Banksternovelle - Darius H. Hamudi - E-Book

Banksternovelle E-Book

Darius H. Hamudi

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Beschreibung

Manderscheid war in Afghanistan, aber das ist schon eine Weile her. Jetzt steht er für die Sicherheit eines internationalen Geldhauses am Fuß eines Bankenturms in Frankfurt. Gefahr droht dem Institut jedoch nicht von außen. Der Trader Raimund ist gelangweilt vom täglichen Klein-Klein. Er träumt vom großen Wurf und geht dabei unfassbare Risiken ein … Mit von der Partie sind auch die beiden Wachmänner Sinzig und Sedelmayr. Sie haben ihren eigenen Blick auf die Themen Gier, Gezocke und Gerechtigkeit, die in der Banksternovelle literarisch durchgespielt werden.

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Seitenzahl: 87

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Darius H. HamudiBanksternovelle

Manderscheid war in Afghanistan, aber das ist schon eine Weile her. Jetzt steht er für die Sicherheit eines internationalen Geldhauses am Fuß eines Bankenturms in Frankfurt. Gefahr droht dem Institut jedoch nicht von außen. Der Trader Raimund ist gelangweilt vom täglichen Klein-Klein. Er träumt vom großen Wurf und geht dabei unfassbare Risiken ein …

Mit von der Partie sind auch die beiden Wachmänner Sinzig und Sedelmayr. Sie haben ihren eigenen Blick auf die Themen Gier, Gezocke und Gerechtigkeit, die in der Banksternovelle literarisch durchgespielt werden.

Darius Hamidzadeh Hamudi wurde 1975 in Wien geboren. Er studierte Deutsch, Politik und Italienisch in Freiburg und Perugia und unterrichtet am Kolleg in Köln.

2017 gründete er die »Zylinderkopf-Dichtung Menagerie der kleinen Literatur«, die als App und Podcast kostenlos zum Download zur Verfügung steht. Außerdem bloggt er auf www.DariusHH.de.

Darius H. Hamudi

Banksternovelle

Die Handlung und alle handelnden Personen sind frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeit mit lebenden oder realen Personen wären rein zufällig.

Originalausgabe

tredition GmbH, Halenreie 40–44,22359 Hamburg (Verlag und Druck)© 2020 Dareusch Hamidzadeh Hamudi, Köln –Alle Rechte vorbehalten, dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung,Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung. Das Foto auf Seite 120 ist gemeinfrei/public domain(Wikimedia Commons).Lektorat: textweise – Dr. Felicitas IgelKorrektorat: Eva Elisabeth WagnerUmschlagbild und -gestaltung:Harald Tobies, TOBIES-ART, Brühl im RheinlandSatz: Uhl + Massopust, AalenISBN: 978-3-7497-6779-3 (Paperback)ISBN: 978-3-7497-6781-6 (E-Book)

