Barocklyrik. Grobplanung einer Unterrichtseinheit -  - E-Book

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Beschreibung

Studienarbeit aus dem Jahr 2012 im Fachbereich Didaktik - Germanistik, Note: 2,3, Freie Universität Berlin (Institut für Deutsche und Niederländische Philologie), Veranstaltung: Didaktik der deutschen Sprache und Literatur, Sprache: Deutsch, Abstract: Die Unterrichtseinheit „Barocklyrik“ soll die Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I zur selbstständigen (analytischen) Aufschlüsselung und Interpretation barocker Gedichte hinführen. Um einen Einstieg zu gewährleisten, der sowohl Motivation schafft als auch Vorkenntnisse und Vorerfahrungen in Erinnerung ruft, wurde ein lehrerzentrierter anschaulicher Unterrichtseinstieg gewählt. Dazu erstellt die Lehrkraft zu Unterrichtsbeginn an der Tafel gemeinsam mit den SuS eine Mindmap zum Thema „Barock“. Dabei sind Erwähnungen aus jeglichen Bereichen (Kunst, Musik, Literatur, etc.) möglich. Somit wurde ein gewisser Grad an Informationen preisgegeben, den es im Folgenden zu erhöhen gilt. [...]

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Veröffentlichungsjahr: 2015

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Inhalt

 

1 Einstieg in die Unterrichtseinheit

2 Tod und Vergänglichkeit: Vanitas als barockes Lebensgefühl

2.1 Andreas Gryphius: Thränen des Vaterlandes

2.1.1 Textauswahl

2.1.2 Sachanalyse zum Gedicht Thränen des Vaterlandes

2.1.3 Aufgabe und Lernzielformulierung

2.2 Andreas Gryphius: „Alles ist eitel“

2.2.1 Textauswahl

2.2.2 Sachanalyse zum Gedicht Es ist alles eitel

2.3 Simon Dach Letzte Rede

2.3.1 Textauswahl

2.3.2 Sachanalyse zum Gedicht Letzte Rede

2.3.3 Aufgabe und Lernzielformulierung

3 Lebenslust und Lebensgier: Carpe diem!

3.1 Martin Opitz: "Ach Liebste, lass uns eilen"

3.1.1 Textauswahl

3.1.2 Sachanalyse zum Gedicht Ach Liebste, lass uns eilen

3.1.3 Aufgabe und Lernzielformulierung

4 Kompetenzen der Unterrichtseinheit

5 Sicherung

5.1 Form der Sicherung

5.2 Beispielaufgabe

6 Anhang

 

1 Einstieg in die Unterrichtseinheit

 

Die Unterrichtseinheit „Barocklyrik“ soll die Schülerinnen und Schüler der Sekundar- stufe I zur selbstständigen (analytischen) Aufschlüsselung und Interpretation baro- cker Gedichte hinführen.

 

Um einen Einstieg zu gewährleisten, der sowohl Motivation schafft als auch Vor- kenntnisse und Vorerfahrungen in Erinnerung ruft, wurde ein lehrerzentrierter an- schaulicher Unterrichtseinstieg gewählt. Dazu erstellt die Lehrkraft zu Unterrichtsbe- ginn an der Tafel gemeinsam mit den SuS eine Mindmap zum Thema „Barock“. Da- bei sind Erwähnungen aus jeglichen Bereichen (Kunst, Musik, Literatur, etc.) mög- lich. Somit wurde ein gewisser Grad an Informationen preisgegeben, den es im Fol- genden zu erhöhen gilt.

 

Dazu zeigt der Lehrer eine OH-Folie mit mehreren Abbildungen zum Thema Barock (barocke Prachtbauten, Malereien, Kleidung zur damaligen Zeit, etc.). Die SuS su- chen sich jeweils eine für sie interessante Darstellung heraus und beschreiben sie. Es folgen Ergänzungen durch die Mitschüler bzw. die Lehrkraft selbst. Die wichtigs- ten Feststellungen werden an der linken Tafelseite unter dem Titel „Barock -eine Epoche mit zwei Gesichtern“ festgehalten. Es folgen als Kontrast Abbildungen von der Kehrseite dieser Epoche (Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges, Totenschä-

 

del, Stillleben mit dem Vanitas-Motiv[1], etc.) die wiederum beschrieben und ggf. Ander Tafel festgehalten werden. Aufgrund dieser Vorlage überlegen die SuS, wie die zeitlich fast parallelen Phänomene auf die Menschen des 17. Jahrhunderts gewirkt haben müssen und was dies wiederum für die Literatur der damaligen Zeit bedeuten könnte. Es wird an der Tafel als Fazit festgehalten, dass die gesamte Epoche von einer gewissen Antithetik durchdrungen ist, die sich auch im Zeichen der Literatur widerspiegeln mag. Nun werden die wichtigsten Autoren des Barocks durch den Lehrkörper in Kürze (mit Hilfe eines Steckbriefs bzw. weniger Stichpunkte) und bild- lich unterlegt vorgestellt: Andreas Gryphius, Martin Opitz, Christian Hofmann von Hofmannswaldau, Hans Jakob Christoph von Grimmelshausen und Paul Fleming. Hierfür scheint eine PowerPoint-Präsentation am besten geeignet.

