Beratung schwangerer Frauen -  - E-Book

Beratung schwangerer Frauen E-Book

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Beschreibung

An der Beratung der schwangeren Frau sind häufig unterschiedliche Professionen beteiligt. Insbesondere dann, wenn Auffälligkeiten beim ungeborenen Kind festgestellt werden. Um eine den Bedürfnissen der Schwangeren angepasste Beratung sicherzustellen und den Forderungen des Gesetzgebers nachzukommen, ist eine bessere Kooperation zwischen der ärztlichen Schwangerenbetreuung und psychosozialer Beratung notwendig. In diesem Buch stellen Experten ihre Erkenntnisse und Erfahrungen multiprofessioneller Kooperationen dar, um diejenigen zu unterstützen, die an einem Aufbau von interdisziplinären Netzwerken in der Schwangerenberatung interessiert sind.

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Seitenzahl: 332

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Christa Wewetzer,Marlis Winkler (Hrsg.)

Beratung schwangerer Frauen

Interprofessionelle Zusammenarbeit bei Pränataldiagnostik

Verlag W. Kohlhammer

Die Vorarbeiten und der Druck dieses Buches wurden ermöglicht durch Fördermittel der Hanns-Lilje-Stiftung, Hannover

Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und für die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Die Wiedergabe von Warenbezeichnungen, Handelsnamen und sonstigen Kennzeichen in diesem Buch berechtigt nicht zu der Annahme, dass diese von jedermann frei benutzt werden dürfen. Vielmehr kann es sich auch dann um eingetragene Warenzeichen oder sonstige geschützte Kennzeichen handeln, wenn sie nicht eigens als solche gekennzeichnet sind.

1. Auflage 2013

Alle Rechte vorbehalten© 2013 W. Kohlhammer GmbH StuttgartUmschlag: Gestaltungskonzept Peter HorlacherUmschlagabbildung: © istockphoto.com/Mark BowdenGesamtherstellung:W. Kohlhammer Druckerei GmbH + Co. KG, Stuttgart

Print:

ISBN 978-3-17-022253-3

E-Book-Formate:

pdf:     ISBN 978-3-17-023886-2

epub:  ISBN 978-3-17-025536-4

mobi:  ISBN 978-3-17-025427-5

Inhaltsverzeichnis

Zu diesem Buch

Christa Wewetzer

1   Zum Verhältnis medizinischer und psychosozialer Beratung bei Pränataldiagnostik – eine Übersicht

Christa Wewetzer

1.1   Untersuchungsmöglichkeiten der Pränataldiagnostik

1.1.1   Nichtinvasive Routineuntersuchungen

1.1.2   Weiterführende Diagnostik

1.2   Anforderungen an Aufklärung und Beratung im Verlauf der Pränataldiagnostik

1.2.1   Ärztliche Beratung

1.2.2   Bedeutung der psychosozialen Beratung

1.2.3   Zum Verhältnis der ärztlichen und psychosozialen Beratung bei Pränataldiagnostik

1.2.4   Beratungsbedarf aus Sicht der Schwangeren

1.3   Zusammenfassung und Fazit

2   Vernetzung und Kooperation in der Schwangerenberatung und Betreuung bei Pränataldiagnostik: gesetzlicher Hintergrund, Rahmenbedingungen und ihre Umsetzung in die Praxis

Anne Rummer

2.1   Entscheidungen in der Schwangerschaft

2.2   Warum Beratung?

2.3   Gesetzliche Rahmenbedingungen zur multiprofessionellen Beratung

2.3.1   Gesetzliche Hinweis- und Vermittlungspflicht

2.3.2   Gesetzliche und untergesetzliche Grundlagen ärztlicher Beratung

2.4   Multiprofessionelle Beratung in der Praxis – Ergebnisse aus der Studie »imb-pnd«

2.4.1   Vermittlung im Sinne des § 2a SchKG

2.4.2   »Dringende Gründe« im Sinne des § 2a Abs. 1 SchKG

2.4.3   Vermittlungen im Sinne des § 2a Abs. 1 SchKG

2.4.4   Vernetzungsarbeit

2.4.5   Form der Zusammenarbeit

2.4.6   Wichtige Faktoren für die Zusammenarbeit

2.5   Möglichkeiten untergesetzlicher Regelungen zur Verbesserung der Beratungssituation

2.6   Fazit

3   Interdisziplinäre bzw. interprofessionelle Zusammenarbeit – wie geht das? Terminologie, Chancen und Barrieren einer Disziplinen und Berufe übergreifenden Zusammenarbeit

