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Wer oder was ist Benu? Wieso findet sich eine junge Frau nach der Trennung von einem Alkoholiker in einer anderen Zeit wieder und trifft auf den Bund der Verwandlungen? Und was passiert, wenn man vor die Wahl zwischen Tod und Leben gestellt wird?
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Seitenzahl: 35
Veröffentlichungsjahr: 2013
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KreaRe
Benu
Die Flammen des Phönix
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Impressum neobooks
Ich sah in seine dunkelblau wässrigen Augen und frage mich, was zwischen uns gekommen war. War es die Zeit? War es das Leben, das uns in zwei Hälften gespalten hatte?
Mir fiel nichts ein, was ich ihm sagen wollte. Mein Kopf war wie leer gefegt, eine einzige schwarze Hülle.
Das ernüchternde Gefühl fiel auf mich herab, wie ein schwarzer Schleier über das Todesopfer und ich versuchte vergeblich etwas in seinen Augen zu finden, was mir sagte, dass das noch nicht alles war. Etwas musste ich doch finden, das mir sagte, es würde noch mehr kommen.
Der Kies unter mir knirschte und ich sah vergeblich zu dem dunkelgrauen Himmel hinauf, der sich immer mehr zu zog.
Wohin mit meiner Verzweiflung? Wohin mit der Wut darüber, dass wir uns nicht zusammen rissen und einfach weitermachten?
Etwas in mir loderte auf, wollte zum Ausdruck gebracht werden. Doch wieder blickte ich in die dunkelblauen Augen und fand nichts, an dem ich dieses Feuer auslassen konnte.
Verloren stand ich vor ihm, distanzierte mich durch Abstand und hoffte, dass er mir nicht anmerkte, wie schlecht es mir in diesem Augenblick ging. Denn eigentlich wollte ich stark sein, eigentlich wollte ich ihm nicht zeigen, was wirklich in mir vorging.
Es ist erstaunlich, was zwischen zwei Menschen passieren konnte, wenn sie durch eine tiefe Liebe verbunden waren. Wenn sie sich schon ewig gekannt haben und am Ende voneinander getrennt sind.
Mein Blick schweifte über seine leichten Grübchen und das dunkelbraune Haar, welches seitlich zurückgekämmt war. Der Kragen seines blauen Polo Hemdes umrahmte seinen schmalen Hals und zeichnet dunkle Konturen ab.
Es steht einfach zu viel zwischen uns. Ich erkenne dich nicht, ich erkenne die Person nicht, mit der ich einmal so verbunden war, dachte ich.
Vor mir lag ein langer Weg aus Kies und Sand, über mir die dunklen Wolken, die ein Gewitter ankündigten.
Regen hat etwas Belebendes. Doch was sollte zwischen uns noch belebt werden. Sein eiskalter Blick ließ mich erstarren, in allem, was ich tun will.
Ich weiß nicht, was ich tun oder lassen sollte. Natürlich könnte ich einfach gehen, aber renne ich dann weg? Bleibe ich stehen, bin ich zu hartnäckig?
Brauchen wir Zeit? Brauchen wir etwas, das uns wieder zusammenführt?
In seinen Augen fand ich keine Antwort, vielleicht ist es auch nicht seine Frage.
Er wich zurück, starrte mich an, als hätten wir uns nie gekannt.
Ich kann ihm nicht sagen, wie leid es mir tut. Wie sehr ich diesen Moment bereue und was ich dafür geben würde, damit alles wird, wie es einmal war.
Es ist nicht leicht, einen Moment aufzulösen, dem man kein Ende bereiten möchte. Nicht, weil er so schön ist. Nein, sondern weil er tief in der Seele brennt und Angst erweckt, die Auflösung könnte noch schlimmere Momente mit sich bringen.
Doch jeder Moment hat irgendwann sein Ende, sei es innerlich oder äußerlich bestimmt.
Ich lasse von ihm ab, lasse ihn im Regen stehen. Blicke nicht zurück und renne über den Kiesweg in meine Freiheit, von der ich in diesem Moment weit getrennt war.
Ich lasse ihm Zeit, lasse ich zurück. Überlasse ihm seine Probleme.
Was bleibt mir übrig, wenn vor mir eine Stahlwand steht, die sich durch nichts durchbrechen lässt.
„Sind Sie zufrieden mit Ihrer Entscheidung? Ich meine, fühlen sie diese Leere in Ihrem Bauch, die durch die Lösung des Problems erschienen ist?“
Langsam drangen die Worte meines Psychiaters zu mir durch und ich blickte ihn mit verschleiertem Blick an. Meine enge schwarze Jeans klemmte an der Ledercoach fest, auf der ich saß und zwängte mich so ein, dass ich Luft schnappen musste.
„Natürlich tu ich das. Aber das heißt nicht, dass ich mich wahnsinnig besser fühle.“
„Sie erwarten zu viel von sich. Erstmal müssen Sie diese Situation verarbeiten.“
„Und wie macht man das?“, ich blickte ihn kritisch an und wollte, dass er aufhörte, mir zu sagen, was ich tun sollte.
Seit Wochen saß ich bei ihm, erzählte ihm Privat Sachen aus meinem Leben und von meinem Freund, der nun nicht mehr mein Freund war und es auch niemals gewesen war.
