Basiswissen Selbstversorgung aus Biogärten - Andrea Heistinger - E-Book

Basiswissen Selbstversorgung aus Biogärten E-Book

Andrea Heistinger

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Beschreibung

ANLEITUNG FÜR EINE MODERNE SELBSTVERSORGUNG Ausführlich und mit fundiertem Praxiswissen beschreibt Andrea Heistinger, wie Selbstversorgung aus Biogärten in der heutigen Zeit individuell oder gemeinschaftlich gelingen kann und welche Herausforderungen dabei zu meistern sind. In einem umfassenden Grundlagenteil sind alle wesentlichen Aspekte zur Planung genau erklärt: Wie viel Zeitbudget muss vorhanden sein, welche Geräte und welche Fläche sind notwendig, wie soll ein Garten am besten eingeteilt werden und was ist wann zu tun. ALLE GRUNDLAGEN SIND GENAU UND PRAXISORIENTIERT BESCHRIEBEN In Porträts mit Anbauanleitungen und Sortenempfehlungen erfahren angehende, aber auch versierte SelbstversorgerInnen, welche Gemüse-, Obst- und Kräuterarten ertragreich, pflegeleicht und am besten für den Eigenanbau geeignet sind. Mit Zusatzkapiteln zu Hühner- und Bienenhaltung sowie Lagerung der Ernte ist der Weg für mehr Unabhängigkeit geebnet. - alle Grundlagen zum Thema moderne Selbstversorgung - Wege zu erntefrischer Sortenvielfalt und lebendigen Lebensmitteln - mit Anbauempfehlungen für Gemüse, Obst und Kräuter - Möglichkeiten zur gemeinschaftlichen Versorgung: Foodcoops, Community-supported agriculture (CSA), Selbsterntefelder, Crowdfunding, Garten-Genossenschaften und Regionalwert-AGs - mit genauem Saisonkalender: was ist wann zu tun, was kann wann geerntet werden - Gartenplanung für unterschiedliche Regionen und Höhenlagen: Sortenwahl und Fruchtfolge - Bienen und Hühner: Honig und Eier aus eigener Haltung - Praxis-Tipps zu Haltbarmachung und Lagerung: ganzjährig versorgt

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Andrea Heistinger Arche Noah

Basiswissen Selbstversorgung aus Biogärten

Individuelle und gemeinschaftliche Wege und Möglichkeiten

© 2018 by Löwenzahn in der Studienverlag Ges.m.b.H., Erlerstraße 10, A-6020 Innsbruck

E-Mail: [email protected]

Internet: www.loewenzahn.at

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie, Mikrofilm oder in einem anderen Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

ISBN 978-3-7066-2868-6

Umschlag- und Buchgestaltung sowie grafische Umsetzung:

Judith Hausmann, Eine Augenweide, www.eine-augenweide.com

Lektorat: August Werner, www.ecotype.de

Recherche-Assistenz: Reinhard Prenn

Zeichnungen: alle Katharina Heistinger, außer 201 und 289 Stefan Emmelmann

Bildnachweis

Allmenda Gemeinschaftsgarten Götzis: 125, 133; Arche Noah: 48, 264, 375u, 384r, 386, 387o, 387m, 392u, 394l, 394ro, 395m, 395u, 401, 403u, 404l, 406, 408u, 412lu, 412r; Traude Banek: 93, 238m; Isabell Bayer/Karl Lueger: 278, 283ol, 283or; Berta Braun: 275o; Bundesarchiv Bild 183-M1015-316, Donath, Otto/CC-BY-SA: 104; Croce & Wir: 136, 155lm, 155lu; Deutsches Kleingärtnermuseum Leipzig: 103; Willi Ederle: 91, 260r, 341r; Die Erdlinge: 131, 132; Markus Gmeiner: 180; Edm Gotthard Privatarchiv: 110, 112; Alfred Grand: 208m, 208u, 305l; Peter Haase: 267o; Andrea Heistinger: 20o, 22u, 24, 29, 30, 33, 34, 35o, 37, 38, 40m, 41, 44or, 46, 49u, 51, 52, 53, 57, 61, 63, 64, 65, 67, 69, 70, 74, 75, 76, 77, 79or, 79ul, 80, 81, 82, 84, 85, 89l, 89ro, 101, 117ur, 124, 127, 134, 135or, 135l, 139, 143, 144, 145, 146u, 147, 149, 150, 178, 179, 182, 186, 187, 189, 190, 191, 196, 198, 200, 202, 203, 204, 205, 207, 208o, 209, 211, 212, 213, 214, 217, 218, 219, 220r, 221, 223, 227, 228, 229, 231lu, 231r, 232lo, 232lu, 234ro, 234ru, 236, 237m, 240u, 241, 242, 244, 245, 249, 250, 255o, 256u, 260l, 261, 266r, 271, 274, 275u, 276o, 276u, 277, 279, 280, 281, 283m, 283u, 285, 287, 288, 290, 291, 292, 294, 295, 296, 297, 298, 299l, 299ro, 303, 304lo, 304r, 305r, 306, 307, 308, 309l, 310, 311lo, 311lm, 311ro, 311ru, 313, 314, 317, 319r, 320, 323, 326, 327, 328lo, 328ro, 332o, 332u, 333o, 333m, 334, 335, 336, 337, 338l, 339u, 340, 341l, 342u, 345, 346r, 349o, 354, 355, 356lu, 356r, 357, 361l, 362, 363, 364o, 366, 370, 371o, 371m, 375o, 375m, 376, 378, 382, 384l, 385, 392o, 394lu, 395o, 398, 399, 400, 402, 403o, 405u, 407lo, 407lu, 407ru, 409lo, 409lm, 409ro, 410, 411, 413l, 414m, 414u, 416l, 417, 418, 418, 420, 422, 423, 424l, 424ro, 425rm, 426o, 426m, 430o, 431l, 433, 434, 441, 444, 445u, 446, 447u, 448, 449u, 455u, 457ru, 459l, 460ro; Lukas Heistinger: 343l, 344o; Uta Hill: 87; Ingolf & Annette Hofmann: 251, 435, auch 436, 437, 438, 439; Firma Hydrip: 220l; Lebensfeld Jaksch: 266lu, 268 ; Kartoffelkombinat: 23, 174, 175, 177; Ulli Klein/Meine kleine Farm: 137, 138, 154, 155lo, 155r, 161, 162, 163, 164; Andrea Kölzer: 89rm, 89ru; Simone König: 123; Gebhard Kofler: 316, 430m, 453; LoBauerInnen: 128, 129; Firma Morgentau: 108, 119l; Wolfgang Palme: 232ro, 232ru, 234lu, 240o, 304lu; Rupert Pessl: Titelbild, 11, 13, 15, 19, 20, 20u, 22o, 22m, 25, 26, 27, 28, 31, 32, 35m, 35u, 36, 39, 40o, 40u, 42, 44ol, 44ml, 44ul, 44ur, 45, 47, 49o, 50, 55, 56, 62, 68, 71, 72, 73, 79ol, 79ur, 105, 106, 107, 109, 113, 115, 116, 117o, 117ul, 121, 140, 141, 142, 146o, 148, 153, 167, 184, 185, 192, 193, 194, 195, 215, 216, 222, 225, 230, 231lo, 233, 234lo, 235, 237o, 237u, 238o, 238u, 239, 246, 247, 248, 254, 255u, 256o, 257, 258, 262, 265, 266lo, 276m, 300, 301, 302, 309r, 311lu, 312, 315, 318, 319l, 321, 322, 325, 328lu, 328ru, 330, 331, 332m, 333u, 339o, 339m, 342o, 343r, 344u, 346l, 347, 348l, 349m, 349u, 351, 352, 353, 359, 360, 361r, 364m, 364u, 365, 367, 368, 369, 372, 373, 374, 387u, 388, 390, 391, 395o, 396, 397, 405o, 405m, 408o, 412lo, 414o, 415, 416r, 421, 413r, 424ru, 425ro, 425ru, 426u, 430u, 431r, 432, 442, 443, 445o, 447o, 449o, 451, 452, 454, 455o, 457l, 457ro, 458, 459r, 460l, 460ru, 461; Klaus Pichler: 8; Helmut Pirc: 409lu; Reinhard Prenn: 14, 78, 119ul, 151, 152, 168, 169, 170, 171, 173, 338r, 371u; Reinsaat: 356lo; Irmie Scheidl: 95, 243, 270, 409ru; Peer Schilperoord: 348r; Stadtgrün Bern: 100o; Staudengärtnerei Gaißmayer: 424rm; Martin Stenger: 120; Thomas Stephan: 358; Siegfried Tatschl: 389, 407ru; Gudrun Weinwurm: 404r; Christoph Wiesmayr/Klimabündnis Oberösterreich: 135u; Tina Wintersteiger: 263, 267m, 267u, 273; Zentralverband der Kleingärtner Österreichs: 100u

Dieses Buch erhalten Sie auch in gedruckter Form mit hochwertiger Ausstattung in Ihrer Buchhandlung oder direkt unter www.loewenzahn.at.

Inhalt

Dank & Vorwort

Über dieses Buch

Warum Selbstversorgung?

Sehnsucht Selbstversorgung

Erfahrungen sammeln

Abhängigkeiten umwandeln

Selbstversorgung versus Fremdversorgung

Regionalität leben

Fruchtbares Gartenland erhalten

Selbstversorgung wieder neu lernen

Bio-Gärten als Anfang und Ausweg

Zurück zur Gemeinschaft

Die Bedeutung von Sortenvielfalt in der Selbstversorgung

Samen sichern Zukunft

Vorbereitung

Die alte bäuerliche Landwirtschaft und ihre Prinzipien

Kontinuität und Beständigkeit

Boden und Tiere als wesentliches Kapital

Wissen und Können entstehen aus dem Tun

Vorratshaltung ist essentiell

Bedarfsorientierte Produktion für ökonomische und soziale Einheit

Stabile und verlässliche Arbeits- und Sozialbeziehungen

Netzwerke und Außenbeziehungen sind überschaubar

Arbeits- und Lebensformen sind eng verflochten

Kochen und Verarbeiten als zentrale Tätigkeiten

Wenig Fremdkapital nötig

Risiken und Abhängigkeiten sind kalkulierbar

Vielfalt minimiert Risiken

Fruchtbarkeit und Fortpflanzung von Nutzpflanzen und Nutztieren ist gesichert

Systemimmanente Energieversorgung

Wiederkäuer als zentrale Bausteine der Hofökonomie

Die Grenzen der natürlichen, verfügbaren Ressourcen sind bekannt

Kreislaufwirtschaft

Sparsamer Umgang mit Ressourcen

Selbstversorgung in Ernährungs-Kennzahlen

Referenzen für die Mengenempfehlungen

Putz- und Schälverluste einkalkulieren

Was essen wir wovon?

