Autoparadies - Ghyslyn Pomsel - E-Book

Autoparadies E-Book

Ghyslyn Pomsel

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Beschreibung

Familie Onko ist Pferdestärken-verliebt. Das Auto - das Ziel und der Sinn des Lebens. Das Auto ist alter Ego, es sybolisiert das Leben, es ist SEX! Nur welches Gefährt ist wirklich chic? Rot oder weiß? Benz oder Porsche? Cabrio oder Großraum? Tauchen Sie ein in die Welt des Automobils und finden Sie urkomische Kurzgeschichten um die skurrile, spießige und mafiöse Familie Onko - und die besten Tipps zur (Automobil-)Filmgeschichte.

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Seitenzahl: 179

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Ghyslyn Pomsel

Autoparadies

Autofahrer - nicht ganz ernst betrachtet

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Anstoß Eintracht gegen Sportclub

Besch..zwei-drei-vier. Kein Sex für Mr. Onko.

Chic & Hubraum

Du schaffst das, Alte!

Engelpost – aus dem fernen Autoparadies

Freds fabelhafte Fünfernummer

Garagen-Blues

Hummeltagebuch

Innenraumtraum

Kühlmenagerie

Lappenmärchen

Montagsmörder

Nataschas Nadelgeld

Onkel Toms Hinterhof

Pontefract - Cake

Quantentheorie und relative Rostphysik

Rosenrot und Lapislazuli

Schauder & Haft

Titanenlied

Unterweltlamento

Vatermörder

Wahnfrieds Villa Wandervogel

Xantippe Onassis

Yawasaki ondayun daiota

Zineastischer Abspann

Impressum neobooks

Anstoß Eintracht gegen Sportclub

Ich kann mir nicht helfen: Aber ein weißer Benz sieht irgendwie - nicht so toll aus.

Die Farbe wirkt daneben, sozusagen.

Sieht auf unbestimmte Weise, tja, falsch aus.

Nicht gerade Taxifarbend, das nun nicht gerade, aber nahe dran: in peinlicher Nähe zum taxifarbenden Gemeingut.

Ein Benz hat nämlich SCHWARZ zu sein. Er hat Klasse und Würde zu zeigen für all den Abgasmist, den er in unsere Welt und auf uns drauf bläst.

Mit Stolz hat er die Farbe zu tragen – von Mozzarellas Beerdigungsinstitut1. Contenance-Schwarz nämlich. Wir bleiben doch gefasst, nicht wahr?

Nun, der Benz von Onkos ist mal leider - WEISS.

Wiederum kann ich mir nicht helfen – aber vor meinem inneren Auge sehe ich stets bei diesem weißen Benz, egal, wer ihn chauffiert, am Steuer einen künstlich gebräunten Pseudomittdreißiger, dessen stark behaarter Arm unter hochgekrempeltem Hemdärmel aus dem geöffneten Fahrerfenster lugt und eine arg güldene Armbanduhr nebst Hamdgelenkkettchen desselben Metalls sehen lässt.

Auch wenn Onkos Gattin in der Kiste hockt, wandelt sich vor meinen Augen ihr Tubenblond in das ölige Schwarz stenziger Haarsträhnen, und eine überproportionierte Goldkette blitzt in ihrem Dekolletée.

Neulich fuhr Onkos Tochter.

Auch sie passierte mich mit üppigem Brusthaar im aufgeknöpften Ausschnitt eines zuhälterfarbenden Oberhemdes und trug in den schlagartig glanzschwarzen Haarsträhnen eine spiegelnde Sonnenbrille über der niedrigen Stirn eines Preisboxers.

Kein schöner Anblick, muss ich gestehen.

Und ich weiß, dass es das Wort farbend nicht gibt.

Ebenso wenig wie nackend. Oder ebent. Oder rötest.

Rötest jedoch lodert der Neid in Onkos Seele: Neid, Neid, Neid.

Sie wären nämlich gern wie – Kanzlers.

Und? Was ist so toll mit Kanzlers?

Nun, rein äußerlich nichts umwerfend Besonderes: auch Kanzlers wohnen in der Erbsenstraße und haben dort ein frikadellenflaches Häuslein (allerdings ein Eckmodell, das sich ein wenig abseits des Caravan-parkenden Trubels des Haupttriebes der Erbensstraße seitlich in einen alten Haselbusch schlägt).

