2,99 €
0,99 €
Niedrigster Preis in 30 Tagen: 2,99 €
Die Millionärin Sigrid von Schnitzer, regelmäßiger VIP-Gast auf der Mare Fantasy, ist entsetzt: Sie hat Maler im Haus und möchte den Handwerkern spontan mit einer Kreuzfahrt entgehen. Doch das komplette Schiff ist ausgebucht! Natürlich auch ihre angestammte Suite 18001. Ausgerechnet durch einen Belgier! Die Rentnerin bleibt stur und so wird sie als Gast in der einzigen Suite einquartiert, die annähernd gleichwertig ist: beim Kapitän. Kurz darauf wird der Belgier, der diskret Diamanten im Wert von 5 Millionen Euro nach Antwerpen transportieren wollte, in der Suite ermordet. Die Diamanten sind verschwunden. Leonie „Leo“ Winter und Benedikt „Benne“ Cordes nehmen direkt die Ermittlungen auf. In den Fokus rücken ein polizeibekannter Betrüger, die Ehefrau des Toten, ein gescheiterter Schmuckdesigner sowie die Geliebte des Toten. Diese war gleichzeitig seine Mitarbeiterin und hatte ihm geholfen, die Diamanten zu unterschlagen. Doch schnell wurde der Geliebten an Bord der Mare Fantasy klar, dass sie nur als Mittel zum Zweck diente. Die Geliebte freundet sich mit der Millionärin Sigrid von Schnitzer an und zieht zum Verdruss von Kapitän Hanson ebenfalls in die Kapitänssuite ein. Die Eigenwillige von Schnitzer, die das ganze Schiff auf Trab hält, möchte der neuen Freundin helfen und nimmt, zum Verdrust von Leo und Benne, eigene Ermittlungen auf. Die Kreuzfahrtploizisten 5.000 Passagiere freuen sich auf einen erholsamen Urlaub an Bord der Mare Fantasy - 1.500 Besatzungsmitglieder arbeiten Tag und Nacht, damit es den Gästen am kulinarischen Wohl, an der Unterhaltung oder an der Sicherheit für Leib und Leben nicht fehlt. 6.500 Menschen mit ihren individuellen Aufgaben, Zielen, Besonderheiten und Wünschen auf engsten Raum in einer abgeschlossenen Welt auf dem Meer … da geht immer etwas schief! Dann kommen Leonie „Leo“ Winter und Benedikt „Benne“ Cordes. Sie sind Security-Mitarbeiter auf diesem Kreuzfahrtschiff der Superlative. Ihre Aufgabe ist es, für Sicherheit und Ordnung zu sorgen und die Gelddruckmaschine ohne Unterbrechung im Takt zu halten! Diese Aufgabe ist gar nicht so einfach!
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2025
Inhaltsverzeichnis
1 - Hamburg, Cruise Center Steinwerder
2 - Hamburg, Cruise Center Steinwerder
3 - Hamburg, Cruise Center Steinwerder
4 - Hamburg, Cruise Center Steinwerder
5 - Unterwegs, auf der Elbe
6 - Unterwegs, auf der Elbe
7 - Unterwegs, auf der Nordsee
8 - Unterwegs, auf der Nordsee
9 - Unterwegs, auf der Nordsee
10 - Tag 2: Unterwegs, auf der Nordsee
11 - Tag 2: Unterwegs, auf der Nordsee
12 - Tag 2: Unterwegs, auf der Nordsee
13 - Tag 2: Unterwegs, auf der Nordsee
14 - Tag 2: Unterwegs, auf der Nordsee
15 - Tag 2: Unterwegs, auf der Nordsee
16 - Tag 2: Unterwegs, auf der Nordsee
17 - Tag 2: Unterwegs, auf der Nordsee
18 - Tag 2: Unterwegs, auf der Nordsee
19 - Tag 2: Unterwegs, auf der Nordsee
20 - Tag 2: Unterwegs, auf der Nordsee
21 - Tag 2: Unterwegs, auf der Nordsee
22 - Tag 2: Unterwegs, auf der Nordsee
23 - Tag 2: Unterwegs, auf der Nordsee
24 - Tag 3: Rotterdam
25 - Tag 3: Rotterdam
26 - Tag 3: Rotterdam
27 - Tag 3: Rotterdam
28 - Tag 3: Rotterdam
29 - Tag 3: Rotterdam
30 - Tag 3: Rotterdam
31 - Tag 3: Rotterdam
32 - Tag 3: Rotterdam
33 - Rückkehr nach Hamburg
Impressum
Die Kreuzfahrtpolizisten - Band 3
Diamanten-Roulette
Andreas Schöwe
Die Kreuzfahrtpolizisten - Band 3
Diamanten-Roulette
IMPRESSUM
Idee & Konzept: Andreas SchöweTitelbild: enthält Fotos von Adobe/Fotolia
Verlag: Medienservice RiesenbeckHeike SchubertErich-Kästner-Straße 2948485 Neuenkirchen
Alle Rechte der Vervielfältigung, Bearbeitung und Übersetzung, ganz oder teilweise, sind für alle Länder vorbehalten. Die Autorin oder der Autor oder Herausgeber ist alleinige*r Inhaber*in der Rechte und verantwortlich für den Inhalt dieses Buches. Das Gesetz über geistiges Eigentum verbietet Kopien oder Vervielfältigungen, die für eine kollektive Nutzung bestimmt sind. Jede vollständige oder teilweise Darstellung oder Vervielfältigung, die durch ein beliebiges Verfahren ohne die Zustimmung der Autorin oder des Autors oder seinen Berechtigten oder Rechtsnachfolger*innen erfolgt, ist rechtswidrig und stellt eine Fälschung im Sinne der Artikel L.335-2 ff. des Gesetzes über das geistige Eigentum dar.
Andreas Schöwe
Über den Autor: 56 Jahre, aus dem Münsterland. Seit vielen Jahren liebt er Krimis und die Kreuzfahrt. Was liegt da näher, als beides miteinander zu verbinden? Im Hauptberuf hat er mehrere Stationen in der Druck- und Verlagsbranche hinter sich gebracht. Zudem hat der Autor diverse Veröffentlichungen im Sachbuchbereich Raumfahrt. Heute arbeitet er für ein weltweit tätiges Unternehmen aus der Landwirtschaftsbranche. Der Autor hat schon einige Kreuzfahrten mit verschiedenen Reedereien weltweit genossen und sucht auf weiteren Reisen die Inspiration für seine Kriminalgeschichten.
