Aus Syrien geflüchtet - Seif Arsalan - E-Book

Aus Syrien geflüchtet E-Book

Seif Arsalan

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Beschreibung

Roman für Jugendliche von 13–16 Jahren, auch als Klassenlektüre an weiterführenden Schulen geeignet, Fach: Deutsch, DaZ, Klasse 8–10 +++ K.L.A.R.-reality bedeutet: 100 Prozent autobiografische Geschichten, erzählt von jungen Menschen mit teils schweren Einzelschicksalen. Die Romane sind von Jugendlichen für Jugendliche geschrieben und werden bei Ihren Schülern das Lesefieber entfachen, denn nichts ist spannender als Geschichten aus dem realen Leben. Der einfache Aufbau der Autobiografien, mit kurzen Kapiteln, leicht verständlichem Vokabular und einer alltagsnahen Sprache, sorgt für einen schnellen Leseerfolg, der Ihre Schüler nach dem Unterricht auch zu Hause weiterlesen lässt. Die Jugendbücher sind somit ideal für die Leseförderung in der Sekundarstufe und können von Lehrern als Schullektüre an Förderschulen, Hauptschulen, Realschulen und Gesamtschulen eingesetzt werden. Zum Inhalt: Seif ist 20 und lebt seit fast zwei Jahren als Flüchtling in Deutschland. Als 2011 die Unruhen in Syrien entstehen und sich zu einem schrecklichen Krieg ausweiten, ist Seif gerade 14. Das Leben wird täglich gefährlicher. Seine Mutter und er fliehen über die Türkei und Griechenland weiter nach Deutschland. Die Flucht ist lebensgefährlich und voller schwerer Entscheidungen. Seif muss unglaublich viel Verantwortung tragen, Ängste und Schwierigkeiten bewältigen sowie mit Einsamkeit und Verlust umgehen, bis er schließlich sicher in Deutschland lebt. Hier beginnt eine Geschichte von Integration und Zukunftsplänen: Seif lernt in kürzester Zeit Deutsch und integriert sich gut in seiner neuen Heimatstadt. Er erfährt Hilfsbereitschaft und Unterstützung, aber wird auch mit Vorbehalten, Ausländerfeindlichkeit und bürokratischen Problemen konfrontiert …

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Seitenzahl: 99

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Titel

Aus Syrien geflüchtet

Ein autobiografischer Jugendroman

 

AutorSeif Arsalan

 

HerausgeberinAnnette Weber

 

TitelbildmotivIvo Breidenbach

 

eBook-Herstellung und Auslieferungreadbox publishing, Dortmund, www.readbox.net

Verlag an der RuhrMülheim an der Ruhrwww.verlagruhr.de

 

Ab 13 Jahre

 

Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages.

 

© Verlag an der Ruhr 2018eBook ISBN 978-3-8346-3845-8

Einführung

 

KAPITEL 1 Warum wollte ich diesen Roman schreiben?

KAPITEL 2 Meine Familie in Syrien

KAPITEL 3 Eine neue Familie

KAPITEL 4 Ramadan und die Pilgerreise

KAPITEL 5 Veränderungen in Syrien

KAPITEL 6 Wieder ein Umzug

KAPITEL 7 Erste Fluchtversuche

KAPITEL 8 Ein neuer Versuch

KAPITEL 9 Mein Freund Hischam

KAPITEL 10 Eine schreckliche Entscheidung

KAPITEL 11 Zurück

KAPITEL 12 Das Village

KAPITEL 13 Unterbingung in einem Hotel

KAPITEL 14 Deutsch lernen? Nicht so leicht.

KAPITEL 15 Meine mütterlichen Freundinnen

KAPITEL 16 Die Anhörung

KAPITEL 17 Die zweite Enttäuschung

KAPITEL 18 Gedanken über meine Zukunft

Nachwort

EINFÜHRUNG

Salem Aleikum! Das bedeutet Friede sei mit dir. Mit diesen Worten begrüßen wir uns in Syrien. Dieses Grußwort passt sehr gut zu meiner Situation, denn ich bin aus Syrien nach Deutschland gekommen, um hier in Frieden leben zu können.

Ich bin 20 Jahre alt und komme aus Duma, einer Stadt in Syrien. Vor zwei Jahren bin ich nach Deutschland gekommen. In meinem Buch möchte ich dir von mir und meiner Familie erzählen, aber auch von meiner Heimat, meiner Flucht und meiner Zeit in Deutschland.

