Die Kreuzfahrtpolizisten - Band 4 - Andreas Schöwe - E-Book
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Andreas Schöwe

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Beschreibung

Für den hanseatischen Hotel-Tycoon Henri Christiansen steht nur Geld im Vordergrund. In seinem langen Berufsleben ging es immer nur um Gewinn und Erfolg. Seine Familie musste ununterbrochen zurückstecken und seine Launen ertragen. Ausgerechnet seinen größten finanziellen Erfolg möchte Henri mit seiner ständig unterdrückten Familie auf der Mare Fantasy feiern: einen gewaltigen Deal mit Aktien der Mare Cruise Line, die er durch Insiderwissen günstig kaufen und mit gewaltigem Gewinn verkaufen konnte. Das Wissen lieferte seine Tochter Yvonne Christiansen, langjährige Assistentin der Mare Cruise Line-Vorständin Lena Laurer. Dann wird Yvonne von ihrem bei Henri Christiansen verhassten Ehemann tot im verschlossenen Badezimmer aufgefunden. Alle Zeichen sprechen für einen Unfall. Kleine Ansätze wecken jedoch den kriminalistischen Spürsinn der Securitymitarbeiter Leonie und Benne. Es dauert nicht lange, bis Hobbyforensikerin Sofia Jansen klare Spuren eines Mordes findet. Aber kann ein Mörder durch Wände gehen? Die Tote hatte innerhalb der Familie Neider und Missgönner. Dazu zählt der Onkel, der seine Glücksspielsucht heimlich mit Geld von Henri Christiansen finanzierte oder der Schwager, der dem Opfer nachstellte. Schließlich rückt die Reederei-Vorständin Lena Laurer, eine langjährige Freundin von Henri Christiansen, überraschend in das Zentrum der Ermittlungen. Die Kreuzfahrtpolizisten 5.000 Passagiere freuen sich auf einen erholsamen Urlaub an Bord der Mare Fantasy - 1.500 Besatzungsmitglieder arbeiten Tag und Nacht, damit es den Gästen am kulinarischen Wohl, an der Unterhaltung oder an der Sicherheit für Leib und Leben nicht fehlt. 6.500 Menschen mit ihren individuellen Aufgaben, Zielen, Besonderheiten und Wünschen auf engsten Raum in einer abgeschlossenen Welt auf dem Meer … da geht immer etwas schief! Dann kommen Leonie „Leo“ Winter und Benedikt „Benne“ Cordes. Sie sind Security-Mitarbeiter auf diesem Kreuzfahrtschiff der Superlative. Ihre Aufgabe ist es, für Sicherheit und Ordnung zu sorgen und die Gelddruckmaschine ohne Unterbrechung im Takt zu halten! Diese Aufgabe ist gar nicht so einfach!

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Veröffentlichungsjahr: 2025

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Andreas Schöwe

Die Kreuzfahrtpolizisten - Band 4

Kreuzfahrt in den Tod

Denken Sie beim Lesen der Kreuzfahrtpolizisten immer daran: Eine Kreuzfahrt ist eine Seefahrt und eine Seefahrt hat immer etwas mit dem berühmten Seemannsgarn zu tun ...

Die Kreuzfahrtpolizisten - Band 4

Kreuzfahrt in den Tod

Andreas Schöwe

Die Kreuzfahrtpolizisten - Band 4

Kreuzfahrt in den Tod

IMPRESSUM

Idee & Konzept:   Andreas SchöweTitelbild:   enthält Fotos von Adobe/Fotolia

Verlag:   Medienservice RiesenbeckHeike SchubertErich-Kästner-Straße 2948485 Neuenkirchen

Alle Rechte der Vervielfältigung, Bearbeitung und Übersetzung, ganz oder teilweise, sind für alle Länder vorbehalten. Die Autorin oder der Autor oder Herausgeber ist alleinige*r Inhaber*in der Rechte und verantwortlich für den Inhalt dieses Buches. Das Gesetz über geistiges Eigentum verbietet Kopien oder Vervielfältigungen, die für eine kollektive Nutzung bestimmt sind. Jede vollständige oder teilweise Darstellung oder Vervielfältigung, die durch ein beliebiges Verfahren ohne die Zustimmung der Autorin oder des Autors oder seinen Berechtigten oder Rechtsnachfolger*innen erfolgt, ist rechtswidrig und stellt eine Fälschung im Sinne der Artikel L.335-2 ff. des Gesetzes über das geistige Eigentum dar.

Andreas Schöwe

Über den Autor: 56 Jahre, aus dem Münsterland. Seit vielen Jahren liebt er Krimis und die Kreuzfahrt. Was liegt da näher, als beides miteinander zu verbinden? Im Hauptberuf hat er mehrere Stationen in der Druck- und Verlagsbranche hinter sich gebracht. Zudem hat der Autor diverse Veröffentlichungen im Sachbuchbereich Raumfahrt. Heute arbeitet er für ein weltweit tätiges Unternehmen aus der Landwirtschaftsbranche. Der Autor hat schon einige Kreuzfahrten mit verschiedenen Reedereien weltweit genossen und sucht auf weiteren Reisen die Inspiration für seine Kriminalgeschichten.

Vorwort

Ein Wort zur Einleitung:

Ein Mord gehört nicht zum Alltag auf einem Kreuzfahrtschiff – würde aber auch aus Sicherheitsgründen nur in wenigen Ausnahmefällen publik werden. Das ist ein wichtiger Ansatz und die tragende Stütze bei den Kreuzfahrtpolizisten: Viele in diesem Buch dargestellte Abläufe und Sicherheitseinrichtungen (Bordkarten als Schlüssel- und Zahlkarte, Überwachungssysteme, Crew-Unterkünfte oder die Darstellung von Sicherheitsübungen) existieren so tatsächlich auf praktisch jedem Kreuzfahrtschiff der Welt. Diese Buchreihe nutzt das Thema Kreuzfahrt als Kulisse für unterhaltsame Kriminalromane. Der Mix aus Realität und Fiktion ist die wichtigste Zutat für spannende Geschichten und tolle Abenteuer!

Wenn Sie für Ihren nächsten Urlaub eine Kreuzfahrt planen, lassen Sie sich nicht davon abhalten, weil Sie glauben, es könnte gefährlich werden …Bitte denken Sie beim Lesen der Kreuzfahrtpolizisten immer an Folgendes: Eine Kreuzfahrt ist eine Seefahrt und eine Seefahrt hat immer etwas mit dem berühmten Seemannsgarn zu tun …Gute Unterhaltung!