Karl Kälble

3.1   Ausgangslage

3.2   Terminologische Klärungen

3.3   Rahmenbedingungen, Formen, Voraussetzungen und Barrieren einer berufsübergreifenden Zusammenarbeit

3.4   Interprofessionelle Kooperation als Frage der Ausbildung

3.5   Interprofessionelle Kooperationsprozesse erfolgreich auf den Weg bringen – Hinweise für den Aufbau und zu den Verlaufsphasen einer interprofessionellen Zusammenarbeit

3.6   Fazit

4   Multiprofessionelle Kooperation: Ziele und Anforderungen aus Sicht des Netzwerkmanagements

Henning Staar

4.1   Einleitung

4.2   Herausforderungen multiprofessioneller Kooperationen

4.3   Verbindlichkeit als Schlüssel für erfolgreiche multiprofessionelle Kooperation

4.4   Voraussetzungen für verbindliches Handeln in multiprofessionellen Kooperationen

4.4.1   Bedingungs- und personenbezogene Voraussetzungen multiprofessioneller Kooperationen

4.4.2   Formalisierung von Arbeitsprozessen

4.4.3   Transparenz und Partizipation

4.4.4   Kommunikation und Klärung

4.4.5   Vertrauen und Umgang mit Macht, Einfluss und Wettbewerb

4.5   Phasen der Zusammenarbeit

4.6   Implikationen

5   Interprofessionelle Qualitätszirkel als Instrument zur Förderung der Kooperation in der Versorgung von schwangeren Frauen

Ottomar Bahrs

5.1   Besonderheiten der Qualitätsbestimmung im Gesundheitsbereich

5.2   Entstehung und Entwicklung des Konzepts

5.3   Philosophie und Wirkungsweise von QZ

5.3.1   Der Qualitätskreislauf im Qualitätszirkel

5.4   Erfahrungen mit IQZ

5.5   Interprofessionelle Qualitätszirkel als Beitrag zur Professionalisierung

5.6   Implementation von IQZ

6   Professionsspezifische Merkmale von Beratungsqualität an einem Beispiel aus der Beratung der Frage nach pränataldiagnostischen Maßnahmen