Auch Kanzlers zogen die vorgeschriebene Kinderzahl groß und machen, seit die Bälger nicht mehr mit ihren Bobbycars die Erbsenstraße zermöllern, Kreuzfahrten und Safariflugreisen in allerlei unwegsame Gebiete unserer schönen Erde (solange das noch geht). Neulich hatten sie sogar einen echten Eisbär vor der Linse ihres Erste-Sahne-Smartfons, und das will was heißen, weil diese Riesenviecher eigentlich schon aussterben, so alt sind sie.

Kanzlers sind nette und wenig aufregende Leute, die aus Gesundheitsgründen nicht mehr rauchen und auch nicht mehr allzu heftig saufen, sondern nurmehr sparen und verreisen. Sie schwimmen im Geld und halten ihre erwachsenen Kinder knapp, damit sie lernen, wie hart das Leben sein kann.

Nicht allzu viel also unterscheidet Kanzlers von Onkos.

Nicht viel, nur eine winzige Kleinigkeit:

Fred Onko stammt nicht aus der Eichenallee.

Fred wuchs auf am Unteren Weg, an der Ecke zur Durchgangsstraße des Ortes.

Die Eichenallee allerdings ist keine Durchgangsstraße, sondern war mehr oder weniger die einzige echte alte Wohnstraße dieses Stadtteils, bis die Wohnsiedlungen kamen.

Inzwischen gibt es hier Unmassen von Wohnsiedlungen – angefangen mit den jüngsten Schöpfungen der Wohnraumbaukunst (die jeweils eine kleine raupenförmige Bebauung von fünf Wohneinheiten in winzigste Baulücken zwängt) über die mittelalten Durchschnittsanlagen mit Häuschen zwischen Stücker 40 bis 80 und aufgehört bei den frühen Reihenhäusern, die noch schön waren und mit Ziegeln.

Die Raupen kriegen heutzutage schon gar nicht erst Straßennamen, sondern lediglich eine Handvoll Kleinbuchstaben zu vorhandenen Hausnummern der richtigen Straßen, deren minderwertige Ableger sie von Hausnummernamts wegen sind.

Die Riesenwohnanlagen mittlerer Jahre wurden durch naturnahe Straßennamen (die Erbsenstraße ist eine davon) als 'billig' gebrandmarkt und warten auch mit keinerlei architektonischen Feinheiten auf – im sichtbaren Unterschied zu den antiken Modellen, die unbezahlbar sind und begeistert ererbt werden.

Die Eichenallee etwa beinhaltet eine Lese solcher Häuser, und es ist sinnlos zu hoffen, dass man jemals ein solches auch nur mit einem der Nobelmakler besichtigen darf.

Arthur Kanzler stammt aus direkter Nachbarschaft solch alter Häuschen mit ihren Mäuerchen im Vorgarten und den alten Bäumen nach hinten raus.

Seine Eltern bewohnten jedoch noch ein echtes Haus nach dem individuellen Zuschnitt eines Architekten, der es einst auf dem Höhepunkt seiner wie des Bauherrn beruflichen Wirkens für Arthurs Vater errichtete.

Nicht, dass Arthur irgendetwas an architektonischer Schönheit oder gar an Gärten läge: Für ihn waren solcherart Dinge selbstverständlich und sind von daher auch heutzutage – nicht weiter wichtig. Er verfolgt seine eigene berufliche Karriere in etwas, was keiner kapiert, und hat eine muntere Frau, die seine wenige Freizeit anfangs mit Lebhaftigkeit und Sex füllte und heute mit nervtötender sprachlicher Betriebsamkeit, weshalb Kanzlers oft verreisen, damit sie mit anderen sprechen kann.

Arthur bedeutet Wohnen nicht viel, vorausgesetzt, es ist für eine funktionierende Sauna, für optimale Klimatisierung und eine gewaltige Kühlanlage von Essen und Trinken gesorgt sowie für einen komfortablen Sessel vor einem ebensolchen Fernsehbildschirm.

