aussteiger und meerjungfrauen - armin eisenring - E-Book

aussteiger und meerjungfrauen E-Book

Armin Eisenring

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Beschreibung

das buch beinhaltet das leben auf einer kleinen bananeninsel von residenten und einheimischen, sowie die eindrücke, gefühle und träume des autors, der immer wieder monatelange aufenthalte auf seiner geliebten insel verbrachte.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
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Seitenzahl: 240

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Armin Eisenring

Aussteiger und Meerjungfrauen

Eine kleine Bananeninsel im atlantischen Ozean bringt unglaubliche Geschichten und phantastische Träume hervor, die auch dein Leben verändern könnten!

Der Outdoor

Armin Eisenring

geboren 28.04.1947

in St. Gallen

Inhaber Z-Records GmbH, St. Gallen

Zweite Buchveröffentlichung

Armin Eisenring

Aussteiger und

Inspiriert von:

Sonne, Sand, Meer, Wind Pink Floyd, Sigór Ros, Lorenna Mc Kennitt, Snadam Kaur Aussteiger Meer-Jung-Frauen

Textumsetzung:

Lea Hotz

Gestaltung:

Thomas Schoch Armin Eisenring

Lektorat:

Walo C. Ilg

Verlag:

Verlagsgenossenschaftrl Balderstrasse 13 CH - 3007 Berninfo@verlagsgenossenschaftrl.chwww.verlagsgenossenschaftrl.ch

Outdoor:

Armin Eisenring

Titel:

Aussteiger und Meerjungfrauen

ISBN:

978-3-9523639-4-2

© Armin Eisenring 2012

Inhaltsverzeichnis

Die Reise

Der Müssiggang

Die Befreiung

Der Mythos von der Playa des Inglès

Viel Licht aber auch Schatten

Die Meerjungfrauen

Die Träume von den Meerjungfrauen

Das Leben geht weiter

Ein Millionär als Aussteiger und Visionär

Club der Meerjungfrauen

Ayurveda + Yoga + Meerjungfrau

Die Meeresbucht der Vegetarier

Der Zweikulturkreis auf Gomera

Castillo del Mar

Panoramafestival

La Luna Kulturfestival Vallé Gran Rey

Die Ruhe nach dem Sturm

Die Rückkehr der Königin

Die Wanderer

Der letzte Anker

Reinhard und Paul

Die letzten Tage auf Sodom und Gomera

Die Reise

An einem kalten und tristen Tag im Januar war es für Mike und Susie wieder an der Zeit, ihre Koffer zu packen, um für eine längere Periode auf ihre Trauminsel zu reisen. Zum x-ten Mal schlugen sie dem kalten und zu langen Winter ein Schnippchen, denn die kurzen, kalten und öden Tage drückten beiden langsam aufs Gemüt. Die Sehnsucht nach Sonne und Wärme war wie jedes Jahr zu stark, um noch länger hier zu bleiben. Den eigenen Musicstore überliess Mike in seiner Abwesenheit seinem Sohn. Dieser wohnte dann in der Wohnung von Mike und Susie, um sich um die vier Katzen zu kümmern und die vielen Pflanzen mit Wasser zu versorgen.

Das Reisefieber hatte in den letzten Tagen kontinuierlich zugenommen. Jetzt, einen Tag vor der Abreise, spürten die beiden dieses gewisse Kribbeln im Bauch und die Freude, am nächsten Tag den Winter zurückzulassen, war riesengross. Obwohl es nicht der erste Trip auf die Insel war, ein kleines Abenteuer war die Reise allemal, und die Spannung auf die Erlebnisse und Geschichten, die sich jeweils dort abspielten, war immer gross. Mike hatte wieder ein Doppelzimmer in der „Villa Aurora“ reserviert. Es war eines der sechs Zimmer in einer alten, spanischen Finka mit einem wunderschönen Innenhof, in der Mitte ein alter, verschnörkelter Brunnen, umgeben von allerlei Grünpflanzen, rundherum ein Säulengang mit einem wunderbaren Kachelboden bestückt. Das Haus liegt in Mitten einer Bananenplantage, von zahlreichen Zitronen-, Orangen- und Avocadobäumen umgeben. Eine grosse Dachterrasse lädt zum Entspannen ein. Über die Baumfelder hat man einen phantastischen Meerblick. Vereinzelt sieht man sogar Dattelpalmen. Der Ort ist einfach hervorragend geeignet zum chillen, kiffen und abheben. In der grosszügigen Gartenanlage stehen noch ein paar neugebaute Appartements und da liegt auch der kleine Pool, wo man relaxen und auf den bereitgestellten Liegestühlen träumen kann. Die sechs Zimmer sind meist mit deutschen Alternativurlaubern belegt. Ob alleinstehende junge Mütter mit Kindern, Musiker, Künstler oder Freaks, die Gäste sind kunterbunt gemischt. Die Begegnungen und das Kennenlernen sind immer höchst interessant, und nach ein paar Tagen fühlt man sich wie in einer grossen Familie.

