichnet ist. In den Sommermonaten, von Mai bis September, steigen die Temperaturen häufig auf über 30 Grad Celsius, während die Luftfeuchtigkeit oft über 80 Prozent liegt. Diese Bedingungen schaffen eine drückende Schwüle, die für viele Menschen unausstehlich sein kann. Die Kombination aus Hitze und Feuchtigkeit führt dazu, dass sich die Luft undurchdringlich anfühlt und das Atmen beschwerlich macht. Hier in den weiten Sümpfen wird es für Menschen, die die Subtropentemperaturen nicht gewohnt sind, rasch unerträglich. Die allgegenwärtigen Stechmücken verschärfen den Hitzestress zusätzlich. Als Leonie Winter vor der kleinen, unscheinbaren Tankstelle aus dem Van ihrer Reederei Mare Cruise Line steigt, schlägt ihr die volle Pracht der Sommerhitze wie eine unbarmherzige Welle entgegen. Sie kneift die Augen gegen das grelle Sonnenlicht zusammen. Die letzte Stunde hat sie entspannt als Fahrerin im klimatisierten Van mit getönten Fensterscheiben verbracht. Kaum hat die 34-jährige Leonie, von allen nur Leo genannt, den Motor abgeschaltet, öffnen sich die Schiebetüren des Vans mit einem lauten Klicken. Leos Begleiter drängen heraus, als wäre der Innenraum des Fahrzeugs plötzlich unerträglich. Die vier Begleiter laufen hastig über den staubigen, ausgedörrten Boden in das Gebäude der baufälligen Raststätte aus vergangenen Zeiten. Einer der Insassen muss ganz dringend aufs Klo, zwei weitere gehen wohl nur vorsorglich mit und die vierte Person, eine Frau, bleibt mit Leo unter dem schattigen Vordach zur Raststätte stehen. Leo, dunkler Pferdeschopf, 165 m groß, Ex-Polizistin aus der Lüneburger Heide, ist erst seit wenigen Wochen beim Sicherheitsdienst der Mare Cruise Line. Sie trägt ihre übliche dunkelblaue Dienstuniform mit dem Logo der Reederei auf der Brust. Direkt daneben hängt ein Schild mit ihrem Namen: Leonie Winter, Security. Leo schnauft tief durch. Die Fahrt im klimatisierten Van empfand sie als deutlich angenehmer als den Aufenthalt in der Mittagshitze von Florida. „Ist wohl nicht Dein Wetter?“, fragt die blonde Begleiterin, etwas jünger als Leo. Obwohl Leo schon eine schmale Figur hat, wird sie von diesem dürren Rippchen deutlich getoppt. „Wenn Du ununterbrochen im klimatisierten Schiff arbeitest, dann empfindest du dieses Wetter wie einen Schlag mit einem Vorschlaghammer.“ „Wir haben es ja nicht mehr weit“, stellt die blonde Begleiterin Kathrin Saalfeld fest, ohne Leo anzuschauen. Sie blickt über die flache Ebene mit großen Wasser- und Sumpfflächen in die Ferne. Die Sümpfe in Florida, insbesondere die weiter südlich gelegenen Everglades, sind ein weitläufiges Feuchtgebiet. Das Naturparadies erstreckt sich über mehr als 6.000 Quadratkilometer und beherbergt eine Vielzahl von Pflanzen- und Tierarten. Die allgegenwärtige hohe Luftfeuchtigkeit fördert das Wachstum von Mangroven, Zypressen oder verschiedenen Gräsern. Diese Vegetation, inklusive ihrer Bewohner wie zahlreiche Wasservogelarten, Schlangen und natürlich Alligatoren, machen die Sümpfe Florida zu einem beliebten Urlaubsziel. Ein Industriehafen ganz in der Nähe, Port Canaveral, mauserte sich in den vergangenen Jahren zu einem wahren Kreuzfahrthotspott, der seinen Teil dazu beiträgt, die Urlaubermassen in die Sümpfe und die umliegenden Orte zu pumpen. Etwa 10 Kilometer von Leo und Kathrin entfernt, mit ein paar Bäumen in der Sichtschneise sowie diversen Gebäuden und Hafenanlagen, steht im Mittagsdunst das Ziel – das majestätische Kreuzfahrtschiff Mare Fantasy. Die typische Silhouette des mächtigen weißen Ozeanriesen zeichnet sich schon von hier deutlich zwischen den Hafengebäuden. Dieses Kreuzfahrtschiff der Superlative hat fast 340 Meter Länge, ist 20 Decks hoch und bietet 5.000 Passagieren sowie 1.500 Crew-Mitgliedern Platz. Die beiden benachbarten Schiffe, die Kathrin von hier aus ebenfalls erkennen kann, sind deutlich kleiner. Leo schaut Schulter an Schulter mit der anderen Frau gleichfalls hinüber zum Schiff, auf dem sie zum Sicherheitsteam gehört. „Ja, aber Dein Begleiter hätte es nicht mehr geschafft!“ Die beiden Frauen tauschen sich ein Lächeln aus. „Nee, erst der lange Weg und dann eben die Straßensperre der Polizei! Das baut Druck auf.