Beethoven Eine Phantasie - Révész, Béla - kostenlos E-Book

Beethoven Eine Phantasie E-Book

Révész, Béla

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The Project Gutenberg EBook of Beethoven, by Béla RévészThis eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and mostother parts of the world at no cost and with almost no restrictionswhatsoever.  You may copy it, give it away or re-use it under the terms ofthe Project Gutenberg License included with this eBook or online atwww.gutenberg.org.  If you are not located in the United States, you'll haveto check the laws of the country where you are located before using this ebook.Title: Beethoven       Eine PhantasieAuthor: Béla RévészTranslator: Stefan J. KleinRelease Date: June 17, 2016 [EBook #52359]Language: German*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK BEETHOVEN ***Produced by Jens Sadowski and the Online DistributedProofreading Team at http://www.pgdp.net

Béla Révész

Beethoven

Eine Phantasie

Kurt Wolff Verlag München

Bücherei „Der jüngste Tag“ Band 80

Gedruckt bei E. Haberland in Leipzig

Einzig berechtigte Übertragung aus dem Ungarischen von Stefan J. Klein

Copyright 1919 by Kurt Wolff Verlag München und Leipzig

Die Ärzte hatten mich im Februar nach Riva geschickt, damit ich warmen Sonnenschein, trockene Luft rieche.

Nun sitze ich hier auf der Terrasse eines weißgetünchten kleinen Hotels, die großen Glasflügel sind geöffnet, und die mittägliche Sonne überflutet uns.

Müßige, lustfrönende Leute sonnen sich in dem geöffneten Glaskäfig, ältere Leute dösen wach nach dem schmackhaften Essen, unter der Last der glutenden Strahlen röten sich urlaubfreie jüngere, im Scheine dunklen Weines hockend, an silbrig gleißenden weißen Tischen keuchen Neuvermählte, sie betrachten den Sonnenglast, und ihr angespannt offenes Auge lodert — wenn sich ihre Blicke treffen — wie über Schneebergen der Sonnenstrahl.

Um mich herum Wachen; regungslose Stille.

Kein Ton tönt, kein Wort schwatzt, unter sich aneinander erfreuenden Menschenpaaren leben wir abgeschieden, ich und der Sonnenglast.

Vor meinem rastenden Auge steht die gleichmäßige, sonnenumspielte Üppigkeit, mit ihrem flutenden Gold die blaue Luft erfüllend, in dunklem Gestrüpp grüner Bäume glühen Orangen, auf dem staubigen Hof löst ein schlafender weißer Hund sich auf, und über allem steht und brennt das unberührte Sonnenlicht.

Blendendes Funkeln umarmt mich und wäscht meine Augen; der Strahl, der ihnen entirrt, wer weiß, ob er noch mir gehört, oder bereits vom güldenden Grau aufgesogen ist? In den fernen Tälern prunkender Unendlichkeit schaudert das Leben, zuckende Streifen, kämmige Flämmchen, gebrochene Feuerbilder steigen aus den Sonnenstrahlen empor, und in der tödlichen Stille, in der Muße des Friedens beginnt das gleißende Lichtmeer sein Spiel.

Weiter draußen gerät die glatte Weite in Bewegung, die Strahlenwiese entflammt, versinkt zerstückt, und aus dem Glanzwirbel lodert zuweilen eine fransengesichtige Flammenschlange auf ... taucht dann wieder unter; aus der verzehrenden Tiefe rollen in keuchendem Wetteifern andere Schlangen ihre Feuerköpfe in die Höhe, zucken im mittäglichen Strahlen, schwanken und verschwinden mit schlankem Hüpfen in den Lichtlabyrinthen. Glanzdelphine spielen ... über ihnen und um sie herum zittern die Sonnenstrahlmyriaden, Blendung glüht, Helle zuckt, Goldgarben lösen sich, ähnlich dem Haar der begehrten Frau. Sonnenstrahlfäden laufen zusammen, trennen sich, sterben verflochten ineinander, fliegen dann abermals aus dem Flammenbecken auf, es tollt das Sonnenlichtdickicht mit wechselnder Eile. Sonnenstrahllegionen zischen, und ich bin mit vergessendem Staunen abermals ein Kind, höre das Einstürzen des Damms, wie damals, da wir daheim in einer furchtbaren Nacht das große Wasser erwartet .... Verflossener Zeiten Brausen umrauscht und umraunt meine blinden Ohren, und es tost das Wasser über den Erdwällen der Insel; das Sonnenlicht schaukelt, lauscht still wie der kleine Hain, in dem ich einst mit dem unwissenden Mädchen saß; über uns gilbten in der Augustdämmerung späte Akazienblüten, der kleine Hain bebte raunend, und das unwissende Mädchen blies mir aus geweiteten Nüstern Glut entgegen ....

Unter jedermanns Herzen wacht eine alte Traurigkeit, ein vergessener Traum, die fahlgewordene Freude. Wohin führt uns das entflammte Auge, wenn wir Töne entschlummerter Gesänge hören?

In umgürtender Linie stoßen einander die großen Berge, hier und dort hat einer seine Höhe zum Gipfel aufgeworfen, auf düsterer Schneeberge Haupt strahlt der blaue Himmel, Schnee und Eis blinken hart im Sonnenglast; blitzende Gletscher stehen und warten in der stummen Helle. Es flammt die Sonnenkugel auf den Gipfeln der Schneeberge, rollt mit ihren Lichtspeichen durch blaue Täler, durch weiße Schluchten, reißt Schleusen der Strahlen zu meerartigem Gischt auf und bringt mit seiner Zauberberührung die auf den Kuppen der Gletscher erstarrten Eisglocken zum Tönen. Jungfräulicher Gesang sickert von den Gefilden der Weiße herüber ... läßt dein müdes Herz mit Freude erbeben, umarmt den schlaffen Daumen mit Ermunterung. In deinem gebrochenen Auge blüht Andacht auf, und wir spielen im Zelt der Einsamkeit mit der nicht kommenden Liebe, mit schwerem Alpdrücken: begeistert ein Aberglaube oder Gott sich über uns? vermöchte ein heißer Atem des Weltgeheimnisses die jahrtausendealten Eisfelsen zu schmelzen? woher kommt der Weg, der aus dem Schoß der Zeit in den Schoß meiner Mutter geführt? Im strahlenden All summen die Eisriesen, eine ungeheuere Hand träumt auf der Angstorgel: Töne, dahinfließend wie das Quellen von Liebespaaren, hüllen unser bebendes Herz ein; zerren meinen zitternden Körper wach, besinnungraubend, wie die Augenblicke des Taumels in der Minute des Lebensabschieds.