Mike und Susie hatten hier im Vallé schon an den verschiedensten Orten gewohnt, sei es oben im Dorf oder unten an der Playa sowie auch im Hafenstädtchen Vueltas. Seit die beiden aber vor etlichen Jahren die „Villa Aurora“ entdeckten, verbrachten sie ihre Inselurlaube mit einer Ausnahme immer in der kleinen Oase.

Es war eine sehr kurze Nacht. Mike hatte ein paar Stunden geschlafen, Susie hingegen konnte kaum schlafen, Reisefieber und Nervosität waren einfach wieder einmal zu gross. Frühmorgens schnell duschen, kurz Kaffee trinken, zum letzten Mal die Katzen füttern und sich von den Vierbeinern verabschieden. Ab ging’s mit Rucksack und Rollkoffer auf den Bus zum Bahnhof, den EC auf Gleis 2 zum Flughafen besteigen, um die einstündige Bahnreise schlafend hinter sich zu bringen. Als die Zwei auf den Bus warteten, hatten sie noch das letzte Mal gefröstelt an diesem kalten und grauen Januarmorgen, doch jetzt träumten sie im gut geheizten Zugwagon vor sich hin, Kälte und Alltagspflichten hinter sich lassend, im Wissen, die Wärme, das Meer und ihre Insel in etwa zwölf Stunden erreicht zu haben. Nachdem sie das Einchecken der Koffer sowie Pass- und Handgepäckkontrolle ohne Probleme hinter sich gebracht hatten, sassen die beiden endlich im Flugzeug, das langsam zur Startpiste rollte, um nach einigen Minuten abzuheben. Nach viereinhalb Stunden Flug, einem mittelmässigen Essen und ein wenig Schlaf, setzte der Airbus 320 von Air Berlin auf der Landepiste der grossen Nachbarinsel ihrer Insel auf. Bald schon sassen Mike und Susie im Autobus Linie 487 nach Puerto Los Christianos, um dort die Fähre zu ihrer Insel zu nehmen. Es war noch genügend Weile vorhanden, um nach der Ankunft des Autobusses die Tickets für den Garajonay-Express zu besorgen. So hiess die kleine Fähre, welche mit zwei Overstopps direkt in den Zielhafen von Mike und Susie schipperte. Die Zeit reichte sogar noch aus, um auf der Terrasse des Hafengebäudes einen Kaffee mit Donut zu geniessen und den Körper von der spanischen Sonne wärmen zu lassen.

