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In "Aus des Angelus Silesius Cherubinischem Wandersmann" verwebt der mystische Dichter Angelus Silesius auf kunstvolle Weise poetische Sprache mit tiefen philosophischen und theologischen Einsichten. Das Werk ist geprägt von einer meditativen und symbolischen Schreibweise, die den Leser auf eine spirituelle Reise einlädt. Silesius nutzt dabei eine Vielzahl von Metaphern und Allegorien, um die Einheit des Seelenlebens mit dem Göttlichen zu erkunden und erweckt die Vorstellung, dass wahres Wissen jenseits der Worte liegt. Die Gedichte sind sowohl zeitgenössisch als auch zeitlos in ihrer Suche nach der Wahrheit und berühren universelle menschliche Fragen, die auch heute noch von Bedeutung sind. Angelus Silesius, geboren als Johannes Scheffler im 17. Jahrhundert, war ein deutscher Arzt und Dichter, der sich nach einer spirituellen Wandlung dem mystischen Denken zuwandte. Seine Biografie ist geprägt von einem tiefen Ringen um den Glauben und der Auseinandersetzung mit dem Protestantismus und der katholischen Tradition. Diese Erfahrungen spiegeln sich in seinen Gedichten wider, die eine Synthese aus religiösem Eros und philosophischem Streben verkörpern. Der Dichter ist eine Schlüsselfigur der mystischen Literatur und regt Leser zum Nachdenken über die tiefere Bedeutung von Existenz und Transzendenz an. Dieses Buch ist eine wertvolle Lektüre für alle, die an einer tiefgründigen Auseinandersetzung mit dem Spirituellen und Philosophischen interessiert sind. Es bietet nicht nur ästhetischen Genuss durch seine meisterhafte Sprache, sondern auch eine Gelegenheit zur inneren Reflexion und Selbsterkenntnis. Silesius' Werk ermutigt dazu, die Grenzen zwischen dem Physischen und dem Spirituellen zu überdenken und offenbart einen Weg, der zu einem erfüllten und erleuchteten Leben führen kann.
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Veröffentlichungsjahr: 2020
Rein wie das feinste Gold, steif wie ein Felsenstein,Ganz lauter wie Kristall, soll dein Gemüte sein.
Die Demut ist der Grund, der Deckel und der Schrein,In dem die Tugenden stehn und beschlossen sein.
Die Tugenden sind so verknüpfet und verbunden:Wer ein' alleine hat, der hat sie alle funden.
Wann ich die Lauterkeit durch Gott geworden bin,So wend ich mich, um Gott zu finden, nirgends hin.
Die Braut verdient sich mehr mit einem Kuß um Gott,Als alle Mietlinge mit Arbeit bis in Tod.
Die Liebe, wenn sie neu, braust wie ein junger Wein,Je mehr sie alt und klar, je stiller wird sie sein.
Lieb üben hat viel Müh: wir sollen nicht alleinNur lieben, sondern selbst, wie Gott, die Liebe sein.
Fragst du, was Gott mehr liebt, ihm wirken oder ruhn?Ich sage, daß der Mensch, wie Gott, soll beides tun.
Das Wort, das Gott von dir am allerliebsten höret,Ist, wann du herzlich sprichst: Sein Wille sei geehret.
Gott ist nur eigentlich: er liebt und lebet nicht,Wie man von mir und dir und andren Dingen spricht.
Gott ist des Lebens Buch, ich steh in ihm geschriebenMit seines Lammes Blut: wie sollt er mich nicht lieben.
Gott ist so viel an mir, als mir an ihm gelegen,Sein Wesen helf ich ihm, wie er das meine, hegen.
Gott hat nicht Unterscheid, es ist ihm alles ein:Er machet sich so viel der Flieg als dir gemein.
Ich weiß, daß ohne mich Gott nicht ein Nu kann leben,Werd ich zu nicht, er muß von Not den Geist aufgeben.
Gott mag nicht ohne mich ein einzigs Würmlein machen:Erhalt ichs nicht mit ihm, so muß es stracks zukrachen.
Ich bin so groß als Gott: er ist als ich so klein;Er kann nicht über mich, ich unter ihm nicht sein.
Gott ist ein Ackersmann, das Korn sein ewig Wort,Die Pflugschar ist sein Geist, mein Herz der Säungsort.
Gott wohnt in einem Licht, zu dem die Bahn gebricht;Wer es nicht selber wird, der sieht ihn ewig nicht.
Gott opfert sich ihm selbst: Ich bin in jedem NuSein Tempel, sein Altar, sein Betstuhl so ich ruh.
Gott ist ein lauter Nichts, ihn rührt kein Nun noch Hier:Je mehr du nach ihm greifst, je mehr entwird er dir.
Gott gibet niemand nichts, er stehet allen frei:Daß er, wo du nur ihn so willst, ganz deine sei.
Gott ist in mir das Feur, und ich in ihm der Schein:Sind wir einander nicht ganz inniglich gemein?
Daß Gott so selig ist und lebet, ohn Verlangen,Hat er sowohl von mir, als ich von ihm empfangen.
Gott liebt mich über sich: lieb ich ihn über mich,So geb ich ihm so viel, als er mir gibt aus sich.
Ich bin so reich als Gott, es kann kein Stäublein sein,Das ich (Mensch, glaube mir) mit ihm nicht hab gemein.
Gott ist ein Wunderding: er ist das, was er will,Und will das, was er ist, ohn alle Maß und Ziel.
Gott ist unendlich hoch (Mensch, glaube das behende),Er selbst findt ewiglich nicht seiner Gottheit Ende.
Gott gründt sich ohne Grund und mißt sich ohne Maß!Bist du ein Geist mit ihm, Mensch, so verstehst du das.
Gott ist nicht hoch, nicht tief: wer endlich anders spricht,Der hat der Wahrheit noch gar schlechten Unterricht.
Gott ist mir Gott und Mensch: ich bin ihm Mensch und Gott:Ich lösche seinen Durst, und er hilft mir aus Not.
In Gott wird nichts erkannt: er ist ein einig Ein.Was man in ihm erkennt, das muß man selber sein.
Gott macht kein neues Ding, obs uns zwar neue scheint:Für ihm ist ewiglich, was man erst werden meint.
In Gott ist alles Gott: ein einzigs Würmelein,Das ist in Gott so viel als tausend Gotte sein.
Gott gibt sich ohne Maß: je mehr man ihn begehrt,Je mehr und mehr er sich erbietet und gewährt.
Gott, der bequemt sich uns, er ist uns, was wir wollen:Weh uns, wenn wir ihm auch nicht werden, was wir sollen.
Gott ist noch mehr in mir, als wann das ganze MeerIn einem kleinen Schwamm ganz und beisammen wär.
Ich weiß Gotts Konterfei: er hat sich abgebildtIn seinen Kreaturn, wo dus erkennen willt.
