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ja,es gab sie,die zeit,als pop noch revolution bedeutete. armin eisenring alias jimi lässt in seiner biografie die wilden siebzigerjahre auferstehen.damals konnte man Pink Floyd in abtwil erleben und mit Frank Zappa kiffen.
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Seitenzahl: 297
Veröffentlichungsjahr: 2014
Armin Eisenring
Armin Eisenring
Jimi und die Evas
Retrospektive eines Roadies und Schallplattendealers
Inspiration:
Shiver, Deaf, Island, Toad, Beatles, Rolling Stones, Pink Floyd, Peter Hammill und Van der Graaf Generator, Rare Bird, Remo Four, Koobas, Deep Purple, Kinks, Black Sabbath, King Crimson, The Who, Golden Earring, Quatermass, East Of Eden, Renaissance, Tea, The Real Camouflage, Krokus, Alexis Korner, Toni Vescoli, Richie Havens, Joan Baez, Stephan Eicher, Max Lässer, Al Jarreau, Greenslade, Frank Zappa, Iron Butterfly, Inga Rumpf, H.R. Giger, Akron, Africana, alle Evas und die Z-Lehrlinge
Textumsetzung:
Maria Spirig
Gestaltung:
Roman Kellenberger
Lektorat:
Bärbel Philipp
Verlagstipp:
Manuela Garbini
Verlag:
Reinhold Liebig Sonnenhofstrasse 1 CH - 8500 [email protected], www.liebig.ch
Autor:
Armin Eisenring
Titel:
Jimi und die Evas Retrospektive eines Roadies
INHALTSVERZEICHNIS
JIMI UND DIE EVAS
DER BEGINN DER POP-REVOLUTION
JIMI, DER MANAGER IM ROCKBUSINESS!
OUT OF AFRICA
MARIHUANA ODER DIE ERSTEN RAUCHZEICHEN IN AFRIKA
BACK TO ROCK AN ROLL!
ERSTE DUNKLE WOLKEN AM LIEBESHIMMEL!
VORGESCHICHTE: LSD-TRIPS UND ÜBERGANG FÜR DIE ZEHN JAHRE ALS ROADMANAGER UND VERANSTALTER
DIE BASLER JAHRE ODER DIE GESCHICHTE VON «TOAD» UND «ISLAND»
JIMI UND DIE VISION VON EINER MUSIKALISCHEN INSEL ODER DIE ZEIT VON «ISLAND»
DIE ROCKINSEL AUF DEM LANDE
EINE EVA FÜR DAS HALBE LEBEN
DAS ERSTE OPEN AIR UND DIE JAHRE DANACH
PALEO-FESTIVAL NYON – DIE ERSTEN DREI
DER KREUZWEG ZUR «ISLAND»-LP
DAS ENDE EINER ÄRA
PLATTENLADEN UND VATERFREUDEN
EIN KÖNIG DER SCHALLPLATTEN
DAS JAHR DER NIEDERKUNFT
DIE MAGISCHE INSEL GOMERA
AM ANFANG WAR DAS Z
Z WIE ZURÜCK ZUR ZUKUNFT
BERLINER NÄCHTE
SCHMETTERLING UND LEHRLINGE
DIE GESPALTENE SEELE
MEERESREFLEKTIONEN
Africana Club.
DER BEGINN DER POP-REVOLUTION: Den Anfang machten «die Pilzköpfe» und «die rollenden Steine».
(2) Jimi war nun in seinen Laden zurückgekehrt, er widmete sich sofort den Kunden, er beantwortete die vielen Fragen über Bands und Platten, die seine Klienten ihm immer wieder stellten, verkaufte ein paar Scheiben und CDs, unter anderem die legendäre «Beatles»-CD mit dem Titel «White Album». Das war die Gruppe, mit der für Jimi und wahrscheinlich tausend anderen auf dieser Welt alles begonnen hatte, damals, als Jimi mitten in seiner Pubertät stand, als er gerade die obligaten Schuljahre hinter sich hatte und ins so genannte Erwachsenenleben wechselte und sich mit viel, viel Mühe in eine vierjährige Lehre als Werkzeugmacher verdingte.
In jener Zeit, wo er mit all den Repressalien, Schikanen und Erniedrigungen von Seiten seiner Vorgesetzten im Lehrgeschäft konfrontiert war und Jimi manchmal todmüde vom ganzen Tag in seinem Zimmer auf dem Bett lag und sein altes Röhrenradio lief, ja, da ertönte eines Abends aus dem Radio ein «Beatles»-Song: «She Loves you, yeah, yeah, yeah»!
Nun, das war der Augenblick, wo in Jimis Kopf etwas zersprang, von da an war alles anders, das war der Auslöser bei Jimi, das war nun seine Triebfeder für Freiheit, Liebe, Träume, Revolution und Abenteuer!
Schon in seinem ersten Lehrjahr verkehrte Jimi ab und zu in der Szene der Stadt, wenn er durch gute Vorwände von zu Hause wegbleiben konnte. Der beliebteste Treff der Teenager war das «Café Kranich», das in einer Seitengasse lag. Da gab es eine Musikbox, in der auch die Singles der «Beatles» sowie Jimis damaliger Lieblingshit von den «Rolling Stones», «The last Time», enthalten waren. Ab und zu hörte man das Gerücht, dass das Café bald einmal geschlossen würde, was die vielen jungen Gäste ziemlich traurig stimmte! Doch wurde die Laune der Teenager wieder viel besser, da die Nachricht von der Eröffnung eines richtigen Music-Clubs am selben Ort die Runde machte!