Wie viele Male Susie und ich schon auf dieser Terrasse sassen und auf die Fähre warteten, wusste ich nicht mehr so genau, aber dass es die letzte Station war, bevor wir in eine andere Welt mit einem von uns bevorzugten Leben tauchten, das wussten und spürten wir ganz fest. Meine Blicke schweiften über den Hafen mit den vielen kleinen Fischerbooten, dann schaute ich auf die schnöden Betonhäuser, die sich um das Hafenbecken aneinanderreihten, weiter auf die vielen Ferienanlagen, die sich an den umliegenden Hügeln wie grosse Hühnerställe aneinander reihten und dachte mir dabei, nicht mal einen Tag möchte ich hier bleiben. Dann erinnerte ich mich wieder an das Jahr zuvor, als ich mit meinem Freund Andy am selben Tisch auf dieser „Terrassa“ sass und mir Björk entgegen schaute. Ja, sie war es wirklich: Björk, der Popstar aus Island. Ich hatte sie damals als Einziger sofort erkannt. Sie unterhielt sich mit ihren drei männlichen Begleitern und schaute auf mein sonnenbebrilltes Gesicht. Ich wiederum schaute durch meine Sonnenbrille direkt in ihre Augen, wobei ich mir überlegte, sie anzusprechen. Als die drei Männer aufstanden, um neue Getränke zu holen, nutzte ich die Gelegenheit, begab mich an ihren Tisch und fragte sie höflich, ob sie Björk sei und mir eine Karte unterschreiben könne. Sie entgegnete mir „I’m not Björk“. Ich erwiderte, auch wenn du nicht Björk bist, gib mir doch bitte trotzdem ein Autogramm. Sie schlug meine Bitte aus und schaute mich komisch an, aus ihrem Blick entnahm ich so was wie „Lass mich bitte in Ruhe!“. In diesem Moment kamen ihre drei Begleiter mit den Getränken zurück. Ich begab mich wieder an unseren Tisch und dachte mir dabei, dann halt nicht. Ein paar Tage später begegnete ich Björk nochmals im Vallé am Babybeach. Ich beliess es bei einem Hallo, hatte auch keinen Bock mehr, mit ihr zu sprechen. Ihre Musik hatte mich bis anhin sowieso nicht sonderlich berührt, doch von dem Tag an, als ich ihr auf der Terrasse begegnet war, hatte ich mir keine ihrer Platten mehr angehört. Nicht, dass ich ihre Platten schlecht fand, im Gegenteil. Ihre Werke waren ganz besonders, sehr persönlich und ausdrucksstark, aber eben zu abstrakt und individuell, so dass ich nie richtig Zugang fand zu Björks Sound. Doch die Persönlichkeit, die dahinter steckte, die hätte mich stark interessiert. Schon ihr Gesicht und ihre Schlitzaugen hatten etwas Mystisches und Aussergewöhnliches an sich, es war, als ob sich durch sie die Geheimnisse und Sagen Islands aus ihrer Seele reflektierten. Da sie über CDs und DVDs einen Teil ihrer Gefühle und Geschichten freigibt, ist ihre Zurückhaltung gegenüber mir und allen anderen fremden Personen verständlich. Sonst würde sie wahrscheinlich überall mit Fragen gelöchert und mit unzähligen Gesprächen konfrontiert werden. Nun, Björk und ihre Gefährten verliessen bald die Terrasse, um auf die Fred-Olsen-Fähre zu gelangen, welche sie nach San Sebastian de la Gomera fahren würde.

Ein Jahr später besteigen Susie und ich die kleine Fähre, und bald schon glitten wir über die Wellen auf das weite Meer hinaus, um der hektischen Konsumwelt zu entfliehen. Alsbald sank Susie in den Schlaf, während ich meine Kopfhörer überstülpte und mit der wunderschönen Stimme von Lorena McKennitt im Ohr über die glitzernden Schaumkronen in die unendliche Weite des Meeres schaute und vor mich hin träumte. Ich liebte diese Überfahrt jedes Mal aufs Neue, es war ein Gefühl der Rückkehr zu meinem Ursprung, zurück zu den Naturelementen der Schöpfung. Die letzten Sonnenstrahlen glitzerten auf den Schaumkronen der Wellen, der Himmel hatte sich unterdessen fast schon blutrot gefärbt, und die Meeresoberfläche schien immer dunkler zu werden. Die Trennlinie am Horizont zwischen Himmel und Wasser wurde stetig schärfer, bis sich kurze Zeit später das Meer und der Nachthimmel vereinten und die ersten Lichter unserer Trauminsel sichtbar wurden. Eine laute spanische Frauenstimme drang bis durch meine Kopfhörer und kündigte die baldige Ankunft in San Sebastian an. Die Schiffsmotoren wurden gedrosselt und auf den kleinen Bildschirmen im Passagierraum flimmerten die letzten Bilder eines Unterwasserfilms. Susie erwachte aus ihrem Dösschlaf und die Passagiere, die in San Sebastian das Schiff verliessen, machten sich daran, ihre Sachen zu packen und ihre Sitze zu verlassen.

