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Was passiert, wenn aus einem Ei kein Küken schlüpft? Im Hühnerstall wartet alles auf neue Küken – doch aus Hannes Ei kommt ein kleiner Hase. Beppi passt nicht richtig dazu. Er ist kein Küken. Aber was ist er dann? Der Frühling ist da, die Tage werden heller, und auf dem Hof verändert sich etwas. Die Kinder rennen, lachen und bleiben plötzlich stehen, als würden sie auf eine Überraschung warten. Als Beppi eine ungewöhnliche Idee hat, verändert sich alles. Und plötzlich beginnt eine Tradition, die Kinder bis heute lieben. „Beppi, das Osterhasenküken“ ist eine warmherzige Ostergeschichte über Anderssein, Mut und die Frage, wie der Frühling eigentlich richtig anfängt.
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Veröffentlichungsjahr: 2026
Inhaltsverzeichnis
Impressum
Titelseite
Kapitel 1 – Der Winter sagt leise Tschüss
Kapitel 2 – Große Aufregung im Hühnerstall
Kapitel 3 – Ein Ei macht alles anders
Kapitel 4 – Fast richtig
Kapitel 5 – Wenn der Frühling noch zögert
Kapitel 6 – Die Idee aus dem Ei
Kapitel 7 – Farben, Mut und ein bisschen Chaos
Kapitel 8 – Der erste Ostermorgen
© 2026
likeletters Verlag
Inh. Martina Meister
Sandgasse 19
63739 Aschaffenburg
www.likeletters.de
Alle Rechte vorbehalten.
Autorin: Martina Meister
Bildquelle: Chat GPT
ISBN: 9783689490553
Teilweise kam für dieses Buch künstliche Intelligenz zum Einsatz. Die Texte (und/oder Illustrationen) wurden dabei von der Autorin inhaltlich bearbeitet und weiterentwickelt.
Beppi, das Osterhasenküken
Eine Osterhasengeschichte
Martina Meister
Der Winter war schön.
An manchen Tagen lag der Schnee so hoch, dass man darin ganze Tunnel graben konnte. Die Kinder kamen mit roten Wangen und kalten Fingern nach Hause, lachten, stritten, warfen Schneebälle und tranken danach dampfenden Tee. Niemand war traurig, wenn es kalt war. Es war eben Winter.
Doch nun begann er, sich langsam zu verabschieden.
Der Schnee wurde weniger. Auf den Wiesen tauchten dunkle Stellen auf, und zwischen den letzten weißen Hügeln schimmerte plötzlich wieder Gras hervor.
Aus dem harten Schnee wurde weicher Matsch, der unter den Stiefeln schmatzte. Jacken blieben öfter offen, Mützen verschwanden in Taschen, und eines Morgens zwitscherte ein Vogel so laut, dass man ihn sogar durch geschlossene Fenster hören konnte.
Die Erwachsenen merkten es zuerst.
Sie stellten Schlitten an die Wand, schüttelten dicke Decken aus und sagten Dinge wie:
«Das brauchen wir jetzt wohl erstmal nicht mehr.»
Oder:
«Bald müssen wir uns um anderes kümmern.»
Es klang nicht traurig.
Aber es klang nach Veränderung.
Auch die Kinder spielten weiter, doch irgendwie anders als noch vor ein paar Wochen. Sie rannten viel, blieben plötzlich stehen und schauten sich um, als würden sie auf etwas warten. Sie wussten nicht genau, worauf.
Am Rand des Hofes stand der Hühnerstall. Drinnen war es warm, und es roch nach Stroh und Federn. Die Hennen gackerten leise, scharrten im Boden und rückten ihre Nester zurecht. Eine von ihnen, Hanne, saß besonders ruhig in ihrem Nest. Unter ihr lag ein Ei. Es sah aus wie jedes andere Ei auch.
Niemand schenkte ihm besondere Beachtung.
Niemand wusste, was darin steckte.
Und niemand ahnte, dass genau dieses Ei den Frühling auf eine Weise beginnen lassen würde, wie es ihn noch nie gegeben hatte.
Im Hühnerstall war schon früh am Morgen viel los.
Die Hennen gackerten durcheinander, scharrten im Stroh und rückten immer wieder ihre Nester zurecht. Es war eine besondere Zeit, das spürte jede von ihnen. Bald würden Küken schlüpfen. Neue, kleine Leben, warm und piepsend. Darauf freuten sie sich.
«Meins wackelt schon», gackerte eine braune Henne stolz und beugte sich tief über ihr Nest.
«Bei mir auch», antwortete eine andere. «Ganz leicht, aber ich habe es gespürt.»
Hanne sagte nichts.
Sie saß ruhig auf ihrem Ei und bewegte sich kaum.
Ihr Gefieder war glatt gestrichen, und sie hielt den Kopf ein wenig schief, als würde sie ganz genau zuhören. Unter ihr lag ein Ei, das etwas größer war als die anderen. Es war hell, fast cremefarben und fühlte sich angenehm warm an.
Hanne mochte dieses Ei besonders.
Sie wusste nicht warum. Vielleicht, weil sie schon so lange darauf saß. Vielleicht, weil es sich anders anfühlte. Aber Hühner stellten solche Fragen nicht. Sie taten, was sie immer taten: Sie hielten warm, warteten und vertrauten darauf, dass alles zur richtigen Zeit geschehen würde.
