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Western Helden – Die neue Reihe für echte Western-Fans! Harte Männer, wilde Landschaften und erbarmungslose Duelle – hier entscheidet Mut über Leben und Tod. Ob Revolverhelden, Gesetzlose oder einsame Reiter auf der Suche nach Gerechtigkeit – jede Geschichte steckt voller Spannung, Abenteuer und wilder Freiheit. Erlebe die ungeschönte Wahrheit über den Wilden Westen Ward Shene vergaß die vier ausgesuchten Fleischrinder und Lucco, den Vaquero, der sie mit ihm nach Fort Bliss getrieben hatte. Shene hielt seine Grullastute zwischen den Baracken des Forts an und blickte über den Paradeplatz. Der Mann am westlichen Ende des Platzes fiel ganz langsam und lautlos um. Die Waffe schlug in den sohlentiefen Staub. Der Hut stieß gegen das Gewehr und fiel vom Kopf des Mannes. Er blieb so liegen, dass Shene mühelos die gekreuzten Kanonenrohre des Hutemblemes erkennen konnte. »Por dios!«, stieß Lucco verstört hervor. »Porca Madonna, was haben sie getan, Boss?« Sie – er sprach in der Mehrzahl, und Shene betrachtete nun die anderen beiden Männer, die bereits am Boden lagen. Sie waren alle auf das Gesicht gefallen und lagen in derselben Haltung wie jener Mister, der nun den Boden küsste. Die Sonne musste sie fertiggemacht haben. Drei Mann standen noch, jedoch schwankte der ganz links außen wie ein Schilfrohr im Wind. Er konnte sein Gewehr nicht länger präsentieren. Die Waffe sank herab. »Pillow – präsentieren!«, fauchte jemand aus dem Schatten des überstehenden Daches. »Nimmst du den Schießprügel wohl hoch, du nachgemachter Mensch?« Das Muhen der weitertrottenden vier Fleischrinder lenkte Shene einen Moment ab. »Lucco«
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Seitenzahl: 144
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Ward Shene vergaß die vier ausgesuchten Fleischrinder und Lucco, den Vaquero, der sie mit ihm nach Fort Bliss getrieben hatte. Shene hielt seine Grullastute zwischen den Baracken des Forts an und blickte über den Paradeplatz.
Der Mann am westlichen Ende des Platzes fiel ganz langsam und lautlos um. Die Waffe schlug in den sohlentiefen Staub. Der Hut stieß gegen das Gewehr und fiel vom Kopf des Mannes. Er blieb so liegen, dass Shene mühelos die gekreuzten Kanonenrohre des Hutemblemes erkennen konnte.
»Por dios!«, stieß Lucco verstört hervor. »Porca Madonna, was haben sie getan, Boss?«
Sie – er sprach in der Mehrzahl, und Shene betrachtete nun die anderen beiden Männer, die bereits am Boden lagen. Sie waren alle auf das Gesicht gefallen und lagen in derselben Haltung wie jener Mister, der nun den Boden küsste. Die Sonne musste sie fertiggemacht haben.
Drei Mann standen noch, jedoch schwankte der ganz links außen wie ein Schilfrohr im Wind. Er konnte sein Gewehr nicht länger präsentieren. Die Waffe sank herab.
»Pillow – präsentieren!«, fauchte jemand aus dem Schatten des überstehenden Daches. »Nimmst du den Schießprügel wohl hoch, du nachgemachter Mensch?«
Das Muhen der weitertrottenden vier Fleischrinder lenkte Shene einen Moment ab.
»Lucco«, sagte er, »kümmere dich um die Rinder, treibe sie zur Küche, verstanden?«
Dann zog Shene die Grullastute herum. Er erkannte den Mann unter dem Dach nicht. Die Sonne blendete ihn.
Corporal Pillow, der Mann links außen, nahm das Gewehr wieder hoch. Er stand nun vorschriftsmäßig und schwankte auch nicht mehr.
Shene hielt zwanzig Yards vor der Schreibstube der C-Kompanie und jenem Mann im Schatten des Daches an.