Nachdem die meisten Reisenden hier in San Sebastian ausgestiegen und einige wenige Passagiere neu an Bord gekommen waren, legte die Fähre ab und nahm Kurs auf Santiago. Wir fuhren die felsige Küste entlang, die sich wie ein schwarzes Band dahinzog und vereinzelt durch ein paar Lichter von kleinen Buden unterbrochen wurde. Susie war bereits wieder eingeschlafen und ich träumte weiter mit offenen Augen vor mich hin. Dabei fragte ich mich, was jetzt wohl all die Millionen Lebewesen im Ozean trieben, und ob vielleicht sogar geheimnisvolle Wesen wie Meerjungfrauen sich unter der Wasseroberfläche tummelten. Halbwach liess ich meinen Gedanken freien Lauf und erfand phantastische Geschichten, die in der Tiefe des Ozeans spielten, dabei entging mir sogar der Zwischenhalt unserer Fähre in Santiago. Erneut riss mich eine Lautsprecheransage mit der Verkündung der Ankunft im Vallé Gran Rey aus meinen Tagträumen, und mir wurde bewusst, wir sind gleich am Ziel. Mein Blick durch das trübe Schiffsfenster liess die Lichtgirlanden der Finka Ayurgall, welche am Ende der riesigen, dunkeln, steilen Felswand lag, erkennen. Die Fähre legte sanft in der Hafenmole an. Wir zogen unsere Rollkoffer über den Schiffssteg, glücklich und müde setzten wir unsere Füsse auf festen Grund. So standen wir also da, rauchten unsere erste Zigarette auf Gomera mit dem klaren Sternenhimmel über uns. Tief atmeten wir die laue Meeresluft ein, während wir die Brandung an das Ufer rollen hörten. Die kleinen Fischerboote im Hafen schaukelten vor sich hin, wir waren zu Hause angekommen.

Der Müssiggang

Eigentlich fühlst du dich ziemlich geschafft und müde von der langen Reise. Doch weil du endlich am Ziel bist und dich diese kraftvolle und eigenartige Atmosphäre in ihren Bann zieht, bist du innerlich aufgedreht. Nach einer Weile setzten wir uns in Bewegung, zogen unsere Rollkoffer durch die engen Gassen Vueltas, passierten den Club del Mar von Claudio und landeten oben am Hügel im Café der anderen Art, kurz „Bistro“ genannt, wo wir uns für einen „Café con Leche“ setzten. Kaum da und schon begrüssten und die ersten Freunde und Freundinnen aus Gomera. Sie fielen uns um den Hals, umarmten uns und deckten uns gleich mit den ersten Inselgeschichten ein oder löcherten uns mit allerlei Fragen. Die Freude des Wiedersehens war beiderseits sehr gross. Wir waren noch aufgedrehter und glücklicher. Bis fast um Mitternacht plauderten, scherzten und lachten wir zusammen und immer wieder tauchte ein uns wohlbekanntes Gesicht auf, um uns in Vueltas willkommen zu heissen. Als sich unsere Bekannten nach und nach verabschiedeten und die Gespräche ein Ende nahmen, kam die Müdigkeit in uns hoch und wir sehnten uns nach Schlaf. Also brachen wir auf, rollten unser Gepäck die letzten paar hundert Meter bis zur „Villa Aurora“ und bezogen unser Zimmer. Mit letzter Kraft kramten wir das Nötigste aus dem Koffer, putzten die Zähne und fielen innert Minuten in einen tiefen, langen Schlaf.

Am nächsten Morgen, als ich das erste Mal erwachte, hörte ich verschiedene Kinderstimmen. Im Halbschlaf glaubte ich zu träumen, kehrte mich auf die Seite und schlief wieder ein. Nach einer guten Stunde erwachte ich ein zweites Mal, hörte wieder diese Stimmen der Kinder, jetzt war ich richtig wach und merkte, ich bin in der Villa, es ist Morgen und ich höre die Kinder der Mitbewohner. Ich raffte mich auf, um in die Gemeinschaftsküche zu gehen und Kaffee zu kochen und unser Frühstücksmüsli vorzubereiten. Es herrscht schon ziemlicher Betrieb in der Küche. Die einen hatten schon ihre Aluminiumkaffeekrüge auf dem Gasherd platziert, die anderen brauchten bereits ihr Frühstücksgeschirr in die Küche zurück. Einige stellten sich mit Namen und Händedruck vor, andere begrüssten mich mit einem „Buenos Dias“, und so war man schon mitten drin. Fast alle kamen aus den verschiedensten Ecken von Deutschland, und nach ein paar Wortwechseln war für alle klar, ich komme aus der Schweiz. Ein paar Mütter sassen mit ihren Kindern an einem Tisch und diskutierten, lachten oder strahlten einfach. Es herrschte eine lockere Urlaubsstimmung. Ich platzierte mein Geschirr auf dem einzigen freien Tisch neben der Küche, ging zurück zu unserem Zimmer, um Susie ganz sanft wach zu küssen. Alsdann sassen Susie und ich zusammen am gedeckten Tisch, um unser erstes Frühstück auf Gomera so richtig zu geniessen. Es dauerte nicht lange, da erreichten uns die ersten Sonnenstrahlen und es wurde richtig warm. Wir sassen noch eine Weile am Tisch, genossen die immer wärmer werdende Sonne, bis es uns zu heiss wurde. Dann räumten wir das Geschirr weg, machten den Abwasch und kehrten in unser Zimmer zurück. Wir packten unsere Koffer aus, verstauten unsere Sachen im Schrank und der Kommode und nach der Morgentoilette waren wir bereit für den ersten Tag auf Gomera. Ob ich zu zweit oder alleine in der „Villa Aurora“ wohne, nach dem Frühstück und nach der Morgentoilette folgt ein kleines Ritual, auf das ich nur im äussersten Notfall verzichte. Ich stieg mit einem Glas Coca Cola, dem obligaten Zitronenschnitz sowie meinem Tabaksbeutel und den Zigarettenblättchen auf die Dachterrasse und setzte mich an den kleinen runden Tisch, der ganz vorne stand. Dieser Ausblick über die Bananenfelder und auf das offene Meer ist jeden Tag eine Offenbarung, einfach phantastisch und sehr inspirierend. Minutenlang liess ich meinen Blick über das Tal und das Meer schweifen. Geradeaus die klaren Konturen der Insel El Hierro, rechts weiter weg die langgezogene Insel La Palma, erhellt durch das Licht der Sonne. Du wirst ganz ruhig, besinnlich und völlig entspannt. Ich höre die Wellen an das langgezogene Ufer schwappen, die Luft ist erfüllt von Vogelgesang und den Düften von Zitronen-, Orangen- und Mandelblüten. Nach einem kleinen Joint wird alles noch intensiver, noch berauschender und farbiger, ich befinde mich im Schwebezustand. Langsam beginne ich, meine Tagesration Zigaretten zu drehen. Irgendwann kommt Susie auf die Dachterrasse, setzt sich zu mir an den Tisch und gemeinsam geniessen wir die traumhafte Atmosphäre.

