Bending and Breaking - Them - Part 2 - Lilia Lay - E-Book

Bending and Breaking - Them - Part 2 E-Book

Lilia Lay

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Beschreibung

In einer Welt, in der Frauen herrschen und Männer nur der Fortpflanzung dienen, kämpft Lady Aurelia Ravencourt mit der Rolle, die ihr zugedacht wurde. Pflichtbewusst erfüllt sie die Erwartungen ihrer mächtigen Mutter. Doch tief in ihr brodelt der Widerstand gegen ein System, das ihr den Atem nimmt. Als ihr neuer Leibwächter Emerald auftaucht, gerät ihr mühsam kontrolliertes Leben ins Wanken. Er ist gefährlich, unnahbar – und verboten begehrenswert. Zwischen den Mauern der Villa Ravencourt entsteht eine verbotene Anziehung, die alle Regeln sprengt. Was als Spiel mit dem Feuer beginnt, entwickelt sich zu einer explosiven Verbindung, die nicht nur Aurelias Zukunft, sondern das Fundament der Gesellschaft erschüttern könnte. Ein dystopischer Roman über Macht, Kontrolle und die Sehnsucht nach Freiheit.

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Veröffentlichungsjahr: 2025

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Bending and Breaking

THEM - PART 2

BENDING AND BREAKING

BUCH 1.2

LILIA LAY

© 2025 by Lilia Lay

V 2

https://lilialay.de

Lilia Lay

c/o COCENTER

Koppoldstr. 1

86551 Aichach

Cover/Bilder: © Lilia Lay / Canva

* * *

Hinweis zum Urheberrecht

Alle Inhalte dieses eBooks, einschließlich Texte, Grafiken, Bilder und sonstiger Materialien, sind urheberrechtlich geschützt. Jegliche Vervielfältigung, Verbreitung, öffentliche Zugänglichmachung oder sonstige Nutzung, auch auszugsweise, ist ohne ausdrückliche schriftliche Genehmigung der Urheberin untersagt und kann straf- und zivilrechtlich verfolgt werden.

For all Women

You are (still) amazing

Inhalt

Prolog

12. Zero

13. Aurelia

14. Die Rückkehr

15. Die Suche

16. Der Arrest

17. Der April-Junge

18. Die Goldene

19. Das Zentrum

20. Das Gespräch

21. Das Geschenk

Danksagung

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Über die Autorin

Triggerwarnung

Prolog

Bending and Breaking – Them – Part 2 knüpft direkt an die Ereignisse des ersten Teils an. Wer die Vorgeschichte nicht kennt, sollte unbedingt mit Part 1 beginnen. Für alle anderen folgt hier ein kurzer Rückblick:

* * *

In einer Welt, in der Frauen über Leben, Körper und Schicksal der Männer bestimmen, lebt Lady Aurelia Ravencourt scheinbar das perfekte Leben einer privilegierten Elitefrau: umgeben von Luxus, Einfluss und einer Auswahl an zahllosen Reproduktionskandidaten.

Doch hinter der glänzenden Fassade wächst Aurelias Unzufriedenheit. Ihre Mutter, die einflussreiche Erste Ministerin Cordelia Ravencourt, kontrolliert jede einzelne ihrer Entscheidungen.

Als der neue Leibwächter Emerald in Aurelias Leben tritt, beginnt sie, die Regeln ihrer Welt offen zu hinterfragen. Zwischen ihnen entfacht sich ein verbotenes Spiel aus Macht und Begierde, das jedoch viel zu schnell außer Kontrolle gerät.

Zur selben Zeit kämpft Zero, ein junger Mann ohne Perspektive, ums Überleben. Er weigert sich, sich weiterhin zu beugen – und macht Aurelia zum Spielball seines gefährlichen Plans.

* * *

Kapitel12

Zero

Rastlos laufe ich in meinem Zimmer auf und ab. Es ist klein – vielleicht 15 Quadratmeter. Mehr ist es nicht, war es nie, und wird es niemals sein können. In diesem Raum befindet sich meine komplette armselige Existenz, zusammengedrängt auf ein paar Bahnen schlecht verlegtem Linoleums.