Fred Onko wuchs anders auf, besuchte aber dieselbe Grundschule wie die beiden Kanzler-Jungs, von denen Arthur eindeutig der friedfertigere (man könnte auch sagen: temperamentlosere) war. Fred war nicht friedfertig, nein, das lässt sich nur schwer behaupten.

Schon der Grundschullehrerin machte er mit dümmlichen Clownerien das Leben schwer und bewies auf der weiterführenden Schule mehr Interesse an echten oder gefärbten Blondinen als an Lernstoff. Zum Glück konnte sein Vater einen Treffer landen und (mittels diverser Bekannter aus Kneipe wie Kirche) seinen grobmotorischen Sohn bei einer Reparaturfirma unterkriegen.

Fred fuhr gern Moped, möglichst mit einer Blondine hinten drauf, die züchtig ihren kurzen Rock über die Beine hielt. Als er die mit dem Rock geschwängert hatte, heiratete er sie und richtete mithilfe seines Vaters und ihrer Eltern eine Wohnung ein.

Zum Glück starben ihre Eltern früh und rasch hintereinander beide an Lungenkrebs, so dass sie ihrer Tochter, die unterdessen Kinder und einen Job als Bürokraft bewältigte, etwas hinterlassen konnten. Es reichte für die Anzahlung von einer der billigsten Schnitten in der Erbsenstraße – natürlich mittendrin in der preiswerten Reihe, was Heizungskosten spart und lustig ist, wenn die Nachbarn nett und locker sind.

Sind sie nicht.

Fred kuscht vor Ärzten, Rechtsanwälten und vor – Geld.

Lehrer hingegen sind für ihn der letzte Dreck, wie früher in der Schule, wo Fred an seinen Lehrern die Wut ausließ, die sein Vater regelmäßig wiederkehrend erzeugte.

Freds Vater war im Zorn gefährlich, und Fred, wiewohl gerade auch in der Pubertät ein rechter Kotzbrocken, brüllte höchstens mal im Weggehn Widerworte oder eine Ungehörigkeit, letztere aber schon an der Tür, wofür er sich dann später, so verlangte stets die Mutti, entschuldigte bei Vati. Die Lehrer hatten es dann immer schwer und auch die Mädels, die er zu Zeiten väterlichen Zorns besonders aggressiv bedrängte.

Fred wohnt nun heute zwischen einem Unternehmensberaterfritzen und einem Lehrer; nach rechts bemüht er sich zu tun, als wäre er ein Techniker und Heimwerkspezi (wovon der Geldsack rechts nämlich nicht die allerkleinste Ahnung hat), nach links, wo nur der Lehrer wohnt, der auch noch viel zu viele Kinder hat, als ihm der Anstand eigentlich erlaubt (er hat nichts anderes zu tun, vermutet Fred am Sommerfest, hähä), nach links ist Fred natürlich unverschämt und, wo es geht, brutal.

Wenn er es selbst nicht auf die Reihe kriegt, schickt er seine Söhne, von denen einer grob und blöd und der Ältere ein raffinierter Foltermeister ist. Die beiden sind nicht nur bei den Lehrerkindern, sondern bei allen Kindern in der Erbsenstraße in höchstem Maße unbeliebt; nur einer, selber mindermutig und von zu Hause unbestimmt verrückt, bewundert jenen Folterquäler, und nutzt ihn gern als Terrorinstrument für kleine Kinder, die danach nur flennend zu ihren Eltern rennen und nicht beim Namen nennen können, wer ihnen was womit angetan hat.

Arthur ist angestammter Hausbesitzer. Ihm sagt ein Haus zu haben eher wenig.

Fred ist neu in dem Geschäft, und obendrein verdankt er seine Schnitte einer Erbschaft seiner Frau, weshalb er ihr, da sie in Wirklichkeit noch viel brutaler ist als er, sehr dankbar ist und sie mit Vorsicht (nicht Respekt) behandelt.

Manchmal darf er seine Frau sogar beglücken, vorausgesetzt, dass er gebadet ist und ein Handtuch unterm Kissen bereit hält für den Siff.

Über Arthurs Sex, da weiß ich nichts. Er war mal gar nicht ohne (fand ich jedenfalls) und ließ sich gern begeistern: wild und lustig und beweglich, das lag ihm. Mehr ist auch nicht nötig bei einem netten Weibsbild, oder seh' ich da was falsch?