Nach einer Weile entschliessen wir uns, einen ersten Besuch im Dorf zu machen und beim Cafe Esmeralda reinzuschauen. Wir schlendern ganz gemütlich Hand in Hand die Strasse entlang, vorbei an kleinen Läden, am Kinderspielplatz, wo die spanischen Mütter schwatzend auf der kleinen Mauer sitzen und ihren Kindern beim Spielen zuschauen. Immer wieder werden wir von starken Düften, die von verschiedenen Bäumen, die in Blüte stehen, betört und überrascht – und das alles mitten im Januar. Wir sind jetzt am Dorfeingang angelangt und stehen vor dem Ökotourladen, der von einer langjährigen Freundin aus der Schweiz und ihrem deutschen Freund geführt wird. Ich werfe einen Blick durch die offene Tür und sehe, da sitzt sie auf ihrem Stuhl, Gitarre spielend, wie meistens, wenn ich im Laden vorbeischaue. Wir treten ein, Moni schaut uns strahlend an, kommt auf uns zu, umarmt und küsst uns und freut sich riesig, dass wir wieder da sind. Wir erzählen uns gegenseitig, was so alles passiert ist in der Zwischenzeit. Sie ist sehr gesprächig. Fast euphorisch erzählt sie von der wunderbaren und sehr ruhigen Zeit, als keine Touristen im Dorf waren, von ihren Konzerten, die sie gespielt hat, als eben viele Urlauber im Vallé waren, von einer CD, die sie in der Schweiz produziert und die bald auf den Markt kommen würde. Sie ist wie immer sehr aufgestellt und ihre Ausstrahlung phphantastisch. Wir verabschieden uns auf bald und schlendern durch die Gasse, die uns zum Café Esmeralda führt. Wir passieren all die kleinen Geschäfte, ab und zu bleiben wir an einem kleinen Shop stehen, betrachten die Auslagen, halten einen kurzen Schwatz mit den Ladenbesitzern, welche wir kennen und erreichen alsbald das Café. Und da sitzen sie schon, zwei unserer besten Freunde, Peewee und Helga, die schon seit Jahren auf Gomera leben. Es folgt die herzliche Umarmungsbegrüssung und schon tauschen wir die letzten Neuigkeiten aus. Das Café ist schon vollbesetzt mit allerlei Leuten. An der Bar hängen die älteren spanischen und italienischen Stammkunden, Lorenzo, der Besitzer, ein ausgewanderter Italiener, begrüsst uns enthusiastisch und spendiert uns gleich zwei feine Cappucinos. Der Raum ist erfüllt von einem Sprachengemisch, Spanisch, Englisch, Deutsch, Italienisch, dazwischen das Zischen der Kaffeemaschine und das Geratters des Mixers für Fruchtsäfte. Aus den Lautsprechern ertönt die Musik von Jethro Tull, ein Geist der Heiligkeit liegt in der Luft, denn irgendwie scheinen sich alle zu verstehen. Die Eingangsglastüren sind auf die Seiten geklappt, unser Tisch steht direkt links ganz vorne, du hast das Gefühl, draussen zu sitzen, obwohl du noch drinnen bist. Die Sonne scheint schräg in das Lokal und heizt ganz schön ein, unser Tisch steht im Schatten, was sehr angenehm ist. Auf der Gasse tummeln sich ein paar Touristen, kleinere Hunde tollen spielend herum, auf der gegenüberliegenden Seite sind die zwei kleinen, schmucken Shops geöffnet, bunte Tücher hängen draussen, bewegen sich im Wind, in den Körben liegen allerlei Souvenirs zum Kauf bereit. Nach einer Weile fordert mich Peewee zum ersten Schachspiel auf. Ich hole mein mitgebrachtes Schachbrett und die Figuren aus meinem Rucksack und ich weiss, es wird schwer werden, gegen den mehrmaligen Gomeraschachmeister zu bestehen. Dieses Ritual wiederholt sich fast täglich am Mittag im Esmeralda, solange ich im Vallé Gran Rey bin. Meistens trete ich die Heimreise mit einer negativen Bilanz an, doch zweimal schaffte ich ein ausgeglichenes Resultat, was meiner Spielerseele natürlich richtig gut tat. Gegen den Rest der schachspielenden Residenten auf Gomera weise ich mehr Siege denn Niederlangen aus, was mich sozusagen zum Gomeravizemeister macht. Doch weit wertvoller als die Siege sind die persönlichen Begegnungen, der Spass am Spiel, die Spannung und der Lerneffekt aus all meinen Schachspielen hier auf Gomera oder sonstwo auf dieser Welt. Während ich in unsere komplexen Schachstellungen versunken war, hatte sich Susie von mir fast unbemerkt verabschiedet, um noch einen kleinen Bummel durch das Dorf zu machen und später in die Villa Aurora zurückzugehen; so viel blieb in meinem Kopf hängen, ob all meiner Konzentration für das Spiel. Nach zwei intensiv geführten Spielen, zwei Cappuccinos, einem Croissant, einem frischen O-Saft und einem Bitter Lemon verliessen wir das Café, Peewee nahm den 2-Uhr-Bus nach Retamal, wo er wohnte. Ich schlenderte dem Meer entlang zurück Richtung Villa Aurora, wo Susie auf mich wartete. Mein letztes Wegstück führte an der Schule vorbei, wo in diesem Augenblick massenhaft Kids aus dem Schulhaus strömten. Die fröhliche und etwas aufgekratzte Schar erfüllte die Luft mit spanischen Wortfetzen und viel Gelächter und Gekicher und am Eingang warteten die Mütter auf ihre Kleinen. Ich bin am Eingang der Villa angekommen, der Lärmpegel hat sich gesenkt, durch den Vorgarten erreiche ich den Innenhof. Eine entspannte Atmosphäre und eine wohltuende Ruhe empfangen mich, ich setze mich an einen der Tische und höre nur noch das Zwitschern der Vögel. Ich werfe einen Blick in unser Zimmer um zu sehen, ob Susie vielleicht da ist. Tatsächlich liegt sie im Bett und schläft, es ist Siestazeit. Ein laues Lüftchen weht durch unser warmes Zimmer, die Sonne schickt ein paar Strahlen durch den Raum und setzt verschiedene Lichtmuster an die gegenüberliegende Wand. Die Zeit scheint stillzustehen, sogar der Müssiggang macht Pause.