Vorwort
Ein Wort zur Einleitung:
Ein Mord gehört nicht zum Alltag auf einem Kreuzfahrtschiff – würde aber auch aus Sicherheitsgründen nur in wenigen Ausnahmefällen publik werden. Das ist ein wichtiger Ansatz und die tragende Stütze bei den Kreuzfahrtpolizisten: Viele in diesem Buch dargestellte Abläufe und Sicherheitseinrichtungen (Bordkarten als Schlüssel- und Zahlkarte, Überwachungssysteme, Crew-Unterkünfte oder die Darstellung von Sicherheitsübungen) existieren so tatsächlich auf praktisch jedem Kreuzfahrtschiff der Welt. Diese Buchreihe nutzt das Thema Kreuzfahrt als Kulisse für unterhaltsame Kriminalromane. Der Mix aus Realität und Fiktion ist die wichtigste Zutat für spannende Geschichten und tolle Abenteuer!
Wenn Sie für Ihren nächsten Urlaub eine Kreuzfahrt planen, lassen Sie sich nicht davon abhalten, weil Sie glauben, es könnte gefährlich werden …Bitte denken Sie beim Lesen der Kreuzfahrtpolizisten immer an Folgendes: Eine Kreuzfahrt ist eine Seefahrt und eine Seefahrt hat immer etwas mit dem berühmten Seemannsgarn zu tun …Gute Unterhaltung!
Einleitung
Willkommen an Bord!Willkommen bei den Kreuzfahrtpolizisten! Die Kreuzfahrtpolizisten sind im Romanleben Security-Mitarbeiter auf einem Kreuzfahrtschiff. Ihre Aufgabe ist es, die Sicherheit aller Menschen an Bord zu gewährleisten! ... diese Aufgabe ist nicht einfach! Im Mittelpunkt steht die Ex-Polizistin Leonie „Leo“ Winter, die den Dienst bei der Polizei quittiert und auf dem Megaliner Mare Fantasy angeheuert hat. Dort arbeitet sie an der Seite von Benedikt „Benne“ Cordes, der als 1. Security Officer, der oberste Sicherheitsmann an Bord ist. Freundschaft, Kameradschaft, aber auch der professionelle Umgang mit Aufgaben und Herausforderungen sind wichtige Figureneigenschaften. Wenn es darauf ankommt, ist die Crew uneingeschränkt konzentriert bei der Arbeit, um so die Sicherheit für die Passagiere und das gesamte Kreuzfahrtschiff zu gewährleisten. Das ist eine Hauptzutat, mit der diese spannenden Good-Feeling-Krimis geschrieben sind. Die beiden Hauptdarsteller finden bei der Arbeit Unterstützung in den Reihen der Crew: Boris Hanson (Kapitän, Seebär mit Leib und Seele), Sofia Jansen (Arzthelferin, die inoffiziell gerne mal bei der Spurenermittlung aushilft), Hotel-Manager Tarek Yizmir (der seine Gäste notfalls auch persönlich bis zur Kabinentür begleitet), Luis Schönmann (Barkeeper. Das Ohr auf dem Schiff), Sicherheits-Mitarbeiter Zach (Computer Nerd der Extraklasse) und Marie Schneider (als Staffkapitän die rechte Hand vom Kapitän).
Diese Krimiserie möchte unterhalten Viele Millionen Menschen fahren jährlich mit Kreuzfahrtschiffen in den Urlaub. Genau, wie hier dargestellt wird. Alle Namen, Personen, die Reederei, das Schiff und die Geschichten in dieser Reihe sind fiktiv, orientieren sich aber detailgetreu an der Kreuzfahrt-Urlaubsindustrie. Der erfahrene Leser, der eine Seereise bereits unternommen hat, findet auf vielen Seiten Ansatzpunkte, bei denen er denkt, dass er das so kennt oder selbst erlebt hat. Jemand, der hingegen noch nie ein Kreuzfahrtschiff betreten hat, findet sich durch die lockeren Szenendarstellungen schnell zurecht. Der Leser, egal ob Kreuzfahrtfahrer oder nicht, lernt das Schiff und seine Abläufe kennen. Vermengt wird das Ganze mit erfundenen Orten. So wird es den in diesem Buch dargestellten „Kulturpalast“ im Crew-Bereich mit Alkohol, Rauchen und Glücksspiel garantiert auf keinem Schiff der Welt geben. Gleichzeitig machen genau diese Orte die Geschichten unterhaltsamer.
Im Cruise Center Steinwerder, mitten im Hamburger Hafen, ist am Samstagnachmittag die Hölle los. Fast 5.000 Menschen drängen über Stunden, um Einlass auf das Kreuzfahrtschiff Mare Fantasy zu finden. Das Schiff ist heute in aller Frühe in den wichtigsten Seehafen Deutschlands eingelaufen, um eine Reise zu beenden und gleichzeitig heute Abend eine neue zu beginnen. Es ist Passagierwechsel, wie alle sieben bis zehn Tage. Neue Passagiere freuen sich auf einen erholsamen Kreuzfahrturlaub. Die Gäste der vergangenen Fahrt mussten das Schiff bis zum späten Vormittag verlassen, und die gebuchten Gäste der bevorstehenden Rundreise dürfen seit dem frühen Nachmittag ihre Kabinen an Bord beziehen. Für das weiße Kreuzfahrtschiff der Superklasse ist Hamburg so etwas wie der zweite Heimathafen. Der offizielle Heimathafen ist Valletta auf Malta. Dort ist das Schiff steuerrechtlich registriert. Nicht weil es auf Malta, mitten im Mittelmeer, fast ausschließlich schönes Wetter gibt, sondern rein aus finanziellen Gründen. Malta ist bei der Schiffsregistrierung außerordentlich preisgünstig. Der Besitzer der Mare Fantasy, die Reederei Mare Cruise Line, spart eine ganze Menge Geld für Steuern auf die Gewinne, die mit dem Kreuzfahrtschiff erzielt werden. Und diese Gewinne sind hoch. Dieser Tourismuszweig hat in den vergangenen Jahren außerordentlich an Aufschwung gewonnen. Schon vor Corona waren die Ticketverkäufe hoch, die Umsätze gewaltig und die Renditen astronomisch. In der Corona-Pandemie kämpfte manche Kreuzfahrtreederei um das blanke Überleben. Doch nach der Pandemie kamen die Gäste zahlreicher zurück als jemals zuvor. Die Zahlen kletterten bei fast jeder Reederei in das Gewinn-Eldorado, und Schiffe, wie die Mare Fantasy, mutierten zu wahren Gelddruckmaschinen, die Tag und Nacht ihren Aktionären traumhafte Renditen verschaffen. Die Besatzung der Mare Fantasy fühlt sich dennoch mit Hamburg verbunden, hier liegt der eigentliche Herzschlag