“ Damit spielt die schmale Frau auf die Polizeikontrolle an, die sie vor fünf Minuten gemeinsam passieren mussten. Das ging relativ schnell, da die Fahrzeuge in Richtung Hafen, also in ihrer Richtung, nur oberflächlich kontrolliert werden. Im Gegensatz dazu werden die Fahrzeuge, die sich aus Richtung Hafen entfernen, äußerst penibel unter die Lupe genommen. Etwas Wichtiges sei wohl gestohlen worden, so bekamen es die Fünf im Auto zu hören. Deshalb werden alle Fahrzeuge genau unter die Lupe genommen, die die Gegend Port Canaveral oder das angrenzende Raumfahrtgelände Cape Canaveral verlassen wollen. Was gestohlen wurde, hat man ihnen nicht gesagt. Aber bei dem Aufwand der Polizei muss es wohl mächtig wertvoll sein. „Das Dosenbier hat auch seinen Teil geleistet“, ergänzt Leo und fragt direkt nach: „Bist Du schon lange mit den Musikern unterwegs?“ „Die Drei kenne ich erst seit ein paar Wochen!“ Leo hat bis jetzt nicht verstanden, was diese Frau berufsmäßig mit den drei Jazz-Musikern zu tun hat, die gerade im Gebäude verschwunden sind. Die Blonde hat es Leo schon kurz beschrieben, als sie sie am Flughafen in Orlando abholte. Leo musste sich jedoch intensiv auf den Straßenverkehr konzentrieren und hat daher nur mit einem Ohr zugehört. „Und was ist dein Job eigentlich?“ „Ich sorge dafür, dass die Passagiere jeden Tag ein abwechslungsreiches Unterhaltungsprogramm an Bord der Mare Cruise Line-Schiffe präsentiert bekommen!“ „Aber nur Musik?“, fragt Leo verhör mäßig zurück, so wie sie es bei der Polizei in Hannover gelernt hat. Dort hat sie ein paar Jahre während ihrer ersten beruflichen Laufbahn gearbeitet. „Nein“, antwortet die dürre Kathrin Saalfeld. „Auch Tänzer oder Artisten. Ich lebe hier schon ein paar Monate und nehme an einem Ort eine Truppe auf und bringe sie dann zu einem anderen Schiff der Reederei im Karibik-Raum.“ Leo nickt verstehend den Kopf. „Und die Leute können das nicht allein?“ „Vielleicht schon. Es können aber unerwartete Schwierigkeiten auftauchen. Die Künstler haben immer ungewöhnliches Gepäck dabei oder besitzen exotische oder osteuropäische Pässe. Das kann am Flughafen oder bei der Einreise in ein Land schnell zu Problemen führen. Ich rede da nicht von einer Trompete oder einem Synthesizer. Das sind noch einfache Dinge, die ein Zollbeamter auf einer kleinen Karibikinsel korrekt erkennt. Wenn ich aber etwa einen Magier begleite, der Messer oder Zauberketten mitbringt, dann gibt es schnell Redebedarf. Da dann weiß ich, was zu tun ist. Ich regel alles, damit niemand sein Schiff verpasst.“ „Hört sich nach einem einfachen Job an!“ Leo malt sich den Beruf dieser Frau sehr entspannt und ruhig aus. Sie ist also im Prinzip Begleiter und bringt Künstler von einem Schiff der Reederei auf ein anderes oder zum Flughafen. Die Missverständnisse, die mit Messern und Ketten beim Check-in auftauchen können, kann sich Leo als Sicherheitsmitarbeiterin nur zu gut ausmalen. Besonders hier in der nahen Karibik, an einem einsamen Ort in einer Bananenrepublik, dürften Schwierigkeiten bei der Ein- oder Ausreise vorprogrammiert sein. „Und warum kommen die Künstler nicht genauso wie die Passagiere zu Beginn einer Reise an Bord? Sie hätten doch vorgestern mit allen anderen Gästen in New York zusteigen können!“ Vor zwei Tagen lag die Mare Fantasy am Big Apple. Es fand ein kompletter Passagierwechsel für die Reise Richtung Karibik statt. Das erste Ziel dieser Reise ist Port Canaveral in der Nähe von Orlando, wo das Schiff nun im Hafen festgemacht hat. Die meisten Passagiere sind heute während des Stopps auf Landgängen ausgeschwärmt. Hierzu zählen Ausflüge in die Sümpfe oder an den Strand, nach Orlando, in den weltweit größten Freizeitpark oder zu den Raketenstartrampen am Cape Canaveral. Die blonde Kathrin Saalfeld lacht Leo an. „Da waren meine Jazz-Musiker noch auf einer Kanaren-Tour unterwegs. Ein Schiff wie die Mare Fantasy benötigt für die verschiedenen Unterhaltsbereiche täglich etwa 100 Tänzer, Musiker, Artisten und Hilfspersonal. Die haben zwar alle mehr als ein Programm im petto, aber dennoch müssen wir aufpassen, dass das Publikum nicht den Zauberer ausbuht, weil er zum 5. Mal in Folge auftritt. Dann haben alle die Nase voll von Zylindern und Hasen. Meine Jazz-Leute können heute in der Bar, morgen in der Bar und übermorgen noch auf dem Sonnendeck auftreten, aber dann ist Schluss. Dann verlassen sie im nächsten Hafen das Schiff und werden durch eine andere Truppe ersetzt. Damit das nahtlos klappt und abends keine Bühne auf den Schiffen leer bleibt, bin ich am Start!