»Hallo, Coone«, sagte Shene sanft. »Feine Hitze heute, was?«
»Stimmt«, erwiderte der große, bullige Sergeant träge. Er stieß sich von der Wand ab und trat an die Kante des Laufstegs aus Holzbohlen. »Mächtig heiß, Ward.«
Ward Shene blickte nach rechts. Dort schaufelte jemand an einem Loch. Der Mann trug Uniform wie die anderen sechs im Hof liegenden oder stehenden Artilleristen. Seine Jacke war bis zum obersten Knopf geschlossen. Auf seinem Rücken und unter seinen Armen hatte der Schweiß das blaue Tuch der Uniform so verfärbt, dass es beinahe schwarz wirkte. Der Mann hatte einen langen Pfahl eingepflanzt. Der Zweite lag neben dem Loch.
»Du sollst schaufeln, Thayer, und nicht hochsehen!«, sagte Sergeant Coone rau, als der Mann den Kopf wandte und zu Shene sah.
»Scheißkerl!«, knirschte Thayer.
Sergeant Coone hörte es, verzog aber nicht mal die Mundwinkel. Es schien ihn kalt zu lassen, dass Thayer ihn so nannte. Wenn es jemand in Fort Bliss gab, vor dem sich Rekruten in die Hosen machten und untergebene Chargen das Fürchten gelernt hatten, dann war es Sergeant Coone. Er war das größte Raubein und der schlimmste Schleifer im Fort. Zudem vollstreckte Coone sämtliche Prügelstrafen.
Coone zog seine Uhr aus der Tasche, ließ den Deckel aufspringen und starrte zu Corporal Thayer.
»Du hast noch eine halbe Stunde Zeit«, sagte er dann gleichmütig. »Ich würde mich beeilen.«
»Scheißkerl!«
»Du Kläffer«, murmelte Coone wegwerfend.
Shene lauschte dem Wortspiel. Als Coone schwieg, fragte er: »Was haben die denn verbrochen, Coone?«
»Du wirst es nicht glauben«, erwiderte Coone gelangweilt, »sie haben nur anständig gefeiert.«
»Na, und?«
»Sie holten sich Whisky und Schinken aus der Fourierbaracke. Ihr Pech, dass es der Whisky des Majors war, Ward. Thayer will es allein getan haben, stell dir das vor. Darum pflanzt er nun auch die beiden Pfähle ein. Und die anderen Burschen dürfen ihm zusehen, damit sie auch etwas Spaß haben.«
»Hat Major Glendanon das befohlen?«, erkundigte sich Ward Shene. Im Grunde war es wirklich eine ganz überflüssige Frage. Ein Befehl wie dieser konnte nur von Glendanon gekommen sein.
»Befehl des Majors, ja«, sagte Coone. »Layson, komm mit dem Wasser her, und mach sie munter!«
Aus der Baracke kam ein Corporal. Er nahm einen der beiden in der Tür stehenden Eimer hoch und ging los. Neben der Baracke knirschten Schritte im Sand. Shene blickte sich um. First Sergeant McLusky erschien mit zwei Mann.
McLusky war ein riesenhafter Mann mit Schmiedehämmerfäusten und einem Stiernacken. Er trug das Haar kurz geschnitten wie ein Gladiator. Seine hellen Augen funkelten, als er zu Coone blickte.
»Hallo, Ward«, brummte McLusky. »Ein vernünftiger Befehl, was?«
Er meinte das genaue Gegenteil.
»Sicher«, sagte Shene. »Gefällt mir mächtig, der Befehl, Macky. Was soll das werden, wenn es fertig ist?«
»Eine Vorrichtung, um Thayer anzubinden«, erklärte McLusky mit einem bösartigen Blick zu Coone. »Nicht so viel Wasser, Layson, das kann sie umbringen, du Narr!«
Das Wasser tat seine Wirkung – der erste Mann begann im Sand zu scharren wie ein Hahn, der Würmer sucht.
»Feines Spiel, was, Coone?«, knurrte McLusky.