der Mare Cruise Line. Nach Valletta kommt das Schiff nur höchstens ein paar Mal im Jahr, während Hamburg deutlich öfter auf dem Routenplan steht. Zudem hat die Reederei in der Hamburger Speicherstadt ihren Geschäftssitz. In der Abfertigungshalle wimmelt es vor Gästen. Jetzt, 15:00 Uhr, ist die Hauptstoßzeit beim Check-in. Eine riesige Menschenschlange windet sich entlang eines Absperrpacours durch die Halle, die eher von den Außenmaßen und vom Schick an eine Messehalle erinnert – moderner Stahlbau, keine unnötige Deko. Innerhalb der Abfertigungshalle scheint der gesamte Raum von Stimmen widerzuhallen. Die Menschen haben ihre Koffer bereits in der Nebenhalle abgegeben. Das Gepäck wird geröntgt und schließlich auf Rollwagen bugsiert, um es auf das Schiff zu verfrachten. Viele helfende Hände der Crew schaffen dort die Koffer zu den Kabinen ihrer Besitzer. Die Menschenmasse wartet darauf, an einem der rund zwanzig Schalter der Reihe nach heran gewinkt zu werden. Dort steht dann ein Mitarbeiter vom Schiff, der den Check-in vornimmt und die Bordkarten aushändigt. Diese Karten sind der Schlüssel zu einer Woche auf dem schwimmenden Luxusschiff. Während die Mehrzahl der Gäste nur zögerlich und in kleinen Schritten vorankommt, geht es am separaten Check-in für die VIP-Gäste entspannter zur Sache. Hier sind jene Gäste anzutreffen, die bereit waren, ein deutlich höheres Sümmchen für eine opulente Suite auszugeben. Wer hier einchecken darf, muss keinen 500 m langen Wartekorso in Schlangenwindungen durch die Halle durchleiden. Hier kann man direkt an eine bereitstehende Mitarbeiterin herantreten und die Bordkarte in Empfang nehmen. Diese Bordkarte ist Bordpass, Schlüsselkarte und das einzig akzeptierte Zahlungsmittel auf dem Schiff. Nur wer sein bunt bedrucktes, Bankkarten großes Plastikstück mit Strichcode erhalten hat, kann ungehindert durch die letzte Sicherheitskontrolle auf dem Kreuzfahrtliner entschwinden. An der letzten Sicherheitsinstanz für VIP-Gäste steht Leonie Winter, 34-jährige Security-Mitarbeiterin an Bord der Mare Fantasy. Die langhaarige Leonie, von allen nur Leo genannt, ist erst seit wenigen Monaten in diesem Job. Zuvor hat Leo den Dienst bei der Polizei in Hannover nach zehn Jahren aus persönlichen Gründen an den Nagel gehängt. Anschließend half sie ein paar Wochen im Reisebüro ihrer Eltern aus. Dort tauchte eines schönen Tages ein Außendienstmitarbeiter der Mare Cruise Line auf, der ihr die neuesten Angebote präsentieren wollte. Schnell ging es in seinen blumigen Erzählungen aber nicht mehr um die neuen Reisen und Ausflugsziele im Programm, sondern um das scheinbar entspannte Leben und Arbeiten auf einem Kreuzfahrtschiff. Jeden Tag ein anderer Hafen, ständig neue Länder, andere Kulturen oder gar komplett wechselnde Klimazonen. Die endlosen Erzählungen gefielen Leo, und sie träumte fortan von tollen Seereisen in exotische Länder. Ein Jobscout informierte sie anschließend am Telefon über die verschiedenen Berufe an Bord. Als erfahrene Ex-Streifenpolizistin wurde Mitarbeiter bei der Security schnell zum Zauberwort. Gesagt, getan. Die Bewerbung bei der Mare Cruise Line wurde innerhalb von zwei Tagen mit einer positiven Einladung zum Vorstellungsgespräch beantwortet, und nach einem mehrwöchigen Lehrgang für angehende Seefahrer ist Leo als neues Crew-Mitglied auf der Mare Fantasy gelandet. Jetzt steht Leo neben einem Röntgengerät für das Handgepäck der VIP-Gäste und leistet Routinearbeit. An den Tagen mit Passagierwechsel ist jedes Crew-Mitglied doppelt gefordert. Jede Hand wird benötigt. Der Sicherheitscheck beim Zustieg von Gästen und Besatzungsmitgliedern ist die wichtigste Tagesaufgabe der Security. Je besser hier gearbeitet wird, umso weniger Schwierigkeiten gibt es anschließend auf der Reise. Alles und jeder muss kontrolliert werden. Sonst geht es nicht weiter Richtung Stahlkoloss und die ersehnte Urlaubsreise bleibt unerreichbar. Den Gepäckscanner kontrolliert ein Kollege in weißer Dienstuniform – ein Offizier. Leo ist nur Quereinsteiger. Sie ist kein Offizier und hat nur dunkle Alltagsdienstkleidung an, ähnlich wie Polizisten, aber mit deutlich weniger Ausrüstung. Auch die schwerfällige Schussweste muss sie jetzt nicht mehr anlegen. Schusswesten gibt es zwar für den Fall der Fälle als Notreserve auf der Mare Fantasy, genauso wie Schusswaffen und Handschellen. Jedoch sind solche Dinge im Normalfall sicher vor dem Zugriff Unbefugter weggeschlossen. Bei der Zugangskontrolle brauchen solche Schutzmaßnahmen nicht zugegen zu sein. Auf einem Kreuzfahrtschiff gibt es üblicherweise keine Mörder oder Verbrecher. So die allgemeine Theorie. Leo hat Dienst an der Zugangskontrolle. Die VIP-Gäste müssen bei Leo die gerade erst erhaltene Bordkarte vorzeigen und erstmals scannen lassen. Anschließend erscheint auf dem Laptop vor Leo ein Foto vom Inhaber dieser Bordkarte. Passen Foto und die reale Person vor Leo überein, gibt sie den Zugang zum Schiff frei. Anschließend werden das Handgepäck und die Jacken geröntgt und auf verbotene Gegenstände untersucht, ähnlich wie am Flughafen. Erst dann dürfen die Gäste endgültig weiter über die Gangway aufs Schiff. Die verkürzte Boardingzeit lassen sich VIP-Gäste eine ganze Menge Geld kosten. Man darf diesen verkürzten Zugang nur nutzen, wenn man eine der teuren Suiten auf dem Schiff geordert hat. Entsprechend der Größe und Ausstattung sind Suiten mehrfach teurer als die Balkonkabinen oder gar die fensterlosen Innenkabinen der