Ich legte mich neben sie auf das Bett, um in dieser göttlichen Stille zu verweilen. Ihre regelmässigen Atemzüge und ein paar unverständliche Laute aus ihrem Mund legen ein meditatives Rhythmusmuster ins Zimmer. Das wiederum versetzt auch mich in den Schlaf, bis wir mitten am Nachmittag zusammen wach werden. Diese wohlwollende Müdigkeit ist wohl der langen Reise und dem warmen Klima zu verdanken. Susie erzählt mir, dass sie in einen tiefen und wunderschönen Traum gefallen ist, in welchem sie ins Meer zu den Delfinen hinaus schwamm. Die Meeressäuger spielten mit ihr, stupsten sie leicht an und stiessen Schreie aus, die denen von freudigen Kindern glichen. Dann verwandelten sie sich für einige Augenblicke in wunderschöne Meerjungfrauen und bildeten einen Kreis um Susie herum und blickten sie ganz sanftmütig an. Sie gaben ihr zu verstehen, dass sie mit ihnen in die Tiefen des Ozeans tauchen solle, damit sie ihr die Unterwasserwelt zeigen konnten. Als dann die Delfine abtauchten, wollte auch Susie in das blaue Wasser eindringen, doch in diesem Moment erwachte sie aus ihrem Traum.