Africana Club.
Ende März 1965 war es endlich so weit, der «Music-Club» öffnete seine Pforten und als erste Band spielte für drei aufeinander folgende Tage, «Les Sauterelles» live im «Aff», die bekannteste und beste Beatband im ganzen Lande. Jimi war natürlich von der ersten Sekunde an voll dabei und verpasste nicht einen Ton der Band. Dieses Wochenende hatte es in sich und davon war Jimi so begeistert, ja, nicht nur er, sondern alle Musik-Fans. Die Begeisterung über die Öffnung dieses Beat-Clubs in der Stadt kannte fast keine Grenzen! Dieser fantastische Club und alles, was sich in ihm und rund um ihn abspielte und dort wirklich passierte, prägte nicht nur das Leben von Jimi sehr stark, sondern beeinflusste auch einen großen Teil der hiesigen Jugend nachhaltig. Ja, hier fand für viele Jugendliche das richtige Leben statt, hier entstanden für viele die ersten Liebesgeschichten, es wurden echte Freundschaften geschlossen, gute und kreative Ideen im Club geboren, etliche Musikertalente hier entdeckt, die ersten Drogen inhaliert und geschluckt, es wurden phänomenale Konzerte gespielt, denn genau an jenem Ort begann sich die Hippie-Revolution der Schweiz zu entfalten.
Bald spielten auch viele englische Bands oder schwarze Blues-Musiker aus den USA im Club, was eben nur durch die innovative und hervorragende Führung des etwa in den vierziger Jahren stehenden Clubbesitzers ermöglicht wurde. Dieser hatte eine wirklich gute Übersicht der sich rasant entwickelnden Pop-, Blues- und Jazz-Szene, er flog auch öfters nach London, um sich all die neuen Bands anzuhören, die in England wie Pilze aus den Proberäumen schossen. So spielten einige Musiker, die später sogar zu Popgrößen aufstiegen, zum Beispiel Jeff Beck, Rod Stewart, Carlos Santana und Gruppen mit Namen wie «Black Sabbath», «Remo Four», «Rare Birds», «Van der Graaf Generator» usw., in dieser fantastischen Clubatmosphäre und vor diesem enthusiastischen, jungen Publikum.
Jimi und seine Freunde waren natürlich immer da, sie verpassten nie einen Auftritt all der Bands, sie diskutierten mit den Musikern über Leben und Girls, Philosophie und Musik, und alle hatten jede Menge Spaß dabei. Auch Jimis erste, große Jugendliebschaften begannen in dieser Club-Szene, denn hier verkehrten all die schönen und jungen Evas, welche ihn eben nicht unberührt ließen. Jede Faser seines Körpers und Geistes setzte er in diese Szene, er wurde ein Besessener dieser Popszene, was ihm deshalb einige Schwierigkeiten im so genannten wirklichen Leben bereitete! Es fiel ihm immer schwerer, sich bei den oft frustrierenden Arbeiten im Lehrbetrieb zu konzentrieren, öfter hatte er nun Ärger mit seinen Vorgesetzten sowie mit seinen Eltern, auch weil seine Haare immer länger wurden und seine Klamotten immer freakiger. Jimi dachte immer häufiger darüber nach, ob er diese vier Jahre überhaupt durchstehen könne. Ab und zu fasste er wieder Mut und war davon überzeugt, dass sich nach dem Ende der Lehrzeit sein Leben sicher in diese Bahnen lenken würde, von denen er fast jeden Tag träumte, er wollte und sehnte sich nach einem Leben in Frieden, Freiheit und voller Toleranz, und er hoffte, in der Musikszene in irgendeiner Form aktiv zu werden. Jimi mühte sich durch all die schwierigen Lehrjahre, aber seine ganze Freizeit verbrachte er natürlich mit seinen Freunden im «Musikclub».
Jimi kannte fast alle Leute, welche im Club verkehrten, und die erkannten ihn sowieso wieder: an seiner Hendrix-Rastafrisur und seinem fein geschnittenen Gesicht, seinem ansteckenden Enthusiasmus; die freundliche und positive Art und die Begeisterung für die Musikszene blieb einfach bei den meisten Leuten hängen.
Ab und zu hatte Jimi oder einer seiner Freunde eine sturmfreie Wohnung, was bedeutete, dass die jeweiligen Eltern übers Wochenende weg waren, was sich wiederum in der Szene sehr schnell herumsprach. Dann wurde eine wirklich wilde Party gefeiert, man konnte sich dabei meistens sehr nahe kennen lernen, geile Platten hören, trinken und rauchen, die ersten Drogen nehmen und Liebe machen. Für Jimi ergab sich daraus manchmal eine lockere Beziehung zu einem Mädchen, aber für eine wirklich große Liebe reichte es nicht, weil ihn seine Lehre, seine Freunde und vor allem das Anhören von Platten, Radio und das Fernsehen, besonders der «Beat-Club», viel Zeit kosteten. Er war besessen von der Suche nach neuen Bands und neuem Sound.
Immer wieder brachte er seine Freunde zum Staunen, wenn er mit neuen Namen von Bands auftauchte, die er durch stundenlanges Hören von «Radio Luxemburg» entdeckte. Es waren Bands wie «Yardbirds», «Searchers», «Hollies», «Dave Clark Five», «Vanilla Fudge» oder «Mc Coys», um nur einige zu nennen.