überwiegenden Passagiermeute. Daher darf es diesen VIP-Gästen an nichts fehlen und es darf keinen Grund zum Nörgeln geben. Die Reederei gibt die Vorgabe, dass VIP-Gäste niemals unnötig auf die Bedienung warten dürfen. Das fängt beim Check-in an. Leo hat gerade ein wenig Leerlauf. Ihr Blick gleitet durch die lautstarke Halle und Leo bemerkt sehr wohl die vielen Blicke aus der Warteschlange. Die Gäste werfen ihr teilweise spürbar wütende Blicke zu und verfluchen Gott und die Welt, weil sie nicht bei der offensichtlich arbeitsunterforderten Securityfrau einchecken dürfen. Leo hat Verständnis für die Verärgerung einiger Passagiere, aber weder Leo noch ihre Reederei können die Probleme bei der Abfertigung ändern. Dafür zeichnen eher der Terminalbetreiber, seine Subunternehmer oder der Bundesgrenzschutz verantwortlich. An Tagen wie heute herrscht einfach Ausnahmezustand. Auf dem Schiff mit seinen 20 Decks und 340 Meter Länge haben 5.000 Gäste sehr viel Platz, aber beim Check-in in einer Halle ist das eine gewaltige Menschenmasse. Vergleichbar der Einwohnerzahl einer kompletten Kleinstadt. Neue VIP-Gäste kommen auf Leo zu. Leo beachtet die beiden genau. Er ist deutlich älter als seine Begleiterin, trägt einen langen sandfarbenen Designermantel mit Indiana Jones-Hut sowie eine Reisetasche, die so abgenutzt ist, als hätte sie schon viele Länder gesehen. Die Frau ist hübsch zu Recht gemacht, aber nicht übertrieben. Sie hat ebenfalls ein Designerstück an und stöckelt hastig an seiner Seite über die Bodenfliesen. Der Mann lächelt Leo auf den letzten Metern entgegen. „Guten Tag, junge Frau“, kommt es freundlich zu Leo. Da hat jemand beste Laune, schließlich benötigen er und seine Begleiterin keine gefühlte Ewigkeit in der Warteschlange, denkt sich Leo „Willkommen. Bitte Ihre Bordkarten!“ Der Mann hält ihr zwei Bordkarten entgegen. „Bitte schön.“ Am Akzent hört Leo heraus, dass der Mann wohl ausländische Wurzeln hat. Sie vermutet Niederländische. Leo scannt die Bordkarten, indem sie den kleinen Handscanner an die Karten hält und anschließend das angezeigte Foto jeweils routinemäßig abgleicht. „Danke schön. Alles in Ordnung. Bitte gehen Sie zu unserem Scanner“, antwortet Leo nach getaner Arbeit. Die Frau ist schon ohne Stopp vorgestöckelt und wartet am Gepäckscanner ein wenig unbehaglich auf den Begleiter. Der Offizier zeigt auf die graue Kunststoffschale, die er vor ihr auf das Rollenband gestellt hat. „Bitte legen Sie Ihre Handtasche, Jacke und Handy in die Kiste“, fordert der weis gekleidete Mann. Die Frau sagt nichts, bleibt unbeweglich stehen und wartet auf den Begleiter. Der Offizier ist Benedikt Cordes, 1. Security-Offizier an Bord der Mare Fantasy. Er ist somit der Vorgesetzte von Leo, gleichzeitig auch bester Freund an Bord. Die beiden arbeiten gerne zusammen und haben sich in den vergangenen Monaten zu einem guten Team entwickelt. Der schlanke Benedikt, von Kollegen und Freunden Benne genannt, ist sechs Jahre älter als Leo. Er ist seit zehn Jahren mit Leib und Seele Seefahrer und möchte in diesem Leben keinen anderen Job mehr antreten. Der Begleiter der Frau kommt zügig zum Röntgenscanner, zieht bereits unterwegs seinen Mantel aus, drängelt sich vorbei und legt sein Kleidungsstück und den Hut in die Wanne. Obendrauf folgt sein teures Smartphone. Benne schaut nur, sagt aber nichts. Er schiebt die Kunststoffschale in das Röntgengerät, stellt mit routiniertem Griff die nächste Schale auf das Band und geht zum Bildschirm. Ein flüchtiger Blick zeigt Benne erwartungsgemäß, dass Mantel, Hut und Handy unverdächtig sind. „Jetzt Sie“, fordert er die Frau auf. Sie hat schon das enge Jäckchen abgestreift, mit Handy in die Schale gelegt und bleibt fragend vor Benne stehen. Dieser bemerkt das, schaut die deutlich jüngere Frau von oben bis unten an und bemerkt deren große Handtasche, die sie noch umklammert. „Die Tasche müssen Sie auch mit auf das Band legen!“ Leo, keine drei Schritte entfernt, hat sich zu Benne und den beiden Gästen umgedreht. Sie dachte zunächst, genauso wie Benne, dass die Frau bestimmt schon viel in der Welt herumgekommen ist und hier souverän durch die Abfertigung marschieren wird. Doch wider erwartend stockt sie. Ganz so souverän kommt sie nicht weiter. Sie zögert, ihre Handtasche auf das Band zu legen. „Alles muss kontrolliert werden“, ruft Benne zum wiederholten Male an diesem Tag aus. Die Tasche wirkt verdächtig, das zeigt ihn ein oberflächlicher Blick und das Verhalten der Trägerin. Benne hat längst bemerkt, dass die Umhängetasche der Frau ungewöhnlich voll sein dürfte. Die Tasche hat pralle Rundungen nach außen und wahrscheinlich ist da etwas drin, von dem die Frau genau weiß, dass das Nachfragen auslösen wird. Behutsam legt die Frau die Tasche zu den anderen Gegenständen in die Schale. Benne vermutet, dass es noch langsamer kaum geht. Macht nichts, schließlich ist hier am VIP-Eingang kaum Betrieb. Die Tasche liegt. Fast gleichzeitig schiebt Benne mit einem kräftigen Schubs die graue Kunststoffschale in den Scanner, groß wie ein Kühlschrank. Es dauert nur wenige Sekunden, bis Benne auf dem Bildschirm etwas Verdächtiges erblickt. In der Tasche ist ein anderes Behältnis, in das jede Menge kleine, kugelförmige Gegenstände gepackt sind. „Hoppla“, ruft Benne aus, der sich mit einem Drehknopf in das Bild auf dem Monitor summt. Von Neugierde getrieben, kommt Leo mit schnellen Schritten zu ihrem Kollegen und erhascht einen Blick auf den Röntgenbildschirm. „Was haben Sie in der Tasche?