Ab und zu kam jemand in den Stall, um nach den Hennen zu sehen. Dann wurde es kurz lauter, und die Tiere rückten näher zusammen. Doch Hanne blieb sitzen. Sie hatte nicht vor, ihr Ei auch nur einen Moment allein zu lassen.
Draußen vergingen die Tage. Drinnen wurde gewartet.
Und während im Stroh schon die ersten Eier leise knackten und winzige Schnäbel sich nach draußen schoben, lag Hannes Ei still in seinem Nest. Es wackelte nicht. Es knackte nicht. Es tat nichts.
Aber es wartete.
Es begann ganz leise.
Zuerst hörte man nur ein feines Geräusch, kaum mehr als ein Knacken, das auch einfach vom Stroh hätte kommen können. Die Hennen hielten inne. Ein paar Köpfe hoben sich. Jemand gackerte aufgeregt.
«Jetzt geht es los!», rief eine.
«Ich habe es gehört!»
Hanne bewegte sich zum ersten Mal an diesem Morgen. Sie rückte ein kleines Stück zur Seite und blickte nach unten. Ihr Ei lag noch immer ruhig im Nest. Es sah genauso aus wie zuvor. Glatt. Ganz. Still.
Dann kam das Geräusch noch einmal.
Knack.
Diesmal war es deutlicher. Hanne spürte eine leichte Bewegung unter sich. Nicht das schnelle, ungeduldige Zappeln, das sie von anderen Eiern kannte. Eher ein vorsichtiges Drücken, als würde jemand von innen prüfen, ob es draußen sicher war.
Die Hennen rückten näher.
«Jetzt aber», murmelte eine.
«Ein bisschen spät», sagte eine andere.
«Aber jedes Ei hat sein eigenes Tempo.»
Ein feiner Riss erschien in der Schale. Dann noch einer. Kleine Stücke lösten sich und fielen ins Stroh. Hanne hielt den Atem an, so gut es eben ging, wenn man eine Henne war.
Und dann schaute etwas aus dem Ei heraus.
Es war kein Schnabel.
Es war eine kleine, dunkle Nase, die vorsichtig zuckte. Direkt daneben erschienen zwei runde Augen. Und dort, wo eigentlich ein Kükenkopf hätte sein müssen, schoben sich zwei lange, weiche Ohren ins Licht.
Im Hühnerstall wurde es still.
Sehr still.
Das Wesen im Ei blinzelte. Es schob die Schale weiter auseinander, strampelte unbeholfen und plumpste schließlich ins Stroh. Es war klein, flauschig und eindeutig… ein Hase.
Ein kleiner Hase.
Niemand sagte etwas.
Die Hennen starrten. Der Hase starrte zurück.
Hanne war die Erste, die sich bewegte. Sie beugte sich vor, breitete ein wenig ihre Flügel aus und machte ein leises, beruhigendes Gurren. Der kleine Hase kuschelte sich näher an sie heran, als hätte er genau darauf gewartet.
Hanne wusste nicht, was aus ihrem Ei geschlüpft war.
Aber sie wusste eines ganz sicher.
Es war ihres.
Der kleine Hase blieb bei Hanne.
Das war für sie ganz selbstverständlich. Sie breitete ihre Flügel über ihm aus, hielt ihn warm und rückte ihn nachts näher an sich heran. Beppi schlief gern im Stroh, dicht an ihrer Seite. Wenn er aufwachte, war sie da. Das beruhigte ihn.
Am Morgen beobachtete Beppi die Küken.
Sie piepsten, stolperten durchs Stroh und pickten neugierig nach allem, was ihnen vor den Schnabel kam.
Beppi beugte sich vor und stupste mit der Nase gegen ein Körnchen.
Er wartete.
«Du musst picken», sagte ein Küken und hüpfte ein Stück näher.
«So», und es pickte blitzschnell auf den Boden.
Beppi versuchte es. Er stupste. Schnupperte. Nichts passierte.
«Vielleicht musst du fester», meinte ein anderes Küken.
Beppi stupste fester. Das Körnchen rollte davon.
Die Küken kicherten. Nicht böse, eher überrascht.
Beppi setzte sich hin. Seine Ohren kippten ein wenig zur Seite.
«Ich mache es falsch», murmelte er.
Hanne beugte sich zu ihm.
«Du machst es anders», sagte sie ruhig.
Beppi schaute sie an.
«Ist das schlimm?»
Hanne schüttelte den Kopf.
«Nein.»
Beppi versuchte noch vieles. Er wollte dicht bei Hanne bleiben wie die Küken, aber seine Beine trugen ihn weiter. Er wollte still sitzen, aber manchmal sprang er einfach los. Wenn er sich erschreckte, rannte er, ohne zu wissen wohin.
«Du bist kein Küken», sagte eine Henne einmal.
«Aber er bemüht sich», sagte eine andere.
Beppi hörte das.
Er rückte näher zu Hanne.
«Bin ich falsch?», fragte er leise.
Hanne legte ihren Schnabel sanft an seinen Kopf.
«Nein», sagte sie. «Du bist fast richtig. Und vielleicht ist genau das richtig.»
Beppi verstand das noch nicht ganz.
Aber er blieb.