Ich freue mich, dass du dich entschlossen hast, das Buch zu lesen. Zunächst wollte ich es unter meinem richtigen Namen schreiben. Doch viele Freunde und Verwandte rieten mir davon ab. Ich bin ja aus meinem Heimatland geflohen, weil ich Angst hatte, politisch verfolgt zu werden, da wäre es nicht klug, wenn ich meinen Namen nenne. Außerdem gebe ich in diesem Buch viel von mir preis und möchte nicht, dass man mich erkennt. Nun lautet mein Pseudonym Seif Arsalan. Ich habe in diesem Buch auch die meisten anderen Namen und Ortsnamen geändert, damit niemand erkannt werden kann. Die Geschichte ist aber dennoch wahr.

1

WARUM WOLLTE ICH DIESEN ROMAN SCHREIBEN?

Ein Jahr nach meiner Ankunft in Deutschland empfahl mir meine Lehrerin, Romane in deutscher Sprache zu lesen, um meine Sprachkenntnisse zu verbessern. Ich bat eine Mitarbeiterin der Schulbibliothek, mir Bücher in einfacher Sprache vorzuschlagen. Unter den Büchern, die sie mir empfahl, war eines, das mich auf Anhieb interessierte. Der Titel des Romans lautete „Abgehauen“ und wurde von einem jungen Autor geschrieben, der sich in diesem Buch mit seiner schwierigen Kindheit auseinandersetzt. Eine Jugendbuchautorin hatte ihm beim Schreiben geholfen.

Das Buch „Abgehauen“ war das erste Buch, das ich in deutscher Sprache las. Ich war stolz, dass ich fast alles verstand, und war sehr berührt von der Lektüre. Nach dem Lesen fragte ich mich, ob auch ich ein Buch schreiben könnte. Ich habe in meinem kurzen Leben schon einiges erlebt. Ich könnte über meine Kindheit in Syrien, unseren Aufenthalt in der Türkei, über die Flucht und über mein Leben als Flüchtling in Deutschland berichten. Aber um das zu verwirklichen, bräuchte ich Hilfe.

Frau Weber, die Jugendbuchautorin, die auch dem Autor des Romans „Abgehauen“ beim Schreiben geholfen hatte, fiel mir wieder ein. Im Internet gab ich „Annette Weber“ ein und fand ihre Homepage und eine E-Mail-Adresse! Auf der Stelle schrieb ich sie an, stellte mich vor und erzählte ihr von meiner Idee.

Schon am nächsten Tag erhielt ich eine Rückmeldung. Ich war aufgeregt. Ist sie wohl interessiert? Ihre Antwort auf meine E-Mail lautete: „Wenn man ein Buch schreibt, schreibt man es für einen Verlag, der es dann in die Buchhandlungen bringt.“ Der Verlag, mit dem sie arbeitet, sei an meiner Idee durchaus interessiert. Versprechen könne sie allerdings noch nichts. Sie empfahl mir, ein Kapitel aus meiner Kindheit zu schreiben, damit sie feststellen konnte, ob das, was ich schreibe, überhaupt infrage kommt. Auch schrieb sie mir, dass es viel Arbeit sei, ein Buch zu schreiben. Manche würden scheitern, da sie nicht genügend Durchhaltevermögen haben.

Frau Webers E-Mail hat mich sehr gefreut. Zunächst habe ich einer Bekannten, Frau Frauke, die ich oft besuche, von meiner Idee und der E-Mail erzählt. Sie fand meine Überlegungen gut und ermutigte mich.

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Zuallererst musste ich recherchieren. Meine Mutter sollte von meiner Idee nichts wissen. Es sollte eine Überraschung werden. Aber ich brauchte von ihr Informationen aus meiner frühen Kindheit, an die ich mich nicht mehr erinnere. Was meine Mutter mir erzählte, machte mich traurig. Viele Fragen über meine Familie und die Beziehung zu meinem Vater tauchten auf, die ich nicht beantworten konnte.

Früher habe ich über mein bisheriges Leben nicht nachgedacht. Jetzt, wo ich einiges erfahren hatte, berührte es mich so sehr, dass ich depressiv wurde. Meine Hausärztin verschrieb mir stimmungsaufhellende Medikamente. Ich konnte in dieser Zeit meine Kindheitsgeschichte nicht aufschreiben.

