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Beschreibung

In "Aus des Angelus Silesius Cherubinischem Wandersmann" entfaltet der mystische Dichter Angelus Silesius eine fesselnde Sammlung von Gedichten, die den inneren Weg des Menschen zur göttlichen Wahrheit beleuchten. Silesius, ein Meister der barocken Lyrik, verschmilzt metaphysische Fragen mit einer tiefen Spiritualität, die sich in prägnanten, oft paradoxen Versen äußert. Diese Arbeit ist sowohl ein Zeugnis des 17. Jahrhunderts als auch ein universelles Werk, das Anklänge an die Tradition der Mystik und die Suche nach der Einheit mit dem Göttlichen aufweist. Angelus Silesius, geboren als Johannes Scheffler in Breslau, war ein deutscher Arzt und Dichter, der sich im Zeichen der Reformation zu einer mystischen Spiritualität bekannte. Sein umfangreiches Wissen und seine Erfahrungen im konfessionellen Konflikt seiner Zeit flossen in seine Werke ein. Die radikale Umorientierung seines Lebens hin zur Mystik und seine tiefgehenden Auseinandersetzungen mit der Göttlichkeit und dem Menschen spiegeln sich in den poetischen Zeilen des "Cherubinischen Wandersmanns" wider. Dieses Buch ist eine unverzichtbare Lektüre für alle, die an mystischer Dichtung, christlicher Spiritualität und der barocken Literatur interessiert sind. Silesius' Werke bieten nicht nur einen Einblick in die menschliche Seele und ihre Sehnsucht nach Gott, sondern auch eine philosophische Reflexion über die existenziellen Fragen des Lebens. Lassen Sie sich von der poetischen Sprache und der tiefgründigen Symbolik inspirieren!

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Veröffentlichungsjahr: 2022

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Angelus Silesius

Aus des Angelus Silesius Cherubinischem Wandersmann

 
EAN 8596547077800
DigiCat, 2022 Contact: [email protected]

Inhaltsverzeichnis

Angelus Silesius
Anmerkung
Insel-Verlag zu Leipzig

Angelus Silesius

Inhaltsverzeichnis

Rein wie das feinste Gold,   steif wie ein Felsenstein,Ganz lauter wie Kristall,   soll dein Gemüte sein.

Die Demut ist der Grund,   der Deckel und der Schrein,In dem die Tugenden   stehn und beschlossen sein.

Die Tugenden sind so   verknüpfet und verbunden:Wer ein' alleine hat,   der hat sie alle funden.

Wann ich die Lauterkeit   durch Gott geworden bin,So wend ich mich, um Gott   zu finden, nirgends hin.

Die Braut verdient sich mehr   mit einem Kuß um Gott,Als alle Mietlinge   mit Arbeit bis in Tod.

Die Liebe, wenn sie neu,   braust wie ein junger Wein,Je mehr sie alt und klar,   je stiller wird sie sein.

Lieb üben hat viel Müh:   wir sollen nicht alleinNur lieben, sondern selbst,   wie Gott, die Liebe sein.

Fragst du, was Gott mehr liebt,   ihm wirken oder ruhn?Ich sage, daß der Mensch,   wie Gott, soll beides tun.

Das Wort, das Gott von dir   am allerliebsten höret,Ist, wann du herzlich sprichst:   Sein Wille sei geehret.

Gott ist nur eigentlich:   er liebt und lebet nicht,Wie man von mir und dir   und andren Dingen spricht.

Gott ist des Lebens Buch,   ich steh in ihm geschriebenMit seines Lammes Blut:   wie sollt er mich nicht lieben.

Gott ist so viel an mir,   als mir an ihm gelegen,Sein Wesen helf ich ihm,   wie er das meine, hegen.

Gott hat nicht Unterscheid,   es ist ihm alles ein:Er machet sich so viel   der Flieg als dir gemein.

Ich weiß, daß ohne mich   Gott nicht ein Nu kann leben,Werd ich zu nicht, er muß   von Not den Geist aufgeben.

Gott mag nicht ohne mich   ein einzigs Würmlein machen:Erhalt ichs nicht mit ihm,   so muß es stracks zukrachen.

Ich bin so groß als Gott:   er ist als ich so klein;Er kann nicht über mich,   ich unter ihm nicht sein.

Gott ist ein Ackersmann,   das Korn sein ewig Wort,Die Pflugschar ist sein Geist,   mein Herz der Säungsort.

Gott wohnt in einem Licht,   zu dem die Bahn gebricht;Wer es nicht selber wird,   der sieht ihn ewig nicht.

Gott opfert sich ihm selbst:   Ich bin in jedem NuSein Tempel, sein Altar,   sein Betstuhl so ich ruh.

Gott ist ein lauter Nichts,   ihn rührt kein Nun noch Hier:Je mehr du nach ihm greifst,   je mehr entwird er dir.

Gott gibet niemand nichts,   er stehet allen frei:Daß er, wo du nur ihn   so willst, ganz deine sei.

Gott ist in mir das Feur,   und ich in ihm der Schein:Sind wir einander nicht   ganz inniglich gemein?

Daß Gott so selig ist   und lebet, ohn Verlangen,Hat er sowohl von mir,   als ich von ihm empfangen.

Gott liebt mich über sich:   lieb ich ihn über mich,So geb ich ihm so viel,   als er mir gibt aus sich.

Ich bin so reich als Gott,   es kann kein Stäublein sein,Das ich (Mensch, glaube mir)   mit ihm nicht hab gemein.

Gott ist ein Wunderding:   er ist das, was er will,Und will das, was er ist,   ohn alle Maß und Ziel.

Gott ist unendlich hoch   (Mensch, glaube das behende),Er selbst findt ewiglich   nicht seiner Gottheit Ende.

Gott gründt sich ohne Grund   und mißt sich ohne Maß!Bist du ein Geist mit ihm,   Mensch, so verstehst du das.

Gott ist nicht hoch, nicht tief:   wer endlich anders spricht,Der hat der Wahrheit noch   gar schlechten Unterricht.

Gott ist mir Gott und Mensch:   ich bin ihm Mensch und Gott:Ich lösche seinen Durst,   und er hilft mir aus Not.

In Gott wird nichts erkannt:   er ist ein einig Ein.Was man in ihm erkennt,   das muß man selber sein.

Gott macht kein neues Ding,   obs uns zwar neue scheint:Für ihm ist ewiglich,   was man erst werden meint.

In Gott ist alles Gott:   ein einzigs Würmelein,Das ist in Gott so viel   als tausend Gotte sein.

Gott gibt sich ohne Maß:   je mehr man ihn begehrt,Je mehr und mehr er sich   erbietet und gewährt.

Gott, der bequemt sich uns,   er ist uns, was wir wollen:Weh uns, wenn wir ihm auch   nicht werden, was wir sollen.

Gott ist noch mehr in mir,   als wann das ganze MeerIn einem kleinen Schwamm   ganz und beisammen wär.