“ Dass ein Wechsel der Künstlergruppen während der Reise stattfindet, hat Leo bereits auf ihrem Dienst auf der Mare Fantasy mitbekommen. Welcher Aufwand und wie viele Personen tatsächlich dahinterstehen, damit nachmittags ein Klavierspieler auf der Einkaufsmall des Schiffs sein Können unter Beweis stellen kann, ist Leo bislang nicht in dieser Vielfalt bewusst. Leonie ist wirklich beeindruckt von diesem Bäumchen-Wechsel-Dich-System und freut sich, dass sie heute mal hautnah dabei sein darf. Der geplante Fahrer des Vans ist ausgefallen. Er ist, warum auch immer, nicht zum Dienst erschienen. Weil Leo zufällig in der Nähe war, wurde sie vom Entertainment-Team gefragt, ob sie die Jazz-Musiker vom Flughafen abholen könnte. Leo zögerte keinen Moment. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie Wachdienst an einem Nebenzugang zum Schiff. Den konnte sie elegant und nicht ganz uneigennützig an einen Kollegen abwälzen. So kam sie aus der unerträglichen Vormittagshitze am Hafenkai von Port Canaveral in den hervorragend klimatisierten Van und durfte einen kleinen Abstecher nach Orlando starten. „Und ich dachte immer, alle Künstler würden die ganze Reise auf dem Schiff verbringen und die Wechsel wären nur Ausnahmefälle!“ Die schmale Begleiterin der Truppe lacht. Diese Vermutung hat sie schon oft gehört. „Das ist ein Kreuzfahrtmythos! Die Gäste sind ganz fasziniert, wie viele Künstler eine Reederei als Unterhaltungsprogramm während einer Reise aufbietet. Dass aber in fast jedem Hafen ein Kommen und Gehen der Künstler stattfindet, bekommt kaum ein Passagier mit. Vergangenes Jahr habe ich eine Truppe begleitet, die jede Woche dienstags aufs Neue in Rotterdam an Bord gingen und das über mehrere Monate!“ Plötzlich zuckt Leo auf. Ihrem Spitznamen alle Ehre machend, hat sie wie ein Löwe ein verdächtiges Geräusch wahr genommen. Hier rund um den Rastplatz mit ein paar einsamen Häusern ist nichts los. Auf der Straße fahren kaum Autos und außer ein paar Vögel und Heuschrecken sowie dürre Pflanzenblätter im Wind ist nichts zu hören. Dieses Geräusch passt nicht in die Stille. Daher nimmt Leo es wieder wahr. Ist da jemand an ihrem Van, der kaum zehn Meter entfernt in der Sonne steht? Sie tritt aus dem kühlen Schatten in die glühende Hitze und macht ein paar ruhige Schritte durch den staubigen Sand Richtung Wagen. Leo hört ein paar weitere Geräusche. Eine andere Person ist da auf der abgewandten Seite des Reederei-Vans. Ihre Schritte werden schneller. Als Leo um die Vorderseite herum zur rückwärtigen Seite gehen möchte, braust plötzlich ein Auto davon. Leo muss reflexschnell stehen bleiben, damit das andere Auto sie nicht über den Haufen fährt. Durch den rasanten Kavalierstart wird eine große Menge Straßenstaub aufgewirbelt, der Leo in einen Sandsturm hüllt. Mit der rechten Hand fächert sie instinktiv den Staub an die Seite, obwohl sie genau weiß, dass das nicht wirklich klare Sicht bringt. „Arschloch“, ruft Leo wenig damenhaft verbittert. Das Auto brettert auf der Florida State Road Richtung Indian River, der breiten Wasserfläche zwischen ihrem Standort und der vorgelagerten Halbinsel mit dem Hafen Port Canaveral. „Was ist los?“, fragt die blonde Begleiterin, die mit kurzen, schnellen Schritten Leo gefolgt ist. „Ich dachte, da wäre jemand an unserem Auto!“ Während die Blonde dem Auto nachdenklich hinter starrt, schreitet Leo den Van mit seinen abgedunkelten Fenstern ab. Sie schaut, ob sie etwas Ungewöhnliches erkennen kann. Die Fahrertür und die Schiebetür dahinter sind geschlossen. „Hast Du jemanden im Auto erkannt?“ „Nein“, antwortet Leo, als sie zur Blonden zurückkehrt, die mit dem Rücken vor dem Kühlergrill steht und noch immer dem Auto hinter schaut. Das ist jetzt schon auf dem Damm Richtung Halbinsel in weiterer Ferne unterwegs. „Ging zu schnell, ich habe nichts und niemanden gesehen!