Jürgen Kasper und Daniela Reitz

6.1   Einleitung

6.2   Hintergrund

6.2.1   Das Konzept der Risikokommunikation

6.2.2   Generische Kriterien der Beratung

6.3   Fragestellung

6.4   Methoden

6.5   Ergebnisse

6.6   Diskussion und Schlussfolgerungen

7   Die Rolle von evidenzbasierten Gesundheitsinformationen und Entscheidungshilfen in der Pränataldiagnostik

Fülop Scheibler, Susanne Müller und Jürgen Kasper

7.1   Einleitung

7.2   Was sind medizinische Entscheidungshilfen?

7.3   Methode

7.4   Einschlusskriterien

7.5   Suchstrategie und Studienselektion

7.6   Bewertung des Verzerrungspotenzials

7.7   Ergebnisse

7.8   Studiencharakteristika

7.9   Zusammenfassung der Ergebnisse

7.10 Diskussion

7.10.1 Mögliche Rolle von Entscheidungshilfen im Rahmen von Kooperationen und Netzwerken

7.10.2 Zu wenig Information über vorhandene Medien und Komparatoren

7.10.3 Vergleiche in den Studien

7.10.4 Rolle der interpersonellen Interaktion

7.10.5 Heterogenität der Studien

7.10.6 Geringe Effekte der untersuchten Studien

7.11 Schlussfolgerungen

7.11.1 Schlussfolgerungen für die Forschung

7.11.2 Schlussfolgerungen für die Praxis

8   Vernetzung als wichtiges Element der Arbeit in einem Zentrum für Pränatalmedizin

Robin Schwerdtfeger

9   Möglichkeiten und Grenzen der Betreuung schwangerer Frauen aus Hebammensicht

Silvia Höfer

9.1   Das Arbeitsfeld von Hebammen

9.2   Rolle der Hebammen in der Schwangerenvorsorge

9.2.1   Rechtlicher Hintergrund

9.2.2   Was verstehen Hebammen unter Schwangerenvorsorge?

9.3   Ansprüche an eine ganzheitliche Beratung

9.4   Berufsethos der Hebammen

9.5   Ethische Konflikte

9.6   Beratungsverständnis von Hebammen

9.6.1   Informierte Entscheidung

9.6.2   Ergebnisoffene Beratung und Befangenheit

9.6.3   Die Entscheidungssituation aus Hebammensicht

9.6.4   Akzeptanz von Behinderung – Aufgaben der Hebamme

9.7   Relativität und Risiko

9.8   Beratungsrealität der Hebammen

9.9   Kritik an der momentanen Beratungspraxis ohne Einbeziehung der Hebammenkompetenz

9.10 Fazit

10  Kooperation um jeden Preis? Eine kritische Würdigung

Martina Weiss und Ottomar Bahrs

10.1 Vorbemerkung

10.2 Entscheidungsdilemmata in der Schwangerenversorgung

10.2.1 Lebensoptimierung durch Technologie

10.2.2 Soziale Konstruktion von Weiblichkeit

10.2.3 Bedürfnisse und Bedarf – Beratung zwischen Empowerment und Kolonialisierung der Lebenswelten

10.2.4 Kooperation und Vernetzung zwischen Legitimation durch Verfahren und herrschaftsfreier Kommunikation

10.3 Kooperation als permanenter Prozess von Selbstaufklärung und Verantwortungsübernahme

11  Kooperation in der Schwangerenberatung bei Pränataldiagnostik – die Bedeutung der Seelsorge im Zusammenspiel der verschiedenen Berufsgruppen im Krankenhausalltag

Angela Kessler-Weinrich

11.1 Leitlinien des Krankenhauses – geschichtliche Entwicklung und aktuelle Situation des Umgangs eines Evangelischen Krankenhauses mit Pränataldiagnostik

11.2 Das behandelnde Team: psychische Belastungen, ethische Konflikte und Verarbeitungsmöglichkeiten der behandelnden Berufsgruppen