Bald wurden die ersten großen Live Acts ins Land geholt, als Erste die «Kinks» und «Deep Purple» in die «Züspa-Halle» in Zürich und unvergesslich die «Rolling Stones» im Hallenstadion. Dieser Anlass endete wegen der brutal eingreifenden Polizei im Chaos und mit wüsten Tumulten!
Natürlich verpasste Jimi keinen dieser Mega-Gigs, er war beeindruckt von der starken Bühnenpräsenz eines Mike Jaggers, von der wahnsinnig sinnlichen Ausstrahlung des Brian Jones und von der lasziven Art des Keith Richards. Da wurden die ersten richtigen Soundanlagen mit Mischpult eingesetzt, welche die Lautstärke und Dynamik von Gesang und Instrumenten merklich verbesserten, da jetzt alles einzeln abgemischt werden konnte. Eine absolute Sensation wurde für Jimi und alle Musikfreaks seiner Stadt das vom Besitzer des Musik-Clubs «Aff» veranstaltete Konzert von «Pink Floyd» in der «Coca-Cola-Halle» in Abtwil. Die meisten Leute wussten zu diesem Zeitpunkt gar nicht, was «Pink Floyd» überhaupt war, doch das Geheimnis und die Gerüchte vom Sound dieser Band waren schon so groß, dass es allein deswegen ein Leichtes war, die «Cola-Halle» mit ca. 2.000 Fans voll zu besetzen!
Was die Fans an diesem denkwürdigen Abend zu hören und zu sehen bekamen, war ein akustisches, optisches und psychedelisches Soundgewitter, das von einem anderen Stern zu kommen schien! Die meisten standen da, den Mund weit offen, sich leicht bewegend und wie in Trance gefallen. Dieser Soundteppich und die phantastischen Lichteffekte von «Pink Floyd» machten alle völlig perplex, so etwas hatte noch kein Musikfan der Stadt jemals vorher live erlebt!
Es brauchte einige Tage, bis alle, die dabei gewesen waren, dieses Konzert einigermaßen verdaut hatten. Es blieb wochenlang das Szenegespräch, vergessen konnte es niemand mehr in dieser Stadt, war es doch auch das allererste Konzert von «Pink Floyd» in der Schweiz, und Jimi hatte diese Vorahnung, dass die damals noch praktisch unbekannte Band bald weltberühmt werden würde! Mit dem Namen der Band wurde damals eine Wunderdroge, bekannt als LSD, immer wieder in Verbindung gebracht. Dieser psychedelische Sound hätte nur unter Einfluss von LSD entstehen können, was sich später beim ersten Trip von Jimi und all seinen Freunden durchaus bestätigte.
Damals, anno 1967, waren weder Haschisch noch LSD in der Szene verbreitet, es gab freilich die ersten Insider, die ab und zu ganz wenig von diesen Drogen besaßen. Es kreisten die wunderbarsten Geschichten von diesen Stoffen in der hiesigen Musikszene, und es sollte nicht mehr allzu lange dauern, bis die ersten Drogen verfügbar waren, was für Musiker und deren Fans einen Quantensprung des Bewusstseins bedeutete, so gewaltig und phantastisch wirkten diese Stoffe bei den meisten! Nun, die Drogen verbreiteten sich vor allem in der ganzen Künstlerszene rasend schnell, und sie revolutionierten zuerst die Musik und die Kunst und allmählich veränderten sie auch die Gesellschaft!
Der illegale Drogenmarkt explodierte förmlich, es gab immer mehr verschiedene Stoffe zum Auszuprobieren. Die ganz harten Drogen, wie Heroin, Kokain, Opium usw., kamen ins Spiel, was viele Leute abhängig machte und sie ins Elend und in den körperlichen und psychischen Verfall trieb. Jimi wusste um die Macht dieser vor allem psychedelischen Drogen, und so gingen er und seine Freunde eher vorsichtig mit LSD und ähnlichen Stoffen um. Sie betrachteten diese Stoffe mehr als Experimentierfeld, um neue Sounds und ihre Selbsterfahrungen zu vertiefen. So wurde nach jedem Trip eine Pause von zwei bis drei Wochen eingeschaltet, um sich zu regenerieren. Ein solcher Trip wurde immer etwas vorbereitet, man sprach sich zuvor untereinander ab, wo das Ganze stattfinden sollte, was man alles unternehmen würde und natürlich wer überhaupt dabei wäre sowie welche Platten auf dem Trip zu spielen wären! Auf diese Weise wurden Absturzgefahr und unvorhergesehene Vorfälle auf ein Minimum reduziert. Von den ganz harten Drogen ließ Jimi die Finger, denn er wusste von den ersten Junkies, welches Abhängigkeitspotential diese Stoffe für Körper und Psyche in sich trugen!
Das war zu der Zeit, als Jimi bereits seinen Lehrabschluss in der Tasche, einen Aufenthalt im Ausland hinter sich hatte und ein unabhängiges Leben führte, so wie er sich das ungefähr ausgemalt hatte. Doch bevor es so weit war, musste Jimi noch einige Schwierigkeiten mit seinen Eltern und vor allem mit seinem Lehrmeister überstehen!
Es war noch ein Lehrjahr zu bewältigen, als es zum großen Eklat kam. Vom Lehrmeister eines Fehlers bezichtigt, wollte sich Jimi mit einer Erklärung verteidigen, doch schon knallte die Hand des Meisters in Jimis Gesicht, worauf Jimi wortlos in die Garderobe ging, den Berufsmantel in den Kasten hängte und sich mit den Worten, nie mehr hierher zu kommen, aus dem Staub machte!