 

Um die Schüler auf die folgenden Stunden einzustimmen, wird durch den Lehrkörper verkündet, dass man sich zukünftig mit den wichtigsten Motiven und Gedanken jener Zeit auf verschiedene Weisen auseinanderzusetzen gedenkt. Dabei werde der Schwerpunkt auf Gedichten liegen.

 

2 Tod und Vergänglichkeit: Vanitas als barockes Lebensgefühl

 

2.1 Andreas Gryphius: Thränen des Vaterlandes

 

2.1.1 Textauswahl

 

Thränen des Vaterlandes

 

Wir sind doch nunmehr ganz, ja mehr den ganz verheeret!

 

 Der frechen Völker Schar, die rasende Posaun

 

Das vom Blut fette Schwert, die donnernde Karthaun

 

 

Hat aller Schweiß, und Fleiß, und Vorrat auf gezehret.

 

 

Die Türme stehn in Glut, die Kirch’ ist umgekehret.

 

 

Das Rahthaus liegt im Graus, die Starken sind zerhaun,

 

Die Jungfern sind geschänd’t, und wo wir hin nur schaun,

 

 Ist Feuer, Pest, und Tod, der Herz und Geist durchfähret.

 

Hier durch die Schanz und Stadt, rinnt allzeit frisches Blut. Dreimal sind schon sechs jahr, als unser Ströme Flut,

 

Von Leichen fast verstopfft, sich langsam fort gedrungen,

 

Doch schweig ich noch von dem, was ärger als der Tod, Was grimmer den die Pest, und Glut und Hungersnot, Das auch der Seelen Schatz so vielen abgezwungen.

 

(1636, Andreas Gryphius)

 

2.1.2 Sachanalyse zum Gedicht Thränen des Vaterlandes

 

Aufbau:

 

Sonett in 14 Versen

 

umarmender Reim in den Quartetten, Schweifreim in den Terzetten männliche wie weibliche Kadenzen

 

Metrum: 6-hebiger Jambus (Alexandriner)

 

Inhalt :

 

lyrisches Ich berichtet von den Schrecken des Krieges

 

Personifikation in der Überschrift weist auf Leiden der Bevölkerung hin

 

Strophe 1: - Exclamatio (V.1) verdeutlicht Bestürzung des lyrischen Ichs; Le- ser wie Gesellschaft werden mit einbezogen(„wir“)

 

Asyndeton(V. 2-3) benennt Kriegswerkzeuge als Gründe für flächendecken- des Elend; Intensivierung durch Hyperbel („das vom Blut fette Schwert“ ) Strophe 2: in gesteigerter Form werden Auswirkungen des Krieges aufgezählt; Aspekt des Vanitas-Gedankens tritt zutage

 

geistliche Institution als Militärstützpunkt missbraucht und entweiht („die Kirch ist umgekehret“) - Verlust der Kirche als Rückzuggebiet; Gottvertrauen der Bevölkerung erschüttert führt den ursprünglich aus Glaubensgründen be- gonnenen Krieg ad absurdum

 

Strophe 3: Dauer und Allgegenwärtigkeit des Kriegstreibens wird unterstri- chen( „rinnt allzeit frisches Blut. Dreimal sind schon sechs Jahr…“); Frage, wie lang dieser Zustand noch anhalten soll, wird aufgeworfen

 

Symbolik der drei Sechsen impliziert Bezug zum Antichristen

 

Strophe 4: bisher genannte Schrecken werden relativiert durch die für das lyri- sche ich verheerendste Konsequenz der Kriegssituation („das auch der See- len Schatz so vielen abgezwungen.“)  christlicher Glaube/ moralische Integ- rität des Einzelnen wichtiger als alles Vergängliche auf Erden

 

schlussendlich angedeutete Hoffnungslosigkeit, dass sich diese Güter in Zei- ten des Krieges schwer bewahren lassen und die seelischen Strapazen auch nach dem Tod andauern (memento mori!)

 

2.1.3 Aufgabe und Lernzielformulierung

 

Aufgabe:

 

Diskutiert die im Text beschriebenen Auswirkungen des Krieges.

 

Welche Grundstimmung wird hier erzeugt? Welche mögliche Folge ist nach Meinung des lyrischen Ichs die schlimmste?

 

Bezieht auch den ausgeteilten Informationsbogen über den dreißigjährigen Krieg in

 

Eure Überlegungen mit ein.

 

Lernziel:

 

Die Schüler sollen Einsicht in Historizität und damit gleichzeitig in die historische Be- dingtheit der eigenen Position gewinnen.

 

2.2 Andreas Gryphius: „Alles ist eitel“

 

2.2.1 Textauswahl