Mike fand den Traum wunderschön und sofort erinnerte er sich an seine wirkliche Begegnung mit Delfinen im Meer, die sich vor ca. 10 Jahren auf seinem USA-Trip am Venicebeach in Los Angeles abgespielt hatte. Meine gute Freundin Isabelle und ich waren soeben von San Francisco her hier in LA angekommen und hatten bei meinem Freund Over in seinem wunderschönen Haus richtig gut und lange geschlafen. Am darauffolgenden Nachmittag sind wir dann zusammen mit unserem gemieteten Ford Mustang ans Meer gefahren. Wir flanierten an der Promenade der Venicebeach auf und ab und setzten uns nach einer Weile vorne an den Strand, zogen unsere Badehosen an uns suhlten uns in den warmen Strahlen der tiefstehenden Sonne. Ich schaute den sanften Wellen zu, welche am flachen Sandstrand ausuferten und es reizte mich, ins Meer zu gehen. Isabelle träumte auf ihrem Badetuch vor sich hin, ich stand auf und schlenderte langsam zum Wasser. Schritt um Schritt watete ich ins Meer hinaus, bis mir das Wasser bis zum Hals stand. Ich schwamm ein Stück weiter hinaus und legte mich auf das Wasser. Plötzlich tauchten im Abstand von ca. 10 Metern ein paar schwarze Flossen auf. Mein Herz stand still, ich erstarrte und dachte sofort an Haie. Es verging eine gefühlte Ewigkeit, bis dann endlich das Gesicht eines Delfins aus dem Meer auftauchte und mein Herz wieder zu schlagen begann. Es war wirklich genau wie in Susies Traum, die Delfine stupsten mich an, lachten und spielten mit mir. In Meerjungfrauen verwandelten sie sich leider nicht.