Wie groß sollen die Anbauflächen sein?

Erwartbare Erntemengen

Auf biologische Wirtschaftsweise umstellen

Welche Form der Selbstversorgung passt zu mir? – Der Selbst-Test

Individuell anbauen

Wie lernt man das biologische Gärtnern?

Alltagswissen wieder neu aneignen

Bei Bio-Gärtnereien mithelfen

Vorüberlegungen

Klassische Anfängerfehler

Wie viel Zeit braucht Selbstversorgung?

Der richtige Zeitpunkt

Ein Gartentagebuch führen

Selbstversorgung mit der Familie

Lust und Frust des Gemüse-Essen-Lernens

Den Selbstversorger-Garten planen

Gut planen und dann wachsen lassen

Hinweise zum Hausbau

Das Haus als Rankfläche

Lebende Zäune – Nutzpflanzen als Abgrenzung

Zäune

Wo kann überall im Garten Gemüse wachsen?

Den Platz für den Gemüsegarten auswählen

Himmelsrichtung

Wie groß soll der Gemüsegarten sein?

Wo kann überall im Garten Obst wachsen?

Wo Obstbäume pflanzen?

Kräuter im Garten

Beispiele für individuelle Selbstversorger-Gärten

Kleingarten

Inbegriff von Spießbürgertum?

Nutzgarten oder Mini-Einfamilienhaus im Grünen?

Wie komme ich zu einem Kleingarten?

Kleingärten mitten in der Stadt: Ottensheim in Oberösterreich

Familiengärten in der Schweiz

Zur Entstehungsgeschichte der Kleingärten

Kleingärten als Massenphänomen der Zwischenkriegszeit

Die Eisenbahnergärten

Kleingärten in der DDR

Gemeinsam anbauen

Selbsterntegarten

Individuell und kollektiv

Genau genommen ein Stück Acker

Jeder für sich und doch in Gemeinschaft

Mögliche Erntemengen aus einem Selbsterntegarten

Das Garten-Erntebuch von Edmund Gotthard

Das Selbsternte-Gartenjahr

Unterschiede der einzelnen Anbieter

Passt das Konzept Selbsternte für mich?

Was erwartet mich im Selbsterntegarten?

Darauf sollten Sie bei der Anpachtung einer Selbsternte-Parzelle achten

Die Pflanzen-Grundausstattung

Kulturarten, die nachgesät werden können

Porträts von Selbsternte-Anbietern

Gemeinschaftsgärten

Vorteile von Gemeinschaftsgärten

Gartenbau oder Landwirtschaft?

Gemeinschaftsgärten als neue Formen der Aneignung und Mitgestaltung

Gemeinsam ertragreich gärtnern

Entscheidungen: Alleine oder gemeinsam?

Checkliste zur Gründung eines Gemeinschaftsgartens

Beispiele für gemeinschaftsgetragene Landwirtschaft

Solidarische Landwirtschaft (CSA)

Geschichte der Vertragslandwirtschaft

Stärken der Solidarischen Landwirtschaft

Herausforderungen einer Solidarischen Landwirtschaft

Die Gründung einer Solidarischen Landwirtschaft

Mit wie vielen Ernte-Anteilen starten?

Freie Entnahme oder fixe Gemüsekiste

Checkliste zur Gründung einer CSA

Kann ich da auch gärtnern? Aktionstage und Co.

Ausstattung einer CSA-Landwirtschaft

OpenOlitor – eine Administrations-Software für CSA-Initiativen

Beispiele für Solidarische Landwirtschaft

Planungsbeispiele für den Gemüseanbau in einer Solidarischen Landwirtschaft

Den Anbau der Vielfalt planen

Anzahl der möglichen Ernte-Anteile

Der satzweise Anbau – ein Spezifikum der CSA-Anbauplanung

Lagergemüse

Vorgehensweise bei der Ernte-Planung

Das Ernteziel für ein Gemüse errechnen

Anbauplanung Vorkultur

Anbauplanung Direktsaat

Die zu erwartende Erntemenge richtig einschätzen

Weitere Überlegungen für die Anbauplanung

Weitere Überlegungen für die Sortimentszusammenstellung

Lebensmittelkooperative (Foodcoop)

(Vor-)Geschichte der Foodcoops

Was ist und wie entsteht eine Lebensmittelkooperative überhaupt?

Formen von Foodcoops

Anforderungen an das Lager

Weitere notwendige Infrastruktur

Ablauf und Organisation

Foodcoops aus der Sicht der ProduzentInnen

Checkliste zur Gründung einer Lebensmittelkooperative (Foodcoop)

Mögliche Stolpersteine

Porträt: Die Foodcoop Krekoodel in Krems

Genossenschaft

Ein Modell neu beleben

Crowdfunding

Die verschiedenen Formen

Die Regionalwert AG

Regionen den Wert der Selbstversorgung zurückgeben

Die regionale Selbstversorgung stärken

Selbstversorgung heißt Arbeitsteilung und Zusammenarbeit

Neue Betriebe gründen

Gewinn und Verlust haben hier eine andere Bedeutung

Grundlagen

Ressourcen

Boden

Fruchtbarkeit von Böden wahrnehmen lernen

Bodenarten und ihre Eigenschaften

Wie erkenne ich, welche Bodenart ich habe?

Zusammensetzung des Bodens

Humus – organische Substanz

Hortisol

Krümelgefüge

Böden rasch fruchtbar machen

Dünger

Lockern und Wärmestrahlen einfangen statt düngen

Wie viel Dünger brauchen Pflanzen?

Mist

Schafwolle

Organische Handelsdünger

Pflanzenjauchen

Silage/Bokashi

Welcher Biodünger ist für welchen Anlass?

Kompost

Richtig kompostieren

Der richtige Kompostplatz

Was kann kompostiert werden?

Das richtige Mischungsverhältnis

Kompostzusätze und Impfmaterial

Kompostieren in Kompostbehältern

Kompostieren in einer Kompostmiete

Kompost umsetzen

Wann ist der Kompost fertig?

Unreifer Kompost

Das Ausbringen des Kompostes

Der Komposthaufen als Pflanzplatz

Kompost für den Blumentopf

Schnellkompost

Regenwurmhumus (Wurmkompost)

Komposttee

Kompost kaufen

Mulch

Mulchen im Spätfrühling und Sommer

Richtig mulchen

Mulchschicht über den Winter

Gründüngung

Einige Grundregeln

Gründüngung zum Garten-Start oder zur Garten-Pause

Gründüngungs-Saatgut

Einarbeiten der Gründüngung

Gründüngung als Vorsaat

Gründüngung im Sommer

Leguminosen sammeln Stickstoff aus der Luft

Wasser

Ortswasser

„Ernte“ von Regenwasser

Hinweis für Trockenregionen

Regenwassertanks/Zisternen

Durchschnittswerte im Bio-Garten

Unterschiede zwischen einzelnen Gemüsekulturen

Bewässerungsanlagen

Unterirdische Bewässerung

Wie viel Wasser brauchen Obstpflanzen?

Bewässerung von Aussaaten

Anbau in Zeiten des Klimawandels

Prognostizierte Veränderungen

Temperatur und Pflanzenwachstum

Was tun bei Extremwetter-Ereignissen?

Ausnutzen der Winterfeuchtigkeit

Frostsaat

Waldgärten

Gemüseanbau in Dammkultur

Ausstattung und Lagerung

Der Selbstversorger-Garten

In die Selbstversorgung investieren

Werkzeuge im Selbstversorger-Garten

Werkzeuge für das Hochbeet

Geräte zur Bodenbearbeitung

Geräte zur Unkrautregulierung

Vorbereitung der Saatbeete

Weitere Arbeitsgeräte

Ausstattung für den geschützten Anbau

Einige zusätzliche Hinweise zur Auswahl

Rank- und Stützgerüste

Die Selbstversorger-Küche

Spüle/Abwasch

Töpfe und Pfannen

Flotte Lotte, Schöpflöffel und Co.

Einmachgläser

Ausstattung zum Fermentieren von Gemüse

Dampfentsafter

Elektrogeräte

Dörrgeräte/Trocknungsschränke

Lagerung von getrockneten Früchten und Kräutern

Das Selbstversorger-Haus

Auswahlkriterien für den Hauskauf

Neubau eines Selbstversorger-Hauses

Gartenküchen

Obst und Gemüse konservieren ohne Kühltruhe

Die eigene Ernte lagern

Bestehende Lagermöglichkeiten prüfen und optimieren

Lagermöglichkeiten neu schaffen

Ein Hof lehrt Selbstversorgung: Das Lebensfeld Jaksch

Grundregeln für Ernte und Lagerung

Umsetzung

Gemüse anbauen

Beetformen

Bodenbeet

Wiese in Gartenland umwandeln

Gemüsebeete anlegen

Hügelbeet

Rahmenbeet/Erhöhtes Beet

Hochbeet

Übersicht: Vor- und Nachteile der verschiedenen Beetformen

Fruchtfolge

Die Ausnahmen

Eine Fruchtfolge planen

Beispiel einer sechsgliedrigen Fruchtfolge (für milde Lagen)

Fruchtfolge im Gewächshaus

Jungpflanzenanzucht

Vor der Aussaat: Die Keimprobe

Welche Gemüse werden vorgezogen?

Übersicht Ausstattung

Gute Aussaaterden

Keimtemperaturen

Licht- und Dunkelkeimer

Samen beizen

Dünger

Wann wird vorgezogen?

Die Dauer der Jungpflanzenanzucht

Aussaat direkt in Töpfen

Das Pikieren

Abhärten

Ein Gewächshaus-Kasten

Auspflanzen der Jungpflanzen

Aussaat in Erdpresstöpfe

Kriterien für den Jungpflanzeneinkauf

Direktsaat von Kräutern im Garten oder im Topf

Wintergemüsebau in Selbstversorger- Gärten

Einige grundsätzliche Anmerkungen

Empfehlungen für den Selbstversorger-Garten

Anbau im Freiland

Anbau von Wintersalaten im Freiland

Anbau in Frühbeetkästen/Wanderkästen

Einfach zu kultivierende Wintergemüse im geschützten Anbau

Anbau im temporären Minitunnel

Faltbare Minitunnels

Anbau im Gewächshaus

Anbau im Rolltunnel

Empfehlungen für Gemüsearten und -sorten

Salate

Grundsätzlich zum Anbau von Salaten

Salate als Lückenfüller

Baby-Leaf-Salate am Fensterbrett

Wie viel Platz brauchen Salate?