“ Schulter an Schulter blicken die beiden Frauen dem Rowdy hinterher. Dabei bemerken sie nicht, wie 30 Meter hinter ihnen zwischen einem halb verfallenden Lagerschuppen und abgestellten Sperrmüll ein Mann in schwarzem Seidenanzug vorsichtig aus seinem Versteck tritt. Zielstrebig und wie auf Samtpfoten schleicht er aus dem Hinterhalt in Richtung der beiden Frauen. Er hat kurze schwarze Haare, ist deutlich kleiner als die Frauen und offenkundig asiatischer Abstammung. Da in den USA sehr viele Einwanderer mit asiatischen Wurzeln leben, ist sein Aussehen hier nichts Besonderes. Genauso wenig fällt auf, wie er während des Anpirschens mit seiner Linken sein Jackett anhebt und mit der rechten Hand aus einem Schulterholster eine Pistole hervorziehen möchte. Er schaut sich nicht um, ist aus dem Hinterhalt nur auf sein Ziel fixiert. Ähnlich wie eine tief konzentrierte Katze auf Mäusejagd. Plötzlich kommt ein Polizeiauto an ihm vorbeigebrettert. Der Polizist hinter dem Lenker lässt einmal seine Sirene aufheulen, um auf sich aufmerksam zu machen. Der Asiate ist erschrocken und seine Opfer sind gewarnt. Er bricht sein Vorhaben ab und springt nach rechts hinter Leos Van in Deckung. Der Unbekannte war so intensiv auf seinen Schleichmodus fixiert, dass er das ankommende Polizeiauto nicht registriert hat. Der Polizist seinerseits hat ihn offenbar ebenfalls nicht auf dem Schirm. Sein Blick gilt ausschließlich den beiden Frauen. Der Asiate hat sich offenbar in seinem toten Winkel bewegt und war seinerseits auf die Frauen konzentriert. Die haben zunächst weder den einen noch den anderen hinter ihren Rücken bemerkt. Das einmalige Aufheulen der Sirene ändert alles. Leo und Kathrin Saalfeld drehen sich zum Polizeiwagen. Den Asiaten mit der Pistole haben sie weiterhin nicht entdeckt. Der sucht erschrocken Sichtschutz hinter dem Van, bricht sein Vorhaben ab und zieht sich gebückt in den verfallenen Schuppen zurück. Der Polizist hält rasant neben Leo, die direkt zur Fahrbahn steht. Er springt aus seinem Wagen und kommt um die Motorhaube herum zu den Frauen gehastet. „Guten Morgen, ich sehe, Sie sind Touristen?“ Vor Leo steht ein deutlich jüngerer Polizist in einer perfekt sitzenden US-Polizeiuniform. Leo genießt den Anblick. „Wir sind vom Kreuzfahrtschiff!“ „Verstehe. Ist Ihnen eine verdächtige Person aufgefallen?“ Leo schaut den gut gepflegten Mann gerne an. Der Ex-Polizistin gefällt der Mann Gegenüber mehr und mehr. „Nein, was meinen Sie?“ „Im Hafen wurde ein Toter gefunden. Er wurde erschossen und der Mörder ist noch auf der Flucht!“ In Leo kehrt schlagartig der Polizeiinstinkt zurück. Ein Mord. Direkt in der Nähe von ihrem Schiff. Und dann gerade dieses Geräusch am Auto. Leo weiß, sie kann nicht vorsichtig genug sein. Sie dreht sich Richtung Van und macht eine leichte Kopfbewegung, während sie stetig mit den Polizisten Augenkontakt hält. Der kapiert direkt. „Darf ich einen Blick in Ihren Van werfen?“ Das ist eher eine rhetorische Frage. Der Polizist läuft an den beiden Frauen vorbei, nimmt seine Dienstwaffe in die Hand, entsichert den Mechanismus und ist schon am Van. Ohne zu zögern, reißt er die Schiebetür auf der Fahrerseite nach hinten und hält die Waffe in den Wagen. „Polizei, keine Bewegung.“ Die beiden Frauen ducken sich ein wenig. Es ist ein Überlebensinstinkt. Sicher ist sicher, aber im Notfall wirklich keine Hilfe. Leo lässt den Polizisten nicht aus dem Auge und ist beeindruckt, wie entschlossen der Mann seinen gefährlichen Job lebt. Ganz allein und ohne Unterstützung. Ohne zu wissen, was ihn im Inneren des Wagens erwartet, so zielstrebig die Tür zu öffnen, das verdient eine Menge Respekt und Anerkennung. Ob Leo an seiner Stelle auch so viel Mut aufbringen würde, kann sie nicht ehrlich beantworten. Im Van ist niemand. Durch die abgedunkelten Scheiben war das von außen nicht zu erkennen. Nachdem der Polizist in den menschenleeren Wagen geschaut hat, steckt er seine Waffe zurück und blickt fragend zu den Frauen. Leo kommt auf ihn zu. „Ich könnte schwören, dass ich eben die Schiebetür gehört habe und anschließend fuhr ein Wagen zügig Richtung Hafen davon!“ Der groß gewachsene Mann reagiert direkt und spurtet um seinen Wagen. „Ein Auto? Wo fuhr es hin?“ Leo zeigt Richtung Hafen. „Da lang“, erklärt sie mit vieldeutigen Armbewegungen. Es führt in diese Richtung nur die ruhige Fernstraße. Jedoch ist die Beschreibung nicht wirklich aussagekräftig. „Bitte nehmen Sie keinen Anhalter mit und wenn Sie etwas Verdächtiges bemerken, rufen Sie sofort die Polizei!