Eine schmale Küchenzeile duckt sich an der Wand entlang, kürzer als mein ausgestreckter Arm. Zwei Schränkchen, eine angelaufene Spüle. Das war es.

Am Kleiderschrank angekommen, wende ich. Er ist hoch und schmal und beinhaltet schwarze Hosen, graue T-Shirts, Pullover in allen Farbfacetten zwischen Schwarz und verschlissenem Hellgrau. Zwei Paar schwarze Schuhe und ebenso viele graue Jacken.

Es ist nicht so, als ob es keine anderen Kleidungsstücke für Männer gäbe. Schicke Anzüge, farbenfrohe Shirts oder sportliche Sneakers. Alles wäre möglich. Doch dieser Luxus ist praktisch unbezahlbar.

Und warum sollte sich ein Mann die Mühe machen, so etwas zu tragen? Für wen? Niemand wäre von unserem Aussehen, der ausgefallenen Kleidung, den ungewöhnlichen Besitztümern oder von unserem ach so wichtigen Job beeindruckt. Also begnügen wir uns mit dem, was nötig ist. Zweckmäßig. Unauffällig. Austauschbar.

Ich drehe mich um, streife die Badezimmertür. Wenn ich sie öffnen würde, dann bekäme ich ein ähnlich erbärmliches Bild wie in meinem Zimmer geboten. Es gibt ein winziges Waschbecken, eine Dusche, die den Namen nicht verdient, und eine Toilette. Die Verfärbungen des welligen Bodens trotzen standhaft jedem Putzmittel der Welt.

Schließlich bin ich am Bett angekommen. Es ist schmal, aber immerhin lang genug, damit meine Füße beim Schlafen nicht über die Matratze hinausragen.

Doch ich wage es nicht, meinen Blick nach unten zu richten. Wenn ich mich erneut dazu durchringen sollte, dann würde ich nämlich nicht nur die graue Bettwäsche sehen. Dann würde ich auch die junge Frau wahrnehmen müssen, die bewusstlos auf der Decke liegt.

Ich würde bemerken, dass sich ihre langen blonden Haare wie ein Wasserfall aus flüssigem Gold über mein abgenutztes Kissen ergießen. Auch wenn ich meinen Blick im Moment von ihr fernhalten kann, weiß ich, dass ein Teil ihrer Haare über die Bettkante hängt, und die Spitzen beinahe den grauen Boden berühren. Doch ich traue mich nicht, sie ein weiteres Mal anzufassen und diesen Zustand zu ändern.

Ich weiß, dass ihr Make-up verwischt ist. Schwarze Schlieren unter den Augen, die Lippen leicht geöffnet, als wäre sie mitten in einem erstaunten Atemzug erstarrt. Ich habe sie lange genug betrachtet, um jedes Detail zu kennen. Minuten, die sich wie Jahre anfühlten.

Seufzend bleibe ich stehen und mein Blick wandert widerwillig doch hinunter zu der Katastrophe, die ich selbst heraufbeschworen habe.

Mein Herz hämmert und ich versuche verzweifelt gegen die Trockenheit in meiner Kehle anzukämpfen. Dass das Mädchen nicht hierher gehört, ist so offensichtlich wie die Tatsache, dass ich die vermutlich größte Dummheit meines Lebens begangen habe.

Alles an ihr schreit nach Geld und Bildung. Selbst in ihrer misslichen Lage strahlt sie eine Eleganz und Souveränität aus, die ich selbst in meinen selbstbewusstesten Momenten nicht nachahmen könnte. Der Kontrast zwischen ihr und meiner nichtigen Existenz könnte nicht größer sein.

Es klopft leise, aber hektisch. Ich zucke zusammen, eile die zwei Schritte zur Seite und öffne die Tür vorsichtig einen Spalt breit.

Elias schiebt sich zügig zu mir nach drinnen, seinen Blick sofort auf sie geheftet. „Ist sie wach?“, fragt er atemlos, die Stimme kaum mehr als ein Flüstern.