Wir machten uns auf in die Küche, um einen gemischten Salat mit Avocados zuzubereiten. Mit ein paar Stücken Brot und dem Salta schlendern wir genüsslich in die schattige Laube, um unseren kleinen Lunch zu geniessen. Wir sitzen am langen Holztisch in der Laube und lauschen der Stille. Unsere Blicke schweifen immer wieder über die von uns liegenden Bananenfelder und verweilen schliesslich auf dem weiten, blauen, ruhigen Meer. Meine Gedanken stehen still, stattdessen nur dieses Bild in meinem Kopf. Ich bin da, ich bin eine Kamera mit Objektiv. So könnte es bleiben, so könnte es sein, doch dann fällt ein Wort, ein Gedanke entsteht, es war wohl wieder ein Augenblick für die Ewigkeit, ging es mir durch den Kopf. Es muss an der Anziehungskraft des Meeres liegen, die uns motiviert, einen Spaziergang am Strand entlang zu machen. Wir flanieren ganz gemütlich auf einer kleinen Strasse zwischen den Bananenfeldern Richtung Strand. Die Sonne steht schon tiefer, die Lichtverhältnisse sind phantastisch, ja fast schon magisch. Wir erreichen den Strand, stehen auf die kleine Mauer und schauen, wie die Wellen sich über den schwarzen Sand ausrollen, dabei zungenartige Schaumflächen bilden, die sich alsbald ins Nichts auflösen. Wir beide ziehen unsere Sandalen aus und setzen unsere weissen Füsse in den schwarzen Sand. Langsam schlendern wir dem Meer entlang, immer wieder den Wellenspitzen ausweichend, bis es uns doch erwischt und wir das Nass des Meeres so richtig spüren. Einige Gäste schwimmen im Meer, lassen sich von den Wellen hochschaukeln oder tauchen durch, andere liegen im warmen Sand und lassen sich von der Spätnachmittagssonne so richtig verwöhnen. Kinder bauen Sandburgen und spielen das Wellenspiel mit vorrücken und zurückweichen. Langsam erreichen wir die Promenade an der Playa, an der sich einige Cafés und kleine Shops befinden. Die Tische vor den Cafés auf der Promenade sind gut besetzt. Auf der abgrenzenden Mauer sitzen Freaks und Urlauber, die auf das Meer schauen und sich ein Bier, einen Kaffee oder ein Eis genehmigen. Einer hat seinen Silberschmuck ausgelegt, zwei andere spielen Gitarre und singen, um an ein bisschen Kleingeld zu kommen. Wir holen drinnen zwei Cafe con Leche, setzen uns anschliessend auch auf die Mauer, zünden uns eine Zigarette an und beobachten abwechselnd die Wellen und das bunte Treiben auf der Promenade. Die Sonne nähert sich immer mehr dem Horizont, alles wird langsam rötlich, das Dorf Calera dort oben am Hang wirkt wie eine Bühne, die von einem roten Scheinwerfer beleuchtet wird. Unten am Sandstrand machen sich die Trommler bereit, die ihrem fast täglichen Ritual frönen und die Sonne rhythmisch beim Versinken im Meer begleiten. Immer mehr Leute mit Bierdosen in der Hand setzen sich auf die Steine bei den inbrünstig spielenden Trommlern und geniessen die Szene. Einige tanzen ganz ekstatisch barfuss im Sand. Wir bleiben da, bis die grosse rote Kugel im Meer versunken ist, werfen ein paar Münzen in einen Strohhut, mit dem einer der trommelnden Freaks die Runde macht. Dann schlendern wir den Strand entlang zurück, entzückt und beeindruckt vom sonnengefärbten Himmel und den phphantastischen Wolkengebilden, die den Horizont zieren. Am Ende des langen Strandes besuchen wir das Restaurant Garbanza, um uns nach dem ersten Tag so richtig von arabischer Kost verwöhnen zu lassen. Wir setzen uns an einen freien Tisch mit Blick aufs Meer und auf den blutenden Abendhimmel, bestellen je ein Glas des roten Hausweins und studieren die Karte. Das orientalische Ambiente und die arabischen Klänge, die ganz sanft und dezent den Raum erfüllen, versetzen uns in eine andere Welt. Relax pur. Wir geben die Bestellung bei der äusserst freundlichen Kellnerin auf, die uns von unserem letzten Aufenthalt her sofort wieder erkannt hat. Damals kamen wir auch öfters zum Essen hier vorbei. Ein wenig später erscheint Sinan, Besitzer und Koch des Garbanza, begrüsst uns freundlich, fragt nach, ob wir vorhätten, länger zu bleiben und ob ich ihm wieder neue CDs mitgebracht hätte. Ja klar, entgegne ich ihm, ich bringe sie dir morgen vorbei, du kannst sie dir dann in Ruhe anhören. Später würden wir uns dann wegen dem Deal sicher einig. Er ging zurück in die Küche. Wir warteten sehnsüchtig auf unser Essen und bestaunten jeden fein angerichteten Teller, der den anderen Gästen serviert wurde. Bald kamen dann auch unsere Speisen. Wir genossen und schwelgten regelrecht im Essen, umgeben von einem orientalischen Hauch und einem Blick nach draussen von ungemeiner Schönheit. Die Zeit zerrann, ohne nur einmal daran zu denken. Nach dem wunderbaren Essen und drei Gläsern Vino Tinto schlich sich bei uns die Müdigkeit ein. Also beglichen wir die Rechnung, verabschiedeten uns auf bald und traten nach draussen. Es war unterdessen Nacht geworden hier auf Gomera. Wir schlenderten weiter am Meer entlang in Richtung Vueltas, über uns der Nachthimmel, übersät mit tausenden von Sternen. Die warme Luft war erfüllt von Salz und Düften und dem Grollen heranrollender Wellen. Wir beendeten den langen, gemütlichen und ereignisreichen Tag dort, wo wir ihn begonnen hatten: Mit einem Espresso im Esmeralda. Etwas später machten wir uns auf den Heimweg in die Villa, wo wir mit draussen sitzend und bei einem letzten Glas Wein Sterne guckten und den Tag ausklingen liessen. Ich drehe mir noch einen kleinen Joint und verliere mich im Sternenmeer. Ich bin total entspannt und glücklich, eine wohlige Erschöpfung erfüllt mich und genauso Susie. Plötzlich fällt eine Sternschnuppe vom Himmel, doch wir sind gerade so ausgeglichen, dass uns kein einziger Wunsch einfällt. Der Tag ist vollbracht, wir legen uns schlafen und warten gelassen auf den nächsten.

Die Befreiung