»Du fragst bei der falschen Adresse an«, knirschte Coone. »Befehl ist Befehl.«
»Dir macht das Spaß, du Rabenaas«, zischte McLusky. »Na gut, soll es, aber wenn du heute Ausgang hast, dann sieh zu, dass du einen möglichst großen Bogen um mich machst.«
Er drehte sich leise fluchend um und folgte Shene hinter die Baracke. »Sei froh, dass du nicht mehr bei der Armee bist, Ward«, sagte er dann. »Ich sage dir, ich habe elf Kommandanten erlebt, aber es gibt nur einen Major Glendanon. Manchmal muss ich mich verdammt zwingen, das Maul zu halten. Was der Mann macht, ist glatte Schinderei. Ward, der Major hätte Thayer bestrafen müssen, denn der nahm alles auf sich. Aber es müssen alle sein, verstehst du? Dieser elende Narr Thayer – er ist der beste Richtkanonier, aber macht dauernd lange Finger. Ich habe ihn zehnmal gewarnt, jetzt ist er reif.«
»Mach dir keinen Ärger«, murmelte Shene. »Halte den Mund und friss, was dir befohlen wird. Das solltest du gelernt haben, Macky. Seltsam, ich bin oft hier, habe aber Glendanon noch nie gesehen. Vielleicht treffen wir uns am Abend in der Stadt. Du hast Ausgang?«
»Ich wollte, ich hätte ihn am Mittag bekommen«, brummte McLusky. »He, dein Vaquero ruft nach dir.«
Shene zog sein Pferd herum und ritt los.
*
Shene spürte, wie der Zorn in ihm immer größer wurde, doch er blieb sitzen und aß ruhig weiter. Dafür knallte Hal Banks nun seine Whiskyflasche auf den Tisch, dass die Blumenvase hüpfte. Banks, ein großer, breitschultriger Mann, war Wagenboss der Texas-Colorado-Frachtlinie. Man ging ihm am besten aus dem Weg, wenn er getrunken hatte.
»Hunger!«, brüllte Banks dann laut durch den Speiseraum des Hotels ›El Paso‹. »Zur Hölle, wo bleibt der Waiter?«
Da wurde die Küchentür geöffnet. Shene blinzelte, als Stella Lynn hereinkam. Sie war bildhübsch, blond, groß und so geformt, dass sich alle Männer nach ihr umsahen. Als sie nach »El Paso« gekommen war, um ihrem Onkel Clement Lynn den Haushalt zu führen, war sie achtzehn gewesen. Clement war vor einem Jahr gestorben. Seitdem führte Stella das Hotel, den kleinen Saloon und die Küche allein. Wer gut essen wollte, kam zu ihr.
»Hal Banks, was soll das?«, fragte sie kühl, als sie neben dem Tisch stand. »Was willst du mit der Flasche?«
»Trinken«, erwiderte Banks. Er stemmte die Ellbogen auf die Tischplatte und sah sie verlangend an. In diesem Augenblick wirkte er wie eine Bulldogge, die einen saftigen Knochen vor sich sah und ihn zu gern abgenagt hätte. »Da bist du ja, Schönste!«
Seine klobige Hand griff nach ihrem Arm. Dann zog er sie mit einem Ruck herum. »Na, wie ist es? Gibst du mir einen Kuss, Schönste?«
Shene legte langsam Gabel und Messer hin. Der weißhaarige Mann in der anderen Ecke des Speiseraumes, neben dem eine Lady mit blauschwarzem Haar und schmalem Gesicht saß, sah zu Banks und runzelte die Stirn. Die Lady wendete den Kopf, und Shene blickte in ihre großen dunklen Augen. Sonst war niemand mehr im Speiseraum, denn die Uhr zeigte eine Stunde vor Mitternacht an. In diesem Viertel El Pasos war es um diese Zeit ruhiger als in der Santa Fé Road, die zur Grenze führte.