“, fragt Benne die Frau. Die ist wie versteinert stehen geblieben. Sie schaut kurz zu ihrem Begleiter, der den Mantel im Arm hält und ihr nun helfend beistehen soll. Er schaut nach links und rechts über seine Schultern. Er prüft, ob ihn niemand belauschen kann. „Wir müssen da um ein wenig Diskretion bitten“, fordert der Mann, Mitte 50, von den Sicherheitsleuten, die ihn Schulter an Schulter gespannt anblicken. „Diskretion ist unser Tagesgeschäft!“, antwortet Benne, ohne einen einzigen Blick von dem Mann zu lassen. Der macht einen Schritt vor. „Das sind Diamanten!“ Während Benne noch mal auf den Bildschirm schaut und versucht, einen Überblick zu gewinnen, meint Leo: „Das haben wir schon auf dem Bildschirm erkannt. Warum nehmen Sie Diamanten mit auf eine Seereise?“ Er kommt noch ein Stück näher. „Mein Name ist Dominic van de Buur. Ich bin Diamantenhändler und muss geschäftlich nach Antwerpen!“ Leo weiß, Antwerpen, eines der Ziele auf der bevorstehenden Reise, ist der weltweit wichtigste Handelsplatz für Diamanten. „Und Sie fahren mit einem Kreuzfahrtschiff dorthin?“ „Ja. Noch sicherer kann ich doch wohl nicht nach Antwerpen kommen“, antwortet der Mann und zwinkert Leo zu. „Und warum sind die Steine in der Tasche Ihrer Frau, wenn Sie der Diamantenhändler sind?“ Leo kann sich die Antwort schon denken. Vermutlich hatten die beiden die Hoffnung, dass bei einer Frau nicht so genau hingeschaut wird und keine dummen Fragen kommen. Die beiden Passagiere schauen sich kurz an. Dann antwortet er vielsagend: „Sie hat die größere Tasche!“ Diese Antwort nimmt Leo so hin, während sie zuschaut, wie der Mann seine große, scheinbar fast leere, braune Reisetasche aus Leder wieder an sich nimmt. „Das sind aber eine Menge Diamanten“, kommt es vom noch immer erstaunten Benne, der zwischenzeitlich zahlreiche Steine, wohl verpackt in einem Beutel, auf dem Röntgenmonitor begutachtet hat. „Viel ist relativ“, versucht der Gast auszuweichen. Benne harkt nach. „Wie viele? Welcher Wert?“ Der Mann zögert und hebt die Schultern. „Diese Rohdiamanten dürften so in etwa einen Verkaufswert von fünf Millionen Euro haben.“ Die beiden Sicherheitsleute blicken sich an. „Fünf Millionen Euro?“, fragt Leo nach. „So in etwa, ja. Je nach Tageswert“, bleibt der Mann gelassen. „Die wollen Sie aber nicht mit in Ihre Kabine nehmen?“, fragt Benne nach. „Doch, natürlich!“ „Guter Mann. Für solche Werte haben wir einen dicken Tresor. Da sind Ihre Diamanten viel sicherer aufgehoben!“ Das glaubt der Passagier keinesfalls. „Hören Sie. Wir Diamantenhändler haben da so unsere eigenen Regeln und Grundsätze. Ich kann auf meine Diamanten relativ gut allein aufpassen!“ Benne überlegt kurz. Eigentlich müsste er im Sinne seiner Reederei darauf bestehen, dass die Edelsteine während der Reise im Safe des Zahlmeisters unten im Rumpf des Schiffes diebstahlsicher weggeschlossen werden. Er weiß aber auch, dass er das ohne großartiges Theater keinem Gast vorschreiben darf. Natürlich hat sein Arbeitgeber für solche Fälle eine einfache, dennoch rechtssichere Lösung vorbereitet. „Gut, wenn Sie das so wollen. Sie dürfen die Diamanten natürlich auf eigene Gefahr in Ihre Suite mitnehmen. Ich bitte Sie, dass Sie mir das aber aus versicherungstechnischen Gründen kurz schriftlich in einer Verzichtserklärung quittieren.“ Damit ist der Mann einverstanden. Während er seinen Mantel wieder anlegt, dreht er den Kopf zu Benne. „Okay, das können wir machen!“ Benne zieht derweil einen Aktenordner voll mit Blankopapieren für jeden sinnvollen und irrsinnigen Zweck unter dem Röntgengerät hervor. Er lässt ihn gewichtig auf einen Beistelltisch krachen und fängt an zu wühlen. Unterdessen legt die Frau ihre Umhängetasche wieder an, blickt noch ein wenig ängstlich mit großen, runden Augen aus dem engen Kleid. Benne reicht das passende Formular an die Frau, da sie ja die Diamanten transportiert. Der Begleiter im langen Mantel greift es aber blitzschnell ab und lächelt die Frau an. „Komm Schatz, ich fülle das schnell aus!“ Benne Cordes ist das egal. Für ihn zählt lediglich, dass er etwas abzuheften hat. Unterdessen wird Leo unerwartet von hinten angesprochen. „Nah, Gott sei Dank. Wenigstens hat hier jemand Vernünftiges Dienst!“ Leo dreht sich wie auf Befehl um und schaut auf einen fast zwei Meter großen Mann mit schwarzem Vollbart und Brille, der nun am Schalter ankommt. Er hat fast die Ausmaße eines Schranks. Obwohl er in Zivil gekleidet ist, gehört er zum Schiff, und Leo kennt ihn sehr genau. „Haben Sie Ihren Landausflug beendet?“ „Ach, fragen Sie nicht, Frau Winter. Ich war in der Zentrale der Reederei und dort gab es nur Gemecker und Genörgel, wie schlecht wir arbeiten und wie unpünktlich wir sind. Natürlich schippern wir nicht besonders energiesparend durch die Gegend und unser Ersatzteilbedarf entspricht dem von drei Atomkraftwerken. Ich frage Sie, Frau Winter. Wie soll man mit so einem Schiff um die Welt tuckern, wenn man dafür nicht mehr Sprit verbrauchen darf, als für eine Motorsäge?“ Leo grinst ihr Gegenüber an. „Das hört sich nach einem Termin bei Frau Laurer an!“ Bei dieser besagten Frau handelt es sich um Lena Laurer, die zum Vorstand der Reederei gehört und in deren Bereich der operative Betrieb der Kreuzfahrtschiffe fällt. Leo hat Frau Laurer, die äußerst penibel reagiert, wenn es um das Wohl der Passagiere geht, schon mehrfach persönlich erlebt. Bei der Chefin muss immer alles einwandfrei schnurren und funktionieren, da nur zufriedene Gäste gerne viel Geld auf einer Kreuzfahrt ausgeben. Viele Einnahmen heißt viel Gewinn. Viel Gewinn bedeutet eine hohe Rendite und wahrscheinlich hohe Vorstandsboni. „Hören Sie mir auf. Ich habe von dieser Frau für heute genug!