„Nein“, entgegne ich ohne jegliche Emotion und deute dabei unnötigerweise auf das schlafende Mädchen.

„Jetzt kläre mich bitte auf, Zero. Was willst du mit Aurelia Ravencourt in deinem Bett?“

Elias klingt abgehetzt. Vermutlich hätte er mir nie bei dieser Aktion geholfen, wenn ich ihm gesagt hätte, wen wir da betäuben und in unseren Wohnblock verschleppen werden.

„Du kennst sie?“, frage ich irritiert.

Es klatscht laut, als mir Elias mit der flachen Hand gegen die Stirn schlägt. „Du Idiot. Jeder kennt sie. Sie ist eine Ravencourt, verdammt nochmal“, zischt er dabei und klingt, als ob er gleich die Nerven verlieren würde. Ich schätze, das ist nur fair, denn mir geht es kaum besser.

Zerstreut reibe ich mir über die nun schmerzende Haut.

„Weißt du, was du da angerichtet hast?“, faucht er.

Ja, diese Aktion war absolut nicht durchdacht. Im Nachhinein frage ich mich, von welchem Teufel ich heute Nachmittag in der Bäckerei besessen war. Wie sonst hätte ich zu der absolut hirnrissigen Entscheidung gelangen sollen, Aurelia Ravencourt mit einer Nachricht zu ihrer eigenen Entführung zu locken?

Der Wahnsinn meiner Tat brennt sich schmerzhaft in mein Gehirn. Warum hatte ich plötzlich beschlossen, mich zu wehren? Ja, den Gedanken hatte ich schon oft – wie vermutlich jeder Mann auf diesem Planeten. Aber noch nie war ich auch nur kurz davor, diesen Hirngespinsten Taten folgen zu lassen.

Ich war immer ein konformer, anständiger Bürger.

Bis gestern.

Bis Aurelia Ravencourt in ihrer ganzen selbstverständlichen Perfektion in die Bäckerei stolziert kam, in der ich mir Tag für Tag den Arsch aufreiße, nur um mir hin und wieder ein paar kleine Annehmlichkeiten zu gönnen, die in ihren Augen nicht einmal der Rede wert wären.

Da ist irgendetwas in mir gerissen. Ein Geduldsfaden, von dem ich nicht einmal wusste, dass ich ihn besitze.

Vermutlich liegt es an dem, was vor zwei Wochen in der Villa Ravencourt mit mir passiert ist. Die Frauen hatten mir so große Hoffnungen gemacht – mir eine Zukunft in Aussicht gestellt, die besser war als alles, wovon ich je zu träumen gewagt hätte. Eine schönere Wohnsituation wurde mir versprochen, und an finanziellen Mitteln würde es mir zusätzlich nicht mangeln. Mit diesen Zusicherungen wurde ich geködert. Ich müsste es nur schaffen, dass Aurelia Ravencourt mein Kind zur Welt bringt.

Doch diese Zukunft hat sie durch ihre Handlungen unmöglich gemacht. Aurelia Ravencourt hat sie mir genommen, indem sie es mich nicht einmal versuchen ließ, ihr meinen Samen einzupflanzen.

Jetzt fühle ich mich verraten, benutzt und zutiefst gedemütigt. Doch diese Ungerechtigkeit muss aufhören. Ich verdiene endlich eine Chance auf mein eigenes Glück!

„Was willst du von ihr?“, fragt mich Elias ein weiteres Mal und mustert mich eindringlich.

Ich schlucke schwer. „Ich muss sie schwängern“, gebe ich heiser zurück. Dabei bringe ich es nicht fertig, meinem Freund in die Augen zu sehen, und halte den Blick weiter stoisch auf den blonden Wasserfall gerichtet, der sich über meine Bettkante ergießt.

„Was?“, kommt es ungläubig aus Elias‘ Mund.

„Du hast mich schon verstanden“, entgegne ich ruhig. „Ich muss ihr ein Kind anhängen.“

Nach einer geschlagenen Minute der absoluten Stille antwortet mein Freund schließlich. „Diese Idee ist auf so vielen Ebenen so abgrundtief dämlich, dass ich tatsächlich nicht weiß, was ich darauf jetzt sagen soll.“

„Ich kann dir das nicht genau erklären, aber ich muss es tun.“ Jetzt schaffe ich es doch, ihm in die Augen zu sehen, und entdecke dort pures Unverständnis und auch ein wenig Angst.