So begann ich, zunächst über meine Ankunft im Village zu schreiben. Manchmal war ich drei- oder viermal in der Woche bei Frau Frauke. Sie half mir, die richtigen Worte zu finden, und verbesserte die Sätze, wenn mir Fehler unterliefen. An manchen Tagen arbeiteten wir bis zu fünf Stunden zusammen.

Als das Kapitel „Village“ endlich fertig war, schickte ich es mit einer E-Mail an Frau Weber. Ich wartete gespannt auf ihre Reaktion. Schon bald kam die Rückmeldung, dass sie meine Geschichte sehr berührt habe. Sie gab grünes Licht, weiter zu schreiben.

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Und so ist dieses Buch, das du gerade in Händen hältst, nach fast einem Jahr Arbeit entstanden. Ich würde mich sehr freuen, wenn dir mein Buch gefällt und es dich berührt.

Du kannst mich bei Fragen gerne über meine E-Mail-Adresse [email protected] anschreiben. Ich werde dann so schnell wie möglich darauf antworten.

2

MEINE FAMILIE IN SYRIEN

Was ich hier über meine Familie berichte, weiß ich nur aus Erzählungen meiner Mutter, denn ich bin als sechstes und letztes Kind in meine Familie geboren worden.

Meine Mutter konnte die Schule nur sechs Jahre lang besuchen. Mit 15 Jahren machte sie eine Ausbildung zur Schneiderin.

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Die Ehen in Syrien werden in der Regel von den Eltern arrangiert. So war es auch bei meinen Eltern.

Meine Oma väterlicherseits besuchte eine Familie, um deren bildhübsche Tochter kennenzulernen. Sofort vereinbarten sie einen Termin, an dem mein Vater diese schöne junge Frau ebenfalls kennenlernen sollte. Die beiden trafen sich und fanden Gefallen aneinander. Meinem Vater war bei dieser Begegnung gleich klar, dass er diese Frau heiraten würde. Das teilte er auch den Eltern meiner Mutter mit.

„Dieser Mann möchte dich gerne heiraten. Bist du damit einverstanden?“, fragten ihre Eltern sie dann.

Sie war sofort begeistert. Doch bevor die Eltern ihr Einverständnis gaben, wollten sie genau wissen, ob der Mann auch gut zu ihrer Tochter sein wird und ob er eine Familie ernähren kann. So erkundigten sie sich bei Freunden, Kollegen und Nachbarn. Erst danach waren sie sicher, dass mein Vater ein guter Ehemann werden würde. Nach einer Verlobungszeit von sieben Monaten konnten die Vorbereitungen für ein prächtiges Hochzeitsfest beginnen.

Bei der Hochzeit war meine Mutter 18 Jahre alt, mein Vater 26.

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Zunächst wohnte das glückliche junge Paar bei den Eltern meines Vaters in Duma. In diesem Haus wohnten außerdem noch vier Brüder und zwei Schwestern meines Vaters, die ebenfalls verheiratet waren. Meine Mutter war bei allen sehr beliebt.

Die Mahlzeiten wurden gemeinsam eingenommen. Oftmals saßen mehr als 20 Personen in der Großfamilie zusammen. Hier herrschte immer eine gute Stimmung. Meine Eltern bekamen kurz nacheinander zwei Töchter, Huda und Sara. Allerdings war meine Großmutter ein bischen enttäuscht darüber, dass ihr ältester Sohn noch keinen Jungen bekommen hatte. Bald darauf war meine Mutter wieder schwanger und meine Großmutter befürchtete, dass es erneut ein Mädchen wird.

„Ich rate euch, das Kind abtreiben zu lassen“, sagte sie.

„Nein, das kommt überhaupt nicht infrage!“, rief meine Mutter erschrocken. „Ich will mein Kind zur Welt bringen, egal ob es ein Junge oder ein Mädchen ist.“

Meine Mutter brachte tatsächlich einen Jungen zur Welt, der Omar genannt wurde. Leider wurde er zu früh geboren. Nach wenigen Tagen bekam er Atemprobleme. Mein Onkel brachte Omar ins Krankenhaus, wo er jedoch kurze Zeit später starb. Meine Eltern waren sehr traurig. Mein Vater hatte sich so sehr einen Sohn gewünscht.