Salaternte im Frühling

Salaternte im Sommer

Salaternte im Herbst

Salaternte im Winter

Winterkresse (Barbarea vulgaris), Kreuzblütler

Brunnenkresse (Nasturtium officinale), Kreuzblütler

Spinatpflanzen

Echter Spinat (Spinacea oleracea), Fuchsschwanzgewächse

Mangold (Beta vulgaris), Fuchsschwanzgewächse

Guter Heinrich (Chenopodium bonus-henricus), Fuchsschwanzgewächse

Gartenmelde (Atriplex hortensis), Fuchsschwanzgewächse

Blatt-Amarant/Gemüse-Amarant (Amaranthus spp.), Fuchsschwanzgewächse

Malabarspinat (Basella alba), Basellgewächse

Neuseeländerspinat (Tetragonia tetragonioides), Eiskrautgewächse

Brennnessel (Urtica dioica), Brennnesselgewächse

Kohlgemüse

Kopfkohle: Weißkraut, Rotkraut, Wirsing (Brassica oleracea), Kreuzblütler

Brokkoli und Blumenkohl/Karfiol (Brassica oleracea), Kreuzblütler

Kohlrabi (Brassica oleracea), Kreuzblütler

Grünkohl (Brassica oleracea), Kreuzblütler

Sprossenkohl/Rosenkohl (Brassica oleracea), Kreuzblütler

Kohlrübe/Steckrübe/Wruke (Brassica napus), Kreuzblütler

Herbstrübe/Wasserrübe (Brassica rapa ssp. rapa), Kreuzblütler

Pak Choi (Brassica rapa ssp. pekinensis), Kreuzblütler

Zwiebelgewächse

Küchenzwiebel (Allium cepa), Lauchgewächse

Schalotte/Familienzwiebel (Allium cepa var. ascolonicum), Lauchgewächse

Fruchtgemüse

Tomate/Paradeiser (Lycopersicon esculentum), Nachtschattengewächse

Paprika/Chili (Capsicum spp.), Nachtschattengewächse

Aubergine/Melanzani (Solanum melongena), Nachtschattengewächse

Tomatillo (Physalis ixocarpa), Nachtschattengewächse

Kürbis (Cucurbita pepo, C. moschata und C. maxima), Kürbisgewächse

Zucchini (Cucurbita pepo), Kürbisgewächse

Gurke (Cucumis sativus), Kürbisgewächse

Zuckermelone, Honigmelone (Cucumis melo) und Wassermelone (Citrullus lanatus), Kürbisgewächse

Wurzelgemüse

Karotte, Möhre, Gelbe Rübe (Daucus carota subsp. sativus), Doldenblütler

Pastinake (Pastinaca sativa), Doldenblütler

Wurzelpetersilie (Petroselinum crispum), Doldenblütler

Haferwurzel (Tragopogon porrifolius), Korbblütler

Schwarzwurzel (Scorzonera hispanica), Korbblütler

Zuckerwurzel (Sium sisarum), Doldenblütler

Knollensellerie (Apium graveolens), Doldenblütler

Rote Rübe/Rote Bete/Rohne (Beta vulgaris), Gänsefußgewächse

Kartoffel/Erdapfel (Solanum tuberosum), Nachtschattengewächse

Süßkartoffel (Ipomoea batatas)

Hülsenfrüchte

Das Eiweiß aus dem Garten

Hülsenfrüchte in der Fruchtfolge

Grüne Bohne/Gartenbohne (Phaseolus vulgaris und Phaseolus coccineus): Stangenbohne, Buschbohne und Feuerbohne

Linse (Lens culinaris)

Sojabohne (Glycine max)

Erbse (Pisum sativum)

Puffbohne, Ackerbohne, Pferdebohne, Saubohne, Dicke Bohne (Vicia faba L.)

Mehrjährige Gemüse (Permakultur- Gemüse)

Ein Pflanzplatz für die Mehrjährigen

Mehrjährige Spinatgemüse

Mehrjährige Salatgemüse

Gebleichte oder ungebleichte Triebe

Mehrjährige Gewürzgemüse

Gemüse richtig ernten

Obst anbauen

Planung eines Obstgehölz-Gartens

Obst für den eigenen Standort auswählen

Welche Obstarten gedeihen in meinem Garten?

Wasser

Klima

Niederschlag

Licht und Schatten

Wärme

Wintertemperaturen

Spätfröste

Das Kleinklima verbessern

Standortansprüche der Obstarten

Wie viele Bäume bzw. Sträucher brauche ich, um meinen Bedarf zu decken?

Wie viele Obstbäume braucht ein Selbstversorger-Garten?

Welche Anbaumöglichkeiten habe ich in meinem Garten und welche muss ich neu herstellen?

Mit welchen Baumformen kann ich meinen verfügbaren Platz ausnutzen?

Der Schnitt von Obstbäumen

Ein gemieteter Garten/Selbsterntefeld: Wie viele Jahre kann ich den Garten nutzen?

Obstgehölze pflanzen

Die Streuobstwiese

Tiere im Obstgarten

Gänse

Hühner

Hasen

Schafe

Empfehlungen für Obstarten undsorten

Apfel (Malus domestica)

Birne (Pyrus communis)

Quitte (Cydonia oblonga)

Aprikose/Marille (Prunus armeniaca)

Zwetschge, Pflaume, Mirabelle & Co. (Prunus domestica)

Pfirsich und Nektarine (Prunus persica)

Süßkirsche (Prunus avium) und Sauerkirsche/Weichsel (Prunus cerasus)

Mispel/Asperl (Mespilus germanica)

Kornelkirsche/Dirndl (Cornus mas)

Walnuss (Juglans regia)

Haselnuss (Corylus avellana und C. maxima)

Holunder/Holler (Sambucus nigra)

Planung eines Beerenobst-Gartens

Standort

Bodenqualität

Bewässerung

Erntezeit im Beerenobst-Garten

Erdbeeren (Fragaria spec.)

Himbeeren (Rubus idaeus)

Brombeeren (Rubus sectio Rubus)

Johannisbeeren und Stachelbeeren (Ribes spec.)

Obst richtig ernten und lagern

Kräuter anbauen

Kräuter und ihre Lebensbereiche im Garten

Mischkultur von Kräutern und Gemüse

Lebensbereich Gemüsebeet

Lebensbereich Kräuterbeet

Lebensbereich Mediterranes Kräuterbeet

Lebensbereich Gehölzrand

Lebensbereich Kübel

Übersicht der Kräuter-Kulturanleitungen

Ernte und Aufbewahrung von Kräutern

Kräuter richtig trocknen

Bewährte Methoden der Trocknung

Kräuter richtig aufbewahren

Bienen halten

Honig, Propolis und Bienenwachs

Imkerei braucht Zeit

KollegInnen helfen

Ein guter Standort

Schwieriges Umfeld

Benötigte Ausstattung

Die passende Rähmchengröße: Normalmaß oder Zander

Bienen-Tränke

Empfehlung: Magazin-Beuten

Weiteres Handwerkszeug

Die ersten Bienenvölker anschaffen

Bienen Nahrung bieten

Ein Imker-Jahr im Überblick

Wie ich selbst zum Imker wurde

Hühner halten

Grundlegendes zur Hühnerhaltung

Anschaffungskosten

Nachbarschaft und Rechtliches

Gemeinsam Hühner halten

Freilaufend oder eingezäunt?

Größe und Ausstattung des Auslaufs

Wechselnder Auslauf

Mobiler Stall

Füchse, Marder, Hühnergeier

Benötigte Ausstattung

Automatische Klappe

Wasser und Futter

Eierschalen verfüttern oder nicht?

Futter für die Küken

Die Auswahl der Rasse

Die eigene Nachzucht – das Glucken

Bruteier aufbewahren

Mit oder ohne Hahn?

Krankheiten, Parasiten, Giftpflanzen

Vogelmilbe/Blutmilbe

Kalkbeinchen

Giftige Pflanzen im Garten

Eier lagern

Eierüberschüsse konservieren

Hühner schlachten

Serviceteil

Gartenkalender

Mondkalender

Phänologischer Kalender

Die Bodentemperatur – ein zuverlässiger „Gartenkalender“

Das Gartenjahr nach Monaten

Über die Herausgeber

Über die Mitwirkenden

Bezugsadressen

Weiterführende Literatur

Danke

• an alle, die mich ermutigt haben, dieses Buch zu schreiben und dranzubleiben: Markus, Beate, Maria, Gebhard, Christian, Anita, Christina, Ute-Karin, Reinhild, Reinhard, Wolfgang und Heini

• an alle, die mir das ermöglicht haben: meiner Mutter, meinen Kindern, meiner Schwester, Bernadett, dem Verein Arche Noah und dem Löwenzahn Verlag

• an alle, die für das Buch recherchiert, ein Kapitel geschrieben, fotografiert und gezeichnet haben: Reinhard Prenn, Tina Wintersteiger und das Team von bauteiler, Rosemarie Zehetgruber, Johannes Maurer, Ingolf Hofmann, Rupert Pessl und Katharina Heistinger

• an alle, die ihr Wissen und ihre eigenen Erfahrungen zur Selbstversorgung für das Buch zur Verfügung gestellt haben. Danke für die vielen Gespräche, E-Mails und Begegnungen. Danke für eure Anbauanleitungen, Empfehlungen und Inspirationen. Danke, dass ihr euch Zeit genommen habt, mitten in der Sommerhitze und dem Trubel der Arbeit.

• insbesondere an alle, die ihre Erfahrungen für neue Formen der gemeinschaftsgetragenen Selbstversorgung für dieses Buch zur Verfügung gestellt haben: Peter Lassnig, Ulli Klein, Christian Hiss und Daniel Überall

Kommunizierte und dokumentierte Gartenerfahrungen sind die Basis für dieses Buch.

„Ich bin der Pfleger.“„Und ich die Ernterin.“(Martina und Robert Wenzl, Selbsternte-Gärtner, Wien)

Liebe Selbstversorger-Gärtnerinnen, liebe Selbstversorger-Gärtner!

Es ist mir eine besondere Freude, das Vorwort für dieses Buch von Andrea Heistinger zu verfassen – zumal dieses Werk die Reihe der in den letzten Jahren erschienenen ARCHE NOAH-Handbücher nun abrundet. „Basiswissen Selbstversorgung aus Biogärten“ schafft eine neue Grundlage für die individuelle und für die gemeinschaftsgetragene Versorgung aus Biogärten.

Keine Selbstversorgung ohne Vielfalt

Der Verein ARCHE NOAH hat es sich in den letzten Jahren zur Aufgabe gemacht, selten gewordene Kulturpflanzenarten und Sortenraritäten wieder in Umlauf zu bringen. „Rettet die Vielfalt – esst sie auf!“ Unter diesem Motto steht die Arbeit des Vereins. Dies ist nur möglich, wenn Menschen entweder selbst diese Pflanzen anbauen und nutzen oder verlässliche und tragfähige ökonomische wie soziale Beziehungen zu Gärtnerinnen und Gärtnern, Bäuerinnen und Bauern aufbauen und auf diese Weise ermöglichen, dass eine bunte Vielfalt an Gemüse-, Obst- und Kräutersorten erhalten wird.