Inhalt

1. Alternativlos

2. Beruf: Trader

3. Der Experte

4. Sicherheit

5. Reale Werte

6. Der Spieler

7. Hinterhalt

8. Boys in the Bubbles

9. Memory Lane

10. Ypsilon brannte

11. Triumph und Geheul

12. Krieg in 3-D

13. Untreue

14. Die Quadratur des Schnitzels

15. Risikomanagement

16. Patrouille in Bredouille

17. Der Wettkönig

18. Murphys Opfer

19. Bestimmungen

20. Reif

21. Angst

22. Tapferkeit

23. Horror

24. Die Geldanlage

25. Controlling

26. In Demut und Bescheidenheit

27. Die Kühlerfigur

28. Granatsplitter

29. Costa Concordia

30. Mohn

31. Peanuts

1. Alternativlos

Frankfurt, vor dem Turm. Manderscheid war nur noch eine Witzfigur: Zwei Mann waren ihm geblieben, zweihundert waren es gewesen, früher in Afghanistan. Aber vorbei war vorbei. Eigentlich war es keine Frage der Quantität. Auch ein winziger Verband aus Feldjägern konnte eine Schlacht entscheiden. Echte Kämpfer mussten her, Vollblutkrieger, die auf Gedeih und Verderb, ohne zu zögern, dem Feind die Kehle zudrückten. Es mangelte an Qualität, und das auf ganzer Linie. Die mentale Verfassung seiner Männer war eine Katastrophe, ebenso wie ihre physische Konstitution. Wahrscheinlich würden sie nicht mal einen Fünf-Kilometer-Marsch durchhalten, wohlgemerkt ohne Gepäck. Von einer Grundausbildung ganz zu schweigen. Jeder Ausbilder hätte seine Freude gehabt mit diesen Vögeln. Der eine, Sinzig: Statur wie ein Zahnstocher, war früher Nachtwächter, und so sah er auch aus. Spielte ziemlich gut Schach, das war’s dann schon. Lebte noch bei Mutti, war bleich wie eine Made und konnte sich mutmaßlich nicht einmal selbst die Schuhe zubinden. Besonderes Kennzeichen: steckte in der Öffentlichkeit die Hände in die Taschen. Diese Unart konnte Manderscheid ihm einfach nicht austreiben. Der andere, Sedelmayr: klein und dick, dumm, faul und gefräßig. Anstatt sich auf seine Flanke des Objekts zu konzentrieren, aß er alles, was ihm in die Finger kam, vor allem Bratwürste, aber auch Rosinenschnecken von der Bäckerei gegenüber. Zum Glück waren Appelle absolut unüblich im Objektschutz. Wenn er seine beiden Männer zum Appell antreten ließe, dürfte niemand vorbeikommen, denn sie sähen aus wie Dick & Doof. Manderscheid war raus aus dem Heer, endgültig. Niemals mehr würde er irgendwelche Männer zum Appell antreten lassen. Das war vorbei, ein für alle Mal. Im zivilen Leben tickten die Uhren anders. Er war nicht mehr im Krieg, es ging nur um die Sicherheit des Turms, eines Eckgebäudes, das an zwei Seiten von stark befahrenen Straßen flankiert war. Die dritte Seite des Gebäudes lag an einem verkehrsberuhigten Fußweg. Hier befand sich die Zufahrt zur hauseigenen Tiefgarage, die von einer Spezialeinheit gesichert wurde. Manderscheid misstraute ihr. An der vierten Seite teilte sich der Turm den Zugang zu einem kleinen Park mit zwei anderen Gebäuden – ein Gefahrenherd ersten Grades: Es handelte sich um eine knapp achtzig auf sechzig Meter große Wiese, in deren Mitte sich ein vier Meter hoher Hügel mit einem Plateau erhob. Die Steigung war sehr moderat, vielleicht zehn Prozent, und setzte bereits am Rande des Parks an, sodass ein Panzer jederzeit in der Lage wäre, den Spielplatz zu überrollen. Der Grünstreifen war von innen nach außen von einer losen Baumreihe, einem Kiesweg und einer gestutzten Hecke gesäumt. Der Kiesweg fand, zu einer Promenade verengt, am Steilufer des Mains seine Fortsetzung. Am Rande des Plateaus befanden sich eine Baumgruppe und eine Bank, von der aus Eltern das Spiel ihrer Kinder bewachten. Die Baumgruppe wäre beim Einsickern in die feindliche Stellung von zentraler strategischer Bedeutung. Die Geländebedeckung bestand überwiegend aus Wiese und böte bei einem Fliegeralarm wenig Schutz. Der leichte Hackboden würde es dem Feind erlauben, in kürzester Zeit eine ausgebaute Deckung mit Kampfständen und -gräben anzulegen, sodass im Feuergefecht auch eine Wechselstellung zur Verfügung stünde. Das sogenannte Naherholungsgebiet könnte vom Feind als Drehscheibe für eine Invasion wie aus dem Lehrbuch verwendet werden: Die Versorgung des Stützpunktes wäre zu Wasser, zu Land und von der Luft aus zu bewerkstelligen. Der Main wäre breit und tief genug für einen Versorger der Lüneburg-Klasse. Aber es lag keine militärische Bedrohungslage vor. Schon wieder waren mit dem Hauptmann der Reserve die Pferde durchgegangen. Manderscheid atmete entschieden aus. In Afghanistan hätte der Park einen idealen Platz für ein befestigtes Lager abgegeben, einen kleinen Hubschrauberlandeplatz mit inbegriffen. Aber er war nicht mehr in Afghanistan, verdammt! Manderscheid hatte den Fehler gemacht, in der Firma für Objektschutz gegenüber seinem Chef ein paar Sätze zur Beschaffenheit des Geländes fallen zu lassen. Der Fähnrich der Reserve hatte ihn verspottet: »Spinnen Sie nicht rum, Manderscheid. Wenn ein Entführer irgendeine Maschine vom Flughafen direkt ins Hochhaus steuert, können wir nur zusehen. Sie sind Folklore! Ein paar Wachleute gehören bei einer Bankzentrale einfach dazu.« Der Fähnrich der Reserve dachte nicht militärisch, er hatte es in seiner kurzen Dienstzeit verabsäumt, Gefahren zu erkennen. Solcher Leichtsinn hätte Manderscheid schon einmal fast das Leben gekostet. Für ihn stand fest: Die Sicherheit des Gebäudes war bedroht, sonst würde die Bank kein Geld für Objektschutz ausgeben. Und die Bedrohung wurde unterschätzt, denn jede Bedrohung wurde unterschätzt. Wenn Manderscheid das Oberkommando gehabt hätte, wären sie auf Nummer sicher gegangen und hätten das Fla-Rak-System ROLAND in der Tiefgarage stationiert. Das Trägerfahrzeug war nicht größer als ein Lkw. Dieses allwettertaugliche, voll mobile Waffensystem wäre in kürzester Zeit gefechtsbereit und böte zuverlässigen Schutz. Gegen feindliche Flieger im tiefen und mittleren Höhenbereich war es alternativlos. In Frankfurt oder Kunduz, Gefahren für die Sicherheit gab es überall, besonders dort, wo man sie nicht vermutete. Vielleicht hatte der blöde Bundeswehr-Psychologe doch recht gehabt?