Drei Jahre später wurde meine Schwester Lana geboren. Wieder mischte sich meine Großmutter ein. Sie sagte zu meinem Vater: „Deine Frau wird weiterhin nur Mädchen bekommen können. Das liegt in ihrer Familie. Ihre Mutter hat acht Mädchen und nur zwei Jungen geboren. Kannst du ihr nicht etwas besorgen, damit du endlich einen Sohn bekommst?“ Mein Vater wusste nichts zu antworten. Meine Großmutter war leider wenig aufgeklärt.

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Mein Vater war zu der Zeit ein erfolgreicher Kaufmann und verdiente sehr gut.

Nachdem meine drei Schwestern geboren waren, wurde es bei den Großeltern zu eng und mein Vater kaufte eine Wohnung für die Familie. Diese war sehr schön mit einem großen Garten.

Bald darauf brachte meine Mutter endlich den ersehnten Sohn zur Welt – Khaled-Omar, zur Erinnerung an das verstorbene Baby. Elf Jahre waren meine Eltern nun miteinander glücklich verheiratet.

3

EINE NEUE FAMILIE

Leider hielt das Glück meiner Eltern nicht lange.

Während meine Mutter mit Khaled-Omar schwanger war, tauchte plötzlich eine Frau in unserer Familie auf, die offensichtlich an meinem Vater interessiert war.

Mein Vater machte mit meiner Mutter und meinen anderen Geschwistern an jedem Wochenende Ausflüge. An einem erzählte er meiner Mutter, dass er eine Familie kennt, die sie demnächst einmal besuchen sollten. Meine Mutter hatte keine Ahnung, dass mein Vater mit dem Gedanken spielte, sich eine zweite Frau aus dieser Familie zu nehmen.

Danach begann mein Vater, Scherze zu machen: „Ich will wieder heiraten!“, sagte er. Am Anfang hat er das nicht ernst gemeint. Doch dann schwärmte er immer häufiger von dieser Frau, die sie vor Kurzem besucht hatten. In der folgenden Zeit klingelte immer wieder das Telefon. Wenn meine Mutter den Hörer abnahm, meldete sich niemand. Meiner Mutter kam das komisch vor. Und allmählich wurde sie misstrauisch und fragte meinen Vater:

„Meinst du, das ist die Frau, die wir vor Kurzem besucht haben?“

Mein Vater wies es weit von sich und antwortete: „Samira würde so etwas nie tun.“

Aber es dauerte nicht lange, bis mein Vater sich offenbarte.

„Ich habe mich entschlossen, Samira zu heiraten “, sagte er.

Meine Mutter war total schockiert.

„Was habe ich getan, dass du mir das antust?“, schrie sie. „Wenn du das machst, werde ich dich verlassen, das schwöre ich dir.“ Als mein Vater das hörte, wurde er sehr zornig. Dann stand er auf, verließ die Wohnung und ließ sich ein paar Tage nicht sehen. Meine Mutter blieb verzweifelt zurück, denn in Wirklichkeit hatte sie nicht die Absicht, meinen Vater zu verlassen. Sie wollte nicht, dass die Kinder darunter leiden. In der folgenden Zeit versuchte mein Vater alles, um Samira vor meiner Mutter positiv darzustellen.

„Samira ist sehr gebildet und kann unseren vier Kindern bei den Hausaufgaben helfen“, behauptete er.

Das war natürlich nur ein Scheinargument. In Wirklichkeit waren mein Vater und Samira längst ineinander verliebt. Um meine Mutter zu versöhnen, versprach mein Vater, beide Frauen glücklich zu machen. Aber meine Mutter glaubte ihm nicht. Sie ahnte gleich, dass es ab jetzt zu vielen Schwierigkeiten kommen würde.

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Im Islam ist es unter bestimmten und strengen Umständen erlaubt, eine zweite Frau zu heiraten. Es kommt aber nicht sehr oft vor. Normalerweise muss der Mann seine erste Frau fragen, ob sie einverstanden ist. Manche Männer haben Erfolg damit und machen beide Frauen glücklich, manche leider nicht und das traf auf meinen Vater zu. Die Familie meines Vaters war mit der zweiten Ehe auch überhaupt nicht einverstanden. Sie