“ In dem Moment springt der US-Polizist auf der anderen Seite des Autos hinter das Lenkrad, grüßt noch mal freundlich mit der rechten Hand Richtung Frauen und gibt seinem Fahrzeug die Sporen. Aus dem offenen Beifahrerfenster ruft er Leo noch zu: „Keine Anhalter mitnehmen, Ladys! Denken Sie daran.“ Der Polizeiwagen braust genauso so schnell davon, wie das vorherige Auto. Wieder weht der jungen Sicherheitsfrau eine Staubwolke vom Straßensand um die Nase. Mit der Sirene jagt der Polizist über die breite Straße Richtung Küste und nimmt offenbar die Verfolgung auf. Ein Toter im Hafen. Das könnte ebenfalls den Aufwand mit den Straßensperren erklären. Jedoch findet Leo, dass die Polizei mit diesen massiven Fahrzeugkontrollen sehr konsequent vorgeht. Wieder Schulter an Schulter blicken die beiden Frauen dem zweiten Wagen hinterher, während sich hinter ihnen die Gefahrensituation neu formiert: Der Unbekannte im Hinterhalt wittert seine zweite Chance. Er kommt erneut aus seinem Versteck zwischen staubigem Sperrmüll hervor. Erneut unbemerkt von den Frauen schleicht er über das offene Gelände in der prallen Sonne. Auch mit seinem zweiten Versuch kommt er nicht weit. Die Tür vom Tankstellengebäude fliegt auf. Die drei Jazz-Musiker kommen freudig zurück in die Sonne. Sie haben sich noch ein paar kalte Dosen Bier besorgt und streben zum bereitstehenden Van zurück. „Wir können weiter“, ruft der eine Musiker den Frauen entgegen. Unterdessen bleibt ein anderer, ein fast zwei Meter großer braunhaariger Lockenkopf mit Schnauzbart, stehen und schaut zum Asiaten. Dieser steht auf halber Strecke zwischen Müllhaufen und Auto in der prallen Sonne. Der Unbekannte hat seine rechte Hand unter dem Jackett stecken, da er gerade im Begriff ist, die Waffe zu ziehen. Die beiden Männer, die sich zuvor noch nie gesehen haben, starren sich einen Moment erschrocken an. Dann dreht der Asiate auf den Absätzen enttäuscht um und verschwindet lautlos zurück in seinem Versteck. Der lockige Jazz-Musiker folgt kopfschüttelnd seinen Kollegen auf die Rücksitzbank des Vans und schließt lautstark die Schiebetür. Über den Anblick des schwarzen Mannes verliert er kein Wort. Als Leo wieder hinter dem Lenkrad sitzt und sich anschnallt, ist die Begleiterin Kathrin bereits startklar auf dem Beifahrersitz. „Heute gehe ich übrigens auch an Bord und fahre eine Station mit bis zu den Bermuda-Inseln. Das ist für die Reederei günstiger, als mir einen Flug zu spendieren“, schwärmt sie zu Leo rüber. Diese ist in ihren Gedanken versunken und weiß nicht, was sie von den letzten fünf Minuten halten soll. Leo startet nachdenklich den Motor und schaut über die kaum befahrene Straße auf die gegenüberliegende Seite, wo ein typischer Ami-Schlitten am Straßenrand parkt. „Wir werden beobachtet“, berichtet Leo kaum hörbar, ohne die Lippen und den Kopf zu bewegen. Die drei Musiker auf der Rücksitzbank bekommen ohnehin nichts mit. Sie kümmern sich stattdessen um das neue Dosenbier und erzählen belanglose Geschichten vom Musikerleben und den endlosen Groupies. Geschichten, die viel mit Seemannsgarn zu tun haben. Die Beifahrerin dreht sich um, erkennt aber nichts. Nach hinten hat sie die Musiker und zur Seite sieht sie gar nichts. Leo fährt vorsichtig auf die Straße Richtung Küste. Sie haben sich kaum hundert Meter entfernt, da erkennt die Ex-Polizistin im Rückspiegel, dass der Wagen vom Seitenstreifen ebenfalls seine Reise fortsetzt. Er dreht mitten auf der Straße und folgt der kleinen Truppe Richtung Hafen. Nun sieht es auch die Beifahrerin im Rückspiegel. „Meinst Du, der folgt uns?“ „Vielleicht“, gibt Leo vieldeutig zurück, während sie mehr in den Seitenspiegel schaut, als auf die Straße. „Warum soll der uns verfolgen?“ Das ist eine interessante Frage, denkt sich Leonie, die sie sich selbst schon gestellt hat. Eine Antwort kennt sie nicht. „Keine Ahnung.“ Leo gibt Gas. Sie fahren über den Damm des breiten Indiana River, einer breiten Binnengewässerlandschaft. Links und rechts nur flaches Wasser und morastiges Sumpfland. Zur Linken erkennt man in einiger Entfernung diverse Gebäude und Starttürme vom Raumfahrtzentrum, und direkt vor ihnen kommt das Hafengebiet von Port Canaveral näher. „Wir sind gleich da. Der Fahrer wird uns nicht auf das Schiff folgen“, vermutet die Begleiterin der Musiker. Leo schaut zu ihrer Beifahrerin. „Da hast Du bestimmt recht!“ Auf den nächsten Kilometern zum Hafen observieren die beiden Frauen den Wagen immer wieder im Rückspiegel in den Blick. Sie erkennen niemanden und sehen zu, dass sie schnell zum Einlass in den Hafen kommen.