11.3 Seelsorge für das Team – ein Bericht aus der Praxis

11.4 Zusammenfassende Thesen

Nachwort: Schwangerenberatung bei Pränataldiagnostik – offene Fragen

Christa Wewetzer und Marlis Winkler

Autorenverzeichnis

Zu diesem Buch

An der Betreuung der schwangeren Frau sind häufig unterschiedliche Professionen beteiligt, insbesondere dann, wenn bei einer Vorsorgeuntersuchung Auffälligkeiten beim ungeborenen Kind festgestellt werden. Die schwangere Frau bzw. das Paar ist in diesem Fall mit einer Fülle medizinischer Informationen konfrontiert, die nicht selten zu einer hohen emotionalen Belastung und Verunsicherung führt. Um sie in dieser Situation bei Entscheidungen über das weitere Vorgehen zu unterstützen, stehen ihr neben der ärztlichen Beratung weitere nichtmedizinische Beratungsangebote zur Verfügung. Diese werden jedoch kaum in Anspruch genommen. Eine mögliche Ursache besteht darin, dass die Schwangerschaftsvorsorge und -beratung wie viele andere Bereiche der Gesundheitsversorgung durch eine ausgeprägte Sektoralisierung medizinischer und nichtmedizinischer Betreuungs- und Beratungsangebote gekennzeichnet sind. Diese strukturelle Gegebenheit könnte dazu beitragen, dass die schwangere Frau bzw. das Paar in Krisensituationen das Angebot einer psychosozialen Beratung häufig nicht wahrnimmt, obwohl diejenigen, die eine solche Beratung in Anspruch genommen haben, diese als hilfreich und positiv bewerten. Es wird daher von verschiedenen Seiten die Zusammenarbeit aller in der Schwangerenbetreuung tätigen Professionen empfohlen, um Versorgung und Beratung im angemessenen zeitlichen Rahmen und an den unterschiedlichen Bedürfnissen der schwangeren Frau orientiert anbieten zu können. Verstärkt wird die Forderung nach einer besseren berufsübergreifenden Kooperation durch das Gendiagnostik-Gesetz (GenDG) und vor allem das Schwangerschaftskonfliktgesetz (§ 2a SchwKG). Sie implizieren eine Vernetzung der unterschiedlichen Berufsgruppen, insbesondere von medizinischer Betreuung und psychosozialer Beratung und Begleitung. Dennoch stehen unterschiedliche Hindernisse einer Vernetzung der verschiedenen Berufsgruppen häufig im Wege. Werden die Ursachen hierfür den Beteiligten nicht genügend transparent, führen nicht selten Missverständnisse und Frustration zu einem Rückzug oder einer Ablehnung interprofessioneller Kooperationsbeziehungen.

Das vorliegende Buch ist das Ergebnis eines Projekts, das darin bestand, Erfahrungen und mögliche Probleme der Kooperation und Vernetzung aus der Perspektive von Experten zu betrachten, die nicht in die Betreuung und Beratung schwangerer Frauen involviert sind, sich jedoch wissenschaftlich und praktisch mit Fragen multiprofessioneller Vernetzung beschäftigen. Dazu wurde ein Austausch zwischen den in der Praxis der Beratung schwangerer Frauen tätigen Professionen mit Wissenschaftlern aus der Vernetzungsforschung – also Organisationspsychologie, Kommunikationsforschung, Professionssoziologie, Sozialforschung, Medizinrecht bzw. Medizinethik – organisiert. Ziel des Projekts war, die Erkenntnisse der Vernetzungsforschung in Bezug zu den Erfahrungen der Experten aus der Schwangerenberatung zu setzen und für Kooperationen in diesem Bereich nutzbar zu machen. Dazu wurden 1.) Beispiele aus der medizinischen und psychosozialen Schwangerenbetreuung und -beratung vorgestellt und aus der Perspektive der verschiedenen wissenschaftlichen Experten analysiert, 2.) die Einflüsse verschiedener Rahmenbedingungen auf die Bildung und Pflege von Netzwerken der an der Schwangerenberatung beteiligten Professionen und Organisationen diskutiert und 3.) Erkenntnisse der wissenschaftlichen Kooperationsforschung in Beziehung zur Beratungspraxis schwangerer Frauen gesetzt. Die eingebrachten Erfahrungen und die bei den Diskussionen gewonnenen Erkenntnisse sind wesentlich in die Beiträge dieses Buches eingeflossen. Sie sollen diejenigen unterstützen, die eine Vernetzung ihrer Fachkompetenzen im Sinne einer an den Bedürfnissen der Schwangeren orientierten Beratung anstreben.

In Kap. 1 gibt Christa Wewetzer einen Überblick über den Beratungsbedarf, der sich aus Sicht der medizinischen und psychosozialen Betreuung schwangerer Frauen im Zusammenhang mit den verschiedenen Untersuchungen des Embryos bzw. Feten im Verlauf der Schwangerschaft ergeben kann. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Schnittstellen zwischen ärztlicher und psychosozialer Beratung. Deren Vernetzung bzw. Kooperation könnte dazu beitragen, den Erwartungen der schwangeren Frau an eine umfassende Beratung besser gerecht zu werden.