Arthur ist eigentlich angestammter Limousinenfahrer.

Sein Vater, der vor Jahren schon dem Herzinfarkt erlag, chauffierte nicht mal selbst, dafür mit einem von Geschwindigkeit beseelten Elfchen auf dem Kühlerwasserdeckel.

Arthur selbst probierte alles aus, was Schnelligkeit bedeutet. Nun hat er ein Coupée, wohinein er allen Erstes sein Übergewicht verstaut, was man von der Straße aus allerdings nicht sieht. Da sieht man lediglich sein freundliches Profil und manchmal auch zwei Finger, mit denen er sehr lässig oberhalb des Lenkrads grüßt.

Fred fuhr zunächst ein Firmenwägelchen, dem manche Mittelklassekiste folgte. Inzwischen hat er (siehe oben) jenen Benz. Privat. Geleast. Für sich und seine Crissi.

Weiß ist er, der Benz.

Und oberpeinlich.

Nur - Fred, der weiß das nicht.

Der glaubt, er hat es nun geschafft – den Sprung in Arthurs Liga.

Das hat er leider nicht.

Arthur fährt ein schwarzes Benz-Coupée.

Gestern hatte Fred den Arthur beim Schlafittchen: Arthur wuchtete seinen Leib aus dem Coupée, als Fred gerade seinen weißen Benz geparkt und abgeschlossen hatte.

Spricht der Fred mal eben Arthur an, wie es so geht. Man kennt sich ja, sein alter Klassenkamerad, nicht wahr:

„Hey, Arthur, alles klar bei dir?“

Arthur klickt seine schwarze Flunder ab.

Dann sagt er mit der wunderbar gleichmütigen Gelassenheit, die Bewohnern von Eichenalleen von Natur aus mitgegeben ist – und von Leuten wie dem Fred sofort verstanden wird:

„Okay.“

Und ist schon weg.

Besch..zwei-drei-vier. Kein Sex für Mr. Onko.

Fred Onko ist eingefleischter Zweirad-Freak.

Nun darf man unter Zweirad beileibe, bitte, nicht ein Fahrrad missverstehen.

Ein Fahrrad ist etwas für Frauen und Behinderte. So wie die Frau vom Lehrer nebenan, die, Kleinkind hinten drauf und den Hänger hinten dran, mit insgesamt dann drei von ihren vielen Bälgern durch die Straßen kriecht, mal stelle sich das bloß mal vor.

Nein, nein, Fred ist - Motorradfahrer.

In seiner Jugend fuhr er Moped, das war klasse.

Heute fährt er BMW, wenn er nicht mit seinem weißen Benz herum kutschiert (was er neulich leider eine Weile lassen musste, weil Scheiß-Bullen ihn kassierten, als er grade gut in Fahrt über eine Brücke preschte. Hinten in der Straße wohnt auch einer von der Bullensorte, den er, wenn er dürfte, mal so richtig würde, echt, die Herren, Klartext, bitte sehr.)

Für Fred liegt die Betonung auf dem ersten Wort von dem Kompositum: Motor-Rad.

Heutzutage fährt er hobbymäßig mit dem Motor-Rad der Marke, wofür die Leser einer Zeitschrift angeblich votierten, als es um die Wahl zum Motor-Rad des Jahres ging (ich persönlich glaube, dass die Zeitschrift lediglich der mit Bildchen aufpolierte Werbe-Flyer ist von der Firma, die die Dinger baut und auf diese Weise viele Fliegen mit der Hochglanzklappe schlägt).

Für Fred ist sein Motorrad schön.

Für mich ist an dem Ding irgendwas metallisch blau, die Form kommt mir bescheuert vor und auch, dass viele der Organe der Maschine glänzend offen liegen, als würden sie am Abend operiert.

Das Ding frisst tonennweise Erdölderivat, macht Lärm und stinkt tagtäglich als hochgefährliches Insekt auf einem weiß markierten Parkplatz vor Freds und Crissis Häuslein rum, wie ich vermute, denn solche Dinge werden doch mit Schweröl eingeschmiert, das dann auf Chrom und Stahlblech in der Sonne köcheln muss, vielleicht auch nicht.