Das Schwierigste für Jimi war nun, die ganze Geschichte den Eltern klar zu machen. Als er beim Abendessen den Vorfall erzählte, wobei er am Ende seine Überzeugung kundtat, nie mehr in diese Lehrfirma zurückzukehren, blieb seinen Eltern buchstäblich das Essen im Halse stecken. Es gab einen solchen Ärger, dass Jimi sofort die Wohnung verließ und bei einem seiner Freunde vorübergehend eine Bleibe fand.
Ungefähr nach einer Woche begriffen seine Eltern langsam, dass eine Fortsetzung der Lehre in derselben Firma nicht mehr möglich war, und als Jimi versprach, sein letztes Lehrjahr in einer anderen Firma zu absolvieren, konnte der große Streit langsam beigelegt werden.
Jimi wollte nun sein Leben richtig genießen, er schlief morgens aus, verbrachte Tag und Nacht in seinem Club oder unternahm tagsüber irgendetwas, je nachdem wie einer seiner Freunde Zeit hatte. Er machte sich überhaupt keine Gedanken, wie es weitergehen sollte, er liebte seine Freiheit über alles. Zu dieser Zeit eröffneten ihm zwei seiner besten Freunde aus seinem Quartier, dass sie eine Band gegründet hätten. Sie wären zu viert und hätten sogar einen Proberaum, wo sie ihre Musik ungestört und eben auch sehr laut einüben könnten. Er solle doch einfach mal spontan vorbeikommen, ihr Schlagzeuger hätte gute Neuigkeiten für ihn. So ging er vorbei und redete mit dem Drummer. Jimi war sehr gespannt, was das denn für Neuigkeiten wären. Der Drummer erzählte ihm, dass er in Rorschach in einer Maschinenfabrik als technischer Zeichner arbeitet und er die Gelegenheit habe, ihm die Fortsetzung seiner Lehrstelle zu verschaffen. Nun, seine Begeisterung hielt sich in Grenzen, da er ja seit kurzem sein freies Leben genoss und die Vorstellung, wieder früh aufzustehen und den ganzen Tag in einer Fabrik zu arbeiten, machte ihn nicht froh. Doch schließlich ging er hin, um sich vorzustellen und einigte sich mit dem Lehrmeister auf eine Fortsetzung seiner Lehre, wobei er das vor allem wegen seiner Eltern und erst dann um seiner selbst Willen machte! Nun fiel es Jimi noch schwerer, morgens wieder früh aufzustehen, mit den versteinerten Gesichtern der arbeitenden Klasse Bus und Zug zu fahren, um dann pünktlich in der Fabrik auf dem Posten zu sein. Hätte er da nicht Robert, einen absolut beatbesessenen Lehrling, kennen gelernt. Mit ihm konnte Jimi jede freie Minute über Beat-Musik diskutieren, und Robert wusste sehr viel mehr über all die neuen psychedelischen Rockbands, und auch er verbrachte seine ganze Freizeit im «Aff». Seine Haare waren sehr lang und strähnig, um keine Schwierigkeiten mit seinen Vorgesetzten zu bekommen, kämmte er seinen «Zopf» mit Wasser und mit Gel nach hinten und das natürlich jeden Morgen, bevor er seine Arbeit anfing, um dann in der Mittagspause mit Wasser nochmals nachzuhelfen. Robert und Jimi wurden ganz dicke Freunde, und sie besuchten zusammen alle möglichen Rockkonzerte, die in ihrem Club oder im Umkreis ihrer Stadt abgehalten wurden. Sie reisten auch öfters nach Zürich, meistens mit Autostopp, um eben Gruppen und Musiker wie «Jimi Hendrix Experience», Eric Burdon, «Traffic The Who» oder «King Crimson» live zu erleben. Je psychedelischer die Bands klangen, umso größere Fans wurden Röbi und Jimi von ihnen. Auch in ihrer Stadt entwickelte sich die Band-Szene ziemlich schnell, es entstanden einige interessante, lokale Bands: eine davon sollte alle anderen überragen, der Name der Gruppe war «The Shiver». Die Band war zuallererst ein Trio, wobei der Sound Richtung «Cream» und Jimi Hendrix tendierte, der Gitarrist sah aus wie ein zerstreuter Professor mit langen Haaren und einer Nickelbrille, doch wie er die elektrische Gitarre beherrschte, war phantastisch. Er spielte locker die Hendrix-Nummern aus dem Handgelenk, sein Sound war so brillant, dass man bei geschlossenen Augen den Unterschied zwischen Hendrix und ihm nicht ausmachen konnte. Später gesellte sich noch ein Organist dazu, um den Sound fülliger und psychedelischer zu machen. Als dann «The Shiver» beim ersten schweizerischen Pop-Festival alles abräumte, also den Preis für die beste Band des Landes erkor, in sämtlichen Instrumentensparten den ersten Platz belegte und einen Plattenvertrag dazu bekam, glaubte man hier an den großen Durchbruch der Gruppe in der internationalen Musikszene. Jimi wurde ein großer Fan dieser Band, verbrachte etliche Stunden in ihrem Proberaum, um ihr beim Einüben von Songs zuzuhören und lernte dabei einiges über Technik und Dynamik des Sounds einer Rockband dazu. Was Jimi damals noch nicht wissen konnte, war, dass einige Jahre später, Dany, der Gitarist, eng mit ihm in einer der besten Rockband des Landes zusammenarbeiten würde. Nachdem die Band eine Single veröffentlichte – übrigens war das Cover eine Gestaltung von H. R. Giger, zu jener Zeit einer der bekanntesten Kunstmaler – und für weitere zwei Jahre jeweils zur besten Band des Landes erkoren wurde, löste sich die Gruppe auf. Aus Dany, dem Gitarristen, und Jelly, dem Organisten, neuen Schlagzeuger und Bassisten, entstand nun die neue Gruppe «Deaf», später kam noch der Sänger Marc Storac dazu, welcher einige Zeit danach mit «Krokus»„ der Heavy-Metal-Band, international den Durchbruch schaffte!