Einleitung

Willkommen an Bord!Willkommen bei den Kreuzfahrtpolizisten! Die Kreuzfahrtpolizisten sind im Romanleben Security-Mitarbeiter auf einem Kreuzfahrtschiff.  Ihre Aufgabe ist es, die Sicherheit aller Menschen an Bord zu gewährleisten! ... diese Aufgabe ist nicht einfach! Im Mittelpunkt steht die Ex-Polizistin Leonie „Leo“ Winter, die den Dienst bei der Polizei quittiert und auf dem Megaliner Mare Fantasy angeheuert hat. Dort arbeitet sie an der Seite von Benedikt „Benne“ Cordes, der als 1. Security Officer, der oberste Sicherheitsmann an Bord ist. Freundschaft, Kameradschaft, aber auch der professionelle Umgang mit Aufgaben und Herausforderungen sind wichtige Figureneigenschaften. Wenn es darauf ankommt, ist die Crew uneingeschränkt konzentriert bei der Arbeit, um so die Sicherheit für die Passagiere und das gesamte Kreuzfahrtschiff zu gewährleisten. Das ist eine Hauptzutat, mit der diese spannenden Good-Feeling-Krimis geschrieben sind. Die beiden Hauptdarsteller finden bei der Arbeit Unterstützung in den Reihen der Crew: Boris Hanson (Kapitän, Seebär mit Leib und Seele), Sofia Jansen (Arzthelferin, die inoffiziell gerne mal bei der Spurenermittlung aushilft), Hotel-Manager Tarek Yizmir (der seine Gäste notfalls auch persönlich bis zur Kabinentür begleitet), Luis Schönmann (Barkeeper. Das Ohr auf dem Schiff), Sicherheits-Mitarbeiter Zach (Computer Nerd der Extraklasse) und Marie Schneider (als Staffkapitän die rechte Hand vom Kapitän).

Diese Krimiserie möchte unterhalten Viele Millionen Menschen fahren jährlich mit Kreuzfahrtschiffen in den Urlaub. Genau, wie hier dargestellt wird. Alle Namen, Personen, die Reederei, das Schiff und die Geschichten in dieser Reihe sind fiktiv, orientieren sich aber detailgetreu an der Kreuzfahrt-Urlaubsindustrie. Der erfahrene Leser, der eine Seereise bereits unternommen hat, findet auf vielen Seiten Ansatzpunkte, bei denen er denkt, dass er das so kennt oder selbst erlebt hat. Jemand, der hingegen noch nie ein Kreuzfahrtschiff betreten hat, findet sich durch die lockeren Szenendarstellungen schnell zurecht. Der Leser, egal ob Kreuzfahrtfahrer oder nicht, lernt das Schiff und seine Abläufe kennen. Vermengt wird das Ganze mit erfundenen Orten. So wird es den in diesem Buch dargestellten „Kulturpalast“ im Crew-Bereich mit Alkohol, Rauchen und Glücksspiel garantiert auf keinem Schiff der Welt geben. Gleichzeitig machen genau diese Orte die Geschichten unterhaltsamer.