“, ruft der große Mann aus, macht eine wegschiebende Handbewegung und will schon weiter Richtung Gangway laufen, als Leo ausruft. „Halt, Stopp!“ Der Mann bleibt stehen, atmet ein Mal schwer durch und dreht sich zurück. „Frau Winter, bitte, ich hatte heute keinen schönen Tag. Was ist noch?“ „Ich muss Ihren Dienstausweis scannen.“ Der Mann macht zwei Schritte auf Leo zu. Seine Wut auf Frauen hat heute bereits ein bedrohliches Maximum erreicht. „Bitte?“, ruft der Mann mit weit aufgerissenen Augen aus. „Ich verstehe nur Dienstausweis! Haben Sie mich gerade tatsächlich nach meinem Dienstausweis gefragt? Sie wissen, wen Sie vor sich haben?“ Leo macht hingegen einen Schritt zurück. Sein Entsetzen kann sie nicht ganz verstehen, schließlich macht sie nur ihren Dienst und das müsste er am besten verstehen. Da kommt Benne zu den beiden, klopft dem Mann freundschaftlich auf die Schultern und begrüßt ihn. „Hey, Käpt‘n Boris. Hast Du einen schönen Tag in Hamburg verlebt?“ „Nein. Ich war bei Frau Laurer!“ Diese Vorstandsmitarbeiterin kennt Benne natürlich auch zur Genüge. „Oh, Käpt‘n. Dann war der Tag wohl wirklich nicht so gut.“ Der große Mann, Boris Hanson, Kapitän der Mare Fantasy, ist von Leo und Benne der oberste Vorgesetzte und gleichzeitig der Befehlshaber. Er dreht seinen Kopf leicht zu Benne. „Der Tag war scheiße, wenn Du es genau wissen möchtest! Und offenbar geht es genauso weiter.“ „Habt ihr zusammen Erbsen gezählt oder direkt über die Essensrationierung für die Crew gesprochen?“ „Frau Laurer hat vorgeschlagen, dass wir ab nächsten Monat wieder über die Meere rudern. Das ist ökologischer. Sie hat Angst, dass sich die Freitags-Schulschwänzer an unser Schiff kleben.“ „Nah, da haben wir ja Glück, dass heute Samstag ist“, kommt es frech von Leo, was ihr direkt einen bösen Schulterblick vom Kapitän einbringt. Der spricht weiter: „Und weil der Sicherheitsdienst während der Fahrt entbehrlich ist, müssen alle Sicherheitsleute ab nächsten Monat rudern!“ Die beiden Männer lachen kurz auf. „Guter Vorschlag. Die Frau versteht ihr Handwerk!“ Die Gesichtszüge von Boris Hanson frieren rasch wieder ein. „Benne, wie ich schon sagte. Der Tag war weniger erquickend. Und jetzt kommt Deine Frau Winter und möchte meinen Dienstausweis sehen!“ Benne grinst den Kapitän an, zu dem er ein gutes, freundschaftliches Verhältnis hat. „Käpt‘n. Du kennst die Vorschrift. Jeder, der an Bord möchte, muss seinen Dienstausweis vorzeigen. Dienst ist Dienst, Whisky ist Whisky!“ „Ich habe meinen Dienstausweis heute Morgen in meiner Kabine vergessen“, drückt Boris Hanson zwischen den Lippen kleinlaut hervor. „Ach, und was sagten die Kollegen bei der Kontrolle, als Sie von Bord gegangen sind?“, fährt Leo dazwischen und spielt darauf an, dass jeder, der das Schiff verlässt, genauso seine Bordkarte bzw. Dienstausweis vorzeigen muss, wie auch jeder, der das Schiff betreten möchte. Somit wird immer genau festgehalten, wer sich gerade auf dem Schiff aufhält. „Wenn Sie es genau wissen möchten! Die sagten: Guten Morgen, Herr Kapitän“, faucht Hanson Leo an. „Dass Sie von Bord gehen konnten, ohne dass Ihr Ausweis gescannt wurde, entspricht absolut nicht den Regelarien der Reederei!“ Knurrig schaut Hanson Leo direkt in die Augen. „Kann es sein, dass Frau Laurer Ihre Schwester ist?“ Leo grinst und schüttelt den Kopf. „Nein, die heißen Lotte und Lissy!“ „Drei Mädels haben Ihre Eltern“, bohrt Hanson nach. Leo nickt nur leicht, während der Kapitän feststellt: „Und alle mit L am Anfang. Da passt doch Lena super in die Reihe! Vielleicht sollten Sie doch Ihre Eltern hierzu befragen.“ „Ein kleines Schwesterchen habe ich mir schon immer gewünscht, Käpt‘n. Ich bin die Jüngste. Nur ich fürchte, da machen meine Eltern nicht mehr mit.“ Leo weiß genau, dass der Kapitän darauf nicht hinaus will. Sie sieht, wie er innerlich kocht und will ihn nun von seinen Qualen befreien. Natürlich darf der Kapitän auch ohne Dienstausweis an Bord. Schließlich kennt ihn jedes Crew-Mitglied. Leo möchte Boris Hanson gerade durchwinken, als sie, Benne und der Kapitän eine laute Frau aus der Masse der Stimmen heraushören, die mit der Mitarbeiterin am VIP-Check-in herumbrüllt. „Offensichtlich sind Sie zu dumm für diesen Job.“ „Nein, gute Frau. Und das würde auch nichts ändern. Sie stehen nicht auf der Passagierliste“, bleibt die Mitarbeiterin bestimmend, die mit dem Rücken zu Hanson und den beiden Securityleuten steht. „Das können Sie doch gar nicht beurteilen. Wahrscheinlich können Sie nicht mal lesen.“ Leo und Benne gehen zum VIP-Schalter, um die Szene zu besänftigen. Die resolute Frau, die sich dort aufregt, ist eine etwa 70-jährige Rentnerin. Sie hat sich aufgedonnert, wie eine Puffmutti. Für viele der wartenden Passagiere aus der endlosen Warteschlange, die vom Gekreische der Alten aufgeschreckt wurden, ist klar, dass diese Frau augenscheinlich über einen gewissen Reichtum verfügt. Für eine passende Kinderstube hat es jedoch nicht gereicht. Beides trägt sie überdeutlich zur Schau. „Hallo, was ist hier los“, versucht Leo auf die wütende Frau einzureden. „Halt Du Dich daraus und schreib lieber mal draußen ein paar Knöllchen. Alle Behindertenparkplätze sind besetzt.“ „Haben Sie einen Sonderparkausweis für Behinderte?