«Deaf» spielten jetzt einen noch stärker orientierten psychedelischen Sound, auch kompakter und mit klassischen Akzenten gespickt, so bekamen sie sehr schnell den Ruf, die beste psychedelische Kunstrockband des Landes zu sein. Robert und Jimi beschlossen in den letzten Ferien vor der Lehrabschlussprüfung für drei Wochen nach Holland zu reisen, weil sie wussten, dass die Szene für Psychedelica, die vielfältigste und größte in Europa war, und die beiden liebten die holländischen Bands wie «Golden Earring» und «Living Blues» über alles, außerdem munkelte man, dass «Deaf» bald im bekanntesten Club in Amsterdam auftreten würden!
So reisten die beiden per Autostopp nach Holland, was für sie ein Riesenabenteuer wurde. Es war das erste Mal, dass Röbi und Jimi per Anhalter ins Ausland gingen. Sie hatten Glück und erreichten Amsterdam nach circa 24 Stunden. Glücklich, es geschafft zu haben, aber auch todmüde fanden sie eine Herberge, in der sie endlich ausschlafen konnten. Am nächsten Mittag, nach langem Schlaf, erwacht und wieder bei Kräften, pilgerten die beiden zum «Damm», tagsüber der Treffpunkt für Hippies aus aller Welt! Was da bei Tage schon abging, übertraf ihre kühnsten Erwartungen bei weitem. Es wurde Gitarre gespielt, getrommelt, geraucht, LSD geschluckt, es war das größte Festival und das mitten in Amsterdam und am helllichten Tage! Natürlich suchten sie am Abend gleich das «Paradiso» auf, eben der berühmteste Musiktempel in der Hafenstadt. Es war eine alte, barocke Kirche, außen mit bunten Farben bemalt, die Fenster immer noch original mit barocken Scheiben versehen. Im Eingangsportal war ein Restaurant, an diversen Ständen gab es alle möglichen Raucherutensilien, unterschiedliche psychedelische Poster, Kleider usw. zu kaufen und in einem Kassenhäuschen konnten Eintrittskarten für die allabendlichen Konzerte erstanden werden. Eine Treppe führte auf eine Art Galerie, wo Wasserpfeifen in einer Reihe auf kleinen Tischen standen, damit man sich so richtig auf die Konzerte einrauchen konnte! Im eigentlichen Kirchenschiff war die große schwarze Bühne dort, wo früher der Altar sein musste, links und rechts der Bühne türmten sich die schwarzen Lautsprecherboxen, an der Seite des Raumes entlang zogen sich Holzpodeste mit Teppich bezogen als Sitzgelegenheiten. Einige Palmen und Gummibäume zierten den großen Raum und von der Empore, wo früher der Kirchenorganist seine Orgel bediente, strahlten verschiedenfarbige Scheinwerfer auf die Bühne und etliche Projektoren warfen psychedelische, sich bewegende Bilder auf die Bühnenwand und auf die Seitenmauern. Das war also das mystische «Paradiso»! So wie sie sich das vorgestellt hatten, blieben Röbi und Jimi drei Tage in Amsterdam und drei Nächte im «Paradiso», wo sie sich richtig austoben konnten und tolle Konzerte erlebten. Später reisten die beiden per Anhalter zu ihrem nächsten Reiseziel, auf die Insel Texel, die sich im Norden von Holland befindet. Eine Insel, die zur Hälfte unter Naturschutz steht, die wunderschöne Dünen und goldgelbe Sandstrände hat und einen ebenso bekannten Beat-Club namens «Sarasani». Röbi und Jimi hatten diesen Geheimtipp bekommen, es galt als absolut psychedelisches Landurlaubsparadies! Außerdem hatte sich Jimi in den Kopf gesetzt, falls die «Deaf» im «Paradiso» in Amsterdam spielen, sie auch auf die Insel Texel ins «Sarasani» zu bringen, und er war sich absolut sicher, dass ihm das gelingen würde!
Amsterdam (Damm).
Paradiso Club Amsterdam.
Am nächsten Morgen bestiegen Röbi und Jimi die Amsterdamer Straßenbahn, um ans Ende der Stadt zu gelangen, dorthin, wo die Auffahrt der Autobahn Richtung Den Helder lag und wo sie gleich einen «Lift» bis fast ans Ziel bekamen. Mit dem zweiten Auto schafften sie den Hafen Den Helder, wo eben die Fähre nach Texel übersetzte. Es war später Nachmittag, die Sonne hing schon ein wenig verschleiert über der Nordsee, es wehte ein warmer Wind und bald schifften sie sich mit diversen Hippies und Urlaubern auf der Fähre ein, um nach gut anderthalb Stunden den Boden der Insel zu betreten. Auf der Fähre regelten sie die Mitfahrgelegenheit, um an den kleinen Ort im Zentrum der Insel zu gelangen, denn sie wussten um das Café, wo sich alle Freaks trafen und wo man taugliche Informationen für gute Schlafplätze und alle Angaben zu den Veranstaltungen im «Sarasani» bekam!