Danke

Über vier Jahre hat Andrea Heistinger mit viel Ausdauer und Beharrlichkeit all die verschiedenen Aspekte des Themas zusammengetragen und verschriftlicht. Sorgfältige Recherchen, genaues Hinschauen und Hinterfragen, eigene Erfahrungen, dokumentiertes Erfahrungswissen versierter Praktikerinnen und Praktiker. Das sind die bewährten Zutaten der Bücher von Andrea Heistinger. Auch diesmal legt sie ein Werk vor, das einen hohen fachlichen Anspruch kombiniert mit einer großen Praxistauglichkeit sowie guter Lesbarkeit. Ich freue mich, dass wir diese Bücher als Verein ARCHE NOAH herausgeben dürfen und dass wir über ein großes Netzwerk von BiogärtnerInnen verfügen, die ihr Erfahrungswissen so freigiebig in diesem Buch mit anderen teilen. Herzlichen Dank auch an den Löwenzahn Verlag für die kompetente Betreuung des Buches und für die verlässliche und gute Kooperation.

Neue Selbstversorgungs-Netzwerke

Im Vergleich zu den bisher erschienenen Standardwerken, in denen es um biologische Samengärtnerei, Gemüse-, Kräuter- und Obstanbau ging, umfasst das vorliegende Buch zahlreiche soziale und ökonomische Aspekte des Gärtnerns und der Landwirtschaft. Dass es gilt, Selbstversorgung gänzlich neu zu denken – und dieser Weg von vielen Menschen in den letzten Jahren bereits gegangen wurde –, zeigt dieses Buch auf eindrucksvolle Weise. Lassen Sie sich inspirieren, Jahr für Jahr ein Stück mehr zum Selbstversorger/zur Selbstversorgerin zu werden und eine Vielfalt an samenfesten Sorten anzubauen.

Beate Koller

ARCHE NOAH Geschäftsführerin

Wege zu mehr Selbstversorgung

Wenn Sie auf dem Weg zu mehr Selbstversorgung sind: Es geht nicht darum, dass Sie sich für die eine oder andere Variante entscheiden. Fangen Sie einfach an!

Wenn Sie einen Garten haben, schauen Sie, was hier alles Essbares wachsen könnte. Vielleicht pflanzen Sie ja „nur“ einen Apfelbaum Ihrer Lieblingssorte, der aber in 10 Jahren so viel trägt, dass Sie sich dann damit beschäftigen dürfen, wie Sie die guten Äpfel lagern können. Wenn Sie keinen Garten haben: Gibt es in der Nähe eine Solidarische Landwirtschaft (CSA), in der noch Ernte-Anteile zu vergeben sind? Oder ein Selbsterntefeld? Viele der in diesem Buch beschriebenen Möglichkeiten, lassen sich ja auch sehr gut kombinieren:

Vielleicht schaut Ihre persönliche Selbstversorgung so aus, dass Sie alle Tee- und Gewürzkräuter, die Sie über ein Jahr benötigen, selbst im Garten oder auf der Terrasse ernten, dass Sie einem Obstbetrieb im Herbst die Menge an Äpfeln und Birnen, die Sie für die Einwinterung bauchen, abkaufen, und Sie 10.000.- Euro von Ihren Ersparnissen der Gründung einer Regionalwert AG zur Verfügung stellen, die damit vielleicht ein Bio-Catering für die Schule, in die Ihre Kinder oder Enkelkinder gehen, aufbauen kann. Vielleicht haben Sie die Möglichkeit, mit Freunden oder Ihrer Familie gemeinsam einen Obstgarten anzulegen oder einen Erdkeller zu errichten.

Vielleicht entscheiden Sie sich dafür, in Ihrer Gemeinde einen Gemeinschaftsgarten anzulegen, ein Nachbargrundstück für den Anbau von Gemüse zu nutzen und Getreide und andere landwirtschaftliche Produkte über eine Foodcoop zu beziehen. Sie sehen, es gibt nicht den einen, richtigen Weg zu mehr Selbstversorgung. Die Möglichkeiten sind fast unbegrenzt, lassen sich vielfältig kombinieren und laufend entstehen neue. Erfahren Sie auf den nächsten Seiten, welche Formen der Selbstversorgung es gibt und treffen Sie für sich und Ihre Lebenssituation die passende Entscheidung.

 

Andrea Heistinger

Meine Erfahrungen mit der Selbstversorgung

Über viele Jahre konnten wir uns zumindest über den Sommer gut mit Gemüse, frischem Obst und Kräutern aus dem Garten versorgen. Die Gartenarbeit im unmittelbar hinter unserem Haus liegenden Garten war mit dem Arbeitsalltag vereinbar. Während meines Studiums in der Stadt hatte ich mich jahrelang darauf gefreut, einen eigenen Garten zu haben, und plötzlich war er da. Es gab viele Erfolge, aber auch viele Rückschläge. Der extrem sandige Boden, kombiniert mit dem Wassermangel einer niederschlagsarmen Region, machten es in vielen Jahren zur Herausforderung, tatsächlich ertragreich Gemüse zu ernten. Immer noch beneide ich jene Gärtnerinnen und Gärtner, die auf guten Gartenböden, die mehr Wasser halten können, und in niederschlagsreicheren Gebieten gärtnern können. Wir hatten Jahre, in denen bereits Ende Juni der Brunnen austrocknete und wir dann – trotz wassersparender unterirdisch verlegter Bewässerung – einfach nicht bewässern konnten. Dass Gemüse ganz ohne Wasser gedeihen kann, ist ein Mythos. Das mag für Regionen mit hohem Grundwasserspiegel, tiefgründigen Böden oder/und ausreichenden Niederschlägen stimmen. Für Hanggärten in Trockenregionen treffen solche Aussagen niemals zu.

Nach dem Tod meines Mannes – wir hatten bis dahin den Garten gemeinsam bewirtschaftet – war für mich vieles, nicht nur das Gärtnern, anders. Zunächst dachte ich, dass mir das Gärtnern guttun würde, doch bald merkte ich, dass ich einfach nicht die Kraft dazu hatte. Gerade jenes Jahr war wieder ein Jahr extremer Trockenheit, das regelmäßige Versorgen der Beete mit Mulch und all die anderen Tätigkeiten waren mir einfach zu viel. Weit erholsamer war es für mich, spazieren zu gehen. Die Kinder und das Büro nahmen mich voll in Anspruch. Ich hatte eines nicht, das für Selbstversorger-Gärten ausschlaggebend ist: Zeit!

Gärtnern braucht immer Zeit, regelmäßig, und es muss in den Arbeits- und Alltag integrierbar sein. Wer Selbstversorgung ernst nimmt, muss nicht nur das eigene Leben darauf ausrichten können, sondern auch das der Familie, und sich entsprechende Netzwerke aufbauen. In einem Garten sind es häufig gerade die kleinen Handgriffe, die man immer wieder in Portionen erledigen kann und die dann zum Erfolg führen: Das Unkraut lässt sich am besten mit einer Pendelhacke in den Boden einarbeiten, solange es noch klein ist. Gurken und Tomaten wollen regelmäßig aufgebunden werden. Die Obstbäume müssen jährlich geschnitten werden. Wer seinen Garten über lange Zeit alleine lässt, muss dann mit ungleich größerem Aufwand rechnen, um wieder hinterherzukommen.

Für mich wäre es im Moment – selbständig und mit zwei kleinen Kindern – ein Ding der Unmöglichkeit, uns aus dem Garten zu versorgen. Nicht umsonst sind häufig die Gärten von Menschen, die in Pension sind, besonders ertragreich. Nicht nur, dass sie oft schon seit Jahrzehnten gärtnern – und so die vielen Handgriffe gut sitzen –, sie haben auch ausreichend Zeit, und können diese dem Garten widmen. Können etwa gleich am frühen Morgen in den Garten gehen, um Schnecken einzusammeln oder die Pflanzen zu gießen.

Ich bin sehr dankbar, dass es um mich herum Menschen gibt, die mich und meine Familie mit gutem Gemüse, Kartoffeln und Getreide versorgen. Regelmäßig bekomme ich eine Gemüselieferung von einer Freundin, die gemeinsam mit ihrem Mann viel mehr Gemüse anbaut, als sie selber brauchen.

Erntefrisches, geliefertes Herbstgemüse zur Einlagerung im eigenen Keller.

Blüten erfreuen jedes Mal, wenn man in den Garten geht. Und viele von ihnen ziehen Nützlinge an. Die „praktische Seite“ der Schönheit.

Über dieses Buch

Dieses Buch ist für alle geschrieben, die ihren eigenen Garten oder eine Gemeinschaftsfläche vermehrt zum Anbau von Gemüse, Obst und Kräutern nutzen oder die eine gemeinschaftsgetragene Form von Selbstversorgung aufbauen wollen – vielleicht auch beides. In erster Linie ist es für all jene, die auf diesem Weg die ersten Schritte tun. Was braucht es, damit Selbstversorgung – die letztlich immer gemeinschaftlich ist – wirklich gelingen kann? Die vielen Initiativen zur Selbstversorgung, die in den letzten Jahren entstanden sind, zeigen, dass Selbstversorgung im 21. Jahrhundert – anders als dies noch vor wenigen Jahrzehnten gelebt wurde – kein Aussteigen, kein „Sich-zurück-Ziehen“ auf einen Selbstversorger-Bauernhof bedeutet. Auf der einen Seite natürlich steigt man aus dem Kundenkreis der Lebensmittelindustrie aus, aber gleichzeitig verbindet man sich mehr mit der eigenen Region und den Menschen dort. Dazu gibt es verschiedene Wege: Eine Sache ist, den eigenen Garten für die Selbstversorgung mit Obst, Gemüse und Kräutern zu nutzen. Eine andere sind längerfristige Kooperationen und verlässliche Beziehungen mit Bäuerinnen und Bauern oder GärtnerInnen aus der Umgebung aufzubauen. Das kann ein Ernte-Anteil sein, den man fix pro Woche abnimmt, oder ein Teil der Ersparnisse, die man einer Bio-Gärtnerei – zum Beispiel zur Anschaffung eines Lagers oder eines Elektroautos für die Auslieferung – zur Verfügung stellt. Sei es in Form von Crowdfunding, als Einlage in einer Genossenschaft oder als Aktien-Anteil in einer Regionalwert AG, um die lokalen Liefer- und Verarbeitungsketten zwischen Betrieben und bis auf den eigenen Teller wieder neu aufzubauen.