1 - Rostock-Warnemünde, Cruise Center

Die Herbstsonne legt einen goldfarbenen Schimmer über Warnemünde, während sie sich nach Kräften müht, den Charme des Sommers zu bewahren. Das beschauliche kleine Fischerörtchen am Strand der Ostsee hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Touristenhotspot gemausert. Schöne Hotels, ein vielfältiges Angebot an Kneipen und Restaurants, ein breiter Badestrand in fußläufiger Nähe und die Nachbarschaft zur Stadt Rostock im Hinterland haben Warnemünde zu einem beliebten Ziel bei Urlaubern und Tagestouristen etabliert. Zum vielfältigen Freizeitangebot neben Baden, Flanieren und Shopping steht Kreuzfahrtschiffe gucken ganz oben auf der Beliebtheitsskala. Fast jeden Tag liegt mindestens ein gewaltiges Urlauberschiff am Pier im Warnow-Strom, der Zufahrt zum wichtigsten deutschen Seehafen im Ostseebereich. Warnemünde hat sich zusätzlich zum wichtigsten deutschen Kreuzfahrthafen an der Ostsee emporgearbeitet. In greifbarer Nähe zu den Hotels und Geschäften von Warnemünde wurde dafür das moderne Cruise-Terminal mit direktem Bahn-Anschluss errichtet. Hier liegt heute die Mare Fantasy. Dieses 340 Meter lange, weiße Kreuzfahrtschiff, ein imposantes Meisterwerk moderner Ingenieurskunst, hat heute Morgen festgemacht. Nahezu alle der bis zu 5.000 Passagiere verlassen hier das Schiff, um durch neue Gäste für eine neue Reise ausgewechselt zu werden.  Nebenbei werden die Vorräte an Getränken und Lebensmitteln aufgefrischt. Auf dem Pier zwischen Terminalgebäude und dem locker 50 Meter hohen Stahlkoloss tummeln sich eine Reihe von Gabelstaplern und viele fleißige Hände, die Gepäck, Leergut und Müll aus dem Bauch des Schiffes entladen. Anschließend packen sie das Gepäck der neuen Gäste sowie viele Paletten mit Lebensmitteln und Getränken aus wartenden Lastkraftwagen in den Cruiseliners. Die fast wöchentliche Zeremonie folgt einer logistischen Glanzleistung, die bis ins letzte Detail über Monate im Vorfeld ausgefeilt ist. Nur so kann das Schiff mit Urlaubern zu einer neuen, ungestörten Seereise aufbrechen, auf der es für das leibliche Wohl an nichts fehlen darf. Neben dem Bestell- und Verladewesen für die Versorgung der Passagiere und der Crew ist das Einschiffen der neuen Gäste der zweite große Kraftakt des Tages. Obwohl für den Check-in zwischen 12.00 und 17.00 Uhr mehr als genügend Zeit zur Verfügung steht, rücken jetzt gegen 13.30 Uhr fast alle Passagiere gleichzeitig an. Die moderne Halle des Cruise-Terminal Warnemünde ist voll mit wartenden Menschen. Die zahlreichen Check-in-Mitarbeiter an ihren Pulten versuchen, dem Andrang Herr zu werden, aber aktuell kommen in die moderne Stahlbauhalle mehr Menschen hinein, als durch den Check-in und die nachfolgenden Sicherheitskontrollen zum Schiff herausgehen. An der Sicherheitskontrolle wird das Handgepäck der neuen Gäste auf verbotene Gegenstände wie Waffen oder, aus Sicht der Reederei fast noch schlimmer, mitgebrachte Getränke oder Snacks kontrolliert. Nichts darf an Bord gelangen, was dem ruhigen Ablauf einer Kreuzfahrt und der Gewinnmaximierung der Reederei im Weg stehen könnte. An einem der Röntgengeräte für das Gepäck steht die junge Securityfrau Leonie Winter. Ihre braunen Haare hat sie wie fast immer zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Ihre dunkle Dienstkleidung und ihr Namensschild zeigen deutlich, dass sie zur Crew der Mare Fantasy gehört. Ein wenig trocken, aber doch bestimmt, erklärt sie einem Gast nach dem anderen, dass das Handgepäck, Jacken und Handys in die grauen Kunststoffboxen gelegt werden müssen.  Leonie Winter, von ihren Freunden liebevoll Leo genannt, ist eine faszinierende Persönlichkeit, die ihren Lebensweg mit einer beeindruckenden Mischung aus Stärke, Scharfsinn und Entschlossenheit beschreitet. Mit 34 Jahren blickt sie auf eine berufliche Laufbahn als Polizistin zurück, die von analytischem Denken, Durchhaltevermögen und einer natürlichen Autorität geprägt ist. Ihr Spitzname Leo, der eigentlich eine Abkürzung von Leonie ist, erinnert an die Kraft und List eines Löwen – Eigenschaften, die sich auch in ihrem Alltag widerspiegeln. Nach rund zehn Jahren im Streifendienst entschied Leo, diesen Weg zu verlassen. Der Grund waren Konflikte zwischen Beruf und Privatleben, die durch Machenschaften ihres Lebensgefährten entstanden. Sie wollte sich daraus befreien und suchte nach einem Neuanfang. Nach der Kündigung bei der Polizei kam eine Auszeit zu Hause im kleinen Reisebüro ihrer Eltern in der Lüneburger Heide. Während dieser Zeit erwachte ihre alte Leidenschaft für ferne Länder aufs Neue. Durch Erzählungen eines Außendienstlers der Mare Cruise Line fand Leonie den Entschluss, einen mutigen Schritt zu wagen: Sie heuerte spontan auf dem Kreuzfahrtschiff Mare Fantasy an. Heute arbeitet sie hier beim Sicherheitsdienst des Schiffes und nutzt nun ihre erlernten Polizeifähigkeiten, um für Sicherheit und Ordnung zu sorgen. Ihr Lebenslauf zeigt eindrucksvoll, wie Mut, Neugier und die Bereitschaft zum Wandel neue Wege eröffnen können – Wege, die nicht nur persönliche Entwicklung bedeuten, sondern wesentlich dazu beitragen, andere zu schützen und für Sicherheit zu sorgen. Die Arbeiten der Security an Bord sind vielfältig. Die Zugangskontrolle zum Schiff zählt zu diesem Job. Da ist es immer ein wenig hektisch. Erst recht an Tagen wie heute, wenn ein kompletter Passagierwechsel gestemmt werden muss und bis zu 10.000 Menschen aus- und einsteigen. Später, während der Reise auf dem Meer, ist es deutlich entspannter für die Sicherheitsleute. Dann müssen Leo und ihre Kollegen hauptsächlich Präsenz zeigen und den Passagieren Sicherheit vermitteln. Leo hat es heute mit ihrem Dienst