Ich stehe leider nicht auf Motor-Räder.

Und ich fliege nicht ein Bisschen auf Zweiradfahrer-Sex: Mir sagen die Motorradfahrer in der Lederkluft mit Robothandschuh und dem Astronautenhelm kein Wort Erotik, ganz im Gegenteil.

Für Fred sieht ein Motorradfahrer jedoch geil aus, obergeil.

Wenn er die Frikadelle (die für Fred den Bau bedeutet, in dem er sich behaglich vor der Welt verkriecht) verlässt – um mit dem Krad herumzubrausen, Himmel, dann ist Fred ein, naja, sowas wie ein Held.

Easy Rider2 hat dann nicht den allerkleinsten Tic diesem tollen Kerl voraus, der unbestimmt Dennis Hopper ähneln will und dessen Lächeln das von Peter Fonda wäre nach literweise LSD.

Fred lächelt nicht, wenn er zum Zweiradfahren aus der Bude kommt, nein, er stelzt mit seltsam starren Schritten, so, wie jemand geht, der den ganzen lieben langen Tag diverse Mädels glücklich machte und jetzt noch vorhat, wilde Mustangs zu bezwingen und ein affenstarkes Rodeo locker zu gewinnen. Steifbeinig stelzt er zu seinem Motording, das einen von den raren, limitierten Parkplatzbuchten permanent besetzt, he, darf sie das denn etwa nicht, die supercoole BMW, die schließlich mehr gekostet hat als manche Karre von den Nachbarn? Für die Maschine legt man rund 150 Mal an Jella auf den Tisch wie der Lehrer nebenan für das Fahrradschrottmodell, womit er morgens mit den vollgestopften Jutetüten rechts und links zu seiner Penne strampelt (hähähä), der Ökofreak, der er natürlich ist mit seiner blöden Hippie-Schlampe und den vielen Bälgern, die natürlich irgendwann alle aufs Gymnasium und dann zur Uni gehen.

Fred, der lächelt nicht, wenn er mit seinem Lederhandschuhpaar gegen einen Oberschenkel schlägt – so ähnlich, wie der Reiter mit der Gerte gegen seinen Stiefel zieht, um zu probieren, ob man solchem Hieb gehorchen will.

Wird die Maschine Fred nun seinen Willen tun – und mit ihm um die Hindernisse fliegen? Geländegummi Geben? Attackenreiten? Kurvenräubern? Wasserschnittenschneiden?

Fred liebt seine BMW.

Er streichelt sie mit einem extra weichen Tuch, das er einem Klappfach sanft entnimmt. Poliert.

Jetzt glänzt sie wie der Ehering, auf den die Crissi damals wild war, weil das Kind dann ehelich geboren würde, das sie kriegte. Damals, tja. Heute ist der Holger schon erwachsen und sitzt dicke drin. Macht Geschäfte, macht der Holger in Anzug und Krawatte, sieht auch klasse aus mit Superkurzfrisur und Sonnenbrille und (privat) auch ohne Schlips, das Hemd dann offen und die irre Kette mit dem Platinfischanhänger dran, weil er im März geboren ist, und schenkte allen Ernstes seinem Paps - die BMW, ist das zu glauben. Und Crissi jetzt die neue Küche, mit allem Drum und Dran. Und seine kleiner Schwester kriegt von Holger, was sie will. Nur – einen Ehemann, den hat er nicht auf Lager. Crissi wäre froh, wenn Steffi endlich einen fände, einen, wie gesagt, nicht viele, gottverdammte Sch..zwei-drei-vier. Crissi ist dann immer sauer, wenn die Steffi wieder mal mit einem oben auf dem Zimmer stundenlang allein sein will, geht natürlich nicht, passiert nachher noch ein Mallör, wie Crissi damals, was besch..zwei-drei-vier und schon ganz schön schade war, zum Glück die Erbschaft von den beiden Schwiegereltern, und das Haus. Jetzt ist der Holger groß und macht uns schon Geschenke.

Fred lässt die Maschine an.

Sie brüllt gewaltig auf und macht gehöriges Theater.

Fred gehört die Erbsenstraße.