»Loslassen, Banks!«, zischelte Stella Lynn und wollte sich von dem Griff lösen, doch Banks packte nun auch mit der anderen Hand zu. Er umfasste ihre Hüfte, schwenkte sie herum und hatte sie in der nächsten Sekunde über seinen Knien liegen. »Lass mich los, du Bulldogge, ich rufe um Hilfe.«
»Schrei nur«, meinte Banks grinsend. »In dieser Stadt läuft jeder Mann vor mir davon, höhö. Kauf dich frei, Stella. Wie wäre das?«
Shene machte drei Schritte. Stella sah ihn kommen und schüttelte verzweifelt den Kopf.
»Ward, nicht, lass es, er kommt von selbst zur Vernunft.«
Da gab ihr Banks einen Stoß. Sie flog von seinen Knien auf den Läufer im Gang zwischen den Tischen. Banks Linke schnappte nach der Flasche und stieß den Stuhl weg.
Shene schlug blitzschnell zu. Seine Faust traf Banks Oberarm. Der schwere Frachtwagenboss ließ die Flasche fallen, knurrte wütend und trat nach Shene.
»Nicht so«, sagte der trocken. Er wich geschickt aus, seine Linke landete in Banks Magengrube.
»Du verfluchter Indianer!«, entfuhr es dem stämmigen Mann. »Zur Hölle mit dir!«
Banks senkte seinen Kopf wie ein wilder Stier, doch Shene sprang zur Seite.
In der nächsten Sekunde packte er Hal an Hosenbund und Kragen.
»Raus mit dir!«, herrschte Shene ihn an. »Ich bin nicht mein Bruder. Mit dem konntest du das machen, Freundchen.«
Banks hatte Shenes Bruder Jim bei einer Massenschlägerei im Frontier Saloon El Pasos vor vier Jahren verprügelt.
*
Shene bugsierte den brüllenden Banks vor sich her zur Außentür. Dort tauchte Jackson auf, Stellas Waiter. An ihm vorbei flog Banks über den Gehsteig, prallte gegen einen Haltebalken und brach lautlos zusammen.
»In Ordnung«, sagte Shene. »Niemand stört mich beim Essen, Jackson. Stella, alles okay?«
Stella Lynn brachte ihre Bluse in Ordnung und blickte zu dem baumlangen schwarzhaarigen Shene empor.
»Ward, das wird er dir nicht vergessen«, sagte sie beklommen. »Danke, dass du ihn hinausgeworfen hast. – Du kannst gehen, Jackson.«
Shene blickte zu der schlanken, zierlichen Lady und dem weißhaarigen Mann, der auf Stella zukam.
»Miss Lynn, ich möchte zahlen«, sagte der Weißhaarige freundlich. »Hallo, Mister, das war ein guter Wurf. Sie waren Faustkämpfer, wie?«
Shene lächelte.
»Nein, mein Freund«, gab er zurück. »Ich lebte nur einige Zeit unter Indianern und … Moment!«
Ward wirbelte blitzartig herum, denn vor der Tür schrie Jackson kurz auf, ehe er vom Gehsteig flog. Durch das schmale Seitenfenster sah Shene, dass Banks den Waiter angesprungen und ihn geschlagen hatte.
Während Jackson auf der Straße landete, rannte Ward nach draußen, packte mit der Linken den Wagenboss und setzte ihm die Rechte mit voller Wucht aufs Kinn.
Banks fiel wie ein dicker, fetter Ochsenfrosch rücklings in den Straßenstaub.
Shene sah kaltäugig auf ihn herab. Dann hob er den Kopf, denn ein Wagen hielt mitten auf der Straße. Die beiden Fahrer arbeiteten für Banks. Sie erkannten Shene, nachdem sie einige Schritte gerannt waren, und blieben wie angewurzelt stehen.