gut getroffen. Die Handgepäckkontrolle macht zwar müde Augen, da man genau hinschauen muss, was der Bildschirm am Röntgengerät alles entdeckt. Aber es ist nicht so schlimm, wie die Gäste ständig am Personenscanner abzufummeln. Die Gäste heute arbeiten zuverlässig mit. Es geht zügig voran. Die meisten sind bei bester Laune und freuen sich auf eine erholsame Kreuzfahrt auf der Ostsee. Da macht der Dienst Spaß. Leo hatte noch keine besonderen Vorkommnisse, merkt aber direkt, dass sich jetzt etwas ändern wird. Ein älterer Mann, um die 60 Jahre, kurze schwarze Haare und etwas rundliche Figur, hievt schnaufend einen abgenutzten Kunststoffkoffer in die Schale auf dem Rollenband. Leo hört es metallisch klirren und weiß sofort, dass dieser Koffer kein gewöhnliches Reisegepäck ist. „Hallo, junge Frau. Keine Angst, es ist harmlos“, scherzt der Mann, als Leo ihn vorsichtig beäugt und seinen verschrammten Koffer durch den Scanner dirigiert. „Ich vermute mal, dass das kein Fotokoffer ist“, antwortet Leo ein wenig tonlos.  Er bleibt freudig: „Ganz recht und auch kein Schminkkoffer!“ Leo steht der Mund offen, als sie perplex auf dem Bildschirm erkennt, dass sich im Koffer nur Gegenstände aus Metall befinden, teilweise wohl mit Kunststoffüberzug. „Ist das Werkzeug?“ Der Mann schaut kurz seine Begleiterin an und hilft ihr, ihr Handgepäck in die nächste Schale zu packen. Es ist ein kleiner Hartschalen-Rollkoffer, der schon eher auf normales Handgepäck schließen lässt. „Gut erkannt, junge Frau. Das ist mein Werkzeugkoffer!“ Leonie versteht nur Bahnhof. „Sind Sie Handwerker oder Passagier?“, fragt sie und schaut langsam vom Bildschirm zum Mann auf der anderen Seite des Röntgengeräts. Der ist allerdings eher wie ein deutscher Urlauber gekleidet. Nach einem Handwerker sieht er ganz und gar nicht aus. Der Mann strahlt sie an: „Junge Frau. Ich bin Handwerker seit 50 Jahren und heute zum ersten Mal Passagier auf einem Schiff!“ „Und warum bringen Sie einen Werkzeugkoffer mit?“ Jetzt ist es der Mann, der ein wenig fragend zurückschaut. „Es gibt viele Leute, die glauben, dass guter Pfusch eine gute Arbeit ist. So ist es aber nicht. Weil es immer etwas zu schrauben oder zu reparieren gibt, begleitet mich auch immer mein Werkzeugkoffer.“ „Aber dafür haben wir unsere eigenen Handwerker an Bord. Und die haben auch eigenes Werkzeug.“ „Mag sein. Aber die Erfahrung zeigt mir, dass man immer mit seinem eigenen Werkzeug vorbereitet sein sollte.“ „Im Urlaub?“, bohrt Leo verständnislos nach. Der Mann mit leicht gegelten Haaren schaut Leo an, als würde er die Frage nicht verstehen. „Gerade dort“, kommt die Antwort als Selbstverständlichkeit. „Offenbar wissen Sie nicht, dass es im Ausland keine deutschen DIN-Normen gibt!“ „Aber Sie sind auf einem deutschen Schiff!“, versucht Leo zu beruhigen. „Wir haben genügend Werkzeug an Bord!“ „Ich nutze generell nur mein eigenes Werkzeug. Da weiß ich, was ich habe. Werkzeug und Frauen verleiht man nicht!“ „Und Autos auch nicht!“, erklingt eine weitere Stimme hinter Leo. Ein Offizier in weißer Uniform hat sich hinter Leo aufgebaut und schaut ihr über die Schulter. Er erkennt direkt, was Leo da entdeckt hat. „Ist das Werkzeug?“, fragt der 40-jährige Offizier seine Kollegin. „Der Gast möchte seinen eigenen Werkzeugkoffer mit in den Urlaub nehmen!“ Leo und der Offizier, es ist ihr Vorgesetzter und bester Freund Benedikt Cordes, 1. Security Officer an Bord schauen sich nachdenklich an. Benedikt Cordes, von den meisten an Bord einfach Benne genannt, ist ein charismatischer Mann mit einer gewinnenden Ausstrahlung. Seine Haare sind blond und werden oft leger zurückgekämmt getragen, was seinem gesetzten, aber freundlichen Gesichtsausdruck gut steht. Seit einem Jahrzehnt ist er als 1. Security Officer auf verschiedenen Kreuzfahrtschiffen im Einsatz, was ihm nicht nur ein tiefes Verständnis für die Sicherheit auf See, sondern auch einen Schatz an menschlichen Begegnungen beschert hat. Benne ist die Art von Mensch, der bei den Crew-Mitgliedern genauso beliebt ist wie bei den Passagieren. Sein Ansatz bei der Arbeit ist pragmatisch und menschenorientiert. Er versteht es, in hitzigen Situationen Ruhe zu bewahren und Konflikte mit einer Mischung aus Humor und Bestimmtheit zu entschärfen. Dabei verliert er jedoch nie den Ernst der Lage aus den Augen und agiert stets professionell. In den zehn Jahren auf See hat Benne vieles erlebt, was ihn gelehrt hat, dass man Menschen nicht nach ihrem Äußeren beurteilen darf. Oft war seine Intuition entscheidend, um zwischen den Zeilen lesen zu können und Situationen richtig einzuschätzen. Diese Eigenschaft macht ihn zu einem wertvollen Mitglied des Security-Teams auf der Mare Fantasy. Er trägt seine Uniform mit Stolz, doch am Herzen trägt er die Sorgen seiner Crew und der Passagiere. Sie alle vertrauen darauf, dass Benne und sein Team für ihre Sicherheit sorgen. Mit seiner blonden Haarpracht, dem entschlossenen Blick und seinem kühlen Kopf ist er der Fels in der Brandung auf einem Schiff, das sich durch internationale Gewässer bewegt. Benne wendet sich an den Gast: „Mein Herr, ich kann Ihnen versichern, dass sich unser Schiff in einem tadellosen Zustand befindet. Wir haben letzte Woche noch die neue TÜV-Plakette, hinten, unterhalb der Flagge, angeklebt. Ihr Werkzeug brauchen Sie wirklich nicht.“ „Erstes Handwerkergesetz: Du benötigst immer nur das Werkzeug, das Du nicht am Mann hast. Also nehme ich vorsorglich immer meine ganze Werkzeugkiste mit. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Meine liebe Frau konnte mich heute Morgen mit Mühe überreden, dass ich mein Schweißgerät zu Hause lasse. Obwohl …“, sein Blick richtet sich durch die hohe Fensterfront am dahinterliegendem Kreuzfahrtschiff nach oben und es kommen ihm wohl Zweifel an der Arbeit der Schiffsbauer. „Ist der Kahn aus Deutschland?