Da lehnt Crissi aus dem Fenster von Steffies Kinderzimmer.

„Fred“ ruft sie hinunter.

„Fred, hast Du Deine Brille an – damit Du auch was siehst?“

Chic & Hubraum

Was zum Teufel ist ein - schickes Auto?

Könnte chic so etwas wie der Mini sein, der bei dem Ehemann von meiner besten Freundin die Garage blöd blockiert? Den Ehemann in seiner späten Jugend fuhr? Womit er heiße Zeiten und ein Selbstbild konserviert, das leider nicht mehr existiert?

Ist sowas chic?

Ist chic der Sunbeam, den ich, aufgebockt und unter Planen gramvoll abgespeckt, im Hof bei einer Gartenfreundin sah? (In Rot jedoch, nicht in dem Seltsamblau des Cabrios, worin Grace Kelly Cary Grant die Route de la Turbie chauffiert3.)

Was könnte überhaupt von Chic – an einem Auto sein?

Ich kenne chic tatsächlich nur als modischelegant: Audrey Hepburn etwa traf in Givenchy als Reggie in Charade4 auf vierfach-charming Cary Grant und nahm zum Schluss gleich alle vier (den Brian, Peter, Alexander und den Adam).

Das war chic. In jeder Hinsicht.

Ein Auto spielte in dem Film, soweit ich mich erinnere, nicht mit.

Was sollte chic an einem Auto sein – wie es nunmehr eine Nachbarin begehrt:

Sie sucht ein schickes Auto. Ernst, kein Witz. Kein Psychotrick. Kein Ratespiel.

Ich bin gespannt, was sie an einem Ding, das nur Maschine ist, als Chic versteht.

Maschinen-Chic. Soll das ein Lenkradpolster sein, das dem Design der Felgen steht?

Der Bremsweg passt zur Windschutzscheibe?

Der Kühlergrill folgt, will er chic sein, einer Linie, die, modisch neuerdings, nicht A, nein: sanduhrförmig ist, damit man einen Gürtel darum schnallen kann, der in der Farbe unbedingt den Airbag-Farbton trifft?

Ein schickes Auto stinkt nicht, sondern riecht - hinten raus nach 4711?

Gestern nun war diese Nachbarin mit ihrem Gatten unterwegs, sich auf dem Automarkt mal umzuschauen nach einer schicken Auto-Mobilie.

(Ich liebe Autos leider nicht und fände chic, wenn keine führen von denen, die so schrecklich überflüssig sind. Natürlich: Polizisten, Ärzte, Krankenwagenfahrer, Baggerführer, Taxis sind nötig, keine Frage. Aber: Freizeitbrauser, Abiturgeschenkverprasser, Imponierkutschfahrer, Suffskidennochschlingerweltgefährder, Dritt- und Viertfahrzeugbenutzer und Sexualpotenzaufpepper sollten Autofahren einfach lassen – und vielleicht zu Freunden klönen gehen oder Halma spielen. Das Bett gehört desgleichen zu probaten Möglichkeiten, sich Spaß zu machen, zu entspannen oder sich behaglich aus dem Weltgeschehen rauszuziehen, bitteschön, vielleicht mit einem Buch.)

Ich traf die Nachbarin nun eben, wie sie die Karre einer äußerst widerlichen Nachbarin beäugte, die mit sträflich dicken Abgaswolken durch die Lande zieht, weil ihr Vergaser, garantiert verkehrt justiert, auf VÖLKERMORD geschaltet ist.

„Der hier ist auch ein schickes Auto“ meinte sie und das auch noch zu mir, indem sie mit der Hand bewundernd über Autos linke Hinterflanke strich.

Die Geste hatte (ehrlich, mal!) nun wahrlich einen Stich: Man streichelt nicht Maschinen.

Was wäre mit mir los, wenn ich den Küchenherd liebkoste oder meinen Heizungsthermostaten zärtlich an mich drückte?

Solch verquere Dinge gibt es nur im Film5, und nur im Film ist sowas komisch.

Meine Nachbarin ist alles andere als komisch.