Der Gesetzgeber hat mit der Änderung des Schwangerschaftskonfliktgesetzes (SchKG) und der Verabschiedung des Gendiagnostikgesetzes (GenDG) die interdisziplinäre und multiprofessionelle Beratung gesetzlich verankert. Anne Rummer benennt in Kap. 2 zunächst die Entscheidungssituationen, in denen der Gesetzgeber eine umfassende Beratung schwangerer Frauen fordert, und untersucht, warum die Beratung als ein so wichtiges Element in diesen Situationen angesehen wird. Anschließend erläutert sie die gesetzlichen Grundlagen und Rahmenbedingungen für die Zusammenarbeit von Ärzten und Psychosozialen Beratungsstellen. Mit ausgewählten Studienergebnissen zeigt sie schließlich, wie die gesetzlichen Vorgaben in die Praxis umgesetzt werden.

Die Kap. 3, 4 und 5 beschäftigen sich mit Fragen der Vernetzung aus wissenschaftlicher Perspektive.

Angesichts einer immer stärkeren Ausdifferenzierung von Disziplinen, Professionen und Versorgungsformen wird Kooperation, ebenso wie Koordination und Vernetzung, immer mehr auch zu einer eigenständigen fachlichen und organisatorischen Aufgabe. Karl Kälble thematisiert vor dem Hintergrund dieser Ausgangslage aus einer wissenschafts- und berufssoziologischen Perspektive verschiedene Erscheinungsformen sowie Möglichkeiten und Grenzen interprofessioneller bzw. interdisziplinärer Kooperation. Er beschreibt die Initiierung und Arbeit in Kooperationsbeziehungen als durchaus steinigen Prozess und gibt u. a. Handlungsempfehlungen für den erfolgreichen Aufbau einer Kooperation.

Im Rahmen der Forschungsprojekte von Henning Staar zur Organisation und Steuerung von Kooperationen unter anderem in der Gesundheitswirtschaft hat sich die »Verbindlichkeit« als wesentlicher Schlüsselfaktor für den Erfolg multiprofessioneller Zusammenarbeit herausgestellt. Diese Erkenntnisse überträgt er auf die Kooperation zwischen Ärzten und Psychosozialen Beratungsstellen bei der Beratung schwangerer Frauen.

Spezielle Erfahrungen für den Bereich der Versorgung schwangerer Frauen liegen aus einem Modellprojekt der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zur Implementierung Interprofessioneller Qualitätszirkel (IQZ) vor. Ottomar Bahrs stellt dar, welchen Beitrag sie für die Versorgungsqualität schwangerer Frauen leisten können und benennt u. a. Bedingungen für eine erfolgreiche Umsetzung.

Die Beratung im Zusammenhang mit einer Pränataldiagnostik erfordert unterschiedliche Kompetenzen, z. B. verständliche Vermittlung medizinischer Sachverhalte, Intervention bei emotionalen Krisen aufgrund eines Befunds oder die Unterstützung bei Entscheidungen, die sich auf das zukünftige Leben des Paares auswirken. Jürgen Kasper und Daniela Reitz beschäftigen sich mit der Frage, wodurch die Beratungsqualität in diesen Bereichen gekennzeichnet ist (Kap. 6). Sie stellen in ihrem Beitrag eine Methode zur Messung von Beratungsqualität – Qualität im Sinne professionsspezifischer Kompetenzen – vor. Am Beispiel einer Fallstudie wurden Kompetenzprofile der an der Beratung beteiligten Professionen – Pränatalmediziner, Hebamme, psychosoziale Beraterin – erstellt. Diese wiesen in einigen Bereichen Gemeinsamkeiten auf. Demgegenüber ergaben sich z. B. in Bezug auf die Häufigkeit der aktiven Gesprächsbeteiligung der Patientin Unterschiede zwischen der ärztlichen und der nichtärztlichen Beratung.

Fülop Scheibler, Susanne Müller und Jürgen Kasper stellen in ihrem Beitrag eine Studie zur Qualität und Wirksamkeit verschiedener Informationsformen über vorgeburtliche Untersuchungen vor (Kap. 7). Vorbereitende oder begleitende schriftliche und visuelle Informationen können die Kommunikation zwischen den Beteiligten – den unterschiedlichen Professionen und der schwangeren Frau bzw. dem Paar – fördern. Darüber hinaus kann die gemeinsame Arbeit der unterschiedlichen Akteure eines Netzwerks an einer Entscheidungshilfe zum gegenseitigen Kennenlernen und zum Verständnis der jeweils anderen Perspektive beitragen.