“ „Selbstverständlich. Made in Germany, deutsche Qualitätsarbeit“, verkündet Benne mit Stolz. „Ja, ja“, kennt der Handwerker die Leier. „Gebaut in Deutschland aber wahrscheinlich aus indischen Reisblatt-Stahl. Eisberge?“ „Machen wir nicht“, antwortet Leo knapp, während sie Schulter an Schulter mit Benne den nächsten Koffer begutachtet. Inzwischen sehen die beiden, was im Rollkoffer der Frau steckt. „Äh, und in diesen Koffer möchten wir mal hineinschauen!“ Die beiden grauen Schalen mit dem Handgepäck des Ehepaars rollen bereits am anderen Ende des Röntgengeräs wieder heraus, als die Ehefrau den Mann ein wenig an die Seite schiebt und eilig zu Leo spricht: „Da ist nichts Verbotenes drin. Ich habe Ihre Geschäftsbedingungen genau geprüft!“ „Das werden wir dann sehen, wenn Sie den Koffer öffnen“, bleibt Leo beharrlich. Die Frau lässt sich nicht lange bitten. Mit festem Griff öffnet sie den Reißverschluss vom Koffer. Unterdessen staut es sich am Zugang zum Röntgengerät. Die nachfolgenden Passagiere machen lange Hälse wie eine neugierige Gänseschar, um zu schauen, warum es nicht vorangeht. „Was soll das?“, fragt Leo, als sie das Oberteil vom Koffer auf die Seite klappt und die ersten Gegenstände in den Händen hält. „Handtücher? Putzmittel? Warum bringen Sie das mit?“ „Wir möchten es in unserer Kabine nur schön sauber haben“, antwortet die Ehefrau mit einem leichten Grinsen. „Aber Sie bekommen so viele Handtücher von uns, wie Sie wollen. Und die Kabine wird jeden Tag gereinigt.“ Kaum ausgesprochen, zieht Leo eine Tüte mit billigem Plastik-Einwegbesteck hervor. „Und Besteck haben wir auch mehr als genug an Bord.“ „Man kann einfach nie wissen.“ Leo schaut sich widerwillig allerhand Haushalts- und Reinigungsutensilien für Bad, Boden und Fenster an. „Sie wollen doch wohl nicht wirklich Ihre Kabine selbst putzen?“ Die Frau nickt Leo ein wenig trotzig zurück. „Wie schon gesagt. Wir stehen auf Sauberkeit“, erklärt die Ehefrau mit einem Schmunzeln, während Leo verwirrt auf Haushaltshandschuhe und Fensterreiniger starrt. „Dafür haben wir einen Putzdienst. Und wenn der nicht anständig arbeitet, dann melden Sie das bitte der Rezeption.“ Der Dame reicht es. Sie sieht keinen tieferen Sinn in der Fortsetzung einer Diskussion. Sie wirft den Deckel vom Koffer zu. Leo kann gerade rechtzeitig die Finger zurückziehen. „Genug geschwatzt und gewühlt. Wie wir die Zeit in unserer Kabine verbringen, überlassen Sie bitte uns!“ Noch kann Leo es nicht begreifen. Dass Gäste selbst die Kabine putzen und gegebenenfalls Reparaturen durchführen möchten, hat sie bislang nicht erlebt. Sie blickt Benne an: „Sag mal, sind wir hier bei der versteckten Kamera?“ Die beiden Sicherheitsleute schauen sich ungläubig an, als Benne Leo ein Stück an die Seite schiebt. Ihm ist noch etwas anderes auf dem Bildschirm aufgefallen. Bevor die Frau den Reißverschluss eilig komplett verschließen kann, greift er noch mal in den Koffer und zieht eine kleine Stehlampe mit roter UV-Birne und Kabel hervor. „Und was wollen Sie mit dieser Heizlampe?“ „Kommen Sie mal in mein Alter. Da friert man schnell!“ „Dafür haben wir in jeder Kabine eine Heizung!“ „Und zusätzliche Wolldecken“, ergänzt Leo. Die Heizlampe legt Benne auf einen kleinen Tisch. „Die Heizlampe bleibt hier. Den Rest können Sie mitnehmen!“ Leo erkennt, dass die Frau eine Nachfrage stellen möchte, und kommt ihr zuvor: „Keine Angst. Sie bekommen die Lampe am Ende der Reise zurück.“ „Sie würde in der Kabine ohnehin nicht funktionieren. Auf den Steckdosen in den Kabinen ist zu wenig Leistung. Dort können Sie Ihr Handy oder einen Laptop aufladen. Die Stromstärke reicht aber nicht für eine Heizlampe oder einen elektrischen Grill. Ein E-Auto können Sie dort ebenfalls nicht aufladen“, fügt Benne scherzend hinzu. „Macht nichts. Ich bin Elektriker. Machen Sie sich keine Sorgen. Ich bringe Euch ordentlich Saft auf die Leitungen“, antwortet der Mann und will gerade seinen Werkzeugkoffer vom Rollenband wuchten, als Benne stoppend eine Hand auf den Arbeitskoffer legt: „Und der bleibt ebenfalls hier.“ Die Männer schauen sich wie zwei Revolverhelden vor einem Duell in die Augen. „Phasenprüfen?“ „Bleibt hier im Koffer“, antwortet Benne ohne mit den Augen zu zucken. „Und jetzt wünschen wir Ihnen einen schönen Aufenthalt an Bord der Mare Fantasy“, möchte Leo das Gespräch beenden und packt sich bereits die nächste Kunststoffschale von wartenden Gästen. „Kombizange?“ Benne schüttelt den Kopf und klopft mit der flachen Hand auf den Werkzeugkoffer, den er immer noch zurückhält. „Bleibt auch hier. Und bitte nichts eigenmächtig an Bord reparieren.“ „Wie sollen wir mit dieser Ungewissheit einen schönen Aufenthalt an Bord haben, wenn ich im Notfall nichts reparieren kann?“, fragt der Mann eilig zurück. Benne zieht den schweren Werkzeugkoffer bereits ebenfalls auf den Beistelltisch, damit es endlich weitergeht. „Sie begeben sich heute auf eine Kreuzfahrt. Eine Kreuzfahrt ist eine Seefahrt, und schon seit Jahrhunderten weiß man, dass man auf jeder Seefahrt auf Gott vertrauen muss.“ Der Mann greift ungläubig den Koffer seiner Frau vom Transportband. Kaum erreichen die Rollen den Boden, reißdie Ehefrau hastig den Koffer an sich heran, damit die Sicherheitsleute nicht weiter fühlen können. Die zwei machen Anzeichen, weiterzugehen. Eine letzte Frage hat der Mann noch an Benne: „Meinen Werkzeugkoffer bekomme ich aber zurück, wenn wir Ihr Schiff verlassen?“ Benne lächelt zurück und empfiehlt dem Mann auch in dieser Hinsicht: „Haben Sie einfach Gottvertrauen.“