Jeder Mann in El Paso kannte die Shenes. Wenn sie auch seit acht Jahren eine kleine Ranch besaßen, die Wards tödlich verunglückter Bruder Jim aufgebaut hatte, so galten sie dennoch als weniger friedlich als andere Rancher. Der alte James Shene hatte über zwanzig Jahre mit Indianern Handel getrieben, bis eine Kiowa-Kugel seine rechte Kniescheibe zerschmetterte. In all den Jahren waren seine Söhne mit ihm gezogen. Und besonders Ward galt als gefährlich, wild und eisenhart, wenn man ihn reizte. Zudem war Ward sechs Jahre bei der Armee gewesen. Mit ihm legte sich niemand an.
»Na?«, fragte Shene eisig. »Wollt ihr etwas, oder nehmt ihr euren Boss jetzt mit? Dann holt ihn und verschwindet! Kommt er zu sich, könnt ihr ihm sagen, dass er das nächste Mal seinen Colt mitbringen soll. Los, holt ihn euch!«
»Schon gut, Ward«, sagte der eine Fahrer mürrisch. »Das ist nicht unsere Sache. Verlass dich nicht darauf, dass er dir das vergisst.«
Shene drehte sich achselzuckend um, ging in den Speiseraum. Die Lady mit dem mandelförmigen Augenschnitt und dem blauschwarzen Haar sah ihn groß und staunend an.
»Oh, Mister, Sie bluten!«
Shene blickte auf sein Handgelenk. Die Wunde war gezackt, klaffte tief auseinander und blutete heftig.
»Ward, was ist das?«, stammelte Stella erbleichend. »Mein Gott, das muss verbunden werden. Geh nach oben! Schnell, nun nimm doch schon dein Taschentuch!«
»Ich werde daran nicht sterben.« Shene lächelte dünn. Er presste sein Taschentuch auf die Wunde und verließ den Raum. Als er sich in der Tür noch einmal umsah, blickte ihm die fremde Lady nach. Zwischen Stellas Augenbrauen tauchte im selben Moment eine steile Falte auf. Sie warf Shene einen zornigen Blick zu.
Ward stieg die Treppe zu Stellas Wohnung empor. Nach Clement Lynns Tod hatte sie ein paar neue Möbel angeschafft, die er mit ihr ausgesucht hatte. Shene kannte sich in den Räumen aus, fand das Verbandszeug in ihrem Nähschrank und lachte leise vor sich hin, als er an ihren zornigen Blick dachte. Stella hätte an jedem Finger einen Mann haben können, interessierte sich aber nur für ihn. Vielleicht hätten sie geheiratet, wenn Ward sich ihrem Willen gebeugt hätte. Sie konnte sich nicht an den Gedanken gewöhnen, das Hotel aufzugeben. Und Ward musste mindestens einmal im Jahr für Wochen fortreiten. In ihm steckte eine unerklärliche Unruhe. Er liebte die Ranch, hing jedoch zu sehr an der Armee und ritt manchmal als Scout.
*
Einen Moment saß sie aufgeschreckt neben ihm, das blonde Haar wirr, die braunen Augen weit geöffnet. Mattes Licht fiel durch die beiden Fenster herein und ließ ihre festen Brüste samten glänzen.
Klirrendes Glas, das wütende Gebrüll eines Mannes. Dann zerplatzte irgendetwas mit einem berstenden Knall.
Stella sprang aus dem Bett, lief zum Fenster und blickte entsetzt nach unten.
»Ward, um Gottes willen – Banks!«
»Ja«, sagte er knapp. Er stand neben ihr, legte ihr den Arm um die Schulter und zog sie an sich. »Banks zu Pferd und mit Flaschen in der Satteltasche. Stella, er war verrückt nach dir – zu verrückt, fürchte ich.«
Banks holte aus. Die nächste Flasche segelte in eins der Fenster unten. Es war die Vorletzte.
Als die dritte Scheibe zersprang, fuhr Shene bereits in die Hosen und hörte Stella sagen: »Ward, keinen Mord und Totschlag. Er reitet schon davon.«
»Wohin?«
»Ich glaube, zur Santa Fe Road, Ward. Bitte, lass den Narren doch. Was sind schon einige Fensterscheiben? Ward, denke an seine Leute, sie tun, was er will. Ward, du willst ihm nach?«
»Was dachtest du?«, fragte er kühl.