Kurz darauf hat Leo den Van direkt bis auf den Kai vor der Mare Fantasy gelenkt. Port Canaveral ist ein bedeutender Hafen an der Ostküste Floridas. Der Hafen spielt eine zentrale Rolle sowohl in der Kreuzfahrt als auch im Frachtverkehr. Gleichzeitig ist die Gegend bekannt für ihre atemberaubenden Strände und die Nähe zu zahlreichen Attraktionen. Dazu zählt besonders der benachbarte Weltraumbahnhof Cape Canaveral. Dieser historische Standort hat eine glanzvolle Geschichte und war der Ausgangspunkt für viele bedeutende Missionen, darunter die Apollo-Missionen zum Mond und die vielen Starts des Space Shuttles. Der Kreuzschifffahrt dient Port Canaveral als Ausgangspunkt für Reisen in die Karibik und nach Mittelamerika. Genau deswegen liegt heute die Mare Fantasy in Port Canaveral am Pier. Leo und die Begleiter steigen aus. Das Ziel steht im Hafenbecken direkt vor ihnen. Der bis zu 50 Meter hohe weiße Stahlkoloss ragt wie eine unbezwingbare Mauer in den Himmel. Das Schiff versperrt zwar den Blick auf den Hafen, spendet dafür aber erfrischende Schattenfelder. Hier zwischen Kreuzfahrtdampfer und Cruise-Terminal weht zudem eine leichte Windbrise, die die schwüle Mittagssonne ein wenig erträglicher macht. Auf der Hafenanlage herrscht emsiges Treiben. Zahlreiche Arbeiter entladen mehrere Lkw mit Gabelstaplern und reichen die Paletten durch eine offene Laderaumtür im Schiffsrumpf. Aus einem dahinterliegenden Frachtraum wird die Ware zur weiteren Einlagerung im Schiff verteilt. Heute kommt eine Menge Proviant und Nachschub auf das Kreuzfahrtschiff. Offenbar ist es preiswerter, das Schiff in Florida mit all den leckeren Lebensmitteln für die 5.000 Passagiere und 1.500 Besatzungsmitglieder zu beladen, als in New York. Besonders fallen Leo die endlos vielen Paletten auf, die prall voll mit Plastik-Mineralwasserflaschen bepackt sind. Abgefüllt im Sauerland, weiß Leo kopfschüttelnd. Welch ein Wahnsinn, deutsches Mineralwasser im Container nach Florida zu schaffen, um es hier auf ein Kreuzfahrtschiff zu bringen. Alles nur, damit die Passagiere eine gleichbleibende Mineralwassermarke auf der ganzen Welt genießen können! Neben dem Van führt eine schmale Gangway zwei Meter hoch zum vorderen Schiffsladeraum. Vor der Gangway wacht an einem mobilen Counter unter einem Faltpavillon ein Kollege von Leo darüber, dass kein Unbefugter auf das Schiff gelangt. Leo klärt mit diesem Kollegen den Zugang für die vier Begleiter. Sie hat vier vorbereitete Bordausweise, ähnlich herkömmlicher Scheckkarten, vor Antritt ihrer Fahrt nach Orlando erhalten und lässt sie nun der Reihe nach scannen. Dann geht sie zu den Vieren am Van, die inzwischen die doppelflügelige Hecktür geöffnet haben. Dort ziehen sie ihre Koffer und Musikinstrumente eingespielt heraus. Leo liest die Namen von den Bordausweisen ab und gibt sie auf Zeichen an die entsprechende Person weiter. „Ihr könnt eure Sachen jetzt ausladen und erst mal im Frachtraum abstellen. Wenn ihr noch mal an Land wollt, müsst ihr den Ausweis wieder scannen lassen!“ Die Vier haben verstanden, kennen das Prozedere zur Genüge und führen routiniert die Entladung fort. Da sie alle zwei oder drei Tage auf einem anderen Schiff einchecken, wissen sie Bescheid. Keiner hört auf die Ausführungen der Sicherheitsfrau. Auch auf der Mare Fantasy sind sie schon mehrfach aufgetreten. „Leo“, ruft plötzlich eine andere Frauenstimme. Leo reagiert. Auf sie kommt ein blonder Lockenkopf zu, kaum kleiner als sie selbst, dafür ein wenig kräftiger gebaut, Brille mit schwarzem Gestell auf der Nase und dreieinhalb goldene Streifen auf den Schultern. Die blonde Frau in weißer Offiziersuniform ist Staffkapitän Marie Schneider. Sie ist nach Kapitän Boris Hanson der ranghöchste Offizier an Bord und besitzt wie der Kapitän ein volles Kapitänspatent, um Schiffe wie die Mare Fantasy zu befehligen. Sie ist mit Anfang 40 relativ jung auf einem so hohen Posten und wartet darauf, dass sie eines Tages ihr eigenes Schiff befehligen darf. „Staff Marie, alles klar bei dir?“ Marie Schneider trägt ein Klemmbrett mit ein paar Zetteln in der einen und einem Kugelschreiben in der anderen Hand. „Bei mir ja. Und was machst du?