2 - Beginn der Reise

„Guten Abend, Kapitän!“ Boris Hanson zuckt zusammen. Seine Befürchtung bewahrheitet sich, als diese Stimme hinter seinem Rücken erklingt. Vereinsamt thront er am penibel ordentlich gedeckten Tisch im noblen Restaurant Le Mare, als die Stimme ihn aus seinem Studium der Menükarte reißt. Kapitän Boris Hanson ist ein imposanter Seemann, den man nicht so leicht übersieht. Mit einer stattlichen Größe von fast zwei Metern und einer breiten Schulterpartie, die an die massiven Türen eines Schrankes erinnert, dominiert er jeden Raum, den er betritt. Ein schwarzer Vollbart und volles dunkles Haar spiegeln das Klischeebild eines Seemanns wider. Mit Ende 50 hat Hanson mehr Zeit auf den Ozeanen verbracht als am Land. Seit seinem 15. Lebensjahr ist das Meer seine Heimat, sein Lehrmeister und seine größte Leidenschaft. In vier Jahrzehnten hat er alle Weltmeere befahren und dabei Stürme gemeistert, fremde Häfen entdeckt und unzählige Sonnenuntergänge über dem endlosen Blau erlebt. Seit rund zehn Jahren dient Hanson nun der Mare Cruise Line - einem Unternehmen, das seinen Ansprüchen an Qualität und Abenteuer täglich aufs Neue gerecht wird. Als Kapitän der Mare Fantasy, einem prächtigen Kreuzfahrtschiff, das vor drei Jahren in Dienst gestellt wurde, hat er sich einen Namen gemacht. Er führt sein Schiff mit einer Mischung aus eiserner Disziplin und väterlicher Fürsorge. Seine Crew respektiert ihn für seine Erfahrung und seinen unerschütterlichen Glauben an Teamarbeit. Als Kapitän sind ihm Tausende Tonnen Stahl und Technik und bis zu 6.500 Seelen anvertraut. Menschen sind etwas ganz anderes als stählerne Container oder Getreide und erfordern mehr Aufmerksamkeit und noch mehr Verantwortung. Das musste Boris Hanson erst lernen und sich damit arrangieren. Er repräsentiert seine Reederei täglich aufs Neue und muss immer Freude und Zuversicht ausstrahlen. Hanson muss seine Passagiere und seine Crew souverän führen, wie ein Schäferhund seine Herde, und dirigieren, wie ein Kapellmeister sein Orchester. Dazu gehört es auch, dass er sich den Gästen zeigen muss, auch wenn er am liebsten die ganze Reise auf der Kommandobrücke verbringen würde. Heute Abend trägt er wieder die Bürde seiner Position auf seinen Schultern. Im VIP-Restaurant Le Mare muss oder will er mit ausgewählten Gästen speisen und nebenher belanglose Konversationen führen. Nachdem er das Ablegemanöver in Warnemünde um Punkt 18.00 Uhr souverän befehligt und Kurs auf Schweden genommen hatte, überließ er das Kommando dem 1. Offizier und tauschte seine Dienstkleidung gegen die schicke Ausgehuniform. Die VIP-Gäste im Le Mare haben ihre Erwartungen an die Anwesenheit des Oberbefehlshabers. Auf dem Weg zum Abendessen grüßte er freundlich die Passagiere und führte ein paar Gespräche, ehe er im First-Class-Restaurant auflief. Hier schritt er die Tische mit den Gästen in ihren noblen Abendgarderoben freundlich grüßend ab. Die schweren Teppiche des Restaurants schlucken die Klänge der Begrüßungen, während Hanson seine tägliche Gastgeberrolle spielt. Das Le Mare ist ein Ort der Exklusivität, nur zugänglich für VIPs oder jene, die sich eine Suite leisten können – weit entfernt vom Allerweltstreiben der normalen Gäste. Hier herrscht ein elitärer Ton und die Suiten-Bewohner genießen Priorität. Eine eigene, ausgewählte Küchenmannschaft hegt und pflegt ausschließlich diese Gästeschar, fernab vom übrigen Küchentrubel, der den Rest der Passagiere versorgt. Boris Hanson verdreht die Augen, als er die Stimme der Frau vernimmt. Er schaut von seiner Speisekarte auf. „Ich habe schon gehört, dass Sie an Bord sind!“ Gleichzeitig erhebt sich Hanson höflich vom Stuhl, um der eleganten, schlanken Frau die Hand zu reichen. Bei der Frau handelt es sich um Lena Laurer. Sie ist das personifizierte Erfolgsbild der Mare Cruise Line. Sie ist Ende 40 und eine Frau, die sowohl Stil als auch Autorität ausstrahlt. Ihr langes, blondes Haar, das sie meist zu einem strengen Knoten hochsteckt, unterstreicht ihren formellen und geradlinigen Charakter – eine Wahl, die Zweckmäßigkeit und eine gewisse unnahbare Eleganz vermittelt. Hanson reicht der Frau mit einem aufgesetzten Lächeln die Hand. „Guten Abend, Frau Laurer!“ Lena Laurer ist die Chefin von Boris Hanson. Sie ist Mitglied des Vorstands der Reederei und verantwortlich für den operativen Betrieb der Kreuzfahrtschiffe. Sie kennt jedes ihrer Passagierschiffe aus zahlreichen Kontrollbesuchen und natürlich auch die wichtigsten Personen wie die Kapitäne persönlich. Einen so erfahrenen Kapitän wie Hanson kennt sie außerordentlich gut, schließlich hat sie ihm eines ihrer wichtigsten Schiffe anvertraut. Der Publikumsmagnet muss rund um die Uhr problemlos schnurren, damit der Umsatz und die Rendite stimmen. Da kann die Vorständin immer auf einen Mann wie Hanson zählen, auch wenn die beiden sich manchmal ganz massiv in die Haare kriegen. Lenas Affinität zu Zahlen, Bilanzen und betriebswirtschaftlichen Auswertungen hat ihr innerhalb der Firma den Ruf einer gefürchteten Zahlenkünstlerin eingebracht. Sparvorschläge, die sie regelmäßig und unnachgiebig einfordert, lassen die Mitarbeiter oft aufseufzen – bei Lena geht es stets um Effizienz und die maximale Ausschöpfung von Einsparpotenzialen. Ein Kellner in einem passgenauen dunklen Anzug und mit weißen Handschuhen an den Fingern, der zuvor Lena Laurer an den Tisch geführt hat, zieht der Reedereichefin den Stuhl passend, während sie beim Setzen Hanson anlächelt: „Danke, Hanson, es geht mir gut!“ Der Kapitän nimmt selbst wieder Platz. Er greift nach seinem Wasserglas und murmelt, bevor er es an den Mund ansetzt: „Na, das wird die gesamte Crew in außerordentliche, freudige Ekstase versetzen!“ Boris Hanson geht es wie den meisten Mitarbeitern der Reederei: Er kann diese Frau nicht ausstehen. Immer wenn sie auftaucht, gibt es Ärger. Sie ist in seinen Augen eine Erbsenzählerin und nur auf optimale Zahlen und höchstmögliche Rendite fixiert. Für ihn ist Lena Laurer eine jener Personen, die dafür verantwortlich sind, dass die gute alte Seefahrt zum Wohl der Konzerngewinne verloren gegangen ist. Die andere Seite der Karte, dass ohne diese Betriebswirtschaftler und Buchhalter die Kreuzfahrt sich nie so hätte entwickeln können, betrachtet Hanson stiefmütterlich. Er spürt nur die Kälte, wenn wieder etwas verändert werden muss, damit die Boni für die Vorstandsmitglieder am Jahresende passen. „Was machen Sie auf meinem Schiff?“ „Ihr Schiff, Kapitän? Es ist doch wohl eher mein Schiff! Ich besitze Aktien von unserer Reederei! Und Sie?“ „Ich habe den Zündschlüssel.“ Er macht eine Kunstpause, aber seine Vorgesetzte verzieht keine Miene. „Sie wissen genau, wie ich das meine!“ Die Vorständin antwortet nur mit einem müden Lächeln. „Warum weht der Wind Ihres Daseins heute an meiner Küste?“, legt Hanson nach. Sie hält die Speisekarte in beiden Händen und liest nebenher die Empfehlungen des Tages. „Ach, Sie wissen doch, Käpt’n. Dieses und jenes und so allgemein!“ „Sie wollen mir heute keine Monologe über unseren Spritverbrauch halten?“ Lena Laurer lächelt den großen Mann über ihre Speisekarte hinweg an. „Eigentlich nein. Aber gut, dass Sie es ansprechen. Haben Sie schon gehört, dass Käpt’n Husmann mit der Mare Adventure auf seiner Überfahrt in die Karibik fast 3 % weniger Treibstoff verbraucht hat als zuvor kalkuliert? Trotz Gegenwinds!