»Denkst du, ich lasse es zu, dass der Kerl dir die Fenster zerdeppert?«
*
Shene wusste genau, was ihn erwartete. Dennoch sollte sich Banks verrechnet haben. Der Mann, der über die Schwingtür des Goodnight Saloons geblickt hatte, war nun verschwunden. Shene ließ sein Pferd stehen, ging auf die Tür zu und stieß sie auf. Der Türflügel prallte gegen Hambrock, Banks Kolonnen-Chef, ein Kerl wie ein Baum. Im Lärm von sechzig Männerkehlen, dem Gehämmer des Walzenklaviers und dem gurrenden Lachen der Girls, zwischen Rauchschwaden und unzähligen Gesichtern, tauchte die Bullbeißervisage von Banks auf.
»Verdammt!«, knurrte Hambrock wütend: »Was trittst du Narr mir die Tür an den Kopf, he?«
»Geh weg, wenn ich dir einen Rat geben darf«, entgegnete Shene eisig. »Ich will nur zu deinem Big Boss, Mister.«
»Halt!«, brüllte Hambrock und versperrt Shene den Weg. Ward sah links und rechts zwei Männer der Wagenmannschaft Banks. Sie grinsten ihn spöttisch und lauernd an.
»Du entschuldigst dich, du Affe!«, sagte Hambrock in die Stille.
»Los, Shene, ich warte!«
»So wollt ihr das also machen? Du bist absichtlich vor die Tür gerannt, was, Freund Hambrock? Nun gut, ich entschuldige mich, mein Freund. Reicht es dir?«
Hambrock sah ihn verwirrt an. Hambrock mochte alles erwartet haben, nur nicht diese Entschuldigung!
»Das gibt es nicht, du Schurke!«, fauchte er. »Das war keine ehrliche Entschuldigung, Mann. Du hast gegrinst, Mensch, du nimmst mich auf den Arm, he?«
Seine Faust schoss vorwärts. Er hatte seinen Auftrag von Banks bekommen und musste ihn ausführen.
Als er zuschlug, waren Banks andere Burschen so nahegekommen, dass Shene nicht mehr ausweichen konnte. Shene trat blitzschnell mit dem rechten Fuß zu, genau auf Hambrocks Magen. Der große Frachtwagenmann knickte auf der Stelle ein. Shene sprang ihn an, packte ihn und riss ihn herum. Banks Fahrer wollten Shene ans Leder. Beide stürmten auf ihn zu, da gab Shene Hambrock einen Stoß. Der Kolonnenboß fiel zwischen die beiden Männer. Shene wirbelte zurück, packte den einen am Kragen und den anderen an der Schulter. Ihre Köpfe knallten zusammen wie zwei hohle Kokosnüsse. Der eine Mister fiel gleich um und landete auf dem zusammengebrochenen Hambrock. Der andere holte aus. Sein wilder Heumacher fegte über den in die Knie sinkenden Shene hinweg. Dann hatte Shene den Mister erwischt. Er setzte ihm die Faust ans Kinn und sah ihn an der Tür zusammenrutschen.
»Nun, Banks?«, erkundigte sich Shene gelassen, während die drei Mann ein Knäuel am Boden bildeten. »Was machst du jetzt, Fensterscheibeneinwerfer?«
Banks stand wie gelähmt am Tresen, neben ihm weitere sechs Mann seiner Wagenmannschaft.
»Der verfluchte Indianer!«, schrie Banks dann schrill. »Leeds, Anson!«
Die beiden Männer setzten sich in Bewegung. Dann erst begriff Shene, dass sie ihn nur ablenken sollten. Hinter ihm hatte Hambrock einen Stuhl gepackt und schleuderte ihn gegen Shenes Rücken. Der Anprall ließ Ward straucheln. Hambrock sprang über den Stuhl und umklammerte Shenes Hüften. Und dann waren Leeds und Anson heran.
»So ein unfaires, hinterlistiges Packzeug«, sagte jemand grimmig »Tritt aus, Ward – ich komme schon!«