Die folgenden Beiträge vermitteln Erfahrungen der an der Beratung beteiligten Professionen.

Robin Schwerdtfeger beschreibt die Komplexität der Beratung bei Pränataldiagnostik und die umfangreichen Anforderungen, die sich für den niedergelassenen Pränatalmediziner aus den gesetzlichen Regelungen der Beratung ergeben (Kap. 8). Eine Vernetzung mit nichtmedizinischen Beratungsangeboten ist für eine umfassende Beratung unerlässlich, erfordert jedoch von allen Beteiligten eine hohe persönliche Motivation, da es an Ressourcen für den Aufbau der dazu notwendigen Strukturen fehlt.

Die medizinische Schwangerenvorsorge trägt dazu bei, dass immer mehr Schwangerschaften als »Risikoschwangerschaft« eingestuft werden. Dies führt aus Sicht der Hebamme Silvia Höfer zu einer wachsenden Verunsicherung schwangerer Frauen (Kap. 9). Die Betreuung durch Hebammen könnte dazu beitragen, Schwangerschaft als normales Geschehen zu erleben. Hebammen betreuen auf der Grundlage ihrer Ausbildung und ihrer Berufsordnung die Frau in der Schwangerschaft sowie während und nach der Geburt. Bei Problemen während der Schwangerschaft veranlassen sie die ärztliche Untersuchung. Sie haben eine Lotsinnenfunktion innerhalb der medizinischen und nichtmedizinischen Schwangerenvorsorge sowie der nachgeburtlichen Betreuung des Kindes und der Mutter bzw. der Eltern.

Kap. 10 von Martina Weiß und Ottomar Bahrs ist vor allem geprägt von der langjährigen Erfahrung der Erstautorin, Martina Weiß, als psychosoziale Beraterin und Moderatorin Interdisziplinärer Qualitätszirkel. Aus ihrer Sicht wird von der Beratung erwartet, problematische oder unübersichtliche Probleme zu lösen, die wie bei der Schwangerenvorsorge durch technische Fortschritte und gesellschaftliche Rahmenbedingungen hervorgerufen werden. Ausgehend von einem unzweifelhaften Nutzen einer multiprofessionellen Kooperation für die schwangere Frau bzw. die werdenden Eltern weisen die Autoren auf die Gefahr hin, Beratung gesellschaftlich zu instrumentalisieren, indem eigentlich »unmögliche Entscheidungen« an die Beteiligten – an Beratende und die schwangere Frau bzw. die werdenden Eltern – delegiert werden. Die Ambivalenz der Beratung besteht in ihrer doppelten Aufgabe, sowohl die individuelle Entscheidungsfindung der Eltern zu fördern als auch ihnen die ethische Dimension des Schwangerschaftskonflikts bewusst zu machen. Des Weiteren kritisieren die Autoren, dass die Bedürfnisse der schwangeren Frau bei der Planung von Angeboten nicht berücksichtigt werden. Sie wird einmal mehr zur Hilfsbedürftigen gemacht, indem davon ausgegangen wird, dass sie Unterstützung benötigt.

Der abschließende Beitrag von Angela Kessler-Weinrich beschäftigt sich mit Aufgaben der Klinikseelsorge im Zusammenhang mit Pränataldiagnostik und Schwangerschaftsabbrüchen in einem evangelischen Krankenhaus (Kap. 11). Sie beschreibt das Vorgehen bei Entscheidungen bzgl. eines Schwangerschaftsabbruchs nach Pränataldiagnostik anhand eines innerhalb der Klinik entwickelten Leitfadens und betont die Beteiligung der Klinikseelsorge an der Leitfadenentwicklung auf institutioneller Ebene. Die individuelle seelsorgerliche Begleitung der Frauen und Paare bei einem Schwangerschaftsabbruch ist wesentlicher Bestandteil ihrer Arbeit. Eine weitere Aufgabe, die jedoch selten bewusst wahrgenommen wird, ist die Seelsorge für das an Abbrüchen beteiligte Klinikteam. Etwas von der schweren Begleitung der Eltern an die Seelsorgende abgeben zu können, wird als Entlastung und Unterstützung erlebt.