“ „Ich habe eine Gruppe Musiker vom Flughafen abgeholt.“ Sie will, wie zur Rechtfertigung, auf die Musiker zeigen. Die sind aber inzwischen mit ihren Instrumenten und Koffern im Schiff verschwunden. Sie haben sich weder bedankt noch verabschiedet. Da kann Leo sich lediglich ihren Teil über dieses Künstlervolk denken. „Ihr müsst dann mit allen Sicherheitsleuten Posten beziehen. Der Käpt’n hat die höchste Sicherheitsstufe ausgerufen!“ Leo macht einen Schritt auf ihre Vorgesetzte zu. „Warum?“, fragt sie neugierig. Im Grunde kann sie sich die Beweggründe des Kapitäns nach dem kurzen Gespräch mit den amerikanischen Polizisten schon denken. „Auf dem Hafengelände ist jemand erschossen worden, und jetzt haben die Behörden Angst, dass sich der Mörder auf unserem Schiff verstecken könnte.“ Genau das passt in Leos Vermutung. „Ich habe davon gehört. Der Mörder läuft noch frei herum?“ „So sieht es aus.“ „Gibt es sonst noch etwas Besonderes?“ Marie schüttelt den Kopf. „Nein. Zwei neue Passagiere steigen zu, die jeweils eine Einzelkabine gebucht haben!“ Beide Frauen wissen, dass das ungewöhnlich ist. Jedoch werden die Passagiere ihre Gründe haben, warum sie erst zwei Tage nach allen anderen Passagieren zusteigen. Natürlich müssen sie trotzdem den vollen Reisepreis bezahlen. Leo beschäftigt eine weitere Frage. „Werden wir pünktlich ablegen?“ Marie Schneider hat alle Hände voll zu tun, damit alles in pünktlichen Bahnen bleibt. Sie ist wieder im Aufbruch, um über die schmale Crew-Gangway ins Schiff zu flitzen. „Im Moment spricht nichts dagegen. Die Sache mit dem Mord geht uns nichts an und das Bunkern der Verpflegung ist im Zeitfenster! Fahr dein Auto an die Seite und dann auf Position!“ An der offenen Frachttür dreht sich Staffkapitän Schneider noch mal zu Leo um und zeigt nach oben. Etwa zehn Meter über den beiden Frauen befindet sich die große, verglaste Gangway zwischen Schiff und Cruise-Terminal für die Passagiere. „Die ersten Gäste kommen zurück aufs Schiff und der Käpt’n möchte keine bösen Überraschungen erleben!“ Dann ist der Staffkapitän im Schiff verschwunden. Leo hat verstanden. Sie geht zum Wagen, natürlich stehen noch alle Türen weit offen. „Das passt zu diesem undankbaren Pack“, denkt sich die Ex-Polizistin. Sie schiebt die Tür auf der Fahrerseite schwungvoll zu, geht anschließend zu den offenen Hecktüren und wirft die rechte Tür mit mehr als genug Kraft krachend ins Schloss. Dabei bemerkt sie beiläufig, dass ein silberner Metallkoffer, wie ihn Fotografen und Musiker gerne verwenden, noch einsam im Kofferraum steht. „Idioten“, ruft Leo aus, greift nach dem Koffer in der Größe einer Einkaufstasche. Sie überschlägt sich fast, als sie beim Herausziehen aus dem Van merkt, dass der Koffer deutlich schwerer ist, als man auf den ersten Blick vermuten könnte. „Toller Plan. Lasst nur die dumme Leo schleppen“, murmelt sie vor sich hin, wirft mit der freien Hand die Hecktür zu. Über die Crew-Gangway hievt Leo an ihrem blöd grinsenden Kollegen, der sie vorhin hier am Posten in der Schwüle ablösen musste, vorbei hinauf ins Schiff. Als sie nach wenigen anstrengenden Schritten über den schmalen Steg in die Mare Fantasy kommt, weht ihr die frische Kühle entgegen, die sie längst vermisst hat – die Klimaanlage leistet hervorragende Arbeit. Leo setzt nur ein paar Schritte ins Schiff. Sie erblickt ein paar Koffer und Gepäckstücke an einer Wand, die wohl darauf warten, abgeholt zu werden. Leo stellt den glänzenden Koffer einfach in der Annahme dazu, dass diese Gepäckstücke den Musikern gehören. „Ich schleppe euch das Ding nicht hinterher, Dummbratzen!“ Anschließend macht Leo kehrt, verlässt das Schiff wieder. Dem Koffer schenkt sie keine weiteren Gedanken. Den Wagen bringt sie zum Reederei-Büro, kehrt schließlich auf die Mare Fantasy zurück, um ihren schweißtreibenden Florida-Ausflug zu beenden.