1. Teil

Vorbereitung – Die alte bäuerliche Landwirtschaft und ihre Prinzipien / Selbstversorgung in Ernährungskennzahlen / Welche Form der Selbstversorgung passt zu mir? / Individuell anbauen / Gemeinsam anbauen

Selbstversorgung beginnt nicht mit dem Anbau und dem Verarbeiten von Gemüse und Obst, sondern mit dem Schaffen der entsprechenden sozialen und ökonomischen Rahmenbedingungen sowie den räumlichen Ressourcen. Im ersten Teil des Buches wird daher zunächst auf die vielfältigen Möglichkeiten eingegangen, sich mit wenigen oder mit vielen Menschen zusammenzuschließen, um ökologische, zu fairen Arbeitsbedingungen regional erzeugte Nahrung auf den Tisch zu bekommen. Die Möglichkeiten sind vielfältiger als man meinen mag. Anhand der vorgestellten Formen kann man auch einiges über die Erzeuger und Initiatoren erfahren, die mit viel Herzblut und Ausdauer zukunftsweisende Initiativen ins Leben gerufen haben. Zum Einstieg zeigt ein Blick zurück, dass die alte bäuerliche Ökonomie auf die Versorgung der Hausleute mit Essen, Wohnraum und Energie ausgerichtet war, was erst mit dem Einzug der industrialisierten Landwirtschaft an Bedeutung verlor. Das Kapitel leitet Prinzipien einer lokalen Versorgungswirtschaft ab und zeigt, wie diese Prinzipien auch gegenwärtig für eine moderne Versorgungswirtschaft Vorbild sein können.

Um welche Mengen geht es, wenn man Selbstversorgung ernsthaft in Angriff nimmt? Dann bedeutet Versorgung etwas anderes, als ein paar Tomaten am Balkon zu ernten. Was bedeutet „Versorgung“ in Zahlen? Um dies zu erläutern, beschäftigt sich das nächste Kapitel (von der Ernährungswissenschafterin Rosemarie Zehetgruber) mit der Frage, wie viel Gemüse, Obst und Kräuter ein Mensch im Jahr isst – oder essen sollte, wenn man die Empfehlungen der Ernährungswissenschaften (weniger Fleisch und mehr Gemüse und Obst zu essen) ernst nimmt. Daraufhin wird aufgezeigt, welche Anbauflächen man braucht, um diese Mengen tatsächlich zu ernten. Da in der Umstellung auf biologischen Anbau die Erträge in der Regel niedriger sind und auch diese Umstellung häufig am Beginn steht, behandelt ein Kapitel die Frage, wie man einen Garten auf die biologische Wirschaftsweise umstellt.

Ein Selbst-Test zum Ankreuzen von Reinhard Prenn gibt zudem augenzwinkernd Auskunft, welche Form der Selbstversorgung für wen geeignet ist. Dieser soll in erster Linie vor dem Scheitern bewahren. Und speziell vor allzu hochtrabenden Zielen. Denn nicht selten haben unrealistische Ziele dazu geführt, dann doch wieder ausschließlich beim Gemüse aus dem Supermarkt zu landen.

Das Kapitel „Individuell anbauen“ zeigt anschließend, wie man am besten startet, mit wie viel Zeit man rechnen muss, wenn man einen Nutzgarten bestellt, und vor welchen Herausforderungen Mann und Frau stehen, wenn Selbstversorgung gemeinsam mit den ersten Kindern ein Thema wird. Vor allem werden hier klassische Anfängerfehler beschrieben und gezeigt, wie man sie umschiffen kann. Das darauf folgende Kapitel „Den Selbstversorger-Garten planen“ porträtiert Gärten von Menschen, die sich ganz oder teilweise aus ihren Gärten versorgen. Sie stehen exemplarisch für unterschiedliche Anbau-Systeme. Wohlwissend, dass kein Garten dem anderen gleicht und sich die tatsächlichen gewählten Wege oft Schritt für Schritt ergeben. Ins Gärtnern wächst man hinein, den eigenen Standort lernt man kennen, indem man ihn bebaut. Vieles zeigt sich erst im Tun. Mit einer gewissen Planungsgrundlage kann die Machbarkeit besser eingeschätzt werden und nicht zuletzt haben Pläne auch eine inspirierende Wirkung. Eine historisch bewährte Form des Nutzgartens ist der individuell bewirtschaftete Kleingarten. Ihm, seiner Geschichte und den Nutzungsmöglichkeiten zur Selbstversorgung ist ein Kapitel gewidmet.

In den letzten Jahren sind viele neue Formen der gemeinschaftlichen Selbstversorgung entstanden. Für viele ist es schlicht nicht möglich, einen eigenen Garten zu bewirtschaften: weil sie in der Stadt leben, weil sie keinen eigenen Garten haben und dieser auch nicht in Sicht ist, weil sie beruflich voll eingespannt sind, weil die Kinder klein sind, weil sie das Gärtnern nicht von zu Hause gelernt haben und das Gärtnern gerade zu Beginn viel Zeit braucht. Es gibt viele Gründe, warum es für einzelne nicht möglich sein kann, einen eigenen Garten zu bewirtschaften. Das Kapitel „Gemeinsam anbauen“ stellt daher alte und neue Wege der gemeinschaftsgetragenen Selbstversorgung vor. Eine einfache Form ist, dass Bäuerinnen und Bauern ein Stück Land für Nachbarinnen und Nachbarn zur Verfügung stellen und so auch für sich wieder neue Beziehungsnetzwerke aufbauen. Eine strukturiertere Form der Kooperation zwischen Bäuerinnen und Bauern auf der einen Seite und Menschen, die ein Stück Land bewirtschaften wollen, ist das Konzept der Selbsternte (→ siehe Seite 106). Auch Kommunen wie die Stadt München organisieren diese Formen des Anbaus von Gemüse, die sich seit vielen Jahren bewähren.

Nach einem Kapitel zum Thema Gemeinschaftsgarten und gemeinsam organisierten Formen des Gemüseund Obstanbaus, geht es ausführlich um neue Formen der gemeinschaftlichen Selbstversorgung, die in den letzten zehn Jahren entstanden sind: Foodcoops – auch Lebensmittelkooperativen genannt – sind selbst organisierte Einkaufsgemeinschaften, die Produkte direkt von Bäuerinnen und Bauern beziehen. Bei der Solidarischen Landwirtschaft (SOLAWI/CSA) nehmen Menschen fix einen bestimmten Anteil der Ernte ab, helfen teilweise bei Anbau und Ernte und eignen sich so auch Kenntnisse und Fähigkeiten des Gemüseanbaus an. Diese Form der Landwirtschaft/des Gartenbaus ermöglicht es, neue lokale Versorgungsgemeinschaften aufzubauen. Eine andere Form ist die Gründung einer Genossenschaft. Mit ihrem Einlage-Kapital und einem fixen monatlichen Ernte-Anteil finanzieren die Mitglieder einer Genossenschaft zum Beispiel den Aufbau ihrer eigenen Gärtnerei und bekommen dafür an 50 Wochen im Jahr eine Gemüsekiste geliefert. Auch Crowdfunding, das sich immer größerer Beliebtheit und wachsendem Erfolg erfreut, ist eine realistische Möglichkeit, die Versorgung einer Gemeinschaft sicherzustellen, gerade wenn es darum geht, außerplanmäßig größere Investitionen zu tätigen. Eine sehr weitreichende Form, wieder Verantwortung für die Art und Weise, wie Lebensmittel in der eigenen Region erzeugt werden können, zu übernehmen, ist das Konzept der Bürgeraktiengesellschaft, der Regionalwert AG. Auch dieses Konzept ist eine Form der Selbstversorgung, im Sinne einer Regionalwertökonomie, in der Menschen einen Teil ihres Kapitals Betrieben für den Aufbau einer ökologischen Lebensmittelversorgung zur Verfügung stellen.

 

2. Teil

Grundlagen – Ressourcen / Ausstattung und Lagerung

Im zweiten Teil werden die wesentlichen Grundlagen vermittelt, die zum Gärtnern unerlässlich sind. Dazu gehören einerseits immaterielle Grundlagen – gärtnerisches Basiswissen – und andererseits die materielle Ausstattung des Selbstversorger-Gartens. Der Boden ist in jedem Fall die Grundlage. Im Kapitel „Ressourcen“ werden seine Zusammensetzung, Schichtung und Funktionen ausführlich beschrieben sowie die Frage beantwortet, wie man ihn am besten düngt, damit die Fruchtbarkeit des Bodens von Jahr zu Jahr steigt. Dabei sind auch die Themen Kompost, Gründüngung und das Mulchen von wesentlicher Bedeutung. Wasser ist eine weitere Grundlage des ertragssicheren Gärtnerns. Mit wie viel Wasser man rechnen muss und wie man Regenwasser „ernten“ kann, wird ebenfalls erläutert. In den letzten Jahren sind Landwirtschaft und Gartenbau durch Wetterkapriolen vor besondere Herausforderungen gestellt und es gilt, möglichst rasch neue Kulturtechniken zu entwickeln, um mit diesen Herausforderungen einigermaßen umgehen zu lernen. In „Anbau in Zeiten des Klimawandels“ sind diese Techniken aufgeführt.

Welche Gebäude, Einrichtung und Werkzeuge man benötigt, ist im Kapitel „Ausstattung und Lagerung“ beschrieben. Die beste Ernte ist nichts wert, wenn sie nicht fachgerecht gelagert und haltbar gemacht wird. Ohne die aus der Erfahrung von vielen Generationen von GärtnerInnen entstandene Vorgehensweise, kann man sich nicht über das Jahr hindurch selbst versorgen. Deshalb werden Techniken, Hilfsmittel sowie Möglichkeiten und Grenzen der Lagerung – unterteilt in die Orte Garten, Küche und Haus – veranschaulicht. Dieses Kapitel entstand in enger Zusammenarbeit mit der Architektin Tina Wintersteiger und basiert auf ihrer umfassenden Recherche, die sie für dieses Buch durchgeführt hat.

 

3. Teil

Umsetzung – Gemüse, Obst und Kräuter anbauen / Bienen und Hühner halten

Der dritte Teil widmet sich schließlich der tatsächlichen schweißtreibenden Gartenarbeit und auch der Haltung von Hühnern und Bienen im Garten. Die Anbaukapitel beschreiben detailliert, welche Gemüse-, Obst- und Kräuterarten wir für einen ertragreichen Selbstversorger-Garten empfehlen und wie man eigene Jungpflanzen anzieht. In den meisten Selbstversorger-Gärten ist das besonders wichtig, weil gute Jungpflanzen über das Jahr vielerorts nicht verfügbar sind. Dabei wird ausführlich auf die Anlage von Beeten und der zu beachtenden Fruchtfolge eingegangen. Hier erfährt man auch, welche Pflanzen sich miteinander vertragen und wie man eine Fruchtfolge plant. Besonders interessant für Gärtner, die nicht jedes Jahr neu starten wollen, sind all jene Gemüsearten, die einmal gepflanzt und dann über viele Jahre hinweg beerntet werden können. Ihnen, sowie dem Anbau von Wintergemüse, ist jeweils ein eigenes Kapitel gewidmet. Es geht zum Beispiel nicht nur darum, wo im Garten überall Obst gepflanzt werden kann, sondern auch, was bei der Anlage eines Obstgartens grundsätzlich wichtig ist und wie eine geschickte Auswahl verschiedener Obstarten eine möglichst ganzjährige Versorgung mit frischem Obst gewährleisten kann. Zu jeder Art bzw. Sorte werden außerdem die beste Form sowie der richtige Zeitpunkt der Ernte beschrieben.