In einem Nachwort stellen Christa Wewetzer und Marlis Winkler den weiteren Diskussions- und Forschungsbedarf zu verschiedenen Aspekten der interdisziplinären Kooperation in der Beratung schwangerer Frauen heraus.

Ein Dank geht an alle Autorinnen und Autoren, die sich an diesem Buch nicht nur mit ihren Beiträgen beteiligt haben, sondern Zeit in einen intensiven interdisziplinären Austausch im Verlauf mehrerer Workshops oder per Mail investiert haben. Ohne die Unterstützung bei der redaktionellen Arbeit durch Henning Staar und seine wissenschaftlichen Hilfskräfte wäre der Zeitplan für die Fertigstellung des Buchs nicht einzuhalten gewesen. Ein besonderer Dank gilt der fachlichen Beratung durch die Kooperationspartnerin im Diakonischen Werk der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, Marlis Winkler, und an die Hanns-Lilje-Stiftung. Ihre Förderung hat dieses Projekt ermöglicht.

Hannover, im August 2013

Christa Wewetzer

1          Zum Verhältnis medizinischer und psychosozialer Beratung bei Pränataldiagnostik – eine Übersicht

Christa Wewetzer

Die Beratung hat wohl in kaum einem anderen Bereich der Medizin eine so weitreichende Bedeutung erhalten wie in der Pränataldiagnostik. Der Gesetzgeber hat sie in mehreren Gesetzen detailliert geregelt, die Bundesärztekammer und Fachgesellschaften der verschiedenen an der Schwangerenbetreuung beteiligten Ärzte haben Richtlinien entwickelt. Dieses ist der besonderen Situation der Pränataldiagnostik geschuldet: Patientin ist zwar die schwangere Frau, doch untrennbar mit einer Untersuchung verbunden und von den Ergebnissen betroffen ist immer auch das ungeborene Kind. Wird eine nichtbehandelbare, lebensbedrohliche Krankheit diagnostiziert, erlaubt der Gesetzgeber allein in diesem Bereich eine Abwägung, die auch das Töten des Feten zulässt, wenn ein Konflikt auf andere Weise nicht gelöst werden kann. Da sich die Pränataldiagnostik seit den 1990er Jahren erheblich weiterentwickelt hat – vor allem durch molekulargenetische Untersuchungen und Bildgebung durch Ultraschall – und von einer wachsenden Zahl Schwangerer in Anspruch genommen wird, werden immer mehr Frauen in ihrer Schwangerschaft mit Entscheidungen im Zusammenhang mit diesen Techniken konfrontiert. Eine ausführliche Beratung soll dazu beitragen, der Schwangeren ihre Verantwortung für das Kind bewusst zu machen. Wie in allen anderen Bereichen der Medizin setzen auch diese Untersuchungen eine informierte Einwilligung (»informed consent«) voraus. Eine informierte Einwilligung wiederum ist sowohl ethisch als auch rechtlich daran gebunden, dass die Schwangere Informationen über Ziel, Verlauf und Risiken der Untersuchung erhält und in die Lage versetzt wird, die Konsequenzen bewerten zu können. Letzteres ist insbesondere dann relevant, wenn die Auswirkungen einer diagnostizierten Entwicklungsstörung oder Erkrankung auf die Gesundheit des Kindes nicht sicher prognostiziert werden können bzw. keine Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Beratung stellt sich damit in der Praxis als komplexes Feld dar, in dem vielfältige Kompetenzen der beratenden Professionen erforderlich sind. Wenn die ärztliche Beratung im Zusammenhang mit einer Pränataldiagnostik mit einer Dreiteilung beschrieben werden kann, 1. Beratung als Grundlage weiteren medizinischen Handelns, 2. Beratung zur Einschätzung von Folgen eines medizinischen Eingriffs für das weitere Leben der Schwangeren und 