Etwa 200 Meter weiter hinten am Schiff, am eigentlichen Crew-Zugang, befindet sich eine weitere schmale Gangway. Dort steht der Asiate in seiner schwarzen Kleidung und mit einer schwarzen Sonnenbrille auf der Nase. Da er nach Leo eintraf, sah er nicht mehr, wie die Musiker ausstiegen. Er beobachtete allerdings aus sicherer Entfernung, wie Leo sich mit der anderen Frau unterhielt und vor allem, wie sie anschließend einen schweren Metallkoffer in das Schiff schleppte. Nachdem Leo nun weggefahren ist, greift der Mann zufrieden seine braune Reisetasche vom Boden und schreitet die Gangway entlang in das Schiff. Als er in das klimatisierte Schiff kommt, atmet er schwer durch. In diesen schwarzen Klamotten bei sengender Hitze in der Sonne zu stehen, ist wahrlich kein Vergnügen – der Schweiß strömt ihm aus allen Poren. Jetzt erwartet ihn die erste Bewährungsprobe, die seinen Schweißfluss aufs Neue weckt. Ein Sicherheitsmann der Mare Fantasy steht an seinem mobilen Counter mit Laptop und Handscanner, um alle Personen zu registrieren, die an Bord möchten. Der Sicherheitsmann hält den Scanner wie eine Pistole in Richtung des Asiaten. Der schaut zurück, als wüsste er nicht, wie es weitergeht. Ein paar Augenblicke verstreichen, während die beiden sich stumm betrachten. „Was ist?“, fragt der Sicherheitsmann, der selbst ein Asiate ist. Der Mann in Schwarz versteht nicht. Er weiß nicht, was er machen soll und wird ein wenig unsicher. „Bist du hier neu?“ Er zögert, geht dann aber darauf ein. „Ja, neu. Ich bin gerade eingetroffen!“ „Hast du schon eine Bordkarte?“ Der Überraschte versteht. Er lässt seine Tasche zu Boden fallen, kramt in seiner schwarzen Sakkotasche und findet die gesuchte Plastikkarte. „Ja, habe ich!“ Er hält die Karte mit ausgestreckter Hand stolz Richtung Security-Mann. Der scannt mit einem kaum hörbaren Pieps den Strichcode der Karte, um anschließend die gespeicherten Informationen über diesen Mann oder diese Bordkarte auf dem Bildschirm des Rechners lesen zu können. Laut Daten ist der Mann in Schwarz das Crew-Mitglied Jaspal Singh aus Indien, Bereich Reinigungsservice. Für einen visuellen Abgleich, ob die vorgezeigte Bordkarte auch zu der Person passt, die da steht, erscheint auf dem Monitor ein abgespeichertes Porträtfoto. Im ersten Moment ist der Security-Mann ein wenig überrascht, fast hilflos. Er schaut ein paar Mal zwischen Bildschirm und Mann auf und ab. Dem schwarz gekleideten Asiaten drückt in diesem Moment der Schweiß literweise aus den Drüsen. Wird ihm der Zugang zum Schiff verweigert? Fällt etwa auf, dass das hier nicht seine Bordkarte ist. Dann muss er sich kurzfristig einen Plan B ausdenken, um mit heiler Haut den Rückzug und die Flucht zu überleben. Ohne den Kopf zu bewegen, analysiert der Asiate die Umgebung und plant, was er am besten machen kann, um von hier wegzukommen. Auch ist ihm nicht entgangen, dass das Security-Personal Waffen am Gürtel trägt. Wahrscheinlich eine Vorsichtsmaßnahme, da es auf dem Hafengelände einen Mordfall gibt. „Nah, das Foto im System ist aber nicht sehr schmeichelhaft für dich“, kommt es schließlich vom Sicherheitsmann. „Du kannst durchgehen!“ Der Mann in Schwarz entspannt sich im selben Augenblick wie ein Flitzebogen. Das hält nicht lange. In der nächsten Sekunde steigt das Adrenalin wieder kochend an. Die Kontrolle der Bordkarte war nur der Auftakt. Was jetzt kommt, ist das zweiteilige Erwachsenenprogramm. Ein paar Schritte weiter steht ein Röntgengerät für die Gepäckkontrolle. Alles, was an Bord kommt, muss durch einen Röntgenscanner laufen, damit keine Waffen, Sprengstoff, elektrische Heizgeräte oder private Schnapsvorräte mit auf die Reise gehen. Vor diesem Gerät hat der Mann in Schwarz keine Angst. Er legt seine Reisetasche in eine graue Kunststoffschale auf das Rollenband. „Handy, Schlüssel, Portemonnaie, Knarren und Koks“, fordert der Sicherheitsmann am Röntgengerät tonlos auf. Erschrocken starrt der Mann in Schwarz den Sicherheitsmann an. Soll er jetzt wirklich seine Pistole in die Schale legen? Der Sicherheitsmann schaut streng zurück, ohne eine Miene zu verziehen. Plötzlich lacht der Security-Mann am Scanner lautstark. Der Kollege von der Bordkartenkontrolle und ein Dritter hinter dem noch folgenden Personenscanner steigen in die Schadenfreude herzlich mit ein. „Mann, entspann dich. Das ist nur Spaß. Handy, Schlüssel, Portemonnaie reichen“, ruft der Mann am Scanner. „Du kannst deinen Angstschweiß wieder abstellen. Deine Waffe wollen wir heute nicht sehen!“ Der stumme Mann atmet auf, kramt schnell in seinen Taschen, legt das Geforderte in die flache Kunststoffschale zur Reisetasche und schaut zu, wie der Sicherheitsmann mit einer raschen Handbewegung die Kiste in das Röntgengerät stößt.