“ Mit großen Augen blickt die Frau ihren Kapitän fordernd an, der innerlich am Brodeln ist. Ein feiner Stich in Hansons Ehrgefühl. Natürlich hat Hanson das schon gehört, schließlich hat Husmann, sein ehemaliger Staffkapitän, diese Nachricht längst an alle Kapitäne der Mare Cruise Line per Mail weitergetratscht. „Wahrscheinlich hat Husmann anstelle des gesparten Marinediesels verbrauchtes Frittenfett und Altöl verbrannt!“ Die Frau liest weiter in ihrer Karte. „Und wen schon. Wissen Sie, was 3 % Treibstoff in diesem Fall für einen Wert haben?“ „Nee. Unsere Tankrechnungen gehen immer direkt an die Reederei. Sie wissen aber schon, dass Frittenfett illegal wäre!“ Natürlich weiß die Reedereivorständin das. Über Altöl werden penible Aufzeichnungen geführt, die Entsorgung muss zertifiziert stattfinden und anschließend penibel dokumentiert sein. Sonst wird es bei einer Kontrolle teuer. Lena Laurer ist bewusst, dass das nur ein Scherz vom Kapitän ist, und fährt in die Kerbe. „Käpt’n. Hier draußen auf dem Meer ist doch niemand, der das merken könnte.“ „Lassen Sie das mal einen von unseren Freitagsschulschwänzern hören – die kleben sich dann rasch an unser Schiff und Ende ist mit Kreuzfahrt.“ „Käpt’n, ich glaube, Ihnen fehlt manchmal die erforderliche Kreativität!“, bleibt die Hamburgerin nordisch kühl. Hanson stützt sich auf die Tischplatte und beugt sich zu seiner Chefin. „Kreativität? Die habe ich sehr wohl. Wie wäre es, wenn wir mit unseren Schiffen nicht mehr den Hafen verlassen und stattdessen auf dem Pier nur noch große Kulissen hin und her schieben, um den Gästen jeden Tag eine schöne neue Welt vorzugaukeln. Das spart sogar 100 % Treibstoff. Täglich!“ Lena schließt ihre Speisekarte und legt sie auf die teure, weiße Tischdecke, bevor sich die Chefin ihrerseits zum Kapitän vorbeugt. „Sie erstaunen mich immer wieder aufs Neue. Ich wusste immer, dass Sie Hilfe benötigen, aber jetzt… das ist ein interessanter Ansatz. Ich werde den Vorschlag mit unserem Vertrauensarzt auf geistige Tiefe prüfen!“ Es ist aufs Neue einer jener Momente, die sie schwanken lassen, ob der Kapitän wirklich den notwendigen Gemütszustand besitzt, um ein Schiff wie die Mare Fantasy zuverlässig zu befehligen. Darüber weiter nachzudenken, bleibt keine Zeit. Ein weiterer Kellner führt eine Reihe von sieben Personen in schicker Galagarderobe an den Tisch. Voran gehen ein älterer Herr mit seiner etwas jüngeren Frau – der Patriarch der Familie. Gefolgt von zwei jüngeren Paaren. Es sind seine Töchter mit ihren Männern. Schließlich ein einzelner Mann, im Alter des Patriarchen. Sein Schwager. Lena Laurer und Boris Hanson erheben sich. Sie lächelt der Gruppe entgegen. „Kapitän Hanson, darf ich Ihnen vorstellen: Das ist mein Nachbar Henri Christiansen und seine Ehefrau Conny. Henri war kurzzeitig Aktionär unserer Firma und hat damit sein Vermögen beachtlich vermehrt. Nun hat er seine Familie auf diese Kreuzfahrt nach Schweden und Finnland eingeladen, um sich mal eines jener Schiffe anzusehen, die ihm so unermesslich viel Geld eingebracht haben.“ Kapitän Hanson beobachtet seine Chefin ohne Unterlass, und so bemerkt er sehr wohl den scharfen Unterton in ihren Worten. So ganz glücklich scheint sie nicht über den Erfolg des Nachbarn zu sein. Hanson setzt dennoch seine professionell gespielte Höflichkeit auf, ähnlich, wie es seine Chefin übertrieben laut macht. Mit sorgfältig dosierter Herzlichkeit spielt Hanson seinen Part des gastfreundlichen Kapitäns, während er in Gedanken das Repräsentieren vor der Upperclass verflucht. Er ist schließlich ein Mann der Arbeiterklasse und kommt aus bescheidenen Verhältnissen. Der Senior herzt zunächst Lena Laurer links und rechts. „Lena, vielen Dank für Deine Gastfreundschaft. Ich hoffe, dass Du Dich langsam auch über mein dickes Geschäft freust!“  Henri Christiansen ist ein Hanseat im feinsten Sinne. Als Selfmademan hat er sich mit eisernem Willen und einem untrüglichen Geschäftssinn seinen Hotelkonzern in Hamburg aufgebaut. Mit knapp über 70, grauhaarig und stets in einen eleganten Anzug gehüllt, verkörpert Henri die Macht und Disziplin, die er sein ganzes Leben lang großgeschrieben hat. Seine Präsenz in einem Raum ist unübersehbar und seine Haltung ist stets aufrecht – ein Fels in der Brandung, unbeugsam und unerschütterlich. Neben ihm ist seine Ehefrau, die mindestens 10 bis 15 Jahre jünger ist als Henri. Conny Christiansen ist die schillerndste Figur innerhalb der Christiansen-Dynastie. Mit knapp unter 60 Jahren strahlt sie eine Eleganz aus, die zeitlos anmutet und von ihrer attraktiven Figur unterstrichen wird. Ihre Haltung ist stets aufrecht, jede Bewegung wirkt durchdacht und ihre Garderobe ist eine Mischung aus Klassik und modernem Chic, geprägt von erlesenen Designerstücken, die ihren ausgezeichneten Geschmack widerspiegeln. Wenn es um ihr Äußeres geht, macht Conny keine halben Sachen. Ihr Gesicht zeigt zwar leichte Spuren eines bewegten Lebens, doch diese werden kunstvoll verborgen durch ein perfektes Make-up, das ihrer Haut einen jugendlich-frischen Teint verleiht. Die beiden Gäste begrüßen höflich, aber knapp, den Kapitän. Hanson werden die anderen der Reihe nach vorgestellt. Zuvor begrüßt sie Lena freundlich, als würden sie sich alle schon jahrelang kennen. „Das ist Yvonne Christiansen und Ihr Mann Erik. Yvonne kennen Sie vielleicht, Käpt‘n. Sie war lange Zeit meine Assistentin!“ Boris Hanson erinnert sich natürlich an die junge Frau. Jedes Mal, wenn er mal wieder in Hamburg zur Chefin ins Büro zitiert wurde, gab es nur einen Lichtblick in der Zentrale der Mare Cruise Line. Das war diese immer hilfsbereite und freundliche junge Frau. Es ist ihm allerdings bei den letzten Besuchen bei Lena Laurer aufgefallen, dass jetzt in deren Vorzimmer eine andere Mitarbeiterin sitzt. Hanson grinst die junge Frau beim Händeschütteln an: „Natürlich kann ich mich an Sie erinnern.“ Die junge Frau mit ihren schulterlangen, dunklen Haaren lächelt. Sie kann sich noch hervorragend an die Besuche von Hanson erinnern, der trotz der ewigen Ermahnungen und Befehle von Lena immer frohen Mutes dem Schafott entgegentrat. „Kapitän Hanson. Schön, dass ich endlich mit Ihnen fahren darf. Das habe ich mir schon immer gewünscht!“ „Schade, dass Sie mich nicht mehr im Vorraum zur Hölle empfangen. Haben Sie die Reederei verlassen?“, stichelt Hanson weiter. Sie nickt ein wenig vielsagend: „Ja, leider. Es ist eine lange Geschichte.“ „Die wir lieber nicht vertiefen möchten“, grätscht Lena Laurer übel dazwischen. Yvonne wirft Lena einen kurzen Blick zu und wechselt dann schnell das Thema: „Das ist mein Mann, Erik.“ „Dann haben wir Nele Christiansen mit ihrem Mann Frank. Und zu guter Letzt Onkel Julius, den zweiten guten Geist der Familie“, stellt Lena die übrigen mit Grollen im Magen vor. Hanson hat für den Ehemann und die anderen ein paar nette Worte zur Begrüßung, bevor sich alle der Reihe nach an die große, festlich gedeckte Tafel begeben. Boris Hanson muss noch mal alle Mustern. Die beiden Mädels sind zwischen 30 und 40 Jahre jung. Ihre Begleiter sind ähnlich alt. Alle haben sich ordentlich herausgeputzt und dürften aus gutem Haus stammen. Hanson fühlt sich in dieser Upper-Class-Gesellschaft ein wenig fehl am Platze, aber er muss nun mal Repräsentieren. An mehreren Stellen hat er inzwischen deutlich gespürt, dass ein paar Spannungen in der Luft liegen. „Käpt’n. Sie müssen wissen. Henri und seine Familie sind meine Nachbarn in Blankenese. Henri hat in den vergangenen 40 Jahren seine erfolgreiche Hotelgruppe aufgebaut und ist in vielen Städten das beste Haus am Platze!