Gärten können sich auch gut eignen, um einen oder mehrere Bienenstöcke aufzustellen oder Hühner zu halten. Da sich viele Menschen für die Bienen- und Hühnerhaltung im Kleinen interessieren, haben wir jeweils die Grundlagen darüber im Kapitel „Tierhaltung“ zusammengestellt. Gerade dabei ist es notwendig, sich vorab genau Gedanken zu machen, ob man die Tiere auch tagtäglich gut versorgen kann. Um diese Frage zu beantworten, werden die wesentlichen Aspekte der Haltung dieser sehr unterschiedlichen Tierarten und die am häufigsten auftretenden Probleme beschrieben.

Selbstversorgung mit frischen Lebensmitteln:Traum oder Wirklichkeit?

Warum Selbstversorgung?

Wie können wir uns in einer arbeitsteiligen und städtischen Gesellschaft selbst versorgen?

Dieses Buch ist für alle, die es „ernst“ meinen, geschrieben. Für alle, die sich in der Familie oder in einer anderen Gemeinschaft mit Gemüse, Kräutern und Obst versorgen wollen. Für alle, die wissen oder ahnen, dass Selbstversorgung kein Projekt ist – das definitionsgemäß einen Anfang und ein Ende hat –, sondern ein Anfangen, ein Weitermachen, ein zwischendurch Scheitern und ein Dranbleiben. Dass Selbstversorgung gleichermaßen Arbeit wie Freude und unvergleichliche Geschmackfülle bedeutet, genauso wie weitgehende Unabhängigkeit von den unüberschaubaren Strukturen der globalen Lebensmittelversorgung und eine Abhängigkeit von Beziehungen zu anderen Menschen. Wer sich von den globalen Strukturen der Lebensmittelversorgung schrittweise unabhängiger machen will, muss vieles gezielt aufbauen: Das gilt für die Bodenfruchtbarkeit im Garten ebenso wie für den Aufbau von neuen Netzwerken der Selbstversorgung.

Sehnsucht Selbstversorgung

Für viele ist Selbstversorgung ein Schlagwort, ein Sehnsuchtsbegriff, eine Art Gegenentwurf zu einem Leben geworden, das sich zum Großteil und für die meisten von uns in geschlossenen Räumen, digitalen Arbeitswelten und im urbanen Umfeld abspielt. Unser Essen kommt mehr denn je aus anonymen Kontexten, trotz unzähliger Labels und aufwendiger Etikettierung sind weder die Produktionsbedingungen noch die Herkunft von Lebensmitteln nachvollziehbar, geschweige denn unmittelbar erfahrbar. So wird ein Garten, in dem zumindest ein Teil der Lebensmittel direkt angebaut und geerntet werden kann, für viele zum Symbol eines Gegenentwurfs zu einem überregulierten, durchgetakteten und allzu oft abgehetzten Leben.

Gleichzeitig lernen immer weniger Menschen zu Hause – von den Eltern oder Großeltern –, wie man ertragreich gärtnert, und müssen sich dann den Anbau von Gemüse und Obst Schritt für Schritt wieder selbst aneignen. Entgegen der weit verbreiteten Annahme oder vielmehr dem naiven Wunschdenken, dass man nur ein paar Pflanzen in die Erde stecken müsse und die dann einfach weiterwachsen würden, ist das ertragreiche Gärtnern nicht nur mit Aufwand, sondern auch mit Wissen und Können verbunden und braucht entsprechende soziale Netzwerke.

Erfahrungen sammeln

Einfach mal loszugärtnern, das geht eben gar nicht so einfach – außer man hat von Anfang an einen wirklich ertragreichen Gartenboden und kann sich dem Anbau mit der dafür nötigen Zeit widmen. Es besteht ein großer Unterschied zwischen ein paar frische Kräuter oder Tomaten ernten und darin, das eigene Leben und das der Familie tatsächlich an der Selbstversorgung auszurichten oder gar Bienen oder Hühner zu halten. Es ist ein Unterschied, ob man im Garten einige Kartoffeln erntet, oder ob man diese so anbauen (und auch lagern) kann, dass man sich verlässlich damit über das ganze Jahr versorgen kann. So erzählt etwa Kaspanaze Simma, Biobauer aus Andelsbuch in Vorarlberg, dass er und seine Frau gute 10 Jahre gebraucht haben, bis sie den Anbau der Kartoffeln soweit im Griff hatten, dass sie wirklich jedes Jahr von einem Ertrag ausgehen konnten, der ihren eigenen Bedarf deckt. Um Kartoffeln Jahr für Jahr und kalkulierbar erfolgreich zu ernten, braucht es einiges an Erfahrung: Welche Sorten wachsen gut bei mir? Wo bekomme ich verlässlich jedes Jahr gutes Pflanzgut her? Wie viel Dünger brauchen sie? Was tun gegen den Kartoffelkäfer? Und was gegen die Krautfäule? Wann und wie viel muss ich bewässern, wenn es nicht regnet? Und wenn all das erfolgreich beantwortet und die Knollen geerntet sind: Wo und wie lagere ich die Ernte? Die Fragen scheinen zu Beginn nicht enden zu wollen.

Und trotzdem: Gerade mit frischem Gemüse, Kräutern und Obst können relativ einfach eigene Netzwerke und eine selbstbestimmte Versorgung aufgebaut werden. Indem man einen Teil oder möglichst viel selber anbaut, schafft man eine qualitativ hochwertige und verlässliche Alternative zur anonymen Versorgung mit Lebensmitteln aus dem Supermarkt.

Abhängigkeiten umwandeln

Selbstversorgung aus dem Garten: Das heißt arbeiten und das heißt ernten. Das heißt unabhängig sein von einer Versorgung durch einen anonymen Markt, aber abhängig sein vom Zugang zu einem Stück Boden (im Idealfall einem Stück guten Boden), abhängig zu sein von den eigenen Fähigkeiten, vom Zugang zu Saatgut, vom Wetter und von Umwelteinflüssen und abhängig zu sein von Netzwerken, die Selbstversorgung ermöglichen. Eine Selbstversorgung, die nur aus einem individuellen Selbst heraus Bestand haben kann, gibt es nicht. Das ist so einfach, wie es für manche vielleicht auch enttäuschend ist. Viele Menschen, die Bienen halten, sind in den letzten Jahren im Spätherbst und Winter mit dem Bienensterben konfrontiert. Ein Phänomen, das wissenschaftlich nicht vollständig geklärt ist und vielleicht gerade deshalb für Beunruhigung sorgt. In jedem Fall zeigt es eine Abhängigkeit auf: Das Bienensterben wird in erster Linie auf den großflächigen Einsatz von Insektiziden und Pestiziden zurückgeführt und auf die großen blütenarmen Agrarlandschaften. Um erfolgreich Bienen zu halten, braucht es also nicht nur den eigenen Garten, sondern auch eine bienenfreundliche Landschaft rundherum (→ siehe Bienen halten, Seite 434).

Selbstversorgungs-Netzwerke aufzubauen heißt, viele bunte Geschmäcker auf den Teller zu bekommen.

Wie kultiviert man Land?

Einen Garten zu bebauen und Vorräte anzulegen, scheint auf den ersten Blick anachronistisch. Denn gehen Mann und Frau durch die allzeit üppig gefüllten Supermärkte, stellt sich die Frage, wer sich denn die mühevolle und zeitintensive Arbeit des Anbaus, des Einlegens, des Trocknens und all der anderen vielen Handgriffe heute noch antun will. „Wozu das Ganze?“, könnte man fragen. Gärtnern und die Ernte dann auch noch haltbar machen, ist viel Arbeit. Aus dieser Perspektive verwundert es auch nicht, dass im Laufe der „Wirtschaftswunderjahre“ des vorigen Jahrhunderts viele das Selbsteingekochte nur allzu gerne gegen Fertigwaren aus dem Supermarkt eingetauscht haben. Wer einmal eine halbe Nacht lang hindurch Tomatensoße oder Konfitüre eingekocht hat, nachdem er oder sie die Kinder ins Bett gebracht hat und am nächsten Tag dann frühmorgens zu verschiedenen Besprechungsterminen musste, kann diese historische Entwicklung gut nachvollziehen und kann die Großmütter und Mütter, die sich damit nicht mehr die Hände und die Küche schmutzig machen wollten, auch gut verstehen. Doch für viele eingefleischte Selbstversorgerinnen und Selbstversorger hat das Gärtnern und das Vorräte-Anlegen Qualitäten, die den Vergleichsblick auf die vollen Supermarktregale geradezu überflüssig erscheinen lassen. Wer einmal den Unterschied zwischen mit Aroma- und Farbstoffen versetzter industrieller Massenware und schonend sowie ohne viele Zusatzstoffe eingekochten Fruchtaufstrichen, Pestos oder frisch geerntetem Chicorée-Salat geschmeckt hat, ist bereit, entweder selbst einigen Aufwand zu betreiben oder lokale Netzwerke der Selbstversorgung aufzubauen (→ siehe Zurück zur Gemeinschaft, Seite 28). Und sicher: Die Welt, in der das Vorräte-Anlegen auch misslingen darf – weil es eben auch das Warenangebot der Lebensmittelversorgung gibt – bietet gewisse Freiräume. Nämlich jene des Experimentierens, der langsamen Aneignung der verschiedenen Techniken und der dafür nötigen Ausstattung und des Aufbaus von Beziehungsnetzwerken, die dafür notwendig sind. Dass Selbstversorgung mit einem „Aussteigen“ aus der Gesellschaft verbunden wäre, ist ein weit verbreiteter Mythos. Selbstversorgung braucht Wissensnetzwerke, braucht Menschen, die sich dabei gegenseitig unterstützen, braucht Städte, Dörfer und Landschaften, in denen Gärten und Äcker ebenso Platz haben wie Straßen oder Stellplätze für Autos. Braucht Arbeitsverhältnisse, die davon ausgehen, dass der Mensch nicht nur für die Lohnarbeit auf die Welt gekommen ist, braucht eine Arbeitsteilung, die der Produktion von Lebensmitteln Wertschätzung und entsprechenden monetären Wert entgegenbringt. Selbstversorgung heißt auch Selbstverortung, also den Raum um sich herum nutzen zu können. Sei es, um einen Nutzgarten anzulegen und zu bewirtschaften oder neue Netzwerke der Lebensmittelversorgung aufzubauen und zu pflegen.