Deaf.
Freaks auf Texel.
Die Bauern auf der Insel hatten in ihren Ställen meistens zehn bis zwanzig alte Eisenbetten aufgestellt. Es gab eine Duschgelegenheit und ein gemeinsames WC, so bildeten sich auf den verschiedenen Landhöfen etliche Hippie-Kommunen. Die Bauern waren froh um den kleinen Nebenverdienst und die Hippies glücklich über ihre Unterkunft.
Nachdem Röbi und Jimi ihren Platz in einem der Bauernhöfe gesichtet, ihr Gepäck deponiert und die Ankunft mit den anwesenden Freaks mit dem Rauchen eines kräftigen Chilums, gefeiert hatten, machten sie sich alsbald auf den Weg zum «Sarasani». Jimi hatte die Biografie und ein Demotape von «Deaf» dabei, um möglichst gleich am ersten Abend mit dem Manager vom Club über einen Auftritt der Band zu verhandeln. Die Eingangsseite des Clubs war schon von hunderten von Freaks belagert, welche auf die Billetausgabe warteten, als die beiden dort ankamen. Es folgte ein langes und zähes Ringen mit einem Türsteher, um zum Organisator vorgelassen zu werden. Endlich standen sie im Vorraum des «Sarasani». Nach kurzem Warten erschien der Manager, begrüßte die beiden ganz freundlich in gebrochenem Deutsch und nahm sie mit in sein kleines, improvisiertes Büro. Jimi übergab ihm die Biografie und das Demotape, schwärmte in den höchsten Tönen vom Sound der «Deaf», so dass der Manager sich bereit erklärte, das Tape anzuhören und sich die Sache bis zum nächsten Tag überlegen wollte, da im «Sarasani» noch ein paar Spielzeiten frei wären! Er zeigte den beiden anschließend den Club und lud sie ein, gleich hier zu bleiben, um den Abend zu genießen. Sie waren überglücklich, bedankten sich tausendmal und Jimi bekam ein Date für den nächsten Tag, um die Angelegenheit weiter zu besprechen. Nun, sie genossen diese erste Nacht im Club wirklich in vollen Zügen, plauderten mit vielen Leuten, sanken in die alten Sofas auf der Galerie, rauchten Joints und hörten der Band «Living Blues» aufmerksam zu, um gegen Morgen, völlig müde und overstoned, an ihren Schlafplatz zurückzukehren und total auszuschlafen! Am nächsten Tag, so gegen die Mittagszeit, erwachten die beiden langsam aus ihrem Tiefschlaf und sogleich kreisten die Joints vor ihren Nasen, ein paar Züge, nochmals hinlegen und träumen, um dann endlich aufzustehen und das reichhaltige, holländische Frühstück zu sich zu nehmen. Frisch gestärkt machten sich Röbi und Jimi auf, um den Strand in den Dünen aufzusuchen, dort, wo alle Hippies sich tagsüber aufhielten, wo getanzt, musiziert, getrommelt, gespielt, gelaufen, geschwommen und geraucht wurde und wo Trips ihre Runden machten. Gegen den späteren Nachmittag machten sich die beiden auf, um die Abmachung mit dem Manager vom «Sarasani» nicht zu verpassen. Jimi telefonierte vorher noch in die Schweiz, um das Datum des Gigs im Amsterdamer «Paradiso» herauszufinden und die ungefähre Gagenvorstellung der «Deaf» zu klären. Als Jimi die Bestätigung des Dates im «Paradiso» hatte, es sollte genau einen Tag, nachdem «Pink Floyd» dort spielte, sein, war sich Jimi schon sicher, mit dieser Referenz das Konzert im «Sarasani» zu bewerkstelligen. Ja, es kam sogar noch besser, dem Manager gefiel das Tape der «Deaf» so gut, dass er sogar die zwei freien Spielzeiten mit dieser Gruppe belegen wollte. Nachdem die Gage, sie war nicht sehr hoch, deckte aber alle Spesen der Band, mit Jimi ausgehandelt war, sprach nichts gegen zwei Konzerte, der Deal war perfekt geworden!
Jimi war überglücklich, ja, er schwebte im siebten Himmel und war richtig stolz darauf, seinen ersten Deal zustande gebracht zu haben. Es war nicht irgendeine Gruppe, es waren seine Freunde aus seiner Stadt und er konnte ihnen zwei Konzerte in Holland ermöglichen. Röbi und Jimi machten sich gleich daran, für die beiden «Deaf»-Gigs im «Sarasani», Werbung zu machen. Sie verteilten Flyer, aber vor allem betrieben sie so viel wie möglich Mundpropaganda!
Am Tag, als die «Deaf» auf die Insel kamen, machten sich Röbi, Jimi und viele Freunde auf, um die Band von der Fähre in Empfang zu nehmen, sogleich mit ihr ins «Sarasani» zu fahren und um beim Ausladen und Aufbauen behilflich zu sein!
Beide Konzerte der «Deaf» versetzten das Publikum in volle Begeisterung und großes Staunen ob dem kompakten und psychedelischen Sound, den hier eine noch unbekannte Schweizer Band ablieferte. Auch das Management und all die Helfer im Club waren tief beeindruckt.