Elias schnaubt. „Wenn du sie unbedingt vögeln willst, dann mach es zumindest wie wir im Einundzwanzigsten. Nimm den Hintereingang. Dann kann nichts passieren.“

Ich seufze. „Nein. Elias.“ Gestresst fahre ich mir mit den Fingern durch die Haare. „Ich darf eigentlich nicht darüber sprechen. Aber … ich muss es richtig tun!“

Sein Blick wird hart. „Wenn du gegen das Fortpflanzungsprogramm verstößt, dann bringen sie dich um. Und das Kind gleich mit. Du hast nichts zu gewinnen.“ Elias spricht eindringlich und langsam. Als ob er es einem Dreijährigen erklären würde. Er muss denken, dass ich völlig übergeschnappt bin.

„Ich würde nicht dagegen verstoßen“, erkläre ich ebenso langsam und deutlich.

Misstrauisch mustert er mich aus zusammengekniffenen Augen. „Ich habe Gerüchte gehört … über die Ravencourt-Mädchen, dass sie das Fortpflanzungsprogramm nicht ganz regelkonform nutzen. Stimmt das?“

Ich kann ihm nicht in die Augen sehen. „Ja … nein … ich darf nicht darüber sprechen.“

Elias‘ Blick huscht zu Aurelia. „Und du? Du wurdest für sie ausgewählt?“

„Ja. Aber es war nicht so, dass es hätte funktionieren können“, versuche ich mich zu erklären und trotzdem nicht zu viel zu verraten.

Elias pfeift durch die Zähne. „Holy shit.“ Dann mustert er mich abschätzig. „Natürliche Befruchtung?“

Ich nicke nur.

„Bist du bereits beim Ausziehen gekommen, oder was ist passiert?“

Ich schnaube wütend. „Nein“, bringe ich gepresst hervor. „Tatsächlich habe ich mir große Mühe gegeben.“

Beim sofort einsetzenden Gedanken an die stöhnende Aurelia, die sich mit gespreizten Beinen auf ihrem weißen Himmelbett vor mir geräkelt hat, schießt mir das Blut zielstrebig in die Lendengegend. Ja, ich hatte mich wirklich überaus hart angestrengt.

„Aber du kannst sie doch jetzt nicht einfach vögeln!“ Elias scheint es immer noch nicht begriffen zu haben.

„Doch. Genau das ist der Plan“, erkläre ich mit einer Engelsgeduld zum gefühlt einhundertsten Mal.

„Wenn sie bewusstlos ist? Ich hätte nicht gedacht, dass du so krank bist.“

„Nein! Erst, wenn sie wach ist, du Idiot!“

„Wer ist hier der Idiot? Bist du so naiv, dass du denkst, dass sie das Ganze einfach über sich ergehen lassen wird?“

Ein leichtes Zucken von Aurelias linkem Arm reißt uns beide aus der hitzigen Diskussion. Gebannt starren wir sie an, doch sie schlägt weder die Augen auf, noch bewegt sie sich ein weiteres Mal.

Elias schüttelt fassungslos den Kopf. „Wenn ich geahnt hätte, was du wirklich vorhast, dann hätte ich dich niemals unterstützt! Ich wäre nicht mit dir zu diesem verdammten Brunnen gegangen und natürlich hätte ich dir diesen Scheißstoff nicht besorgt. Wenn das herauskommt, dann sind wir alle geliefert!“

Glücklicherweise hatte ich ihm vorab meinen Plan nicht verraten, denn ohne Elias und seine teils zwielichtigen Verbindungen hätte ich diese Aktion niemals durchziehen können. Das Serafemol hatte er besorgt. Es wird eigentlich als sanftes Sedativum für Frauen während der Geburt verwendet. Elias konnte eine ausreichende Menge davon organisieren, um Aurelia ins Reich der Träume zu schicken. Und offensichtlich für mittlerweile über zwei Stunden zuverlässig dort festzuhalten.