2. Beruf: Trader

Im Turm. Am Front Desk. Raimund war Mitte 20, ein junger Hüpfer, Ebene n. Für seinen Namen konnte er nichts, aber für seinen Beruf: Trader. Seinen direkten Vorgesetzten im Middle Office nannten er und die anderen Jungs nur n+1. Mit ihm wechselte Raimund täglich Floskeln. Eine Stufe höher in der Hierarchie saß der n+2 im Back Office, ihm musste Raimund wöchentlich eine Mail schreiben. Seinen n+3 hatte Raimund nur einmal gesehen, vor drei Jahren beim Vorstellungsgespräch. Den n+4, n+5 usw. kannte Raimund nur vom Hörensagen.

Die Kurse stiegen langsam, fielen aber schnell. Raimund war Spezialist für fallende Messer, heimisch auf dem Bullenmarkt. Wenn ein Zug in den Abgrund raste, konnte man schnell sehr weit kommen. Aufs richtige Timing kam es an. Man musste an Bord sein, bevor es abging in die Tiefe. Rechtzeitiges Abspringen machte den Meister. Manchmal ging es kurz nach dem Bruch schon wieder bergauf, wie bei einer Achterbahn, die nur kurz in die Tiefe stürzt, um Schwung für einen Looping zu holen. Meist war das Tempo enorm. Man wusste nie, wo die Wand kam. Kurz vor dem Aufprall war die Party am schönsten. Das war das große Problem.

Raimund verkaufte Werte, die ihm nicht gehörten. Das Risiko steigender Kurse hedgte er mit Kaufoptionen. Im Idealfall lief es wie beim Holzfällen: Obwohl der Stamm durch ist, steht der Baum noch eine Weile. Das ist der Zeitpunkt zum Einstieg: Ready. Raimund geht long. Dann gibt es ein leises, unheilvolles Zittern. Es kündigt den Fall an. Raimund macht sich bereit für den Verkauf: Steady. Und während der Baum fällt, in der kurzen Zeit bis zum Aufprall, muss er den Sack zumachen und verkaufen: Go. Raimund geht short. Raimunds Puls war mit dem Auf und Ab der Märkte verdrahtet. Der Day-Trader hatte keine Zeit für Tagträume. Jedes Beben der Kurse erlebte er als körperliche Erschütterung. Downs mit Ansage, Kursstürze im richtigen Moment, das waren seine Höhepunkte. Für diesen lukrativen Kick war Raimund bereit, alles zu geben. Leider verschob er nur lächerliche Summen, auch wenn er sich nicht an die strengen Vorschriften hielt. Schon als Kind hatte es ihn gelangweilt, um Spielgeld zu pokern. Deshalb hatte er irgendwann seine Limits verdoppelt, vervierfacht, verzehnfacht …

Niemand protestierte dagegen. Um diese Mogelei zu kaschieren, tätigte er Geschäfte immer in beide Richtungen. Er kaufte und verkaufte: Long und Short. Aber eines der Geschäfte war nur Schein. Er ließ den Kontrahenten offen und hielt so für ein paar Tage den Automaten hin, so wurde das automatisierte Handelssystem am Front Desk genannt. Der Automat meckerte nicht, solange unter dem Strich eine Null stand. Ein paar Tage später buchte Raimund seinen Gewinn und löschte das Scheingeschäft. Seinen n+1 im Middle Office störte das nicht. Auch der n+2 hätte das bemerken können, aber man ließ ihn gewähren. Die Gewinne kehrte Raimund unter den Teppich, indem er verlustreiche Positionen mit unbekannten Handelspartnern erfand. Ohne darüber nachzudenken, beschummelte Raimund ständig die Kontrollsoftware und hebelte mit kleinen Notlügen routinemäßig die Einwände des Automaten aus, noch bevor dieser sich zu Wort meldete. Der Automat konnte nichts mitkriegen. Der n+1 und der n+2 wollten nichts mitkriegen. 10.000.000 hatte Raimund inzwischen unterm Carpet für schlechte Zeiten. Deshalb bezeichnete er sich als konservativ veranlagt und grinste. Seine getarnte Kriegskasse hatte er mühsam gefüllt, indem er viele kleine Schlachten gewonnen hatte. 40.000