“ Die Alte schaut Leo fragend von oben bis unten an. „Zum Teufel nein. Sehe ich so behindert aus? Schätzchen, ich gebe Dir 200 EUR, wenn Du mir so ein Ding besorgst.“ „Gute Frau, das ist illegal. Verbotene Sachen mache ich nicht. Im Übrigen sagen wir nicht mehr behindert. Jetzt ist Schluss.“ „Was bist Du für ein Weicheibulle?“ Als wäre Leo durchsichtig, entdeckt die Alte gleichzeitig hinter der Security-Mitarbeiterin den Kapitän. Der versucht gerade, die Gunst der Stunde zu nutzen, um auf dem Schiff zu verschwinden. „Sie da. Stehen bleiben. Ich kenne Sie doch.“ Der Kapitän fühlt sich ertappt. Er kennt ebenfalls diese Frau, hat aber bis zur letzten Sekunde gehofft, dass sie ihn nicht bemerken würde. Langsam dreht sich Boris Hanson zur Gruppe zurück. „Sie sind doch der Fahrer von diesem Äppelkahn.“ Hanson, bekannt für seinen Humor und seine flotten Sprüche, ändert den eingeschlagenen Weg und kommt langsam näher. Er reibt sich mit einer Hand durch seinen dichten Bart. „Nicht ganz. Aber das, was Sie meinen, trifft es schon ziemlich gut.“ „Ich möchte an Bord“, blökt die Alte. Wie entsetzt und erschrocken zeigt Hanson mit beiden offenen Armen auf Leo und ruft: „Ich auch.“ „Die hält Sie auf?“, fragt die Rentnerin erstaunt. „Ja“, ruft Hanson zurück. „Dann schmeiß die raus, und lass uns jetzt an Bord gehen.“ „Nein“, mischt sich die junge Frau vom Check-in ein. „Sie haben diese Reise nicht gebucht.“ „Sagt wer?“ „Unser System.“ „Um das korrekt erkennen zu können, hättest Du in der Schule richtig aufpassen müssen. Ohne freitags zu schwänzen.“ Die junge Frau, die für ein paar Jahre als Ausflugsscout auf dem Schiff angeheuert hat und beim Check-in nur aushelfen muss, fühlt sich in ihrer Ehre gekränkt. „Lesen und Schreiben kann ich, weil wir das montags bis donnerstags hatten.“ „Schon mal darüber nachgedacht, warum Du die ganze Woche Lesen und Schreiben in der Schule büffeln musstest und die anderen nicht?“, kommt es schlagfertig von der Alten zurück. Sie blickt zu Boris Hanson und faucht weiter: „Und die schmeißen Sie am besten auch gleich raus. Die kann sich auf die Straße kleben, da nervt sie weniger. Von dem eingesparten Lohn können wir viel Schnaps kaufen und lustige Seefahrten unternehmen.“ Hanson könnte sich das sehr gut vorstellen, aber natürlich ist das nur ein verwegener Traum. Er hebt eine Hand, um zu zeigen: Jetzt ist es gut. Er geht zur jungen Frau und fragt ruhig. „Was ist das Problem?“ „Lesen, hören Sie gar nicht zu“, ruft die Alte fuchtig dazwischen. „Diese unverschämte Frau möchte an Bord, hat aber die heutige Reise nicht gebucht.“ „Habe ich wohl. Und warte erst mal, bis ich wirklich unverschämt werde.“ „Haben Sie nicht.“ Benne schiebt die junge Kollegin an die Seite. „Wie lautet Ihr Name?“, fragt Benne und möchte jetzt zur Sicherheit noch mal prüfen, ob die Frau wirklich nicht in der Passagierliste steht. Ihr Name ist Benne gerade nicht geläufig, obwohl er die Alte schon mehrfach an Bord gesehen und erlebt hat. „Von Schnitzer, Sigrid von Schnitzer. Soll ich selbst meinen Namen eintippen?“ Benne geht nicht darauf ein und fängt an, auf die Tastatur einzuhacken. Jetzt, wo er den Namen gehört hat, sagt er ihm und seinen beiden Kollegen etwas. Frau von Schnitzer hat schon zahlreiche Reisen mit der Mare Fantasy unternommen. Mindestens ein Mal im Monat ist sie als Gast an Bord. Sie ist so etwas wie ein VIP-Plus Gast. Sie alle hatten schon mit der Frau zu tun und haben im Crew-Bereich noch mehr Geschichten über sie gehört. Niemand, der von dieser Frau berichtet, lässt ein gutes Haar an dieser Rentnerin. Diese Frau ist keine beliebte Person unter den Crew-Mitgliedern. Im Gegenteil, sie ist gefürchtet. „Tut mir leid, Sie stehen nicht auf der Liste!“ „Tipp mal Suite 18001. Zahlen gehen vielleicht einfacher, Schätzchen.“ 18001 ist die größte Suite auf dem Schiff. Frau von Schnitzer lässt sich diese Suite immer buchen, wenn sie an einer Reise teilnimmt. „Negativ“, stellt Benne fest, während er einen Schulterblick zum Diamantenhändler wirft. Der steht noch am Tisch neben dem Röntgengerät und füllt sein Formular aus. „In der Suite wohnt Herr van de Buur.“ „Ein Käsefresser?“, brüllt die Rentnerin entrüstet. Der Mann mit den Diamanten steht in Hörweite und hat alles genau gehört. Inzwischen hat er seine Verzichtserklärung ordnungsgemäß ausgefüllt. „Wo denken Sie hin? Ich bin Belgier“, antwortet er, macht dabei ein paar Schritte in Richtung der Gruppe und drückt wortlos Kapitän Hanson sein Formular in die Hand. Der steht ihm am nächsten und weiß sicher, was damit zu machen ist. „Also ein Pommesfresser“, korrigiert sich die Alte selbst. Der Mann grinst unter seinem Schnurrbart und antwortet dann in die Runde: „Das Formular ist ausgefüllt. Wir gehen dann mal unsere Suite 18001 beziehen.“ „Das ist meine Suite“, faucht die Alte brüskiert zurück. Der Diamantenhändler reagiert kein Stück. Er schlürft gemütlich zu seiner jungen Begleiterin, die etwas abseits wartet, und zieht mit ihr durch den freien Zugang Richtung Schiff davon. „Neureiches Pack!“ Unterdessen wirft der Kapitän einen Blick auf das Papier, das ihm der Mann mit Hut gerade in die Finger gedrückt hat. Als er die Summe liest, werden seine Augen immer größer und Hanson bekommt Schnappatmung. „Benne, Benne. Hast Du das gesehen?“ Hastig hält er Benedikt Cordes das Formular unter die Nase und bewegt mit großen Augen die Lippen, ohne dabei auch nur einen Ton zu sprechen: „Fünf Millionen Euro.“ Benne nickt. „Ja, Käpt‘n, ich weiß.