Die beiden verbrachten nachher noch einige wundervolle Tage auf der Insel, tagsüber meistens am Strand, während der Nacht im «Sarasani», um noch einige andere Gruppen live zu erleben. Den Höhepunkt erreichten sie beim Konzert der «Golden Earring». Die Hütte war berstend voll und die Zuschauer feuerten die Band bis zum Umfallen an. Leider rückte der Abreisetag heran und die zwei machten sich schweren Herzens per Anhalter über Amsterdam in Richtung Schweiz auf, um die letzte Etappe ihrer Lehrzeit in Angriff zu nehmen. Doch beide waren sich ganz sicher, wieder nach Holland zu reisen, und sie schworen sich, das nächste Mal noch viel länger dort zu bleiben. Die Nachricht von den erfolgreichen Auftritten der «Deaf» im «Paradiso» und im «Sarasani» hatte sich bereits in der Schweizer Musikszene verbreitet, als Röbi und Jimi wieder nach Hause kamen, aber ihre fantastischen Erlebnisse mussten sie vor allem im «Aff» bis ins letzte Detail schildern, was später eine richtige Invasion all der Musikfreaks aus ihrer Stadt nach Holland auslöste!
Das Leben zu Hause lief nun wieder in seinen gewohnten Bahnen, Jimi wusste zwar, dass der Lehrabschluss bevorstand, doch er machte sich nicht allzu große Gedanken darüber, auch büffelte er nicht speziell dafür, er sagte sich einfach, entweder schaffe er das Ganze, ansonsten ginge die Welt auch nicht unter!
Die Tage der Wahrheit, aber auch der eventuellen Erlösung rückten näher. Ein bisschen Nervosität kam auf, aber mental war Jimi auf die Prüfung gut vorbereitet! Nun, Jimi schaffte es relativ knapp, aber auch ziemlich locker und ein riesiger Stein fiel ihm vom Herzen, als alles überstanden war. Er sehnte den letzten Arbeitstag der Lehre herbei, um dann sofort den Dienst zu quittieren und vorerst die unendliche Freiheit zu genießen!
Nach einer circa zweimonatigen Abhängphase entschloss sich Jimi, einen Job als Werkzeugmacher bei der Schindler-Lift AG anzunehmen, um seinem chronischen Geldmangel ein Ende zu setzen und seinem Leben einen so genannten Sinn zu geben! Kaum stand er in der großen Fabrikhalle, um seine Arbeit aufzunehmen, überkam ihn wieder dieses dumpfe Gefühl und schon träumte er davon, aus diesem Lebenskreis auszubrechen, seinem Dasein eine andere Richtung zu geben! Jimi verdiente zwar gutes Geld, er konnte sich seinen ersten Ocasionswagen leisten, aber dieser monotone Arbeitsalltag entsprach eben nicht seinen Visionen: er wollte seinen Platz in der Rockmusikszene, er sehnte sich nach Sound, Power, Abenteuer und Reisen!
Eines Tages hörte Jimi das Wort Immigration, es sei eine Möglichkeit, ins Ausland zu gehen, der jeweilige Staat übernehme die Reise- und Aufenthaltskosten, bis in demjenigen Land ein Job gefunden würde. Südafrika sei ein solches Land, welches laufend Facharbeiter, wie Werkzeugmacher, Mechaniker usw., suche. Da Jimi einen Kollegen kannte, der bereits seit einem Jahr in Johannesburg wohnte, er war auf Montage für eine Schweizer Firma, befasste er sich ernsthaft mit dem Gedanken auszuwandern, wenigstens für ein Jahr. Er erzählte seinen besten Freunden von seinem Plan und hoffte, dass einer seiner Kollegen mitkommen würde. Als einer seiner besten Freunde fest entschlossen war, ihn zu begleiten, ließ sich Jimi die nötigen Papiere für Südafrika vom Immigrationsbüro zustellen. Nachdem die beiden alle Formulare ausgefüllt hatten, begann das lange Warten auf das Okay! Etwa zwei Monate später kam der positive Bescheid für beide, doch leider befielen Jimis Kollege plötzlich Zweifel, schlussendlich brachte er den Mut für dieses Abenteuer nicht auf und entschloss sich, nicht mitzugehen. Auch Jimi überfiel nun ein mulmiges Gefühl, und er fragte sich, ob er alleine gehen sollte, jeden Tag wog er das Dafür und das Dagegen ab, er horchte immer wieder in sich hinein, um sich schließlich für das Abenteuer Afrika zu entscheiden. Jimi sagte zu sich selber, ohne Risiko gebe es auch keine Abenteuer, er wollte ja seinen Lebenskreis durchbrechen, er war nun bereit für etwas Neues und er sollte seinen Entschluss nicht bereuen, denn was er in einem Jahr in Südafrika erlebte, war wahrscheinlich mehr als ihm das bisherige Leben bescherte!
Der Tag der Abreise nach Afrika rückte immer näher, das innere Gefühl von Jimi wurde zusehends beklemmender, x-mal feierte er Abschied von seinen Freunden und von seinem Musikclub. Es war ein trister Januartag, als Jimi mit seiner Reisetasche und seinem Pass in der Wohnung stand, um sich von seinen Eltern, seiner Großmutter und seinen beiden Brüdern, die alle Tränen in den Augen hatten, zu verabschieden. Auch Jimi konnte ein paar Tränen nicht zurückhalten, so verließ er das Heim ziemlich schnell, um die weite Reise in ein noch weiter entferntes Land anzutreten!
Island 1973.
JIMI, DER MANAGER IM ROCKBUSINESS!