Auch ohne Thein hätte ich Aurelia niemals bis in mein Zimmer bugsieren können. Zu dritt konnten wir sie halbwegs unauffällig transportieren. Aber als Thein begriff, in welche Aktion ich ihn da hineingezogen hatte, war er zutiefst erschüttert und stinksauer. Kaum dass Aurelia auf meinem Bett lag, machte er sich wortlos und vor Wut kochend aus dem Staub.

„Bist du dir sicher, dass sie wieder aufwacht?“, frage ich Elias skeptisch.

Er schnaubt nur. „Bis jetzt haben sie alle wieder die Augen aufgeschlagen. Aber wenn sie das tut, dann bin ich weg. Auf keinen Fall will ich, dass sie mein Gesicht sieht. Die Sache musst du allein ausbaden.“

Für einen Moment herrscht Stille zwischen uns. Nur mein Herz hämmert viel zu laut in meiner Brust, als würde es jeden Moment zerbersten wollen.

Ich nicke stumm.

Mein Blick wandert zurück zu Aurelia, zu ihrer friedlichen, beinahe zerbrechlichen Gestalt auf meiner Bettdecke. Sie sieht nicht aus wie jemand, der mein Leben ruinieren könnte. Und doch weiß ich, dass sie das schon längst getan hat.

Kapitel13

Aurelia

Ein dumpfes Dröhnen liegt über meinen Gedanken, als ich langsam wieder zu mir komme. Mein Kopf ist schwer, als wäre er mit Blei gefüllt. Die Zunge klebt mir am Gaumen, und ein bitter-metallischer Geschmack breitet sich in meinem Mund aus.

Mein gesamter Körper fühlt sich merkwürdig fremd an, als wäre ich nicht ich selbst. Ein wenig wie bei einem Kater, nur schlimmer. Und ohne das Hoch vom Vorabend.

Ich zwinge mich die Augen zu öffnen. Grelles Licht brennt sich in meine Netzhaut, und es dauert einen Moment, bis ich die dunklen Umrisse der Welt um mich herum erkenne.

Die Konturen sind verschwommen, aber ich kann sehen, wie eine Gestalt hastig hinter einer Tür verschwindet. Ein junger Mann mit dunklem Oberlippenbart.

Ein leichter Schwindel erfasst mich, und ich schließe kurz die Augen, um mich zu sammeln. Als ich sie wieder öffne, nehme ich zum ersten Mal wirklich meine Umgebung wahr.

Mein Herz beginnt schneller zu schlagen, als mich die Erkenntnis trifft: Ich bin definitiv nicht in meinem Zimmer in der Villa Ravencourt.

Der Raum ist klein, trostlos und karg eingerichtet. Die Wände sind in einem stumpfen Grauton gehalten, und der Boden ist mit abgenutztem Linoleum bedeckt.

Wo bin ich?

Ein ungutes Gefühl kriecht langsam in mir hoch, lässt meine Brust eng werden. Ich will mich aufrichten, doch meine Arme fühlen sich schwer an, als wäre jeder Muskel mit Ballast gefüllt. Es dauert einen Moment, bis ich mich auf meine Ellbogen stützen kann.

Mein Blick schweift erneut durch den Raum und bleibt schließlich an der einzigen weiteren Person hängen, die sich hier befindet.

Ein junger Mann steht mit verschränkten Armen neben der Tür, die Lippen zu einer schmalen Linie gepresst. Er hat dunkle Locken, eine angespannte Kieferpartie und Augen, die wie zwei Schatten auf mir lasten. Er sieht aus, als hätte er eine Entscheidung getroffen, von der er selbst nicht sicher ist, ob sie richtig war.

Ich kenne ihn.

Er ist der März-Junge. Der Mann aus der Bäckerei. Zero.

Sein Blick trifft meinen, und für einen kurzen Moment ist es so still, dass ich meinen eigenen Herzschlag hören kann.

„Du bist wach“, flüstert er unsicher.

---ENDE DER LESEPROBE---