“ „Leck mich am Arsch“, entfährt es dem Kapitän anerkennend und reicht das Formular an Benne weiter. „Können wir uns mal jetzt wieder auf das Wesentliche konzentrieren?“, fordert die Alte ein. „Nun“, erklärt Benne. „Offenbar haben Sie diese Reise nicht gebucht. Ihre Suite ist belegt und daran können wir auch nichts ändern!“ „Dummes Zeug. Ich verlange eine Lösung. Jetzt! Das ist meine letzte Warnung.“ Die vier Mitarbeiter der Reederei sind ratlos. Sie stellen sich in einer nachdenklichen, stillen Runde und blicken sich an. Sie wissen genau, ohne Geschrei und Polizei werden sie diese Frau keinesfalls los. Andersherum müssen sie an die Reederei denken. Frau von Schnitzer ist verwitwete Multimillionärin und zahlt regelmäßig wahnwitzige Summen für die Reisen auf der Mare Fantasy. Unverhofft sieht Boris Hanson weiter hinten die Lösung aller Probleme stehen. „Da hinten ist Tarek, der muss ran! Der weiß immer eine Lösung“ Die anderen drehen sich und folgen dem Blick von Boris Hanson. Etwa 30 Meter entfernt, vorbei an einigen Check-In-Schaltern im Hochbetrieb, steht ein anderer Offizier in weißer Uniform und redet gerade mit einem Mitarbeiter. Der Offizier ist der Hotel-Manager Tarek Yizmir, ein Crew-Mitglied türkischer Abstammung. „Ich rufe ihn an, damit er herkommt“, entscheidet Benne, während er schon sein Mobiltelefon hervorkramt. Der Kapitän ist schneller, aber keinesfalls diskreter. Er steckt zwei Finger in den Mund und pfeift lautstark. In der ganzen Halle, die ununterbrochen vom dröhnenden Stimmengewirr erfüllt ist, wird es schlagartig mucksmäuschenstill. Wie eine Hühnerherde ist die wartende Menschenmasse erschrocken und schaut, welche Gefahr den Ruheschock ausgelöst hat. Die vielen Hundert Augenpaare schauen zum Kapitän, genauso wie der Hotel-Manager. Hanson hebt den Arm und ruft. „Tarek, hier. Wo der Finger leuchtet.“ Tarek Yizmir beendet sein Gespräch mit dem Kollegen und kommt dann mit schnellen Schritten zu seinem Vorgesetzten. Während sich die Menge wieder ihren Gesprächen zuwendet, meint Hanson zuversichtlich: „Unsere türkische Beatrice wird das Schiff schon schaukeln.“ „Käpt‘n, gibt es ein Problem“, ruft Tarek Yizmir auf halber Strecke der kleinen Gruppe entgegen, während er an einem Check-in-Schalter nach dem anderen vorbeieilt. „Darf ich vorstellen: Problem. Problem, das hier ist Hotel-Manager Yizmir. Tarek, das ist Problem“, antwortet Hanson. Yizmir sieht, wem sein Chef da meint. Er erkennt sofort Frau von Schnitzer, um die er sich immer besonders intensiv kümmern muss. Diese schaut nur griesgrämig vor sich hin. Tarek, ganz Hotel-Profi, übernimmt gleich die Position der jungen Mitarbeiterin am VIP-Schalter. „Frau von Schnitzer, schön, Sie zu sehen! Sind Sie jünger geworden?“ Er beginnt direkt, etwas in die Tastatur einzuhämmern. „Lass die Schleimerei. Ist es heutzutage wirklich so schwierig, qualifiziertes Personal zu bekommen? Du hast jedenfalls nur Nieten gezogen.“ Der Hotel-Manager geht nicht darauf ein. Er kennt die Sprüche und Beschimpfungen der Alten in allen Facetten. Er ist Profi genug und lässt die ganzen Beleidigungen an sich abprallen. Schließlich bezahlt ihn die Reederei dafür, dass er alle Gäste zuvorkommend behandelt. „Sie haben sich um eine Woche vertan, Frau von Schnitzer. Ihre nächste Reise mit uns beginnt erst kommende Woche.“ „Dummes Zeug. Bei mir zu Hause sind die Maler!“ Die inzwischen fünf Reedereimitarbeiter verstehen jetzt das Durcheinander: Die gute Frau hat mal schnell eigenmächtig ihren Reisebeginn um eine Woche vorverlegt und ist trotz dieser einsamen Entscheidung kein Stück verwundert, dass die übliche Suite anderweitig belegt ist. „Ihre Suite ist leider belegt.“ „Ich weiß. Da hat die da so einen Pommes-Hans-Wurst einquartiert. Schmeiß den raus und bring mir endlich meinen Champagner.“ „Ich fürchte, dass das nicht geht, Frau von Schnitzer!“ „Ich trete Dir gleich mit meinen 500 Euro-Pumps in Deinen niedlichen, kleinen Türkenhintern. Vielleicht geht es dann doch?“ Jetzt macht Hanson wieder einen Schritt vor. Er will eigentlich einen neuen Anlauf unternehmen, um diskret auf das Schiff zu verschwinden. Da er aber merkt, dass selbst Tarek nicht wirklich weiter kommt, sieht er sich in der Pflicht. „Sie hören doch. Sie sind eine Woche zu früh. Wir können Sie nicht mitnehmen. Oder haben wir eine andere Suite für Frau von Schnitzer?“ Die Frage geht an den Hotel-Manager, der intensiv mit dem Laptop beschäftigt ist und keinen Blick abweicht. „Keine Suite frei.“ „Und eine hübsche Balkonkabine?“ „Wir sind ausgebucht, Käpt‘n. Es sind Sommerferien.“ „Gott sei Dank“, zischt die Alte. „Für einen Moment dachte ich wirklich, dass ihr mich in solch eine Sardinenbüchse zwängen wollt, die ihr Komfortkabine nennt. Wenn ich meine Suite nicht bekomme, dann nehme ich nur eine gleichwertige.“ Leo schüttelt innerlich den Kopf. Diese Ignoranz bei gleichzeitiger Frechheit ist einzigartig. Gut, dass nicht alle Passagiere so für ihre Forderungen derart eintreten. „Gleichwertig zur Suite 18001 ist höchstens noch die Kabine vom Kapitän!“ Tarek wagt einen Seitenblick zu Boris Hanson und grinst frech. Der Kapitän findet das keineswegs lustig und würde liebend gerne ausholen. Heute ist wirklich nicht sein Tag. „Dann nehme ich die“, ruft die Alte aus und macht eine Kopfbewegung Richtung Hanson. „Der muss doch sowieso das Schiff fahren. Wozu benötigt der dann eine Kabine?“ Hanson packt schmerzvoll einen Arm von Tarek und zieht ihm ein Stück zu sich. „Was soll das?