Sie kitzelte noch Auto (neckend irgendwie) am rechten Außenspiegel und klopfte ihm auffordernd auf das Dach, so wie ich das von jenen Kerlen kenne, die sich mit Frauen nur verständigen, indem sie grunzen und ihnen rückenseitig Klappse geben.

Seltsam: Fiel mir jemals vorher auf, dass meine Nachbarin - einen ausgeprägten Schnäuzer hat?

Anderntags ein ähnlich irres Bild: Die Nachbarin, die mit der rechten Hand den Heckscheinwerfer eines Porsche streichelt, wobei sie in die Knie geht.

Der Porsche steht vor eines Nachbarhauses Seitentür, wodurch der Nachbar sein Mobil im Auge hat und Tag und Nacht bewacht. Prompt schoss der Nachbar aus dem Haus und warf besitzmarkierend eine Plane (mit Stuttgarter Wappentier darauf) über seine Flunder6.

Seine zärtliche Besorgnis kam mir vor wie – Eifersucht, man glaubt es nicht. (Ich muss jedoch gestehen, dass ich tatsächlich schon mit Bakterienkillerspray meinen Sattel und die Lenkergriffe sprühte, nachdem besagte widerliche Nachbarin mein Fahrrad aus der Einfahrt stellte. Aber das war Ekel, der mich nach dem Sprühzeug rufen ließ – nicht Liebe.)

Wie eigenartig: Die Augen von der Nachbarin – nie zuvor bemerkte ich diesen harten Blick...

Nun habe ich sehr viel zu tun und keine Zeit (geschweige Lust), auf der Straße rumzustehen, um mit Nachbarinnen dummes Zeug zu reden oder Streit zu pflegen. Von daher bin ich niemals informiert, weiß nie, was rechts und links passiert, und kenne, wenn ich ehrlich bin, wenn's hochkommt eine Handvoll Leute um mich her. Und selbst die paar Figuren kenne ich nicht richtig, denn ich sehe schlecht und grüße deshalb jede, die so blond ist wie die Frau von dem, der Porsche fährt, und jede, die quadratisch ist wie meine Nachbarin, die nun ein schickes Autochen begehrt.

Ah, da ist sie wieder! Heute hat sie sich - einem weißen Benz an den Kühlergrill geschmissen. Sie streichelt dort den dreigeteilten Stern, der für die Sorte Autos typisch ist.

Fremd: Die Hand die streichelt! Sah ich je – wie groß und roh die Pranke ist, mit der sie diesen Stern befühlt? ...

Fred sah es wohl, denn eilig springt er aus dem Häuslein, wovor der Stern mitsamt dem Auto steht. Die Hand, die über seinen heißgeliebten Kühlergrillstern strich, er wischt sie knapp beiseite.

„An sowas packt man nicht!“ spricht er zu meiner Nachbarin – als hätte sie ihn an der Nietenjacke oder, ärger, unten drunter angefasst.

Die Nachbarin jedoch hört nicht auf Fred, den sie für einen Idioten hält, wie sie mir einst verriet.

Stattdessen fährt sie mit der Hand über jenen Deckel, der beim Schiff den Bug bedeutet und beim Auto, so vermute ich, den Motorraum verbirgt.

Das nun stört den Fred erheblich.

Er schwingt sich glatt zu ein paar Sätzchen auf, worin vom „Packen“ und vom „Ding“, von „Pfoten“ und vom „Tut man nicht“ die Rede ist.

Es klingt, als hätte meine Nachbarin ihn unterwärts belästigt.

Sie quittiert mit einem Griff - an ein Seitenfenster von Freds Benz.

Er kontert mit geübtem Ellenbogenruck und schiebt sie Richtung Heck.

Sie gibt ihm wendig Kontra mit einem Kick zur Hinterreifenfelge.

Den Tritt gibt er zurück, indem er in die Hosentasche greift. Er zieht - den Fernbedienungsschlüssel.

Sie repliziert: Touché am Heck.

Fred brüllt vor Wut.

Höchst sonderbar: Sie brüllt zurück. Mit einer ungewöhnlich tiefen Stimme...

Fred bleibt nichts schuldig. Er gibt Bescheid – indem er in sein Auto springt.

Bringt es in Sicherheit.

Du schaffst das, Alte!

Rückwärts rein ist schon nicht leicht.