Wie wird Gartenerde fruchtbar?

Was brauchen Pflanzen, um ertragreich zu gedeihen?

Wenn Gäste kommen, reicht ein Gang in den Garten, um ein schnelles Ofengemüse-Gericht zuzubereiten.

Selbstversorgung versus Fremdversorgung

Global-historisch betrachtet leben wir in Mitteleuropa – sowie im Rest der industrialisierten Welt – in den letzten 50 Jahren in einer absoluten Ausnahmesituation, die so in der Geschichte der Menschheit einzigartig ist: Noch nie zuvor mussten Menschen so wenig darüber wissen, wie Kulturpflanzen und Nutztiere heranwachsen. Wir werden satt, ohne uns mit der Frage auseinanderzusetzen, wie das, was wir zum Essen brauchen, auf unsere Teller kommt. Wir werden satt, ohne selbst Getreide und Gemüse anzubauen, Tiere zu füttern, Beeren oder essbare Wildpflanzen zu sammeln. Wir werden sogar dann noch satt, wenn wir niemand kennen, der das kann und tut. Wir können uns den Versorgungsketten der globalen Food-Industrie anvertrauen. Die Frage ist „nur“ noch, wie wir zum Supermarkt kommen und wann er geöffnet hat.

Diese Ausnahmesituation können wir als Luxus begreifen oder als absurd, als besondere Verantwortung oder als besondere Verantwortungslosigkeit. Wie auch immer wir sie wahrnehmen – ob als Fluch oder als Segen –, es ändert nichts daran, dass diese Unfähigkeit der Selbstversorgung – oder positiv formuliert, die Möglichkeit der Nicht-Selbstversorgung – eine globalhistorische Ausnahme ist. Eine Ausnahme, die voraussichtlich auch wieder ein Ende haben wird, über kurz oder lang. Kurz kann in ein paar Jahren bedeuten, lang in den nächsten 20, 30, 40 oder 100 Jahren. Ein Prophet wäre, wer das genau voraussagen könnte. Was wir allerdings wissen, ist, dass Ausnahmen einen Anfang und ein Ende haben, und es scheint mehr als vernünftig zu sein, sich die Fähigkeiten der Selbstversorgung – individuell und kollektiv – Schritt für Schritt wieder anzueignen. Denn die ebenso individuellen wie kollektiven Lernprozesse dahin scheinen genauso groß zu sein wie die ökologischen Notwendigkeiten. Indikatoren gibt es mittlerweile viele. Dass die Lebensweise in der industrialisierten Welt nicht nachhaltig ist, ist Alltagswissen. Einer dieser Indikatoren ist der sogenannte „Welterschöpfungstag“ (Earth Overshoot Day). Im Jahr 2017 fiel dieser auf den 2. August. Mit anderen Worten: Bis zum 2. August wurden weltweit so viele Ressourcen verbraucht, wie in einem Jahr nachwachsen können. Ab dem 3. August 2017 lebte die Menschheit auf Pump. Im Jahr 1987 fiel der Welterschöpfungstag noch auf den 19. Dezember – die in einem Jahr erzeugten und verbrauchten Ressourcen hielten sich noch ungefähr die Waage. Dabei gibt es weltweit sehr große Unterschiede im Ressourcenverbrauch: Gäbe es zum Beispiel einen „Deutschland-Erschöpfungstag“, wären im Jahr 2017 bereits am 24. April alle Ressourcen verbraucht gewesen, der „Österreich-Erschöpfungstag“ wäre laut den Berechnungen der NGO Global Footprint Network der 11. April 2017 gewesen. Eine der Hauptursachen dieser negativen Ressourcen-Bilanz ist die Versiegelung der Landschaft. Das bedeutet, dass rund um Dörfer und Städte die fruchtbarsten Flächen für Straßen- und Wohnungsbau verwendet werden (in Österreich rund 15 Hektar täglich!). Ein weiterer Grund ist unser extrem hoher Fleisch-Konsum, der in dieser Form nur möglich ist, weil für die Intensiv-Tierhaltung Futtermittel aus Ländern des Südens importiert werden (und diese Flächen dort zur Selbstversorgung mit Lebensmitteln fehlen). Auch große Mengen des hierzulande erzeugten Getreides landen nicht direkt als Brot auf unseren Tellern, sondern werden als Futtermittel in der Intensivtierhaltung verwendet oder vielmehr verschwendet. Zwei andere Kennzahlen: Industrielle Anbaumethoden schädigen in Europa immer noch die Ackerböden. Die EU-Kommission für Umwelt beziffert die Schäden an der Bodenfruchtbarkeit mit 390 Milliarden Euro jährlich – das sind umgerechnet 250 Euro pro Hektar und Jahr. Und: Im Moment liegt jeder dritte Hektar Ackerland für den EU-Konsum außerhalb der EU-Grenzen. Wir sind also derzeit massiv abhängig von Lebensmittelimporten von außerhalb der EU. Fakten wie diese gibt es unzählige, je nach Jahreszeit ist mal das eine, mal das andere Thema in den Medien und in unserem Bewusstsein. Ein Gremium aus über 400 Wissenschafterinnen und Wissenschaftern fasste – im Auftrag der Weltbank und der Vereinten Nationen – diese Fakten über die globale Landwirtschaft, ihre Geschichte und ihr Zukunftspotential zusammen und veröffentlichte die Endergebnisse im Jahr 2008 im so genannten Weltagrarbericht (www.weltagrarbericht.de). Ihre unmissverständliche Aussage: „Business as usual is no longer an option“. Weiter wie bisher sei keine Option, so die gemeinsame Bilanz. Das Fachgremium war sich auch einig, dass eine Steigerung der Produktivität durch technologischen Fortschritt – auf den Landwirtschaft und Gartenbau in den letzten 50 Jahren gesetzt haben – an ihre Grenzen gelangt sei und dass es sowohl eine Stärkung der kleinbäuerlichen ökologischen Landwirtschaft wie auch standortspezifischer Anbaumethoden bedürfe, um die Zukunft der Lebensmittelversorgung zu sichern.

Wie geht Landwirtschaft? Woran erkennt man, dass die Tomate reif ist? Ernte-Einsatz der GenossenschafterInnen im gemeinsamen Glashaus unter der Anleitung des fachkundigen Gärtners.

Land, das einmal versiegelt ist, ist meist für immer für jede Form von Selbstversorgung verloren.

Christian Hiss, gelernter Demeter-Gärtner und Agrarökonom, fasst dies so zusammen: „Die an sozialen und ökologischen Werten orientierte und regional kleinräumig organisierte Versorgung mit Nahrungsmitteln ist der Wirtschaftsbereich, der in naher Zukunft einen rasanten Aufschwung erleben wird.“ Da er davon ausgeht, dass im 21. Jahrhundert nicht jede und jeder zum individuellen Selbstversorger werden kann, hat er gemeinsam mit anderen das Konzept der Regionalwert AG entwickelt und in die Tat umgesetzt (→ siehe Seite 182).

Regionalität leben

Die letzten Jahrzehnte waren in Mitteleuropa von einem massiven Rückgang der Landwirtschaft geprägt. In Österreich schlossen im Jahr 2017 sechs (!) Höfe pro Tag. Die landwirtschaftliche Gesamtfläche ist in Österreich zwischen 1999 und 2013 um fast 20 % zurückgegangen, die Zahl der landwirtschaftlichen und gärtnerischen Betriebe hat im gleichen Zeitraum um fast 25 % abgenommen. In zentrumsnahen Regionen wachsen die Speckgürtel um die Städte, in peripheren Regionen wird aufgeforstet. Auch das sind Zahlen und Dimensionen, die hinter der neuen Sehnsucht nach Selbstversorgung stecken. Während die einen nicht mehr von der Arbeit in der Landwirtschaft leben können, steigt die Sehnsucht der anderen nach frischen, regionalen Lebensmitteln. Die Situation scheint geradezu paradox.

Der Wunsch nach mehr Regionalität steht in einem krassen Gegensatz zur Realität. Die Region hat kaum mehr Bedeutung bei dem, was in den Einkaufskörben landet. Während Supermarktketten gerade mit den wenigen Produkten aus ihrem Sortiment, die aus der jeweiligen Region stammen, Werbung machen, stammt de facto nur ein kleiner Teil tatsächlich aus der Region, in der die Menschen einkaufen: So offenbarte eine im Jahr 2016 veröffentlichte Studie, die die Stadt Freiburg im Breisgau in Auftrag gegeben hatte, dass nur rund 8 % des Obstes und 13 % des Gemüses, das in Freiburg gegessen wird, aus der Region selbst stammen. Über alle Produktgruppen hinweg wurde ein Anteil von etwa 20 % errechnet. Eine erstaunlich geringe Quote für eine Region, in der eigentlich alles gedeihen würde, was die Menschen an Lebensmitteln brauchen. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt die Studie „Graz ernährt sich“, die im Jahr 2017 publiziert wurde.

Die landwirtschaftliche Gesamtfläche ist in Österreich zwischen 1999 und 2013 um fast 20 % zurückgegangen, die Zahl der landwirtschaftlichen und gärtnerischen Betriebe hat im gleichen Zeitraum um fast 25 % abgenommen.

Selbstversorgung ist auch eine Frage der Flächenwidmung. Bei jeder Umwidmung in Bauland sollte ein bestimmter Prozentsatz der Fläche als Dauerkleingarten gewidmet werden.

Die Ergebnisse dieser Studien sind eindeutig: „Regionalität“ kann man nicht einfach so im Supermarkt herstellen – was nicht heißt, dass die Lebensmittelketten nicht auch einen Beitrag dazu leisten können. Gelebte Regionalität bedeutet, in den einzelnen Regionen neue soziale Netzwerke der Selbstversorgung aufzubauen. Das ist gleichermaßen eine Frage der Flächenwidmung, wie der Frage, wie das Arbeiten in der Landwirtschaft für junge Menschen – und vor allem für Frauen – wieder attraktiv und lebenswert werden kann. Es ist auch eine Frage, wie Menschen, die gerne in der Landwirtschaft und im Gartenbau arbeiten, dazu die Möglichkeit bekommen. In die Landwirtschaft neu einzusteigen ist meist für viele – auch gut ausgebildete Menschen – derzeit schlicht aus dem Grund schwer möglich, weil ihnen dazu das nötige Geld fehlt. Grund und Boden zu erwerben, ist in vielen Regionen teuer. Seit der Wirtschaftskrise im Jahr 2008 sind die Preise nochmals extrem gestiegen. Gleichzeitig kann man die nötigen Investitionskosten, um einen Garten- oder gar Landwirtschaftsbetrieb aufzubauen, nicht mit den Einnahmen aus Landwirtschaft und Gartenbau zurückzahlen. Hier braucht es viele neue Ansätze, wie Menschen aus unterschiedlichen Berufen sich zusammenschließen können. Einige dieser Ansätze wie die Regionalwert AG oder die Genossenschaft Kartoffelkombinat werden in diesem Buch beschrieben.