“, erklärt die Reedereivorständin unaufgefordert, während sie zur Rechten fest die Hand des Seniors drückt, der neben Lena Platz genommen hat. Hanson beobachtet, wie Lena vor den Augen aller die Hand zwischen den Tellergedecken hält. „Leider hat er sich darauf nicht beschränkt“, setzt sie dann bissig hinzu ,und der Senior zieht seine Hand ablehnend zurück. Der Kapitän beobachtet das sehr genau und antwortet gedehnt. „Ja, ich verstehe. So in Hamburg, Köln, München, Bremen!“ Ein lautes Lachen der Tischrunde unterbricht ihn. Hanson ist verwundert und versteht nicht, worüber die anderen sich an seiner Aufzählung amüsieren. Dann erklärt ihm die Tochter Yvonne, die zu seiner Linken sitzt. „Bremen? Welcher Hamburger Hanseat geht schon in die Provinz nach Bremen?“ Wieder lachen am Tisch wie auf Befehl. Boris Hanson hat verstanden. Die uralte Fehde zwischen Hamburg und Bremen. Er hat schon mehrfach gehört, dass alteingesessene Hamburger keine Geschäfte in Bremen machen oder umgekehrt. In seiner Aufzählung der Städte hat er das nicht beachtet. Aus Höflichkeit lacht Boris Hanson über seinen kleinen Patzer mit. „Ja, ja, die lieben Vororte von Hamburg. Unsere Reederei hat auch so diverse Probleme mit Bremen. Ich glaube, Frau Laurer hat Bremerhaven persönlich aus all unseren Seekarten herausradiert.“ Selbstverständlich bringt das Hanson einen bösen Seitenblick von Lena ein, während die anderen über diese Vorstellung lachen und die Kellner Wasser und Wein in die Gläser einschenken. „Käpt’n, was soll eine weltgewandte, zukunftsorientierte und auf dem Weltmarkt erfolgreiche Hamburger Reederei in einem Nest wie Bremen, wo wahrscheinlich noch mit trockener Kuhkacke von der Straße in der Küche geheizt wird? Wir haben doch unser Hamburg! Und wenn unsere Schiffe nicht in Hamburg anlegen, dann haben wir immer noch Warnemünde und Kiel. Aber Bremen?“ Wieder lachen die Mitglieder der Runde herzlich und heben die Weingläser, um sich zuzuprosten. Ausnahmsweise trinkt Hanson ein Glas Wein mit, was er sonst in der Öffentlichkeit nicht machen würde. Wer weiß, was sonst die Passagiere von ihrem Kapitän denken? Schließlich muss der noch fahren, werden einige Gäste befürchten. Hanson bemerkt, dass die Stimmung ein wenig lockerer wird, als zunächst erwartet. Wahrscheinlich spielen da aber auch eine Menge gespielte Höflichkeit und Hamburger Stolz eine Rolle. Dennoch entgeht Hanson nicht, dass der Schwager von Christiansen, dieser Onkel Julius, weniger ausgelassen wirkt. Der Mann sitzt Hanson gegenüber, nippt an seinem harten Alkohol, wahrscheinlich Whisky, und schaut immer wieder verdächtig auf einzelne Mitglieder der Familie. Hierbei besonders auf die Tochter Yvonne zur Linken von Hanson. Der starre, leere Blick des Onkels passt in keinerlei Hinsicht zur gut gespielten Laune der Tischgesellschaft. „Wo würden Sie gerne mal mit Ihrem Schiff anlegen, Kapitän?“, fragt die andere Tochter, Nele Christiansen. „Nach Duisburg würde ich gerne mal mit der Mare Fantasy fahren!“ Wieder folgt lautes Lachen, wobei Tochter Nele nicht mitlacht und einen Moment abwartet, bevor sie fragt. „Was ist an Duisburg so lustig?“ Ihr Mann Frank beugt sich zu ihr und erklärt: „Nele, Duisburg ist ein Binnenhafen. Wie soll dieses große Schiff dort hinkommen?“ Während die junge Frau versteht, ergänzt der Kapitän: „Notfalls könnten wir auf einem Tieflader über die Autobahn dorthin fahren!“ Hansons Augen blitzen schelmisch auf und ein breites Grinsen kann er sich nun nicht verkneifen. Auch Nele Christiansen muss schließlich darüber lachen und schüttelt den Kopf. „Ich glaube, Herr Kapitän, Sie haben ein Talent dafür, die Dinge ein wenig anders zu sehen. Auf eine erfrischende Art und Weise.“ Henri Christiansen erhebt sein Weinglas. „Und jetzt möchte ich mich für die Einladung zu diesem Essen von Lena bedanken und hebe mein Glas auf meinen zweiten und hoffentlich endgültigen Ausstieg aus unserer Firma sowie auf mein Ruhegeld aus unserem Aktiengeschäft.“ Die anderen Personen am Tisch erheben ebenfalls die Gläser, viele in Unwissenheit. Lediglich Lena und jetzt auch Schwiegersohn Erik bleiben versteinert sitzen und prosten nicht mit. Der Senior bemerkt das, grinst aber dennoch frech und arglistig die beiden der Reihe nach an. Offenbar gibt es wohl mehrere heiße Eisen, die die Stimmung hier am Tisch nachhaltig trüben, denkt sich Hanson. Der Abend nimmt seinen Lauf und während Hansen seine Rolle als charmanter Gastgeber spielt, lässt er seinen Blick immer wieder durch den Raum schweifen. Ihn umgeben die netten Menschen, das Klirren feinster Gläser und das gedämpfte Murmeln der Unterhaltungen. Alles wird untermalt von einem Klavierspieler, der leise Töne zur Dinnerbegleitung spielt, sowie von kaum spürbaren Bewegungen des Schiffs auf der offenen Ostsee. Trotz seiner gelegentlichen Seitenhiebe gegen manche Bräuche und Ansichten sowie gegen Aktiengeschäfte, von denen er keine Ahnung hat, schafft es Hanson, eine angenehme Dinner-Atmosphäre aufzubauen. Die Unterhaltung landet schließlich bei Reiseanekdoten der Gäste, aber auch bei Träumen und Wünschen für zukünftige Unternehmungen. Hanson nimmt interessiert teil, erzählt von stürmischen Seefahrten und exotischen Zielen seiner Reisen. Er spürt, wie viel reicher seine Erlebnisse im Vergleich zu den Zahlen und betrieblichen Optimierungen der anderen sind. Hier, in Hansons Geschichten, atmet die Seefahrt die Luft, die sie lebendig hält – Abenteuer, die man sich mit keinem Geld der Welt erkaufen kann. „Und was machen Sie auf der Kommandobrücke, wenn mal eine 35 Meter hohe Monsterwelle mitten auf dem Meer auf Sie zukommt?“, möchte Nele wissen, die den Seefahrergeschichten von Hanson aufmerksam lauscht. Hanson lacht: „Ganz einfach. Dann gehe ich in Deckung!“ Die Stimmung bleibt heiter bis fröhlich, trotz der einzelnen Ausnahmen am Tisch. „Sie sind ein guter Mann, Kapitän Hanson und ein außerordentliches Aushängeschild für Ihre Firma!“, lobt der Senior an Lena vorbei den großen Seebären. „Kapitän Hanson ist mein bester Mann“, schiebt die Vorständin direkt hinterher und bemerkt das schräge Lächeln unter Hansons schwarzem Vollbart. „Das sagen Sie leider nicht allzu oft“, murmelt Hanson zurück. „Sie liefern zu selten dafür einen Anlass“, stichelt Lena zurück. Mit spitzen Fingern reicht Senior Henri eine Visitenkarte aus feinstem Papier an Lena vorbei zum Kapitän. „Wenn Sie mal einen neuen Job benötigen, rufen Sie mich an!“ „Wer gibt schon sein bestes Pferd im Stall ab, wenn die anderen nur lahme Krücken sind?“, antwortet Lena Laurer. Auf das Lachen setzt Hanson frech hinzu: „Danke, Herrin, dass Sie mich nicht verkaufen!“ Von den anderen am Tisch unbemerkt, tritt die Vorständin den Kapitän spürbar gegen sein Bein und faucht kaum hörbar in seine Richtung: „Übertreiben Sie es nicht!“ „Solche Leute wie Sie benötigt eine Firma“, raunt der Alte weiter und macht eine Kopfbewegung in Richtung Erik Christiansen, der zur Linken von Hanson zwei Stühle weiter sitzt. „Sehen Sie sich meinen Schwiegersohn an. Ihn habe ich meiner Firma anvertraut und er hat sie fast vor die Wand gefahren. Ich war längst im Ruhestand und musste ins Büro zurückkommen, um mein Lebenswerk zu retten. Er ist eine absolute Niete.“

---ENDE DER LESEPROBE---