3. Beratung für Situationen, in denen es nicht um einen medizinischen Eingriff per se geht, sondern ausschließlich um Entscheidungen, welche die spätere Lebensplanung betreffen, geht vor allem letztere über die Reichweite ärztlicher Verantwortung hinaus. Denn die Konsequenzen einer Entscheidung trägt allein die Schwangere bzw. das Paar und die Familie und kann auch letztlich nur von ihr beurteilt werden. Für die Beratung der Schwangeren werden daher »übergreifende Beratungskonzepte« gefordert, die Patientinnen, hier die Schwangeren, stärker in die Entscheidungsfindung einbeziehen und damit auch eine größere Mitverantwortung für Entscheidungen bei Pränataldiagnostik auf die Schwangere übertragen. Dem Anspruch einer gemeinsamen Entscheidungsfindung (»shared decision making«, ) kann jedoch nur entsprochen werden, wenn Beratung als sichergestellt ist. Ein Beratungsangebot, das hinsichtlich des Zeitpunkts, des Orts und des zeitlichen Bedarfs den Bedürfnissen der schwangeren Frau entspricht, kann sie bzw. das Paar in die Lage versetzen, medizinische Sachverhalte zu verstehen und zu verarbeiten. Durch die Reform des Schwangerschaftskonfliktgesetzes (SchKG) und das Inkrafttreten des Gendiagnostikgesetzes (GenDG), 2010, hat der Gesetzgeber Aufgaben ärztlicher Beratung bei Pränataldiagnostik detaillierter geregelt und der nichtmedizinischen Beratung eine größere Bedeutung verliehen. Insbesondere die Vorgaben durch das SchKG implizieren die Kooperation zwischen den medizinischen und psychosozialen Professionen sowie mit Betroffenen-Verbänden, Selbsthilfegruppen und Fördereinrichtungen. Damit soll der Schwangeren bzw. dem Paar und ihrer Familie ein Netzwerk unterstützender Angebote zur Verfügung gestellt werden. Die medizinische bzw. geburtshilfliche Betreuung durch Gynäkologie, Pränataldiagnostik, Humangenetik, Pädiatrie, Hebammen sowie nichtmedizinische Hilfsangebote, vor allem von psychosozialen Beratungseinrichtungen, Behinderteneinrichtungen und Selbsthilfegruppen stellen ein Potenzial dar, das eine den Bedürfnissen der Schwangeren angepasste Entscheidungshilfe gewährleisten soll. Dieses entspräche einem ganzheitlichen, schwangerenzentrierten Ansatz einer begleitenden Betreuung und Beratung und somit auch den komplexen Herausforderungen, die sich bei der Pränataldiagnostik ergeben können. Bisher jedoch ist die Schwangerenberatung in starkem Maße in die medizinische und die nichtmedizinische sektoralisiert (). Die Betreuung und Beratung durch freiberufliche Hebammen nimmt dabei nochmals eine Sonderstellung ein. Da die Schwangerenbetreuung zu etwa 95 % durch Ärzte erfolgt, sind diese auch bei Problemen in der Schwangerschaft die ersten Ansprechpartner. Hebammen und die nichtmedizinischen psychosozialen Beratungsangebote werden von den Schwangeren kaum wahr- und in Anspruch genommen. Wie Erfahrungen vor allem von Interdisziplinären Qualitätszirkeln zeigen, kann durch eine Vernetzung der beteiligten Professionen und Einrichtungen eine bessere schwangerenzentrierte Beratung zur Verfügung gestellt werden. Eine berufsgruppenübergreifende Kooperation erfordert einen erheblichen zeitlichen, personellen Einsatz. Des Weiteren müssen die unterschiedlichen Rahmenbedingungen berücksichtigt werden, unter denen die an der Schwangerenbetreuung und -Beratung beteiligten Berufsgruppen arbeiten.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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