(03) Als die eigentliche angestrebte Top-Formation der Gruppe «Island» und Jimi selber in das kleine Haus an der Colmarerstraße eingezogen waren, begann für Jimi die sehr aktive Zeit als Band- und Konzertmanager. Diese Aufgabe packte er mit derselben Begeisterung und dem gleichen Enthusiasmus an, wie es bei dem nebenbei laufenden, hundertprozentigen Job als Roadmanager der Fall war.
Für die Premiere der nun topbesetzten Band «Island» suchte sich Jimi das Stadttheater St. Gallen aus. Es war das allererste Konzert einer Rockband im neuen Theater, am 23. Dezember 1973, sozusagen ein Weihnachtsgeschenk für alle Musikfans in dieser Stadt! Ein großartiges, ausverkauftes Rockoratorium der «Island» in einmaligem Ambiente, ein verdienter Lohn für die Anstrengungen der Musiker sowie für den tollen Einsatz Jimis als Veranstalter. Zugleich war es der Startschuss für weitere Rockkonzerte im Stadttheater St. Gallen. Unvergesslich waren auch für Jimi, die «Island» und deren Musikfans die Gigs der «Quatermass», «Uriah Heep», «East of Eden», «Hardin und York» und «Jane», die alle vor vollem Hause stattfanden!
Island Stadttheater.
Nicht dass Jimi die Tätigkeit als Manager unbedingt gesucht hätte, der Ansporn kam sozusagen aus der Not. Zuerst wollte er für die «Island» möglichst viele Live-Gigs organisieren, eine Frage der Existenz für ihn wie auch für die Musiker. Außerdem gab es einfach zu viele Veranstalter sowie Manager, die allzu oft viele Versprechungen machten, die sie dann nicht halten wollten oder konnten. Viele davon dachten nur ans Geld, aber zu wenig an die Organisation und an die Abmachungen!
Jimi hatte sich viele Verbindungen zu Jugendhäusern und Veranstaltern aus der Zeit als Roadie mit den «Toad» offen gehalten, so dass doch etliche Gigs für die «Island» zusammenkamen. Die wichtigsten Highlights in Jimis fünf folgenden Managerjahren:
«Island»-Auftritte zusammen mit Toni Vescoli, Beau Katzmann, mit «Tea und Krokus», «Uriah Heep», «Edgar Broughten-Band», «Greenslade», «Hummingbird», Peter Hammil u.v.a.
Veranstalter von Rockfestivals in Bülach und Biel mit «Greenslade», Edgar Broughton, «Kevin Coyne Band», «Tea» und «Island».
Mitbegründer und Veranstalter vom ersten St. Galler Open-Air-Festival auf dem Sonnenberg in Abtwil, mit den Gruppen, «Alexis Korner-Band», «Toni Vescoli-Band», «Max Lässer-Band», «Tea» und «Island».
Mitveranstalter von zwei Zappa-Konzerten in der Mubahalle sowie eines Rockblues-Festivals mit Mitgliedern der «King Crimson», zusammen mit Alexis Korner.
Good News-Gigs: als Vermieter und Mixer der PA-Anlage mit folgenden Künstlern, Al Jarreau, Demis Rousseau (Ex-Aphrodites-Child), Jerry Lee Lewis, John Miles, Wishbone Ash, Chicago Climax, Chuck Berry usw.
Die ersten drei Paleo-Festivals, als PA-Vermieter und Soundmixer in Nyon am See mit «Fairport Convention», Joan Baez, Richie Havens usw.
Malta-Tour mit «Tea» als Mixer und Roadmanager.
Frankreich-Tour mit «Ange» (franz. «Genesis») als Soundmixer und Roadie.
Deutschland-Tour mit «Karthago» als Mixer und Roadie.
Lenzburg-CH-Popfestival mit «Island» als Mixer und Road-manager.
Mitveranstalter und Soundmixer vom «Inga Rumpf» Konzert in Abtwil SG.
Diverse Londonaufenthalte für Verhandlungen mit Island-Records über einen Plattenvertrag mit «Island», sowie Besuch bei Soundcraft und der Kauf von Soundcraft 16-Kanal-Mixer für Schweizer Rockbands!
Mieter eines 8-Zimmer-Landhauses in Raat, im Kanton Zürich, somit Umzug von Basel mit der Rockgruppe «Island» aufs Land, erste Landkommune, welche die nächsten vier Jahre Bestand hatte und wohl die kreativste und schönste Phase der Rockgruppe «Island» sowie für Jimi als Manager, Roadie, Soundmixer und PA-Hersteller war!
Johannesburg Hillbrow.
OUT OF AFRICA
(04) Da stand Jimi nun im Flughafen Kloten an einem kleinen, runden Bartisch und trank noch den letzten Schweizer Kaffee, ehe er durch die Pass- und Personenkontrolle marschierte und auf dem Gate auf den Einstieg in eine viermotorige Propellermaschine der südafrikanischen Airlines wartete. Sein inneres Gefühl schwankte zwischen großer Traurigkeit und gespannter Erwartung. Er fühlte sich ziemlich alleine gelassen, er musterte die wartenden Passagiere, um vielleicht doch noch ein bekanntes Gesicht zu entdecken, dann folgte der Aufruf zum Einstieg, hinein in den Flieger, auf Wiedersehen Heimatland, bis bald, all ihr Freunde und Freundinnen, das war es!
Der Flug sollte ca. 16 Stunden dauern, eine Zwischenlandung in Mombasa, Kenia, war angesagt, es gab etwa vier Stunden