Fruchtbares Gartenland erhalten

Für Gemeinden gibt es viele Möglichkeiten, um die Selbstversorgung aus Bio-Gärten zu stärken. Eine ganz konkrete ist die Flächenwidmung. Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen, dass es Flächen braucht, die tatsächlich als Gartenland (in Österreich und Deutschland ist das die Kategorie „Dauerkleingarten“) gewidmet sind. Grünland wird viel schneller in Bauland umgewidmet. Bei Dauerkleingärten ist das nicht so einfach möglich (→ siehe Beispiel Ottensheim, Seite 101). Gerade aus diesem Grund gibt es diese Kategorie, weil für dieses Gartenland besondere gesetzliche Schutzmaßnahmen gelten. Es wäre für Gemeinden – und zwar unabhängig davon, ob es sich um eine kleine Gemeinde am Land oder eine Großstadt handelt – eine konkret umsetzbare Maßnahme, einen bestimmten Prozentsatz der Gemeindefläche oder eine bestimmte Fläche pro EinwohnerIn als Dauerkleingarten zu widmen. Ein Schritt dahin könnte sein, bei jeder Umwidmung von Grünland zu Bauland einen bestimmten Prozentsatz der Fläche als Dauerkleingarten-Land zu widmen.

Dies wäre auch eine wichtige Grundlage für viele Gemeinschaftsgärten, die in den letzten Jahren – gerade in Städten – entstanden sind: dass die Fläche dauerhaft abgesichert ist und es langfristige Pachtverträge gibt.

Selbstversorgung wieder neu lernen

Die meisten Menschen können sich gegenwärtig gar nicht vorstellen, wie Selbstversorgung funktionieren könnte, und es ist wohl tatsächlich so: Es braucht viele Ansätze und unterschiedliche Konzepte. Neue Techniken, die an Bewährtes – das vielerorts ganz oder beinahe in Vergessenheit geraten ist – anknüpfen und diese weiterentwickeln. Auch wenn es für viele von uns unvorstellbar scheint: Vor 50 Jahren mussten Menschen neu lernen, dass man Lebensmittel im Supermarkt kaufen kann! Innerhalb der letzten 50 Jahre ist dies für die allermeisten Menschen selbstverständlich geworden. Etwas anderes scheint für die allermeisten nicht vorstellbar – oder gar wünschenswert – zu sein. Paradoxerweise eint dies Menschen in der Stadt und auf dem Land, Banker und Bauern, Frauen und Männer, Jugendliche und RentnerInnen: Die Fähigkeit, sich und seine unmittelbare Gemeinschaft mit den Lebensmitteln, die wir täglich brauchen, versorgen zu können, ist so weit verkümmert, dass die meisten nicht mehr erkennen, ob eine Landschaft fruchtbar ist oder nicht; keine Reaktion mehr zeigen, wenn es im Frühling oder Sommer wochen- und monatelang nicht regnet, wenn Tiere zu zehntausenden in dunklen Ställen zusammengepfercht werden und das Fleisch dieser Tiere dann auf unseren Tellern landet. Der Landbau und das Halten von Nutztieren sind uns völlig fremd geworden. So fremd, dass wir sie als ferne, exotische Traumbilder neu zu inszenieren versuchen. Für viele ist die Idee der „Selbstversorgung“ zu einem Wunschbild, zu einer Sehnsucht geworden, zu einem „Experiment“ oder einem „Projekt“. Vielleicht gespeist aus dem alten menschheitsgeschichtlichen Wissen, dass für sich sorgen zu können (gemeinsam mit anderen) eine der Urbedingungen unseres Menschseins ist. Unser Körper braucht Nahrung. Und zwar nicht irgendwelche, sondern nur die, die ihm guttut.

Selbsternte statt Supermarkt: Selbstversorgung kann man auch wieder lernen.

Selbst im Winter kann der Garten eine Gemüsequelle sein (→ siehe Seite 301).

Vieles von dem, was uns sogenannte moderne Lebensmittel liefern, brauchen unsere Körper ganz und gar nicht: Zum Beispiel Weizen, der einen so hohen Glutengehalt hat, dass er mit Unverträglichkeiten (sprich Darmerkrankungen) reagiert; zum Beispiel Arsen im Reis oder Nitrat im Grundwasser und in den Meeren.

Wir könnten die gefüllten Regale, die Überfülle der verfügbaren Lebensmittel feiern. Doch nicht einmal das tun wir. Ein Erntedankfest im Supermarkt erschiene uns deplatziert. Warum eigentlich? Feiern kann man nur dann, wenn man wahrnimmt, dass es etwas zu feiern gibt. Einen Geburtstag, ein religiöses Fest oder eben Erntedank. Doch dazu müsste man wahrnehmen, dass diese Fülle, die uns täglich in den Regalen der Supermärkte angeboten wird, etwas Besonderes ist. Aber das tun wir nicht. Vermutlich hat dies auch damit zu tun, dass wir kollektiv um die Schattenseiten dieser Form der Fremdversorgung wissen: Es ist das völlige Ausgeliefert-Sein. Wie wir Kartoffeln selber anbauen, wissen wir ebenso wenig, wie wo der nächste Bauer ist, bei dem wir Getreide zum Brotbacken kaufen könnten. Die allermeisten haben auch nicht die Möglichkeit, Gemüse anzubauen, weil sie keinen eigenen, nutzbaren Garten, keinen fruchtbaren Boden haben.

Damit all die Gemüse und auch lagerfähigen Produkte im Supermarkt landen, braucht es lückenlose Lieferketten. Ein Supermarkt hat ja keine Lagerkapazität, die über das, was er in zwei, drei Tagen verkauft, hinausgeht. Doch scheinbar funktionieren die Lieferketten so reibungslos (und das ist eine Leistung!), dass uns nicht auffällt, dass unser Fremd-Versorgt-Sein auf tönernen Füßen steht. Die Straßen führen bis zum Supermarkt, der Tank ist gefüllt, die Regale sind es auch. Heini Staudinger, der bekannte Schuhproduzent aus dem Waldviertel, der sich seit vielen Jahren mit der Stärkung peripherer Regionen auseinandersetzt, formuliert das so: „Der Supermarkt versorgt uns mit Gemüse bis zu dem Augenblick, wo er ein Geschäft macht. Der Garten versorgt uns auch danach noch weiter.“

Was brauchen Hühner, um Eier legen zu können? Und wie viel Eier legt ein Huhn im Jahr?

Bio-Gärten als Anfang und Ausweg

Egal, ob Sie sich mit richtigen Pflanzabständen bei Stangenbohnen beschäftigen, damit, wie man Kürbisse richtig lagert, oder mit der Frage, wie Sie mit Ihrem Finanzkapital einem landwirtschaftlichen Betrieb oder einer Gärtnerei ermöglichen können, professionell Bio-Gemüse anzubauen und zu lagern; egal, ob Sie mehr essbare Nutzpflanzen in Ihrem eigenen Garten anbauen, oder Bäuerinnen und Bauern aus unserer Umgebung ermöglichen, dies zu guten Bedingungen zu tun: Stets geht es um dasselbe: Die Versorgung mit gesunden, schmackhaften und bekömmlichen Lebensmitteln zu sichern. Das heißt, sie wieder unmittelbarer, überschaubarer zu machen und in konkreten Beziehungen zu gestalten.

Zurück zur Gemeinschaft

Die alte bäuerliche Welt funktionierte als innerhäusliche Versorgungsgemeinschaft mit konkreten, verbindlichen Austauschbeziehungen nach außen.

Auch wenn wir gegenwärtig in anderen Lebensformen und -gemeinschaften leben, die Selbstversorgung des 21. Jahrhunderts braucht in ihrer Gesamtheit wieder vielschichtige Versorgungsgemeinschaften und soziale Netzwerke: So sind in den letzten Jahren an vielen Orten – und miteinander gut vernetzt – viele neuere gemeinschaftsgetragene Formen der Selbstversorgung entstanden. Die meisten sind zunächst an einem konkreten Ort von einer Gruppe unterschiedlicher Menschen entwickelt und in die Tat umgesetzt worden. Andere Menschen haben an diesen konkreten Beispielen gelernt und sie dann – meist in adaptierter Form – in der eigenen Region umgesetzt und weiterentwickelt und an die eigenen Anforderungen und Gegebenheiten angepasst. So entstand etwa das Konzept der Selbsterntegärten in Wien und wird mittlerweile in vielen Städten in Deutschland – meist unter anderen Namen – praktiziert. Die gemeinschaftsgetragene Form der Landwirtschaft, in der sich Menschen Kosten und Ernte einer Gärtnerei oder eines landwirtschaftlichen Betriebes teilen, entstand zunächst am Buschberghof in Deutschland, gelangte von dort in die USA und hat hier wieder Menschen inspiriert, Betriebe nach diesem System in Österreich oder Frankreich aufzubauen. Diese Formen werden im Buch ebenso beschrieben wie die historischen Formen der Kleingärten und die Prinzipien der alten bäuerlichen Landwirtschaft, die auf die Versorgung der auf einem Hof lebenden Menschen mit Essen, Wohnraum und Energie ausgerichtet war. Aus diesen Prinzipien kann man viel für den Aufbau von neuen Strukturen der Selbstversorgung lernen, auch wenn es die alte Form der bäuerlichen Landwirtschaft in Europa nicht mehr gibt (→ siehe Seite 32).

Die Bedeutung von Sortenvielfalt in der Selbstversorgung

Ohne Sortenvielfalt ist ein Selbstversorger-Garten gar nicht denkbar. Doch Sortenvielfalt ist kein beliebiges Kriterium. Es geht nicht darum, rote, violette und weiße Tomatensorten anzubauen. Auch kann man nicht mit einer umso höheren oder sichereren Ernte rechnen, je mehr Tomatensorten man anbaut. Die Auswahl der einzelnen Sorten und die Anzahl der Pflanzen, die man pro Sorte setzt, orientiert sich an bestimmten Anbauund Verarbeitungseigenschaften und an der Ertragssicherheit. Bei den einzelnen Porträts der Gemüse- und Obstarten sind die Sortenempfehlungen daher nach diesen Gesichtspunkten getroffen worden: Wir haben gezielt Sorten ausgewählt, die sich in Selbstversorger-Gärten bewährt haben.

Ein Vorbild ist auch hier die alte bäuerliche Landwirtschaft (→ siehe Seite 32)